Die Erfindung betrifft eine Anordnung zur Messung und visuellen Darstellung von Wirbeln und
Druckschwankungen, die periodisch in durchsichtigen strömenden Medien, vorzugsweise in strömenden Gasen
auftreten. Solche Messungen sind hauptsächlich in der Fluidtechnik, Strömungsmechanik,
Strömungsakustik, Luftfahrt- und Fahrzeugindustrie, Lärmbekämpfung, akustischen Sensorik, Ultraschalltechnik,
experimentellen Physik und im Blasinstrumenten- und Orgelbau sowie für eine anschauliche
Wissensvermittlung von Interesse.
Die Sichtbarmachung von Wirbeln und Druckschwankungen, die jeweils periodisch oder zumindest
wiederholt in strömenden Medien auftreten, ist eine seit langem bestehende Aufgabe. Druckschwankungen in
strömenden Medien werden beispielsweise durch Unterschiede in der Strömungsgeschwindigkeit hinter
Störkörpern, an Kanten oder Schneiden verursacht. Solche Druckschwankungen sind meist die Ursache
von Wirbeln und deshalb von besonderem Interesse.
Verfahren zur Sichtbarmachung geringer periodischer Druckschwankungen in strömenden Medien sind
nicht bekannt geworden. Sehr hohe Druckunterschiede und damit auch erhebliche Dichteunterschiede in
strömenden Gasen, wie sie beispielsweise beim Verdichtungsstoß in einem Überschalldiffusor auftreten,
lassen sich mit Hilfe eines Interferometers sichtbar machen. Bei mittleren oder geringen
Druckschwankungen, wie sie beispielsweise in der strömenden Luft von Blasmusikinstrumenten oder Pfeifen, oder im
Wind oder anderen Strömungen mit niedriger Reynoldszahl auftreten, ist dieses Verfahren nicht
anwendbar.
Zur Sichtbarmachung von Wirbeln werden üblicherweise in einem zunächst laminar strömenden
durchsichtigen Medium an definierten Stellen in das Medium optisch markierende Zusatzstoffe, die
sogenannten Tracer, hinzugegeben. Als Tracer werden häufig farbige Gase, Nebel, Rauch, Stäube oder dünne
Fäden benutzt. Seltener sind als Tracer auch Gase mit einer optischen Brechzahl, die sich von der Brechzahl
des zu untersuchenden Medium unterscheidet, gebräuchlich. Durch optische Verfahren lässt sich das Gas
mit der geänderten Brechzahl im zu untersuchenden Medium sichtbar machen. Über die Bewegung der
sichtbaren oder sichtbar gemachten Tracer im strömenden Medium werden Wirbel erkennbar und ihre
räumliche Größe lässt sich bestimmen. Das gelingt jedoch nur dann, wenn es vor den Wirbeln nicht zu
einer weitgehenden Durchmischung des Tracers mit dem strömenden Medium selbst gekommen ist. In
größerer Entfernung von der Eingabestelle der Tracer in das Medium ist die Durchmischung häufig schon
so weit fortgeschritten, dass ein Nachweis von Wirbeln kaum noch möglich ist. Tracer markieren den Ort,
die Dreh- und Fortbewegungsrichtung von Wirbeln. Tracer können auch zur Bestimmung der
Drehgeschwindigkeit von Wirbeln genutzt werden. Aussagen zur akustischen Wirksamkeit von Wirbeln bei der
Entstehung von Schallwellen oder zum Druck in den Wirbeln sind aus der Bewegung von Tracern nicht
oder nur bedingt ableitbar. Für sehr kleine Wirbel sind die Tracer-Verfahren wenig geeignet.
Eine weitere Möglichkeit zur Messung und Darstellung von Wirbeln in strömenden Medien besteht in der
Abtastung des Mediums mit einem Laser-Anemometer. Ein Laser-Anemometer erfasst über den Doppler-
Effekt die Strömungsgeschwindigkeit des strömenden Mediums in einem Messvolumen von wenigen
Kubikmillimetern. Dieses Messvolumen muss jedoch kleine mitbewegte Teilchen enthalten, an denen der
Laserstrahl des Anemometers reflektiert werden kann. Diese Teilchen können natürliche
Verunreinigungen im strömenden Medium, beispielsweise der Staub in der Luft oder kleinste Festkörper oder Mikroben
im Wasser sein. Reichen diese Verunreinigungen nicht aus, müssen zusätzliche Tracer eingesetzt werden.
