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Dokumentenidentifikation DE10028142B4 18.03.2004
Titel Verfahren zum Pickeln und Chromgerben
Anmelder Dr. Th. Böhme KG Chem. Fabrik GmbH & Co, 82538 Geretsried, DE
Erfinder Graf, Dieter, 82547 Eurasburg, DE
Vertreter Dr. Werner Geyer, Klaus Fehners & Partner GbR, 80687 München
DE-Anmeldedatum 07.06.2000
DE-Aktenzeichen 10028142
Offenlegungstag 20.12.2001
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 18.03.2004
Veröffentlichungstag im Patentblatt 18.03.2004
IPC-Hauptklasse C14C 3/06
IPC-Nebenklasse C14C 3/08   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Leder und Pelzen unter Einsatz einer antioxidanshaltigen Dispersion und Verwendung der antioxidanshaltigen Dispersion in diesem Vertahren.

Tierhäute werden seit über 100 Jahren mit Chrom(III)-Salzen in verschiedenster Zusammensetzung zu Leder und Pelzen gegerbt. Allgemein wird hierbei von getrockneten, gesalzenen oder frischen Tierhäuten ausgegangen, die durch eine Weiche/Wäsche im Fall von Leder, einem Äscher und einem anschließenden Pickel für die Chromgerbung vorbereitet werden.

Durch die Chromgerbung entsteht aus dem nichthaltbaren Tierhautmaterial, das gegen heißes Wasser unbeständig ist sowie einem enzymatischen und/oder bakteriellen Abbau unterliegen oder faulen kann, ein gegerbtes Hautmaterial, das sogenannte Wetblue, das je nach Grad der Gerbung selbst in kochendem Wasser seine ursprüngliche Struktur beibehält.

Chromleder enthält Chrom(III)-Salze in weitgehend gebundener Form. Unter bestimmten Bedingungen können jedoch Teile dieses Mineralgerbstoffs aus dem Leder ausgewaschen werden. Chrom(III)-Salze sind im Gegensatz zu den Chrom(VI)-Verbindungen, den sogenannten Chromaten, toxikologisch unbedenklich. So liegen die LD 50-Werte bei der Ratte bei 1900–3300 mg/kg Körpergewicht für Chrom(III)-Verbindungen und bei ca. 50 mg/kg Körpergewicht für Chrom(VI)-Verbindungen.

Die in über 100 Jahren des Einsatzes von Chromleder gemachten Erfahrungen mit Chrom(III)-gegerbten Ledern zeigten mit wenigen Allergieausnahmen keine negativen Einflüsse auf z. B. die Träger von Lederschuhen. Chromleder stand jedoch stets in Verdacht, auch toxische Chrom(VI)-Verbindungen (Chromate) zu enthalten. Da mit dem Verfahren gemäß der DIN 53314 eine Bestimmungsmethode für extrem geringe Chrom(VI)-Konzentrationen von ≥ 3 ppm zur Verfügung steht, wurde bei Untersuchungen der verschiedensten Ledermaterialiep auch tatsächlich Chrom(VI) in Mengen bis zu über 20 ppm gefunden.

Aufgrund umfangreicher Untersuchungen wurde angenommen, daß die natürlichen Fettungsmittel und Naturfette, die bei den Gerbvertahren eingesetzt werden, als Katalysatoren für die Umwandlung von Chrom(III) in Chrom(VI) im Leder oder in Pelzen wirken. Die natürlichen Fettungsmittel enthalten nämlich zum großen Teil mehrfach ungesättigte Fettsäureester, die unter Einwirkung von Luft (Sauerstoff) Peroxide bilden können, die ihrerseits dann Chrom(III) zu Chrom(VI) oxidieren können.

Aus der DE 40 00 397 sind spezielle lipidselektive Antioxidantien bekannt, die zum Schutz lipidhaltiger Substanzen gegen Oxidation eingesetzt werden.

Um eine Chrom(VI)-Bildung in chromgegerbten Ledern oder Pelzen, insbesondere während der Lagerung, auszuschließen, müssen die Leder entweder ohne Fettungsmittel auf natürlicher Basis gefettet, wodurch jedoch keine weichen Leder resultieren, und zusätzlich das Naturfett entfernt werden, oder es muß eine extrem starke vegetabile Nachgerbung zur Anwendung kommen, wodurch aber Leder entstehen, die nicht auf die teilweise gewünschten hellen Farbtöne gefärbt werden können.

