Die Erfindung betrifft ein Formwerkzeug zur Herstellung von dreidimensionalen
Gegenständen aus faserigen Materialien, d. h. von sogenannten Faserformteilen.
Bei der Formung von Gegenständen aus faserigen Materialien werden die Fasern
in Wasser gelöst als sogenannte Pulpe dem Fertigungsprozess zugeführt. Je
nach Beschaffenheit der Fasern sind der Pulpe chemische Zusatzstoffe beigefügt,
um eine Bindung der Fasern in der Lösung zu gewährleisten. Zur Formgebung
des zu fertigenden Gegenstandes durchströmt die Pulpe in Folge einer
Druckdifferenz ein formgebendes siebartiges Werkzeug, wobei die Pulpe durch das
Werkzeug entweder gepumpt oder gesaugt wird. Die in der Pulpe gelösten Fasern
werden durch das Werkzeug herausgefiltert und lagern sich an der
Formenoberfläche an. Das Werkzeug besteht aus einem Siebkörper, der die Geometrie des
zu formenden Gegenstandes aufweist, die Trennung von festen und flüssigen
Bestandteilen gewährleistet und die in Folge der Druckdifferenz auftretenden Kräfte
aufnimmt. Erfindungsgemäß besteht das Werkzeug aus einer dreidimensionalen
Siebstruktur, die die Siebfunktion und die Stützfunktion in einem einzigen Bauteil
übernehmen kann. Hierzu wird zunächst ein geeigneter Rohkörper hergestellt,
aus dem in einem nächsten Arbeitsschritt die gewünschte Geometrie des
Faserformteils herausgearbeitet wird.
Nach dem Stand der Technik werden die erforderlichen Werkzeuge aus einem
Formkörper und einem Sieb zusammengesetzt. Der Formkörper wird
üblicherweise mittels einer CNC-Maschine aus dem Vollen gefräst. Als Werkstoff wird
Aluminium oder Bronze verwendet. Nach der Formgebung werden die
Entwässerungskanäle gebohrt. Als Sieb wird üblicherweise ein gewobenes Metallsieb aus
Edelstahl oder Messing mit einem Drahtdurchmesser vom Ø 0,2 bis Ø 0,5 mm
verwendet. Das Sieb wird mittels eines entsprechend der gewünschten Kontur
geformten Tiefziehwerkzeuges tiefgezogen. Während des Tiefziehvorganges dürfen
in dem Sieb keine Falten entstehen, daher sind die darstellbaren Siebkonturen
begrenzt. Zur Herstellung eines Formwerkzeuges wird das Sieb in der Regel aus
mehreren Teilen zusammengesetzt. Das Fügen erfolgt durch Löten, wodurch an
den Lötstellen im Faserformprodukt Unregelmäßigkeiten auftreten. Aufgrund der
aufwändigen Herstellung dieser Werkzeuge sind sie wirtschaftlich nur dann
einzusetzen, wenn eine sehr große Stückzahl von Werkstücken produziert werden soll.
Für Musterteile oder Kleinserien sind die entsprechenden Werkzeuge weniger
geeignet. In der Vergangenheit wurden mehrere Versuche unternommen,
entsprechende Werkzeuge herzustellen, die auch für kleinere Serien wirtschaftlich
sinnvoll einzusetzen sind.
In EP 0857822A1 wird ein Formwerkzeug beschrieben, das nach dem
Stereolithografieverfahren hergestellt wird. Nachteilig ist hierbei, dass das Werkzeug nach
einem relativ zeitaufwändigen Verfahren hergestellt werden muss. Soll innerhalb
kurzer Zeit ein Werkzeug hergestellt werden, um beispielsweise einem Kunden
Muster präsentieren zu können, ist dies kaum möglich. Außerdem besteht bei
einigen einsetzbaren Werkstoffen das Problem mangelnder Wasserbeständigkeit.
In DE 38 37 467 (Saugform für die Herstellung von Körpern aus Faserbrei) werden
Formwerkzeuge beschrieben, die aus kleinen Kugelschichten bestehen, die durch
Sintern verbunden werden. Nachteilig ist bei diesen Werkzeugen, dass die
Entwässerungskanäle klein sind und nicht geradlinig, sondern unregelmäßig
verlaufen. Die Werkzeuge neigen daher zum Verstopfen und lassen sich dann kaum
noch reinigen.
