Die vorliegende Erfindung betrifft Fettungsmittel auf der Basis von
Mischungen modifizierter, nativer Öle mit alkoxylierten Alkanolen, ihre Verwendung
bei der Herstellung und/oder Behandlung von Leder und Häuten, sowie Verfahren zur
Herstellung und/oder Behandlung von Leder und Häuten mit diesen Fettungsmitteln.
Fettungsmittel dienen bei der Lederherstellung zur Weichmachung des
Leders, zur Steigerung seiner Fülle und Festigkeit und zur Schutzwirkung gegen Nässe,
Schmutz, und chemische Einflüsse von außen (siehe H. Herfeld, "Bibliothek des Leders"
1985, Band 4, S. 13 ff.). Handelsübliche Fettungsmittel bestehen in der Regel aus
fettenden Substanzen, wie nativen Fetten, nativen Ölen, Wachsen, Harzen und deren
Derivaten und/oder Erdölfraktionen und deren Folgeprodukten, und wachsartigen Produkten
wie „Wollfett", in roher, gereinigter und/oder zubereiteter (Lanolin) Form
(siehe H. Herfeld, "Bibliothek des Leders" 1985, Band 4, S. 59 ff.). Die fettenden
Substanzen können – falls gewünscht – chemisch modifiziert sein, d.h.
in einer abgewandelten chemischen Struktur vorliegen.
Die chemische Modifizierung der fettenden Substanzen besteht in der
Regel darin, dass die in diesen Substanzen enthaltenen Doppelbindungen zumindest
teilweise Additionsreaktionen oder Oxidationsreaktionen unterworfen werden. Häufig
ausgeführte Modifizierungen bestehen beispielsweise in der Addition von Sulfiten,
wodurch Sulfonsäuregruppen in die fettenden Substanzen eingeführt werden, oder in
der Luftoxidation, wodurch Sauerstofffunktionen eingeführt werden und teilweise
auch Oligomerisationen eintreten. Es sind aber auch (Teil)Hydrolyse der Fette, Umesterungen
und dergleichen Modifizierungsreaktionen möglich.
Diese chemischen Modifizierungen ermöglichen es, die anwendungstechnisch
relevanten Eigenschaften der fettenden Substanzen wie Hydrophilie, Hydrophobie,
Löslichkeit, Dispergiervermögen, Penetrations- und Verankerungseigenschaften, speziellen
Einsatzzwecken bzw. den Forderungen der Anwender optimal anzupassen. Insbesondere
hochwertige Autopolsterleder müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Wesentlich ist
einerseits die Weichheit des Leders, andererseits die Echtheit gegenüber Licht und
Wärme und schließlich das sogenannte Fogging-Verhalten.
Die DIN 75201 definiert "Fogging" als Kondensation von verdampften
Bestandteilen aus der Fahrzeuginnenausstattung wie den Autopolsterledern an den
Glasscheiben, insbesondere an der Windschutzscheibe. Dies kann zu einer verschlechterten
Sicht durch die Windschutzscheibe, insbesondere bei Nachtfahrten, und damit zu einem
Sicherheitsrisiko führen. Gemäß der DIN 75201 wird das Fogging-Verhalten von Leder
durch ein gravimetrisches und ein reflektometrisches Verfahren charakterisiert.
Um unerwünschtes Fogging zu verhindern, ist es daher ein Ziel, den
Anteil an organischen Verbindungen zu verringern, die nach der Bearbeitung aus dem
behandelten Leder wieder austreten können ("volatile organic compounds"). Der Einsatz
von organischen Verbindungen wie Lösungsmitteln lässt sich jedoch manchmal schwer
vermeiden. Denn um eine gute Verteilung des Fettungsmittels auf dem Leder sicherzustellen,
wird das Fettungsmittel zum Auftragen oft mit Lösungsmittel verdünnt. Aus dem Stand
der Technik sind einige Möglichkeiten bekannt, um dieses Problem zu vermeiden.
So werden in der EP-A 0 498
634 spezielle Polymere für die Herstellung von Ledern mit sogenannten "low
fogging"-Eigenschaften empfohlen. Hierbei sind die in der Lederbehandlung eingesetzten
wässrigen Dispersionen im wesentlichen frei von organischen Lösungsmitteln und enthalten
ein amphiphiles Copolymer. Dieses Copolymer besteht aus einem überwiegenden Anteil
von mindestens einem hydrophoben Monomeren und einem geringen Anteil von mindestens
einem hydrophilen Monomeren. Die Lederbehandlung mit diesen Dispersionen führt bei
einem gravimetrischen Test nach DIN 75201 zu guten Resultaten. Reflektometrische
Untersuchungen wurden nicht beschrieben.
Die Herstellung dieser amphiphilen Copolymeren erfolgt vorzugsweise
durch Emulsionspolymerisation in wässriger Lösung. Aufgrund der unterschiedlichen
Hydrophilie der einzusetzenden Monomeren ergeben sich jedoch naturgemäß Probleme
beim Copolymerisationsverhalten. Im Extremfall kann dies dazu führen, dass die Monomere
in unerwünschter Weise jeweils für sich Homopolymerisate bilden. Eine weitere Folge
der an sich ungünstigen Lösungsverhältnisse ist eine aufwendige Aufarbeitung zur
Zerstörung von nicht umgesetzten Monomeren. Zur Erzielung einer guten Emulsionsstabilität
ist es außerdem erforderlich, eine ausreichende Menge eines Emulgators (in den angeführten
Beispielen wurde Laurylsulfat verwendet) hinzuzufügen, was bei der Lederbearbeitung
zu Abwasserproblemen führen kann.
In der EP-B 0 466 392
wird ein Verfahren zur Herstellung von Polymeren beschrieben, die sowohl seitenständige
hydrophobe Gruppen als auch seitenständige hydrophile alkoxylierte Gruppen enthalten.
Solche Polymere werden erhalten, indem nach dem eigentlichen Polymerisationsprozess
– dem Fachmann bekannte – Derivatisierungsreaktionen durchgeführt werden.
