Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Cyanwasserstoff
durch autotherme, nicht-katalytische Oxidation stickstoffhaltiger Kohlenwasserstoffe
in einer Flamme.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur stofflichen Verwertung
von Rückständen, die organisch gebundenen Stickstoff enthalten, bereitzustellen.
Gelöst wird die Aufgabe durch ein Verfahren zur Herstellung von Cyanwasserstoff
durch autotherme, nicht-katalytische Oxidation von einem oder mehreren stickstoffhaltigen
Kohlenwasserstoffen oder einem stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoffgemisch, bei
dem die stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoffe, ein sauerstoffhaltiges Gas, gegebenenfalls
Ammoniak, gegebenenfalls Wasser, gegebenenfalls ein Stickoxide enthaltendes Gas
und gegebenenfalls weitere, sich im wesentlichen inert verhaltende Einsatzgasbestandteile
in eine Flammreaktionszone eingebracht werden, in der Flammreaktionszone und einer
Nachreaktionszone bei einer Temperatur von 1000 bis 1800 °C während einer Reaktionszeit
von 0,03 bis 0,3 s zu einem Spaltgas, enthaltend mindestens die Bestandteile Cyanwasserstoff,
Kohlenstoffoxide, Wasserstoff, Wasser, Ammoniak, Stickstoff, leichte Kohlenwasserstoffe
und gegebenenfalls weitere Spaltgasbestandteile reagieren, wobei das atomare C/N-Verhältnis
in den Reaktionszonen von 1 bis 7 beträgt und die atomare Luftzahl &lgr;ato
< 0,6 ist, das Spaltgas abgekühlt und aufgetrennt wird.
Die Flammreaktionszone ist die Reaktionszone, in der typischerweise
ca. 95 % Brennstoff oder Oxidator umgesetzt werden. Die Flammreaktionszone ist durch
Lichtemissionen im sichtbaren Bereich gekennzeichnet und ist ohne weiteres optisch
detektierbar. Es schließt sich erfindungsgemäß eine Nachreaktionszone an.
Die autotherme, nicht-katalytische Oxidation der stickstoffhaltigen
Kohlenwasserstoffe kann in Gegenwart oder in Abwesenheit von zusätzlich in die Flamme
eingebrachtem Ammoniak durchgeführt werden. Durch den Zusatz von Ammoniak kann ein
bestimmtes C/N-Verhältnis in dem Reaktionsgemisch eingestellt werden.
Um eine befriedigende HCN-Ausbeute zu erreichen, sollte das atomare
C/N-Verhältnis in der Flamme von 1 bis 7 betragen. Ist das atomare C/N-Verhältnis
in dem oder den eingesetzten stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoffen > 7, so ist
im allgemeinen der Zusatz von Ammoniak erforderlich, um das C/N-Verhältnis auf einen
Wert kleiner oder gleich 7 abzusenken. Liegt das atomare C/N-Verhältnis der eingesetzten
stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoffe im Bereich von 5 bis 7, so wird vorzugsweise
Ammoniak zugesetzt, um das C/N-Verhältnis weiter abzusenken. Liegt das atomare C/N-Verhältnis
der eingesetzten stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoffe im Bereich von 1 bis 5, können
auch ohne Zusatz von Ammoniak gute HCN-Ausbeuten erzielt werden. Besonders bevorzugt
liegt das atomare C/N-Verhältnis im Bereich von 2 bis 4, da dann eine hohe Cyanwasserstoff-Ausbeute
bezüglich des in dem Brennstoffgemisch gebundenen Stickstoff und Kohlenstoff und
eine hohe Cyanwasserstoff-Konzentration in dem Spaltgas erzielt wird.
Das atomare C/N-Verhältnis ist das Verhältnis des in den Einsatzkohlenwasserstoffen
gebundenen Gesamtkohlenstoffs zu dem in den Einsatzkohlenwasserstoffen
und gegebenenfalls in dem zugesetzten Ammoniak und in zugesetzten Stickoxiden (NO,
NO2; N2O wird nicht berücksichtigt) gebundenem Gesamtstickstoff
ohne Berücksichtigung des mit dem sauerstoffhaltigen Gas, beispielsweise Luft, eingebrachten
molekularen Stickstoffs. In den Gesamtkohlenstoff zur Berechnung des C/N-Verhältnisses
geht solcher Kohlenstoff jedoch nicht ein, der direkt an Sauerstoff gebunden ist,
wie in Methanol oder Formaldehyd. Entsprechend wird im Falle von Ethanol nur der
Methyl-Kohlenstoff berücksichtigt.
