Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
Bezugsmaterials für Fahrzeuge, insbesondere eines Sitzbezuges für Fahrzeugsitze,
nach dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Ausgehend von der zuvor geschilderten Sachlage besteht die Aufgabe
der vorliegenden Erfindung darin, entgegen den Anforderungen der Automobilindustrie
ein Bezugsmaterial für Fahrzeuge, insbesondere einen Sitzbezug für Fahrzeugsitze,
zu schaffen, der so ausgestaltet ist, dass er bei Fahrzeugkäufern bzw. -Benutzerneine
vergleichsweise große Akzeptanz findet.
Diese Aufgabe wird durch ein Bezugsmaterial mit den Merkmalen des
Patentanspruches 1 gelöst.
Der wesentliche Vorteil der vorliegenden Erfindung besteht darin,
dass ein mit dem vorliegenden Bezugsmaterial bezogener Sitzbezug ein auf dem Sektor
der Fahrzeugsitze völlig neues Oberflächenbild aufweist, das durch eine Vielzahl
von nicht beeinflussbaren und nicht reproduzierbaren optischen Merkmalen, z. B.
Marmorierungen bzw. Melierungen, speziell im Hinblick auf die Farbgestaltung geprägt
ist. Durch einen solchen Sitzbezug wird einem Fahrzeugsitz eine Art Patina verliehen,
die beim Käufer bzw. Benutzer eine künstliche Gebrauchsvision erzeugt und so viel
wie "Bequemlichkeit, Wärme, Weichheit, Komfort, Natürlichkeit etc." vermittelt.
Ein wesentlicher Vorteil besteht auch darin, dass die Akzeptanz für
mit dem erfindungsgemäßen Bezugsmaterial versehene Fahrzeugsitze beim Käufer relativ
hoch liegt, sodass den erfindungsgemäßen Sitzbezügen eine hohe wirtschaftliche Verwertbarkeit
zukommt. Im Gegensatz zu hohen Sitzbezügen aus Leder werden der Eindruck von Kälte,
Unpersönlichkeit, harten Strukturen und scharfen Übergängen vermieden.
Vorteilhafterweise vermittelt ein mit dem erfindungsgemäßen Bezugsmaterial
versehener Sitzbezug das Gefühl des "bereits Gebrauchtseins", so dass während des
tatsächlichen Gebrauchs auftretende Verschleißerscheinungen, wie z. B. Risse, Kratzer
oder Flecke, tatsächlich nicht oder kaum in Erscheinung treten bzw. auffallen und
das mit den Sitzbezügen ausgerüstete Fahrzeug daher länger einen neuwertigen Eindruck
vermittelt.
Die Einfärbung bzw. die sogenannte Grundfärbung erfolgt nach dem Fleckfärben
vorzugsweise benutzerspezifisch, sodass während des Gebrauches von außen auf das
Bezugsmaterial einwirkende Abfärbungen (beispielsweise von der Farbe einer Berufskleidung
etc.) so wenig wie möglich in Erscheinung treten.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung gehen aus den Unteransprüchen
hervor.
Im folgenden werden die Erfindungen deren Ausgestaltungen im Zusammenhang
mit den Figuren näher erläutert. Es zeigen:
1 einen beispielhaften Ausschnitt eines
erfindungsgemäßen Bezugmaterials, insbesondere eines Sitzbezuges für Automobilsitze;
2 eine schematische Darstellung zur Erläuterung
des Herstellungsverfahrens des erfindungsgemäßen Bezugsmaterials, und
3 die Einbindung des Herstellungsverfahrens
für das erfindungsgemäße Bezugsmaterial in das bekannte Verfahren zur Lederherstellung.
