PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE10226022A1 24.12.2003
Titel Verfahren zur Herstellung von Oberflächen mit coagulationshemmenden Eigenschaften
Anmelder CREAVIS Gesellschaft für Technologie und Innovation mbH, 45772 Marl, DE
Erfinder Oles, Markus, Dipl.-Phys. Dr., 45525 Hattingen, DE;
Nun, Edwin, Dipl.-Chem. Dr., 48727 Billerbeck, DE
DE-Anmeldedatum 12.06.2002
DE-Aktenzeichen 10226022
Offenlegungstag 24.12.2003
Veröffentlichungstag im Patentblatt 24.12.2003
IPC-Hauptklasse D06M 23/10
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindungsanmeldung beschreibt ein Verfahren zur Herstellung coagulationshemmender Oberflächen sowie Gegenstände, die diese coagulationshemmenden Oberflächen aufweisen.
Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens werden koagulationshemmende Oberflächen hergestellt. Die koagulationshemmende Wirkung beruht darauf, dass auf diesen Oberflächen die Gerinnung von Blut bzw. die Aktivierung der Gerinnung deutlich verringert bzw. verlangsamt wird. Aufgrund der koagulationshemmenden und selbstreinigenden Eigenschaften sind die Oberflächen durch einen einfachen Reinigungsvorgang mit bewegtem Wasser zu reinigen. Die Oberflächen können sowohl textile Oberflächen als auch Polymeroberflächen sein. Auf diese Oberflächen werden Strukturen aus Erhebungen und Vertiefungen aufgebracht, wie sie bereits mehrfach beschrieben wurden. Das Aufbringen der erfindungsgemäßen Beschichtungen kann auf sehr einfache Weise erfolgen, indem eine Dispersion aus geeigneten Partikeln in einem Lösemittel auf die betreffende Oberfläche aufgebracht und das Lösemittel anschließend entfernt wird.
Mit den erfindungsgemäßen koagulationshemmenden Oberflächen können z. B. Bekleidungsgegenstände oder andere Textilien aufweisende Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie z. B. Matratzen oder Decken, ausgerüstet werden.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Oberflächen mit coagulationshemmenden Eigenschaften sowie Gegenstände mit solchen coagulationshemmenden Oberflächen.

Das menschliche Blut befindet sich in einem permanenten Gleichgewicht zwischen Gerinnung und Auflösung dieser Gerinnung, der sogenannten Fibrinolyse. Die Gerinnung kann dabei durch drei Systeme ausgelöst werden:

durch ein Thrombozyten-System

durch ein intrinsisches System oder

durch ein extrinsisches System.

Während die Aktivierung der Gerinnung durch das Thrombozyten-System zur primären Hämostase gehört, gehört die Aktivierung durch das intrinsische oder extrinsische System zur sekundären Hämostase.

Intrinsisches und extrinsisches System unterscheiden sich sowohl in der Aktivierungszeit wie auch durch die Aktivierung verschiedener Gerinnungskaskaden. Für die vorliegende Erfindung sind diese nicht weiter von Interesse. Die sogenannte primäre Hämostase basiert auf einer Adhäsion und Aggregation von Thrombozyten auf der Oberfläche. Sie werden durch Verletzungen oder Berührungen mit der Oberfläche aktiviert.

Es ist bekannt, dass die Gerinnung von Blut nach Kontakt mit einer Oberfläche sofort einsetzt. Pipettiert man Blut auf eine Oberfläche oder eine Glasfläche, setzt nach wenigen Sekunden eine Thrombusbildung ein. Das Blut verklumpt auf der Oberfläche. Diese Verklumpung ist nur zu verhindern, wenn man dem Blut Gerinnungshemmer, wie z. B. Zitrat zusetzt. Speziell in Blutbeuteln wird die Gerinnung durch Zugabe von Zitrat oder Heparin verhindert oder aber die Gerinnungsfaktoren werden aus dem Plasma entfernt, bevor dieses in die Beutel abgefüllt wird. Durch das Verklumpen des Blutes ist dieses aber nicht oder nur noch mit Einschränkungen zu untersuchen bzw. weiterzuverwenden. Auf Oberflächen, auf denen Blut als Verschmutzung anfällt, wie z. B. auf Labor- bzw. Krankenhauskitteln, erschwert das Gerinnen von Blut die Reinigung solcher Oberflächen von diesen Blutverschmutzungen.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es deshalb, Oberflächen zu generieren, bei denen die Kontaktaktivierung der Gerinnung (Verklumpung) des Blutes verhindert oder verzögert wird.

Das Prinzip von selbstreinigenden Beschichtungen ist allgemein bekannt. Zum Erzielen einer guten Selbstreinigung einer Oberfläche muss die Oberfläche neben einer sehr hydrophoben Oberfläche auch eine gewisse Rauhigkeit aufweisen. Eine geeignete Kombination aus Struktur und Hydrophobie macht es möglich, dass schon geringe Mengen bewegten Wassers auf der Oberfläche haftende Schmutzpartikel mitnehmen und die Oberfläche reinigen (WO 96/04123; US-P 3,354,022).

Stand der Technik ist gemäß EP 0 933 388, dass für solche selbstreinigenden Oberflächen ein Aspektverhältnis von > 1 und eine Oberflächenenergie von weniger als 20 mN/m erforderlich ist. Das Aspektverhältnis ist hierbei definiert als der Quotient von Höhe zur Breite der Struktur. Vorgenannte Kriterien sind in der Natur, beispielsweise im Lotusblatt, realisiert. Die aus einem hydrophoben wachsartigen Material gebildete Oberfläche der Pflanze weist Erhebungen auf, die einige µm voneinander entfernt sind. Wassertropfen kommen im Wesentlichen nur mit den Spitzen der Erhebungen in Berührung. Solche wasserabstoßenden Oberflächen werden in der Literatur vielfach beschrieben.

CH-PS-268 258 beschreibt ein Verfahren, bei dem durch Aufbringen von Pulvern wie Kaolin, Talkum, Ton oder Silicagel strukturierte Oberflächen erzeugt werden. Die Pulver werden durch Öle und Harze auf Basis von Organosiliziumverbindungen auf der Oberfläche fixiert (Beispiele 1 bis 6).

EP 0 909 747 lehrt ein Verfahren zur Erzeugung einer selbstreinigenden Oberfläche. Die Oberfläche weist hydrophobe Erhebungen mit einer Höhe von 5 bis 200 µm auf. Hergestellt wird eine derartige Oberfläche durch Aufbringen einer Dispersion von Pulverpartikeln und einem inerten Material in einer Siloxan-Lösung und anschließendem Aushärten. Die strukturbildenden Partikel werden also durch ein Hilfsmedium am Substrat fixiert.