Geeignete stickstoffhaltige Einsatzkohlenwasserstoffe können bestimmte
wohldefinierte Verbindungen wie Acetonitril, Propionitril, Adiponitril oder Methylglutaronitril
sein. Geeignete stickstoffhaltige Einsatzkohlenwasserstoffe können aber auch komplexe
stickstoffhaltige Kohlenwasserstoffgemische sein. Derartige Kohlenwasserstoffgemische
fallen beispielsweise bei der Herstellung definierter stickstoffhaltiger Verbindungen
als Rückstände, beispielsweise Destillationsrückstände an. Beispiele sind bei der
Herstellung von Adipodintril, Acrylnitril, Anilin oder Isocyanaten anfallende stickstoffhaltige
Rückstände. Beispiele sind ferner Raffinerierückstände. Das erfindungsgemäße Verfahren
ist insbesondere geeignet, derartige Rückstände einer wirtschaftlichen stofflichen
Verwertung zuzuführen.
Grundsätzlich ist das erfindungsgemäße Verfahren auch geeignet, stickstofffreie
Kohlenwasserstoffe oder Kohlenwasserstoffgemische, die als Rückstände anfallen,
stofflich zu verwerten. Solche Kohlenwasserstoffe sind vorzugsweise sauerstoffarme
Kohlenwasserstoffe, beispielsweise verunreinigte Lösungsmittel wie THF oder Hexan.
Das in die Flamme eingebrachte, die Verbrennung unterhaltende sauerstoffhaltige
Gas kann beispielsweise reiner Sauerstoff, mit Sauerstoff angereicherte Luft oder
Luft sein. Bevorzugt wird als sauerstoffhaltiges Gas technischer Sauerstoff eingesetzt.
Durch die Verwendung von nahezu reinem Sauerstoff wird eine möglichst hohe Cyanwasserstofflconzentration
im Spaltgas erzielt, da keine großen Mengen an Inertgasen wie molekularer Stickstoff
in das Gasgemisch eingebracht werden. Dies erleichtert die Aufarbeitung des Spaltgases
und verbessert die thermische Verwertbarkeit des nach der Cyanwasserstoffabtrennung
verbleibenden Restspaltgases.
Für die Cyanwasserstoff-Ausbeute des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist wesentlich, dass die atomare Luftzahl &lgr;at
o < 0,6 beträgt.
Wesentlich für die Cyanwasserstoff-Ausbeute ist ferner, dass die Temperatur in der
Flamme im Bereich von 1000 bis 1800 °C liegt. Es wurde gefunden, dass chemisch
gebundener Stickstoff in fetten, das heißt sauerstoffarmen Verbrennungsgemischen
und bei hohen Temperaturen hauptsächlich zu Cyanwasserstoff reagiert. Eine Temperatur
in dem angegebenen Bereich und eine atomare Luftzahl &lgr;at
o
< 0,6 führen ferner dazu, dass in dem die Flammreaktionszone verlassenden Produktgasgemisch
leichte Kohlenwasserstoff wie Methan, Ethylen und Acetylen vorliegen. Die Gegenwart
dieser Kohlenwasserstoffe in der Nachreaktionszone wirkt dem Cyanwasserstoff-Abbau
in der Nachreaktionszone entgegen.
Die atomare Luftzahl ist wie folgt definiert:
&lgr;at
o = [O]/([H]/2 + 2 × [C])
Darin bedeuten [O], [H] und [C] den in dem Verbrennungsgemisch insgesamt
enthaltenen, gebundenen oder freien Sauerstoff, Wasserstoff bzw. Kohlenstoff.
