Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Einrichtung zum Überhitzen
von Dampf, wie sie beispielsweise im Bereich der Energieerzeugung eingesetzt werden
kann, um den in einem Kraftwerk erzeugten Sattdampf in Heißdampf zu überfuhren.
Zur Energieerzeugung werden als Kraftwerke unter anderem Leichtwasser-Kernreaktoren
eingesetzt, zu denen die Siedewasser- und Druckwasserreaktoren zählen. Durch die
Wärmeentwicklung im Reaktorkern wird bei den Siedewasserreaktoren im Reaktordruckbehälter
und bei den Druckwasserreaktoren in den Dampferzeugern Naßdampf erzeugt. Um den
Nässegehalt des zunächst vorhandenen Naßdampfes zu reduzieren, sind daher im Reaktordruckbehälter
bzw. im Dampferzeuger Dampftrockner angeordnet. Der im Reaktordruckbehälter erzeugte
Sattdampf weist etwa einen Druck von 70 bar und eine Temperatur von 286 °C auf
und wird einer Turbine zugeführt, die einen Generator zur Erzeugung von elektrischer
Energie antreibt. Da in der Turbine bei der Entspannung des Druckes nennenswerte
Mengen des Dampfes kondensieren, wird in der Regel nach der Hochdruckturbine ein
Zwischenüberhitzer angeordnet, in dem das entstandene Kondensat abgeschieden und
der restliche Dampf geringfügig erwärmt wird. Dieser Prozeßschritt kann vermieden
werden, wenn von vornherein überhitzter Dampf zur Verfügung steht.
Aus der DE 38 36 461 A1 ist ein Niedertemperatur-Dampferzeuger bekannt,
der ein stehendes zylindrisches Gehäuse aufweist, das durch eine horizontale Trennwand
in eine obere und in eine untere Kammer unterteilt ist. In die obere Kammer strömt
unter Ausbildung einer Rotationsströmung eine heiße, gegebenenfalls dampfhaltige
Flüssigkeit, ein. Diese strömt durch eine Öffnung in der Trennwand in die untere
Kammer und wird dabei beschleunigt. Infolge der Beschleunigung sinkt der Druck
in der Flüssigkeit ab und es wird Dampf erzeugt, der senkrecht nach oben aus der
oberen Kammer abgeführt wird. Die Flüssigkeit verläßt die Kammer aus der unteren
Kammer. Der erzeugte Dampf liegt jedoch nicht als Heißdampf vor.
Aus der DE-PS 151 464 ist eine Vorrichtung zum Umwandeln gesättigten
Dampfes in überhitzten Dampf bekannt. Bei dieser Vorrichtung wird Dampf mit Hilfe
einer in einem Gehäuse angeordneten Schraube in eine Rotationsströmung versetzt.
Dabei wird Kondensat erzeugt, das auf den Schraubengewinden infolge der Schwerkraft
nach unten abfließt. Die Schraube weist im Inneren einen Hohlzylinder auf, in den
der Dampf durch Schlitze eintreten kann. Der Dampf strömt in dem Hohlzylinder
senkrecht nach oben und verläßt über einen Schieber die Vorrichtung als überhitzter
Dampf.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren sowie eine
Einrichtung zum Überhitzen von Dampf anzugeben.
Die erstgenannte Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren
zum Überhitzen von Dampf, bei dem
- a) die Druckenergie des Dampfes zumindest teilweise in eine Rotationsströmung
um eine Rotationsachse und in eine der Rotationsströmung überlagerte axiale Strömung
in Richtung der Rotationsachse umgewandelt wird,
- b) die Rotationsgeschwindigkeit des Dampfes in Richtung der Rotationsachse
durch eine Verkleinerung des Strömungsquerschnitts erhöht wird, wobei Kondensat
und Restdampf erzeugt wird,
- c) das Kondensat vor der Verkleinerung des Strömungsquerschnitts von dem Restdampf
getrennt und anschließend im wesentlichen radial nach außen abgeführt wird,
- d) der Restdampf in Richtung der Rotationsachse weitergeleitet, seine Rotationsgeschwindigkeit
erniedrigt und der Restdampf dabei überhitzt und in Heißdampf umgewandelt wird.