CH 679559A5 beschreibt Formwerkzeuge aus Steinmaterial unterschiedlicher
Partikelgröße, wobei die Steinpartikel mit Hilfe eines Bindemittels miteinander
verbunden werden. Auch bei diesen Werkzeugen besteht das Problem der
verschlungenen, nicht geradlinigen Entwässerungskanäle. Die Fasern lagern sich
nach einer gewissen produzierten Stückzahl innerhalb des Werkzeuges an den
Steinkanten an und lassen sich durch Reinigung kaum noch entfernen.
Zur Lösung dieser Nachteile soll erfindungsgemäß ein Formwerkzeug aus einem
dreidimensionalen Rohkörper hergestellt werden, der eine entsprechende
Siebstruktur bereits aufweist. Vorteilhaft gegenüber dem Stand der Technik ist dabei,
dass dieser Rohkörper unabhängig von der Geometrie der zu produzierenden
Faserformteile vorgefertigt werden kann. Er kann beispielsweise quaderförmig sein.
Erst durch nachträgliche Bearbeitung, beispielsweise in an sich bekannter Weise
mittels CNC-Fräsen, wird die gewünschte Form aus dem Rohkörper
herausgearbeitet. Die Erfindung betrifft insbesondere den geometrischen Aufbau des
Rohkörpers.
Ausführungsbeispiele sind in den Fig. 1 bis 5 dargestellt und werden im
Folgenden beschrieben.
Fig. 1 zeigt ein Formwerkzeug, bestehend aus einem bearbeiteten Rohkörper
mit einer Vielzahl von parallelen Kanälen.
Fig. 2 zeigt ein entsprechendes Formwerkzeug mit einem Rohkörper, bei
dem Kanäle mit größerem Querschnitt verwendet werden und über den
zusätzlich ein Sieb geformt ist.
Fig. 3 zeigt ein ähnliches Formwerkzeug wie Fig. 1, wobei der Rohkörper
aus zusammengesetzten Vierkantrohren besteht.
Fig. 4 zeigt eine Anordnung von kreuzweise geschichteten und gefügten
Stäben, deren freie Zwischenräume die Siebstruktur bilden.
Fig. 5 zeigt die senkrechten Kanäle, die sich durch die übereinander
liegenden Kreuzungspunkte der waagerechten Kanäle ergeben.
Der in Fig. 1 gezeigte Rohkörper (1) weist eine Vielzahl von parallelen Kanälen
(2) auf, die parallel zueinander und senkrecht zur Aufstandsfläche verlaufen. Wie
in Fig. 3 dargestellt, kann ein derartiger Rohkörper beispielsweise durch das
Fügen, z. B. Kleben, mehrerer Vierkantrohre (11) hergestellt werden, wobei die
Stege zwischen den Kanälen durch die doppelte Wandstärke der Vierkantrohre
gebildet werden.
Der freie Querschnitt der Kanäle entspricht der Maschenweite eines Siebes, das
bei vergleichbaren Werkzeugen herkömmlicher Bauform eingesetzt wird; die
Breite der Stege zwischen den Kanälen entspricht dem Drahtdurchmesser des Siebs.
Derartige Rohkörper können mittels geeigneter Vorrichtungen maschinell und auf
Vorrat gefertigt werden. Auch ist eine Herstellung mittels des
Stereolithografieverfahrens möglich. Soll nun für eine kundenspezifische Anwendung ein
Faserformteil gefertigt werden, wird aus einem der vorgefertigten Rohkörper die Kontur des
herzustellenden Faserformteils herausgearbeitet, beispielsweise mittels CNC-
Fräsen, Ätzen o. ä. Dadurch kann in relativ kurzer Zeit ein Siebwerkzeug
hergestellt werden, bei dem die bearbeiteten Stirnflächen (3) der parallelen Kanäle (2)
die Öffnungen der Siebstruktur bilden. Für die beschriebene Funktion ist es dabei
unerheblich, ob die Kanäle exakt parallel oder nur weitgehend parallel,
beispielsweise unter einem kleinen Winkel zueinander geneigt, verlaufen.
