Technisches Gebiet
Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Leistungselektronik.
Sie geht aus von einem Verfahren zur direkten Drehmomentregelung (Direct
Torque Control = DTC) gemäss dem Oberbegriff des ersten Anspruchs.
Stand der Technik
Ein solches Verfahren bzw. eine entsprechende Vorrichtung wird im
Artikel "Direkte Drehmomentregelung von Drehstromantrieben", ABB Technik 3/1995,
Seiten 19-24, beschrieben. Dieses Verfahren geht aus von der sogenannten "Direkten
Selbstregelung", wie sie in der EP-B1-0 179 356 beschrieben wird. Das DTC-Verfahren
(DTC = Direct Torque Control) stellt ein einfaches, zuverlässiges
und hochdynamisches Drehmomentregelungsverfahren für Drehfeldmaschinen dar. Es
umfasst grundsätzlich folgende Schritte:
- Berechnen eines Fluss-Istwertes aus einer Umrichterspannung
- Berechnen eines Drehmoment-Istwertes
- Vergleichen des Fluss-Istwertes und des Drehmoment-Istwertes mit entsprechenden
Sollwerten mittels eines Hysteresereglers
- Bilden eines optimalen Steuerungsvektors für die Schalter des Umrichters nach
Massgabe des Hysteresereglers
Um die Maschine vor zu steilen Spannungsflanken, welche zu Beschädigungen
der Isolationen führen können, zu schützen, ist es wünschenswert, zwischen dem
Umrichter und dem Motor ein Sinus-Filter einzuschalten. Für ein System von pulsdauermodulierten
Umrichtern mit Sinus-Filter wird ein Regelungsverfahren z.B. in der EP-A2-0 595
319 angegeben. Die Filterkapazität und die Filterinduktiviät stellen regelungstechnisch
zwei Integratoren dar. Im Frequenzbereich ergibt sich daher für die Schaltfrequenz
eine 180° Phasenverschiebung zwischen Motorspannung und Umrichterspannung. Das
heisst, dass die für das DTC-Verfahren benötigten Signale mit falschem Vorzeichen
vorliegen. Aufgrund der durch das Sinus -Filter hervorgerufenen 180° Phasenverschiebung
zwischen Motorspannung und Umrichterspannung ist das bekannte DTC-Verfahren auf
eine Anordnung mit Sinus-Filter nicht mehr unmittelbar anwendbar. Ausserdem treten
aufgrund der Resonanz des Filters störende Oszillationen auf.
Darstellung der Erfindung
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren und
eine Vorrichtung zur Direkten Drehmomentregelung für eine über ein Sinus-Filter
gespeiste Drehfeldmaschine anzugeben, das möglichst ohne grosse Anpassung an bereits
bekannte Verfahren bzw. Vorrichtungen auskommt. Zudem sollen die durch das Filter
bedingten Oszillationen wirksam gedämpft werden.
Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art
durch die Merkmale des ersten Anspruchs gelöst.
Kern der Erfindung ist es also, dass ein durch das Filter fliessender
Strom und/oder eine Filterausgangsspannung gemessen wird und der Fluss-Sollwert
und der Drehmoment-Sollwert nach Massgabe der gemessenen Spannung und/oder des
gemessenen Stromes korrigiert werden.
Die Korrektur umfasst eine Transformation der Filterausgangsspannung
in eine erste zu einem Statorfluss senkrechte und eine zweite zum Statorfluss parallele
Komponente sowie eine Verminderung der Drehmoment- und Fluss-Sollwerte proportional
zum oszillierenden Teil der Filterausgangsspannung.
Auf diese Weise können die durch das Sinus-Filter hervorgerufene Oszillationen
wirksam gedämpft werden.
Die Berechnung der Komponenten kann auf verschiedene Weise erfolgen.
Anstelle einer Filterausgangsspannung kann auch ein Filterstrom gemessen und daraus
eine Filterspannung berechnet werden. Diese Varianten sind Gegenstand abhängiger
Ansprüche. Ausserdem wird noch eine Vorrichtung zur Durchführung eines erfindungsgemässen
Verfahrens angegeben.
Weitere Ausführungsbeispiele ergeben sich aus den entsprechenden abhängigen
Ansprüchen.
Der Vorteil des erfindungsgemässen Aufbaus besteht darin, dass die
Drehfeldmaschine mittels der Verwendung eines Sinus-Filters vor zu steilen Spannungsflanken,
welche zu Beschädigungen der Isolationen führen können, geschützt wird, dass dennoch
wesentliche Teile des DTC-Verfahrens bzw. einer entsprechenden Vorrichtung ohne
grosse Änderung verwendet werden können.