Der Vorteil dieses Verfahrens ist darin zu sehen, daß der Effekt,
nämlich das Überhitzen von Dampf, aufgrund physikalischer Zustandsänderungen des
Dampfes ohne externe Energiequellen erreicht wird. Bei der Umwandlung der Druckenergie
des Dampfes in kinetische Energie der Rotationsströmung expandiert der Dampf,
wodurch sowohl der Druck als auch die Temperatur des Dampfes absinkt. Aufgrund
der dann vorliegenden niedrigeren Temperatur kondensiert unter Abgabe der Kondensationswärme
Flüssigkeit aus dem Dampf aus und bildet das Kondensat.
Das Kondensat wird von dem Restdampf, also dem Anteil des Dampfes
der nicht auskondensiert ist, in Folge der Rotationsströmung abzentrifugiert, also
abgetrennt, und anschließend radial nach außen abgeführt. Die Restfeuchte des Restdampfes,
d.h. der Anteil der Flüssigkeit in diesem Rest- oder Naßdampf, ist dabei um so
geringer, je höher die Rotationsgeschwindigkeit der Rotationsströmung ist. Eine
Erhöhung der Rotationsgeschwindigkeit wird auf einfache Weise durch eine Verringerung
des Strömungsquerschnitts erreicht. Als Strömungsquerschnitt wird die senkrecht
zur Rotationsachse ausgerichtete Fläche bezeichnet. Nach Abtrennung des Kondensats
wird die kinetische Energie des Restdampfes durch eine Verringerung seiner Geschwindigkeit
wieder in Druckenergie umgewandelt. Dies wird bevorzugt durch eine Vergrößerung
des Strömungsquerschnitts erreicht. Dabei steigen Temperatur und Druck des Restdampfes
wieder an. Da der Restdampf die zuvor aufgenommene Kondensationswärme nun nicht
mehr an das mittlerweile abgetrennte Kondensat abtreten kann, ist der Restdampf
überhitzt, d.h. er liegt als Heißdampf vor. Im wesentlichen ist die Temperatur
des erzeugten Heißdampfes um so höher, je vollständiger die Umwandlung von Druckenergie
in kinetische Energie und je kleiner die Restfeuchte des Restdampfes ist, bevor
seine Geschwindigkeit zur Umwandlung in Druckenergie wieder reduziert wird.
Die Druckenergie des Dampfes läßt sich in einfacher Weise in kinetische
Energie der Rotationsströmung umwandeln. Der Rotationsströmung ist eine axiale
Strömung in Richtung der Rotationsachse überlagert. Die resultierende Strömung
kann also als eine schraubenförmige Strömung des Dampfes aufgefaßt werden, die
sich aus einer axialen Strömung und einer Rotationsströmung zusammensetzt. Eine
Rotationsströmung bietet den Vorteil, daß bei ihr die Strömungsgeschwindigkeit
des Dampfes leicht variiert werden kann, und somit die Umwandlung von Druck- in
kinetische Energie leicht und ohne nennenswerte Wirkungsgradverluste durchzuführen
ist. Dies erfolgt unter Ausnutzung des physikalischen Grundprinzips der Drehimpulserhaltung:
Je mehr sich der Dampf der Rotationsachse nähert, um so höher wird dessen Umfangsgeschwindigkeit,
um so mehr Druck wird in kinetische Energie umgewandelt. Umgekehrt kann kinetische
Energie wieder in Druck zurückverwandelt werden, indem der Dampf weiter von der
Rotationsachse weggeführt wird.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens tritt der Dampf
zur Ausbildung der Rotationsströmung in eine Kammer ein, und zwar tangential zu
deren Mantel und annähernd senkrecht zur Rotationsachse der Rotationsströmung.
Der Dampf durchströmt die Kammer dabei in Richtung dieser Rotationsachse, d.h.
in axialer Strömungsrichtung. Durch den tangentialen Eintritt des Dampfes in eine
Kammer, die vorzugsweise rotationssymmetrisch ist, wird der Aufbau einer Rotationsströmung
und die Umwandlung der Druck- in kinetische Energie unterstützt.
