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Dokumentenidentifikation DE10239918A1 24.07.2003
Titel Sich vollständig zerlegendes Geschoss
Anmelder Dynamit Nobel AmmoTec GmbH, 90765 Fürth, DE
Erfinder Muskat, Erich, Dr., 91154 Roth, DE;
Rieß, Heinz, 90765 Fürth, DE
Vertreter Dr. Franz Uppena und Kollegen, 53840 Troisdorf
DE-Anmeldedatum 30.08.2002
DE-Aktenzeichen 10239918
Offenlegungstag 24.07.2003
Veröffentlichungstag im Patentblatt 24.07.2003
IPC-Hauptklasse F42B 12/02
IPC-Nebenklasse F42B 12/22   F42B 12/74   F42B 12/78   
Zusammenfassung Beim Verschießen von Einsatzmunition in Schießständen kommt es aufgrund der hohen Energieabgaben im Ziel zu Beschädigungen an den Kugelfängen.
Erfindungsgemäß wird deshalb ein sich vollständig zerlegendes Geschoss als Mantelgeschoss vorgeschlagen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass der Kern (3) aus Kugeln (4, 5) oder aus Granulat aus einem metallischen Werkstoff besteht und dass die Kugeln (4,5) oder das Granulat lunkerfrei verpresst sind.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein sich vollständig zerlegendes Geschoss als Mantelgeschoss.

Beim Verschießen von Einsatzmunition in Schießständen kommt es aufgrund der hohen Energieabgaben im Ziel zu Beschädigungen an den Kugelfängen.

Aufgabe der Erfindung ist es deshalb, ein Geschoss zu finden, welches bei gleicher Treffpunktlage wie die Geschosse der Einsatzmunition die Kugelfänge auf Schießständen schont und sich beim Auftreffen auf harte Zielaufbauten, beispielsweise Stahlplatten, vollständig zerlegt.

Zur Lösung der Aufgabe wird ein Mantelgeschoss vorgestellt, das ein Teilmantel- oder Vollmantelgeschoss sein kann, dessen Geschosskern aus lunkerfrei verpressten Kugeln oder Granulat aus einem metallischen Werkstoff besteht. Als Werkstoff für die Kugeln oder das Granulat eignen sich alle Werkstoffe, die sich zu einem lunkerfreien Kern verpressen lassen. Aus Gründen des Umweltschutzes, zur Vermeidung von Bleistäuben und einer Kontaminierung des Bodens, werden vorzugsweise bleifreie Werkstoffe verwendet.

Durch das vollständige Zerlegen, das Zerplatzen, des Geschosses verringert sich die Energieflächendichte im Ziel. Dadurch reduziert sich die Durchschlagsleistung gegenüber herkömmlichen Mantelgeschossen mit einem Kern aus gegossenem Blei. Der vom Geschossmantel gehaltene verpresste Geschosskern aus Kugeln oder Granulat zerlegt sich mit dem Geschossmantel beim Aufprall im Ziel. Dabei bestimmen die Korngröße des Granulats oder der Durchmesser der Kugeln sowohl die Energieabgabe als auch die Sollbruchstellen im Geschosskern und damit die Größe der bei seiner Zerlegung entstehenden Einzelteile.

Die Größe der Kugeln oder des Granulats liegt, je nach Kaliber, zwischen 1 mm und 12 mm, bevorzugt zwischen 3 mm und 6 mm. Die Kugeln mit dem größten Durchmesser werden beispielsweise bei Kaliber 50 eingesetzt.

Die Geschosskerne können auch aus Kugeln oder Granulatteilchen unterschiedliche Größe zusammengesetzt sein.

Der Geschosskern kann auch dergestalt zusammengesetzt sein, dass der vordere Bereich, beispielsweise der ogivale Bereich, aus Kugeln oder Granulatteilchen geringerer Größe besteht wie der zylindrische Teil. Dadurch zerlegt sich der Kern bereits beim Auftreffen in viele kleine Splitter. Ein Verpressen der beiden Bereiche kann nicht gemeinsam erfolgen. Jeder Bereich muss einzeln verpresst werden. Die Kugeln oder Granulatteilchen unterschiedlicher Größe können auch aus unterschiedlichen Werkstoffen bestehen, wobei aber die optimale Schwerpunktlage in Bezug auf die Ballistik gewährleistet sein muss.

Die Kugeln oder Granulatteilchen können vor dem Verpressen mit einer Trennsubstanz beschichtet werden, um ein besseres Zerlegen im Ziel zu gewährleisten. Als Trennmittel eignen sich beispielsweise Graphit oder Polytetrafluorethylen (Teflon).

Die Geschosskerne können auch vorgefertigt, d. h. in die Geschossform vorgepresst, in die Mäntel eingebracht werden.

Ist eine Zerlegung des Geschosses bereits beim Auftreffen oder in geringer Eindringtiefe gewünscht, sind Sollbruchstellen im Mantel von Vorteil. Die Sollbruchstellen verlaufen in axialer Richtung und liegen auf der Innenseite des Mantels, bevorzugt im ogivalen Bereich. Die Zerlegung des Geschosses kann durch die Anzahl und die Lage der Sollbruchstellen im Mantel beeinflusst werden. Je näher die Sollbruchstellen zur Spitze des Geschosses hin liegen, desto eher pilzt der Mantel auf und zerlegt sich in Splitter. Weitere Sollbruchstellen können auf den Außenumfang radial verlaufende Einkerbungen sein wie beispielsweise ein Scharfrand bei Jagdgeschossen.

Als Werkstoffe für den Mantel eignen sich insbesondere Kupfer, dessen Legierungen, plattierter Stahl, Weicheisen und Zink-Zinn-Legierungen.