Ausserdem können durch das Filter hervorgerufene Oszillationen wirksam
gedämpft werden.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen im
Zusammenhang mit den Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- Eine Schaltungsanordnung mit einer von einem Umrichter über ein Sinus-Filter
gespeisten Drehfeldmaschine;
- Fig. 2
- Eine Variante zu Figur 1;
- Fig. 3
- Ein Blockschema einer erfindungsgemässen Vorrichtung nach einem ersten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 4
- Ein Blockschema einer erfindungsgemässen Vorrichtung nach einem zweiten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 5
- Ein Blockschema einer erfindungsgemässen Vorrichtung nach einem dritten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 6
- Ein Blockschema einer erfindungsgemässen Vorrichtung nach einem vierten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 7
- Ein Blockschema einer erfindungsgemässen Vorrichtung nach einem fünften Ausführungsbeispiel;
Die in den Zeichnungen verwendeten Bezugszeichen und deren Bedeutung
sind in der Bezugszeichenliste zusammengefasst aufgelistet. Grundsätzlich sind
in den Figuren gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen.
Wege zur Ausführung der Erfindung
Figur 1 zeigt eine Schaltungsanordnung mit einer Drehfeldmaschine
1, die über ein Sinus-Filter, bestehend aus einem dreiphasigen Netzwerk mit Filterinduktivitäten
Lfil und Filterkapazitäten Cfil, von einem Umrichter 2 gespeist
wird. Die Kapazitäten des Filter sind zu einem mit dem Zwischenkreis nicht verbundenen
Sternpunkt zusammengefasst. Der Zwischenkreis ist durch den Zwischenkreiskondensator
Czk dargestellt. Am Zwischenkreiskondensator liegt eine Gleichspannung
UDC. Zur Drehmomentregelung des Motors 1 ist ein Drehmomentregler 3
vorgesehen. Dieser wird gemäss Figur 1 gespeist von der Zwischenkreisspannung UDC,
von einem vom Umrichter abgegebenen Strom iinv und einer Filterausgangsspannung
ufil. Nach der Variante gemäss Figur 2 kann anstelle der Filterausgangsspannung
ufil auch ein Filterstrom ifil gemessen werden.
Beim Umrichter 2 kann es sich sowohl um einen Zweipunkt- wie auch um einen Dreipunktwechselrichter
handeln.
Unterstrichene Grössen bezeichnen im folgenden jeweils Vektoren. Diese
können aus den gemessenen Leiterströmen oder Leiterspannungen der Phasen durch
die bekannte 120°/90°-Transformation in Vektoren transformiert werden.
Aus den gemessenen Grössen und einem Fluss-Sollwert Ψsoll
und einem Drehmoment-Sollwert Tsoll berechnet der Drehmomentregler 3
einen optimalen Steuerungsvektor S(SA,SB,SC),
der für die Ansteuerung der Schalter des Umrichters 2 verwendet wird.
Die Figuren 3-7 zeigen Blockschemata verschiedener Varianten von Drehmomentreglern
3. Derjenige Teil des Reglers, der sich oberhalb der strichlierten Linie befindet,
entspricht den bereits bekannten DTC-Reglern. Der untere Teil umfasst die erfindungsgemässen
Anpassungen.
Im folgenden wird noch einmal kurz auf das Grundprinzip der DTC-Regelung
eingegangen und die der Erfindung zugrunde liegende Problematik erläutert:
Beim DTC-Verfahren wird aus einer Umrichterausgangsspannung
uinv und einer Korrekturgrösse ein Fluss-Istwert Ψist
berechnet. Die Korrekturgrösse entspricht in erster Näherung dem Spannungsabfall
Rs&peseta;is am Kupferwiderstand des Stators. Viel
genauer wird die Berechnung, wenn ein Motormodell zu Hilfe genommen wird. Dies
ist jedoch für die Erfindung nicht von Bedeutung, so dass an dieser Stelle mit
dem erwähnten Spannungsabfall weitergefahren wird.
Der Fluss-Istwert ergibt sich also durch: Ψist
= ∫(uinv - Rsis)dt.
