Die vorliegende Erfindung betrifft eine Streichmasse zur Herstellung
bedruckbarer Papiere sowie ausgewählte Polymere, die sich zur Herstellung solcher
Streichmassen einsetzen lassen und die Verwendung dieser Polymeren.
Es wurde nun gefunden, dass mit aminogruppenhaltigen Monomeren gepfropfte
Proteine, die teilvernetzt worden sind, die Rheologie von Streichfarben, insbesondere
im Hochgeschwindigkeitsbereich, günstig beeinflussen.
Bei den erfindungsgemäßen Verbindungen handelt es sich um komplexe
Polymere, welche Lewis Basengruppen, d.h., starke Elektronendonorgruppen aufweisen.
Die vorliegende Erfindung betrifft Pfropfpolymere, die sich von Proteinen
ableiten, die mit ethylenisch ungesättigten Monomeren, die Amid- und/oder Aminogruppen
enthalten, gepfropft worden sind und die mit einer polyfunktionellen Epoxidverbindung
und/oder einer polyfunktionellen Aziridinverbindung und/oder Trichlortriazin und/oder
Dichlorhydroxytriazin teilvernetzt sind.
Derartige Pfropfpolymere sind starke Lewis-Basen (Elektronen-Donatoren)
und besitzen eine ausgeprägte Tendenz zum Anhaften an die Pigmentteilchen. Es wurde
gefunden, dass diese Pfropfpolymeren die Pigmentteilchen umhüllen und eine Stabilisierung
der Pigmentdispersion, insbesondere bei feinteiligen Pigmenten, bewirken.
Beispiele für bevorzugte Polymere sind Proteine, wie Sojaprotein,
Kasein und bevorzugt Gelatine, die mit Acrylsäureamiden bzw. Methacrylsäureamiden
oder mit Acrylsäureaminoalkylestern bzw. Methacrylsäureaminoalkylestern oder mit
Gemischen dieser Monomeren gepfropft worden sind und die teilvernetzt worden sind.
Besonders günstige Ergebnisse werden erhalten, wenn die erfindungsgemäß
gepfropften, teilvernetzten und aminogruppenhaltigen Polymeren sich von einer besonders
steifen und damit gestreckten Polymerkette als Pfropfgrundlage ableiten.
Gestreckte Polymerketten finden sich z.B. in Kollagenstrukturen, wie
-CH2-NH-CO-CH2- ⟷ -CH2-NH+=CO-CH2-
Durch mesomere Strukturen wird eine höhere Kettensteifigkeit erreicht.
Die Bildung von Wasserstoffbrücken zwischen den Polymerketten erhöht ebenfalls die
Steifigkeit der erhaltenen Polymerstrukturen. Polymerketten mit sehr hoher Kettensteifigkeit
zeigen besonders gutes Adsorptionsvermögen an der Oberfläche von Partikeln aus natürlichem
Calciumcarbonat.
Teilvernetzte Kollagene, z.B. Gelatinen mit einem hohen Bloomwert
von 240 bis 270, zeigen deshalb überraschenderweise starken Abbau der Strukturen
in Calciumcarbonatdispersionen. Die Domänen- oder Strukturbildung in Calciumcarbonatdispersionen
lässt sich durch Messung des sogenannten viskoelastischen, plastischen Fließanteils
beurteilen. Bei der Bestimmung des viskoelastischen Fließanteils wird die Fertigkeit
der gebildeten makroskopischen Strukturen mittels eines oszillierenden Rotationsviskosimeters
bestimmt, z.B. wird bei einer Messfrequenz von einem Hertz mit zunehmender Amplitude
gemessen, bis des zu einer Überschreitung der Fertigkeit der gebildeten Strukturen
kommt.
Die erfindungsgemäßen Polymere können Aminogruppen aufweisen; dabei
kann es sich um tertiäre aber insbesondere um primäre und/oder sekundäre Aminogruppen
handeln.
Die erfindungsgemäßen Polymere können Amidgruppen aufweisen; dabei
kann es sich um tertiäre aber insbesondere um primäre und/oder sekundäre Amidgruppen
handeln.