Um eine Siebstruktur mit entsprechend enger Maschenweite zu bilden, sind bei in
Fig. 3 dargestellten Ausführungsform sehr viele Vierkantrohre erforderlich. Hier
kann es vorteilhaft sein, ein Formwerkzeug gemäß Fig. 2 zu verwenden. An der
Oberfläche eines Rohkörper (1) mit ggf. größeren Öffnungen wird nach der
Bearbeitung der gewünschten Kontur ein separates dünnwandiges Siebelement (6)
angeordnet, das auf den bearbeiteten Stirnseiten (4) der Wände (5) aufliegt und
damit die in Folge der Druckdifferenz wirkenden Kräfte abstützt.
Besonders vorteilhaft ist der Rohkörper gemäß Fig. 4. Hieraus können
Werkzeuge für Faserformteile hergestellt werden, die Konturen aufweisen, die gegenüber
der waagerechten Ebene stark geneigt sind. Während der in Fig. 1 gezeigte
Siebkörper im Wesentlichen nur eine Entwässerung in senkrechter Richtung
zulässt, erfolgt bei dem Rohkörper gemäß Fig. 4 auch eine Entwässerung in
Querrichtung. Erreicht wird dies im gezeigten Ausführungsbeispiel durch den Einsatz
von um 90° versetzt angeordneten Ebenen (7), in denen jeweils im Abstand
nebeneinander Stäbe (10) bzw. stabförmige Bereiche des Rohkörpers so
angeordnet sind, dass die Zwischenräume dazwischen parallele, waagerecht verlaufende
Kanäle bilden. Die in Fig. 5 dargestellten Kreuzungspunkte (8), an denen sich
jeweils die Kanäle zweier übereinander angeordneter Ebenen kreuzen, liegen
senkrecht übereinander und bilden damit zueinander parallele, senkrechte
Kanäle. Auf diese Art entsteht ein Rohkörper mit Gruppen von parallelen Kanälen,
wobei die Kanäle jeder Gruppe parallel zu einer Achse eines kartesischen
Koordinatensystems verlaufen.
Der Rohkörper kann auf verschiedene Arten hergestellt werden; beispielsweise
können Stäbe mit rundem oder quadratischem Querschnitt aus einem geeigneten
Werkstoff, z. B. Messing, verwendet werden. Mit Hilfe einer geeigneten
Vorrichtung bzw. Maschine werden diese Stäbe zunächst in einer Ebene parallel mit
einem definierten Abstand zueinander angeordnet. Im nächsten Schritt wird die
nächste Ebene, beispielsweise um 90° versetzt, geschichtet. Dieser Vorgang wird
solange wiederholt, bis die gewünschte Höhe des Rohkörpers erreicht ist.
Anschließend werden die Stäbe an ihren Kontaktstellen beispielsweise mittels eines
Lötbades verlötet, womit der Rohkörper fertiggestellt ist. Die ggf. erforderliche
Vorrichtung bzw. Maschine stellt eine einmalige Investition dar, mit der eine Vielzahl
von entsprechenden Rohkörpern auf Vorrat gefertigt werden kann. Soll nun ein
individuelles Faserformteil hergestellt werden, kann aus diesem Rohkörper
innerhalb relativ kurzer Zeit die gewünschte Kontur herausgefräst werden.
Bei dem erfindungsgemäßen Formwerkzeug bestehen folgende Vorteile: Es ist
möglich, schnell und mit vertretbarem Aufwand das Formwerkzeug aus dem
Rohkörper herzustellen. Dies ist insbesondere für Prototypen, Vorserien und
Kleinserien von Faserformteilen hilfreich. Die im Formwerkzeug vorhandenen
geradlinigen Kanäle gewährleisten ein verstopfungsfreies Durchlaufen der Flüssigkeit und
bieten die Möglichkeit der Reinigung mittels Hochdruckspülung. Das
Formwerkzeug bietet einerseits die erforderliche Siebstruktur und andererseits eine so
große Festigkeit bzw. Steifigkeit, dass es die herkömmlichen Werkzeuge, die aus
einem Siebkörper und einem Stützkörper bestehen, vollständig ersetzen kann.
Damit entfällt auch die bei herkömmlichen Werkzeugen erforderliche aufwändige
Siebanfertigung und -verlötung von Hand.