Die Erfindung betrifft eine Zusammensetzung, mit der Asbest ungefährlich
gemacht werden kann, sowie ein Verfahren unter Verwendung der
Zusammensetzung zur Behandlung des Asbests.
Die Aggregate, die aus feinen Fasern von Asbesten bestehen, wie Serpentin-
Asbeste (Chrysotil) und Amphibol-Asbeste, rufen eine Verletzung von Geweben
und insbesondere Lungenkrebs hervor. Die gefahrlose Beseitigung von Asbest
oder von Substanzen, die Asbest enthalten, ist folglich von großer Bedeutung.
Es existieren bereits zahlreiche Verfahren zur Behandlung von Asbest. Allerdings
modifizieren sie entweder seine chemischen Eigenschaften nicht nennenswert,
oder, wenn das Verfahren ihn chemisch umwandelt, erweist es sich als schwer
durchführbar, und in jedem Fall ist es anscheinend unmöglich, es zur Behandlung
von geflocktem Asbest vor Ort in Gebäuden anzuwenden.
Die Anmeldung EP-A-0 074 913 betrifft Organopolysiloxanzusammensetzungen,
umfassend:
- ein α,ω-dihydroxyliertes Polydiorganopolysiloxan mit einer bei 25ºC
gemessenen Viskosität von 5 bis 100000 mPa·s,
- ein Polyorganopolysiloxan, das 1,60 bis 1,90 organische Reste pro
Siliziumatom aufweist, mit einer Viskosität von 30 mPa·s bei 25ºC bis 3000
mPa·s bei 25ºC, das 0,2 bis 10% Hydroxylgruppen aufweist,
- ein Vernetzungsmittel mit einem Polyalkoxysilylierten Rest, und
- einen Katalysator, der aus einem Chelat oder einem organometallischen
Komplex von Eisen oder Zirkonium besteht.
Durch diese Zusammensetzungen lassen sich auf die verschiedenen Materialien,
wie Asbest oder zellulosische oder synthetische Derivate, hydrophobe
Eigenschaften übertragen, und sie zeigen gute Antihafteigenschaften. Sie sind zur
Herstellung von Dichtungen, insbesondere in der Kraftfahrzeugindustrie, verwendbar.
Dieses Dokument betrifft nicht die Beseitigung von ge- und entflocktem Asbest.
Die japanische Patentschrift JP 95068513 beschreibt ein Verfahren, wobei eine
Lösung auf der Grundlage von Natrium- oder Kaliumsilikat, das in Wasser löslich
ist, und einer Emulsion und/oder Lösung von synthetischem Harz vor Ort auf den
Asbest aufgesprüht wird. Obgleich sich durch das vorgeschlagene Verfahren die
mit Asbest einhergehenden Risiken unter Verminderung der Menge an freien
Fasern während der Entflockungsvorgänge stark herabsetzen lassen, wandelt es ihn
trotzdem nicht chemisch um. Obgleich die Gefahr stark vermindert ist, wird sie
unter diesen Bedingungen dennoch nicht Null und bleibt während seiner
Handhabung proportional zur Anzahl an freien Fasern.
Die Anmeldung WO 90/15642 beschreibt ein Verfahren zur Zerstörung von
Asbest vor Ort oder nach Entflockung durch eine Behandlung mit Hilfe einer
wässrigen Lösung, die 1 bis 25 Gew.-% schwache organische Säure(n) und
gegebenenfalls 1 bis 10 Gew.-% einer Fluoridionenquelle enthält. Die Dauer der Behandlung
variiert von 2 h bis zu mehreren Tagen. Der Asbest läßt sich durch dieses
Verfahren eindeutig chemisch zerstören. Dennoch erfordert die Anwendung bei hohen
Konzentrationen von Säuren und Fluoridionen einen zweiten Schritt, der dazu
ausgelegt ist, Reste von Säure und Fluoridionen, die nicht bei der Umsetzung auf
dem Asbest verbraucht worden sind, zu neutralisieren. Nach dieser Behandlung
muss der Rest vor Ort darüber hinaus vorzugsweise mit einem Harz oder einer
Latexemulsion behandelt werden, die zu seiner endgültigen Fixierung auf seinem
Träger bestimmt ist. Demnach ist dieses Verfahren schwer durchführbar und nicht
ohne Risiken für das mit seiner Durchführung betraute Personal. In der Tat ist es
gut bekannt, dass das Fluoridion im sauren Milieu für die Haut besonders
aggressiv ist und dass es Verbrennungen hervorruft und in die Haut eindringt, um die
Nervenendungen anzugreifen.