Weitere Beispiele für bevorzugte Polymere sind Proteine, wie Sojaprotein
und bevorzugt Gelatine, die mit Lactamen enthaltend ethylenisch ungesättigte Gruppen,
wie N-Vinylcaprolactam oder N-Vinylpyrrolidon oder mit Gemischen dieser Monomeren
gepfropft worden sind und die teilvernetzt worden sind.
Ganz besonders bevorzuge Polymere sind mit amidgruppenhaltigen und/oder
aminogruppenhaltigen ethylenisch ungesättigen Monomeren gepfropfte und teilvernetzte
Gelatinen.
Als Vernetzer werden polyfunktionelle, wasserlösliche oder wasserdispergierbare
Epoxidverbindungen und/oder polyfunktionelle, wasserlösliche oder wasserdispergierbare
Aziridinverbindungen und/oder Trichlortriazin (Cyanurchlorid) und/oder Dichlorhydroxytriazin
eingesetzt. Dabei kann es sich um di-, tri-, tetrafunktionelle oder noch höher funktionelle
Epoxid- bzw. Aziridinverbindungen handeln.
Beispiele für Vernetzer sind Polyglycidether (= Polyether mit Resten
des 1,2-Propanoxirans) abgeleitet von zwei-, drei- oder vierwertigen Alkoholen oder
Phenolen.
Als Beispiele seien genannt der Di- oder Triglycidether des Glycerins,
Diglycidether des Ethylenglykols, des Bisphenols A des Bisphenols F oder des Hydrochinons.
Weitere Beispiele sind Polyglycidether des Pentaerythrits, Trimethylolpropans,
Sorbits oder Mannits.
Die Vernetzungsdichte ist dabei so zu wählen, dass das entstehende
teilvernetzte Pfropfpolymer seinen Zweck als Schutzkolloid für die Pigmentteilchen
der Streichfarbe noch zu erfüllen vermag. Das Produkt muss also wasserlöslich bleiben
oder zumindest in Wasser dispergierbar sein. In der Regel wird die Vernetzungsdichte
dabei so gewählt, dass maximal 1,5 Gewichtsteile eines multifunktionellen Vernetzers,
insbesondere eines Glycidethers, wie Pentaerythrittetraglycidether, auf 100 Gew.
Teile Pfropfpolymer eingesetzt werden.
Bei den bevorzugt als Propfgrundlage eingesetzten Gelatinen beträgt
das Gewichtsverhältnis von amidgruppenhaltigem ethylenisch ungesättigem Monomeren
zu Gelatine bis zu 1 : 1, vorzugsweise 0,1-1 : 1.
Neben den A-Typen (Säure-Typen) der Gelatine werden vorzugsweise B-Typen
(Base-Typen) als Pfropfgrundlage eingesetzt. Besonders bevorzugt werden Gelatine-Typen
mit einem Bloom-Wert oberhalb von 200, vorzugsweise von 240 bis 300, insbesondere
240 bis 270, eingesetzt.
Beispiele für ethylenisch ungesättigte amidgruppenhaltige Monomere
zum Propfen der Gelatine oder der anderen Protein-Pfropfgrundlagen sind Amide der
Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure, N-Vinylamide, wie N-Vinylpyrrolidon, oder
N-Vinyllactame, wie N-Vinylcaprolactam.
Die Pfropfreaktion wird im allgemeinen in wässriger Phase und unter
Verwendung an sich bekannter Initiatoren durchgeführt, beispielsweise des Redoxpaares
Peroxodisulfat / Natriumdithionit. Bei der Reaktionsführung ist darauf zu achten,
dass Propfpolymere mit keiner oder nur geringer Vernetzung erhalten werden, das
in einem anschließenden Schritt mit polyfunktionellen Epoxidverbindung so weit teilvernetzt
wird, dass das erhaltene Polymer ausreichend löslich bleibt, um als Schutzkolloid
für die Pigmentteilchen dienen zu können.
Sehr gute Ergebnisse werden erhalten, wenn die Pfropfung in Gegenwart
von Harnstoff oder einer ähnlich wirkenden Substanz, wie z.B. Guanidinsalz, Dicyandiamid
oder Melamin durchgeführt wird. Dabei wird einerseits die Gelatine gelöst, aber
auch die gewünschte, gut lösliche gepfropfte Gelatine erhalten. Der Löslichkeitsvermittler,
wie der Harnstoff wird dabei im Gewichtsverhältnis 1 : 1 zur Gelatine zugegeben
oder in leichtem Überschuss.
