Die Erfindung betrifft ein vollnarbiges Leder, insbesondere Rindleder,
welches an seiner Narbenschicht partielle Fehlstellen aufweist, die durch eine Kunststofffüllmasse
korrigiert sind.
Die Narbenschicht von vollnarbigen Ledern, insbesondere Rindledern,
weist häufig, verursacht beispielsweise durch Heckenrisse, Stacheldrahtverletzungen,
Insektenstiche oder dgl., Fehlstellen auf, welche nur an einzelnen Stellen, maximal
auf einer Fläche von 10 %, der Lederhaut vorhanden sind, dennoch aber diese Lederhaut
geringwertiger machen. Derartige Leder werden deshalb durch Ausspachteln der Fehlstellen
und anschließendes Abschleifen der Narbenschicht zu sogenannten korrigierten Narbenledern
umfunktioniert, die aber einen geringeren Wert besitzen und nur mit einem erheblichen
Abschlag vermarktet werden können.
Es ist bereits bekannt, Fehler, die nicht durch die Narbenschicht
hindurchgehen, mit einer Kunststoffspachtelmasse auszufüllen, diese trocknen zu
lassen und anschließend die Narbenschicht abzuschleifen, wobei die gesamte oberste
Narbenschicht entfernt wird.
Es wurde auch bereits vorgeschlagen, zur Beseitigung von Fehlstellen
in der Narbenschicht hochviskose, wässerige Kunststoffspachtelmassen, die geschäumt
sind oder Mikrohohlkugeln enthalten, vollflächig auf die Oberfläche der Narbenschicht
aufzutragen, diese Spachtelmassen trocknen zu lassen und anschließend abzuschleifen,
wobei auch hier die oberste Narbenschicht abgetragen wird. Beide Methoden haben
den Nachteil, dass die wässerigen Kunststoffspachtelmassen maximal 80 % Feststoffanteil
enthalten und daher diese Massen beim Entziehen des Wassers schrumpfen, also in
den Fehlstellen einfallen und sich vom Rand derselben lösen, wobei die Gefahr besteht,
dass sie bei einer Biegebeanspruchung des Leders aus den Fehlstellen herausfallen.
Es ist weiters bekannt, einen sogenannten Schlagschaum mit hoher Viskosität,
mittels Walzen vollflächig auf die Oberfläche der Narbenschicht aufzutragen und
dabei in die schadhaften Vertiefungen zu drücken. Derartige Schlagschäume enthalten
zwangsläufig ein Schäummittel sowie Schaumstabilisatoren, durch welche die Wasserbeständigkeit
der verfestigten Schäume reduziert wird. Eine verfestigte Schlagschaumschicht führt
ferner bei vollnarbigem Ledern zu einer niedrigeren Haftung einer auf eine solche
Schicht in der Folge aufgebrachten Kunststoffzurichtung, weil sich der Schlagschaum
oft spaltet oder vom Leder ablöst.
Man hat auch bereits vorgeschlagen, vollnarbiges oder an der Narbenseite
leicht angeschliffenes Leder mit einer Kunststoffschicht zu versehen, welche aus
einer wässerigen, Kompaktteilchen enthaltenden Kunststoffdispersion gebildet ist,
welche nach ihrer Verfestigung mit einer heißen Prägewalze oder Prägeplatte beaufschlagt
wird. Dabei expandieren die Kompaktteilchen und die Kunststoffschicht schäumt in
die negative Walknappastruktur an der Oberfläche der heißen Prägewalze oder Prägeplatte
ein. Anschließend wird das Leder gemillt und mit einer Zurichtung versehen. Diese
geschäumte Kunststoffschicht muss eine solche Dicke aufweisen, dass sie die negative
Walknappastruktur an der Oberfläche der Walze oder Platte ausfüllt, sodass ein derart
behandeltes Leder aus diesem Grunde nicht mehr als echtes Leder bezeichnet werden
kann, da der Walknappaeffekt durch Prägen erzielt wird.