So werden bevorzugt Polymere aus einfachen Monomeren wie Acrylamid und/oder Acrylsäure
durch herkömmliche Polymerisation hergestellt und danach mit einer Mischung
aus primären bzw. hydrophoben Aminen bzw. primären oder sekundären alkoxylierten
Aminen derivatisiert. Die beschriebenen Polymeren werden als Verdickungsmittel und
Schmutzlösemittel eingesetzt. Ihr Einsatz in der Lederbehandlung wird nicht beschrieben.
In den Verfahren gemäß der WO 98/10103 werden polymere Fettungsmittel
durch Polymerisation von Acrylsäure und/oder Methacrylsäure und/oder deren Säurechloriden
und/oder deren Anhydriden mit weiteren copolymerisierbaren wasserlöslichen Monomeren
und mit copolymerisierbaren wasserunlöslichen Monomeren und anschließender Umsetzung
der so erhaltenen Polymere mit Aminen hergestellt. Nach DIN 75201 B (gravimetrischer
Test) werden für Leder, die mit diesen polymeren Fettungsmitteln behandelt worden
sind, Fogging-Werte von 1,2 mg bzw. 1,5 mg gefunden. Die mit den Vergleichsprodukten
Magnopal® SOF (foggingarmes Polymerfettungsmittel der Stockhausen
GmbH & Co. KG) und Chromopol® LFC (foggingarmes Fettungsmittel auf
Basis von Fischölen der Stockhausen GmbH & Co. KG) behandelten Leder erzielen Fogging-Werte
von 3,9 mg bzw. 3,5 mg. Die reflektometrischen Werte nach DIN 75201 A der polymeren
Fettungsmittel sind 51% bzw. 55%, die der Vergleichsprodukte 34% bzw. 40%.
Auch in der US 5,348,807 wird
ein Verfahren beschrieben, bei dem ausgewählte amphiphile Copolymere, bestehend
aus einem überwiegenden Anteil hydrophober und einem geringeren Anteil hydrophiler
Baugruppen, als lösungsmittelfreie fogging-arme Fettungsmittel verwendet werden.
Zur Herstellung dieser Polymere werden als hydrophile Monomere sauer oder basisch
substituierte Ester ungesättigter Carbonsäuren, wie z.B. Sulfatoethyl(meth)acrylat
oder Dimethylaminoethyl(meth)acrylat eingesetzt. Als hydrophobe Monomere dienen
beispielsweise längerkettige Alkene oder (Meth)Acrylsäureester von C4-
bis C12-Alkanolen oder Vinylester von C4- bis C12-Carbonsäuren.
Die Substanzen geben gute Fogging-Werte; es fehlen jedoch Angaben über die Badauszehrung.
Auch bei diesem Verfahren erfolgt die Herstellung der amphiphilen
Copolymeren vorzugsweise durch wässrige Emulsionspolymerisation. Dies führt jedoch
aufgrund der unterschiedlichen Hydrophilie der einzusetzenden Monomeren wieder zu
den bei der Diskussion der EP-A 0 498 634
bereits erwähnten Problemen.
In der EP-B 0 753 585
wird eine beschlagsarme Oberflächenbehandlung für Möbelleder beschrieben, bei der
speziell behandelte native Öle, die weniger als 3% von Fettsäurekomponenten mit
weniger als 16 C-Atomen aufweisen, als Basis für Fettungsmittel fungieren. Verwendete
native Öle sind Sojabohnen-, Lard-, Saflor- und Sonnenblumenöl. Die besagten nativen
Öle werden zunächst destilliert, um die unerwünschten niedermolekularen Bestandteile
zu entfernen und anschließend mit Hydrogensulfit oder Hydrogensulfat umgesetzt,
um die Emulgierbarkeit zu verbessern. Dann werden die (teil-)funktionalisierten
Öle emulgiert und angewendet.
Um die Verwendung von organischen Lösungsmitteln zur Verteilung der
Fettungsmittel zu vermeiden, wird nach der nicht-vorveröffentlichten DE-A
101 43 949.0 der Anmelderin eine spezielle Emulgatorzusammensetzung eingesetzt,
welche drei Komponenten A, B und C umfaßt. Hierbei ist die Komponente A ein mit
4 bis 12 Alkylenoxid-Einheiten alkoxylierter C6 bis C14 Alkanol,
oder ein Gemisch mehrerer solcher Alkanole, die Komponente B ein mit 15 bis 40 Alkylenoxid-Einheiten
alkoxyliertes C12-C24 Fettalkoholgemisch und die Komponente
C ein mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C12 bis C24
Fettalkoholgemisch. Bei den Alkylenoxid-Einheiten handelt es sich zweckmäßigerweise
um Alkylenoxidbausteine mit 2 bis 4, vorzugsweise mit 2 bis 3 C-Atomen. Die Bausteine
der Polyetherketten können alle gleich oder verschieden sein und – sofern
sie verschieden sind – können sie statistisch oder blockweise angeordnet sein.
Die Gewichtsanteile der Komponenten in der Emulgatorzusammensetzung betragen für
die Komponente A: 20 bis 60, vorzugsweise 25 bis 50, insbesondere 28 bis 40 Gew.-%,
für die Komponente B 20 bis 70, vorzugsweise 25 bis 60, insbesondere 30 bis 45 Gew.-%
und für die Komponente C 10 bis 50, vorzugsweise 15 bis 40, insbesondere 22 bis
32 Gew.-% vom Gesamtgewicht der Zusammensetzung.
Insbesondere zur Fettung von Cr-frei gegerbten Ledern und Häuten werden
nach der nichtvorveröffentlichten DE 102 07 277.9
der Anmelderin Fettungsmittel eingesetzt, die mindestens ein modifiziertes natives
Öl, sowie mindestens einen Stabilisator LnR enthalten. Hierbei steht
R für einen n-wertigen, gegebenenfalls mit Carbonyl-, Alkylcarbonyloxy-, Alkylcarbamoyl-
und/oder Alkoxycarbonyl-Gruppen substituierten und/oder O-, N(H)- und/oder S-Einheiten
enthaltenden, gesättigten oder ungesättigten, linearen aliphatischen C3-
bis C30- oder verzweigten aliphatischen C4- bis C30-
oder (hetero)cycloaliphatischen C4- bis C30- oder (hetero)aromatischen
C4- bis C30-Kohlenwasserstoffrest, n für eine ganze
Zahl von 1 bis 10, und L für einen Hydroxyphenyl-Rest, der mit Ra, Rb
und Rc substituiert ist. Ra ist H oder Methyl, Rb
ist Methyl, Ethyl oder tert-Butyl, Rc ist Methyl, tert-Butyl, Cyclohexyl
oder Methylcyclohexyl. Darüber hinaus weist der Stabilisator LnR insgesamt
mindestens 20 C-Atome, insbesondere insgesamt mindestens 28 C-Atome, auf, und im
Falle von n = 2 steht -R- auch für -S-, -O-, -N(H)-, -CH2-, -(CH2)2-,
-CH(CH3)-, -(CH2)3-, -CH(C2H5)-
oder -C(CH3)2-.