Die Anmeldung WO 94/08661 beschreibt ein Verfahren zur Behandlung von
Asbestabfällen, das darin besteht, dass man diese Abfälle in Gegenwart einer
alkalischen Lösung von etwa 10 M bei einer Temperatur von etwa 300ºC reagieren
lässt.
Die Anmeldung WO 93/18867 betrifft ein Verfahren zur Beseitigung von Asbest,
wobei der Asbest durch Mahlen in ein nicht faseriges stabiles Material, das
mineralische Phasen umfasst, übergeführt wird, wobei das Mahlen in wässriger
Suspension in Form einer sehr feinen Mahlung mit mindestens einer Substanz, die
vor Ort OH&supmin;-Ionen freisetzt, durchgeführt wird. Besonders zweckmäßig wird das
in wässriger Suspension erhaltene gemahlene Produkt in einen Autoklaven
umgefüllt und dort unter hohem Druck und hoher Temperatur behandelt.
Die in diesen beiden Dokumenten beschriebenen Verfahren sind nur auf
entflockten Asbest anwendbar, das heißt, auf Asbest, der aus den Gebäuden entfernt
worden ist, in denen er sich befunden hat.
Die Zusammenfassung der Anmeldung JP-A-5/311 122 betrifft ein Verfahren,
durch das sich die Haftung einer Farbe auf einem mineralischen Träger, und
insbesondere auf einem Asbestträger, durch Hinzufügen eines Kupplungsmittels der
allgemeinen Formel R'-Si-(OMe oder Et)&sub3; verbessern lässt.
Die Anmeldung DE-A-44 26 771 beschreibt ein Verfahren zur Kernbehandlung
der Asbestträger mit Hilfe einer Zusammensetzung, die aus TEOS (Si-(OC&sub2;H&sub5;)&sub4;)
besteht.
Somit schlägt der Stand der Technik keine Behandlung vor, um Asbest auf
einfache Weise bei Umgebungstemperatur in einem einzigen Schritt ungefährlich zu
machen.
Es wurde nun festgestellt, dass sich Asbest durch die Abscheidung einer dünnen
Schicht von anorganischem oder hybridem (organischem oder anorganischem)
Polymer durch ein Sol-Gel-Verfahren durch Aufpfropfen von anderen Molekülen,
die durch die verwendeten Reagentien zugeführt werden, auf die Moleküle, die
die Asbestfasern bilden, chemisch umwandeln lässt. Diese zugeführten Moleküle
weisen die Besonderheit auf, dass sie untereinander zu einem dichten und
kompakten Netzwerk, wie echtes Syntheseglas, polymerisieren. Demnach bilden die
Fasern einen integralen Teil des polymeren Netzwerks und können als
Strukturelement dieses Netzwerks betrachtet werden.
Somit besteht eine erste Aufgabe der Erfindung darin, Asbest oder Abfälle auf
Asbestbasis ungefährlich zu machen, während ihre physikalischen und
mechanischen Eigenschaften vollkommen bewahrt werden.
Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, die chemische
Kaltumwandlung des Asbests oder von Substanzen, die Asbest enthalten, zu ermöglichen.
