Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein
Verfahren zur Bildung eines Feinmodells der von einem
Radargerät empfangenen Bodenechos.
Seit langem versuchen die Radarfachleute zur
Verbesserung der Leistungen der Radargeräte eine Simulation der
Radarechos, die vom Boden reflektiert werden (im Englischen
"clutter"), wenn das Radargerät an seinem Betriebsort
aufgebaut und in Betrieb genommen wird. Dies soll möglich sein,
ohne die tatsächliche Inbetriebnahme des Radargeräts
abzuwarten.
Die Merkmale der vom Boden reflektierten Echos hängen
stark vom Betriebsort ab. Daher ist es wichtig, die
Bodenechos genau im Modell nachzubilden, die das Radargerät an den
Stellen berücksichtigen soll, an denen es aufgestellt ist.
Da es keine Karten mit den Merkmalen der Bodenechos
für den ganzen Erdball und in allen Frequenzbändern und
Polarisationen gibt, sind die digitalen Geländemodelle als
Ausgangsdaten am besten geeignet. Diese gibt es für nahezu
den ganzen Erdball und liefern in digitalisierter Form in
jedem Punkt eines relativ feinmaschigen Gitters die Höhe und
die Art des Bodens sowie eine Angabe über die Art der
Bedeckung des Bodens (Wälder, Straßen, Flüsse, Hochbauten ...).
Sie bilden den Ausgangspunkt für viele moderne Simulationen
der Bodenechos.
Die bekannten Methoden, beispielsweise die
Rechnersoftware zur Modellbildung ausgehend von digitalen
Geländemodellen, wie sie vom MIT in den Vereinigten Staaten
entwickelt wurden, berücksichtigen für jedes betreffende
Gelände-Element den Bestrahlungswinkel, die
Wellenausbreitung zwischen dem Radargerät und dem betreffenden Ort
(gegebenenfalls unter Berücksichtigung der Abschattungs- und
Reflexionseffekte) und eine Schätzung der Reflexionswirkung
des Bodens aufgrund des Einfallswinkels und der vorliegenden
Landschaftskategorie. Die mittlere Höhe der Objekte auf dem
betreffenden Gelände-Element wird nur zur Berechnung des
Einfallswinkels und der Dämpfung des Radarsignals
herangezogen.
Im besten Fall werden die Bodenechos berechnet, indem
ausgehend von der Höhenlager des Geländes, gegebenenfalls
vergrößert um die mittlere Höhe der Objekte, der
Einfallswinkel der vom Radargerät empfangenen Wellen bestimmt und
dann die Radarreflektivität geschätzt wird (das Verhältnis
zwischen der äquivalenten Radarfläche und der tatsächlichen
Flächeneinheit), Diese Reflektivität wird aus mehreren
möglichen Werten ausgewählt, wobei die Auswahl durch das
verwendete Frequenzband, die Polarisation, den
Beleuchtungswinkel und die Art des Geländes (ländlich, städtisch. Ebene,
Gebirge) beeinflußt wird.
Die mit den bekannten Methoden erzielten Ergebnisse
weisen im Vergleich zur festgestellten Realität erhebliche
Fehler auf, sobald der Boden nennenswerte senkrechte
Erhebungen auf weist. Diese sind nämlich im wesentlichen bei
niedrigem Einfallswinkel oder sogar streifendem Einfall für
die Bodenechos von Bedeutung, und die relativ zufällige Wahl
eines Reflexionswert entsprechend dem Mittelwert einer
Landschaft kann diese Beiträge nicht richtig
berücksichtigen, woraus die festgestellten Abweichungen resultieren.
Dies macht die Vorhersagen der daraus abgeleiteten
Leistungen, insbesondere bei Oberflächenradargeräten weniger
glaubwürdig, die den Boden unter sehr geringen
Einfallswinkeln sehen und für die die Objekte auf dem Boden die
wesentlichen Quellen für Echos mit sehr unterschiedlichen
Amplituden sind.