Allen oben beschriebenen Verfahren nach dem Stand der Technik ist
gemeinsam, dass bei ihnen entweder Polymere oder Fettungsmittel auf Basis chemisch
modifizierter nativer Öle eingesetzt werden, und dass es sich bei diesen Produkten
um spezielle, relativ eng begrenzte Stoffklassen handelt. Eine gute Flottenauszehrung
und demzufolge ein hochauszehrendes Fettungsmittel liegt dann vor, wenn das Fettungsmittel
möglichst vollständig vom Kollagen der Leder und/oder Häute aufgenommen wird. Dies
ist im Hinblick auf Gesichtspunkte des Umweltschutzes wegen des
damit verbundenen geringer belasteten Abwassers und im Hinblick auf wirtschaftliche
Aspekte wegen der dann weniger kostenintensiven Abwasserbehandlung wünschenswert.
Bei „wet blue"-Halbfabrikaten, d. h. Cr-gegerbten Halbfabrikaten,
wird das zumeist anionische Fettungsmittel durch die Chrom-(III)-Kationen fixiert.
„Wet white"-Halbfabrikate, d. h. Cr-frei gegerbte Halbfabrikate, werden ohne
kationische Metallsalze hergestellt, weswegen diese Bindungsstellen fehlen. Bei
Verwendung von handelsüblichen Fettungsmitteln, die nach dem Stand der Technik hergestellt
werden, ist die Badauszehrung oft ungenügend, d.h. die Restflotte besitzt einen
hohen CSB-Wert. Durch chemische Modifizierung des Fettungsmittels wird nach dem
Stand der Technik die Badauszehrung verbessert, was in der Regel durch ein Niederschlagen
der Fettungskomponenten auf der Lederoberfläche geschieht. Dies hat zur Folge, dass
die Verbindungen schlecht im Leder fixiert sind und somit Leder mit hohen Fogging-Werten
nach DIN 75201 erhalten werden.
Aufgabe der vorliegende Erfindung ist es, ein Fettungsmittel bereitzustellen,
welches die Nachteile des Standes der Technik weitgehend vermeidet. Die mit diesen
Fettungsmitteln behandelten Leder sollen ausreichend auszehrend sein, und gegebenenfalls
eine ausreichende Echtheit gegenüber Licht und Wärme aufweisen sowie VOC-arm sein.
Die erfindungsgemäßen Fettungsmittel sollen zudem das Leder gut färben und prägen.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Fettungsmittel umfassend
A) eine Mischung modifizierter nativer Öle enthaltend
a1) mindestens ein oxidiertes sulfitiertes natives Öl und
a2) mindestens ein oxidiertes sulfatiertes natives Öl,
B) ein Emulgatorgemisch enthaltend
b1) mindestens ein mit 4 bis 12 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C6-
bis C 14-Alkanol,
b2) mindestens ein mit 15 bis 40 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C12-
bis C24-Alkanol und
b3) mindestens ein mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C12-
bis C24-Alkanol, sowie
C) gegebenenfalls ein lineares, cyclisches oder verzweigtes Polymer eines Dialkylsilandiols
SiR2(OH)2, wobei R für Methyl, Ethyl, n-Propyl oder Phenyl
steht, und/oder
D) gegebenenfalls eine Verbindung der allgemeinen Formel (II)
wobei R1 und R2 gleich oder unterschiedlich sind und unabhängig
voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus H, M, gesättigtem linearen
aliphatischen C1- bis C18-Alkyl und gesättigtem verzweigten
aliphatischen C3- bis C18-Alkyl,
wobei mindestens einer der beiden Reste R1 und R2 ≠ H,
M mit M = Alkalimetall, 0,5 Erdalkalimetall, und
M+ ausgewählt ist aus der Gruppe H+, NH4+,
Alkalimetall+ und 0,5 Erdalkalimetall+.
Die erfindungsgemäßen Fettungsmittel sind zur Fettung von Ledern und
Häuten besonders geeignet, da die so behandelten Leder und Häute geringes Fogging
und niedrige VOC-Werte zeigen. Insbesondere sind die so behandelten Leder und Häute
gut färbbar und prägbar und weisen einen angenehmen Griff auf. Die Anwesenheit der
erfindungsgemäßen Fettungsmittel in den Lederbehandlungsflotten (unverdünnt oder
in Form wässriger Dispersionen, siehe nachstehend) führt nämlich zu einer guten
Badauszehrung und damit zu niedrigen CSB-Werten bei gleichzeitig guter Verankerung
der Fettungsmittel im Innern der Leder.
Die Komponenten A bis D werden nun im folgenden näher erläutert.
Komponente A
Als native Öle dienen zweckmäßigerweise Fette pflanzlichen oder tierischen
Ursprungs, insbesondere Glyceride natürlicher Fettsäuren, mit einem ausreichenden
Anteil ungesättigter Säuren. Gut geeignete native Öle sind solche mit einer Jodzahl
von ca. 10 bis ca. 200. Im unteren Abschnitt dieses Bereichs finden sich z.B. Stearin-
und Tungöl, im oberen Abschnitt insbesondere die Fischöle und das Chaulmoograöl.
Bevorzugt sind native Öle mit Jodzahlen von ca. 30 bis ca. 120, insbesondere von
40 bis 85.
