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Dokumentenidentifikation DE10123204A1 21.11.2002
Titel Papiermaschinensieb
Anmelder Andreas Kufferath GmbH & Co KG, 52353 Düren, DE
Erfinder Heger, Wolfgang, Dr.-Ing., 52385 Nideggen, DE;
Fichter, Klaus, 41363 Jüchen, DE
Vertreter Bartels & Partner, Patentanwälte, 70174 Stuttgart
DE-Anmeldedatum 12.05.2001
DE-Aktenzeichen 10123204
Offenlegungstag 21.11.2002
Veröffentlichungstag im Patentblatt 21.11.2002
IPC-Hauptklasse D21F 1/10
IPC-Nebenklasse D03D 1/00   
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Papiermaschinensieb, bestehend aus einem Einzelgewebe für die Papierseite (12) und einem Einzelgewebe für die Laufseite (14), die jeweils aus einem Satz Schußfäden (16; 20) und Kettfäden (18; 22) bestehen, wobei die Durchmesser und die Anzahl der papier- und laufseitigen Kettfäden (18; 22) im wesentlichen gleich sind und die papierseitigen Kettfäden (18) und Schußfäden (12) bilden miteinander eine Leinwandbindung aus. Dadurch, daß zumindest ein Teil der laufseitigen Kettfäden (22) jeweils an einer Stelle (24), an der dieser Kettfaden (22) sich über mindestens einem zugeordneten laufseitigen Schußfaden (20) befindet, in die Papierseite (12) wechselt und über den nachfolgenden papierseitigen Schußfaden (16) verläuft sowie anschließend auf die Laufseite (14) zurückkehrt, ist zum einen eine markierungsfreie Papierseite in Leinwandbindung bei gleichzeitiger Verbesserung der Oberflächengleichmäßigkeit erreicht. Ferner entsteht dergestalt eine kompakte Verbindung der Einzelgewebe ohne zusätzliche Bindefäden, wobei eine Lagentrennung der Einzelgewebe oder eine Verschiebung derselben zueinander weitgehend ausgeschlossen ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Papiermaschinensieb, bestehend aus einem Einzelgewebe für die Papierseite und einem Einzelgewebe für die Laufseite, die jeweils aus einem Satz Schußfäden und Kettfäden bestehen, wobei die Durchmesser und die Anzahl der papier- und laufseitigen Kettfäden im wesentlichen gleich ist und die papierseitigen Kett- und Schußfäden bilden miteinander eine Leinwandbindung aus.

In der papiererzeugenden Industrie werden heute immer mehr Hochleistungs-Papiermaschinen mit Geschwindigkeiten bis zu 2000 m/min und Arbeitsbreiten über 10 m eingesetzt. Die Blattbildungseinheit ist dabei in aller Regel als Doppelsiebformer ausgeführt, in vielen Fällen auch als Spaltformer. Charakteristisch für die Maschinen ist, daß der Blattbildungsvorgang sofort zwischen zwei Papiermaschinensieben in einer relativ kurzen Entwässerungszone stattfindet. Durch diese kurze Strecke und die hohe Produktionsgeschwindigkeit reduziert sich die Zeit für die Blattbildung auf einige Millisekunden. In diesem Zeitraum muß der Feststoffanteil bzw. Trockengehalt der Faserstoffsuspension von ca. 1% auf etwa 20% angehoben werden. Das bedeutet für die Papiermaschinensiebe, daß sie eine sehr hohe Entwässerungsleistung besitzen müssen aber trotzdem keine Markierungen im Papier hinterlassen dürfen und eine hohe Faserunterstützung bieten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Querstabilität der Siebbespannung, die maßgebend ist für die Gleichmäßigkeit des Dicken- und Feuchtigkeitsprofils der Papierbahn. Gerade bei den modernen Maschinen mit großen Arbeitsbreiten sind die diesbezüglichen Anforderungen sehr hoch angesetzt. Zur Verbesserung der Formation werden in der Blattbildungszone mithin immer häufiger Formierleisten eingesetzt, die wechselseitig auf den Laufseiten der Siebe angeordnet sind und gegen diese gedrückt werden. Dadurch kommt es zu einer schnell wechselnden, in Längsrichtung verlaufenden Durchbiegung der Bespannung der Siebe.