Diese Aufgaben werden durch die erfindungsgemäße Zusammensetzung erreicht,
die eine Mischung umfasst aus:
(a) einer Verbindung, ausgewählt aus einem Organosiloxan der Formel
Si(OR)&sub4;, worin R ein (C&sub1;-C&sub4;)-Alkylrest ist; einem Metallalkoxid der
Formel M(OR)m, worin M ein Metall ausgewählt aus B, Ti, Fe, Al,
Mg, V, Zr, W, P oder La, m gleich der Wertigkeit des Metalls und R
wie oben definiert sind; einer Mischung aus dem Organosiloxan
Si(OR)&sub4; und dem Metallalkoxid M(OR)m; einer Mischung aus dem
Organosiloxan Si(OR)&sub4; und einer Suspension aus kolloidaler
Kieselsäure; einer Mischung aus dem Metallalkoxid M(OR)m und einer Suspension
aus kolloidaler Kieselsäure; oder aus einer Mischung aus dem
Organosiloxan Si(OR)&sub4;, dem Metallalkoxid M(OR)m und einer
Suspension aus kolloidaler Kieselsäure;
(b) mindestens einer Organosiliziumverbindung der Formel:
[X-(CH&sub2;)n]x-Si(OR)4-x
worin gilt:
- R ist wie oben definiert;
- X ist ein Sulfhydryl-, Amino-, Isocyanato-, (Meth)acryloyl-,
Ethylacryloyl-, Vinyl-, Phenyl-, Anilino-, Ureido-, Thiocyanato-, Nitrilo-
oder Epoxyrest oder eine Gruppe, die einen derartigen Rest enthält;
- n beträgt 0 bis 3; und
- n beträgt 1 bis 3;
(c) mindestens einer Verbindung, ausgewählt aus
- (c1) einem Monomer auf Basis von Ethylenglycol, (Meth)acryl-,
Malein- oder Phthalsäure, von Vinyl, Acrylamid oder Ethylenoxid
oder (Poly)methylenoxid;
- (c2) einem Polymer, dessen Aufbau-Monomer auf Ethylenglycol,
(Meth)acrylsäure, Vinyl, Bisphenol oder auf Acrylamid beruht;
oder aus
- (c3) einem (Co)polymer, ausgewählt aus Polyethylenglycol,
Bisphenol A-Carbonat, Urethancarbonat, Urethanacrylat,
hydriertem Polybutadien, Polyethylenterephthalat,
Poly[bis(methoxyethoxyethoxy)phosphazen, Poly(2-methyl-2-oxazolin),
Polyetherketonen, Acryl/Maleinsäure-Copolymeren oder aus
Ethylen/Acrylsäure-Copolymeren sowie
(d) mindestens einem Initiator für freie Radikale.
(C&sub1;-C&sub4;)-Alkyl bedeutet in der vorliegenden Beschreibung und in den Ansprüchen
eine Methyl-, Ethyl-, Propyl-, i-Propyl-, Butyl-, i-Butyl-, sek.-Butyl- oder
tert.-Butylgruppe.
Die verwendete Menge der Bestandteile (a), (b), (c) und (d), stellt keinen Faktor
zum Erreichen des Ziels der Erfindung dar.
Zweckmäßigerweise werden 0,5 bis 25 Gew.-%, vorzugsweise 5 bis 20 Gew.-%
von Bestandteil (b) bezüglich Bestandteil (a); 1 bis 200 Gew.-%, vorzugsweise 10
bis 150 Gew.-% von Bestandteil (c) bezüglich der Summe der Bestandteile (a)
und (b); und 0,5 bis 50 Gew.-%, vorzugsweise 1 bis 40 Gew.-% von Bestandteil
(d) bezüglich der Summe der Bestandteile (b) und (c) verwendet.
In der Regel wird das Organosiloxan allein oder im Gemisch mit dem vorstehend
definierten Metallalkoxid und/oder mit der vorstehend definierten Kieselsäure-
Suspension, deren Silizium-Teilchengröße zweckmäßigerweise 5 bis 75 nm,
vorzugsweise 6 bis 50 nm beträgt, verwendet.
Insbesondere sieht eine bestimmte Ausführungsform der Erfindung die
Verwendung einer Mischung von Metallalkoxid und einer kolloidalen
Kieselsäure-Suspension, wie vorstehend definiert, als Bestandteil (a) vor.
