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Dokumentenidentifikation DE10220972A1 05.02.2004
Titel S-(-)-Liponsäure zur Behandlung von Depressionen
Anmelder Pro Science Private Research Clinic GmbH Medizinische Forschung und Entwicklung, 35440 Linden, DE
Erfinder Dimpfel, Wilfried, Prof. Dr., 35440 Linden, DE
Vertreter HOFFMANN · EITLE, 81925 München
DE-Anmeldedatum 10.05.2002
DE-Aktenzeichen 10220972
Offenlegungstag 05.02.2004
Veröffentlichungstag im Patentblatt 05.02.2004
IPC-Hauptklasse A61K 31/385
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von S(-)-Liponsäure oder ihren pharmazeutisch annehmbaren Salzen zur Herstellung eines Arzneimittels für die Verabreichung von Wirkstoffmengen an S(-)-Liponsäure von 50 mg pro Tag oder mehr zur Behandlung von Depressionen.

Beschreibung[de]
Technisches Gebiet

Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von S-(–)-Liponsäure sowie deren pharmazeutisch annehmbaren Salzen zur Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung von Depressionen.

Liponsäure, auch als [5-(1,2-Dithiolan-3-yl-)-pentansäure oder Thioctsäure® bekannt, hat die folgende allgemeine Formel:

Aufgrund des asymmetrischen Kohlenstoffatoms ist die Liponsäure optisch aktiv, d.h. es gibt zwei enantiomere Formen dieser Verbindung.

Liponsäure ist in Form des R-Enantiomers in Pflanzen und Tieren weit verbreitet. Sie wirkt in vielen enzymatischen Reaktionen als Coenzym, stellt einen Wachstumsfaktor für manche Bakterien und Protozoen dar und wird bei Knollenblätterpilz-vergiftungen eingesetzt.

DE 42 20 851 A1 offenbart die Verwendung von Verbindungen einer allgemeinen Formel, die Liponsäure umfasst, zur Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung von pathophysiologisch bedingten Erregungsstörungen und von hierdurch bedingten Erkrankungen sowie von allergischen Erkrankungen.

Derzeit ist Liponsäure in ihrer racemischen Form als Arzneimittel für folgende Indikationen auf dem Markt: Fettleber und Fettzirrhose (insbesondere bedingt durch Alkohol), durch Pilzvergiftung verursachte Leberschädigung, diabetische Neuropathie und alkoholische Neuropathie.

K.-H. Boysen berichtet über Erfahrungen mit dem Präparat Thioctacid (Liponsäure) auf einer psychiatrischen Station (K.-H. Boysen "Erfahrungen mit dem Präparat Thioctacid auf einer psychiatrischen Station", (1967) Med. Welt, 395–400). Seinem Bericht zufolge wurde bei Patienten mit endogenen Depressionen (Involutionsdepression), die mit 150 mg Amitryptylin als Antidepressivum behandelt wurden, nach zusätzlicher Gabe von 25 mg Liponsäure eine Abnahme der bekannten Nebenwirkungen des Amitryptylins, wie Schläfrigkeit, Trockenheitsgefühl im Mund und Schwindelzustände, beobachtet. Liponsäure wird daher als geeignete Subsidiärtherapie bei endogenen Depressionen vorgeschlagen, die eventuell die Remissionsphase abkürzen könnte. Bei hypochondrischen Depressionen wurde kein klinischer Effekt der Liponsäure im Hinblick auf eine Reduktion der Nebenwirkungen beobachtet.

M.R. Salazar (siehe M.R. Salazar "Alpha Lipoic Acid: A Novel Treatment for Depression", Medical Hypotheses (2000), 55(6), 510–512) erwähnt die hypothetische Möglichkeit, dass Liponsäure als Ergänzung zu Nahrungsmitteln bei der Behandlung von Depressionen nützlich sein könnte, ohne jedoch Testergebnisse vorzuweisen. Seine Annahme beruht darauf, dass viele an Depressionen leidende Menschen gegen Insulin resistent sind, und daher die Erhöhung der Insulin-Empfindlichkeit eine Strategie zur Behandlung von Depressionen sein könnte. Aus der Literatur ist bekannt, dass das R-(+)-Enantiomer der Liponsäure eine die Insulin-Empfindlichkeit erhöhende Wirkung besitzt (R.S. Streeper, E.J. Henriksen, J.Y. Hokama, D.L. Fogt, H.J. Tritschler "Differential Effects of Lipoic Acid Stereoisomers on Glucose Metabolism in Insulin-Resistant Skeletal Muscle", Am. J. Physiol. (1997), 273, 185–191).