Die vorliegende Erfindung hat sich zur Aufgabe gestellt, ein vollnarbiges
Leder zu schaffen, bei welchem Fehlstellen in der Narbenschicht beseitigt und daher
vorhandene Beschädigungen der Narbenschicht nicht mehr merkbar sind, ohne dass jedoch
die Nachteile der bekannten Verfahren auftreten, wobei im Anschluss daran auch sehr
dünne Zurichtungen aufgebracht werden können, so dass ein solches Leder als echtes
Leder bezeichnet werden kann.
Insbesondere soll erfindungsgemäß ein Leder, insbesondere ein Rindleder,
geschaffen werden, bei welchem die Fehlstellen in der Narbenschicht, welche in der
Regel von Vertiefungen gebildet sind, so ausgefüllt sind, dass die Füllmasse auch
bei einer bei Verwendung des Leders auftretenden Dauerbiegebeanspruchung nicht herausfällt,
dass ferner die Füllmasse nicht nach ihrer Verfestigung schrumpft, dass sie wassertest
ist und dass sie in der Hauptsache lediglich die Fehlstellen saniert und nicht oder
nur mit einer sehr geringen Stärke die gesamte Oberfläche der Narbenschicht bedeckt.
Zur Lösung dieser Aufgabe schlägt die Erfindung vor, dass die Kunststofffüllmasse
aus einer verfestigten, wässerigen, aus Kompaktteilchen durch Wärmezufuhr gebildeten
Mikrohohlkugeln enthaltenden Kunststoffdispersion besteht, die beim Auftragen in
die Fehlstellen gedrückt wird. Dadurch, zur Beseitigung der Fehlstellen keine pastöse
Spachtelmasse, sondern vielmehr eine wässerige Kunststoffdispersion zum Ausfüllen
der Fehlstellen verwendet wird, wird die Haftung der Kunststofffüllmasse an den
Fehlstellen wesentlich verbessert, wobei durch die Wärmezufuhr die Kompaktteilchen
bei der Bildung der Mikrohohlkugeln expandieren und dadurch ein Überdruck entsteht,
so dass durch diesen an den Fehlstellen die nach der Trocknung entstehende Kunststofffüllmasse
sich fest mit der Oberfläche der Fehlstellen und insbesondere mit den Umrandungen
der die Fehlstellen bildenden Vertiefungen verbindet und jeder Biegebeanspruchung
standhält. Die Mikrohohlkugeln in gegebenenfalls an der nicht mit Fehlstellen versehenen
Oberfläche der Narbenschicht vorhandenen, aus der verfestigten Kunststoffdispersion
gebildeten Kunststoffmasse werden durch die für die Bildung der Mikrohohlkugeln
erforderliche Druck- und Wärmebehandlung zumindest zum Großteil zerstört bzw. können
sich gar nicht ausbilden, sodass an diesen Stellen maximal eine Kunststoffschicht
entsteht, deren Dicke in der Regel nicht messbar, auf jeden Fall aber dünner als
60 &mgr;m ist.
Vorzugsweise ist die Ausbildung der Mikrohohlkugeln in dem der Oberfläche
der Narbenschicht benachbarten Bereich stärker als in dem dieser Oberfläche entfernteren
Bereich, was den Vorteil mit sich bringt, dass sich nach Druckentlastung die Mikrohohlkugeln
enthaltende verfestigte Kunststoffdispersion nicht über die Oberfläche der Narbenschicht
ausdehnt.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die Kunststoffdispersion
mittels einer, vorzugsweise gegenläufigen, gegebenenfalls eine feinstrukturierte
Oberfläche aufweisenden Auftragswalze in die Fehlstellen gedrückt, so dass ein rakelartiger
Auftrag der Kunststoffdispersion in einer außerhalb der Fehlstellen sehr geringen
Stärke erfolgt.
