GEBIET DER ERFINDUNG
Die Erfindung betrifft ein verbessertes Verfahren zur chemischen Vernichtung
von Schwefel-Senfgas (SS) durch chemische Umwandlung von SS in nichttoxische Produkte.
STAND DER TECHNIK
Schwefel-Senfgas (SS), das in der Chemie als 1,1'-Thiobis-(2-chlorethan)
bekannt ist, ist ein äußerst toxisches und persistentes flüssiges Vesikans.
Im Stand der Technik bekannte Verfahren zur Vernichtung von SS bestehen
aus bei hoher Temperatur durchgeführten Reaktionen, die die Vernichtung von SS durch
Erhitzen bei hoher Temperatur beinhalten. Derartige Verfahren umfassen das Verbrennen,
die Pyrolyse, das Plasma-Lichtbogenbrennen und das Schmelzmetallsystem. Unter allen
diesen bei hoher Temperatur durchgeführten Reaktionsverfahren ist das Verbrennen
ein bewährtes Verfahren, das weitverbreitete Anwendung findet. Dieses Verfahren
ist jedoch mit gewissen Nachteilen behaftet.
Der Hauptnachteil besteht darin, dass eine sehr hohe Temperatur einer
Größenordnung von 800–1200 °C zum vollständigen Verbrennen von SS notwendig
ist. Ein anderer Nachteil besteht darin, dass in der nachgeschalteten Verfahrensstufe
große Mengen Natriumhydroxidlösung erforderlich sind, durch die toxische Gase wie
Chlorwasserstoff und Schwefeldioxid, die bei der Reaktion gebildet werden, hindurchgeführt
werden müssen, um sie zu neutralisieren. Noch ein weiterer Nachteil besteht darin,
dass trotz des Neutralisierens toxischer Gase durch Hindurchführen durch Natriumhydroxidlösung
nichtkondensierte Gase wie Kohlenmonoxid, Kohlendioxid usw. in die Atmosphäre abgehen,
was zur Verschmutzung führt, und das Verfahren als solches nicht umweltfreundlich
ist. Noch ein weiterer Nachteil besteht darin, dass durch das Neutralisieren toxischer
Gase durch Natriumhydroxidlösung große Mengen Abwasser gebildet werden, die zur
Umweltverschmutzung führen. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass die Kosten
der Vernichtung sehr hoch sind.
Ein weiteres im Stand der Technik bekanntes Verfahren zur Vernichtung
von SS beinhaltet die chemische Neutralisationstechnologie, die die Hydrolyse, Oxidation
und den reduktiven Abbau von SS umfasst.
Das chemische Neutralisationsverfahren auf der Basis der Hydrolyse
ist auch mit mehreren verschiedenen Nachteilen behaftet. Ein derartiger Nachteil
besteht darin, dass SS in Wasser kaum löslich, die Hydrolyserate von SS in Wasser
und in alkalischer Lösung sehr langsam und die für das vollständige Neutralisieren
von SS erforderliche Zeitspanne daher sehr lange ist, d.h. je nach dem Verhältnis
von SS und Wasser oder alkalischer Lösung und der Temperatur, bei der die Reaktion
stattfindet, im Bereich zwischen 24–120 Stunden liegt.
Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass das Hydrolyseprodukt von SS
Thiodiglykol ist, das durch Hindurchführen durch Chlorwasserstoffgas in SS zurückverwandelt
werden kann und eine derartige reversible Reaktion dem CW-Übereinkommen gemäß nicht
akzeptabel ist. Noch ein weiterer Nachteil besteht darin, dass eine große Menge
Abwasser gebildet wird, so dass das Verfahren nicht umweltfreundlich ist.