Eine direkte im Gehirn ansetzende Wirkung der Liponsäure, die bei der Behandlung von Depressionen nützlich sein könnte, wird bei M.R. Salazar nicht erwähnt. Die von M.R. Salazar vorgeschlagene Verwendung der Liponsäure als Nahrungsergänzungsmittel, d.h. zusätzlich zur eigentlichen Behandlung mit herkömmlichen antidepressiv wirkenden Arzneimitteln, bedingt im allgemeinen geringe Mengen dieser Säure, die zur Behandlung von Depressionen nicht geeignet sind.

Die derzeit üblichen Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen sind unzufriedenstellend, da sie meist schwerwiegende Nebenwirkungen besitzen. So haben viele antidepressiv wirkende Arzneimittel Kreislaufnebenwirkungen, da sie das cholinerge Transmittersystem beeinflussen. Es besteht daher ein großer Bedarf nach einem verbesserten Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen, insbesondere eines Arzneimittels mit einer guten Wirksamkeit bei gleichzeitig geringeren Nebenwirkungen als bei den bekannten Arzneimitteln.

Zusammenfassung der Erfindung

Diese Aufgabe wurde überraschenderweise durch die Verwendung von S-(–)-Liponsäure bzw. deren pharmazeutisch annehmbaren Salzen als Wirkstoff für die Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung von Depressionen gelöst. Aus Erfahrungen mit der Gabe des Racemats ist die sehr gute Verträglichkeit der Liponsäure bekannt.

Kurze Beschreibung der Abbildungen

1 zeigt die Veränderungen der EEG-Frequenzen bei der Ratte nach Gabe klassischer Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen im Vergleich zu S-(–)-Liponsäure.

2 zeigt die zeitabhängigen Veränderungen der EEG-Frequenzen bei der Ratte nach Gabe von S-(–)-Liponsäure.

3 zeigt eine Diskriminanzanalyse der EEG-Frequenzänderungen nach Gabe von Medikamenten für unterschiedliche Indikationen.

4 zeigt schematisch die Anordnung der Reiz- und Ableitelektrode im Hippokampus-Schnittpräparat bei der Ratte.

5 zeigt die dosisabhängige gegensätzliche Wirkung der beiden Enantiomere der Liponsäure auf die Auslösung der Langzeitpotenzierung der Pyramidenzellen im Hippokampus-Schnittpräparat der Ratte.

Detaillierte Beschreibung der Erfindung

Bei Untersuchungen der Veränderungen der EEG-Frequenzen der Ratte nach Gabe von S-(-)-Liponsäure sowie der Langzeitpotenzierung am Hippokampus-Schnittpräparat in Gegenwart von S-(–)- bzw. R-(+)-Liponsäure wurde überraschenderweise gefunden, dass das S-(–)-Enantiomer der Liponsäure eine Wirkung im Gehirn besitzt, die bei der Behandlung von Depressionen nützlich ist.

Das S-(–)-Enantiomer der Liponsäure zeigt überraschenderweise im Modell Tele-Stereo EEG bei Ratten Veränderungen der EEG-Frequenzen, wie sie nach Gabe klassischer Antidepressiva in diesem Modell beschrieben wurden (W. Dimpfel, M. Spüler, H.O. Borbe "Monitoring of the Effects of Antidepressant Drugs in the Freely Moving Rat by Radioelectroenzephalography (Tele-Stereo-EEG", Neuropsychobiology (1988), 19, 116–120). Die Veränderungen der EEG-Frequenzen, wie sie nach Gabe klassischer Antidepressiva auftraten, sind in 1 gezeigt. Im Vergleich dazu zeigt 2 die Veränderungen der EEG-Frequenzen nach Gabe von S-(–)-Liponsäure wie sie gemäß Beispiel 1 gemessen wurden. Aus der in 3 gezeigten Diskriminanzanalyse ist offensichtlich, dass sich der charakteristische "Fingerprint", der für die klassischen Antidepressiva kennzeichnend ist, auch im Muster der S-(–)-Liponsäure in signifikanter Weise wiederfindet. Aus der Erkenntnis, dass S-(–)-Liponsäure die gleichen charakteristischen Veränderungen der EEG-Frequenzen hervorruft wie übliche antidepressive Arzneimittel, kann gefolgert werden, dass S-(–)-Liponsäure bei der Behandlung von Depressionen wirksam und nützlich ist.