WO 00/58410 kommt zu dem Ergebnis, dass es technisch möglich ist, Oberflächen von Gegenständen künstlich selbstreinigend zu machen. Die hierfür nötigen Oberflächenstrukturen aus Erhebungen und Vertiefungen haben einen Abstand zwischen den Erhebungen der Oberflächenstrukturen im Bereich von 0,1 bis 200 µm und eine Höhe der Erhebung im Bereich 0,1 bis 100 µm. Die hierfür verwendeten Materialien müssen aus hydrophoben Polymeren oder dauerhaft hydrophobiertem Material bestehen. Ein Lösen der Teilchen aus der Trägermatrix muss verhindert werden.

Der Einsatz von hydrophoben Materialien, wie perfluorierten Polymeren, zur Herstellung von hydrophoben Oberflächen ist bekannt. Eine Weiterentwicklung dieser Oberflächen besteht darin, die Oberflächen im µm-Bereich bis nm-Bereich zu strukturieren. US PS 5,599,489 offenbart ein Verfahren, bei dem eine Oberfläche durch Beschuss mit Partikeln einer entsprechenden Größe und anschließender Perfluorierung besonders abweisend ausgestattet werden kann. Ein anderes Verfahren beschreibt H. Saito et al. in "Service Coatings International", 4, 1997, S. 168 ff. Hier werden Partikel aus Fluorpolymeren auf Metalloberflächen aufgebracht, wobei eine stark erniedrigte Benetzbarkeit der so erzeugten Oberflächen gegenüber Wasser mit einer erheblich reduzierten Vereisungsneigung dargestellt wurde.

Das Prinzip ist der Natur entlehnt. Kleine Kontaktflächen erniedrigen die Van-der Waal's Wechselwirkung, die für die Haftung an ebenen Oberflächen mit niedriger Oberflächenenergie verantwortlich ist. Beispielsweise sind die Blätter der Lotuspflanze mit Erhebungen aus einem Wachs versehen, die die Kontaktfläche zu Wasser herabsetzen.

Verfahren zur Herstellung dieser strukturierten Oberflächen sind ebenfalls bekannt. Neben der detailgetreuen Abformung dieser Strukturen durch eine Masterstruktur im Spritzguss oder Prägeverfahren sind auch Verfahren bekannt, die das Aufbringen von Partikeln auf eine Oberfläche nutzen (US 5 599 489).

In neuerer Zeit ist versucht worden, selbstreinigende Oberflächen auch auf Textilien bereitzustellen. Es wurde gefunden, dass durch Aufbringen von Aerosilen auf Textilien selbstreinigende Oberflächen erzeugt werden können. Die Aerosile werden hierbei mit einem Lösungsmittel in die Polymermatrix der Textilfaser eingebunden.

In DE 101 18 348 werden Polymerfasern mit selbstreinigenden Oberflächen beschrieben, bei denen die selbstreinigende Oberfläche durch Einwirken eines Lösemittels, welches strukturbildende Partikel aufweist, Anlösen der Oberfläche der Polymerfasern durch das Lösemittel, Anheften der strukturbildenden Partikel an die angelöste Oberfläche und Entfernen des Lösemittels, erhalten wird. Der Nachteil dieses Verfahrens besteht darin, dass beim Verarbeiten der Polymerfasern (Spinnen, Stricken etc.) die strukturbildenden Partikel und damit die Struktur, welche die selbstreinigende Oberfläche bewirkt, beschädigt werden können oder unter Umständen sogar ganz verloren gehen können und damit der Selbstreinigungseffekt ebenfalls verloren geht.

In DE 101 18 346 werden textile Flächengebilde mit selbstreinigender und wasserabweisender Oberfläche, aufgebaut aus mindestens einem synthetischen und/oder natürlichen textilen Basismaterial A und einer künstlichen, mindestens teilweise hydrophoben Oberfläche mit Erhebungen und Vertiefungen aus Partikeln, die ohne Klebstoffe, Harze oder Lacke mit dem Basismaterial A fest verbunden sind, beschrieben, die durch Behandlung des Basismaterials A mit zumindest einem Lösemittel, welches die Partikel ungelöst enthält, und Entfernen des Lösemittels, wobei zumindest ein Teil der Partikel mit der Oberfläche des Basismaterials A fest verbunden werden, erhalten werden. Der Nachteil dieses Verfahrens beruht allerdings auf einer sehr aufwändigen Veredelung der Textiloberflächen. Bei diesem Prozess ist es nötig, dass das Lösungsmittel genau auf das Basismaterial der Textilien abgestimmt werden muss. Bei Kleidungsstücken liegen in der Regel aber Mischgewebe vor, wodurch diese Abstimmung zusätzlich kompliziert wird. Bei ungenauer Abstimmung der Lösungsmittel kann es zur Zerstörung von Teilen des Kleidungsstückes kommen. Eine Behandlung der textilen Oberflächen ist also vor dem Schneidern nötig.

All diese Beschichtungen haben den Nachteil, dass sie permanent auf die Gegenstände aufgebracht sind und damit bei einem Verkratzen, einer Verfärbung oder einer andersartigen Beschädigung der Oberfläche bzw. Oberflächenstruktur diese nicht einfach entfernt und wieder neu aufgebracht werden kann. Bei einer solchen Beschädigung muss der Gegenstand entweder erneut behandelt, aufwändig von der Oberflächenstruktur befreit oder entsorgt werden.

WO 00/58410 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von ablösbaren Beschichtungen mit schmutz- und wasserabweisenden Eigenschaften, wobei die selbigen durch Aufsprühen von hydrophoben Alkoholen, wie Nonacosan-10-ol oder Alkandiolen, wie Nonacosan-5,10-diol oder Wachsen hergestellt werden. Diese Beschichtungen sind durch starke mechanische Kräfte wie z. B. Kratzen, Bürsten oder Hochdruckbehandlung mit Wasser oder durch eine Behandlung mit Wasser, welches Detergenzien enthält, die einen Teil der Strukturbildner auflösen, von den Gegenständen zu entfernen. Nachteilig hieran sind die starken Kräfte die notwendig sind, um die Beschichtung mechanisch wieder zu entfernen, so dass immer die Gefahr besteht, dass beim Entfernen der Beschichtung auch der Gegenstand selbst beschädigt wird. Eine Behandlung mit Wasser, welches Detergenzien enthält, kann ebenfalls je nach Beschaffenheit des Gegenstandes zur Beschädigung des selben führen.