Mit der Chrom(VI)-Bildung geht ferner eine Verhärtung der Leder während der Lagerung einher, die sich auch negativ auf die Reißfestigkeitswerte, insbesondere die Weiterreißfestigkeit sowie die Stichausreißfestigkeit, auswirkt.

Der vorliegenden Endung liegt somit die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung von Leder oder Pelzen bereitzustellen, das nicht die Nachteile des Standes der Technik aufweist. Insbesondere soll die Chrom(VI)-Bildung während der Lagerung der Leder oder Pelze vermieden werden.

Erfindungsgemäß wird dies durch ein Verfahren zur Herstellung von Leder und Pelzen erreicht, bei dem Häute und/oder Felle gepickelt und anschließend einer Chromgerbung unterzogen werden, wobei das Pickeln und/oder das Gerben zumindest teilweise in Gegenwart mindestens eines Antioxidans durchgeführt wird, wobei das Antioxidans in einem Dispersionsmittel dispergiert ist und in der Dispersion in einer Menge von 1 Gew.-% bis 10 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, vorliegt bzw. in einer Menge von etwa 0,05 Gew.-% bis 0,5 Gew.-%, bezogen auf das Trockengewicht der Häute und/oder Felle, eingesetzt wird.

Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß in nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Leder und Pelzen, insbesondere bei einer Lagerung über mehrere Monate, keine Chrom(VI)-Verbindungen nachweisbar waren.

Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren werden die Leder bereits im Wetbluezustand gegen eine mögliche Chrom(III)-Oxidation und damit Chrom(VI)-Bildung, die möglicherweise durch die Naturfette verursacht wird, geschützt. Bei der Weiterverarbeitung des Wetblues zum sogenannten Crustleder (Nachgerbung, Fettung und Färbung) bleibt der Schutz erhalten. Auch hier ist eine Chrom(VI)-Bildung z. B. während der Trocknung und der Lagerung, nicht festgestellt worden. Die Ausrüstung des Chromleders gegen Oxidation von Cr(III) zu Cr(VI) bleibt durch das erfindungsgemäße Verfahren auch bei extrem ungünstigen Lagerbedingungen, beispielsweise bei hoher Temperatur und hoher Luftumwälzung, erhalten.

Während Chromleder, die mit natürlichen Fettungsmitteln gefettet wurden, bereits nach einer Lagerung an der Luft bei 20° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 22% nach vier Wochen einen Chrom(VI)-Gehalt von etwa 35 ppm aufwiesen, waren die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Leder nach dieser Zeit Chrom(VI)-frei, es konnte mit üblichen Bestimmungsverfahren kein Cr(VI) nachgewiesen werden. Auch nach einer Verlängerung der Lagerzeit auf sechs Monate hatten die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Chromleder einen Chrom(VI)-Gehalt unterhalb der Nachweisgrenze, während parallel hergestellte Leder ohne eine Behandlung während des Pickelns und/oder der Chromgerbung mit einem Antioxidant eine Chrom(VI)-Konzentration von 86 ppm aufwiesen.

Entsprechend durchgeführte Vergleichstests mit Schafpelzvelour ergaben im wesentlichen die gleichen Ergebnisse. Auch hier hatten Schafpelze, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren während der Herstellung mit dem Antioxidant behandelt wurden, nach einer Lagerung von sechs Monaten keine nachweisbaren Chrom(VI)-Mengen, während die Werte für nicht nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Pelze bei über 80 ppm lagen. Bei den durchgeführten Versuchen wurde sowohl für das auf übliche Weise hergestellte Fell als auch für das nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Fell die gleichen Fettungsmittel in den gleichen Einsatzmengen angewandt.

Wie sich aus den vorstehenden Ausfuhrungen ergibt, sind somit die erfindungsgemäß hergestellten Leder und Pelze über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten lagerbar, ohne daß eine nachweisbare Chrom(VI)-Menge gebildet wurde.

