Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung keramischer Lagerbauteile.
Sowohl bei Gleitlager- als auch bei Wälzlageranwendungen ist es bereits
bekannt, Lagerbauteile aus Keramik einzusetzen. Bei den Lagerbauteilen kann es
sich beispielsweise um Wälzkörper oder um Lagerringe eines keramischen Wälzlagers
eines Hybrid-Wälzlagers (Ringe aus Wälzlagerstahl) oder eines Gleitlagers handeln.
Nach dem Stand der Technik werden solche Lagerbauteile aus gesinterter und heißgepresster
Keramik hergestellt, u. a. wegen der guten Ermüdungs- und Abbriebbeständigkeit
(hoher Verschleißwiderstand, geringe Verschleißrate) bevorzugt aus Siliziumnitrid.
Verbreitet werden heißgepresstes (HPSN), heißisostatisch gepresstes (HIPSN) und
direkt gesintertes Siliziumnitrid (SSN) verwendet. Daneben können keramische Lagerbauteile
auch beispielsweise aus Zirkonoxid, Aluminiumoxid und Siliziumcarbid gefertigt
werden.
Die EP 0 366 443 B1 offenbart keramische Lagerbausteine und ein Verfahren
zur Herstellung derartiger Lagerbausteine. Die Lagerbausteine zeichnen sich dadurch
aus, dass sie aus einem keramischen Material gebildet werden, das einen Gehalt
an metallischen Bestandteilen in einer Menge von 3500 ppm oder weniger hat und
das mehrere der Elemente Eisen, Nickel, Chrom und Wolfram enthält. Bei dem offenbarten
Verfahren für die Herstellung eines keramischen Wälzlagerbausteins wird keramisches
Rohmaterialpulver in eine Schlemmenform umgewandelt. Die Schlemme wird granuliert,
zu einer gewünschten Gestalt geformt und gesintert. Während des Verfahrens werden
metallische Bestandteile auf einen Restwert von 3500 ppm oder weniger reduziert.
Obwohl sich keramische Lagerbauteile bereits vielfach bewährt haben,
weil sie auch unter extremen Bedingungen, wie beispielsweise hohe Temperaturen
oder Schmiermittelverlust eine vergleichsweise hohe Lebensdauer aufweisen, beschränkt
sich der Einsatz von keramischen Lagerbauteilen bislang hauptsächlich auf den Bereich
von Spezialanwendungen. Dies ist darin begründet, dass die Herstellungskosten der
Lagerbauteile bei Anwendung bekannter Herstellungsverfahren deutlich über den Herstellungskosten
für vergleichbare Lagerbauteile aus Stahl liegen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
keramischer Lagerbauteile anzugeben, das kostengünstig ist und dennoch die im
Bereich der Lagertechnik bestehenden hohen Qualitätsanforderungen erfüllt.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Verfahrensschritten
gemäß Anspruch 1 erfüllt.
Beim erfindungsgemäßen Verfahren wird zur Herstellung keramischer
Lagerbauteile ein Stoffgemisch, aus einer metallorganischen Verbindung als präkeramische
Vorstufe und aus Silizium in Elementform oder in Form einer Legierung als chemisch
reaktiven Füllstoff hergestellt und einer Reaktionspyrolyse unterzogen. Damit können
Lagerbauteile insbesondere auf der Basis von Siliziumnitrid und Siliziumcarbid
hergestellt werden.
Bevorzugt werden Siliziumnitrid-Basiskeramiken gefertigt. Das Volumenverhältnis
von metallorganischer Verbindung zu Füllstoff liegt typischerweise im Bereich um
50 %, eher verschoben zugunsten der organischen Vorstufe. Bei der Reaktionspyrolyse
findet eine thermische Umsetzung (Thermolyse) des Polymers in ein keramisches Material
statt.
Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass der Herstellungsprozess
verglichen mit bei der Herstellung keramischer Lagerbauteile herkömmlicher Weise
eingesetzten Sinter- und Heißpressverfahren schneller abläuft und auch wegen merklich
niedrigerer Temperaturen verglichen mit typischen Sintertemperaturen für Siliziumnitrid
von 1700 °C bis 2000 °C einen deutlich geringeren Energieeinsatz sowie eine wesentlich
unempfindlichere und daher entschieden weniger aufwendige Prozessführung erfordert.