Ziel der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur
genauen Modellbildung der von einem Radargerät unter einem
geringen Einfallswinkel empfangenen Bodenechos ausgehend von
einem digitalen Modell des Geländes, sodaß eine
Modellbil
dung der Bodenechos jedes Geländes unabhängig von seiner
Oberfläche (Vegetation und/oder Hochbauten) im Maßstab der
Auflösungszelle möglich ist, das heißt indem die Struktur
der Reflexionskarten möglichst genau reproduziert wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren besteht darin,
ausgehend von einem digitalen Modell des von einem Gitterraster
überzogenen Geländes die Zellen zu identifizieren, die
Elemente mit einer die Auflösung des Modells übersteigenden
Höhe enthalten, für die betreffenden Zellen die mittlere
Höhe dieser Elemente zu bestimmen, die Zellen in
Höhenschichten zu zerlegen und für jede Höhenschicht jeder
betroffenen Zelle die reflektierte Leistung zu berechnen,
indem ihr Inhalt durch über die ganze Höhe verteilte
Elementarreflektoren ersetzt wird, und zwar unter Berücksichtigung
der benachbarten Zellen und des Profils des Geländes
zwischen dem Radargerät und der betreffenden Zelle.
Die vorliegende Erfindung wird nun anhand eines die
Erfindung nicht einschränkenden Beispiels und der
beiliegenden Zeichnungen näher erläutert.
Fig. 1 zeigt ein vereinfachtes Diagramm eines
Elements der Modell-Bodenechos eines beliebigen
Hindernisses.
Fig. 2 zeigt ein Diagramm, das die
Wahrscheinlichkeitsdichte der Anzahl von Elementarreflektoren eines
Hindernisses für zwei unterschiedliche Höhen darstellt.
Fig. 3 zeigt das Diagramm eines Beispiels einer
Funktion, die die mittlere Anzahl von Elementarreflektoren
entlang der Höhe eines Hindernisses bestimmt.
In Fig. 1 ist ein Teil eines Reflexionselements 1,
beispielsweise das Modell eines Waldes, dargestellt, der
eine große Zahl von (diskret dargestellten)
Elementarreflektoren 2 enthält. Diese Elementarreflektoren stellen im
vorliegenden Fall die Blätter der Bäume dar. Bei 3 wurde der
einfallende und der reflektierte Radarstrahl markiert. Da
ein Echo für ein Radargerät ein komplexes Objekt ist, für
das die Lokalisierung der verschiedenen Elementarreflektoren
nicht in Betracht kommt, schlägt die Erfindung vor, davon
auszugehen, daß dieses Objekt von einer großen Zahl von
Reflektoren gebildet wird, wobei die Phasen der
reflektierten Echos zufällig sind. Wenn in diesem Fall die Reflektoren
gleichförmig vom Radargerät beleuchtet werden, nähert sich
die äquivalente Radarfläche der Summe der elementaren
äquivalenten Oberflächen. Man muß dann die Höhenverteilung der
Elementarreflektoren untersuchen.
In Fig. 2 ist die Wahrscheinlichkeitsdichte der
Anzahl von Elementarreflektoren der betreffenden Echos für
zwei unterschiedliche Höhen h1 und h2 dargestellt. Man hat
angenommen, daß der im Modell nachzubildende Wald ein
homogenes Milieu ist. In diesem Fall sind alle Reflektoren
identisch und die äquivalente Radarfläche hängt nicht von
ihrer Höhe h ab.
In Fig. 3 wurde der Verlauf der mittleren Anzahl
(oder Dichte) der Elementarreflektoren abhängig von ihrer
Höhe h dargestellt. Für eine gegebene Höhe h ist die Anzahl
der Reflektoren eine Zufallsvariable, deren Mittelwert in
Fig. 3 dargestellt ist. Dem Fachmann fällt es leicht, dann
diese mittlere Dichte zu berechnen und die typische
Abweichung der Verteilung der Elementarreflektoren für eine
gegebene Höhe zu berechnen.
Erfindungsgemäß teilt man das betreffende Element der
Bodenechos, das so durch vertikale Verteilung seiner
Reflektoren im Modell nachgebildet wurde, in N Elementarsegmente
und berechnet für jedes dieser Elementarsegmente in an sich
bekannter Weise das mittlere reflektierte Feld, das also von
den charakteristischen Parametern der Elementarreflektoren
abhängt, nämlich von der äquivalenten Radarfläche und ihrer
mittleren Dichte abhängig von ihrer Höhe und dem Wert dess
einfallenden Felds für diese Höhe, wobei dieses Feld von den
zwischen dem Radargerät und dem betreffenden
Reflektorelement liegenden Hindernissen abhängt.