Bevorzugt wird das Kondensat vom Mantel der Kammer abgeführt und
gegebenenfalls zuvor am Mantel gesammelt. Infolge der Rotationsströmung bildet
sich am Mantel der Kammer eine zylinderförmige Wasserschicht aus. Es ist daher
vorteilhaft, das Kondensat direkt vom Mantel der Kammer abzuführen. Das Kondensat
kann gegebenenfalls vor dem Abführen gesammelt werden, so daß die Dicke der Wasserschicht
zunimmt. Mit zunehmender Dicke erhöht sich der Druck im abgeschiedenen Kondensat.
Es besteht daher die Möglichkeit, das Kondensat gegen einen äußeren Druck zu fördern.
Bevorzugt wird in einer Kernkraftanlage mit einem Verfahren gemäß
der Erfindung Sattdampf in Heißdampf überführt, wobei der Sattdampf in einem Reaktordruckbehälter
einer Siedewasser-Reaktoranlage erzeugt wird.
Die zweitgenannte Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine
Einrichtung zum Überhitzen von Dampf, mit einer Kammer,
- a) die sich in Richtung einer Rotationsachse erstreckt,
- b) die einen Eintrittsbereich zur zumindest teilweisen Umwandlung der Druckenergie
des Dampfes in kinetische Energie des Dampfes sowie zur Trennung eines dabei auskondensierten
Kondensat vom verbliebenen Restdampf aufweist,
- c) die einen Übergangsbereich zum Erhöhen der kinetischen Energie aufweist,
der sich an den Eintrittsbereich anschließt und dessen Querschnittsfläche kleiner
ist als die des Eintrittsbereichs
- d) die einen dem Übergangsbereich nachfolgenden Austrittsbereich zum Verringern
der kinetischen Energie des Restdampfes und zur Umwandlung des Restdampfes in Heißdampf
aufweist,
- e) bei der der Austrittsbereich einen ersten Auslaß für den Heißdampf und der
Eintrittsbereich einen zweiten Auslaß für das Kondensat aufweist, welcher radial
von der Rotationsachse beabstandet ist.
Die Kammer ist bevorzugt einfach aufgebaut und weitgehend frei von
Innenbauten. Der einfache Aufbau gewährleistet eine sichere und verläßlich Betriebsführung.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung ist die Kammer um eine Rotationsachse
im wesentlichen rotationssymmetrisch. Im Eintrittsbereich ist ein Einlaß derart
angeordnet, daß sich im Eintrittsbereich eine Rotationsströmung ausbildet. Infolge
der Rotationsströmung wird das Kondensat abzentrifugiert und damit die Restfeuchte
im Restdampf verringert. Im Betrieb durchströmt der Dampf die Kammer in Richtung
der Rotationsachse, die bevorzugt im wesentlichen waagrecht ausgerichtet ist.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung ist zum Aufbau der Rotationsströmung
der Einlaß tangential zum Mantel der Kammer und im wesentlichen senkrecht zur
Rotationsachse angeordnet.
Insbesondere ist es für die Umwandlung der Druck- in kinetische Energie
von Vorteil, den Einlaß als Düse auszubilden.
Um die kinetische Energie des Restdampfes weitestgehend wieder in
Druckenergie umzuwandeln und somit die Temperatur möglichst stark zu erhöhen, ist
vorteilhafterweise der erste Auslaß tangential und im wesentlichen senkrecht zur
Rotationsachse und in Richtung der tangentialen Strömungskomponente der Rotationsströmung
am Mantel der Kammer in Richtung der Rotationsströmung angeordnet. Dadurch strömt
die tangentiale, d.h. die rotierende Strömungskomponente des Restdampfes direkt
in den ersten Auslaß hinein. Dabei verliert die Rotationsströmung ihre kinetische
Energie, wodurch Druck und Temperatur des Restdampfes wieder erhöht und Heißdampf
gebildet wird.