Zusätzlich wurden Untersuchungen am Modell Hippokampus-Schnittpräparat in vitro durchgeführt. In diesen Untersuchungen wurde überraschenderweise gefunden, dass S(–)-Liponsäure eine Unterdrückung der "Langzeitpotenzierung" hervorruft (siehe 5). Dieses Phänomen wurde für andere antidepressiv wirkende Arzneimittel in der Literatur bereits berichtet (siehe z.B. Y. Watanabe, H. Saito, K. Abe "Tricyclic Antidepressants Block NMDA Receptor-Mediated Synaptic Responses and Induction of Long-Term Potentiation in Rat Hippocampus Slices", Neuropharmacology (1993), 32(5), 479–486; J. M. Langosch, J. Walden "Effects of the Atypical Antidepressant Trimipramine on Neuronal Excitability and Long-Term Potentiation in Guinea Pig Hippocampal Slices", Prog. Neuropsychopharmacol. Biol. Psychiatry (2002), 26(2), 299–302; G. Massicotte, J. Bernard, M. Ohayon "Chronic Effects of Trimipramine, an Antidepressant, on Hippocampal Synaptic Plasticity", Behav. Neural. Biol. (1993), 59(2), 100–106). Von C.A. Stewart und I.C. Reid wurde berichtet, dass die Beeinflussung der Langzeitpotenzierung mit der Beeinflussung der Affektivität bei depressiven Patienten in Zusammenhang steht (siehe C.A. Stewart, I.C. Reid "Repeated ECS and Fluoxetine Administration Have Equivalent Effects on Hippocampal Synaptic Plasticity", Psychopharmacology (2000), 14, 217–223.

Im gleichen Modell hat das R-(+)-Enantiomer der Liponsäure gerade eine gegenteilige Wirkung (siehe 5).

Erfindungsgemäß wird Liponsäure in ihrer S-(–)-Form eingesetzt. Dieses Enantiomer besitzt die folgende Formel:

Die S-(–)-Liponsäure kann erfindungsgemäß auch in Form ihrer pharmazeutisch annehmbaren Salze eingesetzt werden. Die Herstellung solcher Salze erfolgt in an sich bekannter Weise. Als Salzbildner kommen alle üblichen pharmazeutisch annehmbaren Basen bzw. Kationen in Frage. Beispiele für solche Salze schließen Alkali- oder Erdalkalimetallsalze, wie z.B. Natrium-, Kalium- und Magnesiumsalze; Ammoniumsalze; Salze mit basischen Aminosäuren, wie Arginin und Lysin; Salze mit Aminen, wie Mono- und Diethanolamin, 1-Amino-2-Propanol, 3-Amino-1-Propanol; Alkylendiaminen, wie Ethylendiamin oder Hexamethylentetraamin; gesättigten zyklischen Aminoverbindungen mit vier bis sechs Ringkohlenstoffatomen, wie Piperidin, Piperazin, Pyrrolidin, Morpholin; ein.

Die erfindungsgemäßen Arzneimittel sind zur Verabreichung von 50 mg S-(–)-Liponsäure pro Tag oder mehr, bevorzugt 100 mg S-(–)-Liponsäure pro Tag oder mehr, hergerichtet.

Die erfindungsgemäßen, S-(–)-Liponsäure als Wirkstoff enthaltenden Arzneimittel werden bevorzugt oral verabreicht. Es ist jedoch auch eine Verabreichung auf anderem Wege, z.B.

peroral, topisch, parenteral, intravenös, intramuskulär, subkutan, nasal, inhalativ, rektal, transdermal möglich.

Zur Verabreichung kann das erfindungsgemäße Arzneimittel, das als Wirkstoff S-(–)-Liponsäure enthält, z.B. in Form von Tabletten, Kapseln, Pillen, Dragees, Granulaten, Suppositorien, Pellets, Lösungen oder Dispersionen formuliert werden, wobei der Wirkstoff optional mit pharmazeutisch annehmbaren Hilfs- und Trägerstoffen kombiniert werden kann.