Die Messung von Wirbeln in strömenden Medien mit einem Laser-Anemometer ist sehr aufwendig.
Elektrische Funkenstrecken lassen sich ebenfalls zum Nachweis von Wirbeln in strömenden Gasen
nutzen. Dazu wird quer zur Strömungsrichtung eine elektrische Funkenstrecke aufgebaut und diese mit
hohen Spannungen beaufschlagt. Ist die Überschlagsspannung erreicht, bildet sich zwischen den Elektroden
der Funkenstrecke ein Lichtbogen aus. Dieser wird durch das strömende Gas erheblich deformiert. Die
Art der Deformation des Lichtbogens liefert Information über das Vorhandensein von Wirbeln.
Aufgabe der Erfindung ist es, auf der Basis handelsüblicher Geräte eine Messanordnung zu schaffen, die
einen Nachweis von Wirbeln und Druckschwankungen, die jeweils periodisch oder zumindest wiederholt
in strömenden durchsichtigen Medien, vorzugsweise in strömenden Gasen auftreten, ermöglicht, ohne
dass die Wirbel oder die Druckschwankungen durch die Messanordnung merklich beeinflußt werden und
ohne dass zusätzliche optisch wirksame Zusatzstoffe dem strömenden Medium zugeführt werden müssen.
Außerdem sollen mit der Anordnung die Drücke in den Wirbeln und in den Bereichen örtlicher
Druckschwankungen gemessen werden können. Die Ergebnisse sollen anschließend zur visuellen Darstellung
gebracht werden, um einen optischen Eindruck vom Entstehen örtlich begrenzter Bereiche geringer
Druckschwankungen, ihrer Fortbewegung im strömenden Medium und ihrer Auflösung bzw.
Umwandlung z. B. in Wirbel, Wirbelstraßen, Wirbelfelder oder in Schallwellen zu erhalten.
Die Messanordnung soll bereits bei kleinsten örtlich begrenzten Bereichen von Druckschwankungen und
kleinsten Wirbeln von jeweils nur wenigen Quadratmillimetern und bei nur geringen Druckänderungen
von einigen Pascal und in durchsichtigen Medien, die in freien Räumen, in Kanälen oder in
geschlossenen Kammern strömen, einsetzbar sein.
Bekanntlich wird bei einem Laser-Doppler-Interferometer ein Laser-Messstrahl von einer physikalischen
Größe so beeinflusst, dass ein Frequenzhub gegenüber einem unbeeinflußten Laser-Referenzstrahl
entsteht. Aus dem Betrag eines gemessenen Frequenzhubs lassen sich Rückschlüsse auf die den Laser-
Messstrahl beeinflussende Größe ziehen. Durch den Doppler-Effekt bedingte Frequenzhübe zwischen
Mess- und Referenzstrahl können beispielsweise durch Änderungen der Wegstrecke des Messstrahls oder
durch Änderungen der optischen Brechzahl entlang der Wegstrecke des Messstrahls verursacht werden. Je
größer die Änderungsgeschwindigkeit der Wegstrecke oder der Brechzahl ist, desto größer ist der
resultierende Frequenzhub. Laser-Doppler-Interferometer werden deshalb vorzugsweise zur Messung der
Geschwindigkeit von Objekten genutzt. Vibrieren diese Objekte, so kann auch deren
Schwinggeschwindigkeit, d. h. deren Schnelle, gemessen werden. Durch Integration der Schwinggeschwindigkeit lässt sich
auch der Schwingweg, d. h. die Auslenkung eines vibrierenden Objektes, bestimmen. Laser-Doppler-
Interferometer heißen deshalb oft auch Vibrometer.
