Die Erfindung betrifft die Abtrennung und Gewinnung von Bestandteilen
aus pflanzlichem Rohmaterial.
Pflanzen sind, wie die meisten Organismen, aus Zellen aufgebaut. Dabei
besteht eine Pflanzenzelle aus einer Lipidmembran mit einem im Allgemeinen wässrigen
Inhalt, dem Cytosol, das die verschiedenen Zellorganellen (auf ähnliche Weise von
Lipidmembranen umgeben) wie Zellkern, Mitochondrien, das endoplasmatische Retikulum
und Chloroplasten enthält, und aus dem Zellskelett, das aus Mikrofilamenten und
Mikroröhrchen aufgebaut ist, die der Zelle eine innere Struktur verleihen. Weiterhin
sind in einer Pflanzenzelle Vakuolen enthalten, die eine wichtige Rolle dabei spielen,
die Pflanzenzelle unter einer Spannung zu halten, sie halten den Zellturgor aufrecht.
Die Bestandteile einer Pflanzenzelle können grob in Wasser, das bei
weitem den größten Teil einer lebenden Zelle ausmacht, Bestandteile wie Salze, (Vorläufer
von) Lipide(n), Kohlenhydrate(n), Aminosäuren und Nucleotide(n), Makromoleküle wie
Stärke, Proteine und Nucleinsäuren und eine Vielzahl anderer Moleküle, einschließlich
Vitaminen und Farbstoffen wie Chlorophyll, Carotin und Xanthophyll, eingeteilt werden.
Eine Pflanzenzelle ist im Allgemeinen von einer Zellwand umgeben,
die dem Pflanzengewebe Festigkeit und Struktur verleiht. Die Zellwand ist hauptsächlich
aus (Hemi-)Cellulose und anderen Kohlenhydratpolymeren, die zu Fasern aggregiert
sind, aufgebaut. Holzpflanzen enthalten weiterhin einen großen Anteil Lignin, einem
Polymer, das aus Phenolen und aromatischen Monomeren zusammengesetzt ist.
Das Pflanzengewebe ist aus Pflanzenzellen aufgebaut, die alle, wenn
sie leben, grundsätzlich die zuvor gegebene Definition erfüllen. Dabei kann ein
wichtiger Unterschied zwischen relativ festem Gewebe, das praktisch keine Chloroplasten
oder andere Plastide enthaltenden Zellen umfasst, und dem relativ weichen Gewebe,
das dies im Allgemeinen tut, getroffen werden. Gewebe, das im Allgemeinen keine
Chloroplasten enthaltenden Zellen umfasst, ist beispielsweise die Epidermis bzw.
das Hautgewebe einer Pflanze, das Kollenchym und Sklerenchym bzw. Stroma einer Pflanze
und die Leitbündel bzw. das Leitgewebe, das die wichtigen Transportgefäße (Holzgefäße
und Siebröhren) der Pflanze umfasst. Wenn ein Teil einer Pflanze stark verholzt
ist, so stirbt im Allgemeinen mit der Zeit die Mehrheit der Zellen im verholzten
Teil ab, und es bleiben nur Rückstände des Zellinhaltes übrig. Insbesondere gehen
das Cytosol und die darin vorhandenen Organellen verloren, wobei aber die Leitbündel,
die Haut und das Stroma, die im Allgemeinen der Pflanze Form und Struktur verleihen,
im Allgemeinen vorhanden bleiben, wenn die Pflanze abgestorben ist. Charakteristischerweise
umfassen diese relativ festen Gewebe (insbesondere Leitbündel, Sklerenchym und Epidermis)
keine bis fast keine Chloroplasten enthaltenden Zellen, während ein großer Teil
(mindestens die an der Luft befindlichen Blätter- und Stängelteile der Pflanzen)
des relativ weichen Gewebes, das auch Chlorenchym genannt wird, hauptsächlich aus
nur Chloroplasten enthaltenden Parenchymzellen aufgebaut ist, in welchen die Photosynthese
stattfindet.
Es ist seit langem bekannt, durch mechanische Verfahren verschiedene
Bestandteile aus pflanzlichen Rohmaterialien zur weiteren Verwendung, beispielsweise
für die menschliche Ernährung oder Tierfutter zu gewinnen. Oftmals werden Pflanzen
lediglich zerkleinert oder zerschnitzelt, um sie für den Verzehr geeignet zu machen,
beispielsweise wird Mais für Futter zerschnitzelt.
Jedoch sind insbesondere die Bestandteile, die im Pflanzenzellcytosol
vorhanden sind, gut für die Ernährung von Mensch oder Tier geeignet, da sie aufbauende
Stoffe für die entsprechenden Bestandteile sein können, die in tierischen Zellen
vorgefunden werden.
Beispielsweise werden Futterpflanzen wie Gras, Luzerne und andere
frisch und grün geerntete Pflanzen, oftmals als gesamte Pflanze, insbesondere die
Blatt- und/oder Stängelteile, wobei sie in den meisten Fällen keine Wurzeln enthalten,
für eine Gewinnung von beispielsweise (tierischen) Nahrungsbestandteilen mechanisch
verarbeitet. Solche pflanzlichen Rohmaterialien werden im Allgemeinen durch Pressen
von (vorzugsweise zerschnitzeltem oder anders zerkleinertem) Blatt- und/oder Stängelmaterial
gewonnen, wobei ein Teil des Pflanzenmaterials als Presssaft erhalten wird, während
das restliche gepresste Material als Presskuchen bezeichnet wird.
Die durch das Pressen ausgeübten Druckkräfte resultieren im Allgemeinen
im Öffnen (Zerplatzen oder Zerbersten) der Pflanzenzellen im Material, sodass das
wässrige, aber lebensmittelkomponentenreiche Cytosol, möglicherweise mit Rückständen
der Organellen und der die Zelle umgebenden Lipidmembran, aus der Zelle als Presssaft
freigesetzt wird. Dieser Presssaft wird im Allgemeinen weiter verarbeitet, beispielsweise
durch Sieben, wonach beispielsweise das Protein im Saft durch Koagulieren durch
beispielsweise eine Säure- und/oder Wärmebehandlung gewonnen wird. Der Presssaft
kann auch durch (Ultra- oder Membran-)Filtration, Trocknen, Vergären oder andere
dem Fachmann bekannte Verfahren weiterverarbeitet werden. Proteinreiche oder anderweitig
hochwertige Nährstoffe für den menschlichen und tierischen Verzehr, aber auch Farbstoffe
wie Carotin (Provitamin A) können auf diese Weise aus dem Cytosol gewonnen werden.
Der resultierende, relativ trockene Presskuchen wird im Allgemeinen
als weniger nährstoffhaltig angesehen; er enthält relativ intakte Faserbündel, die
aus (nicht direkt) verdaubaren Cellulosefasern zusammengesetzt sind, anhaftenden
Presssaft und restliche Pflanzenzellen, die durch das Pressen nicht zugänglich waren. Insbesondere
diese restlichen Pflanzenzellen mit nicht gewonnenem Cytosol verleihen dem Presskuchen,
der im Allgemeinen getrocknet und pelletiert oder anderweitig als relativ geringwertige
Ballastkomponente von Viehfutter, insbesondere für Wiederkäuer, verwendet wird,
Futterwert.