Beispiele für besonders bevorzugte native Öle sind Fischöl, Klauenöl,
Lardöl, Sojaöl, Rapsöl, Nußöl, Olivenöl und Rizinusöl.
Besonders vorteilhaft sind modifizierte native Öle, die einen relativ
hohen Oxidationsgrad und einen relativ niedrigen Sulfitierungs- bzw. Sulfatierungsgrad
aufweisen.
Die Oxidationsprodukte, Sulfitierungsprodukte bzw. Sulfatierungsprodukte
der ein- oder mehrfach ungesättigten Fette bilden sich durch die Reaktion der in
den Fetten vorhandenen olefinischen Doppelbindungen mit den Oxidations-, Sulfitierungs-
bzw. Sulfatierungsreagenzien. Dabei können alle in den Fetten vorhandenen Doppelbindungen
oder nur ein Teil derselben in Reaktion treten.
Als Oxidationsreagenz wird beispielsweise Luft bei Temperaturen von
60 bis 80°C eingesetzt. Die Oxidation kann jedoch auch nach anderen dem Fachmann
bekannten Arten erfolgen. Ein relativ hoher Oxidationsgrad im Sinne dieser Erfindung
liegt vor, wenn &Dgr;d, der Unterschied der spezifischen Gewichte des Öls oder Fettes
vor und nach der Oxidation, im Bereich von 0,01 bis 0,1 g/ml, vorzugsweise von 0,03
bis 0,05 g/ml, liegt.
Die Sulfitierung erfolgt im allgemeinen durch Umsetzung in wässriger
Na2S2O5-Lösung. Sie kann jedoch auch nach anderen
dem Fachmann bekannten Arten erfolgen. Ein relativ niedriger Sulfitierungsgrad im
Sinne dieser Erfindung liegt dann vor, wenn das native Öl mit 2 bis 8 Gew.-%, vorzugsweise
mit 3 bis 5 Gew.-%, seines Gewichts mit einem Sulfat, gerechnet als Natriumbisulfit
(Na2S2O5), umgesetzt worden ist.
Das oxidierte, sulfitierte native Öl wird dadurch erhalten, dass natives
Öl so oxidiert wird, dass der Unterschied &Dgr;d der spezifischen Gewichte des unoxidierten
und oxidierten nativen Öls im Bereich von 0,01 bis 0,1 g/ml, bevorzugt im Bereich
von 0,03 bis 0,05 g/ml, liegt, und das so oxidierte native Öl anschließend mit 2
bis 8 Gew.-% seines Gewichtes, bevorzugt mit 3 bis 5 Gew.-% seines Gewichtes, mit
einem Sulfat – berechnet als Natriumbisulfit (Na2S2O5)
– umgesetzt wird.
Die Sulfatierung erfolgt im allgemeinen durch Umsetzung in ≥ 60
Gew.-%-iger wässriger H2SO4-Lösung, bevorzugt in ≥ 98 Gew.-%-iger
wässriger H2SO4-Lösung. An die Reinheit der Lösung werden
keine besonderen Anforderungen gestellt, so dass auch technische H2SO4-Lösung
verwendet werden kann. Besonders bevorzugt erfolgt daher die Sulfatierung in konzentrierter
technischer H2SO4-Lösung. Der Einsatz von Oleum ist ebenfalls
möglich. Die Umsetzung kann jedoch auch nach anderen dem Fachmann bekannten Arten
erfolgen, beispielsweise durch Umsetzung mit SO3 oder ClSO3H.
Ein relativ niedriger Sulfatierungsgrad im Sinne dieser Erfindung liegt dann vor,
wenn das native Öl mit 3 bis 9 Gew.-%, vorzugsweise mit 4 bis 8 Gew.-%, seines Gewichts
mit H2SO4 – berechnet als 98 Gew.-%-ige wässrige H2SO4-Lösung
– umgesetzt worden ist.
Das oxidierte, sulfatierte native Öl wird dadurch erhalten, dass natives
Öl so oxidiert wird, dass der Unterschied &Dgr;d der spezifischen Gewichte des unoxidierten
und oxidierten nativen Öls im Bereich von 0,01 bis 0,1 g/ml, bevorzugt im Bereich
von 0,03 bis 0,05 g/ml, liegt, und das so oxidierte native Öl anschließend mit 3
bis 9 Gew.-%, vorzugsweise mit 4 bis 8 Gew.-%, seines Gewichts mit H2SO4
– berechnet als 98 Gew.-%-ige wässrige H2SO4-Lösung
– umgesetzt wird.
Komponente B
Bei der Komponente B handelt es sich um ein Emulgatorgemisch aus den
Einzelkomponenten b1, b2 und b3. Bei den Alkylenoxid-Einheiten der damit alkoxylierten
Alkanole handelt es sich zweckmäßigerweise um solche mit 2 bis 4, vorzugsweise mit
2 bis 3, C-Atomen. D. h. also, die alkoxylierten längerkettigen und langkettigen
Allcanole, die aus dem Stand der Technik bekannt sind, werden durch Umsetzung der
entsprechenden Alkanole bzw. Alkanolgemische, wie sie in Fettalkoholen vorliegen,
mit den gewünschten Molmengen der Alkylenoxide wie Ethylen-, Propylen- oder Butylenoxid
erhalten. Je nach dem, wie die Alkylenoxide den Ansätzen zudosiert werden, können
die Einheiten der daraus erhaltenen Polyetherketten alle gleich oder verschieden
sein und – sofern sie verschieden sind – statistisch oder blockweise
angeordnet sein. Die Umsetzung kann durch geringe Mengen Wasser und/oder Alkali
katalysiert werden.
Das Emulgatorgemisch enthält insbesondere 20 bis 60, bevorzugt 25
bis 50, besonders bevorzugt 28 bis 40 Gew.-%, einer Komponente b1 oder einer Mischung
der Komponenten b1, 20 bis 70, bevorzugt 25 bis 60, besonders bevorzugt 30 bis 45
Gew.-% einer Komponente b2 oder einer Mischung der Komponenten b2 und 10 bis 50,
bevorzugt 15 bis 40, besonders bevorzugt 22 bis 32 Gew.-%, einer Komponente b3 oder
einer Mischung der Komponenten b3, – jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht
des Emulgatorgemischs.
