| Dokumentenidentifikation |
DE10238730A1 04.03.2004 |
| Titel |
Verfahren zur Reinigung des Dampferzeugers eines Druckwasserreaktors |
| Anmelder |
Framatome ANP GmbH, 91058 Erlangen, DE |
| Erfinder |
Bitter, Konrad, 91074 Herzogenaurach, DE; Hollwedel, Ursula, Dr., 91220 Schnaittach, DE; Schuß, Silvia, 94351 Feldkirchen, DE |
| Vertreter |
Mörtel & Höfner, 90402 Nürnberg |
| DE-Anmeldedatum |
23.08.2002 |
| DE-Aktenzeichen |
10238730 |
| Offenlegungstag |
04.03.2004 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
04.03.2004 |
| IPC-Hauptklasse |
F28G 9/00
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| Zusammenfassung |
Verfahren zur Reinigung der Dampferzeuger eines Druckwasserreaktors, bei dem dieser sekundärseitig unter erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur mit einer wässrigen Reinigungslösung behandelt wird, die EDTA, ein Reduktionsmittel und ein Alkalisierungsmittel enthält. Es wird vorgeschlagen, als Alkalisierungsmittel Morpholin zu verwenden.
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| Beschreibung[de] |
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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reinigung der Dampferzeuger
eines Druckwasserreaktors. Ein Dampferzeuger eines Druckwasserreaktors umfasst üblicherweise
einen Behälter, in dessen unterem Bereich eine Vielzahl von z.B. u-förmig gebogenen,
von Primärkühlmittel durchströmten Wärmetauscherrohren angeordnet sind. Im oberen
Behälterbereich befinden sich weitere Einbauten wie Dampfabscheider und Dampftrockner.
Während die Wärmetauscherrohre aus korrosionsfesten Legierungen bestehen, sind der
Behälter, zur Fixierung der Wärmetauscherrohre dienende Hilfsstrukturen und von
Sekundärkühlmittel durchströmte Teile des Sekundärkreislaufs zum Teil aus Materialien
mit geringerer Korrosionsbeständigkeit, beispielsweise aus C-Stahl hergestellt.
Die genannten Teile unterliegen daher bei den vorherrschenden Betriebstemperaturen
einer Korrosion. Während des Betriebes im Sekundärkreislauf entstehende Korrosionsprodukte,
hauptsächlich Magnetit, gelangen in den Dampferzeuger, wo sie sich auf dem Behälterboden
und in Rohrzwischenräumen ablagern sowie als Belag auf der Oberfläche der Wärmetauscherröhren
aufwachsen. Um die Integrität und Funktionsfähigkeit von Dampferzeugern, insbesondere
einen ungehinderten Wärmeübergang zu gewährleisten, werden – falls nötig –
im Zuge der jährlichen Revisionen Reinigungsarbeiten durchgeführt, um den von den
Ablagerungen gebildeten Schlamm und den Belag der Wärmetauscherrohre chemisch zu
entfernen.
Zu diesem Zweck wird der Dampferzeuger schrittweise soweit mit Reinigungsflüssigkeit
gefüllt, dass die Austauscherrohre völlig untergetaucht sind. Eine übliche, beispielsweise
aus US 4,632,705 bekannte Reinigungslösung
enthält eine komplexbildende Säure wie Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA), ein
Reduktionsmittel, beispielsweise Hydrazin, und Ammoniak als Alkalisierungsmittel.
Alkalische Bedingungen sind erforderlich, um einen Materialabtrag bei den aus C-Stahl
oder niedrig legierten Stählen bestehenden Teilen des Sekundärkreises möglichst
gering zu halten. Außerdem wird ein Korrosionsinhibitor zugesetzt.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein alternatives Reinigungsverfahren
für die Dampferzeuger eines Druckwasserreaktors anzugeben, mit dem eine wirkungsvolle
Reinigung bei geringem Materialabtrag ohne Zusatz eines Korrosionsinhibitors möglich
ist.
Diese Aufgabe wird nach Anspruch 1 dadurch gelöst, dass als Alkalisierungsmittel
Morpholin verwendet wird.