Für den mechanischen Aufschluss von beispielsweise Luzerne oder Gras
wird herkömmlicherweise ein Verfahren angewendet, das auf der Zerteilung von pflanzlichem
Rohmaterial durch Hammermühlen mit anschließendem Quetschen des zerteilten Rohmaterials
(hier als Faserbrei bezeichnet) unter Verwendung von Schnecken- oder Bandpressen
basiert. Dadurch wird der Faserbrei in eine Presskuchenfraktion und eine Presssaftfraktion
aufgetrennt. Dabei wird die Saftfraktion als die Fraktion betrachtet, in welcher
die industriell gewinnbaren Substanzen des Pflanzenmaterials enthalten sind. Hammermühlen
bestehen typischerweise aus einer Welle, an welcher frei bewegliche Elemente befestigt
sind, die bei der Umdrehung der Welle in Berührung mit dem pflanzlichen Rohmaterial
gebracht werden und dieses durch Stoßkräfte zerteilen. Dieser zerteilende Effekt
der Hammermühlen ist relativ groß, wenn das pflanzliche Material einen guten Turgor
besitzt, d. h., wenn die Pflanzenzellen unter einer mechanischen Spannung stehen.
In diesem Fall bewirkt die Stoßkraft, dass das Gewebe aufplatzt und die Zellinhaltsbestandteile
mit dem Gewebefluid freigesetzt werden. Ist der Turgor niedrig, bewirken die Schläge
auf das Pflanzenmaterial, dass dieses zusammengepresst wird. Das Gewebe bleibt dann
mehr oder weniger intakt und das Ergebnis besteht darin, dass der Zellinhalt in
einem viel geringeren Maß zugänglich wird. Dies hat erhebliche Konsequenzen auf
die Gewinnbarkeit von insbesondere den Zellinhaltsbestandteilen, die in der pflanzlichen
Biomasse nur teilweise in gelöster Form und zu einem anderen Teil in Form eines
festen, ungelösten Stoffs vorliegen. Dies trifft unter anderem auf pflanzliche Proteine,
aber auch auf Lipide und Farbstoffe zu. Auch sind (beispielsweise aus
US 5 464 160) Hammermühlen bekannt, in welchen
relativ trockenes Material in zwei Fraktionen aufgeteilt wird, wobei aber der wertvolle
Saftstrom mit dem proteinreichen Cytosol vernachlässigt wird. Dementsprechend sind
diese Arten von Mühlen nicht geeignet, um frisches, relativ nasses Material zu verarbeiten
und schließlich eine relativ feuchte Faserfraktion zu erzeugen.
In den bisher beschriebenen Verfahren zum Pressen von Pflanzenmaterial,
das wenigstens Blatt- und/oder Stängelteile enthält, ist es allgemein von Bedeutung,
dass das Material verarbeitet wird, während es noch so frisch wie möglich ist, kurz
nach der Ernte. Nur dann stehen die Pflanzenzellen noch ausreichend unter einer
mechanischen Spannung, dass sie in der Lage sind, unter Druck zu zerplatzen oder
zu zerbersten, sodass das Cytosol freigesetzt wird. Wenn nach der Ernte schon ein
gewisser Zeitraum vergangen ist, bevor die Pflanzenteile gepresst werden, sind diese
bereits zu einem gewissen Maße ausgetrocknet, wodurch die Pflanzenzellen einen großen
Teil des notwendigen Turgors verloren haben und zu "schlapp" sind, um unter Druck
aufzuplatzen oder zu zerbersten. Demgemäß erfolgt bei einem Material, das nicht
frisch ist, die Presssaftgewinnung mit einer geringeren Effizienz. Dasselbe trifft
auf Material zu, das von Pflanzen stammt, die unmittelbar vor der Ernte schon einen
großen Teil des Turgors in ihren Pflanzenzellen durch Austrocknung und/oder Reifung
verloren haben. Im Allgemeinen sind solche Pflanzen nicht mehr (vollständig) grün,
sondern haben eine braune oder gelbe Färbung angenommen. Verholzte Pflanzenteile
sind für die weiter oben beschriebenen Verfahren unbrauchbar, da die meisten Zellen
abgestorben sind oder jedenfalls nur eine sehr kleine Cytosolfraktion haben und
deshalb nicht zur Gewinnung eines hochwertigen Nahrungsmittels beitragen.
Im Allgemeinen wird das Pflanzenmaterial in eine Presskuchenfraktion
und eine Presssaftfraktion getrennt. Charakteristisch für dieses Verfahren ist die
nur teilweise Extraktion (zusammen mit dem Presssaft) der Zellinhaltsbestandteile
(Vakuolinhalt und Cytoplasma mit darin vorhandenen Zellorganellen wie Chloroplasten
und Zellkernen), wobei die Zellwände im Wesentlichen vollständig im Presskuchen
zusammen mit dem Rückstand des Zellinhalts zurückbleiben. Im Presskuchen befindet
sich das Gewebe, das auch im Rohmaterial enthalten ist, und auch ein Teil des Zellinhalts.
Die Färbung des frischen Presskuchens ist vorwiegend grün, da die Chloroplasten
mit dem in ihnen enthaltenen Chlorophyll (Blattgrün) nur teilweise mit dem Presssaft
entfernt worden sind. Das Pflanzenmaterial ist nur teilweise bis hinunter auf das
Gewebeniveau zerteilt worden; dies bedeutet, dass immer noch erkennbare Fragmente
von Blättern und Stängeln zusätzlich zu dem einzelnen Gewebe wie isolierten Leitbündeln
vorhanden sind.
Der Presssaft besteht im Wesentlichen aus dem wässrigen Zellinhalt:
dem Vakuoleninhalt und dem Cytoplasma mit den darin vorhandenen Zellorganellen wie
Chloroplasten in intakter oder zerteilter Form, wobei die Zellwandbestandteile im
Wesentlichen fehlen, da sie im Presskuchen verbleiben.
Demzufolge unterliegt die Gewinnbarkeit von proteinischen und anderen
teilweise löslichen Substanzen im herkömmlichen Fraktionierverfahren starken Schwankungen,
die vom Charakter der pflanzlichen Biomasse, insbesondere vom Vorhandensein des
Turgors, abhängen, was sich typischerweise in Unterschieden in der Trocksubstanz
ausdrückt.
Das herkömmliche Fraktionierverfahren hat als Konsequenz, dass nach
dem Quetschen des Faserbreis nur ein Teil der Zellinhaltsbestandteile sich im Saftstrom
wiederfindet und ein anderer Teil im Presskuchen zurückbleibt. Demgemäß enthält
der Presskuchen immer noch zusätzlich zum größeren Teil der Zellwände einen Teil
der Zellinhaltbestandteile und wird dadurch als Futter eingesetzt.
Die bisher zur Verfügung stehenden Verfahren zum Trennen von wertvollen
von weniger wertvollen Bestandteilen aus dem Pflanzenmaterial sind deshalb relativ
stark vom Turgor der im Pflanzenmaterial vorhandenen Zellen abhängig,
was die Anwendung dieser Verfahren auf relatives frisches und grünes Material beschränkt.
Oftmals enthält der resultierende Presskuchen, auch wenn frisches und/oder grünes
Material eingesetzt wird, immer noch große Anteile an nicht aufgeschlossenen Pflanzenzellen
mit wertvollem Cytosol darin, während für den Presskuchen nur ein niedriger Preis
erzielt werden kann, da er nur als relativ wenig nährstoffhaltiger Bestandteil für
Viehfutter geeignet ist. Zur Gewinnung hochwertiger Bestandteile aus Blatt- und/oder
Stängelteilen besteht ein Bedarf an besseren Verfahren, welche die Pflanzenzelle
mit einer höheren Effizienz als die bisherigen Verfahren aufschließen können, die
Cytosolfraktion zur Gewinnung zugänglicher machen können und bessere Vermarktungsmöglichkeiten
für das Fasern enthaltende Restmaterial bieten. Deshalb liegt der Erfindung diese
Aufgabe zugrunde.