Zu der Erfindung führten die folgenden Überlegungen. Um auf dem Gebiete
der Fahrzeugindustrie, insbesondere der Automobilindustrie, die Akzeptanz für Bezugsmaterialien
wesentlich zu erhöhen, wurde erstmals der Gedanke gefasst, bei aus Leder bestehenden
Bezugsmaterialien von der gängigen Praxis abzuweichen, die entsprechend der ausdrücklichen
Anforderung der Automobilindustrie auf der Verarbeitung von möglichst gleichmäßigen
und homogenen, durch Serienproduktion zuverlässig einheitlich reproduzierbaren Ledermaterialien
beruht. Da derartige Ledermaterialien kalt und unpersönlich wirken, wurde im Zusammenhang
mit der vorliegenden Erfindung erstmals der Gedanke gefasst, vor allem entgegen
den genannten Anforderungen der Automobilindustrie von den einheitlich und homogen
reproduzierbaren Ledermaterialien abzugehen und ganz bewusst Inhomogenitäten und
Ungleichmäßigkeiten, insbesondere im Hinblick auf die Farbgestaltung, bei Bezugsmaterialien
auf den Fahrzeugbereich zuzulassen. Dadurch wird insbesondere durch völlig willkürliche
Melierungen und Marmorierungen bzw. Fleckungen der Bezugsmaterialen, entgegen der
bisher üblichen Uniformität solcher Materialien, ein Gefühl der Individualität und
des Gebrauchs vermittelt. Dadurch, dass der Eindruck vermittelt wird, dass die mit
dem vorliegenden Bezugsmaterial versehene Ausstattungen bzw. Fahrzeugsitze in einem
gewissen Maße bereits benutzt bzw. gebraucht wurden, wird erreicht, dass beim tatsächlichen
Gebrauch entstehende Verschleißerscheinungen, wie z. B. Risse, Flecken etc. so gut
wie nicht in Erscheinung treten. Auf diese Weise kann der gesamte Wert eines mit
den vorliegenden Bezugsmaterialien ausgestatteten Fahrzeuges wesentlich länger erhalten
werden. Insbesondere eigenen sich die vorliegenden Bezugsmaterialien
neben der Verwendung als Sitzbezüge für Fahrzeugsitze auch überall dort in Fahrzeugen,
wo Fahrzeugausstattungen, wie z. B. Lenkräder, Haltegriffe, Türverkleidungstafeln,
Schalttafeln, Armaturen, Schaltknöpfe etc., häufig angefasst und benutzt werden.
Dadurch, dass solche Ausstattungen dann, wenn sie mit den erfindungsgemäßen Bezugsmaterialen
bezogen sind, von Haus aus schon in einem gewissen Maß benutzt erscheinen werden
während des eigentlichen Gebrauchs z. B. auch durch die Einwirkung von Feuchtigkeit
oder Schweiß eintretende Auswirkungen der Benutzung nicht oder kaum wahrgenommen.
Die im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung auf dem Fahrzeuggebiet
insbesondere als Sitzbezüge verwendeten Ledermaterialien besitzen ein ästhetisches
Äußeres, wie es beispielhaft die 1 zeigt. Das optische
Bild dieser Sitzbezüge ist durch farbliche Unregelmäßigkeiten und Inhomogenitäten
gekennzeichnet, die den Eindruck eines bereits gebrauchten Ledermaterials vermitteln.
Die Herstellung des vorliegenden Ledermaterials erfolgt gemäß
2 vorzugsweise durch ein Verfahren, bei dem in einem
ersten Schritt 1 das sogenannte "wetblue" getrocknet wird. Danach wird das getrocknete
"wetblue" in einem zweiten Schritt 2 in einem Behältnis, insbesondere einem Fass,
gemillt, wobei bei der Rotation des Fasses das "wetblue" gefaltet bzw. geknittert
wird. Die Oberflächenbeschaffenheit des "wetblue" wird beim Millen derart verändert,
dass im Bereich der Knitter und Falten eine größere Streckung bzw. Dehnung auftritt,
wobei gleichzeitig beim Schritt 3 zugegebene flüssige Färbemittel mehr exponiert
sind als die sonstigen Bereiche des "wetblue". Aus diesem Grunde können die Farbstoffe
des Färbemittels zum einen die Knitter- bzw. Faltenbereiche besser erreichen und
zum anderen besser in die gestreckten bzw. gedehnten Knitter- bzw. Faltenbereiche
eindiffundieren. Dies hat zur Folge, dass die Knitter- bzw. Faltenbereiche dunkler
erscheinen als die restlichen Bereiche. Dadurch wird dem "wetblue" der genannte
optische Eindruck verliehen, der künstlich den Eindruck einer bereits erfolgten
Benutzung bzw. eines bereits erfolgten Gebrauchs und daher einer Individualität
vermittelt.