Morpholin ist wesentlich weniger flüchtig als Ammoniak, so dass nur
ein entsprechend geringerer Anteil in die Dampfphase übertritt. Bei Reinigungsverfahren
der vorliegenden Art wird in der Regel so vorgegangen, dass in bestimmen Zeitabständen
durch hinter dem Dampferzeuger angeordnete Ventile des Frischdampfsystems eine plötzliche
Druckentlastung vorgenommen wird, die zu einem starken Auf sieden und zu heftigen
Turbulenzen in der Reinigungsflüssigkeit führt. Auf diese Weise wird die Reinigungslösung
durchmischt, so dass der Komplexbildner den Magnetit nach Reduktion auflösen kann.
Da der Anteil von Morpholin in der Dampfphase wesentlich geringer ist als der von
Ammoniak, gelangt bei der Druckentlastung wesentlich weniger umweltbelastendes Alkalisierungsmittel
in die Umgebung als bei mit Ammoniak arbeitenden Verfahren. Für das Reinigungsverfahren
hat der geringe Verlust an Alkalisierungsmittel den wesentlichen Vorteil, dass der
pH-Wert bis zum Ende der Reinigung nahezu konstant bleibt. Bei dem bekannten, Ammoniak
verwendenden Verfahren dagegen kann wegen des Ammoniakaustrags der pH-Wert gegen
Ende der Reinigungsdauer bis auf Werte nahe dem Neutralpunkt absinken, was zu einem
erhöhten Grundmetallangriff bzw. Metallabtrag führt.
Die absoluten Konzentrationen der genannten Bestandteile in der Reinigungslösung
hängen naturgemäß von der Menge der jeweils zu entfernenden Ablagerung ab. Es haben
sich aber bestimmte Molverhältnisse zwischen den Bestandteilen als vorteilhaft herausgestellt.
Das Molverhältnis von Morpholin zu EDTA liegt zwischen 1:1 und 6:1, vorzugsweise
beträgt es 4:1. Das letztgenannte Molverhältnis entspricht einem Massenverhältnis
von 1,2. Das Molverhältnis von Hydrazin zu EDTA weist Werte auf, die zwischen 1:6
und 1:1 liegen. Bevorzugt ist ein Molverhältnis von 1:3, was einem Massenverhältnis
von 0,04 entspricht. Neben dem besonders bevorzugten Hydrazin können auch andere
Reduktionsmittel eingesetzt werden.
Ausführungsbeispiel
Eine für die Reinigung eines Dampferzeugers geeignete Reinigungslösung
enthält 60g/l EDTA (= 0,205 Mol/l), 71,5g/l Morpholin (= 0,821 Mol/l) und 2,2g/1
Hydrazin (= 0,068 Mol/l). Eine derartige Lösung weist einen pH-Wert von etwa 9 auf.
Eine bevorzugte Verfahrensvariante sieht vor, dass die Reinigung während
des Herunterfahrens des Reaktors durchgeführt wird. Sobald im Dampferzeuger eine
Temperatur von etwa 160° vorliegt, werden die Bestandteile der Lösung in konzentrierter
Form in einer derartigen Menge zudosiert, dass sich nach Zugabe von Wasser die oben
angegebenen Konzentrationen einstellen. Im Dampferzeuger herrscht abhängig von der
Reinigungstemperatur ein Druck von etwa 6 bis 10 bar. Durch über die gesamte Reinigungsdauer
verteilte, plötzliche Druckentlastungen wird die Reinigungslösung zum Auf sieden
gebracht, wodurch unverbrauchte Chemikalien mit den Ablagerungen in Kontakt kommen.
Unterhalb von etwa 140°C ist die Reinigung nicht mehr effektiv durchführbar.
Um die Wirksamkeit von mit Morpholin arbeitenden Reinigungslösungen
im Vergleich zu Ammoniak beim Einsatz des selben Verfahrens zu untersuchen, wurden
die im folgenden näher beschriebenen Tests durchgeführt:
In einem Laborautoklaven aus Edelstahl wurden 11,5 g eines aus dem Dampferzeuger
einer Druckwasser-Anlage stammenden Magnetitschlamms mit einem Eisengehalt von 72,5
Gew.% mit ca. 1 l der oben angegebenen Reinigungslösung 8 Stunden lang bei einer
Temperatur von 160° behandelt, wobei mehrmals plötzliche Druckentlastungen vorgenommen
wurden, um eine innige Durchmischung zu erzielen. Die im Zuge des Abdampfens entfernte
Wassermenge und die zur Probennahme aus dem Autoklaven entfernte Menge an Reinigungslösung
wurde wieder eingespeist. Mit einer im Autoklaven angeordneten, mit Teflon beschichteten
Aufhängevorrichtung waren Coupons aus C-Stahl unterhalb des Flüssigkeitsspiegels
positioniert.
