Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Prüfung von Kunststoffen auf
Spannungsrisse und Oberflächenfehler sowie ein Prüfmittel.
Spannungsrisse und Oberflächenfehler treten bei vielen polymeren Werkstoffen
auf. Da sie die Verwendungseigenschaften der Werkstoffe erheblich
beeinträchtigen können, ist das Auffinden von Spannungsrissen und
Oberflächenfehlern für die Qualitätssicherung und -verbesserung von besonderer
Bedeutung.
Aus dem Stand der Technik sind vor allem Verfahren und Prüfmittel bekannt,
die sich mit der Detektion von Spannungsrissen in Metallen befassen. Den
bekannten Verfahren ist gemeinsam, dass ein Prüfmittel eingesetzt wird. Dieses
Prüfmittel enthält in der Regel niedrig- oder hochsiedende Lösungmittel und
Farbstoffe. Zum überwiegenden Teil können die Farbstoffe erst nach
Behandlung mit einem Entwickler wahrgenommen und analysiert werden. Das
Prüfmittel wird auf das zu prüfende Werkstück aufgetragen; es wirkt ein, indem es
durch Kapillareffekte in die haarfeinen Risse aufgesogen wird. Der Entwickler
wird dann, in der Regel nach zwischengeschalteten Reinigungsstufen,
aufgetragen. Risse können durch Analyse des Farbumschlags beobachtet werden.
Sämtliche Verfahren zählen zu den Verfahren der zerstörungsfreien
Werkstoffprüfung.
Die DE-OS 26 35 483 beschreibt ein solches Verfahren, bei dem nacheinander
ein farbstoffhaltiges Prüfmittel und ein Emulgator aufgetragen werden. In der
DE 197 52 576 wird ein Verfahren zum Prüfen auf Fehlstellen vorgeschlagen.
Eine Prüfflüssigkeit oder -paste wird auf das Werkstück aufgetragen und einem
Energie- oder Wärmestrahlimpuls ausgesetzt. Anschließend erfolgt die
Fehlstellen-Analyse. Die DE 44 21 277 betrifft ein Verfahren zur Eindring-Prüfung,
bei dem das Prüfmittel nach dem Eindringen in Spannungsrisse durch einen
Entwickler sichtbar gemacht wird, damit Spannungsrisse analysiert werden
können. Vergleichbare Verfahren werden in der EP 0 978 719 und
PCT/EP84/00362 sowie JP 10267815A beschrieben, teilweise zur
unmittelbaren Prüfung von Werkstücken, teilweise zum Prüfen von Prüfkörpern.
Zur Überprüfung der Verarbeitungsqualität von Kunststoffen werden neben
instrumentellen Untersuchungen ebenso visuelle Kontrollen von Artikeln nach
Warmlagerungsversuchen, Medienbeständigkeitstest, Spannungsrißtests und
dergleichen durchgeführt (Quelle: Kunststoff-Institut Lüdenscheid,
"Störungsratgeber für Oberflächenfehler an thermoplastischen Spritzgußteilen"; Kunststoff-
Institut Lüdenscheid K. I. M. W.). Bei diesen Verfahren werden nach
Medieneinwirkung oder Umwelteinwirkung die Artikel auf Risse mittels einer Lupe
untersucht. Bei der Auswertung der am K. I. M. W. im Jahre 1999 durchgeführten
Schadensanalysen an Kunststoff-Formteilen zeigte sich, daß 26% aller
Ausfälle auf die Bildung von Spannungsrissen zurückzuführen waren.
Die im Stand der Technik beschriebenen Prüfmittel für Metalle umfassen
regelmäßig ein Lösungsmittel bzw. ein Lösungsmittelgemisch aus hoch- oder
niedrigsiedenden, organischen Substanzen und einen Farbstoff sowie ggf.
weitere Hilfsstoffe. Das Prüfmittel wird entweder nachträglich mit einem Entwickler
behandelt, um analysiert zu werden, oder - wie in der PCT/EP84/00362
beschrieben, es handelt sich um einen Farbstoff, der mit Hilfe geeigneter Geräte
sichtbar gemacht und analysiert werden kann.