Des weiteren ist die üblicherweise mit der Chrom(VI)-Bildung einhergehende Verhärtung des Leders während der Lagerung nicht beobachtbar; dies bedeutet, daß die Reißfestigkeitswerte, insbesondere die Weiterreißfestigkeit sowie die Stichausreißfestigkeit, der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Leder und Pelze hervorragend sind.

Das erfindungsgemäße Verfahren ist verfahrenstechnisch in einfacher Weise durchzuführen. Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Leder und Pelze besitzen eine gut einstellbare Weichheit, hohe Festigkeitswerte und eine hohe Temperaturbeständigkeit, insbesondere auch in feuchtem Zustand. Sie können in allen Farbtönen, auch in sehr hellen Farbtönen, problemlos hergestellt werden. Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens sind kaum Emissionen festzustellen. Der Chromgerbstoff läßt sich vollkommen recyceln.

Unter dem Ausdruck „Antioxidans" werden Verbindungen jeglicher Art verstanden, die unerwünschte, durch Sauerstoff-Einwirkungen und andere oxidative Prozesse bedingte Veränderungen in den zu schützenden Stoffen hemmen oder verhindern.

Als Antioxidantien wirksam sind unter anderem aromatische Amine, Organoschwefel-Verbindungen, Phosphor-Verbindungen, sterisch gehinderte Amine und sterisch gehinderte Phenole. Letztere sind bevorzugt, da sie in besonders günstiger Weise die Oxidation von Chrom(III)-Verbindungen zu Chrom(VI)-Verbindungen in Ledern und Pelzen verhindern. Besonders geeignete Vertreter der sterische gehinderten Phenole sind 4,4'-Methylen-bis(2,6-di-tert.-butylphenol), Pentaerythrit-tetra(3,5-di-tert.-butyl-4-hydroxyhydrocinnamat), 2,2'-Methylen-bis-(4-methyl-tert.-butylphenol) und butyliertes Reaktionsprodukt aus p-Kresol und Dicyclopentadien.

Im erfindungsgemäßen Verfahren können mehrere, voneinander verschiedene Antioxidantien eingesetzt werden.

Damit das Pickeln und/oder das Gerben zumindest teilweise in Gegenwart eines Antioxidans durchgeführt werden kann, kann das, Antioxidans zur Pickelflotte oder zur Gerbflotte zugegeben werden.

Im erfindungsgemäßen Verfahren ist das Antioxidans in einem Dispersionsmittel dispergiert. Diese antioxidanshaltige Dispersion kann zur Pickel- oder Gerbflotte gegeben werden. Bei einer Dispersion handelt es sich um die Bezeichnung für ein System mit mehreren Phasen, von denen eine kontinuierlich (Dispersionsmittel) und mindestens eine weitere fein verteilt ist (dispergierte Phase). Bei den im erfindungsgemäßen Vertahren einsetzbaren antioxidanshaltigen Dispersionen handelt es sich um solche, bei denen die dispergierte Phase das Antioxidans umfaßt.

Das Antioxidans liegt in der Dispersion in einer Menge von 1 Gew:-% bis 10 Gew.-%, insbesondere 6 Gew.-% bis 7 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, vor. Bei diesen Mengen ist eine gute antioxidative Wirkung, ein gutes Eindringen des Antioxidans in das Hautmaterial/Leder und eine gute Dispergierbarkeit des Antioxidans im Dispersionsmittel festzustellen.

Unter dem Ausdruck „Dispersionsmittel" werden Mittel jeglicher Art verstanden, die als kontinuierliche Phase für das Antioxidans wirken können. Beispiele solcher sind anionische Dispersionsmittel, wie anionische Alkylpolyethersulfate, -sulfosuccinate oder -phosphate.

Vorzugsweise weist das Dispersionsmittel mindestens eine Verbindung der Gruppe Fettalkoholpolyglykolethersulfat, Fettalkoholpolyglykolethersulfosuccinat, Fettalkoholpolyglykoletherphosphat, Fettsäureamidpolyglykolethersulfat, Fettsäureamidpolyglykolethersulfosuccinat oder Fettsäureamidpolyglykoletherphosphat auf. Das Dispersionsmittel kann dabei eine oder mehrere, voneinander verschiedene der vorgenannten Verbindungen enthalten.