Liegt das erfindungsgemäße Arzneimittel in Form einer Lösung vor, so enthält diese bevorzugt 0,5 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 1 bis 10 Gew.-% des Wirkstoffs.

Die erfindungsgemäßen Arzneimittel, die S-(–)-Liponsäure als Wirkstoff enthalten, werden normalerweise gemäss herkömmlichen Methoden hergestellt und in einer pharmazeutisch geeigneten Form verabreicht.

Zum Beispiel können die festen oralen Formen zusammen mit dem Wirkstoff Streckstoffe, z.B. Lactose, Dextrose, Saccharose, Cellulose, Maisstärke oder Kartoffelstärke; Gleitmittel, z.B. Silicat, Talk, Stearinsäure, Magnesium- oder Calciumstearat und/oder Polyethylenglykole; Bindemittel, z.B. Stärken, Gummi arabicum, Gelatine, Methylcellulose, Carboxymethylcellulose oder Polyvinylpyrrolidon; Aufschlussmittel, z.B. Stärke, Alginsäure, Alginate oder Natriumstärkeglykolate, aufschäumende Mischungen; Farbstoffe; Süßungsmittel; Benetzungsmittel, wie Lecithin, Polysorbate, Laurylsulfate; und im allgemeinen nicht-toxische und pharmakologisch inaktive Substanzen, die in pharmazeutischen Formulierungen verwendet werden, enthalten.

Die pharmazeutischen Zubereitungen können in bekannter Weise hergestellt werden, z.B. mittels Mischen, Granulieren, Tablettieren, Zuckerbeschichtungs- oder Überzugsbeschichtungsverfahren.

Die flüssigen Dispersionen zur oralen Verabreichung können z.B. Sirupe, Emulsionen und Suspensionen sein.

Der Sirup kann als Träger z.B. Saccharose oder Saccharose mit Glycerin und/oder Mannitol und/oder Sorbitol enthalten.

Die Suspensionen und die Emulsionen können als Träger z.B. ein natürliches Harz, Agar, Natriumalginat, Pectin, Methylcellulose, Carboxymethylcellulose oder Polyvinylalkohol enthalten.

Die Suspensionen oder Lösungen für intramuskuläre Injektionen können zusammen mit dem Wirkstoff einen pharmazeutisch annehmbaren Träger, z.B. steriles Wasser, Olivenöl, Ethyloleat, Glykole, z.B. Propylenglykol, und, falls gewünscht, eine geeignete Menge an Lidocain-Hydrochlorid enthalten.

Die Lösungen zur intravenösen Injektion oder Infusion können als Träger z.B. steriles Wasser enthalten oder sie können bevorzugt in Form von sterilen, wässrigen, isotonischen Salzlösungen vorliegen.

Die Suppositorien können zusammen mit dem Wirkstoff einen pharmazeutisch annehmbaren Träger, z.B. Kakaobutter, Polyethylenglykol, einen Polyoxyethylensorbitol-Fettsäureester oder Lecithin enthalten.

Zusammensetzungen für die topische Applikation, z.B. Cremes, Lotionen oder Pasten, können durch Mischen des Wirkstoffs mit einem herkömmlichen ölhaltigen oder emulgierenden Träger hergestellt werden.

Die Dosierungseinheit des Arzneimittels kann beispielsweise enthalten:

  • a) bei peroralen Arzneiformen:

    bevorzugt 100 bis 1000 mg, besonders bevorzugt 200 bis 400 mg, Wirkstoff pro Einzeldosis. Die Tagesdosis kann beispielsweise in 1 bis 3 Einzeldosen, vorzugsweise in einer Einzeldosis, täglich verabreicht werden.
  • b) bei parenteralen Arzneiformen (zum Beispiel intravenös, intramuskulär):

    bevorzugt 100 bis 300 mg, besonders bevorzugt 100 bis 200 mg, Wirkstoff pro Einzeldosis. Die Tagesdosis kann beispielsweise in 1 bis 3 Einzeldosen, vorzugsweise in einer Einzeldosis, täglich verabreicht werden.
  • c) bei Arzneiformen zur rektalen Applikation:

    100 bis 400 mg, vorzugsweise 200 bis 300 mg Wirkstoff, pro Einzeldosis. Die Tagesdosis kann beispielsweise in 1 bis 3 Einzeldosen, vorzugsweise in 2 Einzeldosen, täglich verabreicht werden.
  • d) bei Arzneiformen zur Applikation auf die Haut und Schleimhäute (z.B. Lösungen, Lotionen, Emulsionen, Salben usw.):

    100 bis 600 mg Wirkstoff, vorzugsweise 200 bis 400 mg, pro Einzeldosis. Die Tagesdosis kann beispielsweise in 1 bis 6, vorzugsweise 1 bis 4, insbesondere 1 bis 3, Einzeldosen täglich verabreicht werden.