Zudem sind die verwendeten Ausgangsstoffe vergleichsweise kostengünstig. Ein weiterer
Vorteil besteht darin, dass es bei geeigneten Prozessbedingungen während der pyrolytischen
Keramisierung kaum zu einer Schwindung kommt, wobei allerdings, speziell bei einfachen
Formkörpern, wie beispielsweise aus Stangen oder Stäben hergestellte Rollen oder
Kugeln für Wälzlager, auch kontrolliert größere Volumenänderungen zugelassen werden
können.
Das Stoffgemisch kann eine vernetzende metallorganische, insbesondere
siliziumorganische Verbindung wie beispielsweise ein Silicon oder Polysiloxan als
präkeramische Vorstufe enthalten. Besonders gut eignen sich Siliconharze oder
Polysilsesquioxane u. a. wegen der an Luft durchführbaren Vorverarbeitung (Feuchtigkeitsunempfindlichkeit,
Hydrolysestabilität) und sind zudem dank entsprechender Verfügbarkeit vergleichsweise
kostengünstig erhältlich. Sie sind in fester und flüssiger Form mit unterschiedlicher
Viskosität erhältlich und erlauben über ihr breites Zusammensetzungsspektrum neben
dem Siliziumgehalt insbesondere die Auswahl verschiedener Kohlenstoff- und Sauerstoffanteile.
Das Stoffgemisch kann ein Metall in Elementform, in Form einer Legierung,
in Form einer intermetallischen Phase oder in Form einer beliebigen chemischen
Verbindung als chemisch reaktiven Füllstoff enthalten. Die metallische Komponente
wird speziell zur Bidlung beispielsweise von Carbiden, Nitriden oder Oxiden während
der Reaktionspyrolyse beigegeben. Insbesondere kann das Stoffgemisch als chemisch
reaktiver Füllstoff ein Metallsilizid enthalten. Das Atomverhältnis von Metall
zu Silizium liegt bei etwa 1:2 oder niedriger. Als Metall werden in der Regel Übergangsmetalle
(z. B. Chrom, Eisen, Molybdän, usw.) verwendet, da sie als Zusatzelemente im Rahmen
der Reaktionspyrolyse die Nitridierung (Stickstoff-Atmosphäre) des Siliziums katalysieren.
Insbesondere eignet sich Eisen, d. h. es wird bevorzugt eine Silizium/Eisen- oder
Silizium/Eisen/Eisensilizid-Mischung eingesetzt, wobei die Silizium/Eisen-Komponente
aus den Elementen oder einer Legierung bestehen kann. Technisch ist hierfür die
Bezeichnung Ferrosilizium (FeSi: u. a. eingesetzt als Löthilfsstoff, kostengünstig
erhältlich) gebräuchlich. Jeweils wird das Mischungsverhältnis, gegebenenfalls
auch je nach mittlerer chemischer Zusammensetzung des Eisensilizid-Materials, typischerweise
entsprechend einem Atomverhältnis zwischen Silizium und Eisen von etwa 2:1 (entspricht
ungefähr FeSi50; Siliziumanteil wie technisch üblich in Gew.-% bezeichnet) oder
darüber (d. h. mehr Silizium, z. B. FeSi75) gewählt. Speziell für die Silizium/Eisen-Mischung
ist es wichtig, dass Stickstoff (reaktive Gasatmosphäre) durch Eisen für die Füllstoffreaktion
aktiviert wird, wobei ein bestimmter Eisenrest im keramischen Pyrolysat verbleiben
kann. Die Verwendung einer Silizium/Eisen- oder Silizium/Eisen/Eisensilizid-Mischung
hat wiederum den Vorteil, dass diese Materialien sehr kostengünstig verfügbar sind.
Hier ist beispielsweise an den Einsatz geeigneter industrieller Rückstände u. a.
aus der Stahlindustrie (erzeugend und verarbeitend), der Silizium-, Wafer- und
Halbleiterindustrie zu denken, gegebenenfalls nach entsprechender Aufbereitung.
Dabei ist zu beachten, dass Legierungs- und Begleitelemente des Stahls, wie z.