Erfindungsgemäß wird ein Verfahren zum Isolieren von Bestandteilen
von pflanzlichem Material wie Blatt- und/oder Stängelteilen bereitgestellt, das
dadurch gekennzeichnet ist, dass das Material wenigstens teilweise zerfasert und
anschließend in eine Faserfraktion und einen Saftstrom derart aufgetrennt wird,
dass die Faserfraktion hauptsächlich relativ feste Gewebe wie Epidermis, Sklerenchym
und Leitbündel und der Saftstrom hauptsächlich weiche Gewebe wie Parenchym und Cytosol
umfasst. In einer bevorzugten erfindungsgemäßen Ausführungsform wird ein Verfahren
zum Abtrennen eines Saftstroms bereitgestellt, der insbesondere Parenchym mit Chloroplasten
umfasst.
Erfindungsgemäß wird ein neues Fraktionierverfahren bereitgestellt,
das aus mindestens zwei Stufen besteht: einer ersten Stufe, in welcher das Pflanzenmaterial
durch die Wirkung von Scherkräften zerfasert wird, und einer zweiten Stufe, in welcher
die Faserfraktion vom Rest getrennt wird. Dabei bedeutet die Fraktionierung pflanzlicher
Biomasse die Auftrennung in eine Anzahl von Fraktionen. Durch die Fraktionierung
von Biomasse werden neue Produktströme gebildet, die andere Verwendungsmöglichkeiten
haben als das Rohmaterial selbst. Demzufolge repräsentieren diese neuen Produktströme
zusammen oftmals einen höheren Wert als die ursprüngliche Biomasse. Erfindungsgemäß
wird ein neues Verfahren bereitgestellt, das auf der Zerfaserung und anschließenden
Faserentfernung pflanzlicher Biomasse beruht.
In einer bevorzugten Ausführungsform wird erfindungsgemäß ein Verfahren
zur Abtrennung von Bestandteilen aus pflanzlichem Material bereitgestellt, das dadurch
gekennzeichnet ist, dass das Material wenigstens teilweise mechanisch zerfasert
und anschließend in eine Faserfraktion und einen Saftstrom aufgetrennt wird, wobei
die Faserfraktion (siehe beispielsweise die 1 und
2, auch zum Vergleich mit einem herkömmlichen
Verfahren) hauptsächlich das relativ feste Gewebe wie Epidermis, Sklerenchym und
Leitbündel umfasst, und der Saftstrom (siehe beispielsweise die 6
und 7, auch zum Vergleich mit einem herkömmlichen
Verfahren) hauptsächlich weiches Gewebe wie Parenchym und Cytosol enthält. Dabei
wird die mechanische Zerfaserung beispielsweise durch Behandlung des Materials in
einem Mischer durchgeführt. Vorzugsweise wird, sicher, wenn die Anwendung im Industriemaßstab
erwünscht ist, die Zerfaserung erfindungsgemäß in einem Apparat wie einem (Druck-)Refiner
mit Mahlscheiben, wie er in der Zellstoff- und Papierindustrie eingesetzt wird,
oder in einem Apparat mit äquivalenter Wirkung durchgeführt, in welchem das pflanzliche
Material zerfasert werden kann, um die Auftrennung in eine Faserfraktion, die hauptsächlich
relativ festes Gewebe wie Epidermis, Sklerenchym und Leitbündel umfasst, und in
den Saftstrom, der hauptsächlich weiches Gewebe wie Parenchym und Cytosol umfasst,
zu ermöglichen.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist anwendbar auf alle Fasern enthaltenden
pflanzlichen Materialien, die sowohl von kultivierten Pflanzen (Kulturpflanzen)
und Wildpflanzen als auch Kreuzungen zwischen kultivierten Pflanzen untereinander
oder mit wilden Pflanzen stammen. Beispiele dafür sind: pflanzliche Biomasse, die
von Kulturwiesen, aber auch von natürlichem Boden und vom Straßenrand stammt, Futterpflanzen
wie Futtergras und -mais, Luzerne, Klee und andere Schmetterlingsblütler, Faserpflanzen
wie Flachs und Hanf und Sprossen von Kulturpflanzen, die normalerweise nur wegen
ihres Samens, ihrer Früchte oder ihrer Knollen angebaut werden, wie Getreide, Rüben,
Nüsse, Bohnen, Kartoffeln, Möhren, Maniok und Süßkartoffeln.
Bei der Zerfaserung wird das Gefäßgewebe mit dem Sklerenchym und der
Epidermis (zusammen die Faserfraktion) mechanisch von dem anderen Gewebe getrennt,
das im Wesentlichen das Parenchym ist. Dieses Parenchymgewebe wird gleichzeitig
zugänglich, und die Zellinhaltbestandteile davon werden dadurch im Wesentlichen
vollständig erhältlich. Die Zerfaserung kann in Refinern durchgeführt werden, wie
sie in der Zellstoff- und Papierindustrie zur Zerfaserung von Holz und Holzschliff
verwendet werden. Die Raffination oder Zerfaserung findet typischerweise unter Zusatz
von Feuchtigkeit zum Pflanzenmaterial statt. Das Ergebnis ist ein Brei aus zerfasertem
Material, von welchem die Fasern entfernt werden können. Die Faserfraktion (Faserstrom),
die so gewonnen wird, ist aufgrund ihres Charakters und ihrer Zusammensetzung unter
anderem für folgende Verwendungszwecke geeignet: als Ausgangsstoff für Papier und
Pappe (Pappe, Pappkarton und Karton), die Herstellung von Fasermaterialien (poröse
Holzfaserplatten, Hartfaserplatten, Spanplatten, MDF-, HDF- und MDF/HDF-Formteile)
und Verbundmaterialien, feuchtigkeitsabsorbierenden Materialien wie Windeln und
Damenbinden und Kultivierungsmedien (Blumentopferde und Substrate), als Mulch (Schutz
vor Erosion, Unkraut und Pflanzenkrankheiten), als die Erde verbessernder Zusatzstoff
oder als Brennstoff.
Bei der Faserentfernung wird die freigesetzte Faser beispielsweise
durch Sieben von den anderen Pflanzenbestandteilen abgetrennt. Sie kann durch Waschen
und Sieben weiter gereinigt werden, und es können so viele wie
mögliche nichtfaserige Bestandteile aus dem Waschwasser gewonnen werden. Der von
Fasern befreite Brei besteht dann aus einem Gemisch aus zugesetztem Wasser, Gewebefluid,
Zellinhaltsbestandteilen und fein verteilten Zellwänden, die vom Parenchymgewebe
stammen. Aus dem von Fasern befreiten Brei oder dem Saftstrom können Inhaltssubstanzen
in mehr oder weniger reiner Form wie Proteine, Peptide und Aminosäuren, Enzyme,
Farbstoffe, Lipide, Fettsäuren, Stärke, lösliche Zucker und (Zellwand-)Kohlenhydrate
für die Verwendung in Viehfutter und für die menschliche Ernährung oder als Substrate
für die Gärung gewonnen werden, oder es können durch Aufkonzentrierung Futter- oder
Lebensmittelprodukte mit hohem Nährwert als Ergebnis der Entfernung der unverdaulichen
oder schlecht verdaulichen Faserfraktion erzeugt werden. Der von Fasern befreite
Brei kann weiter in anschließenden Stufen fraktioniert werden. Dabei besteht eine
Möglichkeit beispielsweise in der Abtrennung aller festen Teile durch Zentrifugieren,
dem gegebenenfalls eine Koagulierungsstufe durch Erwärmen, Ansäuern oder dergleichen
vorhergehen kann. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Umwandlung der Parenchymzellwände
in lösliche Zucker unter Verwendung von die Zellwände angreifenden Enzymen (beispielsweise
Pektinasen und Cellulasen) und somit darin, sie zur Fraktion der gelösten Substanzen
im von Fasern befreiten Brei zuzusetzen.
