Stand der Technik
Das Chiffrieren von Texten ist seit langem bekannt und erfolgt in
der Regel nach dem Prinzip, dass Buchstaben und Zahlen durch Zeichen ersetzt werden.
Beispiele dafür sind das Morsealphabet, die Verwendung von Lochstreifen für die
Übertragung von Informationen oder die Blindenschrift.
Weiterhin sind ein Verfahren und eine Anordnung zur Abwehr kryptoanalytischer
Untersuchungen (Patent DE 198 11 175 A1)
sowie eine Dreipunktequadratschriftsystemtabelle (Gebrauchsmuster) bekannt.
Die bekannten Techniken und Methoden zum Chiffrieren und Dechiffrieren
dienen ganz speziellen Formen der Informationsübermittlung und erfordern ein hohes
Maß an Kenntnissen, die bei Kindern im Vorschul- und jüngeren Schulalter nicht vorausgesetzt
werden können. Deshalb sind diese Techniken und Methoden für den angestrebten Zweck
ungeeignet.
Aufgabenstellung
Die Aufgabenstellung für die vorliegende Erfindung bestand darin,
Techniken und Methoden zu entwickeln, die Kinder im Vorschul- und jüngeren Schulalter
mit spielerischen, leicht zu behaltenden Mitteln und Methoden dabei unterstützen,
die Grundfertigkeiten des Lesens zu erlernen.
Dafür sollten Tafeln entwickelt werden, auf denen bildliche Darstellungen
jeweils bestimmte Teile des Textes symbolisieren. Analog sollte eine Tastatur entwickelt
werden, mit der über einen angeschlossenen Computer die durch bildliche und/oder
buchstäbliche Darstellungen symbolisierten Texte in Laute umgewandelt und hörbar
gemacht werden können.
Diese Mittel sollten dem Kind helfen, die unterschiedlichen Laute
nach klaren, charakteristischen und natürlichen Merkmalen zu unterscheiden, und
eine Möglichkeit geben, Texte mit graphischen Zeichen aufzuschreiben, die für ein
Kind leichter zu behalten sind als Buchstaben.
Lösung
Das Chiffrieren des Textes nach dem genannten Verfahren wird dadurch
erreicht, dass zuerst der Ausgangstext in einzelne Teile – Konsonanten, offene
Silben und Zeichen wie zum Beispiel Interpunktionszeichen – getrennt wird.
Dann werden die Zeichen und die einzelnen Konsonanten unverändert in das Chiffrogramm
übersetzt. Die offenen Silben werden in Verschlüsslungswörter umgesetzt und damit
chiffriert. Das Verschlüsslungswort muss die offene Silbe enthalten, die chiffriert
werden soll. In geschlossenen Silben dürfen nur die offenen Teile dieser Silben
benutzt werden. Diese Silbe muss im Verschlüsslungswort betont sein. Dabei ist es
unerheblich, in welcher Position sich die betonte offene Silbe befindet. Sie kann
am Anfang, am Ende oder mitten in einem Verschlüsselungswort stehen. Eine zweite
Variante besteht darin, dass die betonte Silbe immer am Anfang steht.
Die dritte Variante besteht darin, dass Verschlüsslungswörter als
solche graphischen Zeichen bildlich dargestellt werden, wie sie Kindern im Vorschul-
und jüngeren Schulalter in der Regel bekannt sind. Bild 1 gibt eine Übersicht, welche
offenen Silben sich in der deutschen Sprache bildlich darstellen lassen, wobei die
Verschlüsslungswörter auch andere als die in Bild 1 dargestellten sein können. Prinzipiell
ist dieses Verfahren für alle europäischen Sprachen geeignet. Bild 2 gibt eine Übersicht,
welche offenen Silben sich zum Beispiel in der russischen Sprache bildlich darstellen
lassen. Der Ausgangstext wird chiffriert, indem die einzelnen Zeichen entsprechend
ihrer Stellung im Text nacheinander aufgeschrieben werden. In umgekehrter Reihenfolge
wird der Text dann dechiffriert.
