Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Reinigen eines
verunreinigten Bodenbereiches, der Grundwasser umfasst, an Ort und
Stelle mittels Mikroorganismen.
Es ist allgemein bekannt, dass die Bodenverschmutzung ein
weltweites Problem ist. Die gegenwärtige Art im Umgang mit diesem
Problem ist, dass der Boden isoliert wird, nachdem die
schlimmste Verunreinigung entfernt und woanders gelagert wurde. Obwohl
dieses Verfahren preisgünstig ist, liefert es keine echte Lösung
für das Problem.
In der internationalen Patentanmeldung WO 93/22241 wurde
beschrieben, wie verschmutztes Grundwasser mittels
trichterförmiger Wandelemente durch ein Tor (oder Tore) in ein festes
Behandlungsmaterial geleitet wird. Die Druckschrift DE 40 11 175 C
beschreibt, wie die chemische Reinigung von Abwasser einer
Schutthalde durch die Anwendung von Sauerstoff durch elektrolytische
Entmischung des Abwassers verbessert wurde. Von der Druckschrift
DE-A-38 00 713 ist ein Verfahren bekannt, bei dem verunreinigtes
Wasser mit Mikroorganismen behandelt wird, wobei das
verunreinigte Wasser in einer aus Kammern bestehenden Vorrichtung
behandelt wird, von denen jede eine Scheidewand und zwei Elektroden
enthält.
Ein anderes vielversprechendes Verfahren ist die Umwandlung an
Ort und Stelle mittels biologischer Verfahren. Hier findet eine
Umwandlung der chemischen Verbindungen im Boden selbst statt
mittels Mikroorganismen, die im Boden vorhanden sind oder die
Der anaeroben Phase im biologischen Abbau von
Chlorkohlenwasserstoffen muss häufig eine aerobe Phase zur Sicherung einer
vollständigen Entmischung der verunreinigenden Verbindungen folgen.
Diese sauerstoffreiche Phase wird gewöhnlich durch das Einblasen
von Druckluft bewirkt. Ein Nachteil dieses Verfahrens der
Zuführung von Sauerstoff ist, dass sich Chlorkohlenwasserstoffe
dadurch verflüchtigen, was Gegenmaßnahmen erfordert, die
zusätzliche Kosten verursachen.
Außerdem ist es schwierig, eine Trennung zwischen dem anaeroben
Bereich und dem aeroben Bereich sowie die Steuerung der
Grundwasserströmung durch die zwei Bereiche zu realisieren, so dass
es das Risiko einer unvollständigen Zersetzung und der
Ausbreitung giftiger Zwischenprodukte gibt.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung
eines verbesserten Verfahrens an Ort und Stelle zur Reinigung
eines verunreinigten Bodenbereiches, der Grundwasser umfasst,
durch Mikroorganismen. Für diesen Zweck ist das Verfahren gemäß
der Erfindung dadurch gekennzeichnet, dass der zu reinigende
Bodenbereich umschlossen wird und dass eine oder mehrere
Elektroden, die flüssigkeitsdurchlässig sind, in dem Bodenbereich
angeordnet werden, eine negative oder positive Spannung an eine
oder mehrere Elektroden angelegt wird und die
Grundwasserströmung hauptsächlich durch die eine oder mehrere Elektroden direkt
geleitet wird, während auch eine oder mehrere Gegenelektroden
mit entgegengesetzter Spannung in dem Boden angeordnet werden,
wobei die Elektrode ein Gazematerial aufweist.
Elektronische Donatoren oder Akzeptoren werden an Ort und Stelle
vom im Boden befindlichen Wasser durch das Verfahren gemäß der
Erfindung erzeugt. Ein elektronischer Donator oder Akzeptor wird
in Abhängigkeit von der Polarität der Spannung über den gesamten
Oberflächenbereich der Elektroden gebildet. Da der
Oberflächenbereich der Elektroden verhältnismäßig groß ist, vorzugsweise
so, dass im Wesentlichen das gesamte Grundwasser aus dem
eingeschlossenen Bodenbereich dahindurch gelangt, bedeutet dies, dass
eine gleichmäßige Ausbreitung von elektronischen Donatoren oder
Akzeptoren über einen großen Oberflächenbereich stattfinden
wird. Diese Situation ist für vorhandene oder hinzugefügte
Mikroorganismen, die elektronische Donatoren oder Akzeptoren
verbrauchen, ideal. Die Mikroorganismen werden wachsen und eine
optimale Aktivität bei der Umwandlung und dem Abbau von
Verunreinigungen im Boden zeigen.