B. Chrom, Molybdän, Aluminium, Silizium und auch Kohlenstoff, sowie eventuell beigemischte
Schleifmittelrückstände, speziell Siliziumcarbid, für die weitere Verwendung im
Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens günstige Füllstoffwirkung (chemisch reaktiv
oder inert) zeigen und organische Restbestandteile thermisch mitumgesetzt werden.
Der chemisch reaktive Füllstoff kann in Pulverform mit einer Korngröße im Bereich
um 1 µm bis mehrere 10 µm verarbeitet werden.
Darüber hinaus kann das Stoffgemisch weitere chemisch reaktive Füllstoffe,
wie z. B. Aluminium (kostengünstig, u. a. zur Bildung von Aluminiumoxid mit dem
im Siliconharz enthaltenen Sauerstoff) enthalten. Ebenso kann das Stoffgemisch
wenigstens einen Inertfüllstoff enthalten, der in Pulverform oder auch als Faser,
insbesondere als Kurzfaser verarbeitet werden kann. Dies dient der Verbesserung
der Werkstoffermüdungs- und Verschleißbeständigkeit. Insbesondere können Zirkonoxid
und/oder Aluminiumoxid und/oder Siliziumcarbid und/oder Siliziumnitrid (letzteres
begünstigt auch die Keimbildung von Siliziumnitrid im Rahmen der Reaktionspyrolyse
in Stickstoffatmosphäre) zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften und/oder
der Reaktionskinetik feinverteilt beigegeben werden. Durch geeignete Wahl der Füllstoffkombination
und Pyrolysebedingungen (Temperaturregelung und Drucksteuerung, z. B. Stickstoff-Atmosphäre)
lassen sich u. a. das Schwindungsverhalten, die mechanischen und die elektrischen
Eigenschaften (speziell mit dem Ziel einer möglichst geringen Leitfähigkeit der
hergestellten Lagerkomponenten) der polymerabgeleiteten Keramik sehr effizient
weiter optimieren. Dies gilt ebenfalls für weitere Werkstoffkennwerte des Endprodukts,
wie den thermischen Ausdehnungskoeffizienten oder die Wärmeleitfähigkeit sowie
für die magnetischen Eigenschaften. In diese Materialoptimierung kann auch die
chemische Zusammensetzung der verwendeten metallorganischen Verbindung einbezogen
werden.
Die Anmischung des Stoffgemisches, je nach Form des Polysilsesquioxans
(flüssig mit unterschiedlicher Viskosität, Feststoffharz) und Volumenanteil des
Füllstoffs (typischerweise im Bereich um 30 % bis 50 %) z. B. in eine Suspension,
Lösungsmitteldispergierung, Warmflüssig- oder Trockenmischung, kann etwa durch
Kneten, Rühren, Intensivmischen o. ä. erfolgen. Dabei ist besonders auf Homogenität
der Mischung zu achten. Je nach Form des Stoffgemisches kann sich als Nachbereitung
eine Entgasung, Trocknung bzw. Extrusion und Granulierung anschließen.
Die Reaktionspyrolyse kann wenigstens teilweise in einer chemisch
reaktiven Gasatmosphäre durchgeführt werden, wobei sich speziell eine Stickstoffatmosphäre
eignet. Durch die Gasatmosphäre werden weitere Reaktionspartner zur Verfügung
gestellt, insbesondere mit dem Ziel der Herstellung von Keramikmaterial auf Nitridbasis,
bevorzugt Siliziumnitrid. Im Sinne einer möglichst effizient ablaufenden Reaktion
ist es dabei vorteilhaft, wenn die Reaktionspyrolyse unter Überdruck von typischerweise
einigen bar bis etwa 50 bar (möglich sind allerdings Atmosphärendrücke von einigen
100 bar) durchgeführt wird. Insbesondere kann der Prozess, beispielsweise orientiert
an optimalen Nitridierungsverhältnissen und der Ausnutzung des jeweiligen Porositätszustands,
unter Variierung des Drucks im genannten Überdruckbereich erfolgen. Im Interesse
eines wirtschaftlichen und (sicherheits-) technisch weniger aufwendigen Prozesses
wird bevorzugt ein Druck von etwa 50 bar möglichst nicht überschritten. Alternativ
oder zusätzlich kann die Reaktionspyroloyse auch wenigstens teilweise in einer
chemisch inerten Gasatmosphäre oder im Vakuum durchgeführt werden.