Die Temperatur in der Flamme kann über die Sauerstoffzufuhr geregelt
werden. Eine Erhöhung der Zufuhr an molekularem Sauerstoff bewirkt auch eine Erhöhung
der Flammtemperatur. Die Flammtemperatur kann ferner durch Zugabe von Wasser geregelt
werden. Wasserzugabe bewirkt einerseits eine Abkühlung, erhöht andererseits aber
auch das Sauerstoffangebot in der Flamme und damit die atomare Luftzahl. Dadurch
wird unerwünschter Rußbildung entgegengewirkt.
In einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird Wasser
in die Flamme eingebracht. Wasser kann dampfförmig oder in flüssiger Form, beispielsweise
als Kohlenwasserstoff/Wasser-Emulsion, in die Flamme eingebracht werden. Eine besonders
gute Abkühlung wird – wegen der hohen Verdampfungsenthalpie von Wasser –
erzielt, wenn Wasser in flüssiger Form in die Flamme eingebracht wird.
Die Temperatur in der Flamme kann auch durch Zugabe von sich in der
Flamme weitgehend inert verhaltenden Gasen geregelt werden, die als thermischer
Ballast wirken und somit eine Abkühlung bewirken.
In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden sich im wesentlichen inert verhaltende weitere Einsatzgasbestandteile in
die Flamme eingebracht. Derartige Einsatzgasbestandteile sind beispielsweise Kohlenstoffoxide
(CO und CO2), molekularer Wasserstoff oder Stickstoff. Im wesentlichen
sich inert verhaltende Einsatzgasbestandteile sind solche, die sich bezüglich der
Cyanwasserstoff-Bildung im wesentlichen inert verhalten, also an den zur Cyanwasserstoff-Bildung
führenden Reaktionen nicht beteiligt sind.
Die Temperatur in der Flamme beträgt vorzugsweise von 1200 bis 1400
°C.
Zusätzlich zu den genannten Gasen können Stickoxide, d. h. Stickstoffmonoxid
oder Stickstoffdioxid enthaltende Gase in die Flame eingebracht werden. Stickoxide
werden in dem erfindungsgemäßen Verfahren mit hoher Ausbeute ebenfalls in Cyanwasserstoff
überführt. So erlaubt das erfindungsgemäße Verfahren auch die stoffliche Verwertung
von Stickstoffoxiden enthaltenden Abgasen, beispielsweise aus der Salpetersäureherstellung.
Wesentlich für die Cyanwasserstoff-Ausbeute des erfindungsgemäßen
Verfahrens ist ferner, dass die Verweilzeit des Reaktionsgasgemischs bei der Verbrennnungstemperatur
von 1000 bis 1800 °C im Bereich von 0,03 bis 0,3 s liegt. Es wurde gefunden,
dass eine längere Verweilzeit und/oder höhere Temperaturen zu einem signifikanten
Abbau von bereits gebildetem Cyanwasserstoff führt. Bei einer kürzeren Verweilzeit
und/oder niedrigeren Temperaturen ist der erzielte Umsatz hingegen unzureichend.
Beides wirkt sich ausbeutemindernd aus. Eine bestimmte Verweilzeit in dem genannten
Temperaturbereich kann durch rasche Abkühlung des bei der Verbrennung gebildeten
Spaltgases eingestellt werden.
Der oder die stickstoffhaltigen Einsatzkohlenwasserstoffe können in
flüssiger Form oder gasförmig in die Flamme eingebracht werden.
Die Einsatzkohlenwasserstoffe können in flüssiger Form in die Flamme
eingebracht werden. Die Einbringung der Kohlenwasserstoffe in flüssiger Form erfolgt
vorzugsweise durch Zerstäuben der Kohlenwasserstoffe zu feinen Flüssigkeitstropfen,
vorzugsweise mit einem mittleren Tropfendurchmesser von < 100 &mgr;m, besonders
bevorzugt < 50 &mgr;m, insbesondere < 20 &mgr;m. Unter mittlerem Tropfendurchmeser
wird vorliegend der dem Fachmann bekannte Sauterdurchmesser d32 verstanden,
der die volumenspezifische Oberfläche charakterisiert. Durch eine möglichst kleine
Tropfengröße wird sichergestellt, dass die Zeit, die die Flüssigkeitstropfen bis
zur vollständigen Verdampfung benötigen, klein gegenüber der Reaktionszeit ist,
so dass die Verdampfung quasi instantan stattfindet. Typischer Weise benötigt ein
200 &mgr;m großer Kohlenwasserstofftropfen ca. 50 ms bis zur vollständigen Verdampfung,
was bereits in der Größenordnung der Reaktionszeit liegt. Die ersten verdampften
Kohlenwasserstoffmoleküle finden also auch bei im zeitlichen Mittel fetten Verbrennungsbedingungen
ein großes Sauerstoffangebot, also magere Verbrennungsbedingungen vor. Magere Verbrennungsbedingungen
mindern jedoch die Cyanwasserstoff-Ausbeute. Große Kohlenwasserstofftropfen können
sogar die Flamme durchstoßen.