Eine besonders komfortable Art von Vibrometern sind scannende Vibrometer. Sie tasten mit einem
Laserstrahl vibrierende Objekte an diskreten Punkten ab. An den Abtastpunkten werden aus dem jeweils
reflektierten Messstrahl zunächst die aus dem Doppler-Effekt resultierenden Frequenzhübe und daraus die
Vibrationsgeschwindigkeiten oder nach einer Integration die Auslenkungen der vibrierenden Objekte
ermittelt. Die Gesamtheit der Abtastergebnisse wird mittels Animation anschaulich als vibrierend
Objektfläche dargestellt. Auf diese Weise lassen sich auch minimale, an sich unsichtbare Vibrationen von
Objekten sichtbar machen.
Wird der Messstrahl eines scannenden Vibrometers auf ein unbewegliches Objekt gerichtet, entstehen im
Ergebnis der Abtastung keine Frequenzhübe und über die Animation wird erwartungsgemäß nicht eine
vibrierende, sondern eine unbewegte Objektoberfläche dargestellt.
Befindet sich jedoch in dem Raum zwischen dem scannenden Vibrometer und dem unbeweglichen Objekt
ein strömendes Gas in dem Wirbel oder Druckschwankungen, die jeweils periodisch oder zumindest
wiederholt auftreten und wird die scannende Abtastung mit dem Vibrometer in der üblichen Weise
durchgeführt, zeigt die Animation überraschender Weise nicht eine vollständig unbewegliche Objektoberfläche.
Vielmehr treten innerhalb der unbeweglichen Objektoberfläche begrenzte, sich zeitlich und/oder örtlich
verändernde Bereiche auf, die anders markiert sind als die unbewegliche Objektoberfläche. Das ist auch
dann der Fall, wenn zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, dass das Objekt tatsächlich unbeweglich ist.
Die anders markierten Bereiche können in diesem Fall nur ein Abbild von örtlich begrenzten
Druckschwankungen im strömenden Gas oder daraus resultierender Wirbel sein.
Örtlich begrenzte Bereiche von Druckschwankungen in strömenden Gasen können beispielsweise durch
örtlich ungleiche Strömungsgeschwindigkeiten im Gas entstehen. Ungleiche
Strömungsgeschwindigkeiten ergeben sich, wenn ein zunächst gleichmäßig strömendes Gas auf ein Hindernis trifft. Hinter dem
Hindernis treten im strömenden Gas Strömungsgeschwindigkeitsunterschiede auf, die meist zu periodisch
auftretenden örtlich begrenzten Druckschwankungen und schließlich zu periodisch auftretenden Wirbeln
führen. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Karmansche Wirbelstraße.
Gemäß vorliegender Erfindung wird also der Messstrahl des Vibrometers durch Bereiche mit
Druckschwankungen im strömenden Gas, die zu Bereichen mit Dichteschwankungen und damit zu örtlich
begrenzten Änderungen der Brechzahl des Gases führen, geschickt. Dabei wird der Messstrahl durch die
sich ändernde Brechzahl beeinflusst. Der von einem unbeweglichen optischen Reflektor zum Vibrometer
zurückreflektierte Messstrahl wird dann wie üblich im Vibrometer mit einem unbeeinflussten
Referenzstrahl zur Interferenz gebracht. Die daraus resultierenden Frequenzhübe werden durch Animation
visualisiert.
Voraussetzung für eine gute Sichtbarmachung der Druckschwankungen oder der Wirbel ist, dass während
der Abtastung zu den einzelnen Messpunkten dem Vibrometer ein Synchronisationssignal zu Verfügung
gestellt wird, dass direkt oder indirekt von den periodisch oder zumindest wiederholt auftretenden
Druckschwankungen oder den Wirbel abgeleitet ist oder zumindest mit diesen in Zusammenhang steht
oder korreliert. Dieses Synchronisationssignal kann von einem Signalgeber, z. B. ein von einem Mikrofon,
aufgenommenes Schallsignal sein, das von den Wirbeln erzeugt wurde, oder ein Signal von einem
Generator sein, der gleichzeitig die Druckschwankungen oder Wirbel erzeugt.
Mit der vorgestellten Anordnung lassen sich ortsfeste, aber auch mit dem strömenden durchsichtigen Gas
sich fortbewegende, örtlich begrenzte, geringe Druckschwankungen oder Wirbel, die periodisch oder
zumindest wiederholt auftreten oder ganze Wirbelstraßen bzw. Wirbelfelder rückwirkungsfrei erfassen
und darstellen. Dabei können vom scannenden Laser-Doppler-Interferometer aus die Abtastpunkte so
dicht gesetzt werden, dass die örtliche Auflösung der örtlich begrenzten Bereiche von
Druckschwankungen oder von Wirbeln nur noch vom Durchmesser des Laserstrahls begrenzt wird.