An die Elektrode wird in Abhängigkeit von der Art der
Verunreinigung und der Art der Mikroorganismen, die die Verunreinigungen
abbauen sollen, eine positive oder negative Spannung angelegt.
Die Elektrode, die flüssigkeitsdurchlässig ist, wird im Boden an
der gewünschten Stelle und eine zweite (Gegen)elektrode in der
Nähe der durchlässigen Elektrode angeordnet, um den elektrischen
Stromkreis zu schließen. Diese Gegenelektrode ist in vielen
Fällen lediglich als Gegenpol wirksam und kann verschiedene
Formen besitzen. Beim Abbau der Chlorkohlenwasserstoffe ist es
vorteilhaft, eine Elektrode mit einer negativen Spannung und die
flüssigkeitsdurchlässig ist sowie eine Elektrode mit einer
positiven Spannung und die flüssigkeitsdurchlässig ist,
hintereinander einzusetzen, um hintereinander eine anaerobe und eine
aerobe Phase zu erzeugen. In diesem Fall sind sowohl die erste
als auch die zweite Elektrode entsprechend
flüssigkeitsdurchlässig.
Insbesondere besteht die Elektrode aus einem im Wesentlichen
flachen Element, das, zumindest an seiner Oberfläche, ein
elektronenleitendes Material aufweist und das mit Öffnungen versehen
ist. Eine solche Elektrode sorgt für eine gute Ausbreitung von
elektronischen Donatoren oder Akzeptoren im Boden, während
gleichzeitig eine gute Grundwasserströmung mit den
Verunreinigungen darin abgesichert wird.
Die Elektrode besteht aus einem elektronenleitenden
Gazematerial. Vorteilhafterweise besteht die Elektrode aus Metall.
Wenn eine positive Spannung an die Elektrode angelegt wird,
werden elektronische Akzeptoren, wie zum Beispiel Sauerstoff
erzeugt, wobei eine negative Spannung zur Erzeugung von
elektronischen Donatoren, wie zum Beispiel Wasserstoff, führt.
Normalerweise bildet Sauerstoff den elektronischen Akzeptor und
Wasserstoff den elektronischen Donator, wobei aber durch die
Einführung bestimmter Verbindungen in den entsprechenden
Bodenbereich selbstverständlich erreicht werden kann, dass andere
Akzeptoren oder Donatoren erzeugt werden.
Der Bodenbereich wird vorzugsweise durch die Verwendung von im
Wesentlichen vertikalen Wandelementen, die wasserundurchlässig
sind, umschlossen, so dass eine durch diese Elemente gelenkte
Grundwasserströmung durch die elektronenleitenden Elemente
gelangt, die im Bodenbereich oder diesem unmittelbar benachbart
vorhanden sind. In einem sehr vorteilhaften Ausführungsbeispiel
ist der zu reinigende Bodenbereich mittels einer Umgrenzung des
Bodenbereiches lokalisiert, die durch im Wesentlichen vertikale
Wände gebildet wird, in denen an definierten Stellen Öffnungen
belassen worden sind, so dass die Grundwasserströmung den
Bodenbereich im Wesentlichen nur an diesen Öffnungen verlassen kann.
Die Elektroden sind in diesem Fall zwischen den Öffnungen oder
diesen benachbart angeordnet.
Obwohl das Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung bereits an
Ort und Stelle im verunreinigten Bodenbereich durchgeführt
wurde, ist es selbstverständlich auch möglich, die biologische
Umwandlungsreaktion mittels Mikroorganismen nicht am Ort des
verunreinigten Bodenbereiches selbst stattfinden zu lassen,
sondern stattdessen in speziell ausgeführten Reaktoren, in denen
eine ähnliche elektrochemische Erzeugung von elektronischen
Donatoren und/ oder Akzeptoren an Ort und Stelle durchgeführt
wird.
Die Erfindung betrifft schließlich auch eine Elektrode, die zur
Nutzung in dem erfindungsgemäßen Verfahren wie es oben
beschrieben wird, geeignet ist. Diese Elektrode besteht im Wesentlichen
aus einem flachen, elektronenleitenden Element, das aus einem
Gazematerial hergestellt wurde, während zumindest die Oberfläche
des Gazematerials ein elektronenleitendes Material, wie zum
Beispiel ein Metall, aufweist.