Der Substituent X der erfindungsgemässen Organosiliziumverbindung ist ein
Sulfhydryl-, Amino-, Isocyanato-, (Meth)acryloyl-, Ethylacryloyl-, Vinyl-,
Phenyl-, Anilino-, Ureido-, Thiocyanato-, Nitrilo- oder Epoxyrest oder eine Gruppe,
die einen solchen Rest enthält, wie beispielsweise eine Gruppe der Formel
-(CH&sub2;)&sub3;-NH-(CH&sub2;)&sub2;-NH&sub2;;
Die erfindungsgemässen Organosiliziumverbindungen sind einerseits dazu
geeignet, über den Substituenten X chemische Bindungen mit dem durch
Polymerisation von organischen Monomeren erhaltenen polymeren Netzwerk und andererseits
über die Hydroxylgruppen, die an den Siliziumatomen vorhanden sind, chemische
Bindungen mit dem hydrolysierten/kondensierten Silizium-Netzwerk, das aus
dem Organosiloxan erhalten wird, einzugehen.
Unter den organischen Monomeren können insbesondere folgende genannt
werden:
- Monomere auf der Grundlage von Ethylenglycol, wie beispielsweise
Ethylenglycolallylether, Ethylenglycolglycidylether, Ethylenglycolvinylether
und Ethylenglycolterephthalat;
- Monomere auf der Grundlage von (Meth)acrylsäure, Maleinsäure oder
Phthalsäure, wie beispielsweise (Meth)acrylsäure, (C&sub1;-C&sub4;)-Alkyl(meth)-
acrylate, (C&sub1;-C&sub4;)-Alkylamino(meth)acrylate,
(C&sub1;-C&sub4;)-Alkoxy(C&sub1;-C&sub4;)-alkyl(meth)acrylate, (C&sub1;-C&sub4;)-Alkylhydroxyphenoxy(meth)acrylate, (C&sub1;-C&sub4;)-
Alkylhydroxy(meth)acrylate oder eine Methacrylate von Ethylenglycol-
Verbindungen;
(C&sub1;-C&sub4;)-Alkyldi(meth)acrylate; Natriummethacrylat,
Sulfoethylmethacrylat; Glycidyl(meth)acrylat oder Benzylmethacrylat;
- Monomere auf der Grundlage von Vinyl, wie beispielsweise Vinylacetat,
Vinylalkohol, Vinylpyrrolidon oder Vinylchlorid;
- Monomere auf der Grundlage von Bisphenol, wie beispielsweise
Bisphenol A, Bisphenol A-diglycidyletherdiacrylat, Bisphenol A-di(meth)acrylat
oder Bisphenol A-ethyldi(meth)acrylat;
- Monomere auf der Grundlage von Acrylamid, wie beispielsweise
Acrylamid, Hydroxy(C&sub1;-C&sub4;)alkylacrylamide, (C&sub1;-C&sub4;)-alkylacrylamide,
Di(C&sub1;-C&sub4;)-alkylacrylamide;
- Monomere auf der Grundlage von Ethylenoxid oder (Poly)methylenoxid,
wie beispielsweise Ethylenoxid, Tetramethylenoxid;
Als Beispiel für eine (Meth)acrylat einer Ethylenglycol-Verbindung können
insbesondere Vinylethylenglycol(meth)acrylat,
Ethylenglycoldicyclopentenyl(meth)acrylat, Ethylenglycolmethylether(meth)acrylat,
Ethylenglycolethylether(meth)acrylat, Ethylenglycolphenylether(meth)acrylat oder auch
Ethylbenzylether(meth)acrylat genannt werden.