Die Endtemperatur der Pyrolyse, die typischerweise über einige Stunden
eingehalten wird, liegt zwischen 1000 °C und 1700 °C, bevorzugt zwischen 1200
°C und 1500 °C. Aus wirtschaftlichen Erwägungen ist es wegen der einfacheren Ofentechnik
grundsätzlich vorzuziehen, eine Temperatur von 1400 °C bis 1500 °C möglichst nicht
zu überschreiten. Auch hier kann, z. B. wegen Bereichen vorübergehender offener
Porosität und u. a. mit dem Ziel eines möglichst weitreichenden Austreibens von
Sauerstoff (falls dies, abhängig auch von der eingesetzten Füllstoffkombination,
gewünscht ist), ein temperaturgesteuertes mehrstufiges Verfahren gewählt werden,
d. h. die Temperatur kann variiert werden. Vorab kann eine Wärmebehandlung etwa
im Bereich von 400 °C bis 1000 °C mit Haltezeiten in der Größenordnung 1 Stunde
durchgeführt werden, speziell um dabei Temperaturfenster offenen Porosität hinsichtlich
der Reaktionsfähigkeit mit reaktiven Atmosphären-Gas (bevorzugt Stickstoff) auszunützen.
Die beschriebene Vorgehensweise hat den Vorteil, dass ein qualitativ besonders
hochwertiges, beispielsweise praktisch restpolymerfreies Keramikmaterial erzeugt
wird. Es liegt in Form eines mikroskopisch strukturierten keramischen Werkstoffes,
gegebenenfalls mit geringem metallischem Anteil vor, im Falle der Verwendung einer
geeigneten siliziumorganischen Vorstufe mit Silizium/Metall- oder Silizium/Metall/Metallsilizid-Mischung
als chemisch reaktivem Füllstoff und Stickstoffatmosphäre bestehend aus überwiegend
Siliziumnitrid und Carbid. Je nach Wahl der Reaktionspartner und Prozessbedingungen
kann sauerstoffhaltiges oder sauerstofffreies keramisches Material hergestellt
werden bzw. ein geringer Anteil an Restpolymer im Verbundwerkstoff erhalten bleiben.
An die Reaktionspyrolyse kann sich ein konventionelles Nachsintern anschließen.
Vor der Reaktionspyrolyse kann eine erste, bereits grob am Lagerbauteil
orientierte Formgebung des Stoffgemisches, z. B. durch Pressen oder Gießen, und
anschließend eine Härtung der im Stoffgemisch enthaltenen metallorganischen Verbindung
durchgeführt werden. Diese Stabilisierung zum möglichst porenfreien Grünbauteil
kann mit oder ohne Gewichtsverlust erfolgen und insbesondere unter Druck und durch
Wärmezufuhr bei einer Temperatur von etwa 100 °C bis 300 °C durchgeführt werden.
Alternativ dazu oder ergänzend kann die Härtung auch durch Strahlungseinwirkung
vollzogen sowie durch Zusätze gefördert werden. Im Rahmen der Härtung kann aus
dem Stoffgemisch ein formstabiles Halbzeug hergestellt werden, aus dem vor Durchführung
der Reaktionspyrolyse durch mechanische Bearbeitung die Lagerbauteile in ihren
Abmessungen endzustandsnah gefertigt werden. Dies hat den Vorteil, dass die zur
Herstellung der Lagerbauteile erforderliche mechanische Bearbeitung größtenteils
mit konventionellen industrieüblichen Verfahren, z. B. spanabhebend mit geringem
Werkzeugverschleiß, an dem relativ weichen Grünbauteil stattfindet und nicht an
dem harten, spröden Keramikprodukt. Dies erleichtert die Bearbeitung wesentlich,
so dass eine effiziente und kostengünstige Fertigung möglich ist.
Die Bestandteile des Stoffgemisches können so aufeinander abgestimmt
werden, dass die Lagerbauteile bei der Durchführung der Reaktionspyrolyse keiner
nennenswerten Schwindung ausgesetzt sind oder eine kontrollierte, maßgeschneidert
an der abschließenden Feinbearbeitung orientierte, geringe Volumenänderung erfahren.