Die Umrichterausgangsspannung uinv wird dabei mit Hilfe eines
Spannungsbildners 8 aus der Zwischenkreisspannung UDC und dem aktuellen
Steuerungsvektor S gebildet. Aus dem berechneten Fluss-Istwert
Ψist und einem vom Umrichter abgegebenen Strom
iinv wird anschliessend ein Drehmoment-Istwert Tist
gebildet. Den Strom iinv erhält man durch Messen zweier Phasenströme
und Transformation in einen Vektor. Der Drehmoment-Istwert Tist ergibt
sich schliesslich durch Bildung des Vektorprodukts des Stromes iinv
und des Flusses Ψist. Ausserdem wird noch der Betrag Ψist
des Fluss-Istwertes Ψ ist gebildet. Tist und Ψist
werden anschliessend mittels eines Hysteresereglers 4 mit entsprechenden von aussen
vorgegebenen Sollwerten Ψsoll bzw. Tsoll verglichen.
Das Ergebnis dieses Vergleichs und das Ergebnis eines Vektorzuordners 12, der anhand
des Fluss-Istwertes Ψist einen aktuellen Flussektor bestimmt,
wird einer Logikschaltung 13 zugeführt, die einen optimalen Steuerungsvektor
S(SA,SB,SC) für den Umrichter bestimmt.
Wird nun aber wie bei der Erfindung ein Sinus-Filter zwischen Umrichter
und Motor geschaltet, so ergibt sich bei der Schaltfrequenz einerseits aufgrund
der doppelten Integration des Filters eine 180° Phasenverschiebung von Strom und
Spannung, so dass das DTC-Verfahren nicht mehr unmittelbar angewendet werden kann.
Andererseits entstehen durch das Filter resonante Oszillationen, die gedämpft werden
sollen. Deshalb muss das bekannte Verfahren bzw. die bekannte Vorrichtung, wie
nachfolgend dargestellt wird, angepasst werden.
Die Anpassung besteht im wesentlichen darin, dass ein durch das Filter
fliessender Strom bzw. eine Filterausgangsspannung gemessen wird und der Fluss-Sollwert,
bzw. dessen Betragswert, und der Drehmoment-Sollwert nach Massgabe der gemessenen
Filtergrössen korrigiert werden. Sie werden insbesondere proportional zu einem
oszillierenden Teil der Filterausgangsspannung vermindert. Zur Berechnung dieser
oszillierenden Störgrösse bestehen verschiedene Varianten:
Ein erstes Ausführungsbeispiel (Figur 3) umfasst das Messen der Filterausgangsspannung
an jeder Phase und eine Umwandlung z.B. mittels 120°/90°-Transformation in einen
Vektor ufil. Ausserdem wird vom Fluss-Istwert Ψist
das Produkt iinvLfil abgezogen. Dazu sind ein Multiplikator
5 und ein Differenzbildner 7 vorgesehen. Auf diese Weise erhält man eine Grösse
Ψ s, die einem Ständerfluss oder Statorfluss entspricht.
Die Spannung ufil wird nun in eine Komponente ufild
parallel zu Ψs und eine Komponente ufilq senkrecht
zu Ψs aufgeteilt. Zu diesem Zwecke ist Vektorproduktbildner
9 und ein Skalarproduktbildner 10 vorgesehen, die die Spannung ufil
mit Ψs multiplizieren. Aus dem Vektorprodukt entsteht die
Komponente ufilq, aus dem Skalarprodukt die Komponente ufild.
ufild
stellt gerade den Oszillationen hervorrufenden Anteil der Filterausgangsspannung
und wird deshalb in einem weiteren Multiplikator 5 mit der Konstante K1
multipliziert,
einem Begrenzer 6 zugeführt und in einem Differenzbildner 7 vom Fluss-Sollwert
Ψsoll abgezogen. Der oszillierende Teil von ufilq
muss hingegen noch gebildet werden. Nach Figur 3 geschieht dies dadurch, dass von
ufilq ein konstanter Wert ω.Ψs
abgezählt wird. ω entspricht dabei der Kreisfrequenz des Ständerflusses.
Im stationären Zustand sollte ufilq genau diesem Wert entsprechen, so
dass also die Differenz ufilq-ω&peseta;Ψs
gerade dem oszillierenden Teil Δufilq von ufilq entspricht.
Dieser Wert wird ebenfalls in einem Multiplikator 5 mit einer zweiten Konstante
K2 multipliziert und einem Begrenzer 6 zugeführt. Mit dem Ausgang dieses Begrenzers
wird schliesslich der Drehmoment-Sollwert mittels eines weiteren Differenzbildners
7 vermindert.
Der Kern des erfindungsgemässen Verfahrens bzw. der Vorrichtung beruht
also darauf, dass der Einfluss des Sinus-Filters in die Regelung miteinbezogen
wird, indem erstens die Oszillationen verursachenden Anteile der Filterausgangsspannung
gedämpft werden und statt der direkten Regelung von Motorfluss oder Motormoment
entsprechende Grössen vor dem Filter, sozusagen ein virtueller Umrichterfluss bzw.
ein Umrichtermoment, als Istgrössen geregelt werden.
