Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Gewinnen von
ungesättigten, gegebenenfalls derivatisierten Fettsäuren aus Gemischen von diesen
mit anderen Komponenten, z.B. gesättigten, gegebenenfalls derivatisierten Fettsäuren,
durch Säulenchromatographie.
Seit langem herrscht ein ernährungs- und medizinwissenschaftliches
Interesse an ungesättigten, insbesondere an polyungesättigten, Fettsäuren (engl.
polyunsaturated fatty acids, als "PUFAs" abgekürzt). Bekanntlich sind gewisse Fettsäuren,
insbesondere die PUFAs, Vorläufer für Prostanoid-Verbindungen, u.a. Prostaglandine,
Thromboxane und Leukotriene, die eine wichtige biologische Rolle u.a. bei Thrombozytenaggregation,
Entzündung sowie Allergien spielen. Insbesondere sind die beiden "ω-3"-PUFAs
(bei denen sich die erste Doppelbindung am dritten Kohlenstoffatom von der endständigen
Methylgruppe der Säure befindet) Eicosapentaensäure ("EPA") und Docosahexaensäure
("DHA") von Nutzen als Wirkstoffe bei der Behandlung und Vorbeugung von "Zivilisationskrankheiten",
insbesondere der Herz-Kreislauf-Krankheiten, z.B. Herzinfarkt und erhöhter Cholesterinwert.
Ebenfalls bekannt ist der Befund, dass die ω-3- und auch noch die ω-6-PUFAs
(mit der ersten Doppelbindung am sechsten Kohlenstoffatom) eine essentielle Rolle
bei der Retina-, Gehirn- und allgemeinen Entwicklung von Säuglingen spielen. So
wurden ω-3- und ω-6-PUFAs in der Muttermilch nachgewiesen; es gilt
als gesichert, dass mit Muttermilch gestillte Kinder sich deutlich schneller entwickeln
als vergleichbare Kinder, die nicht gesäugt werden. Darüber hinaus werden insbesondere
Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure auf ihre positiven Wirkungen bei der Bekämpfung
der Arteriosklerose, der Senkung des Cholesterin- und Blutfettspiegels sowie der
Verhinderung von Thrombozytenaggregationen, chronischen Entzündungen, wie beispielsweise
rheumatoide Arthritis und Neurodermatitis, und Allergien gegenwärtig intensiv untersucht.
Natürliche Fette und Oele, insbesondere Fisch-, Seetier- und pflanzliche
Oele, sind wichtige Quellen der ω-3- und ω-6-PUFAs, die vor allem in
Form ihrer Glyceride und Phospholipide vorkommen und von vielen unerwünschten
Nebenprodukten und Verunreinigungen begleitet sind. Die obenerwähnten ω-3-PUFAs
Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure sind hauptsächlich in Fischölen enthalten,
während beispielsweise die ω-6-PUFAs Arachidonsäure und Linolsäure vor allem
in tierischen Fetten bzw. pflanzlichen Oelen, z.B. Maisöl, vorkommen. Angesichts
der obenerwähnten Vorteile bei der Einnahme bzw. Verabreichung von PUFAs und der
Tatsache, dass der Gesamtgehalt an erwünschten langkettigen PUFAs in alimentären
Fetten und Oelen im Bereich von etwa 10 bis 21% liegt (z.B. an ω-3- und ω-6-PUFAs
in Fischöl im Bereich von etwa 12 bis 18%), müssten für die empfohlene Dosierung
der ω-3-PUFAs täglich grosse Mengen Fisch mit der Nahrung aufgenommen werden.
Dies ist jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen nicht praktikabel. Daher sind
einige Produzenten dazu übergegangen, neben dem schon seit Jahrzehnten auf dem
Markt erhältlichen Fischölen in natürlicher Konzentration Kapseln zu vertreiben,
die angereicherte PUFAs in möglichst reiner Form, als Ester oder als resubstituierte
Triglyceride enthalten. Der Wunsch nach möglichst reinen einzelnen PUFAs bleibt
bestehen.