Das chemische Neutralisationsverfahren auf der Basis der Oxidation
von SS, bei dem das SS mit Hilfe von Oxidationsmitteln wie Wasserstoffperoxid, Kaliumpermanganat,
p-Chlorperbenzoesäure, Chloramin-T und N-Chlorverbindungen zu kristallinem Sulfoxid
und Sulfon entgiftet wird, ist ebenfalls von mehreren Nachteilen behaftet. Der Hauptnachteil
besteht darin, dass das Sulfon von SS, bei dem es sich um eines der durch Oxidation
gebildeten Produkte handelt, Vesikanseigenschaften aufweist und von Natur aus toxisch
ist. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass große Mengen gasförmiger, flüssiger
und fester Abfallprodukte gebildet werden. Noch ein weiterer Nachteil besteht darin,
dass die Kosten des Vernichtens von SS sehr hoch sind, da große Mengen Oxidationsmittel
benötigt werden. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass Oxidationsmittel wie
Wasserstoffperoxid, p-Chlorbenzoesäure, Chloramin-T- und N-Chlorverbindungen unbeständig
sind und deshalb ständig eine vorgeschaltete Neuzulieferung dieser Oxidationsmittel
erforderlich ist.
Bei dem chemischen Neutralisationsvefahren auf der Basis des reduktiven
Abbaus von SS wird SS durch die Reaktion von Natrium in Gegenwart von flüssigem
Ammoniak zu gasförmigen Produkten entgiftet. Dieses Verfahren ist auch als solvatisiertes
Elektronensystem bekannt. Ein Nachteil eines derartigen Verfahrens besteht darin,
dass eine große Menge Natrium zum vollständigen Neutralisieren von SS erforderlich
ist und Natrium wegen seiner hohen Reaktionsfähigkeit und Brandgefahren bei der
Lagerung und Handhabung große Probleme aufwirft. Ein weiterer Nachteil besteht darin,
dass eine große Menge Alkohol erforderlich ist, um das nichtumgesetzte Natrium auf
die Reaktion hin zu vernichten, mit dem Ergebnis, dass große Mengen Abwasser und
außerdem große Mengen von entzündlichem Wasserstoffgas ebenfalls gebildet werden,
was eine Brandgefahr darstellt. Noch ein weiterer Nachteil besteht darin, dass für
das Herstellen des für ein derartiges Verfahren benötigten flüssigen Ammoniaks die
Verflüssigung von Ammoniak große Mengen an flüssigem Stickstoff erforderlich macht,
was das Verfahren insgesamt sehr kostspielig macht. Des Weiteren führen die nach
dem reduktiven Abbau von SS gebildeten gasförmigen Produkte zu Umweltgefahren, so
dass das Verfahren nicht umweltfreundlich ist.
Ein anderes bekanntes Verfahren zur Vernichtung von
SS basiert auf chemischen Verfahren geringfügig korrosiver oder nichtkorrosiver
Natur. Zu diesem Zweck werden verschiedene thiophile Mittel als nichtkorrosive Vernichtungsmittel
für die chemische Vernichtung von SS verwendet. Die thiophilen Mittel werden durch
Lösen von Schwefel in flüssigem Ammoniak oder Alkylamin gebildet. Eines der im Stand
der Technik bekannten Verfahren für das Zubereiten thiophilen Mittel besteht darin,
Schwefel in Diethylentriamin zu lösen. SS wird daraufhin durch Reagieren des thiophilen
Mittels mit SS bei Raumtemperatur über eine Zeitspanne von 24 Stunden in eine cyclische
Verbindung umgewandelt. Hexan wird für das Isolieren und Extrahieren des cyclischen
Produkts auf die chemische Umwandlung von SS hin verwendet. Ein wesentlicher Nachteil
eines derartigen Verfahrens besteht aus der langen Reaktionszeit im Größenmaßstab
von 24 Stunden und darin, dass das in dem Verfahren verwendete Diethylentriamin
nicht zurückgewonnen und wiederverwertet werden kann, mit dem Ergebnis, dass nicht
umgesetztes Amin in das Abwasser übergeht, was Umweltgefahren darstellt. Ein weiterer
Nachteil besteht darin, dass das als organisches Lösungsmittel in dem Prozess verwendete
Hexan einen niedrigen Siedepunkt aufweist, was eine Brandgefahr darstellt. Noch
ein weiterer Nachteil besteht darin, dass die Verwendung großer Mengen Hexan und
die Tatsache, dass das nichtumgesetzte Diethylentriamin nicht zurückgewonnen und
wiederverwertet werden kann, das Verfahren besonders bezüglich des Erweiterns auf
einen größeren Maßstab kostspielig machen.