Üblicherweise versucht man heutzutage, diesen Anforderungen durch den Einsatz von Verbundgeweben gerecht zu werden. Ein dahingehendes Verbundgewebe ist beispielsweise in der DE 42 29 828 C2 beschrieben. Das dahingehend bekannte Papiermaschinensieb besteht aus zwei übereinanderliegenden Siebgeweben, die mindestens einlagig ausgebildet und durch in Quer- und/oder Längsrichtung verlaufende Bindefäden miteinander verbunden sind, wobei eines der Siebgewebe als Definitionsgewebe mit den mechanischen Eigenschaften des Verbundgewebes hinsichtlich Dehnung und Steifigkeit bestimmter Ausbildung und das andere Siebgewebe als Reaktionsgewebe mit einer höheren Dehnung und geringeren Steifigkeit als das Definitionsgewebe ausgeführt ist. Die angesprochenen Siebgewebe bestehen also aus Kett- und Schußfäden, wobei diese durch zusätzliche Bindefäden miteinander verbunden sind. Durch die Ausbildung der Siebgewebelagen als Reaktions- oder Definitionsgewebe wird dem inneren Verschleiß und insbesondere dem Verschleiß der Bindefäden entgegengetreten und derart die Lebensdauer des Verbundgewebes erhöht sowie eine ungewollte Trennung der Siebgewebelagen auch längerfristig vermieden. Der angesprochene innere Verschleiß eines Verbundgewebes ist insbesondere dadurch bedingt, daß bei den Siebumlenkungen, wie sie im Bereich von Leitwalzen oder Siebpartie auftreten, über welche das Verbundgewebe geführt wird, die einzelnen Siebgewebelagen in unterschiedlichem Maße gedehnt oder gestaucht werden.

Da die angesprochenen Bindefäden nicht zur Gewebestruktur gehören, sondern eigenständige Bauteile sind, werden diese möglichst im Durchmesser dünn gehalten, um die Entwässerung nur geringfügig zu stören. Bei entsprechend hohen Beanspruchungen besteht dann aber die Möglichkeit, daß die dünnen Bindefäden aufreißen und der Verbund zwischen den Siebgeweben sich löst. Bei einem gattungsgemäßen Papiermaschinensieb nach der EP 0 432 413 B1, das gleichfalls als Verbundgewebe aufgebaut ist, ist zwar bereits vorgeschlagen worden, Bindefäden als zwei gewebeeigene Fäden zu verwenden und diese unter Bildung von X-förmigen Kreuzungsstellen in die jeweils andere Gewebelage einzuweben, um die beschriebenen Nachteile im Stand der Technik zu vermeiden; allein durch die Anhäufung der bekannten Wechselstellen in Querrichtung entsteht ungewollt auch eine Versteifung des bekannten Gewebes. Insbesondere über größere Weblängen kann es dann zu erheblichen Längendifferenzen kommen, die sich wiederum in Spannungsunterschieden bemerkbar machen mit der Folge, daß die die Verbindung herstellenden gewebeeigenen Bindefäden gleichfalls aufreißen und zu einem Versagen des bekannten Papiermaschinensiebes führen können. Auch ist es im Hinblick auf diese bekannte spezielle Webart im wesentlichen nur möglich, Querfäden einer Art, also Querfäden mit im wesentlichen gleichen Durchmessermaßen, sowohl für das Ober- als auch für das Untergewebe zu verarbeiten, was die Möglichkeiten eines wirksamen Abstützens auf der Laufseite reduziert. Im übrigen ist die Herstellung der beschriebenen bekannten Verbundgewebe aufwendig und teuer.