Durch alkalische Hydrolyse der die PUFAs enthaltenden Gemische, z.B.
der Fisch-, Seetier- oder pflanzlichen Oele selber oder raffinierter Formen davon,
und anschliessende Umesterung mit Alkoholen, insbesondere mit Ethanol, werden u.a.
die entsprechenden Alkylester erhalten. Bekanntlich kann die darauffolgende technische
Trennung des Alkylestergemisches u.a. mittels Gegenstromextraktion mit einem überkritischen
Gas, insbesondere Kohlendioxid, erfolgen, wobei eine weitgehende Trennung nach
der Anzahl der Kohlenstoffatome möglich ist. Auf diese Weise werden Fraktionen
mit relativ hohen Reinheitsgraden an PUFAs der gleichen oder der nicht weit auseinanderliegenden
Kohlenstoffanzahl, z.B. ein 60%-reines Gemisch von Eicosapentaensäure (C20)
und Docosahexaensäure (C22), erhalten. Eine gezielte Trennung nach dem
Sättigungsgrad (Anzahl der Doppelbindungen) ist auf diese Weise allerdings erfahrungsgemäss
nicht möglich. Um jedoch physiologische Wirksamkeiten der einzelnen PUFAs untersuchen
zu können, sind Fraktionen bedeutend höherer Reinheit erforderlich. Infolge der
bisherigen Unzulänglichkeiten der Trennmethoden konnte u.a. noch nicht geklärt
werden, ob beispielsweise die einzelnen ω-3-PUFAs Eicosapentaensäure und
Docosahexaensäure getrennt oder im Wechselspiel wirken, was auch für die Docosapentaensäure
gilt, die stets zwangsläufig mit Docosahexaensäure verabreicht wird.
Mit einer Trennung von PUFAs, insbesondere von den ernährungs- und
medizinwissenschaftlich interessanten PUFAs, welche mindestens sechzehn Kohlenstoffatome
im Molekül aufweisen, sowohl nach der Anzahl der Kohlenstoffatome als auch nach
der Anzahl der Doppelbindungen stünden einzelne PUFAs zur Verfügung, die nicht
nur eine Ergänzung zur täglichen Nahrung darstellen würden, sondern auch gezielt
medikamentös verabreicht werden könnten.
Einige Veröffentlichungen, die grösstenteils auf Arbeiten der Gruppen
um M. Perrut basieren [siehe beispielsweise LC-GC (Magazine of Liquid and Gas
Chromatography) 6, 10 (1988), 914], liegen auf dem Gebiet der präparativen überkritischen
Flüssigchromatographie (engl. supercritical fluid chromatography, als "SFC" abgekürzt)
vor. Gemäss dieser Veröffentlichungen können aus Fischöl gewonnene, in die entsprechenden
Ethylester umgeesterte Docosapentaensäure und Docosahexaensäure auf gepackten
Säulen mittels SFC präparativ getrennt werden. Unter Verwendung einer mit Silika
gepackten Säule konnten Reinheiten von Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure
von 96% bzw. 85% erzielt werden. Hinweise auf die Trennung von Docosapentaensäure
werden nicht gegeben, was angesichts der relativ geringen erzielten Reinheit von
85% für die Docosahexaensäure darauf schliessen lässt, dass die Docosapentaensäure
nicht auf diese Weise abgetrennt werden konnte.
Aus der europäischen Patentpublikation (EP) 558.974 ist ein SFC-säulenchromatographisches
Verfahren zum Gewinnen von ungesättigten Fettsäuren oder von Derivaten davon aus
diese enthaltenden pflanzlichen oder tierischen Gemischen bekannt geworden. In
diesem Verfahren wird als mobile Phase überkritisches oder flüssiges Kohlendioxid,
und als stationäre Phase eine näher definierte belegte Phase verwendet. Bei der
stationären Phase handelt es sich um ein in der Regel aus Silikagel oder Aluminiumoxid
bestehendes Grundgerüst, das zwingend mit einer Belegungs-Phase versehen ist, welche
freie Elektronenpaare und/oder Mehrfachbindungen aufweist, wie diese beispielsweise
in einem eine Aminogruppe (z.B. in Aminopropyl) oder eine Nitrogruppe bzw. eine
Phenylgruppe oder eine Cyangruppe (z.B. in Cyanpropyl) enthaltenden Stoff vorkommen.
Dass eine wirksame Abtrennung der einzelnen PUFAs durch SFC-Säulenchromatographie
mit Kohlendioxid als mobiler Phase, jedoch unter Verwendung eines unbelegten Grundgerüstes,
insbesondere Aluminiumoxid, erreicht wird, geht aus der EP 558.974 in keiner Weise
hervor.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, ein neuartiges Verfahren
zum Gewinnen von wertvollen ungesättigten Fettsäuren, als solchen oder als Derivaten,
insbesondere im voraus hergestellten Niederalkylestern dieser Fettsäuren, aus einem
Gemisch der Fettsäuren und/oder Fettsäureester durch Säulenchromatographie zur
Verfügung zu stellen, und zwar ein Verfahren, das die Nachteile des Standes der
Technik grösstenteils nicht aufweist. Bei dem erfindungsgemässen Verfahren handelt
es sich um ein Verfahren zum Gewinnen einer ungesättigten Fettsäure mit mindestens
sechzehn Kohlenstoffatomen im Molekül oder eines Derivats einer solchen Fettsäure
aus einem Gemisch von Fettsäuren und/oder Fettsäurederivaten durch Säulenchromatographie
mit überkritischem oder flüssigem Kohlendioxid als mobiler Phase, das dadurch gekennzeichnet
ist, dass als stationäre Phase gegebenenfalls mit Alkali vorbehandeltes Aluminiumoxid
verwendet wird.
