Die Erfindung betrifft ein Stoffgemisch zur vollständigen Verfüllung
von untertägigen Hohlräumen.
Der Stand der Technik stellt sich wie folgt dar.
Die Verfüllung von bergbaulichen oder sonstigen Hohlräumen ohne besondere
Anforderungen an Verfüllungsgrad bzw. zu erreichende Druckfestigkeit wird derzeit
im Regelfall durch das vollständige Auffüllen mit einer als Monolith abbindenden
Suspension aus Filteraschen und Wasser erreicht. Als Versatzmaterial kommt überwiegend
eine pumpfähige Suspension zum Einsatz, die aus Braunkohlenfilteraschen (BFA) und
Wasser ohne Zusätze oder Zuschlagstoffe besteht und die Bedingungen der Umweltverträglichkeit
erfüllt. Die BFA wird mit einem für die eingesetzte Technik optimalen Wasser-Feststoff-Faktor
von 0, 6 (0, 6 m³ H2O auf 1, 0 t Asche) angemischt und ergibt somit
die Garantie einer minimalen Sedimentation in der Versatzleitung, erfüllt aber auf
jeden Fall den Wasserbedarf der BFA, um eine Festkörperbildung zu realisieren. Entsprechend
der unterschiedlichen Bekohlung der verschiedenen Kraftwerke, die als Lieferanten
der BFA zur Verfügung stehen, ändert sich die chemische Zusammensetzung der Aschen
und damit die Festigkeitsentwicklung des BFA-Steines, der nach abgeschlossener Sedimentation
und Festigkeitsentwicklung in den Grubenbauen entsteht. Das Versatzmaterial wird
deshalb in regelmäßigen Abständen (einmal jährlich) chemisch-analytisch und bauphysikalisch
labormäßig untersucht.
Als Mindestanforderungen für den entstehenden BFA-Stein gelten derzeit:
- – ausreichende Lagerstabilität, um Wasserbewegungen in den Grubenbauen
oder Hohlräumen zu widerstehen, der Kf-Wert soll < 10−7 m/s betragen;
- – Mindestdruckfestigkeit nach 40 – 60 Tagen ca. 1 bis 2 N/mm²,
das heißt, der BFA-Stein übersteigt die Festigkeit des den BFR-Stein umgebenden
Gebirges;
- – Versatzgrad mindestens 90 %;
- – ausreichende Korrosions- und Erosionsbeständigkeit;
- – Einhaltung der entsprechenden Grenz- und Zuordnungswerte (siehe Bundesverordnung
Versatz ... vom Juli 2002).
Besondere Bedingungen und Anforderungen werden an den Versatz bzw.
die Verfüllung von Hohlräumen unter Verkehrswegen, wie Straßen und Eisenbahntrassen,
Gebäuden, gefährdeten Medienleitungen oder anderen sensiblen Bauten gestellt. Diese
variieren in einer großen Bandbreite je nach Aufgabenstellung und können generell
auf folgende Mindestanforderungen reduziert werden:
- – hohe Volumenstabilität (geringes Schwinden beim Aushärten, Versatzgrad
95 bis 100 %);
- – gute Fließeigenschaften (hohes Ausbreitmaß bei geringem Wasseranteil);
- – vollständiges Ausfüllen auch unbekannter angrenzender Hohlräume ohne
zusätzliches Druckaufgeben;
- – Druckfestigkeit > 2 N/mm² nach 28 Tagen und schnelle Festigkeitsentwicklung;
- – hohe Resistenz gegen Wasser und Chemikalien;
- – Umweltverträglichkeit.
Die vorher beschriebenen BFA-Suspensionen erreichen diese Eigenschaften
und Anforderungen nicht, was als Nachteil des Standes der Technik hervorzuheben
ist. Des Weiteren tritt bei der BFA-Suspension eine Sedimentation auf, das heißt,
es ist eine Trennung der Feststoffanteile vom Wasser zu beobachten. Dadurch kann
mit einer solchen Suspension selbst bei mehrmaligem Pumpen keine vollständige Verfüllung
der Hohlräume erreicht werden, was weiterhin einen Nachteil darstellt.