Besonders bevorzugt sind teilvernetzte und mit N-Vinyllactamen, besonders
mit N-Vinylpyrrolidon und ganz besonders bevorzugt mit N-Vinylcaprolactam gepfropfte
Gelatinen.
Die Erfindung betrifft ferner Streichmassen für bedruckbare Papierbahnen
in Form einer wässrigen Dispersion von Pigmenten und Hilfsstoffen mit einem Feststoffanteil
von 50 bis 80 Gew.%, worin die Streichmasse mindestens ein oben definiertes teilvernetztes
Pfropfpolymeres enthält.
Bevorzugt werden Streichmassen, deren Pigmentteilchen von teilvernetzten
Pfropfpolymeren umhüllt sind, die sich von Sojaprotein, Kasein und bevorzugt Gelatine
ableiten und mit ethylenisch ungesättigten Monomeren, die Amid- und/oder Aminogruppen
enthalten, gepfropft worden sind.
In vielen Streichfarben werden lösliche und Hydroxylgruppen enthaltende
Polymere, z.B. Polyvinylalkohol oder Stärke, als Aufhellerträger und Binder eingesetzt.
Polyvinylalkohol vor allem vollverseifter Polyvinylalkohol, ebenso
wie Stärken, neigen jedoch zur Ausbildung von Gelstrukturen infolge der intramolekularen
Ausbildung von Wasserstoffbrücken.
Infolge dieses Vorgangs baut sich in der Formulierung ein noch viskoelastischer
Fließanteil auf, der bei etwas längerer Lagerdauer der Streichfarbe stark zunimmt
und zu sehr hohen Anpresskräften am Rakel führt.
Es wurde nun gefunden, dass der Einsatz von polymeren Lewisbasen in
Form der oben beschriebenen teilvernetzten Pfropfpolymeren, insbesondere auf Basis
von Polyvinylpyrrolidon, den Aufbau viskoelastischer Strukturen verhindert oder
abbremst.
Die polymere Lewisbase baut Interaktionen bzw. polymere Komplexe mit
Polyvinylalkohol auf, so dass die Aggregation der Polyvinylalkoholketten verlangsamt
wird.
Überraschenderweise wurde nun gefunden, dass der Einsatz eines teilvernetzten
Proteins, insbesondere einer teilvernetzten Gelatine, mit den oben beschriebenen
gepfropften Einheiten, insbesondere mit gepfropften Poly-N-vinylcaprolactamgruppen,
es ermöglicht, Domänenstrukturen in der Pigmentdispersion abzubauen, d.h. niedrigere
Anpressdrucke zu erreichen und gleichzeitig über die Bildung von Polymerkomplexen
mit Polyvinylalkohol, dieses Polymer verstärkt an der Oberfläche des Pigments zu
binden.
Die Gesamtviskosität der Formulierung sinkt, wobei der plastische
Fließanteil leicht steigt. Die Erhöhung des plastischen Fließanteils bestätigt die
adsorptive Aufweitung des Partikeldurchmessers durch Adsorption von Polyvinylalkohol
und damit den stärkeren dissipativen Energieabbau infolge von Flüssigkeitsreibung.
Bevorzugt sind Streichmassen, die als Pigment Kaolin oder insbesondere
bevorzugt Calciumcarbonat, ganz besonders bevorzugt natürliches Calciumcarbonat
enthalten.
Ganz besonders bevorzugt wird Calciumcarbonat mit einem hohen Anteil
an Feinstteilchen, insbesondere mit einem Gewichtsanteil von 90 bis 99 % an Teilchen
mit einem Durchmesser von weniger als 2 &mgr;m. Derartige Pigmente werden bei der
Herstellung von bedruckbaren Papieren mit besonders hohem Glanz eingesetzt.
Ganz besonders bevorzugt sind Streichmassen, die 0,1 bis 1,0 Gewichts-Prozent,
bezogen auf den Feststoffanteil, der oben definierten teilvernetzten Pfropfpolymeren,
insbesondere einer teilvernetzten gepfropften Gelatine enthalten, bevorzugt ist
dabei der Bereich von 0,2 bis 0,5 Gew.%.