Charakteristisch für das erfindungsgemäße Verfahren ist die Aufteilung
auf Gewebeebene in eine Faserfraktion, die das relativ feste Gewebe (Leitbündel,
Sklerenchym und Epidermis) enthält, und eine von Fasern befreite Fraktion, die das
relativ weiche Gewebe (Parenchym) mit seinem Inhalt enthält. Kurz zusammengefasst
besteht der Unterschied zwischen dem herkömmlichen und dem neuen Verfahren in der
Extraktion von Gewebefluid (herkömmlich) und Gewebefraktionierung (neues Verfahren).
Erfindungsgemäß wird auch eine Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens bereitgestellt. Eine solche Vorrichtung ist durch Mittel gekennzeichnet,
die für die erfindungsgemäße Zerfaserung geeignet sind, wodurch das relativ feste
Gefäßgewebe mit beispielsweise dem Sklerenchym und der Epidermis (zusammen die Faserfraktion)
mechanisch von dem anderen Gewebe abgetrennt wird, das im Wesentlichen das Parenchym
ist. Dieses Parenchymgewebe wird gleichzeitig zugänglich und dessen Zellinhaltsbestandteile
im Wesentlichen vollständig erhältlich. Dabei ist "Zerfaserung" hierin so zu verstehen,
dass das Pflanzenmaterial solchen Kräften ausgesetzt wird, dass das relativ feste
Gewebe praktisch vollständig von dem relativ weichen Gewebe getrennt wird. Im Ergebnis
der Kräfte, welche diese Zerfaserung bewirken, wird der überwiegende Teil, wenn
nicht alle Pflanzenzellen zugänglich, sodass das Cytosol freigesetzt wird. Dieses
enthält als Saftstrom im Allgemeinen auch Rückstände der Organellen, der die Zelle
umgebenden Lipidmembran und der Parenchymzellwände, die relativ leicht von den Faserbestandteilen
durch Sieben oder ein anderes dem Fachmann bekanntes Trennungsmittel abgetrennt
werden können.
Der erste erfindungsgemäße Vorteil besteht darin, dass die Effizienz
des Verfahrens nicht vom Turgor der im Material vorhandenen Pflanzenzellen abhängig
ist, sodass die Pflanzenzellen mit größerer Effizienz als bei den weiter oben beschriebenen
herkömmlichen Pressverfahren zugänglich werden.
Der zweite erfindungsgemäße Vorteil besteht darin, dass zwei Produktströme
bereitgestellt werden, die als solche sehr rein sind. Dabei enthält der erste, die
Faserfraktion, hauptsächlich Cellulose und Hemicellulose, die im Wesentlichen aus
den Elementen C, H und O bestehen (die den Vorteil einer sauberen Verbrennung bieten),
und der zweite alle wertvollen und komplexen Inhaltssubstanzen, die im Parenchym
und im Cytosol vorgefunden werden und welche sich relativ leicht weiter abtrennen
lassen.
Die zwei Produktströme können voneinander durch beispielsweise Sieben
getrennt werden. Andere Trennverfahren, die kein Sieben sind, lassen sich auch anwenden,
beispielsweise Zentrifugieren, Verarbeiten im (Hydro-)Zyklon und Zentrifugensieben,
Dekantieren oder Absetzenlassen oder Kombinationen dieser Verfahren. Bei der Faserentfernung
wird die freigesetzte Faser von den anderen Pflanzenbestandteilen durch beispielsweise
Sieben abgetrennt. Durch Waschen und Sieben kann die Faser weiter gereinigt werden
und können so viele nichtfaserige Bestandteile wie möglich mit dem Waschwasser gewonnen
werden. Der von Fasern befreite Brei besteht dann aus einem Gemisch aus dem zugesetzten
Wasser, Gewebefluid, Zellinhaltsbestandteilen und fein verteilten Zellwänden, die
vom Parenchymgewebe stammen.
Der erste erfindungsgemäße Produktstrom ist ein (im Allgemeinen für
die Ernährung wertvoller) Saftstrom, der aus einer wässrigen Lösung/Suspension mit
praktisch allen hochwertigen Bestandteilen oder Nährstoffen aus dem pflanzlichen
Material (beispielsweise Zucker, Fructose-Oligosaccharide, Proteine, Lipide und
Farbstoffe) besteht. Durch Entfernung der (für die Ernährung weniger wertvollen)
Faserbestandteile wird (bezogen auf die Trockensubstanz) dieser relativ wertvolle
Produktstrom gebildet, aus welchem die verschiedenen Bestandteile relativ einfach
isoliert werden können. Das von Fasern befreite Produkt oder der Saftstrom besteht
im Wesentlichen aus Parenchym, teilweise als intakte Zellen, teilweise als zerteiltes
Zellmaterial. Die Färbung des von Fasern befreiten Produkts ist typischerweise grün
aufgrund des Vorhandenseins von intakten oder zerteilten Chloroplasten und mitunter
braungrün durch ein Braunwerden während der Fraktionierung. Makroskopisch ist es
eine Flüssigkeit. Mikroskopisch sind hauptsächlich intakte und zerteilte Parenchymzellen
und Zellorganellen wie Chloroplasten in dieser Flüssigkeit sichtbar.
Der zweite erfindungsgemäße Produktstrom, die Faserfraktion, besteht
aus relativ hartem Gewebe. Dieses besteht typischerweise aus Leitbündeln, Sklerenchym
und der Epidermis. Dabei fehlt der Zellinhalt von diesem Gewebe
oder ist praktisch vollständig während des Fraktionierens und Waschens entfernt
worden. Demzufolge besteht die Faser vorwiegend aus Zellwandbestandteilen. In einer
reinen Faserzubereitung fehlen Chloroplasten praktisch vollständig. Die Färbung
der gewaschenen Fasern variiert typischerweise von Weiß bis Gelb oder Hellbraun.
Mitunter kann sich ein Hellgrün bilden als Ergebnis der Imprägnierung mit Chlorophyll
während des Gewinnungsvorgangs. Makroskopisch hat die Faserfraktion eine Faserstruktur,
hauptsächlich durch den Filamentcharakter der Leitbündel. Mikroskopisch sind auch
außer den Filamentstrukturen der Leitbündel und dem Sklerenchym typischerweise Teile
von Epidermisgewebe, die aus eine Zellschicht dicken Lage bestehen, zu erkennen.
Die Leitbündel werden von einigen Zellen aufgebaut, einschließlich dem Holzteil
und Siebröhren. In Abhängigkeit vom Zerfaserungsgrad kommen auch aus einer Zelle
bestehende Fasern vor und weiterhin Rückstände von Zellwänden und (spiralförmigen,
vernetzten oder ringförmigen) Zellwandverdickungen. Typisch für die Epidermislagen
ist das Vorhandensein von Mikroporen und kieselsäurehaltigen Zähnen oder Haaren.
Der erfindungsgemäße Faserstrom besteht im Wesentlichen ausschließlich
aus einem nassen festen Faserstrom (hauptsächlich Cellulose und Hemicellulose),
der im Wesentlichen keinen Nährwert hat, da diese Fraktion nicht direkt und mikrobiologisch
nur zu einem geringen Umfang verdaubar ist. Jedoch ermöglicht die fehlende Verdaubarkeit
die Verwendung des Faserstroms zu Non-Food-Zwecken, im Gegensatz zu beispielsweise
dem Presskuchen, der aus den weiter oben beschriebenen herkömmlichen Pressverfahren
stammt und im Wesentlichen nur für Futterzwecke verwendbar ist und bald verrotten
würde, wenn aus ihm kein Futter hergestellt und er nicht gefressen oder er weiter
konserviert werden würde.