Um diesen erhöhten Anforderungen und Bedingungen an den Versatz bzw.
der Verfüllung von Hohlräumen unter Verkehrswegen, wie Straßen und Eisenbahntrassen,
Gebäuden, gefährdeten Medienleitungen oder anderen sensiblen Bauten zu genügen,
werden für diese Zwecke relativ teure Spezialbaustoffe, wie Dämmer oder Zementmischungen,
eingesetzt.
Zu diesen gehören unter einer Vielzahl von Produkten:
- – Füllbinder L, M, H, S, R von Schwenk-Zement
- – Prefill K von Readymix Zement Rüdersdorf
- – Bergbaumörtelprodukte von Quick Mix
- – Zemente und Zement-Kalkgemische der Zementindustrie.
Mit dem Dämmer/Beton wird ebenfalls nach Verarbeitungsvorschrift bzw.
Aufgabenstellung eine pumpfähige Suspension hergestellt. Druckfestigkeitsangaben
und umweltrelevante Parameter sind hersteller- bzw. erzeugnisabhängig. Entsprechende
Zertifikate/Datenblätter werden mit den Produkten geliefert.
Der Transport der Braunkohlenfilterasche (BFA) bzw. der Zemente/Dämmer
zur Versatzanlage erfolgt mit Straßensilofahrzeugen. Die Entladung der Straßensilos
erfolgt mittels Druckluft je nach Aufbauvariante direkt in den Trockengutbehälter
des Durchlaufmischbehälters bzw. direkt in das Mischrohr des Hydromischers, der
den Vorratsbehälter (mit Rührwerkzeug) bedient. Mittels Schrägrohrschneckenförderer
wird die BFA aus den Hochsilos dem Trockengutmischbehälter zugeführt. Der Füllstand
im Aufsatz des Durchlaufmischers wird dabei überwacht und entsprechend geregelt.
Nach Zuführung in das Mischrohr wird dem Trocken- bzw. Feuchtmaterial die erforderliche
Wassermenge zugeführt, um im kontinuierlichen Prozess eine gleich bleibende Konsistenz
zu erreichen. Aus dem Durchlaufmischer fällt das gemischte Gut über ein Einlegesieb
in den Nassmörtelbehälter der Dickstoffpumpe. Das gemischte Versatzgut
wird nun mittels der ölhydraulischen Doppelkolbenpumpe über die Förderleitung in
das im Bohrloch eingebaute 2"-Versatzrohr und von dort aus in die offenen Grubenbaue
oder sonstige Hohlräume gepumpt. Bei der Aufbaubauvariante mit BFA-Zufuhr direkt
aus den Straßensilos wird durch Einblasen der Asche und gleichzeitiger dosierter
Wasserzugabe im Mischrohr (Hydromischer) eine BFA-Suspension vorgemischt. Diese
gelangt in den Vorratsbehälter und wird dort mittels Rührwerk homogenisiert. Die
mit Kugelventilen oder Doppelkolben arbeitende Dickstoffpumpe saugt sich die BFA-Suspension
direkt aus dem Vorratsbehälter und pumpt sie, wie bereits beschrieben, in die Grubenbaue
bzw. sonstige Hohlräume.
Während der Versatzarbeiten werden die technischen Parameter:
- – Druck am Bohrlochkopf (Ausdruck des Druckbandschreibers)
- – Dichte der Suspension
- – Anstieg der Suspension in den umliegenden Hohlräumen, Überprüfung der
Teufenangaben (loten) und Dokumentation in der Lottabelle und
- – Sedimentation der Suspension
ständig gemessen und dokumentiert. Darüber hinaus werden Rückstellproben und Proben
zur Laboruntersuchung je Materialart und Schicht genommen und archiviert.