Nach einer Ausführungsform der Erfindung können anstelle des (der) Monomers
(Monomere) ein oder mehrere Polymere, deren Aufbau-Monomer(e) auf der Basis
von Ethylenglycol, (Meth)acrylsäure, Vinyl, Bisphenol oder Acrylamid beruht
(beruhen), wie zuvor beschrieben, und/oder ein oder mehrere (Co)polymere,
ausgewählt aus Polyethylenglycol, Bisphenol A-carbonat, Urethancarbonat,
Urethanacrylat, hydriertem Polybutadien, Polyethylenterephthalat, Poly[bis-
(methoxyethoxyethoxy)phosphazen], Poly(2-methyl-2-oxazolin),
Polyetherketonen, Acrylsäure/Maleinsäure-Copolymeren oder
Ethylen/Acrylsäure-Copolymeren, verwendet werden.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung umfasst auch mindestens einen Initiator
für freie Radikale. In der Regel wird als Initiator für freie Radikale eine
Azoverbindung, ein Peroxid oder auch eine Mischung von Peroxid und tertiärem
Amin verwendet.
Die Azoverbindungen, die zur Verwendung in der vorliegenden Erfindung
geeignet sind, umfassen beispielsweise 2,2'-Azobisisobutyronitril, 1,1'-Azobis-
(cyclohexancarbonitril), 2,2'-Azobis(2-methylpropionamid)dichlorhydrat oder
auch 4,4'-Azobis(4-cyanovaleriansäure). Beispiele für Peroxide umfassen
Wasserstoffperoxid, Natriumpersulfat, Kalium- oder Ammoniumpersulfat,
Benzoylperoxid, Cyclohexanonperoxid oder auch tert.-Butylhydroperoxid. Die für die
Zwecke der Erfindung geeigneten Mischungen von Peroxid + tertiärem Amin
umfassen beispielsweise Mischungen von Natrium-, Kalium- oder Ammoniumpersulfat
und von Triethanolamin oder auch Mischungen von Wasserstoffperoxid
und Triethanolamin.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann durch Vermischen der
verschiedenen Bestandteile, aus denen sie zusammengesetzt ist, in Gegenwart eines
Katalysators, der in der Lage ist, insbesondere das Organosiloxan zu hydrolysieren, in
einem inerten Lösungsmittel, wie Wasser, einem Alkohol, wie Methanol oder
Ethanol, oder einer Wasser/Alkohol-Mischung hergestellt werden.
Somit reagieren die erfindungsgemäßen Organosiloxane in Gegenwart von
Wasser und einem Katalysator nach dem folgenden Schema:
Si(OR)&sub4; → Si(OH)&sub4; + 4ROH
In der Regel wird als Katalysator eine starke Säure, wie beispielsweise HF,
H&sub2;SiF&sub6;, HCl, H&sub2;SO&sub4;, H&sub3;PO&sub4; oder HNO&sub3;; eine starke Base, wie beispielsweise
NaOH, KOH oder NH&sub4;OH; und/oder eine Fluoridionenquelle, wie beispielsweise
NH&sub4;F oder NaF, verwendet.
Nach einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird Tetraethoxysilan
als Organosilan verwendet.
Zweckmäßigerweise wird folgendes getrennt hergestellt:
(i) eine erste Lösung, die das Organosiloxan, die kolloidale Kieselsäure-
Suspension und/oder das Metallalkoxid enthält, in Gegenwart des
Reaktionskatalysators in einem inerten Lösungsmittel; und
(ii) eine zweite Lösung, die die anderen Bestandteile der Zusammensetzung in
einem inerten Lösungsmittel, das gegebenenfalls mit demjenigen das in
Schritt (i) verwendet wird, identisch ist, enthält; anschließend werden die
beiden Lösungen vermischt, um die erfindungsgemäße Zusammensetzung
zu erhalten, die zum Auftragen auf den Asbest oder auf die Substanzen, die
den Asbest enthalten, bereit ist.
Die verwendete Menge an Katalysator variiert je nach seiner Natur und kann
gering sein. Beispielsweise können 1 bis 25 Gew.-%, vorzugsweise 2 bis 20 Gew.-%
Katalysator, bezogen auf das Organosiloxan oder gegebenenfalls bezogen auf die
kolloidale Kieselsäure-Suspension, verwendet werden.