Dies hat den Vorteil, dass das vernetzte Grünbauteil nahezu bis auf Endmaß bearbeitet
werden kann. Nach der Durchführung der Reaktionspyrolyse kann dann eine mechanische
Feinbearbeitung (z. B. Schleifen, Honen, Läppen) der keramisierten Lagerbauteile
erfolgen. Dabei ist aber nur noch ein relativ geringer Materialabtrag erforderlich.
Insbesondere bei der Herstellung einfacher Formkörper, wie beispielsweise aus Stangen
oder Stäben gefertigte Rollen und Kugeln für Wälzlager, können auch kontrolliert
größere Schwindungen oder auch eine Volumenausdehnung auf ein gewünschtes Zielmaß
vorgesehen werden. Zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften kann das keramische
Produkt vor oder nach der mechanischen Feinbearbeitung kugelgestrahlt werden,
wodurch risshemmende Druckeigenspannungen im Randbereich eingebracht werden.
Zur Herstellung von Lagerbauteilen auf Siliziumnitridbasis eignen
sich prinzipiell auch Polysilazane als siliziumorganische Vorstufe. Ihr Einsatz
ist allerdings im Vergleich zu Siliconharzen mit höheren Kosten für das Ausgangsmaterial
und einer aufwendigeren Weiterverarbeitung (z. B. Feuchteempfindlichkeit) verbunden.
Zur Darstellung von Lagerbauteilen auf Siliziumcarbidbasis aus siliziumorganischen
Vorstufen wird die Reaktionspyrolyse bevorzugt unter Schutzgas (Inertgasatmosphäre,
z. B. Argon) oder im Vakuum durchgeführt. Als chemisch reaktiver Füllstoff eignet
sich u. a. Silizium. Es können Polysilane oder Polycarbosilane als siliziumorganische
Vorstufen verwendet werden, die aber wiederum zu deutlich höheren Kosten führen.
Deshalb sind auch in diesem Fall aus wirtschaftlichen Gründen vernetzende Silicone,
Siliconharze oder Polysilsesquioxane, vorzuziehen.
Es ist somit möglich, mit dem erfindungsgemäßen Verfahren keramische
Lagerbauteile für Standardanwendungen sowie für Spezialanwendungen mit dann auch
an die entsprechenden besonderen Forderungen angepassten und gegebenenfalls beispielsweise
in bestimmten mechanischen Kennwerten gezielt modifizierten Materialeigenschaften
herzustellen.
Die Erfindung wird nachstehend anhand des in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Die einzige Figur zeigt ein schematisches Flussdiagramm zur Veranschaulichung
des erfindungsgemäßen Verfahrensablaufs.
Zur Fertigung von Lagerbauteilen nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
wird in einem ersten Schritt S1 eine geeignete Füllstoffzubereitung hergestellt,
die als chemisch reaktiven Anteil eine Silizium/Metall- oder Silizium/Metall/Metallsilizid-Mischung
im Atomverhältnis Silizium zu Metall von insgesamt nahe 2:1, oder eher zugunsten
von Silizium verschoben, enthält. Im bevorzugten Ausführungsbeispiel wird eine
Mischung aus Silizium und Eisen, gegebenenfalls unter Zusatz von Eisensilizid,
verwendet. Weitere chemisch reaktive oder inerte Füllstoffe können ebenfalls hinzugefügt
werden. Wie ihr Volumenanteil ist auch eine kleine Korngröße speziell der chemisch
reaktiven Komponenten für die Kontrolle und Minimierung der bei der pyrolytischen
Polymer-Keramik-Umsetzung auftretenden, mit der Dichtezunahme verbundenen Schwindung
wesentlich. Deshalb wird der chemisch reaktive Füllstoff in Pulverform mit Korngrößen
um 1 µm bis mehrere 10 µm verwendet, während der inerte Füllstoff (z. B. Bornitrid,
Siliziumnitrid, letzteres speziell zur Verbesserung der Reaktionskinetik bei der
Bildung von Siliziumnitrid) auch als gröberes Pulver vorliegen kann. Die Aufbereitung
des Füllstoffs kann etwa Prozessschritte wie Reinigung, Mischung, Mahlen (z. B.
mit Erzeugung einer Vormischung aus Füllstoffpulver mit etwas metallorganischer
Vorstufe), Sieben, Beschichtung (z. B. Silan, Polymervorstufe: etwa mittels Fällungstechniken,
speziell zur Aufnahme höherer Volumenanteile an Füllstoff) und Vorlösung umfassen.