Ziel ist es, eine Erfindung nachzuweisen, welche die Nachteile des
Standes der Technik unterbindet und womit erreicht wird, dass ein Stoffgemisch gefunden
wird, welches den Anforderungen einer Verfüllung untertägiger Hohlräume jeglicher
Art genügt.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Stoffgemisch auf der
Basis von Kraftwerksfilteraschen zu schaffen, das ohne Überschuss von Wasser hervorragende
Fließeigenschaften besitzt und dadurch eine vollständige Verfüllung von untertägigen
Hohlräumen garantiert sowie erhöhte pumpfähige Druckfestigkeitsanforderungen, die
mit den bisherigen Asche-Wasser-Suspensionen nicht geschaffen werden.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass ein Zusatzmittel
zu einem steifen Gemisch von Kraftwerksfilteraschen und Wasser gegeben wird, womit
aus dem steifen Gemisch ein flüssiges Gemisch, wie es zur Verfüllung von untertägigen
Hohlräumen benötigt wird, entsteht. Durch das Zusatzmittel wird einerseits die pumpfähige
Konsistenz erreicht und zum anderen kann erreicht werden, dass nur soviel Wasser
der Asche zugesetzt wird, wie zum Abbinden der hydraulischen Bestandteile der jeweiligen
Kraftwerksfilterasche benötigt wird. Dadurch werden ausreichend hohe Druckfestigkeitswerte
erreicht, wie sie sonst nicht von Kraftwerksfilterasche sondern nur von Spezialbaustoffen,
wie Dämmer oder Zementmischungen, erreicht werden. Als Zusatzmittel zur Verflüssigung
der steifen Kraftwerksfilteraschen-Wasser-Suspension werden neue Verflüssiger auf
der Basis von Polycarboxylether (PCE) eingesetzt.
Die Erfindung wird anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben.
Die Braunkohlenfilterasche aus dem Kraftwerk Boxberg ergibt mit 32,5
Masseprozent Wasser gemischt ein steifes Gemisch, das nach 7 Tagen eine Druckfestigkeit
von 0,9 N/mm², nach 28 Tagen eine Druckfestigkeit von 7, 3 N/mm² und nach
56 Tagen eine Druckfestigkeit von 12,7 N/mm² erreicht. Dieses steife Gemisch
ist für den bergbaulichen Versatz allerdings nicht zu verwenden, da es nicht pumpfähig
ist. Für den bergbaulichen Versatz wird die Braunkohlenfilterasche mit 60 Masseprozent
Wasser gemischt, um eine pumpfähige Suspension zu erhalten. Bei diesem Mischungsverhältnis
erreicht die Druckfestigkeit nach 7 Tage nur 0,32 N/mm² und nach 28 Tagen 0,83
N/mm². Außerdem tritt bei dieser Suspension eine Sedimentation auf, das heißt,
es ist eine Trennung der Feststoffanteile vom Wasser zu beobachten. Dadurch kann
mit einer solchen Suspension selbst bei mehrmaligem Pumpen keine vollständige Verfüllung
der Hohlräume erreicht werden.
Bei der Zugabe eines Fließmittels auf der Basis von Polycarboxylether
(PCE) – Dosierung 0,3 Masseprozent der Braunkohlenfilterasche – kann
das steife Gemisch aus Braunkohlenfilterasche des Kraftwerkes Boxberg mit 32,5 Masseprozent
Wasser auf eine pumpfähige Konsistenz gebracht werden, wie man sie ohne Fließmittelzugabe
nur bei einem Mischungsverhältnis von 100 % Braunkohlenfilterasche Boxberg mit 60
Wasser erhält.
Die Druckfestigkeitswerte stellen sich wie folgt dar:
2 Tage
1, 5 N/mm²
7 Tage
6,0 N/mm²
28 Tage
7,5 N/mm²
Außerdem wird nach 28 Tagen eine Biegezugfestigkeit von 2 N/mm²
erreicht. Bei diesem pumpfähigen Gemisch tritt keine Sedimentation auf. Es wird
eine Verfüllung von 98 – 100 % erreicht.
Auf Grundlage des neuen Stoffgemisches aus der Braunkohlenfilterasche,
dem entsprechenden Wasseranteil und der Zugabe des Fließmittels Polycarboxylether
(PCE) ergeben sich entsprechende Festigkeitswerte, welche insbesondere auch den
Nachteil des Standes der Technik damit ausräumen, dass diese Verfüllung von untertägigen
Hohlräumen, speziell für die Anwendung bei erhöhten Anforderungen dienlich ist.
Dabei ist es also möglich, das neue Stoffgemisch zur Verfüllung von Hohlräumen unter
Verkehrswegen, wie Straßen und Eisenbahntrassen, Gebäuden, gefährdeten Medienleitungen
oder anderen sensiblen Bauten zu nutzen. Die entsprechenden Festigkeitswerte sind
diesseitig dokumentiert.