Im Prinzip wird das erfindungsgemässe Verfahren so durchgeführt,
dass man das gewünschtenfalls bereits unter Druck stehende Gemisch von Fettsäuren
und/oder Fettsäurederivaten mit der mobilen Phase des überkritischen oder flüssigen
Kohlendioxids zusammenbringt, das Ganze, eventuell gefolgt von weiterer mobiler
Phase, auf die mit der obenerwähnten stationären Phase gepackte Chromatographiesäule
gibt und dann durchströmen (eluieren) lässt, wobei das Eluieren unter den gewählten
Temperatur- und Druckbedingungen erfolgt und aufgrund der starken Wechselwirkungen
zwischen der stationären Phase und den einzelnen Bestandteilen des Gemisches eine
zeitliche Auftrennung dieser Bestandteile erreicht wird, die aus der Säule nacheinander
eluierenden, in Kohlendioxid gelösten Bestandteile (Eluate) nach sequentieller
Detektion (Bestimmung) in durch das Detektionsmittel bestimmten Auffanggefässen
sammelt und das Kohlendioxid vom jeweiligen Sammelgut durch Dekomprimieren (Verflüchtigung)
entfernt, so dass sich schliesslich die erhaltenen, abgetrennten Bestandteile oder
"Fraktionen" (u.a. die erwünschten ungesättigten Fettsäuren bzw. Fettsäurederivate)
kohlendioxidfrei in den einzelnen Auffanggefässen befinden. Gewünschtenfalls kann
nach dem Eluieren und Austritt aus der Säule das Eluat einem oder mehreren weiteren
derartigen chromatographischen Vorgängen unterworfen werden, um eine noch grössere
Aufteilung der Bestandteile zu erzielen. Dies gilt auch für eine beliebige Fraktion,
falls deren Reinheit der angestrebten nicht entspricht.
Wird nach Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens ein ursprünglich
im Gemisch vorhandenes Derivat, z.B. ein Niederalkylester oder ein natürlich vorkommendes
Triglycerid, einer ungesättigten Fettsäure mit mindestens sechzehn Kohlenstoffatomen
aus dem verwendeten Gemisch gewonnen, jedoch die Fettsäure selber erwünscht wird,
so kann diese auf konventionelle Weise aus dem Derivat erhalten werden, z.B. durch
Verseifung des Niederalkylesters bzw. Triglycerids. Auch nach einer solchen chemischen
Behandlung kann im Falle des Erhalts einer ungenügend angereicherten ungesättigten
Fettsäure das diesbezügliche Produkt dem erfindungsgemässen Verfahrens unterworfen
werden, bis beim resultierenden Eluierungsprodukt die angestrebte Reinheit erreicht
worden ist.
Als im erfindungsgemässen Verfahren verwendetes Gemisch von Fettsäuren
und/oder Fettsäurenderivaten eignet sich jedes beliebige Gemisch, das zumindest
eine ungesättigte Fettsäure mit mindestens sechzehn Kohlenstoffatomen im Molekül
oder ein Derivat davon enthält. So kann man beispielsweise Oele oder Fette pflanzlicher
oder tierischer (einschliesslich seetierischer) Herkunft verwenden, die u.a. die
erwünschten Fettsäuren in Form von Triglyceriden, Amiden, Phospholipiden, Laktonen
und Salzen, und sonst andere Fettsäuren und Derivate, wie Triglyceride usw., davon,
Sterole, z.B. Cholesterol, Vitamine, z.B. Tocopherole, und Materialien, die normalerweise
als Verunreinigungen angesehen sind, z.B. Polychlorbiphenyl (PCB), polyaromatische
Kohlenwasserstoffe (PAH), Pestizide, Dioxine, Schwermetalle, Oxidations- und Zersetzungsprodukte
von gesättigten Fettsäuren oder deren Derivaten, aus bisher verwendeten Konzentrations-
oder Reinigungsstufen zurückgebliebene Lösungsmittel oder Reagenzien usw. enthalten,
oder man kann ein im voraus raffiniertes und/oder chemisch behandeltes, insbesondere
verestertes oder umgeestertes Rohmaterial (Oel oder Fett) einsetzen. Vorzugsweise
wird im Falle der Anwesenheit von Triglyceriden das entsprechende, gegebenenfalls
im voraus raffinierte Oel oder Fett einer sauren oder basischen Hydrolyse unterworfen,
wobei die darin enthaltenen Triglyceride in die entsprechenden Säuren übergeführt
werden, oder mit einem Niederalkyl- insbesondere C1-6-Alkylalkohol,
ganz bevorzugt mit Ethanol, verestert, wobei die Triglyceride der ungesättigten
und gesättigten Fettsäuren in die entsprechenden Niederalkylester umgeestert werden.
