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Dokumentenidentifikation DE10127715A1 27.02.2003
Titel Torfproduktzusammensetzung und Verwendung derselben
Anmelder Humaderm GmbH, 26603 Aurich, DE
Erfinder Fisser, Arthur, 26605 Aurich, DE
Vertreter Meissner, Bolte & Partner Anwaltssozietät GbR, 28209 Bremen
DE-Anmeldedatum 07.06.2001
DE-Aktenzeichen 10127715
Offenlegungstag 27.02.2003
Veröffentlichungstag im Patentblatt 27.02.2003
IPC-Hauptklasse A61K 35/10
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft die Verwendung einer Zusammenfassung, umfassend ein hochkonzentriertes Torfprodukt mit einem Feuchtegehalt von höchstens etwa 10%, nach Patentanmeldung DE 10102229.8, zur Immunmodulation bei Mensch und Tier.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine neuartige Verwendung einer Zusammensetzung, umfassend ein hochkonzentriertes Torfprodukt mit einem Feuchtegehalt von höchstens etwa 10%, nach Patentanmeldung DE 101 02 229.8.

Moor bildet sich, wenn absterbende Pflanzen besonders langsam unter Sauerstoffmangel zersetzt werden. Dieser Vorgang findet in Sümpfen oder Randgebieten von Gewässern bei niedrigen Temperaturen statt.

Unter Torf versteht man im biologischen Sinn die Humus-Form der Moore als Bodenauflage aus wenig zersetzten, konservierten Pflanzenresten. Frisch gestochener Torf enthält bis zu 90 % Wasser und weist eine durchschnittliche Dichte von 1 auf. Er wird in der Regel auf einen Wassergehalt von 25 bis 30% getrocknet, um im Gartenbau als Kultursubstrat, Düngemittel und zur Bodenstrukturverbesserung, als Brennstoff, Wärmedämmstoff, Streumaterial und Verpackungsmaterial verwendet zu werden.

Moor bzw. Torf zählt zur Gruppe der Peloide, die zur äußerlichen Anwendung beim menschlichen Körper aufgrund ihrer thermophysikalischen Eigenschaften geeignet sind.

Daneben ist jedoch auch eine Verwendung von Torf (Firma Heilmoorbad Neydharting GmbH, A-4654 Bad Wimsbach-Neydharting, Österreich) in Hautcremes, Shampoos, Zahnpasta und dergleichen bekannt. Auch bekannt ist eine Moor-Trinkkur zur Prophylaxe und/oder Behandlung von Stoffwechselerkrankungen, Stoffwechselstörungen und/oder Erkrankungen oder Symptomen, die mit Stoffwechselstörungen zusammenhängen.

Immunmodulierende Substanzen, d. h. solche Substanzen, die das Immunsystem von Mensch und Tier beeinflussen können, sind aus dem Stand der Technik zahlreich bekannt. Eine Immunmodulation kann beispielsweise durch Antibiotika induziert werden, die jedoch in der Regel teuer und teilweise schädlich (resistenzinduzierend) sind. Eine Immunmodulation kann ebenfalls durch Probiotika (definierte lebende/abgetötete Bakterien der normalen Mikroflora bzw. durch deren Bestandteile, unter anderen Lipoteichonsäure, MDP, bakterielle Zellwandkomplexe) über schleimhautassoziiertes lymphatisches Gewebe (Mucosa-associated lymphoid tissue, MALT) induziert werden. Bei der Verwendung von Probiotika zur Immunmodulation ist jedoch nicht immer eine Nebenwirkungsfreiheit bzw. eine besonders hohe Effektivität zu beobachten.

Der vorliegenden Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, eine Zusammensetzung zur Immunmodulation bereitzustellen, welche die Nachteile des Stands der Technik überwindet, insbesondere kostengünstig herstellbar und nebenwirkungsfrei ist.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine Zusammensetzung, umfassend ein hochkonzentriertes Torfprodukt mit einem Feuchtegehalt von höchstens 10% zur Immunmodulation bei Mensch und Tier.

Dabei wird die erfindungsgemäße Zusammensetzung bevorzugt zur Infektprophylaxe, insbesondere autoimmunologischen, allergischen und rheumatologischen Diathese, verwendet.

Bevorzugt kann die Tagesdosis der Zusammensetzung von 0,5 bis 5 g betragen.

Der Erfindung liegt somit die überraschende Erkenntnis zugrunde, daß die Zusammensetzung nach DE 101 02 229.8 äußerst effektiv zur Immunmodulation bei Mensch und Tier eingesetzt werden kann, so daß insbesondere Antibiotikatherapien vermieden werden können. Aufgrund der geringen Kosten des Torfs ist zudem eine kostengünstige Therapie zur Immunmodulation möglich.

Die erfindungsgemäße Verwendung der Zusammensetzung zur Immunmodulation erfüllt sowohl prophylaktische (abwehrsteigernde Maßnahmen) als auch therapeutische (unter anderem bei Erkrankungen infektiologischer und allergischer Genese) Funktionen. Eine Therapie auf der Basis der erfindungsgemäßen Zusammensetzung kann bei tumordestruktiven (aber auch antibiotischen) Therapien Symptome wie Diarrhoe, Bauchbeschwerden und Immunsuppression, die auf einer nachhaltigen Störung der Integrität/Zusammensetzung der mucosalen Mikroflora basieren, minimieren.

Weitere Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung, in der Untersuchungsergebnisse der Verwendung der erfindungsgemäßen Zusammensetzung zur Immunmodulation dargelegt werden.