Im vorgenannten Stand der Technik findet sich kein Hinweis auf die Eignung
der Verfahren oder Prüfmittel für die Prüfung von Kunststoffen, obwohl die
Prüfung von Metallen stets nur als bevorzugte Anwendung genannt wird.
Tatsächlich findet sich in diesem Stand der Technik aber kein Hinweis auf
spezifische Probleme, wie sie sich dem Fachmann auf dem Gebiet der Prüfung von
Kunststoffen stellen.
So wird die Eignung der Prüfmittel zur Verwendung für Kunststoff-Werkstoffe
stets davon abhängen, ob das Prüfmittel mit seinem hohen Gehalt an
organischen Substanzen den Werkstoff angreift, etwa verfärbt, versprödet, ggf. sogar
an- oder auflöst. Weiter ist anzugeben, ob das Prüfmittel den Kunststoff
ausreichend benetzt. Schließlich ist sicherzustellen, ob die dem Prüfmittel
zugrundeliegenden Reaktionen mit dem Entwickler nicht durch den Kontakt mit
Kunststoffen gestört werden. Hinweise hierzu finden sich im Stand der Technik nicht.
Zur Untersuchung auf bereits vorhandene Risse kann aus dem Bereich der
Metallprüfung die sog. Eindringprüfung erfolgen. Hierbei wird eine eingefärbte
Flüssigkeit auf das Bauteil aufgetragen. Nach dem Eindringen des Systems in
die Risse treten diese als farbige Linien hervor. Bei Kunststoffen wird dieses
Verfahren bisher wegen der begrenzten Aussagekraft lediglich in Ausnahmen
angewandt (Quelle: "Fiat Auto normazione", Process Standard 0.00025). Da das
Bauteil nicht verändert wird, handelt es sich um eine zerstörungsfreie Prüfung.
Latente Materialschwächen spielen bei Kunststoffen - anders als bei Metallen -
eine bedeutende Rolle. Ungünstige Produktionsbedingungen oder falsche
Verarbeitung von Rohstoffen führen zu Produkten, die bei einer einfachen
Sichtkontrolle ohne weiteres für gut und geeignet befunden werden. Im Gebrauch
zeigt sich aber, dass das Produkt schnell versagt, sehr häufig durch Bruch
infolge von Spannungsrissen. Das Aufdecken und Erkennen von latent
vorhandenen Spannungsrissen ermöglicht ein frühzeitiges Vermeiden falscher
Verarbeitung und, durch die Verbesserung von Produktionsbedingungen, eine
bessere Produktqualität. Gleiches gilt für Oberflächenfehler, die erst unter
Beanspruchung im Gebrauch sichtbar werden.
So können beispielsweise in einzelnen, ausgewählten Kunststoff-Sorten
Spannungsrisse durch geeignete Chemikalien induziert werden. Bei bisherigen Tests
sind hierfür allerdings große Chemikalienmengen erforderlich, denn die zu
prüfenden Kunststoffartikel werden in die entsprechenden Lösungen
eingetaucht und nach einer definierten Zeit mittels einer Lupe auf Risse untersucht
(Quelle: G. W. Ehrenstein; "Kunststoff-Schadenanalyse", Hanser-Verlag). Da bei
diesem Verfahren im Bauteil latente Risse geöffnet werden, handelt es sich um
eine zerstörende Prüfung.
Bei der herkömmlichen Spannungsrißprüfung mit zahlreichen verschiedenen,
organischen Lösungsmitteln, die jeweils für einzelne Kunststoff-Sorten
einsetzbar waren, ergeben sich neben den vorstehend genannten Fragen folgende
Probleme:
- - Für jede Kunststoffsorte muß bisher ein eigenes, definiertes Lösungsmittel
bzw. Lösungsmittelgemisch verwendet werden.