In DE 101 35 157 wird ein Verfahren zur Beschichtung von Textilien während eines chemischen Reinigungsvorgangs beschrieben, bei dem strukturbildende Partikel dem Reinigungsmittel zugegeben werden. Als Reinigungsmittel werden relativ aggressive organische Lösungsmittel, wie z. B. Trichlorethylen vorgeschlagen, deren Verwendung zu einer mechanischen Verankerung der Partikel an der Struktur der Textilien führt, was zur Beschädigung des zu beschichtenden Gegenstands führen kann.

Keines der genannten Verfahren zeigt aber eine Lösung für die oben genannte Aufgabe auf, nämlich wie ein Gerinnen von Blut auf Oberflächen verhindert oder verzögert werden kann.

Überraschenderweise wurde nun gefunden, dass mikrostrukturierte, hydrophobe Oberflächen, wie sie als selbstreinigende Oberflächen verwendet werden können, die Verklumpung von Blut verhindern bzw. stark reduzieren. Diese Oberflächen müssen Eigenschaften aufweisen, wie sie von sogenannten Lotus-Oberflächen gefordert werden. Überraschenderweise konnte bei den Lotus-Oberflächen keine bzw. nur eine sehr geringe Kontaktaktivierung der Blutgerinnung gefunden werden

Gegenstand der vorliegendenden Erfindung ist deshalb ein Verfahrens zur Herstellung von Gegenständen mit coagulationshemmenden Oberflächen, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die Gegenstände mit einer selbstreinigenden Oberfläche aus Erhebungen und/oder Vertiefungen ausgerüstet werden, wobei die Erhebungen einen Abstand von 20 nm bis 100 µm und eine Höhe von 20 nm bis 100 µm aufweisen.

Ebenso Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung von coagulationshemmenden Oberflächen bei Teppichböden, Bekleidungsgegenständen, Matratzen, Federbetten, Tapeten, Schutzbezüge oder Decken.

Außerdem sind Gegenstand der vorliegenden Erfindung Gegenstände, insbesondere Teppichböden, Bekleidungsgegenstände, Matratzen, Federbetten, Tapeten, Schutzbezüge, Decken und Textilien, welche dadurch gekennzeichnet sind, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach dem erfindungsgemäßen Verfahren aufweisen.

Zusätzlich sind Gegenstand der vorliegenden Erfindung Gegenstände, erhältlich nach dem erfindungsgemäßen Verfahren, die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, aufweisen, die eine hydrophobe Oberflächenstruktur aus Erhebungen mit einer mittleren Höhe von 50 nm bis 25 µm und einem mittleren Abstand von 50 nm bis 25 µm aufweist.

Das erfindungsgemäße Verfahren hat den Vorteil, dass es sehr einfach durchzuführen ist. Je nach Ausführungsart des erfindungsgemäßen Verfahrens werden dauerhafte oder vorübergehende coagulationshemmende Oberflächen mit selbstreinigenden Eigenschaften bereitgestellt, von denen nicht geronnenes Blut durch bewegtes Wasser entfernt werden kann.

Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung von Gegenständen mit coagulationshemmenden Oberflächen wird nachfolgend beispielhaft beschrieben, ohne dass die Erfindung auf diese beschränkt sein soll. Das Verfahren basiert auf der Verwendung von Lotuseffektoberflächen, also Oberflächen mit selbstreinigenden Eigenschaften, bei denen überraschenderweise gefunden wurde, dass diese eine coagulationshemmende Wirkungen zeigen.

Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung von Gegenständen mit coagulationshemmenden Oberflächen, zeichnet sich deshalb dadurch aus, dass die Gegenstände mit einer selbstreinigenden Oberfläche aus Erhebungen und/oder Vertiefungen ausgerüstet werden, wobei die Erhebungen einen Abstand von 20 nm bis 100 µm und eine Höhe von 20 nm bis 100 µm aufweisen.

Die Gegenstände können z. B. ausgewählt sein aus Folien, Tapeten, Fasern aufweisenden Gegenständen, Behältnissen, Transportgefäßen, Lagergefäßen oder Blutgefässen. Bevorzugte Fasern aufweisende Gegenstände sind Gewirke, Gewebe, Vliese oder Filze aufweisende Gegenstände. Besonders bevorzugt sind die Fasern aufweisenden Gegenstände ausgewählt aus Polstern, Teppichen, Teppichböden, Matratzen, Federbetten, Schutzbezügen, Decken, Industrietextilien oder Kleidungsstücken, insbesondere Kleidungsstücke aus dem Labor- oder Krankenhausbereich oder Blutaufbewahrungs- oder Transportgefäße, wie z. B. Spritzen, Blutbeutel, Blutgefässe oder Analyseröhrchen. Insbesondere sind Gegenstände mit coagulationshemmenden Oberflächen solche Gegenstände, die in direktem Kontakt mit Blut oder dem Körper von Menschen und/oder Tieren stehen. Ganz besonders bevorzugt werden mit dem erfindungsgemäßen Verfahren Gegenstände mit coagulationshemmenden Oberflächen hergestellt, die in direktem Kontakt mit Blut von Menschen und/oder Tieren stehen, da bei solchen Gegenständen die Gefahr der Gerinnung des Blutes besonders hoch ist. Besonders gute selbstreinigende und coagulationshemmende Eigenschaften werden erzielt, wenn die Oberflächenstruktur hydrophobe Erhebungen mit einer Höhe von 50 nm bis 20 µm, vorzugsweise von 500 nm bis 10 µm und ganz besonders bevorzugt von 0,1 bis 5 µm und einem Abstand kleiner 100 µm, vorzugsweise einen Abstand von 50 nm bis 75 µm und ganz besonders bevorzugt von 500 nm bis 5 µm aufweisen. Besonders gute coagulationshemmende Eigenschaften in Bezug auf Blut weisen Oberflächenstrukturen auf, die hydrophobe Erhebungen mit einer Höhe von 30 µm bis 1 µm in einem Abstand der Erhebungen von ebenfalls 30 µm bis 1 µm aufweisen, da solche Strukturen klein genug sind, um ein Eindringen von Blutpartikeln zwischen die Erhebungen und ein physikalisches oder chemisches Festsetzen zwischen den Erhebungen zu verhindern bzw. zu reduzieren.