Die Erfindung wird nachstehend mit Bezug auf die begleitenden
Zeichnungen ausführlicher beschrieben, in denen zeigen:
Fig. 1 schematisch einen verunreinigten Bodenbereich, der von
Wänden begrenzt ist, in denen Öffnungen freigelassen wurden;
Fig. 2 schematisch einen weiteren von Wänden begrenzten
Bodenbereich;
Fig. 3 schematisch eine Elektrode gemäßen der vorliegenden
Anmeldung; und
Fig. 4 eine schematische, teilweise Seitenansicht von zwei
erfindungsgemäßen Elektroden, die hintereinander angeordnet sind
und entgegengesetzte Ladungspolaritäten aufweisen.
Fig. 1 zeigt schematisch einen verunreinigten Bodenbereich 1,
der von im Wesentlichen vertikalen Wandelementen 2 umschlossen
ist. Diese Wandelemente 2 können zum Beispiel bekannte
Spundwände sein, die wasserundurchlässig sind. Der Bodenbereich 1 ist
nicht vollständig von den Wandelementen oder Spundwänden
umgeben; es wurden Öffnungen 3 darin belassen. Diese Öffnungen 3
werden auch biologische Filtersiebe genannt, wobei die
Gestaltung der Wand 2 im Verhältnis zu den Öffnungen oder biologischen
Filtersieben 3 so ist, dass das im verunreinigten Bodenbereich
vorhandene Grundwasser hauptsächlich von dem durch die Wände 2
begrenzten Bodenbereich durch diese Öffnungen 3 fließt. Fig. 2
zeigt außerdem einen durch Wände begrenzten verunreinigten
Bodenbereich 1. In diesem Fall ist der Bodenbereich 1 nicht
vollständig von den Wandelementen 2 außerhalb der Öffnungen 3
umschlossen, wobei aber die Wandelemente 2 im verunreinigten
Bodenbereich 1 so angeordnet sind, dass die im Bodenbereich vorhandene
Grundwasserströmung von den Wänden in Richtung der
Öffnung 3 gelenkt wird. Folglich wird sowohl durch die Anordnung in
Fig. 1 als auch durch die Anordnung in Fig. 2 erreicht, dass die
im verunreinigten Bodenbereich 1 vorhandene Grundwasserströmung
gezwungen wird, diesen Bodenbereich über die Öffnungen 3 zu
verlassen. Das bedeutet, dass die im Bodenbereich 1 vorhandenen
und durch das Grundwasser fortgetragenen verunreinigenden
Verbindungen den Bodenbereich 1 ebenfalls über die Öffnungen 3
verlassen werden.
Wie in der vorliegenden Anmeldung oben angemerkt wurde, sind die
im Boden vorhandenen Mikroorganismen von selbst nicht aktiv
genug, um die verunreinigenden Verbindungen umzuwandeln oder
abzubauen. Es sind Bedingungen zu schaffen, bei denen diese
Mikroorganismen optimal wachsen und eine entsprechende Aktivität
zeigen können, um eine solche Umwandlung oder Zersetzung zu
erreichen. Diese Bedingungen können dadurch geschaffen werden,
dass für eine gleichmäßige Verteilung von elektronischen
Donatoren oder Akzeptoren im Boden gesorgt wird. Eine Anzahl von
Mikroorganismen wächst und ist unter dem Einfluss von
elektronischen Donatoren optimal aktiv, wogegen andere Mikroorganismen
unter dem Einfluss von elektronischen Akzeptoren optimal
funktionieren. Die Schaffung einer zufriedenstellenden Ausbreitung
der Öffnung 3 benachbarten elektronischen Donatoren oder
Akzeptoren wird dementsprechend zu einer optimalen Effektivität der
Mikroorganismen an Ort und Stelle führen und damit zu einer
vollständigen Zersetzung der Verunreinigungen aus dem
verunreinigten Bodenbereich, die durch die Öffnung gelangen.