So wird beispielsweise erfindungsgemäß die Verwendung der Faserfraktion
zur Energiegewinnung bereitgestellt. Die Faserfraktion enthält hauptsächlich die
Kohlenhydrate Cellulose und Hemicellulose (die hauptsächlich aus den Elementen C,
H und O bestehen), die leicht verbrennbar sind und deshalb mit hoher Effizienz in
beispielsweise einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in nützliche Energie umgewandelt
werden können und von welchen erwartet werden kann, dass sie bei der Verbrennung
nur wenige oder keine schädlichen Emissionen abgeben. Die Verarbeitung von Pflanzenmaterial
entsprechend dem erfindungsgemäßen Verfahren mit anschließender Verwendung der resultierenden
Faserfraktion als Brennstoff wird zur Senkung der CO2-Emission beitragen,
da sie ein nichtfossiler Brennstoff ist. Auch ist die Verbrennung der Faserfraktion
als solche für die Umwelt günstiger, da die Faserfraktion kaum, wenn überhaupt,
mit Salzrückständen (wie K-, Na-, Cl- und P-Verbindungen) und Proteinrückständen
(die S- und N-Verbindung enthalten) verunreinigt ist, die normalerweise in getrockneten
Pflanzen vorkommen. Diese Salz- und Proteinreste, die aus dem Cytosol stammen, sind
zusammen mit dem Saftstrom von der Faserfraktion abgetrennt worden. Die Verbrennung
der Faserfraktion (in welcher sich hauptsächlich C-, H- und O-Verbindungen befinden,
die durch die Verbrennung in H2O und CO2 umgewandelt werden)
wird deshalb eine viel geringere Umweltbelastung verursachen als die Verbrennung
von anderem Pflanzenmaterial, in welchem diese Salz- und Proteinrückstände noch
vorhanden sind. Dabei trägt die Proteinverbrennung insbesondere zur Emission von
Schwefel- und Stickstoffverbindungen wie Schwefel- und Stickoxiden und tragen die
nicht verbrennbaren Salzrückstände zur Erhöhung des Aschevolumens bei. Nach Verbrennung
der erfindungsgemäßen Faserfraktion sind die Emission von beispielsweise Schwefel-
und Stickoxiden und das Aschevolumen mit darin enthaltenen Salzrückständen viel
geringer.
Da das Fasermaterial organischen Ursprungs ist, ist es auch beispielsweise
als Torfersatz in beispielsweise Blumentopferde oder Gärtnereisubstraten verwendbar.
In einer bevorzugten erfindungsgemäßen Ausführungsform wird das Pflanzenmaterial
in einem solchen Maße zerfasert, dass es beispielsweise hauptsächlich aus Elementarfasern
besteht, sodass die so erhaltene Faserkomponente oder der so erhaltene Faserstrom
beispielsweise für eine Weiterverarbeitung zu Pappe und/oder Papier geeignet ist
oder als (natürliche) Faser in Verbundwerkstoffen zusammen mit und in zu verstärkenden
(Kunst-)Harzen verwendet werden kann.
Beispiele für Pflanzenmaterial, das mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
verarbeitet werden kann, sind bekannte (Futter-)Kulturpflanzen wie Gräser (Getreide
wie Weizen, Roggen und Mais eingeschlossen), Luzerne und Hanf, aber auch Ernterückstände
von Kulturpflanzen, deren Blatt- und/oder Stängelteile normalerweise nicht verarbeitet
werden, wie Kartoffel- oder (Zucker-) Rübensprossen, die im Allgemeinen nach der
Ernte auf dem Feld zurückbleiben, oder Kulturpflanzen, die im Allgemeinen nicht
zu Saft verarbeitet werden oder so nur in einem begrenzten Umfang verarbeitet werden,
wie Spinat, Salat und Gras. Die hohe Effizienz des erfindungsgemäßen Verfahrens
macht die Verarbeitung solchen Pflanzenmaterials profitabel.
Der Saftstrom aus entsprechend dem erfindungsgemäßen Verfahren verarbeitetem
Pflanzenmaterial wird, beispielsweise durch Sieben, weiterverarbeitet, wonach beispielsweise
Protein, Peptide, Aminosäuren und andere Bestandteile oder Inhaltssubstanzen im
Saft durch beispielsweise Koagulieren durch beispielsweise Säure- und/oder Wärmebehandlung
gewonnen werden. Der Saftstrom kann auch durch (Ultra- oder Membran-)Filtration,
Trocknung, Gärung oder andere dem Fachmann bekannte Verfahren weiterverarbeitet
werden. Proteinreiche oder anderweitig hochwertige Nährstoffe für den menschlichen
und tierischen Verzehr, aber auch Farbstoffe wie Carotin (Provitamin A) können auf
diese Weise aus dem Cytosol und auch von den Blatt- und/oder Stängelteilen
gewonnen werden.
Als für die Verarbeitung durch das erfindungsgemäße Verfahren ist
nicht nur Pflanzenmaterial, das zu Kulturpflanzen im strengen Sinne des Wortes gehört,
sondern auch an Straßen oder Autobahnen wachsendes Gras oder Gemische von Gräsern
mit anderen in der freien Natur wachsenden Wildpflanzen geeignet.
Erfindungsgemäß wird ferner bereitgestellt ein Verfahren zum Abtrennen
von Bestandteilen aus Pflanzenmaterial, das vor einem relativ langen Zeitraum geerntet
wurde und bereits, wenigstens teilweise, ausgetrocknet ist, oder welches nicht länger
als frisch und grün bezeichnet werden kann, sondern, beispielsweise durch Reifung,
einen mehr holzigen und/oder trockenen Charakter angenommen hat. Ein solches Material
ist nicht für die Verarbeitung durch ein Pressverfahren geeignet, lässt sich jedoch
jetzt außergewöhnlich gut verarbeiten, da die Höhe des Turgors in der Pflanzenzelle,
die aufgeschlossen werden soll, nicht mehr von Bedeutung ist, wenn ein erfindungsgemäßes
Verfahren angewendet wird.
Erfindungsgemäß wird ein Refiner oder eine Vorrichtung mit vergleichbarer
Wirkung und die Verwendung einer solchen Vorrichtung bereitgestellt, beispielsweise
zum Abtrennen von Bestandteilen aus pflanzlichem Material, das (noch) keine oder
nur eine geringe Verholzung aufweist, und in welchem das Parenchym vorhanden ist.
Dieses Parenchym mit dem darin vorhandenen Cytosol ist die Grundlage des erfindungsgemäßen
Saftstroms. Ein Refiner wird im Allgemeinen verwendet, um Holzspäne zu Fasern zu
zerkleinern, um Faserbrei für die Produktion von Papier und/oder Pappe herzustellen.
Erfindungsgemäß wird die Verarbeitung einer Kulturpflanze, die aus einer großen
Vielfalt von Kulturpflanzen ausgewählt ist, die herkömmlicherweise in einem Refiner
nicht zu verarbeiten sind, in einem Refiner bereitgestellt. Refiner werden im Allgemeinen
nicht für frisches und/oder grünes Material verwendet, da Holz hauptsächlich aus
abgestorbenem oder lignifiziertem Gewebe besteht, aus welchem der größte Teil des
Parenchyms mit den Chloroplasten verschwunden ist. Dem Fachmann sind verschiedene
Typen von Refinern bekannt. Diese sind beispielsweise Refiner mit kegelstumpfförmigen
oder flachen Scheiben. Erfindungsgemäß wird die Verwendung von beiden Typen und/oder
gleichwertigen Vorrichtungen, beispielsweise von konvexen/konkaven Verbundmahlscheiben,
in einem erfindungsgemäßen Verfahren bereitgestellt.