Durch die EP 0 698 682 A1 ist ein Gewebe bekannt bestehend aus jeweils einem System von Oberschüssen, Unterschüssen und Ketten, wobei letztere aus einem Systempaar einer ersten und einer zweiten Art an Kettfäden gebildet sind. Dabei ist die erste Art an Kettfäden mit den Oberschüssen und in vorgebbaren Abständen zeitweise auch mit den Unterschüssen verwoben. Die zweite Art an Kettfäden verlaufen zwischen den Ober- und den Unterschüssen und binden mit den Oberschüssen an dem Punkt, wo der zum Paar gehörende erste Kettfaden mit dem Unterschuß bindet. Die Kettfäden liegen also dann direkt übereinander, außer in dem Punkt, in dem die zweiten Kettfäden mit dem Oberschuß binden. Durch diesen nächstkommenden Stand der Technik ist bei einem Papiermaschinensieb zwar die Oberflächengleichmäßigkeit auf der Papierseite verbessert, so daß diese im wesentlichen markierungsfrei ist; dennoch kann eine Lagentrennung oder eine Verschiebung der Gewebelagen zueinander nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, Papiermaschinensiebe der vorgenannten Art derart weiter zu verbessern, daß sie bei gleichen Qualitätsmaßstäben zur Papierherstellung über höhere Standzeiten verfügen und zum anderen sich kostengünstig realisieren lassen. Eine dahingehende Aufgabe löst ein Papiermaschinensieb mit den Merkmalen des Patentanspruches 1 in seiner Gesamtheit.

Dadurch, daß gemäß dem kennzeichnenden Teil des Patentanspruches 1 zumindest ein Teil der laufseitigen Kettfäden jeweils an einer Stelle, an der dieser Kettfaden sich über mindestens einen zugeordneten laufseitigen Schußfaden befindet, in die Papierseite wechselt und über den nachfolgenden papierseitigen Schußfaden verläuft sowie anschließend auf die Laufseite zurückkehrt, ist zum einen eine markierungsfreie Papierseite in Leinwandbindung bei gleichzeitiger Verbesserung der Oberflächengleichmäßigkeit erreicht. Ferner entsteht dergestalt eine kompakte Verbindung der Einzelgewebe ohne zusätzliche Bindefäden, wobei eine Lagentrennung der Einzelgewebe oder eine Verschiebung derselben zueinander weitgehend ausgeschlossen ist. Mithin lassen sich mit dem erfindungsgemäßen Papiermaschinensieb bei hoher Produktionsqualität hohe Standzeiten bei der Papierherstellung erreichen und das Papiermaschinensieb läßt sich dann auch kostengünstig realisieren.

Eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Papiermaschinensiebes ist dadurch charakterisiert, daß im Bereich des Wechsels des laufseitigen Kettfadens von der Laufseite zu der Papierseite und von dieser zurück zu der Laufseite mindestens vier zugeordnete laufseitige Schußfäden die Wechselstelle stützen. Dabei lassen sich auf der Laufseite die Schußfäden einsetzen, die zu einer hohen Querstabilität innerhalb des Gewebeverbundes führen und ein entsprechendes Abriebvolumen bilden, was die Standzeit des Papiermaschinensiebes erhöht. Vorzugsweise ist des weiteren vorgesehen, daß die Leinwandbindung als längerflottierende Bindung ausgebildet ist, was die Oberflächengleichmäßigkeit bei der Papierherstellung verbessert.

Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Papiermaschinensiebes ist zwischen den vier eine erste Gruppe bildenden laufseitigen Schußfäden und einer zweiten Gruppe mit zwei laufseitigen Schußfäden in Richtung des papierseitigen Kettfadens oberhalb eines laufseitigen Kettfadens ein laufseitiger Schußfaden angeordnet, der einen papierseitigen Schußfaden stützt, über den ein papierseitiger Kettfaden geführt ist. Durch die derart gebildeten Abstützpunkte ergibt sich ein hohes Maß an Stabilität bezogen auf die betrachteten beiden Einzelgewebelagen des Siebes.