Vorteilhafterweise ist der zweite Auslaß ebenfalls tangential zum
Mantel der Kammer und im wesentlichen senkrecht zur Rotationsachse angeordnet.
Besonders vorteilhaft ist es, den zweiten Auslaß im wesentlichen
in Richtung der Rotationsströmung, d.h. in Richtung der tangentialen Strömungskomponente,
anzuordnen. Dadurch wird erreicht, daß das abzentrifugierte und rotierende Kondensat
direkt in den zweiten Auslaß hineinströmen kann, so daß die kinetische Energie
dieses Kondensatstromes weitestgehend in Staudruck umgewandelt wird. Dadurch kann
das Kondensat auch gegen einen äußeren Druck aus dem Einlaßbereich ausströmen.
Vorteilhafterweise ist der zweite Auslaß dabei weiter von der Rotationsachse
beabstandet als der Einlaß.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist im zweiten Auslaß
eine Rückschlagarmatur, beispielsweise ein Rückschlagventil oder eine Rückschlagklappe
angeordnet. Durch diese Rückschlagarmatur wird gewährleistet, daß das abzentrifugierte
Kondensat aus der Einrichtung automatisch beispielsweise einem Reaktordruckbehälter
wieder zugeführt werden kann. Durch die Rückschlagklappe ist sichergestellt, daß
die in einem Reaktordruckbehälter einer Siedewasser-Reaktoranlage unter einem
Druck von 70 bar stehende Kühlflüssigkeit nicht in die Einrichtung zurückströmen
kann. Bei geschlossener Rückschlagklappe baut sich dann im Eintrittsbereich mit
zunehmender Kondensatmenge ein Druck auf, der im wesentlichen von der Dicke der
sich am Rand des Eintrittsbereiches ausbildenden Kondensatschicht abhängt. Übersteigt
dieser Innendruck den Druck im Reaktordruckbehälter, so öffnet die Rückschlagklappe
und das Kondensat kann in den Reaktordruckbehälter abströmen. Die Rückschlagklappe
schließt automatisch, sobald der Innendruck infolge der Abnahme der Dicke der Kondensatschicht
wieder geringer als der im Reaktordruckbehälter bestehende Druck ist.
Eine solche Einrichtung ist vor allem zur Verwendung in einem Kernkraftwerk
geeignet, insbesondere in einem Kernkraftwerk mit Siedewasserreaktor, um den im
Reaktordruckbehälter erzeugten Sattdampf in Heißdampf und in Kondensat umzuwandeln.
Die Erfindung wird im folgenden anhand der in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiele näher erläutert. Es zeigen:
- FIG 1
- eine Einrichtung zum Überhitzen von Dampf gemäß der Erfindung in einem schematischen
Schnitt entlang der Rotationsachse.
- FIG 2
- eine alternative Ausführungsform der Einrichtung ebenfalls in einem schematischen
Schnitt entlang der Rotationsachse.
- FIG 3
- einen Ausschnitt aus dem Dampf-Wasser-Kreislauf eines Siedewasserreaktors in
einem schematischen Schaubild.
- FIG 4
- ein Mollier-Diagramm, in dem die physikalischen Vorgänge des Verfahrens gemäß
der Erfindung skizziert sind.
Gemäß der Figur 1 weist die Einrichtung zum Überhitzen von Dampf
v eine Kammer 2 auf. Die Kammer 2 umfaßt einen Eintrittsbereich 4, einen Übergangsbereich
6 und einen Austrittsbereich 8. Um den Aufbau einer Rotationsströmung in der Kammer
2 zu unterstützen, ist diese vorteilhafterweise gerundet, d.h. sie weist weitestgehend
keine Ecken und scharfe Kanten auf, um unnötige Strömungswiderstände für die Rotationsströmung
beispielsweise durch Wirbelbildung zu vermeiden. Insbesondere ist die Kammer 2
rotationssymmetrisch um eine Rotationsachse, beispielsweise ist sie zylinderförmig.
Statt eines kreisrunden Querschnittes einer zylinderförmigen Kammer 2 ist auch
ein ellipsenförmiger Querschnitt der Kammer 2 möglich.