Die Erfindung wird anschließend im experimentellen Teil der Beschreibung
näher erläutert.
Experimenteller Teil
Die Erfindung wurde experimentell mit dem herkömmlichen Verfahren
verglichen. Dies wurde im Labor und im Industriemaßstab durchgeführt. Es erfolgte
auf der Grundlage, dass der Charakter der Faserfraktion bewertet und die Gewinnbarkeit
von Inhaltssubstanzen in den zwei Verfahren verglichen werden kann. Die anschließend
mitgeteilten Ergebnisse zeigen den Unterschied in der Gewinnbarkeit von Protein
und anderen Inhaltssubstanzen.
Herkömmliches Verfahren
In Versuchen im Labormaßstab wurde das herkömmliche Verfahren zum
Mahlen und Pressen mit Faserbrei in einem Tecator Homogenizer und Quetschen des
Faserbreis unter Verwendung einer angepassten Zug-Druck-Bank von Lloyd Instruments
simuliert. Sie war mit einem Becher mit perforiertem Bodenblech (Fläche 50 cm2)
versehen, in welchem 100 g frischer Faserbrei 15 Minuten lang mit einem Druck von
bis zu 10 bar gepresst wurde. Ausgangsmaterial und Presssaft wurden auf Stickstoffgehalt
analysiert und die Gewinnbarkeit von Protein wurde als der Anteil Rohprotein (Stickstoffmenge,
multipliziert mit 6,25) im Saft, angegeben als Prozentsatz der Rohproteinmenge im
Ausgangsmaterial, berechnet.
Im größeren Maßstab wurde eine Hammermühle des Typs Jenz A30 verwendet,
um Gras zu zerkleinern, und der so erhaltene Grasfaserbrei wurde in einer Vetter-Schraubenpresse
mit einem Kompressionsverhältnis von 1 : 7,65 und einer Perforierung der Zylinderwand
von 0,7 mm gequetscht. Indem das Pflanzenmaterial die Hammermühle einmal oder mehrmals
durchlief, konnte das Material in mehr oder weniger großem Umfang zerteilt werden.
Neues Verfahren
Bei den versuchen im Labormaßstab wurde das neue Verfahren simuliert,
indem frisches Gras in einer Schneidmaschine fein zerkleinert wurde, anschließend
30 g der feingeschnittenen Grasstücke mit 400 ml Wasser vermischt wurden und das
Ganze in einem Mischer (Braun-Mischer) 10 Minuten lang zerfasert, der Brei aus dem
Mischer durch ein 850-Mikrometer-Sieb gesiebt und die abgesiebte Faserfraktion gewaschen
und getrocknet wurde. Die Fasern wurden auf Stickstoff-, Asche- und Zellwandgehalt
analysiert und somit die Zusammensetzung des von Fasern befreiten Breis berechnet.
Der Faseranteil wurde als die Menge Trockensubstanz in der Faserfraktion als Prozentsatz
der Menge Trockensubstanz im Ausgangsmaterial ermittelt. Die Gewinnbarkeit des Proteins
wurde als der Anteil Rohprotein im von Fasern befreiten Brei berechnet, angegeben
als Prozentanteil der Menge an Rohprotein im Ausgangsmaterial.
Das neue Verfahren wurde auch mit einem Sprout-Waldron-12-Zoll-Druckrefiner
mit Mahlscheiben Typ D2A505 getestet. Die Raffination oder Zerfaserung von frischem
Gras wurde unter Atmosphärenbedingungen mit einem Scheibenabstand von 0,04 mm mit
Wasserzusatz bis auf eine Konsistenz von etwa 2% Trockensubstanz durchgeführt. Die
Fasern wurden dann durch ein Sieb mit 140-Mikrometer-Sieböffnungen gesiebt.
Das neue Verfahren wurde auch im halbtechnischen Maßstab unter Verwendung
eines Sunds Disk Refiners Typ RO 20 FLUFF, Seriennummer 3838, Herstellungsjahr 1985,
der mit Mahlscheiben mit einem hohen oder niedrigen Widerstand zum Durchsatz versehen
war, getestet. Mit diesem Refiner wurde u. a. der Einfluss von Art der Mahlscheibe
und Abstand zwischen den Mahlscheiben auf Durchsatz und Faserzusammensetzung untersucht.
Die Raffination fand unter Atmosphärenbedingungen mit zerkleinertem
Gras, gegebenenfalls mit Wasserzusatz, statt. Die Zerfaserung von Kartoffelsprossen
wurde auch untersucht.
Das Gras, das sowohl von kultivierten wiesen als auch aus freier Natur
stammte, wurde in frischer, zerkleinerter Form verarbeitet. Proben des zerfaserten
Materials wurden von Hand gespült, gesiebt und auf Stickstoff- und Aschegehalt analysiert.
Die Gewinnbarkeit von Rohprotein wurde auf der Basis des mittleren Faseranteils
von 33 des trockenen Grasmaterials berechnet.
Die Kartoffelsprossen stammten von Stärkekartoffeln aus der gesamten
Wachstumsphase der Kartoffelpflanze. Die Sprossen wurden mechanisch herausgezogen
und anschließend bis zu einem gewissen Grad zermahlen. Die Kartoffelsprossen bestanden
aus Stängeln und Blättern.
Die Kartoffelsprossen wurden ohne vorheriges Waschen im Refiner ohne
Wasserzusatz, da sie frisch waren, verarbeitet. Das zerfaserte Material wurde von
Hand gequetscht.
VersuchsergebnisseBeschreibung der Figuren1 und 2 (Einzelheiten)Presskuchen von Gras (links) und Grasfasern (rechts), die von ausdauerndem
Lolch (Lolium perenne) stammten
In diesem Presskuchen war die grüne Färbung aufgrund des Vorhandenseins
von Chloroplasten zu erkennen. Auch waren Blattfragmente aufgrund ihrer Größe (Querschnitt
größer als 1 mm) und der charakteristischen Rippen auf der Blattoberseite sichtbar.
Die Grasfaser wird durch die helle Färbung (praktisch vollständiges Fehlen von Chloroplasten),
die Filamentstruktur und den kleinen Durchmesser der einzelnen Fasern (in diesem
Fall sehr viel kleiner als 1 mm) unterschieden. Der Abstand zwischen aufeinander
folgenden Zahlen betrug 1 cm.
3Suspension von Grasfasern aus ausdauerndem Lolch (Lolium perenne)
Sichtbar waren die Faserstruktur (Leitbündel) mit einem Durchmesser
von einigen zehn Mikrometern und Epidermislagen mit einem kleinsten Durchmesser
von bis zu einigen hundert Mikrometern.
4Mikroskopische Aufnahme der Epidermis in Grasfasern, die von ausdauerndem
Lolch (Lolium perenne) stammten
Charakteristisch ist das Vorhandensein von Mikroporen im ausdauernden
Lolch, die sich in der Epidermis auf der Blattoberseite konzentrieren. Das kompaktere
Gewebe auf der Seite der Mikroporen befindet sich unter dem Sklerenchym. Die langgestreckten
Epidermiszellen haben einen Durchmesser von etwa 20 Mikrometern.
5Mikroskopische Aufnahme von Leitbündeln in Grasfasern, die von ausdauerndem
Lolch (Lolium perenne) stammen
Charakteristisch für Leitbündel ist, dass sie aus mehreren Zellen
aufgebaut und Gefäße mit vernetzten Verdickungen vorhanden sind. Dabei beträgt der
Faserdurchmesser in der Mitte der Figur etwa 50 Mikrometer.