Die verwendete Menge an Lösungsmittel beträgt etwa 30 bis 75 Gew.-%,
vorzugsweise 40 bis 65 Gew.-% der erfindungsgemäßen Zusammensetzung.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung von
Asbest oder von Substanzen, die Asbest enthalten, das darin besteht, auf den
Asbest oder die Substanzen, die ihn enthalten, die erfindungsgemäße
Zusammensetzung aufzubringen.
Dieses Aufbringen kann durch Zerstäuben, Beschichten durch Eintauchen oder
durch jedes andere Mittel, durch das sich eine vollständige Tränkung der
Asbestfasern erhalten lässt, erfolgen.
Der so behandelte Asbest wird in der Kälte durch Aufpfropfen oder Verbrücken
der SiO&sub2;- und/oder Metalloxidmoleküle an den SiO&sub2;-, MgO-, FeO- und/oder den
CaO-Stellen der Asbestfasern chemisch umgewandelt.
Das erfindungsgemäße Verfahren gestattet die Behandlung des Asbests (oder der
Substanzen die ihn enthalten) vor Ort in den Gebäuden und des Asbests oder der
Substanzen, die ihn enthalten (Herstellungsabfälle von Bremsbelägen, entflockter
Asbest, isolierende Asbestdichtungen, Asbestzementplatten, etc.) vor seiner
Lagerung in einer den Regelungen entsprechenden Beseitigungsanlage.
Die Erfindung wird nun durch die folgenden Beispiele und Figuren ausführlicher
beschrieben.
Insbesondere stellen die Fig. 1 und 2 eine Elektronenmikroskop-Fotographie
von Chrysotilasbestfasern dar, die durch eine erfindungsgemäße
Zusammensetzung behandelt wurden; Fig. 3 stellt die Röntgenstreuungsspektren dieser
behandelten Fasern im Vergleich zu nicht behandelten Fasern und der
erfindungsgemäßen Zusammensetzung dar.
In den Beispielen werden die folgenden Abkürzungen verwendet:
B(OEt)&sub3;: Triethylborat
HEMA: Hydroxyethylmethacrylat
HCl: Salzsäure
LEVASIL: kolloidale Kieselsäure-Suspension, die von der Firma BAYER
vertrieben wird
Mg(OEt)&sub2;: Magnesiumethanolat
MMA: Methylmethacrylat
N(EtOH)&sub3;: Triethanolamin
NH&sub4;F: Ammoniumfluorid
NH&sub4;OH: Ammoniumhydroxid
(NH&sub4;)&sub2;S&sub2;O&sub8;: Ammoniumpersulfat
TEOS: Tetraethoxysilan
TMSM: Trimethoxysilylpropylmethacrylat
Die Anteile der Bestandteile der Zusammensetzungen der Beispiele sind in Gew.-
% ausgedrückt.
BEISPIEL 1
In einem ersten Reaktionsgefäß, das mit einer Rührvorrichtung ausgestattet ist,
werden die folgenden Reagentien vorgelegt:
TEOS 10
HCl (36%) 2
NH&sub4;F 0,2
Mg(OEt)&sub2; 1
Wasser 8
Ethanol 16
Man lässt diese Mischung bei Umgebungstemperatur einige Minuten unter
Rühren hydrolysieren.
Gleichzeitig wird in einem zweiten Reaktionsgefäß des gleichen Typs die
folgende Mischung hergestellt:
MMA 5
TMSM 1
Benzoylperoxid 1
Ethanol 4
Diese Mischung wird während 15 min einer Strahlungsquelle ausgesetzt (IR, UV,
etc.), eine Zeit, die zum Start der Polymerisationsreaktion notwendig ist.
Nach 15 min werden die beiden Lösungen vermischt. Die so erhaltene
Zusammensetzung wird anschließend durch Aufsprühen auf den entflockten Chrysotil-
Asbest im Labor aufgebracht.