Vorzugsweise ist dabei die Stützrichtung von papierseitigem und laufseitigem Schußfaden quer zu den Ebenen von Unter- und Obergewebe verlaufend angeordnet, wobei alternativ auch vorgesehen sein kann, daß die Stützrichtung in alternierender Schräganordnung zu den Geweben verläuft. Durch die derart gewählte Schräganordnung werden die Stützkräfte derart in das Untergewebe eingeleitet, daß einer Lagentrennung bzw. einer Verschiebung der Gewebe mit Sicherheit wirksam begegnet ist. Letzteres gilt insbesondere dann, wenn bei schräg verlaufender Stützanordnung die aufeinanderfolgenden Schußfäden der Papierseite einen größeren Abstand zueinander einnehmen als die zugeordneten stützenden Schußfäden der Laufseite.

Weitere vorteilhafte Ausführungsformen sind Gegenstand der sonstigen Unteransprüche.

Im folgenden wird das erfindungsgemäße Papiermaschinensieb anhand verschiedener Ausführungsformen näher erläutert. Dabei zeigen in prinzipieller und nicht maßstäblicher Darstellung die

Fig. 1 einen Schnitt in Längsrichtung entlang der Linie I-I einer ersten Ausführungsform des Papiermaschinensiebes nach der Fig. 2;

Fig. 2 die Papierseite der ersten Ausführungsform mit einem Schußverhältnis von 1 : 1;

Fig. 3 einen Schnitt in Querrichtung entlang der Linie II-II der ersten Ausführungsform in Fig. 4, wobei die Laufseite unten ist;

Fig. 4 die Laufseite der ersten Ausführungsform des Papiermaschinensiebes von unten betrachtet;

Fig. 5 einen Schnitt in Längsrichtung entlang der Linie III-III in Fig. 6 einer zweiten Ausführungsform des Papiermaschinensiebes;

Fig. 6 die Papierseite der zweiten Ausführungsform mit einem Schußverhältnis von 3 : 2;

Fig. 7 die Laufseite der zweiten Ausführungsform des Papiermaschinensiebes von unten betrachtet;

Fig. 8 und 9 das erste Ausführungsbeispiel nach den Fig. 1 bis 4 mit einem Schußverhältnis von 1 : 1, in dem sich die Schußfolge nach 16 Schüssen wiederholt bzw. bei dem eine Schußfolge mit Einbindung durch eine Schußfolge ohne Einbindung unterbrochen ist;

Fig. 10 das zweite Ausführungsbeispiel gemäß den Fig. 5 bis 7 mit einem Schußverhältnis von 3 : 2 (Ober- zu Unterschuß), bei dem sich die Schußfolge nach 20 Schüssen wiederholt.

Die vorstehend genannten Figuren zeigen teilweise verschiedene Ausführungsformen an Siebgeweben für ein als Ganzes nicht dargestelltes Papiermaschinensieb, das insbesondere einsetzbar ist für die sog. Blattbildungszone bei üblichen Papierherstellmaschinen. Das genannte Siebgewebe besteht aus einem Einzelgewebe für die Papierseite 12 und einem Einzelgewebe für die Laufseite 14. Die Papierseite 12 besteht jeweils aus einem Satz Schußfäden 16 und Kettfäden 18. Die Laufseite 14 besteht gleichfalls aus einem Satz an Schußfäden 20 und Kettfäden 22. Wie insbesondere die Fig. 8, 9 und 10 zeigen, bilden die papierseitigen Kettfäden 18 sowie die zugehörigen Schußfäden 16 miteinander eine Leinwandbindung aus. Ferner ist aus den Figuren ersichtlich, daß die Durchmesser und die Anzahl der papier- und laufseitigen Kettfäden 18,22 im wesentlichen gleich sind. Der jeweils laufseitige Kettfaden 22 wechselt an einer als Ganzes mit 24 bezeichneten Wechselstelle von der Laufseite 14 auf die Papierseite 12 und kehrt anschließend wieder auf die Laufseite 14 zurück. Im Bereich dieses Wechsels des laufseitigen Kettfadens 22 von der Laufseite 14 zu der Papierseite 12 und von dieser zurück zu der Laufseite 14 ist die Wechselstelle 24 über vier in einer Ebene nebeneinanderliegende laufseitige Schußfäden 20 gestützt. Des weiteren ist zwischen diesen vier eine erste Gruppe 26 bildenden laufseitigen Schußfäden 20 und einer zweiten Gruppe 28 mit zwei laufseitigen Schußfäden 20 in Richtung des papierseitigen Kettfadens 18 oberhalb eines laufseitigen Kettfadens 22 ein laufseitiger Schußfaden 20 angeordnet, der einen papierseitigen Schußfaden 16 stützt, über den der jeweilige papierseitige Kettfaden 18 geführt ist.