6
Mikroskopische Aufnahme von Parenchymzellen im Saftstrom von von Fasern
befreitem Gras, das von ausdauerndem Lolch (Lolium perenne) stammt. Dieser Saftstrom
gehört zu der Faserfraktion in den 1 und
2.
Charakteristisch für Parenchymzellen in Grasblättern ist das überwiegende
Vorhandensein von Chloroplasten. Einige Parenchymzellen wurden jedoch während der
Fraktionierung zerrissen: nur die Zellwand ist noch sichtbar, die Chloroplasten
liegen isoliert im umgebenden Fluid vor.
Die Größe dieser Parenchymzellen beträgt etwa 20 × 40 Mikrometer.
Die in dieser Figur gezeigte Fraktion wurde vor dem Photographieren verdünnt, um
den relativ großen Anteil an Parenchymzellen im erfindungsgemäßen Saftstrom besser
sichtbar zu machen.
7Mikroskopische Aufnahme von Parenchymzellen im Presssaft von Gras, das
von ausdauerndem Lolch (Lolium perenne) stammt
Dieser Presssaft gehört zu dem Presskuchen in den 1
und 2. Die in dieser Figur gezeigte Fraktion
wurde vor dem Photographieren auf konzentriert, um den relativ kleinen Anteil an
Parenchymzellen im Presssaft besser sichtbar zu machen.
8Blockdiagramm der Zerfaserung oder Raffination von Gras9Blockdiagramm der Zerfaserung oder Raffination von Gras10Blockdiagramm der Zerfaserung oder Raffination von GrasZerfaserungTabelle 1. Faserzusammensetzung und Faserausbeute von angebauten Gräsern
nach Spezies und Sorte, Mittelwerte pro Saison, und einer Reihe anderer Kulturpflanzen
Das Zerfasern pflanzlicher Biomasse ergibt eine Faserfraktion, die
in Abhängigkeit vom Charakter des Materials von weniger als 10% bis mehr als 30%
der Trockensubstanz variieren kann. Der genaue Wert ist auch von der Maschenweite
des Siebs, mit welchem die Fasern abgetrennt werden, und von der Stärke des Waschvorgangs
abhängig. Dabei besteht die Faserfraktion bei Lolium perenne typischerweise aus
mehr als 80% Zellwandmaterial und hat einen Stickstoffgehalt von meist weniger als
6 bis 8 g pro kg Trockensubstanz und einen Aschegehalt von meist weniger als 50
bis 100 g pro kg Trockensubstanz.
Tabelle 2. Faserzusammensetzung
Die Zusammensetzung der Faserfraktion ist für die Versuche mit dem
Refiner und bei den Versuchen entsprechend der Laborvorschrift vergleichbar.
Entfernung der FasernTabelle 3. Zusammensetzung von Gras und des von Fasern befreiten Grasbreis
Außer den Zellinhaltsbestandteilen (wie Protein) enthält der von Fasern
befreite Brei auch einen Teil der Zellwände des Pflanzenmaterials. Diese sind im
Wesentlichen die Zellwände des weichen Parenchymgewebes, das nach der Zerfaserung
zerteilt ist und anschließend bei der Faserentfernung das Sieb als fein dispergiertes
Material passiert. Der im von Fasern befreiten Brei vorhandene Anteil ist teilweise
vom Durchmesser der Sieböffnungen abhängig.
Tabelle 4. Gewinnbarkeit von Rohprotein aus kultiviertem Gras, je nach
Spezies und Sorte, im Mittel der Saison, und einiger anderer Pflanzenmaterialien
nach Zermahlen und Pressen und nach Entfernung der Fasern
Die Entfernung der Fasern ergibt einen Brei, der hauptsächlich mehr
als 70% und vorzugsweise mehr als 80% oder 90% des Rohproteins des pflanzlichen
Materials enthält. Dieses Protein kann durch Zentrifugieren gewonnen werden, welchem
gegebenenfalls eine Koagulation durch Wärme vorangeht.
Beim herkömmlichen Fraktionierverfahren beträgt die Gewinnbarkeit
des Rohproteins meist weniger als 50%.
Tabelle 5. Vergleich der Gewinnbarkeit von Protein aus Gras nach mehrmaligem
Durchlauf durch eine Hammermühle mit anschließendem Pressen in einer Schraubenpresse
und nach erfindungsgemäßer Zerfaserung
Proteingewinnbarkeit (%)Hammermühle +SchraubenpresseDurchläufe durch Hammermühle1 ×282 ×304 ×358 ×43Erfindungsgemäße Zerfaserung93–96
Selbst nach wiederholter Zerteilung des Grases in einer Hammermühle
mit anschließendem Pressen in einer Schraubenpresse wurde festgestellt, dass die
Proteingewinnbarkeit weniger als die Hälfte der Proteingewinnbarkeit beträgt, die
nach Zerfaserung von Gras gemessen wurde.
Die Ergebnisse der Versuche mit dem Sunds Disk Refiner sind in Tabelle
6 zusammengefasst.
Die Auswahl des Plattentyps und des Scheibenabstands bestimmt das
Maß der Zerfaserung, aber die Proteingewinnbarkeit nur zu einem geringen Maße. Zusammen
mit einer hohen Proteingewinnbarkeit (in diesem Fall > 85%) sowohl bei proteinreichem
kultivierten Gras als auch mit proteinarmem natürlichem Gras war ein hoher Durchsatz
möglich.
Kartoffelsprossen sind ebenfalls im Refiner gut verarbeitbar. Bei
der Faserfraktion ist der Gehalt an Holzfasern relativ hoch, da die Ausgangs-Kartoffelsprossen
nicht nur aus Blattgewebe, sondern auch aus Stängelgewebe bestanden. Der hohe Aschegehalt
der Fasern der Kartoffelsprossen wurde zu einem großen Maße vom Sandgehalt der Sprossen
verursacht, der hoch war, da das Ausgangsmaterial nicht gewaschen worden war.
Blockdiagramme für die GrasraffinationVorbehandlung
Die im Anhang befindlichen Blockdiagramme (siehe 8
bis 10) beginnen mit der Anlieferung des
zerkleinerten Grases, wie es auch bei der Verarbeitung von Gras und Luzerne in Kräutertrocknern
herkömmlich ist. Normalerweise beträgt die Größe der zerkleinerten Länge etwa einige
Zentimeter, kann jedoch auch kürzer oder länger sein. Für die Versuche im Refiner
wurde frisches Gras in einer Pierret-Guillotine-Schneidmaschine vorzerkleinert auf
eine Teilchenlänge von 6 mm, anders ausgedrückt, sehr kurz. Vermutlich ist eine
solche kleine Länge nicht erforderlich, die Raffination oder Zerfaserung von gepresstem
Gras (mit einer Teilchenlänge von vermutlich einigen Zentimetern) stellte kein Problem
dar.
Waschen
In der Praxis wird eine Waschstufe wahrscheinlich erforderlich sein,
um Sand zu entfernen und dadurch den Verschleiß der Ausrüstungen zu verringern und
ein reineres Produkt zu erhalten. Diese Waschstufe kann jedoch entfallen, wenn kein
Sand und keine anderen Schmutzstoffe enthalten sind.
Sulfitzugabe
Eine Sulfitzugabe kann gegebenenfalls erforderlich sein, um eine unerwünschte
Komplexierung zwischen Proteinen und Polyphenolen zu verhindern. Auf der Grundlage
vergangener Erfahrungen bezüglich der Verarbeitung von Grassaft ist es bekannt,
dass durch solche Komplexbildung der Nährwert von Grasproteinen gesenkt wird. Die
Umstände während der Raffination können jedoch andere sein. Ein schneller Temperaturanstieg
während der Raffination kann sofort die enzymatische Aktivität (Bleicheffekt) abbrechen
und die Bildung von Polyphenolen hemmen.