Ein zweites Ausführungsbeispiel (Figur 4) unterscheidet sich vom ersten
dadurch, dass die oszillierenden Teile der Komponenten ufild und ufilq
mittels einer Hochpass-Filterung gewonnen werden. Dazu sind zwei Hochpassfilter
14 vorgesehen, die nach der Vektor- bzw. Skalarproduktebildung 9, 10 vor die Multiplikatoren
5 geschaltet sind.
Bei einem dritten Ausführungsbeispiel (Figur 5) wird anstelle einer
Filterausgangsspannung ufil ein Filterstrom ifil
gemessen. Figur 5 basiert also auf Figur 2. ifil erhält man beispielsweise
durch Messen von zwei durch die Filterkondensatoren Cfil fliessenden
Strömen und Umwandlung dieser in einen Vektor. Zwei Ströme genügen, da die Summe
aller Ströme wegen der Sternschaltung der Kondensatoren Null sein muss. Aus dem
Strom ifil kann mittels begrenzter Integration die Spannung
ufil am Kondensator berechnet werden. Aus diesem Grund ist in
Figur 5 am Eingang von ifil ein begrenzter Integrator 15 vorgesehen.
Ansonsten entspricht die Anordnung nach Figur 5 derjenigen der Figur 4.
Selbstverständlich kann auch die Variante nach Figur 3 auf das dritte
Ausführungsbeispiel angewandt werden. Nach einem vierten Ausführungsbeispiel (Figur
6) kann die Integration auch nach der Skalar- bzw. Vektorproduktebildung vorgenommen
werden.
Figur 7 zeigt schliesslich ein auf Figur 2 basierendes Ausführungsbeispiel,
bei dem die Integration bei der Komponentenbildung einerseits vor der Skalarproduktebildung
10 und andererseits nach der Vektorproduktebildung 9 vorgenommen wird. Da der
Strom ifil von vornherein parallel zu Ψ s
sein sollte, stellt der übrigbleibende Teil eines Vektorprodukts gerade den Oszillationen
verursachenden Anteil dar. Umgekehrt verhält es sich mit dem Skalarprodukt, da
hier die Spannung multipliziert mit Ψs Null ergeben sollte.
Deshalb wird bei der Skalarproduktbildung zuerst die Spannung berechnet und bei
der Vektorproduktbildung erst danach.
Die Erfindung weist den Vorteil auf, dass das bekannte DTC-Verfahren
bzw. die bekannte DTC-Vorrichtung auch für eine Anordnung mit Sinus-Filter im wesentlichen
weiterverwendet werden kann. Die Erfindung stellt einen für den Einsatz mit Sinus-Filter
geeigneten Zusatz zur Verfügung, der den bekannten Teil praktisch unberührt lässt.
Deshalb kann ein vorhandenes System auf einfache Weise ergänzt werden, ohne dass
auf die Vorteile eines Sinus-Filters verzichtet werden muss.
Bezugszeichenliste
- 1 Drehfeldmaschine
- 2 Umrichter
- 3 Drehmomentregler
- 4 Hystereseregler
- 5 Multiplikator
- 6 Begrenzer
- 7 Differenzbildner
- 8 Spannungsbildner
- 9 Vektorproduktebildner
- 10 Skalarproduktebildner
- 11 Betragsbildner
- 12 Vektorzuordner
- 13 Logikschaltung
- 14 Hochpassfilter
- 15 begrenzter Integrator
- ufil Filterspannung
- ufild Komponente von ufil ∥zu Ψs
- ufilq Komponente von ufil⊥ zu Ψs
- Δufilq oszillierender Teil von ufilq
- ifil Filterstrom
- Lfil Filterinduktivität
- Cfil Filterkapazität
- Czk Zwischenkreiskondensator
- Ψist Fluss-Istwert
- Ψist Betrag des Fluss-Istwert
- Ψsoll Fluss-Sollwert
- Tist Drehmoment-Istwert
- Tsoll Drehmoment-Sollwert
- uinv Umrichterausgangsspannung
- iinv Umrichterstrom
- UDC Zwischenkreisspannung
- Rs Kupferwiderstand des Ständers
- is Ständerstrom
- Ψs Ständerfluss
- ω Kreisfrequenz des Ständerflusses
- S (SA,SB,SC) Steuerungsvektor für Umrichter
- K1, K2 Proportionalitätsfaktoren