Die Zusammensetzung wurde in vitro und in vivo auf proliferationsinduzierende und immunmodulierende Wirkungen überprüft. Dabei wurden Proliferations- und Aktivierungsstudien mit Immunzellen, Fibroblasten, Knochenmark- und Tumorzellen durchgeführt.

Die entsprechenden Zellen/Zellinien für die Proliferationsstudien wurden gemäß aus dem Stand der Technik bekannten Methoden gewonnen. Die Zellproliferation wurde mit Hilfe des TITERTEK Multiscan, Flow Laboratories, Helsinki, Finnland, durch Auszählen im Hämocytometer bzw. durch Zellzahlbestimmung im COULTER Counter, Beckmann-Coulter Co., Krefeld, bestimmt. Als Kontrollsubstanzen wurden dabei relevante Cytokine bzw. Wachstumsfaktoren (unter anderem II-1, II-2, TNF-α, CSFs) sowie Standardaktivatoren (unter anderem PMA-Ionomycin und Endotoxin/LPS) verwendet, um die Aktivität der erfindungsgemäßen Zusammensetzung mit etablierten Standards vergleichen zu können. Bei diesen Versuchen zeigte sich, daß die Aktivität der Zusammensetzung im Vergleich zu etablierten Standards erhöht war.

Die Zusammensetzung weist auch einen Einfluß auf die Cytokinsynthese auf. Zu diesem Zweck wurden definierte Immunzellen (Lymphozyten, Monozyten) in vitro mit der Zusammensetzung in diversen Konzentrationen inkubiert. Die Cytokinmessungen erfolgten mittels ELISA aus den Zellkulturüberständen bzw. mittels Durchflußzytometern (FACS, Fluorescence-aktivated cell sorter, Becton Dickinson, Heidelberg) als freigesetzte oder intrazelluläre Cytokine. Für die Zusammensetzung wurde auch eine immunaktivierende Wirkung im lymphatischen System durch qualitative Analyse definierter Aktivierungsmarker mittels monoklonaler Antikörper und Durchflußzytometrie (FACS) gefunden. Menschliche Lymphozyten konnten dabei aus der Separation von peripherem Blut freiwilliger Probanden mittels Standardmethodik gewonnen werden.

Mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung sind Monozyten bzw. Granulozyten aktivierbar, was durch Chemilumineszenzexperimente mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung gezeigt werden konnte. Zu diesem Zweck wurden Zellinien bzw. die entsprechenden Zellen aus dem peripheren Blut isoliert und anschließend (a) direkt mit der Zusammensetzung inkubiert und stimuliert, (b) mit der Zusammensetzung sensibilisiert ("geprimt") und anschließend mit standardisierten Aktivatoren aktiviert.

Die in vivo-Aktivität der Zusammensetzung wurde im BALB/c-Mausmodel überprüft. Sowohl im immunkompetenten als auch im immunsupprimierten Organismus konnte ein Einfluß der Zusammensetzung festgestellt werden, auch eine Tumorenempfänglichkeit kann vorliegen. Die Zusammensetzung wurde für diese Untersuchungen den BALB/c-Mäusen oral/systemisch verabreicht, und am Ende der Versuchsperiode wurde den Versuchstieren peripheres Blut, peritoneale Makrophagen und Thymusdrüsen entnommen. Die Thymozyten wurden gemäß Standardmethoden ausgewertet. In diesem Zusammenhang konnte festgestellt werden, daß die Zusammensetzung einen positiven Einfluß auf die Proliferation, Ausreifung und Ausschwemmung lymphatischer Zellen aus dem Thymus sowie auf deren Präsenz und Aktivierungszustand im peripheren Blut hat.

Weiterführende Untersuchungen mit der Zusammensetzung zeigten, daß ein immunsuppressiver Antibiotika-/Steroideffekt beeinflußt werden kann. Dabei konnte festgestellt werden, daß eine adjuvante Verabreichung der Zusammensetzung die thymusdestruktive Wirkung von Hydrocortison mildern kann. Bei der Verwendung der Zusammensetzung bei Mensch und Tier sind Anzeichen einer antitumoralen/antimetastatischen Wirkung zu erkennen.

Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann auch in Kombinationspräparaten eingesetzt werden, sofern die weiteren Inhaltsstoffe Wirkung und/oder Stabilität der erfindungsgemäßen Zusammensetzung nicht beeinträchtigen. So ist es beispielsweise möglich, Präparate einzusetzen, die die erfindungsgemäße Zusammensetzung - zur Unterstützung bzw. Erzielung ergänzender Wirkung - mit Enzymen und/oder Vitaminen kombinieren. Als Enzyme in solchen Kombinationspräparaten bieten sich beispielsweise die für systemische Enzymtherapie bekannten Proteinasen an, die in J. Leipner und R. Saller, "Systemic Enzyme Therapy in Oncology", Drugs 2000, 59 (4) 769-780, näher beschrieben sind. Weitere Kombinationspräparate, z. B. auch mit anderen Immunmodulatoren, sind möglich.

Die in der vorstehenden Beschreibung und in den Ansprüchen offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in jeder beliebigen Kombination zur Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausführungsformen wesentlich sein.


Anspruch[de]
  1. 1. Verwendung einer Zusammensetzung, umfassend ein hochkonzentriertes Torfprodukt mit einem Feuchtegehalt von höchstens etwa 10%, nach Patentanmeldung DE 101 02 229.8 zur Immunmodulation bei Mensch und/oder Tier.
  2. 2. Verwendung nach Anspruch 1 zur Infektprophylaxe, insbesondere autoimmunologischen, allergischen und rheumatologischen Diathese.
  3. 3. Verwendung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung in einer Dosis von 0,5 bis 5 g pro Tag verabreicht wird.






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