Die Kammer 2 wird auf der Seite des Eintrittsbereiches 4 von einer
ersten Stirnseite 10 und auf der Seite des Austrittsbereiches 8 von einer zweiten
Stirnseite 12, sowie von einem Mantel 14, der den Eintrittsbereich 4, Übergangsbereich
6 und den Austrittsbereich 8 umfaßt, begrenzt. Im Eintrittsbereich 4 ist ein Einlaß
16 angeordnet, durch den ein Fluid, insbesondere Dampf v mit überwiegend tangentialer
Strömungsrichtung in die Kammer 2 eintritt. Die Kammer 2 ist entlang ihrer Rotationsachse
9 von dem Dampf v in Richtung zum Austrittsbereich 8 durchströmbar. Im Austrittsbereich
8 ist ein erster Auslaß 20 angeordnet, durch den der Dampf v, der im Austrittsbereich
8 als Heißdampf vorliegt, wieder aus der Kammer 2 austreten kann.
Die Kammer 2 weist im Übergangsbereich 6, der zwischen dem Eintrittsbereich
4 und dem Austrittsbereich 8 angeordnet ist, eine Querschnittsverengung auf. Gemäß
Figur 1 wird die Querschnittsverengung durch eine ringförmige Lochblende 21 gebildet,
die senkrecht zum und am Mantel 14 angeordnet ist und in der Umgebung zur Rotationsachse
9 eine Öffnung zum Durchströmen des Dampfes v freigibt. Aufgrund dieser Barriere
verringert sich entlang der Rotationsachse 9 die von dem Dampf v durchströmbare
Querschnittsfläche im Übergangsbereich 6. In anderen Worten: Der Radius r1 des
Eintrittsbereiches 4 reduziert sich auf den Radius r2 des Übergangsbereiches 6.
Anschließend weitet sich die Kammer 2 im Austrittsbereich 8 auf einen Radius r4.
Im Eintrittsbereich 4 ist zusätzlich zu dem Einlaß 16 ein zweiter Auslaß 22 angeordnet.
Der Einlaß 16 ist dabei näher zur Rotationsachse 9 hin angeordnet als der zweite
Auslaß 22. Der Abstand r5 zwischen der Rotationsachse 9 und dem Einlaß 16 ist somit
kleiner als der Abstand r6 zwischen der Rotationsachse 9 und dem zweiten Auslaß
22.
Der Einlaß 16 ist im Eintrittsbereich 4 in der Nähe der ersten Stirnseite
10 angeordnet. Um den Aufbau einer Rotationsströmung des Dampfes v in der Kammer
2 zu unterstützen, ist der Einlaß 16 vorteilhafterweise tangential zum Mantel 14
der Kammer 2 angeordnet. In anderen Worten: Der Einlaß 16 ist so angeordnet, daß
der eintretende Dampf v entlang des Mantels 14, und zwar im wesentlichen senkrecht
zur Rotationsachse 9 unter Ausbildung einer Rotations- oder Drallströmung in die
Kammer 2 beispielsweise kreisförmig einströmt. Der Rotations- oder Umlaufströmung
des Dampfes v ist eine axiale Strömungskomponente entlang der Rotationsachse 9
hin zu dem Austrittsbereich 8 überlagert. Die Strömung weist daher neben dem rotierenden
Anteil, der Rotationsströmung, auch einen Anteil mit einer axialen Strömungsrichtung
24 auf, die im wesentlichen entlang der Rotationsachse 9 vom Eintrittsbereich 4
in den Austrittsbereich 8 verläuft. Die Rotationsachse 9 der Kammer 2 ist dabei
weitgehend identisch mit der Rotationsachse 9 der Rotationsströmung des Dampfes
v. Um den Aufbau der Rotationsströmung zu erleichtern, ist die erste Stirnseite
10 zum Mantel 14 hin abgeschrägt oder abgerundet.