Die Oberflächenstruktur kann auf der Oberfläche der Gegenstände selbst erzeugt werden. Dies kann z. B. dadurch erfolgen, dass durch Aufbringen und Fixieren von Partikeln auf der Oberfläche der Gegenstände eine Oberflächenstruktur erzeugt wird. Das Aufbringen und Fixieren der Partikel kann durch Kleben, Einprägen, Einwalzen oder Einlagern an bzw. in die Oberfläche der Gegenstände erfolgen. Verschiedene neuere Fixierungs- bzw. Prägemethoden, die hier nicht näher ausgeführt werden sollen, finden sich unter anderem in den Patentanmeldungen DE 101 29 116, DE 101 38 036 und DE 101 34 477 beschrieben.

Mögliche Methoden sind zum Beispiel:

Während des Spinnprozesses werden die Partikel bei der Herstellung von Fasern nach Austritt der Polymerschmelze aus der Spinndüse mittels eines Gasstromes in die Oberfläche des Polymeren eingebracht (DE 101 29 116). Die Partikel werden durch erstarren der Polymeren an den polymeren Fasern fixiert. Dem Fachmann ergeben sich leicht ähnliche Fixierungsmethoden, bei denen die Partikel in eine viskose Oberfläche eingebracht oder auf eine viskose Oberfläche aufgebracht werden, und die viskose Oberfläche durch Abkühlen, Verdampfen von Lösemittel oder durch chemische Reaktion, erstarrt.

Ein weiteres Verfahren, wie es in DE 101 34 477 beschrieben wird, zur Herstellung von selbstreinigenden Oberflächen mit selbstregenerierendem Selbstreinigungseffekt, bei dem eine geeignete, zumindest teilweise hydrophobe Oberflächenstruktur durch Fixieren von Partikeln mittels eines Trägers auf einer Oberfläche geschaffen wird, basiert auf der Verwendung eines Gemisches aus Partikeln und Binder. Natürlich ist auch der Einsatz eines Trägers der keine Partikel enthält denkbar, was dann einem normalen Aufklebeprozess entspricht.

Als Partikel können Partikel eingesetzt werden, die zumindest ein Material, ausgewählt aus Silikaten, dotierten oder pyrogenen Silikaten, Mineralien, Metalloxiden, Kieselsäuren. Metallen oder Polymeren aufweisen. Vorzugsweise werden Partikel eingesetzt, die einen Partikeldurchmesser von 0,02 bis 100 µm, besonders bevorzugt von 0,03 bis 50 µm und ganz besonders bevorzugt von 0,03 bis 1 µm aufweisen. Die erfindungsgemäßen Gegenstände weisen vorzugsweise Oberflächen auf, bei denen die einzelnen Partikel auf der Oberfläche in Abständen von 0 bis 10 Partikeldurchmesser, insbesondere von 4 bis 8 oder 1 bis 3 Partikeldurchmesser, vorhanden sind.

Die Partikel können auch als Aggregate oder Agglomerate vorliegen, wobei gemäß DIN 53 206 unter Aggregaten flächig oder kantenförmig aneinander gelagerte Primärteilchen (Partikel) und unter Agglomeraten punktförmig aneinander gelagerte Primärteilchen (Partikel) verstanden werden. Als Partikel können auch solche eingesetzt werden, die sich aus Primärteilchen zu Agglomeraten oder Aggregaten mit einer Größe von 0,2 bis 100 µm zusammenlagern.

Es kann vorteilhaft sein, wenn die eingesetzten Partikel eine strukturierte Oberfläche haben. Vorzugsweise werden Partikel, die eine unregelmäßige Feinstruktur im Nanometerbereich auf der Oberfläche aufweisen, eingesetzt. Die Feinstruktur der Partikel ist vorzugsweise eine zerklüftete Struktur mit Erhebungen und/oder Vertiefungen im Nanometerbereich. Vorzugsweise weisen die Erhöhungen im Mittel eine Höhe von 20 bis 500 nm, besonders bevorzugt von 50 bis 200 nm auf. Der Abstand der Erhöhungen bzw. Vertiefungen auf den Partikeln beträgt vorzugsweise weniger als 500 nm, ganz besonders bevorzugt weniger als 200 nm.

Als Partikel, insbesondere als Partikel, die eine unregelmäßige Feinstruktur im Nanometerbereich an der Oberfläche aufweisen, werden vorzugsweise solche Partikel eingesetzt, die zumindest eine Verbindung, ausgewählt aus pyrogener Kieselsäure, Aluminiumoxid, Siliziumoxid, pyrogenen Silikaten oder pulverförmige Polymeren oder Metallen aufweisen. Es kann vorteilhaft sein, wenn die eingesetzten Partikel hydrophobe Eigenschaften aufweisen.

Ganz besonders eignen sich als Partikel unter anderem hydrophobierte pyrogene Kieselsäuren, so genannte Aerosile.

Es kann vorteilhaft sein, wenn die Oberflächen Partikel aufweisen, die hydrophobe Eigenschaften aufweisen. Die hydrophoben Eigenschaften der Partikel können durch das verwendete Material der Partikel inhärent vorhanden sein. Es können aber auch hydrophobierte Partikel eingesetzt werden, die z. B. durch eine Behandlung mit zumindest einer Verbindung aus der Gruppe der Alkylsilane, Perfluoralkylsilane, Paraffine, Wachse, Fettsäureestern, funktionalisierte langkettige Alkanderivate oder Alkyldisilazane, hydrophobe Eigenschaften aufweisen.

In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Oberflächenstruktur als eine Folie oder auf einer Folie erzeugt, die auf die Oberfläche des Gegenstandes, der mit einer coagulationshemmenden Oberfläche ausgerüstet werden soll übertragen wird. Die Herstellung solcher Folien wird z. B. in EP 0 933 388 oder spezieller in DE 101 38 036 beschrieben. Die in DE 101 38 036 beschriebenen strukturierten Oberflächen, deren Struktur von Erhebungen gebildet wird, zeichnen sich dadurch aus, dass benachbarte Erhebungen durch Grate verbunden sind, die eine geringere mittlere Höhe als die durch sie verbundenen Erhebungen aufweisen. In DE 101 38 036 wird z. B. ein Verfahren zur Herstellung von strukturierten Oberflächen durch Abformen einer Negativform auf eine unstrukturierte Oberfläche, bei welchem die Negativform eine Oberfläche aus Teilen von Kugeln oder abgerundeten Pyramidenstümpfen und zwischen den Kugelteilen talförmige Einschnitte aufweist. Durch die die Erhebungen verbindenden Grate wird eine deutlich höhere Stabilität der Strukturen erreicht. Auch jede andere Negativform, mit der Erhebungen der geforderten Dimension hergestellt werden können, sind einsetzbar. Das Abprägen kann durch Prägen oder Walzen oder beim makroskopischen Formen der Gegenstände durch Gießen, Spritzgießen oder In Mold Decoration (IMD) auf die Oberfläche erfolgen.