Die Komponente b 1 ist bevorzugt mindestens ein mit 4 bis 12 Alkylenoxid-Einheiten
alkoxyliertes C8- bis C12-Alkanol, besonders bevorzugt mindestens
ein mit 4 bis 12 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C10-Alkanol. Die
Komponente b2 ist bevorzugt mindestens ein mit 15 bis 40 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes
C14- bis C20-Alkanol, besonders bevorzugt ein mit 15 bis 40
Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C16- bis C18-Alkanol.
Die Komponente b3 ist bevorzugt mindestens ein mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten
alkoxyliertes C14- bis C20-Alkanol, besonders bevorzugt
ein mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxylierter C16- bis C18-Alkanol.
Bevorzugt ist darüber hinaus die Komponente b1 mit 5 bis 10 Alkylenoxid-Einheiten
und/oder die Komponente b2 mit 20 bis 30 Alkylenoxid-Einheiten und/oder die Komponente
b3 mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliert. Besonders bevorzugt ist die
Komponente b1 mit 5 bis 10 Alkylenoxid-Einheiten und die Komponente b2 mit 20 bis
30 Alkylenoxid-Einheiten und die Komponente b3 mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten
alkoxyliert.
Komponente C
Bei der Komponente C handelt es sich um das Reaktionsprodukt, welches
durch Polymerisation eines Dialkylsilandiols SiR2(OH)2 erhalten
wird, wobei R für Methyl, Ethyl, n-Propyl oder Phenyl steht. Das so erhaltene Polymer
kann linear, cyclisch oder verzweigt sein. Es weist bevorzugt eine Viskosiät von
30 bis 1000 mPa·s, bevorzugt von 80 bis 500 mPa·s, auf – gemessen
in Reinsubstanz bei 20°C. Bei der Komponente C kann es sich sowohl um ein Homo-
als auch um ein Copolymer handeln. Das erfindungsgemäße Fettungsmittel kann sowohl
keine, als auch eine oder mehrere Komponenten C enthalten. Bevorzugt enthält das
erfindungsgemäße Fettungsmittel mindestens eine Komponente C.
Die Polymere der allgemeinen Formel (I) und ihre Herstellung sind
dem Fachmann bekannt und beispielsweise in EP-A
0 213 480, in Jürgen Falbe, Manfred Regitz, Römpp Chemie Lexikon 1992,
9. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart – New York, Band 5, S. 4167 ff.,
insbesondere unter "Silicone" und "Siloxane", und in Ullmanns Enzyklopädie der technischen
Chemie 1982, 4. Auflage, Verlag Chemie Weinheim, Band 21, S. 511 – 543, insbesondere
unter "Silicon-Öle", beschrieben. Die in EP-A
0 213 480 beschriebenen Silikonöle werden durch Bezugnahme zum Bestandteil
der vorliegenden technischen Lehre gemacht.
Komponente D
Bei der Verbindung der allgemeinen Formel (II)
bei der R1 und R2 gleich oder unterschiedlich und unabhängig
voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus H, M, gesättigtem linearen
aliphatischen C1- bis C18-Alkyl und gesättigtem verzweigten
aliphatischen C3- bis C18-Alkyl,
wobei mindestens einer der beiden Reste R1 und R2 ≠ H,
M mit M = Alkalimetall, 0,5 Erdalkalimetall, und
M+ ausgewählt ist aus der Gruppe H+, NH4+,
Alkalimetall+ und 0,5 Erdalkalimetall+, handelt es sich um einen sulfitierten Bernsteinsäuremono-
oder -diester. Bei den Diestern kann es sich sowohl um gemischte Ester als auch
um Diester mit demselben Alkohol handeln. Bevorzugt handelt es sich um Diester mit
demselben Alkohol.
Das erfindungsgemäße Fettungsmittel kann sowohl keine, als auch eine
oder mehrere der Verbindungen der allgemeinen Formel (II) enthalten. Bevorzugt enthält
das erfindungsgemäße Fettungsmittel mindestens eine Verbindung der allgemeinen Formel
(II).
Bevorzugt sind R1 und R2 unabhängig voneinander
aus der Gruppe Methyl, Ethyl, Propyl, iso-Propyl, n-Butyl, sec-Butyl, tert-Butyl,
n-Pentyl, iso-Pentyl, n-Hexyl, 2-Ethylhexyl, n-Octyl, n-Dodecyl, n-Tridecyl, n-Tetradecyl
und n-Hexadecyl und/oder M+ = H+ oder Na+.
Die Verbindung der allgemeinen Formel (II) lässt sich durch ein Verfahren
enthaltend folgende Schritte herstellen:
i) Umsetzung mindestens einer Substanz ausgewählt aus der Gruppe Maleinsäureanhydrid,
Maleinsäure, Fumarsäure mit mindestens einem gesättigten aliphatischen C1-
bis C18-Alkanol im Molverhältnis (0,1 bis 1) zu (2 bis 5) zu einer Verbindung
der allgemeinen Formel (IIIa) oder (IIIb)
wobei R1 und R2 gleich oder unterschiedlich und unabhängig
voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus H, gesättigtem linearen
aliphatischen C1- bis C18-Alkyl und gesättigtem verzweigten
aliphatischen C3- bis C18-Alkyl, wobei mindestens
einer der beiden Reste R1 und R2 ≠ H, und
ii) Umsetzung der durch Schritt i) erhaltenen Verbindungen der allgemeinen Formel
(IIIa) oder (IIIb) mit einem Derivat der schwefligen Säure, insbesondere mit Na2S2O5,
um eine Verbindung der allgemeinen Formel (II) mit M+ = Na+
zu erhalten.
Bevorzugt wird in Schritt i) Maleinsäureanhydrid eingesetzt. Bevorzugt
eingesetzte Alkanole sind Methanol, Ethanol, Propanol, iso-Propanol, 1-Butanol,
2-Methylpropanol, tert-Butanol, 1-Pentanol, 3-Methylbutanol, 2,2-Dimethylpropanol,
1-Hexanol, 2-Ethylhexanol, 1-Octanol, 1-Dodecanol, 1-Tridecanol, 1-Tetradecanol
und 1-Hexadecanol.