Mit diesen Rahmenbedingungen wurden 2 Versuche durchgeführt, wobei
in einem Fall mit Ammonium/EDTA und dem anderen Fall mit Morpholin/EDTA gearbeitet
wurde und das jeweilige Alkalisierungsmittel so dosiert wurde, dass sich ein pH-Wert
von 9 einstellt. Durch das Wiedereinspeisen entnommener Reinigungsflüssigkeit blieb
dieser Wert bis zum Schluss der Reinigung nahezu konstant. Am Ende der Versuche
wurde der aus den Coupons und der aus dem Schlamm gelöste Eisenanteil bestimmt.
In beiden Fällen wurde ein Verhältnis von gelöstem Schlamm zu eingesetztem Schlamm
von 95% ermittelt. Hinsichtlich der Auflösung von Magnetitschlamm zeigten also beide
Reinigungslösungen eine vergleichbare Wirkung. Während jedoch bei dem Versuch mit
Ammoniak der aus den C-Stahl Coupons gelöste Eisenanteil 20% betrug, war dieser
Anteil beim Morpholin-Versuch nur 15%. Bei der Reinigungslösung mit Morpholin war
somit die korrosive Beeinflussung des C-Stahles geringer. Bei der Reinigung mit
Ammoniak stellte sich ein durchschnittlicher Materialabtrag von 27&mgr;m ein, was
einer durchschnittlichen Abtragsrate von 34 g/l⋅h⋅m2 entspricht.
Beim Morpholin-Versuch wurde ein durchschnittlicher Materialabtrag von 21&mgr;m
beziehungsweise eine durchschnittliche Abtragungsrate von 20 g/1⋅h⋅m2
beobachtet. Da in beiden Fällen der pH-Wert nahezu konstant gehalten wurde, kann
das schlechtere Abschneiden des Ammoniak-Versuches nicht auf eine pH-Wert-Absenkung
zurückgeführt werden. Hier scheint vielmehr ein sich aus der Kombination EDTA/Morpholin
ergebender Effekt vorzuliegen.
Von der Anmelderin durchgeführte Differenzthermoanalysen von Ammonium/EDTA
und Morpholin/EDTA deuten auf eine höhere thermische Stabilität des Systems Morpholin/EDTA
hin. EDTA zersetzt sich bekanntlich bei höheren Temperaturen, wobei korrosionsfördernde
Zersetzungsprodukte, beispielsweise Imino-diessigsäure entstehen. Bisher wurde diesem
Problem mit einer verkürzten Reinigungsdauer oder mit einer verringerten Reinigungstemperatur
begegnet. Die sich daraus ergebenden Nachteile liegen auf der Hand. Bei dem vorgeschlagenen
Verfahren dagegen können größere Zeitrahmen ausgenutzt werden. Darüber hinaus dürfte
aufgrund der höheren thermischen Stabilität von Morpholin/EDTA eine Reinigung auch
bei höheren Temperaturen als 180°C möglich sein.
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| Anspruch[de] |
- Verfahren zur Reinigung von Dampferzeugern eines Druckwasserreaktors, bei dem
diese sekundärseitig unter erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur mit einer wässrigen
Reinigungslösung behandelt werden, die EDTA, ein Reduktionsmittel und ein Alkalisierungsmittel
enthält, dadurch gekennzeichnet, dass als Alkalisierungsmittel Morpholin
verwendet wird.
- Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Reduktionsmittel
Hydrazin verwendet wird.
- Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet durch die Verwendung einer
Reinigungslösung, in der Morpholin und EDTA in einem Molverhältnis von 1:1 bis 6:1
vorhanden sind.
- Verfahren nach Anspruch 3, gekennzeichnet durch ein Molverhältnis von Morpholin
zu EDTA von 4:1.
- Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, gekennzeichnet durch die Verwendung
einer Reinigungslösung, in der Hydrazin und EDTA in einem Molverhältnis von 1:6
bis 1:1 vorhanden sind.
- Verfahren nach Anspruch 5, gekennzeichnet durch ein Molverhältnis von Hydrazin
zu EDTA von 1:3
- Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die
Temperatur während der Reinigung 140°C bis 200°C beträgt.
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