Es kann vorteilhaft sein, die Oberflächen, die mit der Oberflächenstruktur ausgestattet worden sind, nachträglich nochmals zu hydrophobieren. Dies kann durch die Behandlung der Oberflächen mit den für die Hydrophobierung der Partikel angegebenen Verbindungen erfolgen.

Besonders bevorzugt wird die selbstreinigende Oberfläche durch Aufbringen einer Suspension, die Partikel in einem Lösemittel aufweist, und anschließendes Entfernen des Lösemittels aufgebracht. Das Aufbringen der Suspension auf zumindest eine Oberfläche eines Gegenstandes kann z. B. durch Tauchen des Gegenstandes in die Suspension oder durch Besprühen, Aufsprühen, Bestreichen oder Aufrakeln der Suspension auf den Gegenstand bzw. zumindest eine Oberfläche des Gegenstandes erfolgen.

Es kann vorteilhaft sein, wenn die Oberfläche des Gegenstandes durch das Lösemittel nicht angelöst wird, und nach dem Entfernen des Lösemittels die Partikel an der Oberfläche des Gegenstandes haften. Bei dieser Ausführungsart des erfindungsgemäßen Verfahrens wird als Lösemittel zumindest eine geeignete Verbindung, die die Oberfläche des zu behandelnden Gegenstands nicht anlöst, aus der Gruppe der Alkohole, der Glykole, der Ether, der Glykolether, der Ketone, der Ester, der Amide, der Nitro-Verbindungen, der Halogenkohlenwasserstoffe, der aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffe oder eine Mischung davon eingesetzt.

Ebenso vorteilhaft kann es sein, wenn die Oberfläche des Gegenstandes durch das Lösemittel angelöst wird, und nach dem Entfernen des Lösemittels die Beschichtung in der Oberfläche des Gegenstandes verankert ist. Diese Ausführungsart des erfindungsgemäßen Verfahrens wird vorzugsweise mit Gegenständen durchgeführt, die eine Oberfläche aufweist, die von einem Lösemittel angelöst wird und die vorzugsweise Polymere auf der Basis von Polycarbonaten, Poly(meth)acrylaten, Polyamiden, PVC, Polyethylenen, Polypropylenen, aliphatischen linearen- oder verzweigten Alkenen, cyclischen Alkenen, Polystyrolen, Polyestern, Polyethersulfonen, Polyacrylnitril oder Polyalkylenterephthalaten, sowie deren Gemische oder Copolymere, aufweist. Als geeignete Lösemittel wird bevorzugt zumindest eine als Lösemittel für die entsprechende Oberfläche geeignete Verbindung aus der Gruppe der Alkohole, der Glykole, der Ether, der Glykolether, der Ketone, der Ester, der Amide, der Nitro-Verbindungen, der Halogenkohlenwasserstoffe, der aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffe oder Mischungen davon eingesetzt. Ganz besonderes bevorzugt wird als Lösemittel zumindest eine als Lösemittel für die entsprechende Oberfläche geeignete Verbindung ausgewählt aus Methanol, Ethanol, Propanol, Butanol, Octanol, Cyclohexanol, Phenol, Kresol, Ethylenglykol, Diethylenglykol, Diethylether, Dibutylether, Anisol, Dioxan, Dioxolan, Tetrahydrofuran, Monoethylenglykolether, Diethylenglykolether, Triethylenglykolether, Polyethylenglykolether, Aceton, Butanon, Cyclohexanon, Ethylacetat, Butylacetat, Iso-Amylacetat, Ethylhexylacetat, Glykolester, Dimethylformamid, Pyridin, N- Methylpyrrolidon, N-Methylcaprolacton, Acetonitril, Schwefelkohlenstoff, Dimethylsulfoxid, Sulfolan, Nitrobenzol, Dichlormethan, Chloroform, Tetrachlormethan, Trichlorethen, Tetrachlorethen, 1,2-Dichlorethan, Chlorphenol, Chlorfluorkohlenwasserstoffe, Benzine, Petrolether, Cyclohexan, Methylcyclohexan, Decalin, Tetralin, Terpene, Benzol, Toluol oder Xylol oder Mischungen davon eingesetzt.

Bei den erfindungsgemäßen Verfahrensvarianten, bei denen Lösemittel, welche Partikel aufweisen, auf die Oberfläche von Gegenständen aufgebracht werden, weist das Lösemittel vor dem Aufbringen auf die Oberfläche vorzugsweise eine Temperatur von -30°C bis 300°C, bevorzugt 25 bis 100°C, auf.

Die mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellten Oberflächen sind schmutz- und wasserabweisend sowie coagulationshemmend und weisen vorzugsweise Erhebungen, vorzugsweise gebildet durch die Partikel und gegebenenfalls die Feinstruktur der Partikel, mit einer mittleren Höhe von 50 nm bis 20 µm, vorzugsweise von 500 nm bis 10 µm und ganz besonders bevorzugt von 1 bis 5 µm und einem mittleren Abstand kleiner 100 µm, vorzugsweise einen Abstand von 50 nm bis 75 µm und ganz besonders bevorzugt von 500 nm bis 5 µm aufweisen. Unter dem mittleren Abstand der Erhebungen wird im Sinne der vorliegenden Erfindung der Abstand der höchsten Erhebung einer Erhebung zur nächsten höchsten Erhebung verstanden. Hat eine Erhebung die Form eines Kegels so stellt die Spitze des Kegels die höchste Erhebung der Erhebung dar. Handelt es sich bei der Erhebung um einen Quader, so stellte die oberste Fläche des Quaders die höchste Erhebung der Erhebung dar. Die mittlere Breite der Erhebungen beträgt vorzugsweise von 50 nm bis 25 µm, bevorzugt von 100 nm bis 10 µm und ganz besonders bevorzugt 0,3 bis 1 µm. Die mittlere Breite der Erhebungen wird in halber Höhe der Erhebungen gemessen und über die kleinste und größte Breite gemittelt. Die mittlere Breite eines Kegels oder eines Zylinders entspricht somit dem Durchmesser des Zylinders bzw. Kegels in halber Höhe. Die mittlere Breite eines Würfels ergibt sich als das Mittel aus Länge der Seitenfläche plus Länge der Flächendiagonalen.