Fig. 1 zeigt ein Anwendungsbeispiel der Erfindung, mit dem die Funktion der Anordnung für die
Messung und visuelle Darstellung von periodisch auftretenden Wirbel in strömender Luft im freien Raum
nachgewiesen wurde. Als Wirbelquelle wird eine mit Druckluft betriebene Pfeife eingesetzt, wie sie auch
von Fußball-Schiedsrichtern benutzt wird. In die Pfeife eingeblasene Luft strömt mit periodischen
Wirbeln (3) versehen oberhalb der Schneide aus der Pfeife. Der Laser-Messstrahl eines handelsübliches
Laser-Scanning-Vibrometer, in dem die Funktionseinheiten Laser-Doppler-Interferometer (1)
Scanningeinrichtung (2) und Auswerteeinheit (4) zusammengefasst sind, wird nach einem vorgebbaren Abtastraster
durch den verwirbelten Luftstrom auf einen starren optischen Reflektor (5), beispielsweise auf eine starre
weiße Wand, gerichtet. Der dort diffus reflektierte Laserstrahl wird teilweise zum Laser-Scanning-
Vibrometer zurück reflektiert und dort mit einem Referenzstrahl zur Interferenz gebracht. Die daraus
resultierenden Frequenzhübe werden in der Auswerteeinheit (4) des Laser-Scanning-Vibrometers
ausgewertet. Die nachfolgende Animation der Frequenzhübe zeigt die aus der Pfeife in gleichmäßigen
Abständen austretenden Wirbel als bewegte meist kreisförmige Flächen. Diese Wirbelstraße löst sich im Verlauf
ihrer Fortbewegung auf und wandelt sich teilweise in Schall um. Dieser Schall wird von einem
Signalgeber (6) aufgenommen und als Synchronisationssignal der Auswerteeinheit (4) des Laser-Scanning-
Vibrometers zugeführt.
Auf analoge Weise wurden mit dem Laser-Scanning-Vibrometer periodische örtlich begrenzte
Druckschwankungen und Wirbel in einem planaren fluidisch-akustischen Oszillator, d. h. in einem
geschlossenem Raum, ermittelt und dargestellt. Dieser Oszillator besteht aus einer starren Grundplatte, einer darauf
liegenden Oszillatorplatte, in der Strömungskanäle und Resonanzräume ausgespart sind und einer
weiteren darauf liegenden Deckplatte, in die Anschlüsse für Druckluft zu den Strömungskanälen eingelassen
sind. Die drei Platten sind fest miteinander verschraubt. Die Deckplatte ist durchsichtig ausgeführt. Die
Oszillatorplatte und damit auch die Strömungskanäle und Resonanzkammern haben eine Höhe von 1,5
Millimetern. Die Breite der Strömungskanäle liegt auch bei 1,5 mm. Wird Druckluft durch die
Strömungskanäle und die Resonanzräume geschickt, bilden sich an Schneiden und Kanten sowohl kleinste,
ortsfeste periodische Wirbel, als auch sich fortbewegende örtlich begrenzte Bereiche von
Druckschwankungen aus, die sich mit der strömenden Druckluft fortbewegen. Beide Phänomene werden nach dem
oben beschriebenen Verfahren sichtbar gemacht, indem der Laser-Messstrahl des Laser-Doppler-
Vibrometers nach einem Abtastraster durch die durchsichtige Deckplatte in die Strömungskanäle oder
Resonanzräume geschickt, dort durch die Brechzahlschwankungen beeinflußt und an der starren
Grundplatte reflektiert wird und so teilweise wieder zum Vibrometer gelangt und dort ausgewertet wird. Die
Gesamtheit der Abtastpunkt ergibt in der Animation kreisförmige oder auch in schmalen Kanälen
verzerrte markiert Flächen, die mit periodischer Intensität ortsfest sind oder sich in den Strömungskanälen
oder Resonanzräumen mit der strömenden Druckluft fortbewegen.