Danach wird dem so behandelten Fleckleder in einem weiteren Färbeschritt
die sogenannte Grundfärbung verliehen, wobei eine flächige Harmonisierung durch
Überlagerung der Fleckfärbung und der Grundfärbung herbeigeführt wird. Die finale
Grundfärbung kann in einem eigenen Färbefaß oder in auch in dem Millfaß erfolgen,
in dem die Fleckfärbung ausgeführt wurde. Die Temperatur liegt dabei höher als die
Temperatur des Fleckfärbens.
Insbesondere eignen sich die vorliegenden Bezugsmaterialien zur Verwendung
als Sitzbezüge bei Fahrzeugen, wie insbesondere Off-Road-Fahrzeugen, landwirtschaftlichen
Fahrzeugen, wie z. B. Traktoren etc., deren Käufer auf Individualität, Wildheit,
Urigkeit etc. wert legen. Zur Anpassung an mit den vorliegenden Bezugsmaterialien
bezogene Fahrzeugsitze können damit vorteilhaft auch andere Ausstattungselemente
eines Fahrzeuges, die insbesondere einer großen Benutzung unterliegen, wie z. B.
Lenkräder, Türgriffe, Schalthebel, Schaltknöpfe, Armaturen, Schalttafeln etc. mit
dem Bezugsmaterial bezogen werden.
Das gesamte Interieur eines Fahrzeuges kann zur Erreichung einer modischen
Eleganz und Harmonie auf den hellen oder dunklen Farbton des vorliegenden Bezugsmaterials,
insbesondere der vorliegenden Sitzbezüge, abgestimmt werden.
Es ist denkbar, das vorliegende Bezugsmaterial in den unterschiedlichsten
Hell-Dunkel-Farbkombinationen herzustellen. Dabei erfolgt die Einfärbung nach der
Fleckfärbung bei der Grundfärbung vorzugsweise benutzerspezifisch. Beispielsweise
erfolgt die Einfärbung für Jeansträger nach der schwarzen Fleckfärbung. in der Farbe
Blau. Dies ist vorteilhaft, weil Jeans häufig abfärben und diese Abfärbungen dann
nicht sichtbar in Erscheinung treten. Allgemein ausgedrückt kann die Grundfärbung
in Abhängigkeit von der beim Gebrauch zu erwartenden Verschmutzung ausgesucht bzw.
ausgelegt werden.
Gemäß 3, die das an sich bekannte Prinzip
der Lederherstellung zeigt, werden die Rohhäute z. B. in rotierenden Fässern zuerst
einer Weiche (Schritt A) unterworfen, wobei sie den durch Konservierung verlorengegangenen
Wassergehalt der schlachtfrischen Haut zurückgewinnen und zugleich von Konservierungsmitteln
und Verunreinigungen freigewaschen werden. Es folgt eine Faßoder Haspelbehandlung
mit haarzerstörenden Mitteln (Schritt B: Äscher). Die enthaarten Blößen werden nach
dem Spalten (Schritt C) im Haspel durch kombiniertes Entkalken und Beizen (Schritt
D) neutralisiert und dadurch in den Quellungszustand der geweichten Haut zurückversetzt.
Anschließend erfolgt die Gerbung (ebenfalls Schritt D). Das chromgegerbte "wetblue"
wird durch Abwelken getrocknet (Schritt F) und gefalzt bzw. auf gleiche Dicke gebracht
(Schritt G). Normalerweise wird das "wetblue" danach gefärbt (Schritt I), getrocknet
(Schritt K), und schließlich zugerichtet (Schritte L und M).
Die im Zusammenhang mit der Herstellung des erfindungsgemäßen Bezugsmaterials
ausgeführten Schritte der 2 sind in der 3
dargestellt und mit H1, H2 und H3 bezeichnet. Dabei folgt der Schritt H1, bei dem
das "wetblue" nach dem Falzen noch einmal getrocknet wird, nach dem Schritt G. In
der dargestellten Reihenfolge werden die Schritt H1, H2 und H3 entsprechend den
Schritten 1, 2 und 3 der 2 ausgeführt. Es wird dann
mit dem Schritt I fortgefahren, bei dem die zuvor erläuterte Grundfärbung erfolgt.