Gemäß der Darstellung nach den Fig. 1, 11 und 12 kann die Stützrichtung von papierseitigem und laufseitigem Schußfaden 16,20 quer zu den Ebenen von Unter- und Obergewebe verlaufen in Form der Papierseite 12 bzw. der Laufseite 14. Gemäß der Darstellung nach den Fig. 5 und 10 kann jedoch die Stützrichtung in alternierender Schräganordnung zu den genannten Geweben 12,14 verlaufen. Entscheidend ist, daß zur Bildung einer als Ganzes mit 30 bezeichneten Stützstelle ein im Querschnitt dünnerer papierseitiger Schußfaden 16 sich an einem im Querschnitt dickeren laufseitigen Schußfaden 20 abstützt und daß die dahingehende Stützstelle 30 nach oben und unten hin von den papierseitigen Kettfäden 18 sowie den laufseitigen Kettfäden 22 mit unterstützt wird. Die jeweilige Stützstelle 30 kann unmittelbar dadurch gebildet sein, daß die Schußfäden 16 und 20 aneinanderliegen; diese können gemäß den Darstellungen nach den Fig. 5 und 10 aber auch einen vorgebbaren Abstand zueinander einhalten, der gegebenenfalls erst bei Belastung geschlossen wird und die Abstützung ermöglicht. Insbesondere bei schräg verlaufender Stützanordnung nehmen die aufeinanderfolgenden Schußfäden 16 der Papierseite 12 einen größeren Abstand zueinander ein als die zugeordneten stützenden Schußfäden 20 der Laufseite 14.

Die laufseitigen Kett- und Schußfäden 20,22 bilden in der Regel eine langflottierende Achtschaft-Unterseite aus, in der die Schüsse doppelt, also durch jeweils zwei nebeneinanderliegende Kettfäden eingebunden sind. Die Verbindung von Papierseite 12 zur Laufseite 14 erfolgt mithin in der Form, daß der jeweilige laufseitige Kettfaden 22 an einer vorgebbaren Stelle, an der er sich über den laufseitigen vier Schußfäden 20 der ersten Gruppe 26 befindet, in die Papierseite 12 wechselt und dort über den papierseitigen Schuß 16 läuft. Da in der Leinwandbindung regelmäßig kein Platz ist, um diesen wechselnden Kettfaden 22 zusätzlich aufzunehmen, da dieser dann die jeweilige Masche verschließen würde, wird der papierseitige Kettfaden 18 zur gleichen Zeit aus der Oberseite herausgelöst und verläuft gemäß der Teildarstellung nach der Fig. 1 unter drei papierseitigen Schußfäden 16.

Hierdurch erreicht man die Anbindung des laufseitigen Gewebes 14 an die Papierseite 12 und da die papierseitige Kette an der jeweiligen Einbindestelle unter der Oberseite verläuft, übernimmt die laufseitige Kette neben der Funktion der Einbindung gleichzeitig die Ausfüllung der papierseitigen Oberfläche. Die papierseitige Struktur bleibt dabei weitestgehend erhalten, was sich insbesondere aus der Darstellung nach der Fig. 2 ergibt. Da die Steigung der laufseitigen Bindung auf die Einbindestellen 32 in der Papierseite 12 übernommen wird, verteilen sich die Einbindestellen 32, wie sie in der Fig. 2 teilweise dargestellt sind, gleichmäßig im Bindungsrapport. Durch die dahingehenden Einbindestellen 32 ist also gewährleistet, daß die Struktur des Untergewebes bzw. der Laufseite 14 nicht in schädlicher Weise verändert wird. Die Doppeleinbindung der laufseitigen Schüsse erhöht darüber hinaus die Stabilität des Gesamtgewebes hinsichtlich der sog. Diagonalverschiebung, die dann auftritt, wenn die Zugbelastung über die Gewebebreite unterschiedlich stark ist. Letzteres tritt insbesondere bei großen Maschinenbreiten auf, bei denen sich nicht immer sicherstellen läßt, daß die Antriebs- und Reibungskräfte gleichmäßig über die gesamte Breite auftreten. Es kommt dann dazu, daß das Sieb partiell verziehen kann, was im schlimmsten Fall zu einer Reduzierung der Siebbreite und mithin zum Unbrauchbarwerden des Papiermaschinensiebes führt.