Die Hydrolyse bzw. Veresterung kann auf konventionelle Weise erfolgen. Bevorzugte
Rohmaterialien, die gegebenenfalls im voraus raffiniert und/oder chemisch behandelt
worden sind, sind Fischöle, z.B. Sardinen- und Thunfischöl, da diese wertvolle
Quellen der höchst begehrten Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure sind, sowie
tierische Fette und pflanzliche Oele, z.B. Maisöl, da diese ihrerseits wertvolle
Quellen der ebenfalls begehrten Arachidonsäure bzw. Linolsäure sind, insbesondere
die Fischöle.
Das Gemisch von Fettsäuren und/oder Fettsäurederivaten wird normalerweise
ohne Verdünnung zusammen mit dem überkritischen oder flüssigen Kohlendioxid auf
die mit der erfindungsgemäss verwendeten stationären Phase gepackte Chromatographiesäule
gegeben, kann allerdings im voraus in einem geeigneten Lösungsmittel, z.B. einem
niederen Alkan, vorzugsweise n-Hexan, gelöst werden. Vorzugsweise wird jedoch
das Gemisch unverdünnt eingesetzt.
Bei dem im erfindungsgemässen Verfahren verwendeten überkritischen
Kohlendioxid handelt es sich bekanntlich um die Form von Kohlendioxid, die bei
einer Temperatur von mindestens etwa 31°C und bei einem Druck von mindestens etwa
73 bar gehalten wird und weder rein flüssig noch rein gasförmig, sondern ein Hybrid
der beiden physikalischen Formen ist. Das im erfindungsgemässen Verfahren als Alternative
verwendbare flüssige Kohlendioxid weist eine Temperatur von weniger als etwa 31°C
und einen Druck, der oberhalb von etwa 73 bar liegt, auf. Die Vorteile der Verwendung
von Kohlendioxid bestehen in dessen Nichttoxizität, Nichtflammbarkeit und leichter
Entfernung durch Dekomprimieren der aufgefangenen Eluate, ohne dass ein potentiell
schädigender Rückstand mit der abgetrennten ungesättigten Fettsäure bzw. mit einem
Derivat davon bleibt. Ferner ist das Kohlendioxid in hoher Reinheit und kostengünstig
breit erhältlich und lässt sich gewünschtenfalls mit einem organischen Cosolvens
("Modifier"), z.B. dem bereits oben erwähnten n-Hexan, aber auch noch einem niederen
Alkanol, etwa Methanol oder Ethanol, und einem niederen aliphatischen Keton, etwa
Aceton, als Teil der mobilen Phase verwenden. Da die kritische Temperatur von
Kohlendioxid nicht viel höher ist als die Raumtemperatur und die erfindungsgemäss
zu gewinnenden ungesättigten Fettsäuren bzw. Fettsäurederivate temperaturempfindlich
(thermolabil) sind, eignet sich Kohlendioxid auch aus diesen Gründen hervorragend
als im erfindungsgemässen Verfahren verwendete mobile Phase.
Das im erfindungsgemässen Verfahren als stationäre Phase - und für
die Erfindung kennzeichnend - verwendete Aluminiumoxid liegt zweckmässigerweise
als möglichst homogen gepackte, ungleichmässige oder, vorzugsweise, kugelförmige
(sphärische) Partikel vor, deren Partikelgrösse etwa 5 bis 25 µm beträgt. Solches
kugelförmige Aluminiumoxid ist im Handel leicht erhältlich. Als Beispiele kommerziell
erhältlicher Aluminiumoxide seien Aluspher®Al und Spherisorb Alumina erwähnt;
das erstere weist eine spezifische Oberfläche SBET von 170 m2/g,
ein Porenvolumen Vp von 0,5 ml/g, einen Porendurchmesser D von 100 Å und eine
Partikelgrösse dp50 von 5 µm auf, während das letztere eine SBET
von 93 m2/g, einen D von 130 Å und eine dp50 von ebenfalls
5 µm aufweist. Gebrochene Materialien werden von verschiedenen Herstellern angeboten,
z.B. ICN Biomedicabs, Inc. Diese Aluminiumoxide weisen Korngrössenverteilungen
von 3-6 µm, 7-12 µm, 10-18 µm oder 18-32 µm auf. Die spezifische Oberfläche SBET
dieser Materialien beträgt 200 m2/g; die Porenvolumen und Porendurchmesser
liegen im Bereich sphärischer Materialien.