Schließlich können, insbesondere zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften
(hier speziell Risswiderstand, Risszähigkeit, Ermüdungsbeständigkeit, Verschleißwiderstand,
Härte) des keramischen Endprodukts, feinverteiltes Zirkonoxid und/oder Aluminiumoxid
und/oder Siliziumcarbid zugegeben sowie Fasern eingesetzt werden, wobei sich Kurzfasern
auch wegen der damit verbundenen geringeren Kosten bevorzugt eignen. Der elektrische
Widerstand lässt sich ebenfalls über eine geeignete Auswahl der Füllstoffkombination
und der Zusammensetzung des verwendeten Polymers (z. B. Kohlenstoff- und Sauerstoffgehalt)
einstellen, da die Leitfähigkeit mit geringerem Kohlenstoff- bzw. Karbidanteil
in der erzeugten Keramik abnimmt. Ähnlich können die weiteren Werkstoffeigenschaften,
wie der thermische Ausdehnungskoeffizient, die Wärmeleitfähigkeit, der Elastizitätsmodul
oder das magnetische Verhalten, beeinflusst werden.
In einem zweiten Schritt S2 wird aus dem so vorbereiteten Füllstoff
und mindestens einer flüssigen oder festen metallorganischen Verbindung als präkeramischer
Vorstufe ein Stoffgemisch hergestellt. Als metallorganische Verbindung eignen
sich insbesondere vernetzende siliziumorganische Verbindungen, wobei in dem im
folgenden weiter beschriebenen Ausführungsbeispiel als bevorzugtes Polysiloxan
ein Polysilsesquioxan (z. B. Methylpolysilsesquioxan, Vinylmethylphenylwasserstoffpolysilsesquioxan)
zum Einsatz kommt. Die Anmischung des Stoffgemisches, je nach Form des Polysilsesquioxans
(flüssig mit unterschiedlicher Viskosität oder fest) und Volumenanteil des Füllstoff
(typischerweise um 30 % bis 50 %) z. B. in eine Suspension, Lösungsmitteldispergierung,
Warmflüssig- oder Trockenmischung, kann etwa durch Kneten, Rühren, Intensivmischen
o. ä. erfolgen, wobei sich je nach Form des Stoffgemisches in Schritt S3 als Nachbereitung
eine Entgasung, Trocknung bzw. Extrusion und Granulierung anschließen kann. Auf
Homogenität der Mischung ist besonders zu achten.
In einem auf Schritt S3 folgenden Schritt S4 wird das Stoffgemisch
einer bereits grob an der Kontur des herzustellenden Lagerbauteils orientierten
Formgebung unterzogen. Dies kann etwa durch Gießen (z. B. drucklos, Heißguss, Spritzguss)
oder Pressen erfolgen. Dabei ist auf Homogenität und kompakte Ausfüllung der gewählten
Form zu achten. Wenn beispielsweise rollenförmige Wälzkörper hergestellt werden
sollen, so eignet sich eine Form, mit der ein Rundstab geformt werden kann. Die
Form kann aber auch so ausgebildet sein, dass das Stoffgemisch zu einem Rohr geformt
wird, aus dem Ringe für Wälzlager oder für Gleitlager hergestellt werden. Im Prinzip
lassen sich alle gängigen Formen von Lagerbauteilen, wie beispielsweise Wälzkörpern
oder Lagerringen bzw. von Halbzeugen zur Herstellung von Lagerbauteilen realisieren.
An Schritt S4 schließt sich ein Schritt S5 an, in dem das Stoffgemisch
in der Form unter Ausnutzung der Vernetzungsmechanismen des verwendeten Polysilsesquioxans
(z. B. Additions- oder Kondensationsvernetzung) zu einem sogenannten Grünbauteil
ausgehärtet wird. Dies geschieht in der Regel wärmeinduziert bei einer Temperatur
von ca. 100 °C bis 300 °C, wobei zusätzliche Druckeinwirkung (z. B. Warmpressen
bei einigen 100 bar) vorliegen kann. Alternativ dazu kann die Vernetzung prinzipiell
auch durch eine Bestrahlung bei Raumtemperatur sowie mit Hilfe von Zusätzen vollzogen
werden. Die Bestrahlung kann auch ergänzend zur thermisch induzierten Vernetzung
eingesetzt werden. In diesem Fall findet die Bestrahlung oberhalb Raumtemperatur
statt.