- - Es werden große Mengen der spannungsrißauslösenden Medien zum
Eintauchen der Artikel benötigt
- - Viele Medien sind giftig, feuergefährlich oder haben weitere Nachteile, die
die Anwendungen einschränken.
- - Viele Medien sind stark flüchtig, was ihre Handhabung kompliziert und bei
Lösungsmittelgemischen die Zusammensetzung negativ beeinflussen kann.
Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum Prüfen von Kunststoffen auf
Spannungsrisse vorzuschlagen und ein universal einsetzbares Mittel zum
Prüfen der Kunststoffe auf Spannungsrisse bereitzustellen, mit dem das Verfahren
durchführbar ist.
Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zur Prüfung von Kunststoffen
auf Spannungsrisse, mit den Schritten: Auftragen eines Prüfmittels auf den
Kunststoff; Einwirken des Prüfmittels; ggf. Entfernen eines Überschusses an
Prüfmittel, und optische Auswertung des Eindringens des Prüfmittels in Risse.
Es hat sich überraschend herausgestellt, dass die Prüfung von Kunststoffen auf
etwa vorhandene Spannungsrisse auf sehr einfache Art erfolgen kann. Ein
"Entwickeln" des Prüfmittels, das auf den zu prüfenden Kunststoff aufgetragen
wurde, ist nicht erforderlich. Der Verzicht auf einen "Entwickler" stellt eine
Vereinfachung der Prüfung dar, die das Verfahren nicht nur beschleunigt, sondern
auch zur Kostensenkung beiträgt.
Die Oberflächenqualität von Kunststoff-Formteilen ist häufig das wichtigste
Qualitätskriterium. Aufgrund der komplexen Zusammenhänge zwischen
Formteil- und Werkzeugkonstruktion, des Rohstoffes und des
Verarbeitungsprozesses ist es bei auftretenden Problemen oft nicht möglich, die Fehlerursache zu
erkennen und geeignete Abhilfemaßnahmen kurzfristig zu ergreifen. Aus
diesem Grund wurde ein Verfahren entwickelt, das frühzeitig Aussagen zur
Verarbeitungsqualität, Spannungsrißempfindlichkeit, Medienbeständigkeit etc.
erlaubt.
Zunächst ist das erfindungsgemäße Verfahren bestimmt und geeignet, im
Rahmen einer zerstörungsfreien Prüfung vorhandene Spannungsrisse in
Kunststoffen erkennbar zu machen. Da die Prüfung auf einem Penetrationstest
beruht, können auch schon vorhandene Risse und Fehlstellen, wie Bindenähte,
Mikrolunker und Fließfronten, visualisiert werden. Solche Oberflächenfehler
können mit den bisher bekannten Tauchverfahren nicht detektiert werden.
Gemäß einer Weiterbildung des Verfahrens, die als eigenständige, erfinderische
Leistung angesehen wird, können - über die zerstörungsfreie Prüfung hinaus -
mit einer Abwandlung desselben Verfahrens auch latent vorhandene
Spannungsrisse und Oberflächenfehler in Kunststoffen geöffnet und damit erkannt
werden.
Die erfindungsgemäßen Prüfmittel sind - anders als bisher - für eine Vielzahl
von Kunststoffen universell anwendbar. Nur beispielhaft sind nachfolgend
Kunststoffe aufgezählt, die mit dem erfindungsgemäßen Prüfmittel auf
vorhandene und latente Spannungsrisse untersucht werden können. Diese
Kunststoffe decken über 95% der marktüblichen Materialien ab.