Als Alternative zur unmittelbaren Verwendung des (unbehandelten)
Aluminiumoxids als stationärer Phase kann das Aluminiumoxid vor Verwendung einer
alkalischen Vorbehandlung unterworfen werden. Bei dieser Vorbehandlung handelt
es sich im Prinzip um den Kontakt des partikelförmigen Aluminiumoxids mit einer
wässrigen Lösung eines Alkalimetall- oder Erdalkalimetallhydroxids, wie beispielsweise
Natrium-, Kalium- bzw. Calciumhydroxid, im pH-Bereich von etwa 10 bis etwa 13,
über mehrere Stunden, zweckmässigerweise über etwa 8 bis etwa 20 Stunden. Die
Konzentration der wässrigen Alkalimetall- oder Erdalkalimetallhydroxidlösung liegt
zweckmässigerweise im Bereich von etwa 0,01 M bis etwa 0,1 M. Gewünschtenfalls
kann die wässrige Alkalimetall- oder Erdalkalimetallhydroxidlösung mit einem wassermischbaren
oder wasserlöslichen organischen Lösungsmittel ergänzt werden, um die Viskosität
der Lösung auf einen arbeitstechnisch praktikablen Wert einzustellen. Dies wird
beispielsweise mit dem polaren organischen Lösungsmittel Acetonitril oder Aceton
erreicht. Als besonders geeignet hat sich das 10:90 (V/V)-Gemisch von Acetonitril
und 0,1 M wässriger Natriumhydroxidlösung erwiesen, das einen pH-Wert von etwa
13 aufweist.
Aus praktischen Gründen erfolgt die alkalische Vorbehandlung des
Aluminiumoxids zweckmässigerweise durch kontinuierliche Durchströmung der alkalischen
Lösung durch das bereits in der Chromatographiesäule gepackte Aluminiumoxid über
mehrere Stunden, vorzugsweise etwa 12 bis 16 Stunden, gefolgt von Spülung des so
vorbehandelten Aluminiumoxids mit destilliertem Wasser, bis die austretenden Spülungen
neutral sind. Um verbleibendes Wasser aus dem vorbehandelten Aluminiumoxid zu
entfernen, empfiehlt es sich, die Säule für etwa 4-10 Stunden zwischen 50 und 90°C
zu heizen und anschliessend das vorbehandelte Aluminiumoxid noch mit einem niederen
Alkan, vorzugsweise n-Heptan, mehrere Stunden, vorzugsweise etwa 8 bis 20 Stunden,
zu spülen. Danach kann das so vorbehandelte Aluminiumoxid als stationäre Phase
im erfindungsgemässen Verfahren verwendet werden. Die Verwendung des mit Alkali
vorbehandelten Aluminiumoxids stellt einen bevorzugten Aspekt des erfindungsgemässen
Verfahrens dar.
Damit das als mobile Phase im erfindungsgemässen Verfahrens verwendete
Kohlendioxid im überkritischen oder flüssigen Bereich beibehalten wird, müssen
gewisse Temperatur- und Druckbedingungen eingehalten werden, und zwar nicht nur
bei der Einführung des Kohlendioxids in die mit der stationären Phase gepackte
Chromatographiesäule, sondern auch noch während des anschliessenden Eluierens.
Das Verfahren wird zweckmässigerweise im Temperaturbereich von etwa 30°C bis etwa
100°C und bei einem Druck von etwa 140 bar bis etwa 320 bar durchgeführt, wobei
bei Verwendung des mit Alkali vorbehandelten Aluminiumoxids anstelle des unbehandelten
Aluminiumoxids der geeignete Druck bei sonst gleichen Verfahrensbedingungen niedriger
ist. Vorzugsweise beträgt der Temperaturbereich etwa 45°C bis etwa 75°C und der
diesbezügliche Druckbereich etwa 220 bar bis etwa 260 bar. Die Dichte von Kohlendioxid
lässt sich über Druck und Temperatur einstellen, und in dem letzterwähnten Temperatur-
und Druckbereich ergibt sich eine optimale Kohlendioxiddichte von etwa 720 kg/m3
bis etwa 850 kg/m3.