Die angegebenen Gewichtsmengen beziehen sich jeweils auf die freie Säure. Bei Verwendung eines pharmazeutische annehmbaren Salzes muss die verwendete Menge in dem Fachmann bekannter Weise entsprechend angepasst werden.

Testverfahren 1 ((Tele-Stereo-EEG) Die Veränderungen der EEG-Frequenzen nach Gabe von Salzlösung (Kontrolle) bzw. einer Dosis von S-(–)-Liponsäure (70 mg/kg Körpergewicht) wurden bestimmt.

Die Untersuchungen wurden analog der durch W. Dimpfel et al. (W. Dimpfel, M. Spüler, H.O. Borbe "Monitoring of the Effects of Antidepressant Drugs in the Freely Moving Rat by Radioelectroenzephalography (Tele-Stereo-EEG)", Neuropsychobiology (1988), 19, 116–120) beschriebenen Methode folgendermaßen durchgeführt:

8 Männlichen erwachsenen Fischer-344 Ratten (Tag-Nacht konvertiert) wurden im Alter von 4 bis 5 Monaten 4 bipolar konzentrische Elektroden zusammen mit einem Mikrostecker auf einer gemeinsamen Basisplatte implantiert. Der Stecker diente der Aufnahme eines 4-Kanal-Senders zur telemetrischen Übertragung der aus frontalem Kortex, Hippokampus, Striatum und Formatio Reticularis abgeleiteten Feldpotentiale. Die Signale wurden auf einem Computer System (Software "EEG-Analyse", Betriebsystem OS Science, Laborrechner "LabTeam" der Firma MediSyst, Linden DE) in Echtzeit einer Fast-Fourier-Transformation unterworfen und die Leistungsdichtespektren jeweils über 15 bis 60 Minuten Bemittelt. Die Unterteilung der Spektren in 6 verschiedene Frequenzbereiche erlaubte die Erfassung pharmakospezifischer Veränderungen in Bezug auf die jeweils vor der Applikation gemessenen Vorwerte innerhalb dieser Frequenzbänder.

Zum Applikationsprotokoll der Substanzen: Die Substanzen wurden i.p. 45 Minuten nach Beginn der Messungen (Vorwert) injiziert. Fünf Minuten später wurden die Messungen wieder gestartet, mindestens über die nächsten 5 Stunden kontinuierlich analysiert und in 15-minütigen Perioden zusammengefasst. Die Testsubstanz wurde in einer Dosierung von 70 mg/kg appliziert. Die experimentelle Serie wurde mit der Injektion von Salzlösung (Kontrolle) begonnen.

Der statistische Vergleich der Versuche erfolgte mit Hilfe einer multivariaten Analyse nach Ahrens und Läuter (siehe H. Ahrens, J. Läuter "Mehrdimensionale Varianzanalyse" (1974), Akademie Verlag, Berlin) auf der Basis der Veränderungen innerhalb der einzelnen Frequenzbänder in allen Hirnregionen als Variablen.

Die Verabreichung von Salzlösung führte nur zu geringfügigen Veränderungen in der elektrischen Aktivität (&mgr;V2/&OHgr;) im Vergleich zu den Vorphasenwerten.

Bereits in der ersten Stunde nach Verabreichung des S-(–)-Enantiomers von Liponsäure wurde ein Abfall bei allen Frequenzen beobachtet, mit Ausnahme eines nur geringen Abfalls der Thetawellen im Striatum. Während der nächsten Stunde dominierte der Abfall bei allen Frequenzen das Spektrum der Veränderungen auf eine sehr charakteristische Weise (2). Die Veränderungen waren statistisch mindestens signifikant auf dem P < 5 %-Level.