Nach einigen Minuten beginnt die so aufgesprühte Zusammensetzung unter der
Wirkung der Polykondensation des Siliziums fest zu werden. Gleichzeitig läuft
die Polymerisation von MMA zu PMMA ab.
Nach 8 bis 12 h bei Umgebungstemperatur wandelt sich schließlich der
Flüssigkeitsfilm, der auf den Fasern abgeschieden worden ist, in einen harten
Hybridglasfilm von um. Die mechanischen Eigenschaften dieses Hybridglases verbessern
sich während der folgenden Tage ständig.
Nach 8 Tagen wurde der so erhaltene Asbest unter dem Elektronenmikroskop
überprüft (cf Fig. 1 und 2), und er wurde durch Röntgenstrahl-Energiestreuung
auf den 2 Zonen B und C einer Mikroanalyse unterzogen. Das erhaltene Ergebnis
wurde mit einer identischen, an nicht behandelten Asbestfasern durchgeführten
Analyse verglichen.
Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, auf den behandelten Asbestfasern das
Vorliegen einer chemischen Intermediärverbindung zwischen der chemischen
Zusammensetzung des Gels allein und derjenigen einer nicht behandelten
Asbestfaser zu zeigen.
Fig. 3 stellt die drei erhaltenen Spektren A, B und C dar:
A: nicht behandelte Asbestfasern
B: nur Gel
C: Asbestfasern, die von einer dünnen Gelschicht überzogen sind.
Das Spektrum C zeigt, dass die mit einer dünnen Gelschicht überzogenen
Asbestfasern eine chemische Zusammensetzung zwischen derjenigen von Asbest
(Spektrum A) und derjenigen von Gel (Spektrum B) aufweisen.
Angesichts der Tatsache, daß diese Phänomene im Submikro-Bereich ablaufen,
handelt es sich um einen Beweis für die chemische Bindung zwischen dem
abgeschiedenen Gel und den Asbestfasern.
BEISPIEL 2
In einem ersten Reaktionsgefäß wird die folgende Mischung hergestellt:
TEOS 10
HCl 0,42
N(EtHO)&sub3; 0,15
B(OEt)&sub3; 1
TMSM 1
Wasser 13,5
Man lässt diese Mischung bei Umgebungstemperatur und unter Rühren einige
Minuten hydrolysieren. Gleichzeitig wird in einem zweiten Reaktionsgefäß eine
weitere Mischung hergestellt:
HEMA 5
NH&sub4;OH 0,6
(NH&sub4;)&sub2;S&sub2;O&sub8; 0,2
Wasser 6
Nach der vollständigen Hydrolyse der ersten Mischung wird Mischung 2 zu
Mischung 1 zugesetzt, und nach kräftigem Rühren für einige Minuten ist die so
erhaltene Lösung bereit, um auf den Asbest oder die Substanzen, die ihn enthalten,
aufgesprüht zu werden.
BEISPIEL 3
In einem ersten Reaktor wird die folgende Mischung hergestellt:
TEOS 2
LEVASIL 4055 18
HCl 0,4
TMSM 0,5
Wasser 4
N(EtOH)&sub3; 0,15
Man lässt diese Mischung bei Umgebungstemperatur und unter Rühren einigen
Minuten hydrolysieren. Gleichzeitig wird in einem zweiten Reaktionsgefäß eine
weitere Mischung hergestellt:
HEMA 5
NH&sub4;OH 0,6
H&sub2;O&sub2; 3
Wasser 6
Nach der vollständigen Hydrolyse des ersten Mischunges wird Mischung 2 zu
Mischung 1 zugesetzt, und nach kräftigem Rühren für einige Minuten ist die so
erhaltene Lösung bereit, um auf den Asbest oder die Substanzen, die ihn
enthalten, aufgesprüht zu werden.