Die mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellten Oberflächen weisen vorzugsweise einen Randwinkel für Wasser von größer 145°, bevorzugt größer 150°, besonders bevorzugt größer 155° und ganz besonders bevorzugt größer 160° auf. Wassertropfen von 60 µl rollen von den erfindungsgemäßen Oberflächen vorzugsweise bereits bei einem Neigungswinkel von kleiner 5° vorzugsweise von kleiner 2° von einer geneigten Oberfläche ab.

Als besonders geeignete Oberflächen haben sich die nachfolgenden Oberflächen erwiesen, auf welche die Erfindung aber nicht beschränkt sein soll. Bei diesen Oberflächen ist die coagulationshemmende Eigenschaft besonders deutlich ausgeprägt: Oberfläche mit einer Kombinationsstruktur aus Grobstruktur und Feinstruktur (V 13), Oberfläche mit einer periodischen Struktur (Abstand der Erhebungen 2 µm), Oberfläche mit einer periodischen Mottenaugenstruktur (Abstand der Erhebungen 0,5 µm) und Polyestergewebe beschichtet mit einer hydrophoben Kieselsäure (Aerosil R8200, Degussa AG). Auf diese Oberflächen wird in den Beispielen noch näher eingegangen.

Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens können Gegenstände, die auf zumindest einer Oberfläche mit einer wasser- und schmutzabweisenden Beschichtung ausgerüstet sind, hergestellt werden. Die Gegenstände bzw. die zu beschichtende Oberflächen können aus den unterschiedlichsten Stoffen, wie z. B. Metall, Kunststoff, Polymer, Holz, Keramik oder Glas bestehen.

Das erfindungsgemäße Verfahren kann insbesondere zur Herstellung von coagulationshemmenden Oberflächen bei Teppichböden, Bekleidungsgegenständen, Matratzen, Federbetten, Tapeten, Schutzbezügen, Vorhängen, Gardinen, Bettbezügen, Decken oder Behältnissen, Gefäßen oder Blutgefässen verwendet werden. Dabei können die genannten Gegenstände sowohl nachträglich mit coagulationshemmenden Oberflächen ausgerüstet werden als auch durch Verwendung von entsprechend ausgerüsteten Gegenständen bei der Herstellung, z. B. durch die Verwendung von Fasern oder Stoffen, die coagulationshemmende Eigenschaften aufweisen, erhalten werden.

Insbesondere Teppichböden, Bekleidungsgegenstände, Matratzen, Federbetten, Tapeten, Schutzbezüge, Decken, Textilien und insbesondere Kleidungsstücke, vorzugsweise aus dem Anwendungsbereichen Labor, Krankenhaus und Hygiene, die eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach dem erfindungsgemäßen Verfahren, aufweisen, sind vom Gegenstand der Erfindung umfasst.

Weitere Anwendungen für die erfindungsgemäßen Oberflächen bzw. das erfindungsgemäße Verfahren, sind z. B. auch auf medizintechnischem Gebiet möglich. So können z. B. Blutentnahmegefäße oder Blutaufbewahrungsbeutel, wie sie beispielsweise in Blutbanken vorhanden sind, mit dem erfindungsgemäßen Verfahren mit coagulationshemmenden Oberflächen ausgerüstet werden. Ebenso ist es möglich, künstliche Blutgefäße an ihrer inneren Oberfläche mit einer coagulationshemmenden Oberfläche auszustatten. Solche künstlichen Gefäße könne eine Gerinnung des Blutes in den künstlichen Blutgefäßen verhindern, weshalb solche künstlichen Blutgefäße besonders gut verträglich sind. Eine typische Verwendung finden solche Oberflächen in der Dialyse. Das erfindungsgemäße Verfahren bzw. Gegenstände, die mit diesem Verfahren hergestellt wurden, werden an Hand der Abbildungen Fig. 1 bis Fig. 4 näher erläutert, ohne dass die Erfindung auf diese Ausführungen beschränkt sein soll.

Fig. 1 und 2 zeigen eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme (REM-Aufnahme) einer erfindungsgemäß hergestellten, selbstreinigenden Oberfläche, die eine periodische Grobstruktur, überlagert von einer periodischen Feinstruktur in der tiefen Ausprägung aufweist (V13). Fig. 3 zeigt eine REM-Aufnahme eines Polyestergewebes gemäß Beispiel 1. Fig. 4 zeigt eine Aufnahme des selben Gegenstandes mit einer um den Faktor 10 größeren Vergrößerung als in Fig. 3 verwendet.

Das erfindungsgemäße Verfahren sowie seine Verwendung wird im folgenden beispielhaft beschrieben, ohne dass die Erfindung darauf beschränkt sein soll.

Beispiel 1

Einem freiwilligen Probanden wurde in ein Röhrchen Blut abgenommen. Das Blut, welches keine zusätzlichen Gerinnungshemmer aufwies, wurde auf Oberflächen mit selbstreinigenden Eigenschaften (Lotus-Effekt Oberflächen) aufgebracht um das Verhalten von Blutstropfen auf diesen Oberflächen zu überprüfen. Es wurden die folgenden Lotuseffekt-Oberflächen eingesetzt:

Eine Folie mit einer Struktur, die Erhebungen mit einem Abstand von 2 µm aufweist.

Eine Folie mit einer Struktur, die Erhebungen mit einem Abstand von 0,5 µm aufweist.

Eine Folie mit Kombinationsstruktur (V13), die eine Grobstruktur, die Erhebungen mit Abständen von 27 µm aufweist und einer Feinstruktur auf dieser Grobstruktur, die Erhebungen mit Abständen der Spitzen der Erhebungen von 2 µm aufweist.

Die Folien mit Lotus-Effect wurde wie folgt hergestellt:

1. Herstellung einer selbstreinigenden Oberfläche mit einer periodischen Struktur von 2 µm bzw. 0,5 µm

Eine Glasscheibe wurde mit einem hochviskosen Positive-Photoresist ma-P1275, mit einer Lackdicke von > 10 µm, beschichtet. Die Struktur wurde durch Bestrahlung eines Kreuzgitters (2 µm oder 0,5 µm Periode) generiert. Für die Herstellung der Struktur wurde kohärentes Laserlicht, mit einer Dosis von 2 × 70 mJ/cm2, bei einer Wellenlänge von 364 nm, verwendet. Nach der Belichtung wurde ein hoch konzentrierter Entwickler zum Entwickeln der Struktur genutzt. Der Photoresist wurde mit einer Goldschicht als Platierbasis besputtert und anschließen in Nickel galvanisch abgeformt. Mit den so hergestellten Nickelshim wurde die Struktur in einem hydrophoben, UV-härtenden Lacksystem (auf Acrylatbasis) abgeformt, welches als Folie eingesetzt werden kann.