Für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
verwendet man ein für das Gelände vorhandenes digitales
Modell. Ein solches Modell wird von Geländezellen gebildet,
deren Abmessungen und Auflösung derzeit brauchbar sind
(beispielsweise Zellen von etwa 60·90 m²), dies umso mehr,
als man die Auflösung derzeit durch Ergänzung ihrer
Informationen durch statistische Beschreibungen und gegebenenfalls
von anderen Quellen kommende Informationen verbessern kann.
Wenn die Qualität dieser Modelle verbessert wird, bietet
natürlich das erfindungsgemäße Verfahren eine der Realität
noch näher kommende Modellbildung.
Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren bestimmt man
unter den Zellen dieses Rasters diejenigen, die erheblich in
Höhenrichtung ausgedehnte Reflektorelemente enthalten, das
heißt Elemente (Blätter von Bäumen, Hochbauten u. s. w.),
deren Höhe die Auflösung des Modells überschreitet,
beispielsweise um einen Schritt zwischen 2 und 5 Metern). Für
jede dieser Zellen berechnet man die gesamte zum Radargerät
reflektierte Leistung, wie oben ausgeführt. Man wird dann
einfach angeben, daß man sich entweder der mittleren Höhe
der in der Zelle enthaltenen Elemente bedient, wenn das
digitale Modell des Geländes sie angibt, oder daß man diese
Angaben aus der Natur dieser Elemente ableitet. Im Fall
eines im wesentlichen aus Bäumen mit dauerhaftem Laub
bestehenden Waldes legt man beispielsweise die Höhe auf 20 m mit
einer typischen Abweichung von 5 m fest.
Das erfindungsgemäße Verfahren geht von einem
existierenden digitalen Modell des Geländes aus und besteht
darin, für die vom digitalen Geländemodell als Träger von
Elementen mit einer vertikalen Ausdehnung identifizierten
Zellen des Rasters die gesamte zum Radargerät reflektierte
Leistung zu berechnen. Dies geschieht unter Verwendung der
mittleren Höhe der Elemente der Zelle, wenn das digitale
Modell des Geländes sie angibt, und wird ansonsten von der
Natur der Elemente abgeleitet.
Wenn die mittlere Höhe geschätzt ist, berechnet man
die reflektierte Leistung, indem man den Inhalt der
betreffenden Zelle durch Elementarreflektoren ersetzt, die über
die ganze Höhe verteilt sind und einer Zerlegung in
Höhenschichten entsprechen. Die funkelektrischen Merkmale und die
geometrische Verteilung dieser Elementarreflektoren werden
ausgehend von Angaben geschätzt, die die Natur der Objekte
der vorhandenen Zelle beschreiben. Die Berechnung des vom
Radargerät empfangenen Signals erfolgt dann, indem für jede
Höhenschicht die empfangene und dann reflektierte Leistung
unter Berücksichtigung insbesondere der benachbarten Zellen
und des Profils des Geländes zwischen dem Radargerät und der
betreffenden Zelle bestimmt wird. Diese Berechnung wird für
alle Zellen des Netzes wiederholt. Der
Vergleich zwischen den aufgrund des erfindungsgemäßen
Verfahrens simulierten Bodenechos und der beobachteten
Bodenreflexion zeigt, daß das erfindungsgemäße Verfahren zu einer der
Realität sehr nahekommenden Darstellung führt, und zwar auch
für Zonen, die zahlreiche Elemente mit einer vertikalen
Ausdehnung enthalten. Die Brauchbarkeit der Simulationen an
Stellen, an denen die bekannten Methoden sehr ungenau sind,
wird dadurch verbessert.