AUFGABEN DER ERFINDUNG
Die Hauptaufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein verbessertes
Verfahren zur chemischen Vernichtung von SS durch chemische Umwandlung in nichttoxische
Produkte vorzuschlagen.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein
Verfahren zur Vernichtung von SS vorzuschlagen, bei dem SS vollständig zu nichttoxischen
und nichtkorrosiven Produkten umgewandelt wird, die leicht zu handhaben sind.
Noch eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin,
ein Verfahren zur chemischen Vernichtung von SS vorzuschlagen, das umweltfreundlich
ist.
Noch eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin,
ein Verfahren zur chemischen Vernichtung von SS vorzuschlagen, das zeiteffizient
ist, da es für das vollständige Vernichten von SS zu nichttoxischen Produkten eine
Zeitspanne von nur 30–60 Minuten benötigt.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein
Verfahren zur chemischen Vernichtung von SS vorzuschlagen, das die Verwendung billiger,
allgemein verfügbarer Chemikalien beinhaltet, was das Verfahren kostenwirksam und
für das Erweitern auf einen größeren Maßstab geeigneter macht.
Noch eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin,
ein Verfahren zur chemischen Vernichtung von SS vorzuschlagen, bei dem die Umwandlungseffizienz
des Verfahren zum Umwandeln von SS in nichttoxische Produkte 100%ig ist.
Noch eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin,
ein Verfahren zur Vernichtung von SS vorzuschlagen, bei dem die Verwendung irgendwelcher
toxischer korrosiver organischer Lösungsmittel nicht erforderlich ist.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
Erfindungsgemäß wird ein Verfahren zur Vernichtung von Schwefel-Senfgas
durch Reagieren von Schwefel-Senfgas mit einem thiophilen Mittel bereitgestellt,
das durch Lösen von Schwefel in Ethylendiamin und/oder Ethanoldiamin zubereitet
wird.
Des Weiteren wird erfindungsgemäß ein thiophiles Reagens bereitgestellt,
das Schwefel, der in Ethylendiamin und/oder Ethanoldiamin gelöst ist und dort in
einer Konzentration von 3 bis 10 Gew.-% vorliegt, umfasst.
Erfindungsgemäß ist eine Prozessvernichtung von SS durch chemische
Umwandlung von SS in nichttoxische cyclische und polymere Produkte vorgesehen. Das
chemische Verfahren beinhaltet das Reagieren von SS mit einem thiophilen Reagens.
Das erfindungsgemäße thiophile Mittel wird durch Lösen von Schwefel in Ethylendiamin
oder Ethanoldiamin oder einer Kombination derselben zubereitet, während die im Stand
der Technik bekannten Verfahren mit Diethylentriamin arbeiten. Das erfindungsgemäß
verwendete Ethylendiamin kann zurückgewonnen und wiederverwertet werden, was das
Verfahren umweltfreundlich und kosteneffizient macht. Das erfindungsgemäße Verfahren
ist äußerst zeiteffizient, da es für die vollständige Vernichtung von SS nur 30–60
Minuten benötigt. Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt die 100%ige Umwandlung
von SS in nichttoxische Produkte, während beim bekannten Verfahren die Umwandlung
von SS in cyclische Produkte nur in der Größenordung von 99–99,8 % liegt.