2. Herstellung einer selbstreinigenden Oberfläche mit einer periodischen Grobstruktur, überlagert von einer periodischen Feinstruktur in der tiefen Ausprägung (V13)

Eine Glasscheibe wurde mit einem hochviskosen Positive-Photoresist ma-P1275, mit einer Lackdicke > 10 µm, beschichtet. Die Grobstruktur wie auch die Feinstruktur wurde durch Bestrahlung eines Kreuzgitters mit unterschiedlichen Abständen (Grobstruktur: 27 µm Periode und Feinstruktur: 2 µm Periode) generiert. Für die Herstellung der Grobstruktur wurde kohärentes Laserlicht, mit einer Dosis von 2 × 70 mJ/cm2, bei einer Wellenlänge von 364 nm, verwendet. Für die anschließende Generierung der Feinstruktur wurde kohärentes Laserlicht, mit einer Dosis wie in Beispiel 1 verwendet. Bei der Grobstruktur konnte eine Satteltiefe von 9 µm, was einer Peak zu Peak Tiefe von > 10 µm entspricht, erreicht werden. Nach der Belichtung wurde ein hoch konzentrierter Entwickler zum Entwickeln der Struktur genutzt. Der Photoresist wurde mit einer Goldschicht als Platierbasis besputtert und anschließend in Nickel galvanisch abgeformt. Mit den so hergestellten Nickelshim wurde die Struktur in einem hydrophoben, UV-härtenden Lacksystem (auf Acrylatbasis) abgeformt, welches als Folie eingesetzt werden kann.

Nach dem Aufbringen der Blutstropfen auf die so hergestellten Oberflächen wurde die Dauer bis zur Gerinnung im Vergleich zu Blutstropfen auf normalen Oberflächen und das Abrollverhalten dieser Blutstropfen untersucht sowie eine grobe Abschätzung des Randwinkels vorgenommen. Außerdem wurde untersucht ob ein Bluttropfen, der aus einer Höhe von 5 cm auf eine Oberfläche mit einem Neigungswinkel von 20° fallengelassen wurde, vollständig abrollt. Auf allen getesteten erfindungsgemäßen Oberflächen rollten die Tropfen rückstandsfrei ab.

Zur Durchführung dieser Untersuchungen wurden auf sämtliche Oberflächen mehrere Tropfen Blut pipetiert. In regelmäßigen Abständen wurde überprüft, ob der Tropfen auf der Oberfläche verklumpte. Als Referenz wurde die Gerinnung des in der Spritze verbleibenden Blutrestes überprüft. In der Spritze gerann das Blut nach ca. 8 min. und bildete einen vollständigen Pfropf. Auf den Oberflächen setzte diese Gerinnung erst nach fast 18 min. ein. Bei einer gleichzeitig durchgeführten Begutachtung der Randwinkel im Vergleich zu Wasser wurde festgestellt, dass der Randwinkel der Blutstropfen auf den Strukturen V13, 2 µm und 0,5 µm, größer als der von Wasser war und mehr als 150° betrug. Die geronnenen Bluttropfen konnten von den Folienoberflächen nicht vollständig entfernt werden. Die auf den Proben verbliebenen Rückstände, sind wahrscheinlich auf eine Proteinbelegung zurückzuführen sind.

Fig. 1 und 2 zeigen eine REM-Aufnahme einer Folienoberflächen (V13) mit Kombinationsstruktur.

Die Abrollwinkel der Blutstropfen (jeweils 60 µl) wurden im Vergleich zu einem Wassertropfen gleicher Größe gemessen. Dazu wurden die Blutstropfen bzw. Wassertropfen auf die jeweiligen Oberflächen aufpipetiert und die Oberflächen dann so lange geneigt, bis der Blut- bzw. Wassertropfen abrollte. Dieser Neigungswinkel der Oberfläche entspricht dem Abrollwinkel. Es wurde ein um 1 bis 5° höherer Abrollwinkel beim Blut im Vergleich zum Wasser festgestellt. Dieser erhöhte Abrollwinkel basiert wahrscheinlich auf der höheren Viskosität von Blut.

Beispiel 2

Einem freiwilligen Probanden wurden in einem Röhrchen Blut abgenommen. Das Blut, welchem keine Gerinnungshemmer zugesetzt wurden, wurde auf Oberflächen mit selbstreinigenden Eigenschaften (Lotus-Effekt Oberflächen) aufgebracht, um das Verhalten von Blutstropfen auf diesen Oberflächen zu überprüfen. Es wurde folgende Lotuseffekt- Oberfläche eingesetzt:

Ein Polyester-Gewebe mit Lotus-Effect welches wie folgt hergestellt wurde.

Eine handelsübliches Polyester-Gewebe wird in eine auf 80°C erhitzte Suspension aus Decalin und 1 Gew.-% Aerosil R8200 (Degussa AG) getaucht. Nach einer Kontaktzeit von 30 Sekunden wird das Gewebe aus der Suspension genommen und bei Raumtemperatur getrocknet. Nach einer Trockenzeit von 5 Stunden ist das Gewebe trocken und kann für die Versuche eingesetzt werden.

Von dem dem Probanden abgenommenen Blut wurden 60 µl auf die Oberfläche des erfindungsgemäß beschichteten Polyestergewebe und auf ein unbeschichtetes Polyestergewebe pipettiert. Der in der Spritze verbleibende Blutrest wurde - im Abstand von 30 sec. - auf Verklumpung getestet. Nach ca. 8 min. verklumpte das Blut in der Spritze. In der Spritze bildete sich ein vollständiger Pfropf von Blut. Auf der Oberfläche des erfindungsgemäß beschichteten Polyestergewebes setzte die Gerinnung erst nach fast 18 min. ein. Im Gegensatz zu einem nichtbeschichteten Textil perlt das Blut sehr gut von der Oberfläche ab. Auf dem nicht erfindungsgemäß beschichteten Polyestergewebe setzt die Gerinnung sofort, das heißt mit der gleichen Geschwindigkeit wie in der Spritze ein.