Die Fettalkohol- bzw. Fettsäureamid-Reste können 12 bis 22, insbesondere 12 bis 18, Kohlenstoff-Atome aufweisen. Der Polyglykolether-Rest kann 4 bis 8 von Ethylenoxid (EO) abgeleitete Reste aufweisen.

Das Dispersionsmittel für das Antioxidant kann auch Gemische der unethoxylierten Derivate der vorgenannten ethoxylierten Verbindung mit diesen bzw. den nicht zu Sulfaten, Phosphaten oder Sulfosuccinaten umgesetzten Ethoxylaten aufweisen.

Die vorgenannten Verbindungen sind besonders gut für die Dispergierung der im endungsgemäßen Verfahren eingesetzten Antioxidantien geeignet, da das darin dispergierte Antioxidans besonders gut in das Hautmaterial/Leder eindringen und dort seine Wirkungen besonders gut entfalten kann. Des weiteren beeinflussen diese Dispersionsmittel die Ledereigenschaften, insbesondere im Hinblick auf die Weichheit, wenn überhaupt nur sehr gering. Darüberhinaus sind sie für die Chromgerbung ausreichend stabil.

In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens liegen die vorgenannten Fettalkoholpolyglykolether- und Fettsäureamidpolyglykolether-Verbindungen in der Dispersion in einer Menge von 8 Gew.-% bis 20 Gew.%, insbesondere etwa 12 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, vor. Mit diesen Mengen wird in besonders günstiger Weise erreicht, daß die Antioxidantien gut dispergierf sind und gut in das Leder eindringen können, die Ledereigenschaften aber nicht negativ beeinflußt werden.

Die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte antioxidanshaltige Dispersion kann neben dem Antioxidans und den vorgenannten Fettalkoholpolyglykolether- und Fettsäureamidpolyglykolether-Verbindungen noch weitere Komponenten aufweisen, insbesondere Wasser und Stellmittel.

Bei Stellmitteln handelt es sich um Verbindungen, mit denen die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten antioxidanshaltigen Dispersionen in eine besonders gut handhabbare Form gebracht werden können. Beispiele der Stellmittel sind Glykole und Polyglykole. Mit diesen wird in besonders günstiger Weise eine einheitliche und klare, antioxidanshaltige Dispersion erhalten. Als Stellmittel können auch Weißöle eingesetzt werden.

Die Menge des Stellmittels in der im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren antioxidanshaltigen Dispersion kann 0 Gew.-% bis 80 Gew.%, insbesondere 25 Gew.-% bis 28 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, betragen.

Wie bereits vorstehend erwähnt wurde, kann die im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbare antioxidanshaltige Dispersion Wasser enthalten. Die Menge des Wassers kann 0 Gew.-% bis 80 Gew.-%, insbesondere 53 Gew.-% bis 54 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, betragen. Durch den Einsatz von Antioxidantien in wasserdispergierter Form dringen die Antioxidantien in besonders günstiger Weise in das Hautmaterial/Leder ein und können dort ihre antioxidativen Wirkungen besonders gut entfalten.

Beispiele der im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren antioxidanshaltigen Dispersionen umfassen 6–7 Gew.-% eines Antioxidans, insbesondere eines sterisch gehinderten Phenols, 25 Gew.-% bis 28 Gew. % eines Stellmittels, 12-15 Gew.-% eines C1 2-C22-Fettalkohols mit 8 Mol Ethylenoxid/Sulfosuccinat (50%-ig) oder eines C14-C16 Fettalkohols mit 4 Mol Ethylenoxid/Amoniumsulfat und 53–54 Gew.-% Wasser.

Beim erfindunsgemäßen Verfahren werden Leder und Pelze erhalten. Dabei werden unter dem Ausdruck „Leder" auch als Wetblue bezeichnete ungetrocknete Halbfabrikate verstanden.

Im erfindungsgemäßen Verfahren werden Häute eingesetzt, die in auf diesem Gebiet üblicher Weise hergestellt werden können. Allgemein kann von getrockneten, gesalzenen oder frischen Tierhäuten ausgegangen werden. Diese können durch eine Weiche/Wäsche im Fall von Leder und/oder einem Äscher vorbehandelt werden. Hierbei handelt es sich um auf diesem Gebiet übliche Verfahren, wozu dem Fachmann die notwendigen Schritte und Materialien bekannt sind.