Die erzielte Verbesserung ist umso nützlicher, als an
diesen besonderen Stellen die Bodenechos amplitudenmäßig
besonders streuen, das heißt also den ordentlichen Betrieb
des Radargeräts am stärksten stören. Bekanntlich beruht die
große Dynamik der von einem Oberflächenradar empfangenen
Bodenechos (also von einem Radargerät, das den Boden unter
sehr geringen Einfallswinkeln sieht, im Gegensatz
beispielsweise zu einem Radargerät in einem Flugzeug) zum großen Teil
auf den vertikalen Elementen am Boden. Indem eine wirksame
Lösung für die Modellbildung dieser Elemente und der dadurch
bedingten funkelektrischen Abschattung geboten wird, nähert
das erfindungsgemäße Verfahren die Simulation der
Beobachtung an, und zwar gerade dort, wo dies für die Vorhersage
der Leistungen der Oberflächenradars nützlich ist.
Nun werden zwei die Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens nicht einschränkende Beispiele erläutert.
1. EBENE UND WALD
Gegeben sei eine Zone, die gemäß einem digitalen
Modell des Geländes einen Wald und davor eine unbebaute
Ebene (also ohne Hochbauten, Pfeiler oder Bäume) in einer
Konfiguration enthält, in der der Waldrand unmittelbar in
Sichtweite des Radargeräts ist. Die von der Ebene erzeugten
Echos werden unter Verwendung der Methoden gemäß dem Stand
der Technik erzeugt, nämlich der mittleren Reflektivität für
die verwendete Frequenz, des Einfallswinkels der Wellen und
der Art des Geländes (Wiese, bestellte Felder, Sumpf,
u. s. w.). Die Reflexionen aufgrund des Waldrands werden
mithilfe einer äquivalenten Struktur berechnet, die aus
dielektrischen Scheiben bestehen, die zufällig ausgerichtet
und in der Höhe über dem Boden proportional zum
Einer-Komplement des Integrals einer Gauss-schen Funktion verteilt
sind. Diese Gauss-sche Funktion stellt die Höhenverteilung
des Waldes dar und ihr durch das digitale Geländemodell
angegebener Mittelwert beträgt 16 ± 3 m. Für den übrigen Wald
geht man genauso vor, indem man die von den angetroffenen
Hindernissen gebildeten Abschattungen berücksichtigt, die
das Radarsignal dämpfen.
Der Durchmesser der Scheiben wird von der durch das
digitale Modell des Geländes angegeben Art des Waldes
abgeleitet, beispielsweise 5 cm für die angegebene Art des
Laubs, und die Dichte der Scheiben wird mit 8 je m² aufgrund
der Analyse von realen Messungen festgelegt.
Die relative Permittivität der dielektrischen
Scheiben wird für das verwendete Frequenzband (Band L) auf 20-j6
festgelegt, wobei dieser Wert aus der Analyse der realen
Messungen abgeleitet wird.
Die äquivalente Struktur wird so vollständig
definiert und die entsprechenden Bodenechos können vollständig
berechnet werden.
2. HOCHBAUTEN
In gleicher Weise werden die Echos aus den bebauten
Zonen (Industriezone, Stadt oder Dorf) nach vollständiger
Bestimmung der äquivalenten Struktur berechnet.
Beispielsweise setzt man für eine industrielle Zone (die Werte wurden
aus den Analyse von tatsächlichen Messungen abgeleitet)
folgende Werte fest:
- Anzahl von Elementarreflektoren (dielektrische,
vertikale Platten, die zufällig ausgerichtet sind): 0,03 je m²,
- Verteilung der Elementarreflektoren: Einer-Komplement
des Integrals einer mittleren Gauss-schen Verteilung 30
Meter über dem Boden ± 10 m,
- relative Permittivität der dielektrischen Platten:
20-j2 für das verwendete Frequenzband (Band L),
- mittlere Größe der dielektrischen Platten 1 m².
Auch hier erkennt man, daß die äquivalente Struktur
vollständig definiert ist und die entsprechenden Bodenechos
vollständig berechnet werden können.
Das erfindungsgemäße Verfahren verbessert die
Genauigkeit der Simulation im Vergleich zu den bekannten
Methoden, indem eine besondere Methode der Berechnung der Radar-
Reflektivität der Elemente mit einer Erstreckung in
vertikaler Richtung (Bäume, Gebäude, Pfeiler, Wasserbehälter
...) eingesetzt wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren wurde durch Vergleich
zwischen den simulierten und den realen Bodenechos in
verschiedenen geographischen Zonen getestet. Die Abweichung
zwischen Realität und Simulation ist deutlich geringer als
mit üblichen Methoden.