Die Zerstäubung der Einsatzkohlenwasserstoffe kann mittels einer Einstoffdüse
oder unter Einsatz eines Zerstäuberhilfsmediums mittels einer Zweistoffdüse erfolgen.
Feinste Zerstäubung wird häufig unter Einsatz eines Zerstäuberhilfsmediums erzielt.
Als Zerstäuberhilfsmedium können das eingesetzte sauerstoffhaltige Gas und/oder
weitere in die Flamme einzubringende Gasbestandteile des Reaktionsgasgemischs wie
Ammoniak oder Wasserdampf fungieren.
Es ist auch möglich, sofern die zusätzliche Einspeisung von Wasser
– beispielsweise zur Regelung der Flammtemperatur und/oder zur Erhöhung des
Sauerstoffangebots – vorgesehen ist, den stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoff
als wässrige Emulsion in die Flamme einzubringen. Durch die Gegenwart von Wasser
findet eine Nachzerstäubung der Flüssigkeitstropfen in der Flamme statt. Diese wird
durch spontane Verdampfung der emulgierten Wassertröpfchen bewirkt. Dadurch wird
feinste Zerstäubung ermöglicht.
Der oder die stickstoffhaltigen Einsatzkohlenwasserstoffe können gasförmig
in die Flamme eingebracht werden. Die stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoffe können
vorverdampft werden, anschließend mit weiteren Einsatzgasbestandteilen vorgemischt
werden und als Gasgemisch in die Flamme eingebracht werden. Weitere Einsatzgasbestandteile,
mit denen die vorverdampften Kohlenwasserstoffe vorgemischt werden, sind insbesondere
das sauerstoffhaltige Gas und gegebenenfalls Ammoniak, aber auch Wasserdampf und
weitere, sich inert verhaltende Gasbestandteile wie molekularer Wasserstoff und
Kohlenstoffoxide. Der oder die Einsatzkohlenwasserstoffe können auch nur teilweise
vorverdampft werden und/oder mit nur einem Teil der weiteren Einsatzgasbestandteile
vorgemischt werden.
Bevorzugt ist eine Brennerkonstruktion, mit der eine möglichst rückvermischungsfreie
Strömung realisiert wird, da durch Rückvermischung die Cyanwasserstoff-Ausbeute
vermindert wird. In der Regel herrscht in der Flammreaktionszone und der Nachreaktionszone
eine turbulente Strömung vor.
Es wird ein Spaltgas erhalten, das mindestens die Bestandteile Cyanwasserstoff,
Kohlenstoffoxide, Wasserstoff, Wasser, Ammoniak, Stickstoff und leichte Kohlenwasserstoffe
enthält. Darüber hinaus kann das Spaltgas weitere Bestandteile wie Stickstoffmonoxid
oder Isocyansäure enthalten.
Eine typische Spaltgaszusammensetzung enthält als Hauptbestandteile
Cyanwasserstoff, Ammoniak, Stickstoff, Wasserdampf, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid
und Wasserstoff und als Nebenbestandteile Methan, Ethylen und Acetylen sowie in
Spuren Stickstoffmonoxid und Isocyansäure.