Danach kann sich das übliche Pickel anschließen. Dabei handelt es sich um eine Vorbehandlung tierischer Häute und Felle mit Lösungen von Salzen zur Konservierung und Sauerstellung bereits enthaarter Blößen vor der Chrom-Gerberei. Dazu können die vorbehandelten Häute mit NaCl, beispielsweise in einer Menge von etwa 5 Gew.-%, bezogen auf das Blößengewicht, 85%-ige Ameisensäure, beispielsweise in einer Menge von 0,8 Gew.-%, bezogen auf das Blößengewicht, und 96%-ige Schwefelsäure, beispielsweise in einer Menge von 0,4 Gew.-%, bezogen auf das Blößengewicht, in üblicher Weise behandelt werden.

Nach dem Pickel kann die gepickelte Haut unter Verwendung eines Chrom(III)-Gerbstoffs in üblicher Weise gegerbt werden. Solche Chrom(III)-Gerbstoffe sind dem Fachmann bekannt.

Durch die Chromgerbung entsteht aus dem nichthaltbaren Tierhautmaterial (unbeständig gegen heißes Wasser, enzymatischen/bakteriellen Abbau, Fäulnis etc.) ein Leder, das sogenannte Wetblue, das je nach Grad der Gerbung selbst in kochendem Wasser noch seine ursprüngliche Struktur beibehält. Je nach Bedingungen kann das Wetblue auch länger gelagert werden und dient als Ausgangsmaterial für die unterschiedlichsten Lederarten, beispielsweise Schuhoberleder, Bekleidungsleder, Polster- und Automobilleder.

Die Schritte des Pickelns und des Gerbens können im erfindungsgemäßen Verfahren in einem Bad durchgeführt werden. Es ist also nicht notwendig, nach dem Pickeln die Pickelflotte abzulassen, sondern, nach dem das Pickeln lange genug durchgeführt wurde, können zur Pickelflotte die Gerbstoffe zugesetzt und dadurch die Gerbung eingeleitet werden.

Im erfindungsgemäßen Verfahren wird das Pickeln und/oder das Gerben zumindest teilweise in Gegenwart mindestens eines Antioxidans durchgeführt.

Dies bedeutet, daß das Antioxidans nicht während der gesamten Dauer des Pickelns und/oder des Gerbens zugegen sein muß.

Es ist beispielsweise möglich, nur das Pickeln oder nur das Gerben in Gegenwarf eines Antioxidans durchzuführen. Dabei kann das Antioxidans zu Beginn des Pickelns, während des Verlaufs des Pickelns, beispielsweise nach Zugabe von NaCl, insbesondere 10 Minuten nach dessen Zugabe, oder vor dem Ende des Pickelns zur Pickelflotte gegeben werden.

Das Antioxidans kann ferner vor Beginn des Gerbens, insbesondere unmittelbar vor Beginn des Gerbens, zusammen mit dem Gerbmitteln, nach Zugabe des Gerbmittels, beispielsweise unmittelbar nach der Gerbmittelzugabe, während der Dauer des Gerbens oder vor Ende des Gerbens, beispielsweise unmittelbar vor Ende des Gerbens, zur Gerbflotte gegeben werden.

Das Antioxidans kann auch zur Gerbflotte zuzugeben werden, wenn bereits etwa 50%, insbesondere etwa 70%, ganz besonders etwa 90%, der Gerbdauer vorbei sind. Wird beispielsweise die Gertung während 8–30 Stunden durchgeführt, so kann das Antioxidans etwa 1–3 Stunden vor Beendigung der Gerbung, die durch Ablassen der Flotte erfolgen kann, zur Gerbflotte zugegeben werden.

Die Menge des Antioxidans beträgt im erfindungsgemäßen Verfahren 0,05 Gew.-% bis 0,5 Gew.%, bezogen auf das Trockengewicht der eingesetzten Häute und/oder Felle.

Nach der Gerbung kann das erhaltene Wetblue mehrere Tage, beispielsweise etwa 3 Tage, auf Bock abgelagert werden.