Anhand von Ausführungsbeispielen wird die Erfindung näher erläutert.

Es zeigen in schematisierter Darstellung:

Fig. 1 ein Teilmantelgeschoss, halbseitig im Schnitt dargestellt, und

Fig. 2 ein Vollmantelgeschoss, ebenfalls halbseitig im Schnitt dargestellt.

In Fig. 1 ist ein Teilmantelgeschoss 1 dargestellt. In den zunächst unverformten, offenen Geschossmantel 2 wurde das Kernmaterial eingefüllt und dann lunkerfrei zum Kern 3 verpresst. Das Kernmaterial besteht im vorliegenden Ausführungsbeispiel aus großen Kugeln 4 und kleinen Kugeln 5. Anschließend wurde der Geschossmantel 1 auf die dargestellte Geschossform eingezogen. Dabei ist ein kompakter Geschosskern 3 mit Sollbruchstellen zwischen den verpressten Kugeln entstanden. Der Geschossmantel 2 ist im Geschossbug 6 nicht geschlossen. Aus der Öffnung 7 des Mantels 2 tritt der Geschosskern 3 hervor und bildet die Geschossspitze 8. Im ogivalen Bereich 9 verlaufen auf der Innenseite des Mantels 2 in Richtung der Achse 10 des Geschosses 1 Sollbruchstellen in Form von in den Mantel 2 gepresste Rillen 11. Im Heck 12 des Geschosses 1 befindet sich zur Stabilisierung der Geschossbewegung und damit zur Steigerung der Präzision eine Kalotte 13. Im zylindrischen Bereich des Geschosses 1 kann sich zusätzlich ein sogenannter Scharfrand 14 befinden, eine sich auf dem äußeren Umfang des Mantels 2 befindliche Einkerbung mit scharfer Kante, die eine weitere Sollbruchstelle bei der Zerlegung des Mantels 2 bildet. Sie ist insbesondere bei Jagdgeschossen von Vorteil, da sie einen sauberen Einschuss in die Decke des Wildes bedingt.

In Fig. 2 ist ein Vollmantelgeschoss 15. dargestellt. Der Geschossmantel 16 ist in der Geschossspitze 17 geschlossen. Das Kernmaterial besteht aus Granulat 18, das zunächst durch das offene Heck 19 eingefüllt und dann lunkerfrei zu einem kompakten Kern 20 verpresst wurde. Anschließend wurde der Heckbereich 19 des Geschosses 15 mit einer Abdeckung 21 versehen und diese verklemmt. Auch hier ist ein kompakter Geschosskern 20 mit Sollbruchstellen zwischen den Granulatteilchen entstanden. Mit 14 ist eine Einkerbung im zylindrischen Teil des Geschossmantels 16 bezeichnet, wie sie im Ausführungsbeispiel der Fig. 1 beschrieben ist.


Anspruch[de]
  1. 1. Sich vollständig zerlegendes Geschoss als Mantelgeschoss, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern (3; 20) aus Kugeln (4, 5) oder aus Granulat (18) aus einem metallischen Werkstoff besteht und dass die Kugeln (4, 5) oder das Granulat (18) lunkerfrei verpresst sind.
  2. 2. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Geschoss ein Teilmantelgeschoss (1) ist und dass der Geschosskern (3) die Geschossspitze (8) bildet.
  3. 3. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Geschoss ein Vollmantelgeschoss (15) ist.
  4. 4. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Geschosskern (3; 20) aus Kugeln (4, 5) oder Granulatteilchen (18) unterschiedlicher Größe zusammengesetzt ist.
  5. 5. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Größe der Kugeln oder des Granulats, je nach Kaliber, zwischen 1 mm und 12 mm, bevorzugt zwischen 3 mm und 6 mm, liegt.
  6. 6. Geschoss nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein Bereich des Geschosskerns (3; 20) aus Granulat oder aus Kugeln einer anderen Größe zusammengesetzt ist als der andere Bereich und dass beide Bereiche getrennt verpresst sind.
  7. 7. Geschoss nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Bereiche aus Granulat oder aus Kugeln aus unterschiedlichen Werkstoffen bestehen.
  8. 8. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Kugeln (4, 5) oder Granulatteilchen (18) mit einer Trennsubstanz beschichtet sind.
  9. 9. Geschoss nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Trennsubstanz Graphit oder Polytetrafluorethylen ist.
  10. 10. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Geschosskerne (3; 20) vorgefertigt in die Mäntel (2; 16) eingebracht sind.
  11. 11. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Geschossmantel (2) Sollbruchstellen (11, 14) aufweist.
  12. 12. Geschoss nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Sollbruchstellen (11) in Richtung der Geschossachse (10) verlaufen.
  13. 13. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkstoff des Geschossmantels (2; 16) Kupfer, dessen Legierungen, plattierter Stahl, Weicheisen oder Zink-Zinn-Legierungen sind.
  14. 14. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Geschoss (1) im Heckbereich (12) eine Kalotte (13) aufweist.
  15. 15. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Geschoss aus zwei Teilkernen zusammengesetzt ist und dass ein sich nicht zerlegender Teilkern im Geschossbug und ein sich zerlegender Teilkern im Geschossheck angeordnet ist.
  16. 16. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Geschoss aus zwei Teilkernen zusammengesetzt ist und dass ein sich zerlegender Teilkern im Geschossbug und ein sich nicht zerlegender Teilkern im Geschossheck angeordnet ist.
  17. 17. Geschoss nach einem der Ansprüche 1 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass das Geschoss (1; 15) auf Schießständen einsetzbar ist.






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