Raffination: Basisdiagramm (8)
Die Raffination von Gras ist prinzipiell mit und ohne Flüssigkeitszusatz
während der Raffination möglich. In einem ersten Versuch mit frischem Gras (15%
Trockensubstanz) verlief das Verfahren ohne großzügige Zugabe von Wasser bis auf
eine Trockensubstanz von etwa 2% nicht leicht. Die Notwendigkeit einer Flüssigkeitszugabe
ist wahrscheinlich teilweise vom Typ des Refiners und vom Charakter des Grases (Faserstruktur)
abhängig. Gepresstes Gras (26% Trockensubstanz) konnte ohne Wasserzusatz raffiniert
werden. Ob und falls, wieviel Wasser zugemischt wird, hat Auswirkungen auf den Temperaturanstieg
während der Raffination und deshalb auf den Grad der Proteindenaturierung und somit
auf die nachfolgenden Verfahrensstufen.
Das Basisdiagramm enthält nach der Raffination die Verfahrensstufen:
Aussieben der Fasern, Wärmekoagulation der Refinerflüssigkeit mit anschließender
Abtrennung des Proteinkuchens durch einen Dekanter und Verdampfung der von Proteinen
befreiten Flüssigkeit. Zwei extreme Varianten dieses Basisdiagramms sind möglich:
eine mit einer minimalen Flüssigkeitszugabe während der Raffination und eine mit
einer hohen Flüssigkeitszugabe.
Das Basisdiagramm verändert sich dann zu Variante A (9)
bzw. Variante B (10).
Raffination: Variante A (9)
Nach minimaler Zugabe von Rücklaufflüssigkeit tritt möglicherweise
ein beträchtlicher Temperaturanstieg während der Raffination auf: im Versuch mit
gepresstem Gras auf über 70°C. Dann wird eine Proteinkoagulation und Pasteurisierung
bereits bei der Raffination auftreten und möglicherweise kann eine getrennte Koagulationsstufe
dann entfallen. In diesem Fall wird das Blockdiagramm vereinfacht zu Raffination
– Sieben – Dekantieren – Verdampfen: siehe Variante A im Basisdiagramm.
Raffination: Variante B (10)
Variante B: Bei einer großen Zugabe von Rücklaufflüssigkeit kann der
Temperaturanstieg während der Raffination begrenzt werden: im Versuch mit frischem
Gras auf etwa 35°C. Im Ergebnis kann voraussichtlich ein Teil des Proteins in
Lösung bleiben. In diesem Fall sind nach der Raffination zwei alternative Wege möglich.
Der Einfachste ist, nach Absieben der Fasern, die Wärmekoagulation der Flüssigkeit
und Abstehenlassen. In diesem Fall wird ein Proteinkuchen und eine von Proteinen
befreite Flüssigkeit gebildet, die verdampft werden kann (siehe Basisdiagramm).
Ein komplexerer Weg (Variante B) umfasst, nach Absieben der Fasern, ein erstes Dekantieren,
wodurch ein Rohproteinkuchen erhalten wird (roh, d. h. mit Zugabe von fein verteilten
Parenchymzellwänden, die das Sieb passieren), mit anschließender
Wärmekoagulation und erneutem Dekantieren.
In dieser zweiten Dekantierstufe kann ein reinerer Proteinkuchen erhalten
werden.
Absieben der Fasern
Zum Absieben der Fasern können Zentrifugensiebe verwendet werden,
wie sie dem Fachmann für das Abtrennen von Kartoffelfasern bekannt sind. Im Versuch
wurde ein geneigtes Sieb verwendet, auf welchem eine Drahtgaze mit Sieböffnungen
von 140 × 140 Mikrometern aufgezogen war. Im Labormaßstab wurde ein Sieb mit
einem Lochdurchmesser von 850 und 250 Mikrometern eingesetzt. Die Erfahrungen damit
sind, dass die meisten Fasern auf einem relativ groben Sieb abgetrennt werden können.
Die feinere Faserfraktion kann der Gesamtfaserfraktion oder über enzymatische Verflüssigung
der Melasse, dem Konzentrat oder dem Saftstrom zugesetzt werden.
Waschen und Trocknen der Fasern
Die Fasern, die durch das Sieben abgetrennt worden sind, können mit
gelösten und suspendierten Substanzen verschmutzt sein. Dementsprechend wird ein
Waschvorgang mit von Proteinen befreiter Rücklaufflüssigkeit und anschließend eine
Feuchtigkeitsentfernung durch Pressen/Zentrifugieren und Trocknen erforderlich.
Trocknung des Proteinkuchens
Der proteinreiche Kuchen, der durch das Dekantieren abgetrennt worden
ist, kann auf dieselbe Weise getrocknet werden, wie sie dem Fachmann für beispielsweise
Kartoffelprotein bekannt ist. Bei Vorhandensein einer relativ großen Lipidfraktion
hat die Zugabe eines Antioxidationsmittels einen günstigen Effekt.
Verdampfung der von Proteinen befreiten Flüssigkeit
Die von Proteinen befreite Flüssigkeit kann eingedampft werden, um
einen zuckerreichen Sirup zu bilden.
Erweitertes Verfahren
Das Basisdiagramm kann erweitert werden, um Stufen zur weiteren Raffination
des Rohproteinkuchens zu enthalten. Eine mögliche Erweiterung ist die enzymatische
Verflüssigung der Parenchymzellwände im Rohproteinkuchen. Der Zucker, den sie ergibt,
kann beispielsweise der Melasse, dem Konzentrat oder dem Saftstrom zugesetzt werden.
Anspruch[de]
Verfahren zum Isolieren von Bestandteilen von pflanzlichem Material, das mindestens
Blatt- und/oder Stängelteile enthält, dadurch gekennzeichnet, dass das Material
wenigstens teilweise zerfasert und anschließend in eine Faserfraktion und einen
Saftstrom derart aufgetrennt wird, dass die Faserfraktion hauptsächlich relativ
feste Gewebe wie Epidermis, Sklerenchym und Gefäßfaserbündel und der Saftstrom hauptsächlich
weiche Gewebe wie Parenchym und Cytosol umfasst.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Saftstrom Chloroplasten enthält.
Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei das Material mechanisch zerfasert wird.
Verfahren nach Anspruch 3, wobei das Material durch einen Refiner zerfasert
wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Faserfraktion vom Saftstrom
durch Sieben abgetrennt wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei das pflanzliche Material von
einer Kulturpflanze stammt.
Verfahren nach Anspruch 6, wobei die Kulturpflanze zur Familie der Gräser gehört.
Faserfraktion, die durch ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7 erhalten
worden ist.
Verwendung einer Faserfraktion nach Anspruch B.
Verwendung einer Faserfraktion nach Anspruch 9 zur Erzeugung von Energie oder
von Pappe und/oder Papier.
Saftstrom, der durch ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7 erhalten
worden ist.
Saftstrom nach Anspruch 11, der mehr als 55%, vorzugsweise mehr als 75%, und
besonders bevorzugt mehr als 90% des Rohproteins des pflanzlichen Materials enthält.
Verwendung eines Saftstroms nach Anspruch 11 oder 12.
Verwendung eines Saftstroms nach Anspruch 11 oder 12 zur Herstellung von Lebensmitteln.
Verwendung eines Saftstroms nach Anspruch 11 oder 12 zur Gewinnung oder Aufreinigung
mindestens eines Inhaltsstoffs.
Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 7.
Vorrichtung nach Anspruch 16, die mindestens einen Refiner umfasst.
Vorrichtung, in welcher das Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7 durchgeführt
wird.