Während der Fertigung und auch während des Laufes eines Papiermaschinensiebes werden immer die Längsfäden 18,22, also die Ketten, auf Zugspannung belastet. In einer normalen Leinwandbindung gleichen sich die unterschiedlich gerichteten Kräfte durch die invers nebeneinanderliegenden Kettfäden aus, wodurch eine resultierende Kraft in der Gewebeebene entsteht und keine ungleichmäßigen Verformungen der Oberfläche auftreten. Bindet man aber einen Oberschuß mit der Unterkette ein, wie bei dem erfindungsgemäßen Papiermaschinensieb, kommt ein Kraftanteil in vertikaler Richtung dazu, der durch die papierseitigen Schüsse und die daneben verlaufenden Oberketten nur schlecht ausgeglichen werden kann. In der Folge zieht die Unterkette den Oberschuß in das Gewebe hinein und die Papierseite bekommt eine Delle. Durch die Realisierung der erfindungsgemäßen Lagenverbindung durch die Kette wird bewirkt, daß es bei Längsbiegungen des Gewebes in der Papiermaschine nicht zu Verschiebungen der beiden Einzelgewebe und damit zu einem inneren Verschleiß mit schlußendlicher Lagentrennung kommen kann. In der Fig. 1 ist die neutrale Biegelinie 34 dargestellt zusammen mit der Biegelinie 36 des Obergewebes und der Biegelinie 38 für das Untergewebe. Ferner ist in der Fig. 1 die in das Papiermaschinensieb eingeleitete Biegekraft mit einem mit "F" bezeichneten Pfeil wiedergegeben, wobei die entsprechenden Gegenlagerstellen im Untergewebe durch zwei stilisierte dreieckige Auflagen wiedergegeben sind. Aus der Fig. 1 wird also deutlich, daß bei Biegekrafteinleitung F an der Wechselstelle 24 durch das Zusammenführen der drei Biegelinien 34,36,38 im Bereich des papierseitigen Schußfadens 16, der unterhalb der Krafteinleitungsstelle liegt und zwischen den Kettfäden 18 und 22 aufgenommen ist, eine Art Gelenk- oder Sollbiegestelle ausgebildet ist, die der Lagentrennung entgegenwirkt.

Die erfindungsgemäße Bindungsidee läßt sich auf verschiedenste Schußverhältnisse von Ober- zu Untergewebe anwenden, wodurch sich die Eigenschaften der Siebe hinsichtlich Offenheit (Entwässerungsleistung), Stabilität und Abriebvolumen (Laufzeit) an die jeweiligen Erfordernisse der Papiermaschine weitestgehend anpassen lassen. Dabei kann über die Länge der Schußfolge eine nahezu beliebige Verteilung und Einstellung der Häufigkeit der Einbindestellen 32 und damit auch eine Optimierung der Festigkeit der Verbindung vorgenommen werden. Bindet man dagegen in Querrichtung, ist man, wie im Stand der Technik aufgezeigt, durch die endliche Anzahl der Schäfte eingeschränkt.