Die für die Herstellung der Kunststofffüllmasse und die Bildung der
Mikrohohlkugeln aus den Kompaktteilchen erforderliche Druck- und Wärmebehandlung
ist erfindungsgemäß durch eine auf eine Temperatur von mindestens 100°C, vorzugsweise
zwischen 120°C und 180°C , aufgeheizte, die Narbenschicht kontaktierende
Druckwalze bewirkt, durch welche die zumindest teilweise verfestigte Kunststoffdispersion
fest in die Fehlstellen gedrückt wird und dabei die Kompaktteilchen zur Bildung
der Mikrohohlkugeln in der verfestigten Kunststoffdispersion expandieren.
Die Oberfläche der Druckwalze kann glatt ausgebildet sein. Vorzugsweise
weist die Druckwalze aber eine feinstrukturierte Oberfläche auf, wie sie beispielsweise
durch Sandstrahlung erzielt werden kann, wodurch auch die Oberfläche der die Fehlstellen
ausfüllenden Kunststoffmasse eine derartige Struktur erhält.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Kunststoffdispersion Kompaktteilchen
mit einer Größe von weniger als 10 &mgr;m, vorzugsweise von weniger als 7 &mgr;m,
in einer Menge zwischen 15 g und 60 g, bezogen auf 1 kg einer 40%igen Kunststoffdispersion
enthält, welche Kompaktteilchen aus einem thermoplastischen Kunststoff bestehen,
sowie ein flüssiges Treibmittel enthalten. In diesem Fall ist ein vollständiges
Ausfüllen der die Fehlstellen bildenden Vertiefungen mit der aus der Kunststoffdispersion
gebildeten Kunststofffüllmasse und eine innige Verbindung derselben mit der Oberfläche
der Vertiefungen sichergestellt.
Zweckmäßig enthält die Kunststoffdispersion Kompaktteilchen, die bei
einer Temperatur unter 120°C, vorzugsweise unter 80°C expandieren. Bei derartigen
Temperaturen entsteht auf der nicht beschädigten Oberfläche der Narbenschicht durch
eine dort allenfalls aufgebrachte Kunststoffdispersion nach deren Verfestigung keine
ausgeprägte Raumstruktur.
Um die Optik der die Fehlstellen ausfüllenden Kunststoffmasse an jene
der Narbenschicht anzupassen, kann die Kunststoffdispersion pigmentierte Kompaktteilchen
enthalten, deren Farbe jener der Narbenschicht und/oder der Kunststoffdispersion
entspricht.
In einer in Bereichen neben den Fehlstellen befindlichen verfestigten
Kunststoffdispersion können störende Mikrohohlkugeln dadurch beseitigt oder deren
Entstehen überhaupt verhindert werden, dass auf die verfestigte Kunststoffdispersion
ein Gemisch aus Wasser und Lösungsmittel, beispielsweise von 90 Teilen Wasser und
10 Teilen Lösungsmittel, insbesondere Äthylacetat aufgebracht, vorzugsweise aufgesprüht,
wird und anschließend eine Druck- und Wärmebehandlung erfolgt. Die dann in einem
feuchten Zustand befindlichen Mikrohohlkugeln kollabieren dann bei Anwesenheit einer
geringen Menge von Lösungsmittel bereits bei Temperaturen unter 65 °C und bei
einem Druck von weniger als 0,5 kg/cm2 oder sie werden gar nicht gebildet.
Die einzige Zeichnung zeigt in stark vergrößertem Maßstab ein vollnarbiges
Leder, dessen in der Narbenschicht vorhandenen Fehlstellen durch eine Kunststofffüllmasse
korrigiert wurden.