Das Grünbauteil ist formstabil, aber noch vergleichsweise weich, so
dass es sich leicht mechanisch bearbeiten lässt. Die endzustandsnahe mechanische
Bearbeitung findet in einem Schritt S6 statt, der auf Schritt S5 folgt. Beispielsweise
durch eine spanende Bearbeitung können bei geringem Werkzeugverschleiß aus dem
Grünbauteil ein oder mehrere Wälzlagerbauteile hergestellt werden, wobei im Hinblick
auf die gewünschten Endmaße nur ein geringer Zuschlag für eine abschließende Feinbearbeitung
erforderlich ist. So können zur Herstellung von Zylinderrollen aus einem Rundstab
einzelne Abschnitte abgestochen werden und durch Drehen und/oder Schleifen auf
gewünschte Grobabmessungen der Zylinderrolle gebracht werden. Die Feinbearbeitung
(z. B. Schleifen, Honen, Läppen), mit der die Endmaße und die gewünschte Oberflächentopographie
hergestellt werden, erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt des Verfahrens.
Wenn die Grobbearbeitung des Grünbauteils abgeschlossen ist, wird
es in einem Schritt S7 einer Reaktionspyrolyse unterzogen, durch die das vernetzte
Stoffgemisch des mechanisch bearbeiteten Grünbauteils in eine Keramik umgewandelt
wird (Keramisierung). Die Reaktionspyrolyse (Thermolyse) wird im bevorzugten Ausführungsbeispiel
druckgesteuert in einer Stickstoffatmosphäre durchgeführt, wobei für die einzelnen
Schritte jeweils ein Stickstoffüberdruck üblicherweise im Bereich einiger bar bis
ungefähr 50 bar (höhere Drücke sind möglich, doch wird das Verfahren dadurch weniger
wirtschaftlich) gewählt wird. Die Temperatur beträgt während der ab etwa 400 °C
einsetzenden Reaktionspyrolyse nach einem oder mehreren möglichen Zwischenschritten
im Bereich um ca. 600 °C mit insgesamt etwa 1 Stunde Haltezeit, bei denen Stickstoffüberdruck
zur Ausnutzung vorübergehender offener Porosität für die Reaktion mit dem chemisch
reaktiven Füllstoff besonders wichtig ist, typischerweise 1500 °C über beispielsweise
6 Stunden, wobei hier ebenfalls ein temperaturgesteuerter Prozess in mehreren Schritten
möglich ist. Prinzipiell können auch niedrigere Temperaturen von beispielsweise
1000 °C gewählt werden. Dann ist aber damit zu rechnen, dass noch ein gewisser,
mit sinkender Temperatur zunehmender Anteil an Restpolymer in dem derart herstellten
Keramikmaterial vorhanden ist. Zur Herstellung einer qualitativ hochwertigen Keramik
sind in der Regel Temperaturen zwischen 1200 °C und 1500 °C erforderlich. Es sind
aber auch höhere Temperaturen bis ca. 1700 °C möglich, so dass insgesamt ein Temperaturbereich
von ca. 1000 °C bis 1700 °C für den ein- oder mehrstufigen Prozess in Frage kommt
(aus wirtschaftlichen Gründen sind Temperaturen nicht über ca. 1400 °C bis 1500
°C grundsätzlich vorzuziehen). Unter den geschilderten Reaktionsbedingungen wird
das vernetzte Grünbauteil zu einem keramischen Material auf der Basis von Siliziumnitrid
umgewandelt und der in der organische Vorstufe enthaltene Sauerstoff weitgehend
ausgetrieben. Das so hergestellte keramische Produkt weist eine mikroskopische
Strukturierung und nur geringe Porosität, typischerweise in der Größenordnung maximal
weniger Prozent, auf, die zudem geschlossen und sehr fein verteilt ist. Neben dem
Hauptanteil Siliziumnitrid enthält der erzeugte keramische Verbundwerkstoff vorwiegend
Carbide sowie eine geringe Menge an Restsauerstoff, der insbesondere oxidisch gebunden
ist, und an metallischen Komponenten. Je nach verwendeter Füllstoffkombination
(z. B. Oxide wie Aluminium- und Zirkonoxid; auch z. B. Aluminium als chemisch reaktive
Füllerkomponente zur Bildung von Aluminiumoxid mit dem im Polymer enthaltenen
Sauerstoff) und Prozessführung können auch Keramiken mit höherem Sauerstoffgehalt
gezielt und materialoptimiert hergestellt werden.