Die i.p. Verabreichung von S-(–)-Liponsäure als Einzeldosis führt zu Veränderungen der elektrischen Gehirnaktivität bei den Testtieren, die ein statistisch signifikantes Niveau im Vergleich zu Salzlösung (0,9% NaCl-Lösung) in allen Hirngebieten und bei allen Frequenzen erreichen. Diese Muster korrelieren in signifikanter Weise mit den Mustern, die für andere antidepressive Arzneimittel kennzeichnend sind ("Fingerprint"); nicht jedoch mit den Mustern, die bei Medikamenten für andere Indikationen auftreten.

Die beobachteten Frequenzänderungen wurden mittels einer Diskriminanzanalyse mit den Ergebnissen mit herkömmlichen antidepressiv wirkenden Arzneimitteln sowie Arzneimitteln für andere Indikationen verglichen. Es wurden folgende Arzneimittel verwendet: 70 mg/kg S-(–)-Liponsäure ((–)-Lipons), 2 mg/kg Paroxetin (Parox), 10 mg/kg Imipramin (Imip), 10 mg/kg Amitryptilin (Ami), 1 mg/kg Nomifensin (Nomif), 5 mg/kg Mianserin (Mians), 40 mg/kg Fluvoxamin (Fluvox), 0.5 mg/kg Diazepam (Diazep), 0.5 mg/kg Midazolam (Midazo), 60 mg/kg Phenobarbital (Pheno), 60 mg/kg Meprobamat (Mepro), 0.5 mg/kg Chlorpromazin (Chlorp), 0.25 mg/kg Midalozam (Halop), 1 mg/kg Phenobarbital (Prothi), 3 mg/kg Meprobamat (Cloza), 10 mg/kg Thioridazin (Thiorida) 30 mg/kg Gabapentin (Gabap), 15 mg/kg Carbamazepin (Carba), 75 mg/kg Valproat (Valpro), 6 mg/kg Phenytoin (Pheny). Die Ergebnisse sind in 3 dargestellt.

Testmethode 2 (Langzeitpotenzierung im Hippokampus-Schnittpräparat in vitro)

Die Wirkungen der beiden Enantiomere (S-(–)-Enantiomer und R-(+)-Enantiomer) der Liponsäure auf die Langzeitpotenzierung der Pyramidenzellen im Hippokampus-Schnittpräparat der Ratte wurde bestimmt.

Für die Durchführung dieser Studie wurden 17 erwachsene männliche CD-Ratten verwendet. Die Isolation des Hippokampus erfolgte an äthernarkotisierten und anschließend exsanguinierten Tieren. In Phosphat-gepufferter Salzlösung (NaCl: 124 mM; KCl: 5 mM; CaCl2: 2 mM; MgSO4: 2 mM; NaH2PO4: 1,25 mM; NaHCO3: 26 mM; Glucose: 10 mM; Kontroll-Lösung: künstliche Zerebral-Spinal-Flüssigkeit (ASCF, artificial cerebral spinal fluid); alle von der Firma Roth, Karlsruhe DE) wurde der mittlere Teil des Hippokampus mit Hilfe eines Schnellklebers auf geblockt und mit einem Vibratom (Rhema Labortechnik) in 400 &mgr;m dicke Scheiben geschnitten. Die Aufbewahrung dieses Hippokampusschnittes erfolgte für mindestens 1 Stunde vor Versuchsbeginn (siehe S.J. Schiff, G.G. Somjen "The Effects of Temperature on Synaptic Transmission in Hippocampal Tissue Slices" Brain Research (1985), 345, 279–284) in einer mit Carbogen durchperlten Inkubationskammer.

Das Experiment selbst wurde in einer sog. "Base Unit mit Haas Top" (Firma Medical Systems Corp.) bei 35°C durchgeführt. Der mit Hilfe peristaltischer Pumpen (Infusomat, B. Braun Melsungen AG) superfundierte Hippokampusschnitt lag auf einem Stück Gaze. Eingeleitetes Carbogen hielt die erforderliche Sauerstoffzufuhr der Lösung aufrecht. Die Durchflussgeschwindigkeit betrug 200 ml/h.