Aluminiumoxid bewirkt als stationäre Phase bei der Durchführung des
erfindungsgemässen Verfahrens die chromatographische Abtrennung der verschiedenen
ungesättigten Fettsäuren oder Fettsäurederivate und, falls vorhanden, gesättigten
Fettsäuren oder Fettsäurederivate, und zwar einerseits nach der Kettenlänge (Anzahl
der C-Atome) und andererseits nach dem Sättigungsgrad (Anzahl der Doppelbindungen:
je höher diese Anzahl, desto niedriger der Sättigungsgrad). Ab einer gewissen Anzahl
Doppelbindungen scheint die Selektivität bezüglich des Sättigungsgrades zu überwiegen.
Verfügen die abzutrennenden Fettsäuren bzw. Fettsäurederivate über lediglich eine
Doppelbindung, wie beispielsweise bei der Erucasäure (22 C-Atome,1 Doppelbindung:"22:1"),
so tritt die Selektivität bezüglich der Kettenlänge deutlich in den Hintergrund,
und die Fettsäuren bzw. Derivate eluieren vor dem Bereich kürzerer, jedoch höher
ungesättigter Fettsäuren bzw. Derivate, wie bei der 20:5-Fettsäure Eicosapentaensäure.
Hingegen wird beim Eluieren der 20:5-, 22:5- und 22:6-Fettsäuren (Eicosapentaen-,
Docosapentaen- bzw. Docosahexaensäure) die längerkettige Säure gegenüber der kürzerkettigen
Säure gleicher Anzahl Doppelbindungen, und die Säure kleineren Sättigungsgrades
gegenüber der Säure grösseren Sättigungsgrades, an der stationären Phase jeweils
stärker (länger) festgehalten, so dass zuerst die 20:5-Fettsäure, dann die 22:5-Fettsäure,
und zuletzt die 22:6-Fettsäure eluiert wird. Gerade im letzteren Bereich (Anzahl
C-Atome 20-22 und/oder Anzahl Doppelbindungen 5-6) sind die ungesättigten Fettsäuren
grösster Bedeutung auf den Gebieten der Ernährung und der Medizin zu finden, wo
es gilt, klare chromatographische Trennungen ohne übermässiges Tailing zu verwirklichen.
Sowohl die Temperatur- und Druckbedingungen, unter denen das erfindungsgemässe
Verfahren durchgeführt wird, als auch die Wahl zwischen unbehandeltem Aluminiumoxid
und mit Alkali vorbehandeltem Aluminiumoxid als stationärer Phase, üben einen Einfluss
auf das Trennergebnis aus. Im allgemeinen zieht eine Temperaturerhöhung oder Druckerniedrigung
die Eluate der verschiedenen Fettsäuren zeitlich auseinander, während eine Druckerhöhung
oder Temperaturerniedrigung die Eluate zusammenschiebt, so dass das beliebige Variieren
dieser Parameter den zeitlichen Ablauf des erfindungsgemässen Verfahrens bestimmen
kann. Durch alkalische Vorbehandlung des Aluminiumoxids lassen sich die aktiven
Zentren (überwiegend Lewis-Säuren und Basen) auf dessen Oberfläche blockieren,
so dass das Aluminiumoxid in seiner Polarität abgeschwächt wird. Die Reihenfolge
der Eluate ändert sich nach dieser Behandlung zwar nicht, jedoch verringert sich
das Tailing der polaren mehrfach ungesättigten Fettsäuren, und die Elutionszeiten
reduzieren sich deutlich. Wird beispielsweise die bei einer Durchführung des erfindungsgemässen
Verfahrens bei 65°C und 280 bar auf unbehandeltem Aluminiumoxid zuletzt eluierende
22:6-Fettsäure erst nach etwa einer halben Stunde unter bemerkbarem Tailing eluiert,
so erfolgt die Elution bei gleichen Temperatur- und Druckbedingungen auf dem alkalisch
behandelten Aluminiumoxid bereits nach nahezu einem Drittel der Zeit und mit stark
verringertem Tailing. Aus diesem Grunde ist die Verwendung eines mit Alkali vorbehandelten
Aluminiumoxids gegenüber der Verwendung eines unbehandelten, neutralen Aluminiumoxids
im erfindungsgemässen Verfahren bevorzugt.
Die Detektion der auf der Chromatographiesäule nacheinander eluierenden,
in Kohlendioxid gelösten Bestandteile (Eluate) erfolgt sequentiell vorzugsweise
über einen UV-Detektor, gefolgt von einem Flammenionisationsdetektor (FID). Der
UV-Detektor ermöglicht eine Beurteilung der Bestandteile nach der Anzahl der Doppelbindungen
und kann somit zur begrenzten Strukturaufklärung einzelner Bestandteile beitragen.