Je nach gewünschtem Einsatz des fertig zugerichteten Leders kann das Wetblue unterschiedlich mit synthetischen/vegetabilen oder Chrom(III)-Gerbstoffen nachgegerbt werden. Die Fettung kann mit Produkten auf natürlicher Basis, z. B. Fischölsulfitaten, Rinderklauenölsulfonaten oder synthetischen Produkten auf Basis von Kohlenwasserstoffen mit weichmachenden Emulgatoren, z. B. Alkansulfonaten, langkettigen Alkylsulfaten oder Sulfobernsteinsäureestern (Sulfosuccinaten) oder Mischungen von natürlichen und synthetischen Fettungsmitteln erfolgen.

Die nachgegerbten und gefetteten Leder können entweder im gleichen oder in einem extra Bad mit wasserlöslichen Farbstoffen gefärbt werden. Danach können die gegerbten Häute unterschiedlich lange im nassen Zustand abgelagert werden. Die Trocknung kann in an sich bekannter Weise erfolgen, beispielsweise durch Hängetrocknung, Vakuumtrocknung, Klammertrocknung und Pastingtrocknung. Anschließend kann auf einen Wassergehalt von etwa 16 Gew. % konditioniert werden. Durch anschließendes Stollen oder Millen kann die Weichheit deutlich verbessert werden.

Das so hergestellte Crustleder kann entweder in dieser Form zwischengelagert und gehandelt oder ggf. nach Aufbringen einer dünnen Lackschicht der Zurichtung zu den unterschiedlichsten Lederartikeln verarbeitet werden, wobei neben den Schuhoberledern vor allem die Polsterleder und insbesondere die Automobilpolsterleder aufgrund der hervorragenden Gebrauchseigenschaften den größten Anteil bilden.

Pelze, und hier besonders Schaf- und Lammpelze, werden im Prinzip ähnlich gearbeitet, wobei jedoch der Äschen, die unter anderem die Aufgabe der Haarentfernung hat, ersatzlos entfällt. Hierfür kann der Pickelprozeß gegenüber der Lederherstellung länger ausgedehnt und teilweise unter Einsatz von üblichen Enzymen durchgeführt werden. Nach der Nachgerbung, Fettung und Färbung können die chromgegerbten Leder kurze Zeit in feuchtem Zustand gelagert und anschließend im Regelfall klammergetrocknet und über eine Bakel- oder Stollmaschine im Pelzleder aufgelockert und hierdurch weich eingestellt werden.

Wie sich aus den obigen Ausführungen ergibt, können bei Verwendung der Antioxidantien, insbesondere bei Verwendung antioxidanthaltiger Dispersionen, die Oxidation von Chrom(III)-Verbindungen zu Chrom(VI)-Verbindungen bei der Herstellung und/oder Lagerung von Leder und Pelzen verhindert werden.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ferner die Verwendung einer Zusammensetzung, umfassend (a) mindestens ein Antioxidans und (b) mindestens ein Dispersionsmittel, wobei das Antioxidans in der Dispersion in einer Menge von 1 Gew.-% bis 10 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, vorliegt, zur Verwendung in einem erfindungsgemäßen Verfahren. Die Bestandteile der erfindungsgemäßen Zusammensetzung sind wie vorstehend definiert.

Die nachfolgenden Beispiele erläutern die Erfindung.

Beispiel 1: Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens

Es wurde eine antioxidanshaltige Dispersion (Produkt A) hergestellt. Dazu wurden 7 Gew.-% 4,4'-Methylen-bis (2,6-di-terf.-butylphenol) mit 28 Gew.-% eines Weißöls vermischt, anschließend wurde dieses Gemisch mit 12 Gew.-% C12-C16 Fettalkohol mit 8 Mol Ethylenoxid/Sulfosuccinat 50%-ig versetzt und unter Rühren wurde langsam bei einer Temperatur von ca. 50°C in 53 Gew.-% Wasser eingetragen.

Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wurde von in üblicher Weise behandelten Rindshäuten ausgegangen.