Überraschenderweise konnte bei dem mit Lotus-Oberflächen ausgerüsteten Polyestergewebe keine bzw. nur eine sehr geringe Kontaktaktivierung der Blutgerinnung gefunden werden. Diese Tatsache ermöglicht viele technische Anwendungen. Bei einer Gerinnungszeit von 18 min. ist nicht auszuschließen, dass die festen Bestandteile des Blutes auf die Oberfläche abgesunken sind und so eine Thrombenbildung stattfand. Von einer Kontakt-Aktivierung der Gerinnungskaskade über die Oberfläche kann allerdings nicht ausgegangen werden. Besonders überraschend waren die Eigenschaften des Polyestergewebes. Hier war es möglich, das Gewebe vollständig auch von eingetrocknetem Blut zu reinigen. Fig. 3 und 4 zeigen REM-Bilder des gemäß Beispiel 2 hergestellten Polyestergewebes mit unterschiedlicher Vergrößerung.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Herstellung von Gegenständen mit coagulationshemmenden Oberflächen, dadurch gekennzeichnet, dass die Gegenstände mit einer selbstreinigenden Oberfläche aus Erhebungen und/oder Vertiefungen ausgerüstet werden, wobei die Erhebungen einen Abstand von 20 nm bis 100 µm und eine Höhe von 20 nm bis 100 µm aufweisen.
  2. 2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Gegenstände ausgewählt sind aus Folien, Tapeten oder Fasern aufweisenden Gegenständen.
  3. 3. Verfahren gemäß Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern aufweisenden Gegenstände Gewirke, Gewebe, Vliese oder Filze aufweisen.
  4. 4. Verfahren gemäß Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern aufweisenden Gegenstände ausgewählt sind aus Polstern, Teppichen, Teppichböden, Matratzen, Federbetten, Schutzbezügen, Decken, Industrietextilien oder Kleidungsstücken.
  5. 5. Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die selbstreinigende Oberfläche durch Aufbringen von Partikeln auf zumindest eine Oberfläche der Gegenstände hergestellt wird.
  6. 6. Verfahren gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die selbstreinigende Oberfläche durch Aufbringen einer Suspension, die Partikel in einem Lösemittel aufweist, und anschließendes Entfernen des Lösemittels aufgebracht wird.
  7. 7. Verfahren gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Aufbringen der Suspension auf zumindest eine Oberfläche eines Gegenstandes durch Tauchen des Gegenstandes in die Suspension erfolgt.
  8. 8. Verfahren gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Aufbringen der Suspension auf zumindest eine Oberfläche eines Gegenstandes durch Aufsprühen der Suspension auf den Gegenstand erfolgt.
  9. 9. Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche des Gegenstandes durch das Lösemittel nicht angelöst wird, und nach dem Entfernen des Lösemittels die Partikel an der Oberfläche des Gegenstandes haften.
  10. 10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass als Lösemittel zumindest eine geeignete Verbindung, die die Oberfläche des zu beschichtenden Gegenstands nicht anlöst, aus der Gruppe der Alkohole, der Glykole, der Ether, der Glykolether, der Ketone, der Ester, der Amide, der Nitro-Verbindungen, der Halogenkohlenwasserstoffe, der aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffe oder eine Mischung davon eingesetzt wird.
  11. 11. Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche des Gegenstandes durch das Lösemittel angelöst wird, und nach dem Entfernen des Lösemittels die Beschichtung in der Oberfläche des Gegenstandes verankert ist.
  12. 12. Verfahren gemäß Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche, die von einem Lösemittel angelöst wird, Polymere auf der Basis von Polycarbonaten, Poly(meth)acrylaten, Polyamiden, PVC, Polyethylenen, Polypropylenen, aliphatischen linearen- oder verzweigten Alkenen, cyclischen Alkenen, Polystyrolen, Polyestern, Polyethersulfonen, Polyacrylnitril oder Polyalkylenterephthalaten, sowie deren Gemische oder Copolymere, aufweist.
  13. 13. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass als Lösemittel zumindest eine als Lösemittel für die entsprechende Oberfläche geeignete Verbindung aus der Gruppe der Alkohole, der Glykole, der Ether, der Glykolether, der Ketone, der Ester, der Amide, der Nitro-Verbindungen, der Halogenkohlenwasserstoffe, der aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffe oder Mischungen davon eingesetzt wird.
  14. 14. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass als Lösemittel zumindest eine als Lösemittel für die entsprechende Oberfläche geeignete Verbindung ausgewählt aus Methanol, Ethanol, Propanol, Butanol, Octanol, Cyclohexanol, Phenol, Kresol, Ethylenglykol, Diethylenglykol, Diethylether, Dibutylether, Anisol, Dioxan, Dioxolan, Tetrahydrofuran, Monoethylenglykolether, Diethylenglykolether, Triethylenglykolether, Polyethylenglykolether, Aceton, Butanon, Cyclohexanon, Ethylacetat, Butylacetat, Iso-Amylacetat, Ethylhexylacetat, Glykolester, Dimethylformamid, Pyridin, N-Methylpyrrolidon, N-Methylcaprolacton, Acetonitril, Schwefelkohlenstoff, Dimethylsulfoxid, Sulfolan, Nitrobenzol, Dichlormethan, Chloroform, Tetrachlormethan, Trichlorethen, Tetrachlorethen, 1,2-Dichlorethan, Chlorphenol, Chlorfluorkohlenwasserstoffe, Benzine, Petrolether, Cyclohexan, Methylcyclohexan, Decalin, Tetralin, Terpene, Benzol, Toluol oder Xylol oder Mischungen davon eingesetzt wird.
  15. 15. Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Lösemittel, welches die hydrophobe Kieselsäure aufweist, vor dem Aufbringen auf die Oberfläche eine Temperatur von -30°C bis 300°C, bevorzugt 25 bis 100°C, aufweist.
  16. 16. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Partikel eine mittlere Partikelgröße von 0,02 bis 100 µm.
  17. 17. Verfahren gemäß Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Partikel eine mittlere Partikelgröße von 30 nm bis 1 µm aufweisen.
  18. 18. Verwendung des Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17 zur Herstellung von coagulationshemmenden Oberflächen bei Bekleidungsgegenständen, Teppichböden, Schutzfolien für Möbel, Matratzen, Federbetten, Tapeten, Schutzbezüge oder Decken.
  19. 19. Teppichböden, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, aufweist.
  20. 20. Bekleidungsgegenstände, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, aufweist.
  21. 21. Matratzen, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, aufweist.
  22. 22. Federbetten, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, aufweist.
  23. 23. Tapeten, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, aufweist.
  24. 24. Schutzbezüge, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, aufweist.
  25. 25. Decken, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, hergestellt nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, aufweist.
  26. 26. Gegenstände, erhältlich nach einem Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine coagulationshemmende Oberfläche, aufweisen, die eine hydrophobe Oberflächenstruktur aus Erhebungen mit einer mittleren Höhe von 50 nm bis 25 µm und einem mittleren Abstand von 50 nm bis 25 µm aufweist.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

  Patente PDF

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com