Die Fig. 8 zeigt ein Beispiel für einen Ausschnitt aus einem Papiermaschinensieb mit einem Schußverhältnis 1 : 1, bei dem sich die Schußfolge nach 16 Schüssen wiederholt. Bei dem Ausführungsbeispiel nach der Fig. 9 wird eine Schußfolge mit Einbindung durch eine Schußfolge ohne Einbindung unterbrochen, wobei die danebenliegenden Kettfäden dann so überlappt sind, daß die gleichmäßige Verteilung dennoch erhalten bleibt. Bei der Ausführungsform nach der Fig. 10 liegt ein Schußverhältnis von Ober- zu Unterschuß von 3 : 2 vor, bei dem sich die Schußfolge nach 20 Schüssen wiederholt. Die vorstehend genannten Ausführungsbeispiele stellen nur einen Teil der möglichen Vielfalt und Anwendungsfälle für das erfindungsgemäße Papiermaschinensieb dar.


Anspruch[de]
  1. 1. Papiermaschinensieb, bestehend aus einem Einzelgewebe für die Papierseite (12) und einem Einzelgewebe für die Laufseite (14), die jeweils aus einem Satz Schußfäden (16; 20) und Kettfäden (18; 22) bestehen, wobei die Durchmesser und die Anzahl der papier- und laufseitigen Kettfäden (18; 22) im wesentlichen gleich sind und die papierseitigen Kettfäden (18) und Schußfäden (12) bilden miteinander eine Leinwandbindung aus, dadurch gekennzeichnet, daß zumindest ein Teil der laufseitigen Kettfäden (22) jeweils an einer Stelle (24), an der dieser Kettfaden (22) sich über mindestens einem zugeordneten laufseitigen Schußfaden (20) befindet, in die Papierseite (12) wechselt und über den nachfolgenden papierseitigen Schußfaden (16) verläuft sowie anschließend auf die Laufseite (14) zurückkehrt.
  2. 2. Papiermaschinensieb nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß im Bereich des Wechsels des laufseitigen Kettfadens (22) von der Laufseite (14) zu der Papierseite (12) und von dieser zurück zu der Laufseite (14) mindestens vier zugeordnete laufseitige Schußfäden (20) die Wechselstelle (24) stützen.
  3. 3. Papiermaschinensieb nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Leinwandbindung als längerflottierende Bindung ausgebildet ist.
  4. 4. Papiermaschinensieb nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den vier eine erste Gruppe (26) bildenden laufseitigen Schußfäden (20) und einer zweiten Gruppe (28) mit zwei laufseitigen Schußfäden (20) in Richtung des papierseitigen Kettfadens (18) oberhalb eines laufseitigen Kettfadens (22) ein laufseitiger Schußfaden (20) angeordnet ist, der einen papierseitigen Schußfaden (16) stützt, über den ein papierseitiger Kettfaden (18) geführt ist.
  5. 5. Papiermaschinensieb nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Stützrichtung von papierseitigem und laufseitigem Schußfaden (16, 20) quer zu den Ebenen von Unter- und Obergewebe verläuft oder daß die Stützrichtung in alternierender Schräganordnung zu den Geweben verläuft.
  6. 6. Papiermaschinensieb nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß bei schräg verlaufender Stützanordnung (30) die aufeinanderfolgenden Schußfäden (16) der Papierseite (12) einen größeren Abstand zueinander einnehmen als die zugeordneten stützenden Schußfäden (20) der Laufseite (14).
  7. 7. Papiermaschinensieb nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß immer eine ungerade Anzahl an papierseitigen Schußfäden (16) sich zwischen den Wechselstellen (24) des laufseitigen Kettfadens (22) befindet.
  8. 8. Papiermaschinensieb nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Schußfolgen mit Wechselstellen (24) von Schußfolgen ohne Wechselstellen (24) unterbrochen sind.
  9. 9. Papiermaschinensieb nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Schußfäden (20) auf der Laufseite (14) im Querschnitt größer bemessen sind als der Querschnitt des jeweils zuordenbaren Schußfadens (16) auf der Papierseite (12).
  10. 10. Papiermaschinensieb nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Biegelinien (36; 38) von Obergewebe und Untergewebe sowie die neutrale Biegelinie (34) an der Wechselstelle (24) zusammenlaufen und dergestalt eine Art Gelenkstelle ausbilden, die einer schädlichen Lagetrennung entgegenwirkt.






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