Die Stimulation der CA2-Region erfolgte unter Verwendung eines Reizgenerators (Laborcomputer Labteam) über eine Isoliereinheit und mit Hilfe einer bipolar konzentrischen Stahlelektrode (Rhodes Medical Systems, USA). Die Anordnung der Ableit- 1 und der Reizelektrode 2 im Gehirn der Ratten ist in 4 gezeigt. Die Impulsbreite betrug 200 &mgr;s, die Stromstärke konstant 200 &mgr;A. Der Reizgenerator löste im Abstand von jeweils 20 Sekunden 4 Einzelreizungen aus, die im Hippokampusschnitt insgesamt 4 Populationsspikes evozierten. Das System mittelte die Reizantwort der 4 Spike-Amplituden.

Die Wirkung der beiden einzelnen Substanzen auf das evozierte Potential wurde nach Einzelreizung wie auch nach Induktion der Langzeitpotenzierung durch einen kurzdauernden (1 s) tetanischen Reiz (90 Hertz) untersucht (siehe K.G. Reymann, H.K. Matthies, U. Frey, VS Vorobyev, H. Matthies "Calcium-Induced Long-Term Potentiation in the Hippocampal Slice" Characterization of the Time Course and Conditions", Brain Research Bulletin (1986), 17, 291–296). Dabei wurde der Schnitt zunächst mit Kontrollösung superfundiert. Nach Auffinden eines geeigneten Signals und Registrierung dieses Ausgangssignals während mehrerer Zeitpunkte wurde anstelle der Kontrollösung auf Liponsäure-haltige Lösung (S-(–)-Enantiomer bzw. R-(+)-Enantiomer) umgeschaltet. Jeder Schnitt wurde jeweils nur zu einem Experiment benutzt. Werte werden für N = 6 Schnitte ± S.E.M angegeben.

Die Ableitung der evozierten Antwort erfolgte in 10-minütigem Abstand extrazellulär mit einer gezogenen Glaskapillare (Elektrodenpuller, Rhema Labortechnik). Das Antwortsignal wurde verstärkt (Verstärker "LMI", List-Electronics, Darmstadt DE) mit einem Laborrechner-System Labteam (Software NeuroTOOL, MediSyst GmbH, Linden DE) analog-digital gewandelt (Auflösung 12 Bit) und ausgewertet. Nach Auffinden eines geeigneten Signals (Amplitudenhöhe von ca. 1 mV) wurde die Amplitudenhöhe des Populationsspikes (SAP = Summenaktionspotential; Popspike) als Ausganggröße festgelegt. Dieser Referenzwert ergab sich aus dem Mittelwert der letzten 3 gemessenen Amplitudenhöhen unter ACSF Lösung (Ausgangswert). Danach erfolgte eine kurzfristige tetanische Reizung (theta-Stimulus) zur Induktion der Potenzierung. Hieraus resultierende Amplitudenänderungen wurden in % dieses Ausgangswertes (n = 6) ± S.E.M angegeben. Jeder Schnitt wurde nur zu einem Experiment benutzt. Werte in Gegenwart der Testsubstanz sind in % Reduktion dieses Referenzwertes angegeben.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind in 5 gezeigt. Die Zugabe des R-(+)-Enantiomers der Liponsäure (?) zur Superfusionsflüssigkeit führte konzentrationsabhängig zu einer deutlichen Zunahme der Amplitude der Populationsspikes. Im Gegensatz dazu unterdrückte das S-(–)-Enantiomer (?) die Langzeitpotenzierung konzentrationsabhängig in einem Konzentrationsbereich von 100 bis 300 &mgr;M/L.


Anspruch[de]
  1. Verwendung von S(–)-Liponsäure oder ihren pharmazeutisch annehmbaren Salzen zur Herstellung eines Arzneimittels für die Verabreichung von Wirkstoffmengen an S-(–)-Liponsäure von 50 mg pro Tag oder mehr zur Behandlung von Depressionen.
  2. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Arzneimittel zusätzlich pharmazeutisch annehmbare Träger, Hilfs- und/oder Verdünnungsmittel enthält.
  3. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, zur Herstellung eines Arzneimittel zur oralen Verabreichung.
  4. Verwendung nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, zur Herstellung eines Arzneimittels zur 1 bis 3-mal täglichen Verabreichung.
  5. Verwendung nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, zur Herstellung eines Arzneimittels zur Verabreichung einer Wirkstoffmenge von 100 mg pro Tag oder mehr.
Es folgen 4 Blatt Zeichnungen






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