1. Standardkunststoffe und Duromere
Polystyrol
PS
Polymethylmethacrylat
PMMA
Polycarbonat
PC
Polyethylenterephthalat
PET
Polybutylenterephthalat
PBT
Styrol-Copolymere wie
ABS, ASA, SAN PC/ABS, SB
Polyphenylenether
PPE
Duromere
2. Polyamide, Polyoxymethylen
Polyamid-4,6
PA-4,6
Polyamid-6, -6,6
PA-6, PA6,6
Polyamid-11, -12
PA-11, PA-12
teilaromatische Polyamide
PA-6T
Polyoxymethylen
POM
4. Polyolefine
Polyethylen
PE, PE-LD, PE-LLD, PE-HD
Polypropylen
PP
etc.
5. Gummielastische Polymere/thermoplastische Elastomere
Polyurethane
PUR, TPU
Kautschuk, Polybutadien
NR, SB
Polyester/-ether
TPE, TPE-E
Für Hochleistungswerkstoffe, wie PEEK, PEI, PSU etc., ist das Prüfsystem
ebenfalls anwendbar.
Ein wesentlicher Vorteil des Verfahrens ist, daß die Vielzahl von
spannungsrißauslösenden Testmedien reduziert wird. Die neuen Prüfmittel sind weitaus
weniger umweltschädlich, unter anderem, weil sie weniger flüchtig sind. Die
Applikation kann insbesondere durch Aufsprühen, Aufpinseln oder - falls gewünscht -
auch durch Tauchen erfolgen.
Die Testobjekte werden mit dem Prüfmittel eingesprüht. Es handelt sich dabei
um Mischungen spannungsrißauslösender Medien mit Farbstoffen. Nach der
bestimmten Einwirkungszeit wird ggf. die überschüssige Farbe mit Wasser
gründlich abgespült. Nach dem Entfernen von Farbresten und Wasser z. B.
mittels eines Papiertuches können bei hellen oder transparenten Proben die
Defekte auf einfache Weise direkt beobachtet werden. Es wird als besonderer
Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens angesehen, dass keine Tauchbäder
oder ähnlich aufwendige Untersuchungausrüstung mehr erforderlich ist, weil die
Testobjekte einfach eingesprüht oder eingepinselt werden können.
Bei der Verwendung von dunklen, stark eingefärbten bzw. schwarzen Proben
kann zusätzlich die Probe mit einem Entwickler besprüht werden, um Risse
noch einfacher erkennen zu können. Der Entwickler enthält vorzugsweise
poröse Stoffe, welche die Farbe aus den Rissen und Oberflächenfehlern durch
Kapillarkräfte an die Oberfläche bringt, und den Farbeindruck verstärkt. Der
Kontrast macht die ausblutende Farbe besser sichtbar. Eine weitere Verbesserung
ist durch den Einsatz von fluoreszierenden Farbstoffen oder durch Detektion
mittels UV-Licht möglich.
Das Prüfmittel enthält vorzugsweise eine spezielle Kombination von Tensiden,
Lösungsmitteln und spannungsrißauslösenden Agentien, die eine Aufweitung
von Mikrorissen oder latent vorhandenen Rissen bewirken. Hierdurch
unterscheidet sich das hier beschriebene Farbsystem von Eindringtests ("liquid
penetrant inspection", LPI) für Metalle. Bei diesen Tests für Metalle handelt es
sich um zerstörungsfreie Werkstoffprüfungen. Bei dem erfindungsgemäß
weitergebildeten Verfahren werden latent vorhandene Risse durch spezielle
Wirkstoffe geöffnet; das zu prüfende Werkstück wird somit zerstört.