Der Druck liegt während des Verfahrens insbesondere bei 1 bar (= Normaldruck)
bis 5 bar. Bevorzugt wird das Verfahren bei 80 bis 100°C durchgeführt, wobei
die Obergrenze für die Reaktionstemperatur durch den Siedepunkt des eingesetzten
Alkohols vorgegeben wird. Nähere Einzelheiten zur Verfahrensdurchführung und zur
Herstellung der anderen Verbindungen der allgemeinen Formel (II) sind dem Fachmann
bekannt.
Das erfindungsgemäße Fettungsmittel kann bei der Herstellung und/oder
Behandlung von Leder und Häuten eingesetzt werden. Die Erfindung betrifft daher
auch die Verwendung der beschriebenen erfindungsgemäßen Fettungsmittel bei der Lederherstellung.
Deren Verwendung dient zur Weichmachung des Leders, zur Steigerung seiner Fülle
und Festigkeit und zur Schutzwirkung gegen Nässe, Schmutz, und chemische Einflüsse
von außen.
Das erfindungsgemäße Fettungsmittel kann unverdünnt oder je nach den
Wünschen der Anwender in Form wässriger Dispersionen (wässriger Flotten), zweckmäßigerweise
mit Feststoffgehalten von 40 bis 80 Gew.-%, bevorzugt mit Feststoffgehalten von
50 bis 80 Gew.-%, besonders bevorzugt mit Feststoffgehalten von 60 bis 75 Gew.-%
bereitgestellt werden. Die Erfindung betrifft somit auch ein Verfahren zur Fettung
von Leder und Häuten durch Behandlung mit den vorstehend genannten wässrigen Flotten.
Die bevorzugte, besonders bevorzugte und ganz besonders bevorzugte
Zusammensetzung des erfindungsgemäßen Fettungsmittels ist der nachfolgenden Tabelle
1 zu entnehmen. Die Gewichtsangaben beziehen sich jeweils auf das Gesamtgewicht
des Fettungsmittels. Es können auch weitere dem Fachmann bekannte, geeignete Zusätze
enthalten sein.
Tabelle 1: Zusammensetzung des erfindungsgemäßen Fettungsmittels
Die Komponenten der bevorzugten erfindungsgemäßen Fettungsmittel,
nämlich die erfindungsgemäßen modifizierten nativen Öle (Komponente A} und das erfindungsgemäße
Emulgatorgemisch (Komponente B), sowie gegebenenfalls das Polymer der allgemeinen
Formel (I) (Komponente C) und die Verbindung der allgemeinen Formel (II) (Komponente
D), können den Fettungsflotten zusammen oder in beliebiger Reihenfolge getrennt
– unter Rühren und gegebenenfalls leichter Erwärmung – zugefügt werden.
Die folgenden Ausführungsbeispiele veranschaulichen die Erfindung.
Die Zusammensetzung der eingesetzten erfindungsgemäßen Fettungsmittel
FM1 bis FM4 ist der Tabelle 2 zu entnehmen. Der Anteil der einzelnen Komponenten
ist in Gew.-%, bezogen auf das gesamte Fettungsmittel, angegeben.
Bei der Komponente a1 handelt es sich um eine 93 Gew.-%ige wässrige
Lösung von oxidiertem sulfitierten Rapsöl, wobei das Rapsöl bis &Dgr;d = 0,01 bis
0,1 g/ml luftoxidiert und anschließend mit 4 Gew.-% Na2S2O5
– bezogen auf das Gewicht des Rapsöls – umgesetzt wurde. Bei der Komponente
a2 handelt es sich um eine 96 Gew.-%ige wässrige Lösung von oxidiertem sulfatierten
Rapsöl, wobei das Rapsöl bis &Dgr;d = 0,01 bis 0,1 g/ml luftoxidiert und anschließend
mit 6 Gew.-% 98 Gew.-%iger wässriger H2SO4 – bezogen
auf das Gewicht des Rapsöls – umgesetzt wurde.
Das nicht-ionische Tensid Lutensol® AT 25 der BASF
AG in Ludwigshafen ist ein C16- bis C18-Fettalkoholgemisch,
welches mit 25 mol Ethylenoxid ethoxyliert wurde. Das nicht-ionische Tensid Siligen®
WL der BASF AG in Ludwigshafen ist ein Gemisch linearer C16- bis C18-Fettalkohole,
welches mit 80 mol Ethylenoxid ethoxyliert wurde. Das nicht-ionische Tensid Lutensol®
ON 70 der BASF AG in Ludwigshafen ist der lineare C10-Fettalkohol, welcher
mit 7 mol Ethylenoxid ethoxyliert wurde.
Das Dialkylsulfosuccinat Empimin® AMI der BASF AG in
Ludwigshafen ist das Umsetzungsprodukt von Maleinsäureanhydrid mit 2-Ethylhexanol
im Molverhältnis 1 zu 2 und anschließender Sulfat-Addition an die Doppelbindung
des so erhaltenen Maleinsäure(di)esters. Das Silikonöl® AK 350 der
Wacker Chemie in Burghausen ist ein Polydimethylsiloxan mit der Viskosität 350 mPa·s
– gemessen bei 20°C. Densodrin® BA der BASF AG in Ludwigshafen ist
eine 25 Gew.-%ige wässrige Lösung des Copolymers, welches durch Polymerisation eines
Gemischs von &agr;-Olefinen mit 20 bis 24 C-Atomen mit Maleinsäureanhydrid im Molverhältnis
1 zu 1 und anschließender Neutralisation mit wässriger NaOH-Lösung erhalten wird
und eine zahlenmittlere Molmasse Mn von 10000 g/mol aufweist.