Beim bekannten Verfahren wird die Umwandlung von SS bei Raumtemperatur durchgeführt,
während die Umwandlung von SS in nichttoxische Produkte erfindungsgemäß bei ca.
50–70 °C durchgeführt wird. Die auf die Reaktion hin gebildeten nichttoxischen
Produkte können durch einfaches Filtrieren abgetrennt und das Filtrat kann wiederverwendet
werden, während beim bekannten Verfahren organische Lösungsmittel für das Extrahieren
von cyclischen Produkten verwendet werden, was zu großen Abwasservolumen führt.
Erfindungsgemäß umfasst das vorgeschlagenen Verfahren zur Vernichtung
von SS folgende Schritte:
- 1. Zubereiten eines thiophilen Mittels
- a. Lösen des im Handel erhältlichen Schwefelpulvers in Ethylendiamin (im Handel
erhältlich, Reinheit mehr als 95%). Die Konzentration des Schwefels im Ethylendiamin
wird zwischen 3–10 Gew.-%, bevorzugt 4 – 6 Gew.-% gehalten.
- b. Beseitigen jeglicher nichtgelöster Anteile.
- 2. Umwandlung von SS
- a. Mischen von SS mit dem obigen thiöphilen Reagens im Verhältnis von 1 : 4
bis 1 : 10, bevorzugt von 1 : 5 bis 1 : 7,
- b. Rühren der Reaktionsmischung bei 40–100°C für 10–180 Minuten,
bevorzugt bei 50–70°C für 20–60 Minuten,
- c. Kühlen der Reaktionsmischung auf Raumtemperatur,
- d. Filtrieren der Reaktionsmischung durch eine Nutsche,
- e. Zurückgewinnen des Amins aus dem Feststoff durch Hindurchführen von heißer
Luft,
- f. Analyse des Filtrats, um das Vorliegen von SS zu überprüfen. Werden Spuren
von SS im Filtrat vorgefunden, so wird das Verfahren durch Zugabe von weiterem Schwefel
zur Reaktionsmischung wiederholt.
Diese Erfindung wird nun durch ein Beispiel veranschaulicht, das als
veranschaulichendes Beispiel dienen und nicht als einschränkend und den Umfangs
der vorliegenden Erfindung begrenzend aufgefasst werden soll.
BEISPIEL
Ethylendiamin (1,5 l) wird in einen mit einem Kühler und Tropftrichter
ausgestatteten Rundkolben eingegeben, in den Schwefel (76 g) unter fortwährendem
Rühren eingegeben wird. Das Schwefel-Senfgas (250 g) wird hinzugegeben.
Nach vollständiger Zugabe von SS wird die Reaktionsmischung 60 Minuten
unter fortwährendem Rühren auf 65°C erhitzt. Nach 60 Minuten wird die Reaktionsmischung
bei Raumtemperatur gekühlt und durch eine Nutsche filtriert. Das Filtrat wird für
eine weitere Reaktion aufbewahrt. Der Feststoff wird durch Gasflüssig-Chromatographie
analysiert, um den Prozentsatz der Umwandlung auf die Extraktion mit Chlorform hin
festzustellen. Der so erhaltene getrocknete Feststoff kann als nichttoxischer Feststoff
gelagert werden. Dadurch wird die 100%ige Umwandlung von SS zu nichttoxischen Produkten
erzielt. Die nichttoxische Natur der Produkte ist durch Tierversuche mit Mäusen
bestätigt worden und der LD50-Wert hat sich als über 5 g pro kg Körpergewicht
liegend erwiesen.
Man muss sich im Klaren darüber sein, dass bei der obigen Beschreibung
der vorliegenden Untersuchung beträchtliche Modifikationen, Änderungen und Adaptierungen
durch Fachleute durchgeführt werden können, wobei derartige Modifikationen als innerhalb
des Umfangs der vorliegenden Erfindung fallend betrachtet werden sollen, die in
den folgenden Ansprüchen dargelegt ist.