Im Rahmen der Reaktionspyrolyse reagieren die Komponenten des Stoffgemisches
bzw. die Zersetzungsfragmente der Polymermatrix sowohl untereinander als auch
mit der umgebenden Stickstoffatmosphäre. Dadurch ist es möglich, die mit der Dichtezunahme
und dem (Kohlen-) Wasserstoffentzug der Polymere des vernetzten Stoffgemisches
verbundene Schwindung durch eine entsprechende Volumenzunahme insbesondere durch
mit Expansion verbundene chemische Reaktionen des Füllstoffs zu kompensieren, so
dass letztendlich das Gesamtvolumen nahezu unverändert bleibt. Allerdings können
speziell bei der Herstellung einfacher Formkörper, wie im beschriebenen Ausführungsbeispiel
Wälzkörper, wegen der günstigen Geometrie zur Verfahrensvereinfachung auch kontrolliert
größere Schrumpfungen auf ein gewünschtes Zielmaß zugelassen werden. Wesentlich
für eine (nahezu) schwindungsfreie Bauteilkeramisierung ist insbesondere ein hinreichend
großes Verhältnis zwischen Oberfläche und Volumen des chemisch reaktiven Füllstoffpulvers,
weshalb die verwendete Korngröße im Bereich um 1 µm bis mehrere 10 µm liegt. In
diesem Zusammenhang können zur Optimierung des Verfahrens weitere chemisch reaktive
Füllstoffe, wie beispielsweise Aluminium, Bor oder Chrom, und darüber hinaus auch
chemisch inerte Füllstoffe, wie etwa Siliziumnitrid oder Bornitrid, eingesetzt
werden. Dabei können Inertfüllstoffpulver mit größerer Korngröße und/oder Fasern
(speziell Kurzfasern) sowie feinverteiltes Zirkonoxid, Aluminiumoxid und/oder
Siliziumcarbid eingebracht werden. Die Wahl geeigneter Füllstoffkombinationen,
Polymerzusammensetzungen und Pyrolysebedingungen (Druck- und Temperaturregelung)
erlaubt eine sehr effiziente Werkstoffoptimierung (z. B. Ermüdungs- und Verschleißverhalten,
mechanische Kennwerte, elektrische Leitfähigkeit, thermischer Ausdehnungskoeffizient,
Wärmeleitfähigkeit). Nach der Reaktionspyrolyse kann sich ein konventionelles Nachsintern
zur weiteren Verbesserung der Materialeigenschaften anschließen.
Zur Herstellung der endgültigen Form des Lagerbauteils schließt sich
an Schritt S7 ein Schritt S8 an, in dem eine mechanische Feinbearbeitung der Oberfläche
des Keramikkörpers etwa mit Diamantwerkzeug erfolgt, so dass in einem Schritt S9
als Endprodukt das Lagerbauteil vorliegt, wie zuvor geschildert im bevorzugten
Ausführungsbeispiel bestehend aus einer Keramik basierend auf Siliziumnitrid. Bei
der Feinbearbeitung kann es sich beispielsweise um Schleif-, Hon- und/oder Läppprozesse
handeln, bei denen die Abmessungen des Lagerbauteils auf die gewünschten Endwerte
gebracht werden und/oder die gewünschte Oberflächentopographie (speziell Rauhigkeit),
insbesondere im Bereich der Wälz- bzw. Gleitflächen hergestellt wird. Zur Verbesserung
der mechanischen Eigenschaften kann das keramisierte Lagerbauteil auch kugelgestrahlt
werden, wodurch risshemmende Druckeigenspannungen im Randbereich eingebracht werden.
Dies kann vor oder nach der mechanischen Feinbearbeitung erfolgen.