Mit Hilfe eines speziellen Satzes bildlicher Darstellungen und Buchstaben,
die man auf eine Fläche legen, aufkleben oder anhängen kann, lässt sich von jeder
Person ein Text aufbauen, der nach dem beschriebenen Verfahren chiffriert ist. Die
bildlichen Darstellungen und Buchstaben werden als Chiffrierkarten bezeichnet. Die
Karten zum Legen und Hängen sind zweiseitig bedruckt, sie tragen auf der Vorderseite
eine Abbildung und auf der Rückseite den passenden Buchstaben. Bild 6 zeigt, wie
die anhängbaren Chiffrierkarten aussehen können. Die zum Aufkleben vorgesehenen
Karten sind wegen der Klebefläche nur einseitig bedruckt.
Zur Erleichterung des Chiffrierens und Dechiffrierens kann die Chiffriertabelle
genutzt werden. Die Chiffriertabelle stellt die geregelten und gruppierten Textteile
und die entsprechenden Chiffrierzeichen dar. Die graphischen Bezeichnungen der offenen
Silben können nach dem Artikulationsmerkmal der Stelle und Weise der Lautbildung
gruppiert sein, wobei jede Gruppe farbig oder in anderer geeigneter Weise markiert
sein kann. Dadurch wird die Korrektur der Aussprache erleichtert.
Eine Variante der Chiffriertabelle kann eine Tastatur sein, die an
einen Speicher und/oder einen Drucker angeschlossen ist. Jede Taste dieser Tastatur
ist eine Zelle der Chiffriertabelle mit den auf ihr symbolisierten bildlichen und/oder
buchstäblichen Bezeichnungen. Mit Hilfe der oben genannten Bezeichnungen, die auf
die einzelnen Tasten der Tastatur gelegt werden, können Texte aufgebaut werden,
soweit sie bildlich dargestellt sind und in Verbindung mit Konsonanten gebracht
werden. Beim Drücken der jeweiligen Taste zeigt und/oder druckt das Gerät das entsprechende
Chiffrier- oder Dechiffrierzeichen beziehungsweise macht die offene Silbe mit einem
Tonwiedergabegerät als Laut hörbar, wenn die entsprechenden Laute
vorher gespeichert wurden. Die so genannte sprechende Tastatur wurde sowohl als
Alternative für konventionelle Computertastaturen (Bild 7) als auch für solche mit
Tonwiedergabegerät und Speicher kombinierte Monoblocks entwickelt (Bild 8). Die
Wiedergabe der offenen Silben als Laute ist wesentlicher Bestandteil dieser Erfindung
und in ihrer Art neu.
Die vorliegende Erfindung nutzt das Prinzip des Chiffrierens und Dechiffierens,
um Kindern im Vorschul- und jüngeren Schulalter das Lesenlernen zu erleichtern.
Das Chiffrieren und Dechiffrieren erfolgt mit Chiffrierbildern, einer Chiffriertabelle
und einer so genannten sprechenden Tastatur. Analoge Techniken und Methoden sind
nicht bekannt.
Nachstehend wird die Erfindung am 5 Ausführungsbeispielen näher erläutert.
In der zugehörigen Zeichnung ist mit
1. eine Chiffriertabelle in deutscher
Sprache und mit
2. eine Chiffriertabelle in russischer
Sprache und mit
3. ein Chiffriermuster in deutscher Sprache
und mit
4. ein Dechiffriermuster in deutscher Sprache und
mit
5. ein Dechiffriermuster in russischer Sprache und
mit
6. eine Chiffriertabelle mit Chiffrierkarten
und mit
7. eine Chiffriertabelle in Form einer
Computertastatur, Computer, Monitor und Lautsprecher und mit
8. ein Computermonoblock (Spielkonsole)
schematisch dargestellt.