Anspruch[de]
1. Zusammensetzung zur Behandlung von Asbest, umfassend
eine Mischung aus:
(a) einer Verbindung, ausgewählt aus einem
Organosiloxan der Formel Si(OR)&sub4;, worin R ein C&sub1;&submin;&sub4;-Alkylrest
ist, einem Metallalkoxid der Formel M(OR)m, worin M ein
Metall, ausgewählt aus B, Ti, Fe, Al, Mg, V, Zr, W, P oder
La, m gleich der Wertigkeit des Metalls und R wie oben
definiert sind, einer Mischung aus dem Organosiloxan Si(OR)&sub4;
und dem Metallalkoxid M(OR)m, einer Mischung aus dem
Organosiloxan Si(OR)&sub4; und einer Suspension aus kolloidaler
Kieselsäure, einer Mischung aus dem Metallalkoxid M(OR)m und
einer Suspension aus kolloidaler Kieselsäure oder aus einer
Mischung aus dem Organosiloxan Si(OR)&sub4;, dem Metallalkoxid
M(OR)m und einer Suspension aus kolloidaler Kieselsäure;
(b) mindestens eine Organosiliziumverbindung der
Formel:
[X-(CH&sub2;)n]x-Si(OR)4-x,
worin gilt:
- R ist wie oben definiert;
- X ist ein Sulfhydryl-, Amino-, Isocyanato-,
(Meth)acryloyl-, Ethylacryloyl-, Vinyl-, Phenyl-, Anilino-,
Ureido-, Thiocyanato-, Nitrilo- oder Epoxyrest oder eine
Gruppe, die einen derartigen Rest enthält;
- n beträgt 0 bis 3; und
- x beträgt 1 bis 3;
(c) mindestens eine Verbindung, ausgewählt aus
- (c1) einem Monomer auf Basis von Ethylenglycol,
(Meth)acryl-, Malein- oder Phthalsäure, von Vinyl, Acrylamid
oder Ethylenoxid oder (Poly)methylenoxid;
- (c2) einem Polymer, dessen Aufbau-Monomer auf
Ethylenglycol, (Meth)acrylsäure, Vinyl, Bisphenol oder auf
Acrylamid beruht; oder aus
- (c3) einem (Co)polymer, ausgewählt aus
Polyethylenglycol, Bisphenol A-Carbonat, Urethancarbonat,
Urethanacrylat, hydriertem Polybutadien,
Polyethylenterephthalat,
Poly[bis(methoxyethoxyethoxy)phosphazen], Poly(2-methyl-2-
oxazolin), Polyetherketonen, Acryl/Maleinsäure-Copolymeren
oder aus Ethylen/Acrylsäure-Copolymeren; sowie
(d) mindestens einen Initiator für freie Radikale.
2. Zusammensetzung gemäß Anspruch 1, worin man das
Organosiloxan Si(OR)&sub4; als Bestandteil (a) verwendet.
3. Zusammensetzung gemäß Anspruch 1, worin man eine
Mischung aus dem Organosiloxan Si(OR)&sub4; und dem Metallalkoxid
M(OR)m als Bestandteil (a) verwendet.
4. Zusammensetzung gemäß Anspruch 1, worin man eine
Mischung aus dem Organosiloxan Si(OR)&sub4; und der kolloidalen
Kieselsäure-Suspension als Bestandteil (a) verwendet.
5. Zusammensetzung gemäß Anspruch 1, worin man eine
Mischung aus dem Metallalkoxid M(OR)m und der kolloidalen
Kieselsäure-Suspension als Bestandteil (a) verwendet.
6. Zusammensetzung gemäß Anspruch 1, worin man eine
Mischung aus dem Organosiloxan Si(OR)&sub4;, dem Metallalkoxid
M(OR)m und aus der kolloidalen Kieselsäure-Suspension als
Bestandteil (a) verwendet.
7. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6, worin
das Organosiloxan Tetraethoxysilan ist.
3. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7, worin
der Initiator für die freien Radikale aus Azo-Verbindungen,
Peroxiden oder aus Mischungen aus Peroxid/tertiärem Amin
ausgewählt ist.
9. Verfahren zur Behandlung von Asbest oder von Substanzen,
die dieses enthalten, wobei man auf jene die Zusammensetzung
gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8 aufbringt.