Die Auftrennung eines Spaltgases, das mindestens die Bestandteile
Cyanwasserstoff, Kohlenstoffoxide, Wasserstoff, Wasser und Ammoniak enthält, umfasst
vorzugsweise die Schritte
- (i) Abkühlung des Spaltgases auf eine Temperatur < 300 °C;
- (ii) Abtrennng von Ammoniak als Ammoniumsulfat oder Ammoniumphosphat durch Gaswäsche,
wobei ein an Ammoniak abgereichertes Spaltgas erhalten wird;
- (iii) Abtrennung von Cyanwasserstoff als wässrige Cyanwasserstoff-Lösung, wobei
ein an Cyanwasserstoff abgereichertes Restspaltgas erhalten wird;
- (iv) Gewinnung von Cyanwasserstoff aus der wässrigen Cyanwasserstoff-Lösung
durch Destillation;
- (v) gegebenenfalls teilweise Rückführung des Restspaltgases in die Flammreaktionszone.
Die Abkühlung des Spaltgases kann in mehreren Stufen erfolgen. Beispielsweise
kann in einer ersten Stufe durch Einsprühen von Wasser in das heiße
Spaltgas eine sehr schnelle Abkühlung auf ca. 800 °C erfolgen. In einer zweiten
Stufe kann das heiße Spaltgas in einem Dampferzeuger auf ca. 300 °C abgekühlt
werden. In einer dritten Stufe kann das Spaltgas durch Einsprühen von Öl auf ca.
200 °C abgekühlt werden. Dabei werden während der Verbrennung gebildeter Ruß
und Rußvorläufer (polycyclische Kohlenwasserstoffe) in dem Öl suspendiert bzw. gelöst
und so aus dem Spaltgas herausgewaschen.
Die Abtrennng von Ammoniak kann durch Gaswäsche mit Schwefelsäure,
Phosphorsäure oder Monoammoniumphosphatlösung erfolgen, wobei Ammoniak als Ammoniumsulfat
oder Ammoniumphosphat abgetrennt wird. Dabei wird ein an Ammoniak abgereichertes
Spaltgas erhalten, vorzugsweise wird ein ammoniakfreies Spaltgas erhalten. Wird
Ammoniak als Ammoniumphosphat abgetrennt, so kann Ammoniak aus der wässrigen Lösung
mit Dampf freigestrippt und in die Flamme recycliert werden. Die zurückgewonnene
Ammoniummonophosphatlösung kann in die Gaswäsche zurückgeführt werden.
Die Abtrennung von Cyanwasserstoff kann durch Kondensation von Cyanwasserstoff
und Wasserdampf aus dem Spaltgas oder durch Absorption in kaltem Wasser erfolgen,
wobei eine wässrige Cyanwasserstofflösung erhalten wird. Aus der wässrigen Cyanwasserstofflösung
kann durch Destillation im wesentlichen wasserfreier Cyanwasserstoff gewonnen werden.
Es verbleibt ein an Cyanwasserstoff abgreichertes, vorzugsweise ein
im wesentlichen cyanwasserstofffreies Restspaltgas, das beispielsweise noch Kohlenstoffoxide
und molekularen Wasserstoff sowie in geringen Mengen Nebenbestandteile wie Methan,
Ethylen und Acetylen enthält. Das Restspaltgas kann als thermischer Ballast zumindest
teilweise in die Flamme zurückgeführt werden. Das Restspaltgas kann ferner thermisch
verwertet werden.
Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Zeichnungen
näher erläutert.
1 zeigt ein Verfahrensschema einer bevorzugten
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens. Der im ganzen mit 1 bezeichnete
Reaktor umfasst einen Brenner 2 mit einer Brennerflamme 2a und
Zuleitungen 3 bis 8. Über die Zuleitungen 3 und
4 werden Erdgas und Luft zum Betrieb eines Zündbrenners und zum Warmfahren
des Reaktors eingebracht. Über Zuleitungen 5, 6, 7 und
8 werden stickstoffhaltiger Flüssigrückstand, Sauerstoff, Ammoniak bzw.
Wasserdampf eingebracht. Über Zuleitung 9 und die Ableitung 9a
wird der Reaktor mit Kühlwasser versorgt. Die erhaltenen heißen Spaltgase
10 werden durch Einsprühen von Wasser 11 in das heiße Spaltgas
in einer Leitung 12 mit erweitertem Leitungsquerschnitt schnell auf ca.