Beispiel 1.
Beim Chiffrieren wird das deutsche Wort Wolke in Wo-l-ke getrennt,
und das russische Wort ## wird in ## getrennt. Der deutsche Konsonant L oder die
russischen Konsonanten ## und ## werden in das Chiffrogramm ohne Veränderung übernommen.
Die offene Silbe WO wird in der Zusammensetzung des Wortes WOlf und KE in der Zusammensetzung
des Wortes RaKEte getrennt. In diesem Fall wird das Wort WO-L-KE wie WOIf-L-RaKEte
chiffriert. Die, russische offene Silbe ME wird in der Zusammensetzung des Wortes
koMEma und BE in der Zusammensetzung des Wortes coBEmHUK getrennt. Das russische
Wort ME-##-BE-## wird wie KOMEma-##-coBEmHUK-## chiffriert.
In geschlossenen Silben dürfen nur die offenen Teile dieser Silben
benutzt werden. Zum Beispiel wird im deutschen Wort Wolf die gesamte Silbe WOLF
betont, aber benutzt wird nur der offene Teil dieser Silbe WO. Im russischen Wort
## wird die gesamte Silbe BET betont, aber benutzt wird nur der offene Teil dieser
Silbe BE .
Beispiel 2.
Eine zweite Variante besteht darin, dass die betonte Silbe immer am
Anfang steht. So könnte die Silbe KE auch dem Wort KEgel entnommen sein. In diesem
Fall wird das Wort WO-L-KE wie WOlf-L-KEgel chiffriert. Das russische Wort ME-##-BE-##
wird wie ME####-BEHUK-## chiffriert.
Bild 1 gibt eine Übersicht, welche offenen Silben sich in der deutschen
Sprache bildlich darstellen lassen, wobei die Verschlüsslungswörter auch andere
als die in Bild 1 dargestellten sein können. Statt Apfel könnte zum Beispiel Anker
oder Adler stehen.
Bild 2 gibt eine Übersicht, welche offenen Silben sich in der russischen
Sprache bildlich darstellen lassen, wobei die Verschlüsslungswörter auch andere
als die in Bild 2 dargestellten sein können. Statt ## könnte zum Beispiel ##, ##
oder ## stehen.
Beispiel 3.
Das Chiffrieren mit Hilfe von bildlichen Darstellungen und Konsonanten
erfolgt in der Weise, dass bildliche Darstellungen für einen Teil des Verschlüsslungsworts
stehen und durch Konsonanten entsprechend ergänzt werden. Das Prinzip wird am Beispiel
des Satzes „Eine lange Schlange ringelt sich um eine lange Stange" verdeutlicht.
(Bild 3).
Ei-ne la-n-ge Sch-la-n-ge ri-n-ge-l-t si-ch u-m ei-ne la-n-ge S-to-n-ge.
El-NEtz LAmpe-N-GEld SCH-LAmpe-N-GEld RIng-N-GEld-L-T Slchel-CH Uhr-M El-NEtz LAmpe-N-GEld
S-TAsse-N-GEld .
Beispiel 4.
Ein anderes Beispiel ist der Satz „Herr Fischer fischt frische
Fische." (Bild 4).
HE-R-R FI-SCHE-R FI-SCH-T F-RI-SCHE FI-SCHE-.
HErz-R-R FIlm-SCHEre-R FIlm-SCH-T F-RIng-SCHEre FIlm-SCHEre-.
Herz-R-R Film-Schere-R Film-SCH-T F-Ring-Schere Film-Schere.
Beispiel 5.
Im Russischen könnte ein derartiger Satz folgendermaßen chiffriert
werden. (Bild 5).
MaMa ## paMy.
MA-MA ## PA-My-.
MAcKa-MAcKa ##-## MAK-Myxa-.
MACKA-MACKA ##-## ##-Myxa- .