Tabelle 2: Zusammensetzung der Fettungsmittel FM1 bis FM4
Beispiel 1 Behandlung von Cr-gegerbtem Leder mit herkömmlichem/erfindungsgemäßem
Fettungsmittel FMl bis FM4
100 Gewichtsteile Chromrindleder der Falzstärke 1,0 mm werden in 200
Gewichtsteilen Wasser von 35°C für 10 Minuten in einem Fass bewegt. Anschließend
wird die Flotte abgelassen, und das so gewaschene Chromrindleder in 150 Gewichtsteilen
Wasser von 35°C für 30 Minuten bewegt. Danach werden 2,5 Gewichtsteile Natriumformiat
zugegeben und nach weiteren 60 Minuten 0,8 Gewichtsteile Natriumhydrogencarbonat,
die mit Wasser von 30°C auf 1 zu 15 verdünnt wurden, wodurch ein pH-Wert von
6,5 eingestellt wird. Nach 60 Minuten werden 2 Gewichtsteile Fettungsmittel FM1
zugegeben, die mit Wasser von 60°C auf 1 zu 3 verdünnt wurden; anschließend
wird die Flotte abgelassen.
Danach werden 100 Gewichtsteile Wasser von 35°C und 5 Gewichtsteile
Tara zugesetzt. Nach 60 Minuten werden 5 Gewichtsteile handelsüblicher flüssiger
Sulfongerbstoff der mit Wasser von 35°C auf 1 zu 3 verdünnt wurde, zugegeben.
Man bewegt das Leder 60 Minuten im Fass, und färbt es dann in der gleichen
Flotte mit 2,5 Gewichtsteilen eines handelsüblichen anionischen Lederfarbstoffs.
Nach 5 Minuten werden dem Leder 100 Gewichtsteile Wasser von 60°C und
10 Gewichtsteile Fettungsmittel FM1 zugefügt, welches mit Wasser von 60°C auf
1 zu 5 verdünnt wurde, wodurch ein pH-Wert von 6,9 eingestellt wird.
Danach wird die Flotte durch langsame portionsweise Zugabe von 1,5
Gewichtsteilen 8,5 Gew.-%iger wässriger Ameisensäure von 20°C innerhalb eines
Zeitraums von 60 Minuten auf einen pH-Wert von 3,6 eingestellt. Die Flotte wird
abgelassen, und das Leder 10 Minuten mit 200 Gewichtsteilen Wasser von 35°C
gespült und wie allgemein üblich weiter bearbeitet.
Das Beispiel wurde analog unter Einsatz der Fettungsmittel FM2 bis
FM4 wiederholt.
Man erhält Leder mit guter Festnarbigkeit, bei gleichzeitig guter
Fülle und mittlerer Weichheit. Die Lederoberfläche besitzt einen angenehmen Griff.
Beispiel 2 Behandlung von Cr-frei gegerbtem Leder mit herkömmlichem/erfindungsgemäßem
Fettungsmittel FM1 bis FM4
100 Gewichtsteile „wet white"-Rindleder der Falzstärke 1,0
mm werden in 300 Gewichtsteilen Wasser von 35°C für 10 Minuten
bewegt. Anschließend wird die Flotte abgelassen, und das so gewaschene Chromrindleder
wird in 200 Gewichtsteilen Wasser von 35°C für weitere 20 Minuten bewegt. Dann
werden 2,0 Gewichtsteile Natriumformiat zugegeben und nach weiteren 60 Minuten 0,3
Gewichtsteile Natriumhydrogencarbonat, die mit Wasser von 30°C auf 1 zu 15 verdünnt
wurden, wodurch ein pH-Wert von 4,8 eingestellt wird. Nach 60 Minuten werden 2 Gewichtsteile
Fettungsmittel FM1, welches mit Wasser von 60°C auf 1 zu 3 verdünnt wurde, zugegeben
und die Flotte wird abgelassen.
Danach werden 100 Gewichtsteile Wasser von 35°C und 6 Gewichtsteile
Tara zugesetzt. Nach 120 Minuten werden 20 Gewichtsteile handelsüblicher flüssiger
Sulfongerbstoff der mit Wasser von 35°C auf 1 zu 3 verdünnt wurde, zugegeben.
Man bewegt das Leder für 60 Minuten, und färbt es dann in der gleichen Flotte mit
2,0 Gewichtsteilen eines handelsüblichen Lederfarbstoffs. Nach 5 Minuten werden
dem Leder 100 Gewichtsteile Wasser von 45°C und 10 Gewichtsteile Fettungsmittel
FM1, welches mit Wasser von 60°C auf 1 zu 5 verdünnt wurde, zugefügt, wodurch
ein pH-Wert von 5,0 eingestellt wird.
Danach wird die Flotte durch langsame portionsweise Zugabe von 1,5
Gewichtsteilen 8,5 Gew.-%iger wässriger Ameisensäure von 20°C innerhalb eines
Zeitraums von 60 Minuten auf einen pH-Wert von 3,5 eingestellt. Die Flotte wird
abgelassen, und das Leder 10 Minuten mit 200 Gewichtsteilen Wasser von 35°C
gespült und wie allgemein üblich weiter bearbeitet.
Das Beispiel wurde analog unter Einsatz der Fettungsmittel FM2 bis
FM4 wiederholt.
Man erhält Leder mit guter Festnarbigkeit, bei gleichzeitig guter
Fülle und mittlerer Weichheit. Die Lederoberfläche besitzt einen angenehmen Griff.
Anspruch[de]
Fettungsmittel zur Herstellung und/oder Behandlung von Leder und Häuten
umfassend
A) eine Mischung modifizierter nativer Öle enthaltend
a1) mindestens ein oxidiertes sulfitiertes natives Öl und
a2) mindestens ein oxidiertes sulfatiertes natives Öl,
B) ein Emulgatorgemisch enthaltend
b1) mindestens ein mit 4 bis 12 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C6-
bis C14-Alkanol,
b2) mindestens ein mit 15 bis 40 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C12-
bis C24-Alkanol und
b3) mindestens ein mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C12-
bis C24-Alkanol, sowie
C) gegebenenfalls ein lineares, cyclisches oder verzweigtes Polymer eines Dialkylsilandiols
SiR2(OH)2, wobei R für Methyl, Ethyl, n-Propyl oder Phenyl
steht, und/oder
D) gegebenenfalls eine Verbindung der allgemeinen Formel (II)
wobei R1 und R2 gleich oder unterschiedlich sind und unabhängig
voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus H, M, gesättigtem linearen
aliphatischen C1- bis C18-Alkyl und gesättigtem verzweigten
aliphatischen C3- bis C18-Alkyl, wobei mindestens einer der
beiden Reste R1 und R2 ≠ H, M mit M = Alkalimetall, 0,5
Erdalkalimetall, und
M+ ausgewählt ist aus der Gruppe H+, NH4+,
Alkalimetall+ und 0,5 Erdalkalimetall+.
Fettungsmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das modifizierte
native Öl A ausgewählt ist aus der Gruppe modifiziertes Fischöl, modifiziertes Klauenöl,
modifiziertes Lardöl, modifiziertes Sojaöl, modifiziertes Rapsöl, modifiziertes
Nußö1, modifiziertes Olivenöl und modifrziertes Rizinusöl.
Fettungsmittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
das oxidierte, sulfitierte native Öl dadurch erhalten wird, dass natives Öl so oxidiert
wird, dass der Unterschied &Dgr;d der spezifischen Gewichte des unoxidierten und
oxidierten nativen Öls im Bereich von 0,01 bis 0,1 g/ml, bevorzugt im Bereich von
0,03 bis 0,05 g/ml, liegt, und das so oxidierte native Öl anschließend mit 2 bis
8 Gew.-% seines Gewichtes, bevorzugt mit 3 bis 5 Gew.-% seines Gewichtes, mit einem
Sulfat – berechnet als Natriumbisulfit (Na2S2O5)
– umgesetzt wird.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass das oxidierte, sulfatierte native Öl dadurch erhalten wird, dass natives Öl
so oxidiert wird, dass der Unterschied &Dgr;d der spezifischen
Gewichte des unoxidierten und oxidierten nativen Öls im Bereich von 0,01 bis 0,1
g/ml, bevorzugt im Bereich von 0,03 bis 0,05 g/ml, liegt, und das so oxidierte native
Öl anschließend mit 3 bis 9, vorzugsweise mit 4 bis 8, Gew.-% seines Gewichts mit
H2SO4 – berechnet als 98 Gew.-%-ige wässrige H2SO4-Lösung
– umgesetzt wird.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass das Emulgatorgemisch B 20 bis 60, bevorzugt 25 bis 50, besonders bevorzugt
28 bis 40 Gew.-%, einer Komponente b 1 oder einer Mischung der Komponenten b 1,
20 bis 70, bevorzugt 25 bis 60, besonders bevorzugt 30 bis 45 Gew.-% einer Komponente
b2 oder einer Mischung der Komponenten b2 und 10 bis 50, bevorzugt 15 bis 40, besonders
bevorzugt 22 bis 32 Gew.-%, einer Komponente b3 oder einer Mischung der Komponenten
b3 enthält, – jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht des Emulgatorgemischs.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Alkylenoxid-Einheiten der Komponenten b1, b2 und b3 2 bis 4 C-Atome, bevorzugt
2 bis 3 C-Atome, haben.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass die Komponente b1 mindestens ein mit 4 bis 12 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes
C8- bis C12-Alkanol, bevorzugt mindestens ein mit 4 bis 12
Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C10-Alkanol, ist und/oder dass die
Komponente b2 mindestens ein mit 15 bis 40 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C14-
bis C20-Alkanol, bevorzugt ein mit 15 bis 40 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes
C16- bis C18-Alkanol, ist und/oder die Komponente b3 mindestens
ein mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C14- bis C20-Alkanol,
bevorzugt ein mit 50 bis 100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliertes C16-
bis C18-Alkanol, ist.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass die Komponente b 1 mit 5 bis 10 Alkylenoxid-Einheiten, und/oder dass die Komponente
b2 mit 20 bis 30 Alkylenoxid-Einheiten, und/oder dass die Komponente b3 mit 50 bis
100 Alkylenoxid-Einheiten alkoxyliert ist.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
dass das Polymer der allgemeinen Formel (I) eine Viskosität von 30 bis 1000 mPa·s,
bevorzugt von 80 bis 500 mPa·s, – gemessen in Reinsubstanz bei 20°C,
hat.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Verbindung der allgemeinen Formel (II) R1 und R2
unabhängig voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe Methyl, Ethyl, Propyl, iso-Propyl,
n-Butyl, sec-Butyl, tert-Butyl, n-Pentyl, iso-Pentyl, n-Hexyl, 2-Ethylhexyl, n-Octyl,
n-Dodecyl, n-Tridecyl, n-Tetradecyl und n-Hexadecyl und/oder M+ = H+
oder Na+.
Fettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet,
dass das Fettungsmittel 45 bis 98 Gew.-%, bevorzugt 70 bis 96 Gew.-%, besonders
bevorzugt 78 bis 95 Gew.-%, einer Komponente A oder einer Mischung der Komponenten
A, 2 bis 15 Gew.-%, bevorzugt 3 bis 10 Gew.-%, besonders bevorzugt 3 bis 8 Gew.-%,
einer Komponente B oder einer Mischung der Komponenten B, sowie 0 bis 20 Gew.-%,
bevorzugt 0,5 bis 10 Gew.-%, besonders bevorzugt 1 bis 7 Gew.-%, einer Komponente
C oder einer Mischung der Komponenten C, und 0 bis 20 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis
10 Gew.-%, besonders bevorzugt 1 bis 7 Gew.-%, einer Komponente D oder einer Mischung
der Komponenten D enthält, – jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht des Fettungsmittels.
Verwendung eines Fettungsmittels nach einem der Ansprüche 1 bis 11
bei der Herstellung und/oder Behandlung von Leder und Häuten.
Verfahren zur Fettung bei der Herstellung und/oder Behandlung von
Leder und Häuten mit wässrigen Dispersionen, dadurch gekennzeichnet, dass die wässrigen
Dispersionen von 40 bis 80 Gew.-%, bevorzugt von 50 bis 80 Gew.-%, besonders bevorzugt
von 60 bis 75 Gew.-%, eines Fettungsmittels nach einem der Ansprüche 1 bis 11 enthalten.