Ein Leder 1, von welchem in der Zeichnung nur der oberste
Bereich gezeigt ist, weist eine Narbenschicht 2 auf, die durch Verletzungen
der Narbenschicht entstandene Fehlstellen 3 besitzt, die von Vertiefungen
in der Narbenschicht 2 gebildet sind. Diese Vertiefungen können die gesamte
Dicke der Narbenschicht durchsetzen, aber auch nur oberflächlich an der Narbenschicht
2 vorhanden sein. Um die von diesen Vertiefungen gebildeten Fehlstellen
3 zu beseitigen, werden diese Vertiefungen durch eine wässerige Dispersion
aus beliebigen Kunststoffen oder Kunststoffmischungen ausgefüllt, die im flüssigen
Zustand gut, nach ihrer Verfestigung jedoch kaum mehr klebt, und dann eine Bruchdehnung
von mehr als 300 % aufweist. Diese Kunststoffdispersion enthält Kompaktteilchen
aus einem thermoplastischen Copolymerisat, aus welchen durch Wärmezufuhr Mikrohohlkugeln
gebildet werden
Das Aufbringen der wässerigen Kunststoffdispersion auf die Oberfläche
4 der Narbenschicht 2 erfolgt mittels einer an ihrer Oberfläche
fein strukturierten Auftragswalze, mittels welcher die wässerige Kunststoffdispersion
wie mit einer Rakel in die Vertiefungen gestrichen wird. Anschließend wird das Leder
mit der aufgebrachten Kunststoffdispersion getrocknet und es wird die Oberfläche
4 der Narbenschicht 2 mittels einer auf eine Temperatur zwischen
120°C und 180°C erwärmten Druckwalze einer Druck- und Wärmebehandlung unterzogen.
Dabei expandieren die Kompaktteilchen, sodass in den Vertiefungen eine kleine Mikrohohlkugeln
5 enthaltende Kunststofffüllmasse entsteht, welche durch den ausgeübten
Druck fest in die Vertiefungen gepresst wird und sich innig mit der Berandung der
Vertiefungen verbindet. Durch Wahl eines geeigneten Druckes, vor allem aber durch
Wahl einer geeigneten Temperatur der Druckwalze und der Verweilzeit derselben auf
der Oberfläche 4, wird erreicht, dass sich die Mikrohohlkugeln
in der Hauptsache nur in dem der Oberfläche 4 benachbarten Bereich der
die Fehlstellen 3 bildenden Vertiefungen bilden, wogegen in den unteren
Bereichen eine geringere Ausbildung erfolgt oder die Kompaktteilchen überhaupt nicht
expandieren. So entstehen beispielsweise bei einer Verweilzeit der Druckwalze von
etwa 1 Sekunde und einer Walzentemperatur von etwa 145 °C Mikrohohlkugeln nur
bis zu einer Tiefe von 0,12 mm. Trotzdem werden aber die Vertiefungen vollständig
von der verfestigten Kunststoffdispersion ausgefüllt. Bei einer Temperatur der Druckwalze
von mehr als 170 °C halbiert sich die Verweilzeit, und es wird dann in jenen
Bereichen, wo keine Fehlstellen 3 vorhanden sind, die Bildung der Mikrohohlkugeln
in Folge der Hitze verhindert.
Ebenso wird in einer neben den Vertiefungen an der Oberfläche
4 aufgebrachten Kunststoffdispersion durch den aufgebrachten Druck die
Entstehung der Mikrohohlkugeln überhaupt verhindert bzw. es werden bereits entstandene
Mikrohohlkugeln derart zusammengedrückt, sodass dort, wenn überhaupt, lediglich
ein nicht störender Kunststoffüberzug kaum messbarer Stärke entsteht, durch welchen
die Narbenschicht des Leders nicht beeinflusst wird.
Etwa in einem in diesen Bereichen vorhandenen Kunststoffüberzug befindliche
Mikrohohlkugeln können weiters dadurch beseitigt werden, dass ein Gemisch aus etwa
90 Teilen Wasser und 10 Teilen Lösungsmittel, z.B. Äthylenacetat, aufgesprüht, und
anschließend diese Bereiche einer Druck- und Wärmebehandlung unterzogen werden.
In diesem feuchten Zustand kollabieren dann die Mikrohohlkugeln bereits bei Temperaturen
unter 65 °C bei einem Druck von weniger als 0,5 kg/cm2, so dass bei
dieser Vorgangsweise die Mikrohohlkugeln einfallen oder überhaupt nicht gebildet
werden.