Unter Verwendung des FID wird die Zuteilung der verschiedenen Eluate in die Auffangsgefässe
elektronisch besorgt. Derartige Technologie ist an sich bekannt, wie auch die Art
und Weise, durch die das Kohlendioxid (durch Dekomprimieren) vom jeweiligen Sammelgut
entfernt wird.
Das erfindungsgemässe Verfahren eignet sich ganz bevorzugt zum Gewinnen
der 20:5-Fettsäure Eicosapentaensäure sowie der 22:6-Fettsäure Docosahexaensäure,
jeweils entweder unmittelbar oder über ein Derivat davon, vorzugsweise den Ethylester.
Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Beispiele veranschaulicht.
Beispiel 1Durchführung des Verfahrens
Für eine Untersuchung des chromatographischen Gewinnens der Bestandteile,
insbesondere der ungesättigten Fettsäure-äthylester, aus einem mit Ethanol veresterten
Fischöl wird eine Apparatur der Firma Carlo Erba Instruments verwendet (s. Abbildung
1). Die Apparatur wird über eine Kohlendioxid (CO2)-Flasche kontinuierlich
mit mobiler Phase versorgt. Die mobile Phase kann je nach gewählten Druck- und
Temperaturbedingungen im überkritischen (bei CO2 über etwa 31°C und
73 bar) oder auch unterkritischen Bereich betrieben werden.
Dazu wird das CO2 aus der Flasche in die Kammer der Pumpe
gezogen und dort zunächst mittels eines Thermostaten auf -6°C kondensiert. Der
Kolben wird über einen Schrittmotor angetrieben und verdichtet so die mobile Phase
auf einen gewünschten Druck. Der Druck der Spritzenpumpe sowie die Temperatur des
Säulenofens lassen sich per Computer einstellen. Die mobile Phase strömt mit dem
gewählten Druck durch die Apparatur und passiert zunächst das Injektionssystem.
Hier erfolgt die Aufgabe der Probe über ein Zweiwegeventil in die vorbeiströmende
mobile Phase. Die Aufgabezeit lässt sich zwischen 0 und 999 msec beliebig variieren.
Das Probenaufgabevolumen beträgt konstant 0,5 µl. Die Probe gelangt dann mit der
mobilen Phase auf die Säule. Hier findet aufgrund unterschiedlich starker Wechselwirkungen
zwischen der stationären Phase und den einzelnen Bestandteilen der Probelösung
eine Auftrennung des Gemisches statt. Die einzelnen Bestandteile des Gemisches
werden (im Idealfall) nacheinander von der Säule eluiert. Da sich die Säule in
einem Ofen befindet, ist zusätzlich eine Beeinflussung des Elutionsverhaltens über
die Temperatur möglich. Die Detektion (Bestimmung) der auf der Säule getrennten
Substanzen (u.a. ungesättigten Fettsäure-ethylester) erfolgt sequentiell über einen
UV-Detektor und anschliessend mittels eines Flammenionisationsdetektors (FID).
Die nachfolgenden Abbildungen 2 und 3 zeigen die dabei erhaltenen
Chromatogramme:
Beispiel 2Alkalische Vorbehandlung der Aluminiumoxid-stationären Phase
Eine mit Aluminiumoxid gepackte Chromatographie-Säule wird durch
mehrstündiges Spülen (12-24 Stunden) mit einem Gemisch aus 0,1 M wässriger Natriumhydroxid-Lösung
in Acetonitril (90:10% V/V) behandelt. Der pH-Wert der Lösung beträgt somit 13.
Die Säule wird mit destilliertem Wasser neutral gewaschen, für etwa 4-10 Stunden
zwischen 50 und 90°C geheizt und anschliessend 12-18 Stunden mit n-Heptan rekonditioniert.