800 °C abgekühlt. Das so vorgekühlte Spaltgas wird einem Dampferzeuger
13 mit Wasserzuleitung 14 und Dampfableitung 15 zugeleitet
und dort auf ca. 300 °C abgekühlt. In dem Venturi-Wäscher 16 wird das
Spaltgas schließlich durch Einsprühen von Quench-Öl 17 auf ca. 200 °C
abgekühlt, wobei rußhaltiges Öl 18 anfällt. Zur Abtrennung von Ammoniak
wird das abgekühlte Spaltgas 19 einer Trennkolonne 20 mit Schwefelsäure,
Phosphorsäure oder Monoammoniumphosphatlösung 20a gewaschen, wobei Ammoniak
als Ammoniumsulfat oder Ammoniumphosphat abgetrennt wird. Am Kolonnenkopf wird ein
ammoniakfreies Spaltgas 21, am Kolonnensumpf eine wässrige Lösung
22 von Ammoniumphosphat- oder Ammoniumsulfat erhalten. Zur Abtrennung von
Cyanwasserstoff wird das ammoniakfreie Spaltgas 21 einer weiteren Trennkolonne
23 zugeleitet, in der Cyanwasserstoff aus dem Spaltgas in kaltem Wasser
24 absorbiert wird. Am Kolonnensumpf wird eine wässrige Cyanwasserstofflösung
25, am Kolonnenkopf ein im wesentlichen cyanwasserstofffreies Restspaltgas
26 erhalten, das beispielsweise als Synthesegas verwendet werden kann.
Die wässrigen Cyanwasserstofflösung 25 wird einer weiteren Trennkolonne
27 zugeleitet und dort in im wesentlichen wasserfreien Cyanwasserstoff
28 als Kopfprodukt und Wasser 29 als Sumpfprodukt aufgetrennt.
Für Notfälle sowie für die An- und Abfahr-Vorgänge ist ferner eine übliche Fackel
30 vorgesehen.
Es verbleibt ein an Cyanwasserstoff abgereichertes, vorzugsweise ein
im wesentlichen cyanwasserstofffreies Restspaltgas 26, das beispielsweise
noch Kohlenstoffoxide und molekularen Wasserstoff sowie in geringen Mengen Nebenbestandteile
wie Methan, Ethylen und Acetylen enthält. Das Restspaltgas kann als thermischer
Ballast zumindest teilweise in die Flamme zurückgeführt werden. Das Restspaltgas
kann ferner thermisch verwertet werden.
2A zeigt eine Schnitt durch einen in
dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Erzeugung einer Flammreaktionszone eingesetzten
Brenner. Der im Ganzen mit 39 bezeichnete Brenner, der in einem Brennkammerdeckel
40 verankert ist, umfasst, in einen Brennerstein 41 eingelassen,
einen Zündbrenner 31 mit einer Luftzuleitung 32 und einer Erdgaszuleitung
33 mit entsprechenden Öffnungen 32a bzw. 33a, eine Mehrzahl
von Gaszuleitungen 34 für Inertgase und in diesen konzentrisch angeordnete
Gaszuleitungen 35 für Ammoniak mit entsprechenden Öffnungen 34a
bzw. 35a, sowie eine Mehrzahl von Zweistoffdüsen 36 mit Zuleitungen
37 für Sauerstoff und in diesen konzentrisch angeordneten Zuleitungen
38 für stickstoffhaltige Flüssigrückstände mit entsprechenden Öffnungen
37a bzw. Ringspalt-Öffnungen 38a.
2B zeigt eine Aufsicht auf den Brenner
mit den Öffnungen 32a bis 38a.
3 zeigt einen Schnitt durch einen in
dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten Reaktor. An den in den Brennerdeckel
40 eingelassenen (vereinfacht dargestellten) Brenner 39 schließt
sich die zylinderförmige Brennkammer 42 mit dem Durchmesser D und der Länge
L an, die durch die Hochtemperaturisolierung 43 (beispielsweise
aus Al2O3 und SiO2) begrenzt wird. Die Hochtemperaturisolierung
43 ist von der Hinterisolierung 44 und dem Stahlmantel
45 umgeben. Dieser ist über Flansche 46 und Dichtungen
47 mit dem Brennerdeckel 40 verbunden. Durch die Geometrie der
Brennkammer wird eine rückvermischungsarme Kolbenströmung realisiert.