Die bisherigen Versuche zeigten, daß mit dem neuen Verfahren
Oberflächenfehler visualisiert werden können. Zu den Fehlerbildern, die mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren bisher klassifiziert wurden, gehören Bindenähte,
Orientierungen im Anschnittbereich, Schlieren (Feuchtigkeits-, Glasfaser-,
Verbrennungsschlieren), Freistrahlbildung, Kaltfließlinien, Verbrennungsstellen
(Dieseleffekt), thermische Schädigungen, Weißbruch, Spannungsrisse,
Auswerferdeformationen, aber auch Verunreinigungen auf Oberflächen. Als
besonderer Vorteil erweist sich, dass nunmehr das Risiko ausgeschlossen ist, durch
Verwechslung von Prüfmitteln für verschiedene Kunststoff-Sorten, also
klassische Bedienungsfehler, falsche Prüfergebnisse zu produzieren. Weiter
ermöglicht der sparsame und umweltschonende Verbrauch an Prüfmitteln in
Verbindung mit der universellen Einsetzbarkeit, dass nunmehr auch seltener
verarbeitete Kunststoff-Sorten preiswert und einfach geprüft werden können. Zudem
wird die mögliche Gesundheitsgefährdung des Bedienpersonals weitgehend
verringert, weil keine Tauchbäder mit großen Mengen an Prüfmitteln mehr zu
handhaben sind, sondern nur noch minimale Mengen von Prüfmitteln
eingesetzt werden.
Die Einwirkzeiten für das erfindungsgemäße Verfahren liegen zwischen ca.
einer Minute zur Erfassung vorhandener Spannungsrisse oder
Oberflächenfehler und bis zu 48 Stunden für die zerstörende Werkstoffprüfung, bei der
sämtliche Spannungsrisse und Oberflächenfehler, auch latent vorhandene Fehler,
aufgezeigt werden sollen. Die Einwirktemperaturen für das erfindungsgemäße
Verfahren liegen bei Raumtemperatur. Erstaunlicherweise hat sich gezeigt,
dass bei dem erfindungsgemäßen Verfahren bzw. bei Einsatz des
erfindunggemäßen Prüfmittels für die große Zahl der zu prüfenden Kunststoffe im
wesentlichen stets die gleichen Anwendungsparameter gelten. Auch dies schließt
eine weitere, bisher unvermeidliche Fehlerquelle bei der Prüfung von
Kunststoffen aus. Die gleiche Behandlung der verschiedenen Werkstoffe führt dazu,
dass die Richtigkeit der Prüfergebnisse gesteigert wird.
Das Prüfmittel besteht aus ca. 5 bis 95 Volumen-%, insbesondere 15 bis
75 Volumen-%, besonders bevorzugt 20 bis 60 Volumen-% höheren Alkoholen,
Ketonen, Glycolethern, Estern oder aromatischen Verbindungen, die zum einen
als Lösungsmittel für die Farbstoffe geeignet sind, zum anderen die
Spannungsrisse und andere Oberflächenfehler induzieren. Die Auswahl der höheren
Alkohole und Ketone richtet sich neben der Bewertung der vorgenannten
Eigenschaften auch nach Viskosität, Flammpunkt, Verdunstungsrate, Haltbarkeit
bzw. Lagerfähigkeit des Prüfmittels. Als besonders geeignet, insbesondere für
die Induzierung von Spannungsrissen, haben sich Mischungen von höheren
Alkoholen und Ketonen erwiesen, bei denen ca. 10 bis 50 Volumen-% höhere
Alkohole und ca. 10 bis 55 Volumen-% Ketone für die Herstellung des
Prüfmittels verwendet werden. Nur als Beispiel für diese gut bekannten Stoffgruppen
seien folgende, geeignete Substanzen genannt: Butanol, Aceton,
Essigethylester, Benzol.
Dann ist der Zusatz von Farbstoffen mit einem Anteil von 0,05 bis 15 Volumen-%
erforderlich, um die induzierten und/oder detektierten Spannungsrisse und
Oberflächenfehler optisch wahrnehmbar zu machen. Bevorzugt werden 0,5 bis
10 Volumen-%, besonders bevorzugt 1 bis 5 Volumen-% Farbstoff zugesetzt.
Organische, insbesondere fluoreszierende Farbstoffe oder solche, die durch
UV-Licht erfassbar sind, werden besonders bevorzugt. Handelsübliche
Farbstoffe, z. B. diejenigen, die im eingangs erwähnten Stand der Technik genannt
sind, sind auch für das erfindungsgemäße Prüfmittel geeignet.