Beispiel 3Durchführung des Verfahrens (weitere Ausführungsform)
Für den Betrieb von Säulen grösseren Innendurchmessers und der damit
verbundenen Steigerung des Durchsatzes wird eine Apparatur der Firma New Ways of
Analytics (s. Abbildung 4) verwendet. Die Apparatur wird über eine CO2-Zuleitung
kontinuierlich mit mobiler Phase versorgt. Die mobile Phase kann je nach gewählten
Druck- und Temperaturbedingungen im überkritischen (bei CO2 über etwa
31°C und 73 bar) oder auch unterkritischen Bereich betrieben werden. Dazu wird
das CO2, das aus einem CO2-Behälter in den Thermostaten des
Druckmoduls PM-101 strömt, mittels eines Thermostaten auf -6°C kondensiert. Eine
pneumatische Kolbenpumpe verdichtet die mobile Phase auf Drücke zwischen 300-400
bar. In einem nachgeschalteten Druckreduktionsmodul PR-102 wird die verdichtete
mobile Phase auf den gewünschten Druck reduziert und zusätzlich Druckschwankungen,
die aus der Funktionsweise des Druckmoduls PM-101 resultieren, gedämpft. Die mobile
Phase strömt mit dem im Druckreduktionsmodul PR-102 gewählten Druck durch die Apparatur
und passiert zunächst das Injektionsventil. Hier erfolgt die Aufgabe der Probe
über ein Sechswegeventil (Rheodyne 7125) in die vorbeiströmende mobile Phase.
Das Probenaufgabevolumen lässt sich durch Wahl entsprechender Probeschleifen von
5 µl bis zu mehreren Millilitern variieren. Die Probe gelangt dann mit der mobilen
Phase auf die Säule. Hier findet aufgrund unterschiedlich starker Wechselwirkungen
zwischen der stationären Phase und den einzelnen Bestandteilen der Probelösung
eine Auftrennung des Gemisches statt. Die einzelnen Bestandteile des Gemisches
werden im Idealfall nacheinander eluiert. Da sich die Säule in einem Ofen befindet,
ist zusätzlich eine Beeinflussung des Elutionsverhaltens über die Temperatur möglich.
Die auf der Säule getrennten Substanzen werden über einen UV-Detektor erfasst und
von dort an eine Chromatographiesoftware übermittelt. Die Software ermöglicht das
Schalten von Ventilen, die ein Ausschleusen der getrennten Komponenten ermöglichen.
Die Entspannung der überkritischen Phase erfolgt abschliessend über die Entspannungseinheit
PE-103.
Die nachfolgende Abbildung 5 zeigt das dabei erhaltende UV-Chromatogramm
eines gebrochenen Aluminiumoxides, das mittels der NWA-Apparatur gewonnen wurde:
Anspruch[de]
Verfahren zum Gewinnen einer ungesättigten Fettsäure mit mindestens sechzehn
Kohlenstoffatomen im Molekül oder eines Derivats einer solchen Fettsäure aus einem
Gemisch von Fettsäuren und/oder Fettsäurederivaten durch Säulenchromatographie
mit überkritischem oder flüssigem Kohlendioxid als mobiler Phase, dadurch gekennzeichnet,
dass als stationäre Phase gegebenenfalls mit Alkali vorbehandeltes Aluminiumoxid
verwendet wird.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das gegebenenfalls
mit Alkali vorbehandeltes Aluminiumoxid als möglichst homogen gepackte, kugelförmige
Partikel vorliegt, deren Partikelgrösse etwa 5 bis 25 µm beträgt.
Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als stationäre
Phase mit Alkali vorbehandeltes Aluminiumoxid verwendet wird, dessen Vorbehandlung
durch den Kontakt des partikelförmigen Aluminiumoxids mit einer wässrigen Lösung
eines Alkalimetall- oder Erdalkalimetallhydroxids im pH-Bereich von etwa 10 bis
etwa 13 über etwa 8 bis etwa 20 Stunden erfolgt.
Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass zur Einstellung der
Viskosität der wässrigen Lösung auf einen arbeitstechnisch praktikablen Wert die
Lösung mit einem wassermischbaren oder wasserlöslichen organischen Lösungsmittel,
insbesondere mit Acetonitril oder Aceton, ergänzt wird.
Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Vorbehandlung des
Aluminiumoxids ein 10:90 (V/V)-Gemisch von Acetonitril und 0,1 M wässriger Natriumhydroxidlösung
verwendet wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass man
als Gemisch von Fettsäuren und/oder Fettsäurederivaten ein gegebenenfalls im voraus
raffiniertes und/oder chemisch behandeltes Fischöl verwendet.
Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass man als Gemisch von
Fettsäuren und/oder Fettsäurederivaten ein im voraus verestertes Fischöl, insbesondere
ein mit Ethanol verestertes Fischöl, verwendet.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das
Verfahren im Temperaturbereich von etwa 30°C bis etwa 100°C und bei einem Druck
von etwa 140 bar bis etwa 320 bar durchgeführt wird.
Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Temperaturbereich
etwa 45°C bis etwa 75°C und der diesbezügliche Druckbereich etwa 220 bar bis etwa
260 bar beträgt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass es
zum Gewinnen von Eicosapentaensäure oder Docosahexaensäure, entweder unmittelbar
oder über den Ethylester davon, verwendet wird.