Die Verteilung von elektronischen Donatoren oder Akzeptoren
durch den Boden, wie oben erwähnt, kann durch Anordnung der
Elektroden, die flüssigkeitsdurchlässig sind, gemäß der
vorliegenden Erfindung in den Öffnungen 3 oder diesen benachbart
erreicht werden. Die Elektrode 4 besteht gemäß der Erfindung aus
einer flachen, elektronenleitenden Gaze 5, die zum Beispiel in
einem Rahmen 6 mit einer Größe, die vorzugsweise der Größe der
Öffnung(en) 3 entspricht, montiert ist. An die Gaze 5 wird eine
negative Spannung zum Erzeugen von elektronischen Donatoren oder
eine positive Spannung zum Erzeugen von elektronischen
Akzeptoren angelegt. Um den Stromkreis zu schließen, wird eine zweite
Elektrode 7 an eine entgegengesetzte Spannung in größerer oder
kleinerer Entfernung von der Elektrode 4 angeschlossen. Diese
zweite Elektrode kann eine "normale" Elektrode oder wahlweise
auch eine flüssigkeitsdurchlässige Elektrode gemäß der
vorliegenden Erfindung sein. Diese zweite Situation ist in Fig. 4
dargestellt, wo eine erste flüssigkeitsdurchlässige Elektrode 4
mit einem negativen Pol 8 einer Gleichspannungsquelle 10
verbunden ist, und eine zweite flüssigkeitsdurchlässige Elektrode
7 unmittelbar neben der ersten angeordnet und mit einem
positiven Pol 9 der Gleichspannungsquelle 10 verbunden ist.
Wenn die Elektroden von Fig. 3 und Fig. 4 in den Öffnungen 3 des
von Wänden 2 begrenzten verunreinigten Bodenbereiches 1
angeordnet sind, entsteht die folgende Situation. Wenn ein Element
gemäß Fig. 3 in der Öffnung 3 angeordnet ist, wird eine gute
Aufteilung von elektronischen Donatoren oder Akzeptoren im
Bereich der Öffnung in Abhängigkeit von der an die Gaze angelegten
Spannung erreicht. Das Anlegen einer negativen Spannung führt
zur Bildung von elektronischen Donatoren, einer positiven
Spannung zur Bildung von elektronischen Akzeptoren. In Abhängigkeit
von der Verunreinigung und den im Boden vorhandenen
Mikroorganismen wird eine Spannung an die Gaze angelegt, so dass für die
Effektivität der im Boden vorhandenen Mikroorganismen optimierte
Bedingungen vorherrschen werden. Es wird angemerkt, dass dem
Bodenbereich zusätzliche Mikroorganismen und/ oder Chemikalien
zugeführt werden können, um einen noch besseren oder
vollständigeren Abbau oder Umwandlung der Verschmutzungsstoffe zu
erlangen.
Wenn eine Elektrode gemäß Fig. 4 in der Öffnung angeordnet ist,
wird eine Grundwasserströmung, die durch die mit einem Pfeil. 11
angegebene Öffnung 3 gelangt, zuerst mit der negativen Elektrode
in Berührung kommen, wo die Mikroorganismen wachsen, die die
elektronischen Donatoren für ihr Wachstum und ihre Aktivität
nutzen, und dann mit einer positiven Elektrode in Berührung
kommen, wobei diejenigen Mikroorganismen gedeihen, die
elektronische Akzeptoren nutzen. Die Reihenfolge der Elektroden kann in
den Fällen, bei denen das wünschenswert ist, selbstverständlich
umgekehrt werden. Eine verbesserte Zersetzung der
Verunreinigungen kann damit dadurch erreicht werden, indem bestimmte
Verbindungen zuerst teilweise an der einen Elektrode abgebaut und
anschließend an der anderen Elektrode weiter abgebaut werden.
Beispiel
Das erfindungsgemäße Verfahren wird jetzt mit einem Beispiel
erläutert. Grundwasser, das 10 mg Perchlorethylen pro Liter
enthält, wird durch eine Elektrode gemäß der vorliegenden
Erfindung und mit einem Oberflächenbereich von 1 m² bei einer
Geschwindigkeit von 5 m pro 24 Stunden gepumpt. Die Elektrode
besteht aus zwei elektronenleitenden Gazeelementen von jeweils
1 m², die hintereinander angeordnet sind. Der gegenseitige
Zwischenraum der beiden elektronenleitenden Gazeelemente beträgt 2
cm. Die Elemente sind an eine Gleichspannungsquelle
angeschlossen. Wenn das Wasser durch die Elektrode gepumpt wird, hat sich
herausgestellt, dass, nachdem das Wachstum der bereits
vorhandenen Mikroorganismen in Schwung gekommen ist, annähernd 10 mol,
das heißt 20 g, durch die Elektroden erzeugter Wasserstoff
notwendig sind, um mittels des elektronischen Donators mehr als 90%
des im Grundwasser vorhandenen Perchlorethylens umzuwandeln. Die
für die Umwandlung benötigte Elektroenergie beträgt ungefähr 10
kWh pro m³ durchfließendes Grundwasser.