Für die Prüfung von Kunststoffen sind weiterhin oberflächenaktive Substanzen
hilfreich, die eine Benetzung der Kunststoff-Oberflächen bewirken und die
Penetration in Risse erleichtern. Durch den Zusatz von 0,01 bis 15 Volumen-%
Tensiden und/oder Emulgatoren wird die Löslichkeit der Farbstoffe und die
Mischung der einzelnen Bestandteile des Prüfmittels untereinander verbessert.
Gleichzeitig verbessern die an sich für diesen Einsatzzweck bekannten Tenside
und Emulgatoren die Reinigung der Oberfläche vom Prüfmittel vor der
Begutachtung der Spannungsrisse und Oberflächenfehler. Bevorzugt werden 0,5 bis
10 Volumen-%, besonders bevorzugt 1 bis 5 Volumen-% mindestens eines
Emulgators oder Tensids eingesetzt. Das mindestens eine Tensid oder der
mindestens eine Emulgator verbessern zudem die Stabilität und Lagerdauer
des Prüfmittels. Nur beispielhaft seien einige geeignete, handelsübliche Tenside
oder Emulgatoren genannt: MULSIFAN®, MARSIPAC®, MARLOX®, BYK® oder
TEGOWET®.
Die Zugabe von Netzmitteln und Mineralölen reduziert die
Oberflächenspannung des Prüfmittels weiter und stellt sicher, dass die Verdunstungsrate so
gering wie möglich gehalten wird.
Der Zusatz von Metallsalzen kann hilfreich sein, um entweder die Induzierung
von Rissen oder Oberflächenfehlern zu verbessern, z. B. bei Polyamiden, oder
um die gewünschte Ionenstärke einzustellen. Als Metallsalze sind
beispielsweise Chloride, insbesondere Zink- und Aluminiumchlorid, geeignet.
Schließlich ist für die gewünschte Applikation, also Sprühen, Streichen oder -
falls gewünscht - Tauchen die jeweils optimale Viskosität einzustellen. Dies
geschieht durch Zusatz von Wasser, ggf. Verdickern und aliphatischen
Kohlenwasserstoffen, die jeweils in Mengen von 1 bis 15 Volumen-%, vorzugsweise
von 5 bis 10 Volumen-% eingesetzt werden.
Eine Basisrezeptur des erfindungsgemäßen Prüfmittels enthält ca. 60 Volumen-%
eines Glycolethers, 30 Volumen-% einer organischen Säure mit darin
gelöstem, organischem Farbstoff (25 Volumen-% Linolensäure und 5% organischer
Farbstoff) sowie 5% eines handelsüblichen Emulgators und 5% Wasser.
Ein besonders wirksames und breit einsetzbares Prüfmittel zum Detektieren
von Spannungsrissen und Oberflächenfehlern in Kunststoffen und ggf. Öffnen
und Detektieren latent vorhandener Spannungsrisse und Oberflächenfehler in
Kunststoffen weist eine Zusammensetzung von ca. 20 bis 30 Vol.-% höherer
Alkohole und Diole, ca. 10 bis 15 Vol.-% aliphatischer Kohlenwasserstoffe,
ca. 10 bis 15 Vol.-% Ketone und 5 bis 10 Vol.-% eines Glycolethers als
speziellem, spannungsrissauslösendem Medium, jeweils ca. 10 Vol.-% Verdicker
und Wasser, jeweils ca. 5 Vol.-% der nachstehenden vier Stoffgruppen a) bis
d): a) Farbkonzentrat; b) Tenside und Emulgatoren; c) anorganische
Metallsalze; d) pH-Puffer sowie 1 Vol.-% polymere, oberflächenaktive Substanzen
auf.