Die erfindungsgemäßen Streichfarben enthalten noch weitere Hilfs-
bzw. Zuschlagstoffe.
Beispiele für Hilfs- bzw. Zuschlagstoffe sind Bindemittel, wie Styrol-Butadien
Dispersionen oder Styrol-Acrylat Dispersionen, die typischennreise in Mengen von
5 bis 20 Gew.%, bezogen auf die Menge des Pigments, eingesetzt werden.
Weitere Beispiele für Hilfs- bzw. Zuschlagstoffe sind wasserlösliche
Polymere, wie Stärke, Polyvinylalkohol oder Carboxymethylcellulose, die typischerweise
in Mengen von 0,1 bis 10 Gew.%, bezogen auf die Menge des Pigments, eingesetzt werden.
Ferner können die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen optische Aufheller, wie 4,4'-Diaminostilben-disulfonsäurederivate,
enthalten, die typischerweise in Mengen von 0,1 bis 2 Gew.%, bezogen auf die Menge
des Pigments, eingesetzt werden.
Weitere an sich übliche Zusätze sind Konservierungsmittel, Dispergiermittel,
wie Natriumpolyacrylate, Gleitmittel, wie langkettige Natrium-,Ammonium- oder Calciumcarboxylate,
z.B. Stearate, die typischerweise in Mengen von 0,3 bis 1,5 Gew.%, bezogen auf die
Menge des Pigments, eingesetzt werden; oder Entschäumer, Entlüfter oder pH-Regulatoren,
wie Natronlauge oder Ammoniak, die typischerweise in Mengen von 0,01 bis 0,05 Gew.%,
bezogen auf die Menge des Pigments, eingesetzt werden; oder Vernetzer bzw. Härtungsmittel
für das Bindemittel, wie Melamin-Formaldehyd-Harze, Harnstoff-Formaldehyd-Harze,
Glyoxal bzw. Glyoxalderivate oder Polyglycidether.
Die erfindungsgemäße Streichmasse erhält als Dispergiermittel üblicherweise
Wasser.
Die Viskosität nach Brookfield, gemessen mit einer Spindeldrehzahl
von 100 min–1 liegt für die erfindungsgemäßen Streichmassen typischerweise
im Bereich von 300 bis 1.500 mPa sec, gemessen mit Spindel 3 bzw. 4 bei 20°C.
Die erfindungsgemäße Streichmasse bewährt sich besonders bei Streichmassen
mit einem hohen Anteil an feinen Pigmenten, die sonst häufig zur Streifenbildung
und zu geringerem Glanz auf dem Papier führen. Sie eignet sich deshalb besonders
für Calciumcarbonat, das zu weißeren Papieren führt, aber bei Streichmassen nach
dem Stand der Technik durch einen hohen Anteil an Feinstteilchen zu Verarbeitungsschwierigkeiten
führen kann.
Die erfindungsgemäßen Streichmassen ergeben beim Vorstrich einen besseren
Strichstand in Verbindung mit weniger Wasserverlust ins Rohpapier. Der Rakeldruck
ist deutlich verringert und führt zu besseren Laufeigenschaften. Diese Streichmassen
mit hoher Strukturviskosität decken deutlich besser ab und ergeben eine gleichmäßige
Fixierung des Deckstriches. Der verbesserte Vorstrich führt zu einer gleichmäßigeren
Farbannahme des deckgestrichenen Papiers mit weniger Druckfleckigkeit.
Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Streichmassen liegt darin,
daß eine deutlich geringere Abhängigkeit des Glanzes von der Höhe des Auftrags festzustellen
ist. Dadurch werden produktionsbedingte Auftragsschwankungen weniger sichtbar.
Die optimale Pigmentpackung führt zu hohem Glanz. Die so hergestellten
Papiere weisen eine deutlich verbesserte Glätte und eine höhere Weisse auf. Am bedruckten
Papier ergibt sich ein höherer Druckglanz und eine gleichmäßigere Bedruckbarkeit.
Die Erfindung betrifft auch die Verwendung der oben definierten teilvernetzten
Pfropfpolymeren als Schutzkolloide für Pigmentteilchen.