Herstellung von Automobilleder/Polsterleder-Wetblue

Fassgeschwindigkeit: 20 Upm

Angaben: Flotte und Menge in Gew.-% bezogen auf Blößengewicht, Zeit in min

0 = kein Flottenwechsel 0 = Flottenwechsel

Chromnachgerbung/Fettung/Färbung – Weiterarbeit von Wetblue zu Farbcrust

Leder auf Bock legen, mit Folie abdecken. Vakuumieren bei 65–80°C 2 min. Austrocknen im Trockenraum bei 35°C. Über Nach im Klimaraum konditionieren bei 60% Luftfeuchte.

Beispiel 2: Durchführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens

Es wurde eine antioxidanshaltige Dispersion (Produkt B) hergestellt. Dazu wurden 6% 4,4'-Methylen- bis (2,6-di-tert.-butylphenol) mit 25 Gew.-% Weißöl verrührt. Anschließend wurden 15 Gew.-% C1 4-C1 6 Fettalkohol mit 4 Mol Ethylenoxide/Amoniumsulfat bei 70°C verrührt und danach langsam 54 Gew.-% Wasser mit einer Temperatur von 60°C eingetragen.

Zur Durchführung des Beispiels 2 wurde von Rindshäuten ausgegangen.

Chromnachgerbung/Fettung/Färbung – Weiterarbeit von Wetblue zu Farbcrust

Leder auf Bock legen, mit Folie abdecken. Vakuumieren bei 65–80°C während 2 min. Austrocknen im Trockenraum bei 35°C. Über Nacht im Klimaraum konditionieren bei 60% Luftfeuchte.

Beispiel 3: Durchführung eines Vergleichsverfahrens

Es wurden die in den Beispielen 1 und 2 beschriebenen Verfahren durchgeführt, wobei aber keine Produkte A und B eingesetzt wurden, d. h. das Gerben wurde nicht in Gegenwart eines Antioxidans durchgeführt.

Beispiel 4: Untersuchung des Cr(VI)-Gehalts nach Lagerung der in den Beispielen 1 bis 3 hergestellten Leder

Die in den Beispielen 1, 2 und 3 erhaltenen Crustleder wurden in einem Raum mit 20 bis 26% relativer Luftfeuchtigkeit bei 22°C gelagert. Der Chrom(VI)-Gehalt wurde mit einem üblichen Verfahren zu Beginn der Lagerung, nach einem Monat, nach drei Monaten und nach sechs Monaten bestimmt. Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle angegeben.

Wie der vorstehenden Tabelle entnommen werden kann, weisen die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Leder selbst nach einer Lagerung von über sechs Monaten kein nachweisbares Cr(VI) auf, wohingegen im Vergleichsexperiment ohne Antioxidant bereits nach einem Monat ein erhöhter Cr(VI)-Wert festgestellt wurde.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Herstellung von Leder und Pelzen, bei dem Häute und/oder Felle gepickelt und anschließend einer Chromgerbung unterzogen werden, dadurch gekennzeichnet, daß das Pickeln und/oder das Gerben zumindest teilweise in Gegenwart mindestens eines Antioxidans durchgeführt wird, wobei das Antioxidans in einem Dispersionsmittel dispergiert ist und in der Dispersion in einer Menge von 1 Gew.% bis 10 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, vorliegt bzw. in einer Menge von etwa 0,05 Gew.% bis 0,5 Gew.-%, bezogen auf das Trockengewicht der Häute und/oder Felle, eingesetzt wird.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Dispersionsmittel mindestens eine Verbindung der Gruppe Fettalkoholpolyglykolethersulfat, Fettalkoholpolyglykolethersulfosuccinat, Fettalkoholpolyglykoletherphosphat, Fettsäureamidpolyglykolethersulfat, Fettsäureamidpolyglykolethersulfosuccinat oder Fettsäureamidpolyglykoletherphosphat aufweist.
  3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Fettalkoholpolyglykolether- oder Fettsäureamidpolyglykolether-Verbindung in einer Menge von 8 Gew.-% bis 20 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, vorliegt.
  4. Verwendung einer Zusammensetzung, umfassend (a) mindestens ein Antioxidans und (b) mindestens ein Dispersionsmittel, wobei das Antioxidans in der Dispersion in einer Menge von 1 Gew.-% bis 10 Gew.-%, bezogen auf die Dispersion, vorliegt, in einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3.
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