Der zweite Auslaß 22 dient der Abführung von abzentrifugiertem Kondensat
c. Er ist bevorzugt direkt am Mantel 14 im Eintrittsbereich 4 angeordnet. Es ist
besonders vorteilhaft, diesen zweiten Auslaß 22 ebenfalls tangential zum Mantel
14 anzuordnen und zwar derart, daß der zweite Auslaß 22 in Richtung der tangentialen
Strömungskomponente, d.h. in Richtung der Rotationsströmung, angeordnet ist. In
anderen Worten: Das abzentrifugierte Kondensat c, welches die selbe Drehrichtung
wie der rotierende Dampf v aufweist, strömt auf eine Öffnung des zweiten Auslasses
22 zu, so daß die kinetische Energie der Strömung weitgehend in Druck und zwar
in Form eines Staudruckes umgewandelt wird. Hierzu kann der zweite Auslaß 22 beispielsweise
als Rohr in die Kammer 2 hineinreichen. Der erste Auslaß 20 dient der Abführung
des erzeugten Heißdampfes. Er ist bevorzugt ebenfalls tangential am Mantel 14 der
Kammer 2 und ebenso wie der zweite Auslaß 22 in Richtung der Rotationsströmung
angeordnet. Die Form des ersten sowie des zweiten Auslasses 22 ist weitgehend frei
wählbar. Die beiden Auslässe können beispielsweise kreisförmige, ovale, rechteckige
oder auch spaltförmige Auslaßöffnungen aufweisen. Um die tangentiale Anordnung
zu erreichen, können die beiden Auslässe beispielsweise von einem oder mehreren
in die Kammer 2 hineinreichenden Rohren gebildet werden. Anzahl und Ausgestaltung
der beiden Auslässe 20, 22 können sich unterscheiden.
Die Funktionsweise dieser Einrichtung zum Überhitzen von Dampf ist
folgende: Der beispielsweise in einem Druckbehälter unter Druck stehende Dampf
v tritt durch den Einlaß 16 in den Eintrittsbereich 4 unter Ausbildung einer Rotationsströmung
ein. Bei dieser Expansion wird die Druckenergie des Dampfes v zumindest teilweise
in kinetische Energie umgewandelt. Um einen möglichst hohen Anteil der Druckenergie
in kinetische Energie umzuwandeln, ist der Einlaß 16 vorteilhafterweise als einfache
Düse ausgebildet, so daß sich bei Vorliegen geeigneter Druckverhältnisse bereits
am Einlaß 16 eine Rotationsströmung mit nahezu Schallgeschwindigkeit ausbildet.
Möglich wäre auch eine Ausbildung als Lavaldüse, bei der der eintretende Dampf
v (bei Vorliegen dafür geeigneter Druckuerhältnisse) bereits Überschallgeschwindigkeit
besitzt. Infolge der Expansion des Dampfes v nimmt sowohl sein Druck als auch
seine Temperatur ab. Dadurch kondensiert Flüssigkeit aus dem Dampf v aus. Die dabei
entstehende Kondensationswärme wird vom Dampf v aufgenommen. Die auskondensierte
Flüssigkeit wird infolge der Rotationsgeschwindigkeit abzentrifugiert und sammelt
sich am Mantel 14 als Kondensat c an.
Durch den einströmenden Dampf v entsteht zwischen dem Eintrittsbereich
4 und dem Austrittsbereich 8 ein Druckgefälle, infolge dessen sich die axiale
Strömungsrichtung 24 ausbildet, so daß der Dampf v vom Eintrittsbereich 4 in den
Austrittsbereich 8 strömt. Der Übergangsbereich 6 stellt hierbei für den Dampf
v eine zu überwindende Barriere dar. Durch die Verengung des Strömungsquerschnittes
erhöht sich aufgrund des Drehimpulserhaltungssatzes die Rotationsgeschwindigkeit
der Rotationsströmung, und zwar näherungsweise linear zur Verringerung des Radius
der rotierenden Strömung im Eintrittsbereich (entspricht r5) auf einen Radius r2',
den die Rotationsströmung im Mittel im Übergangsbereich 6 aufweist (die Rotationsströmung
weist in radialer Richtung eine Ausdehnung auf). Bei einer Halbierung des Radius
der rotierenden Strömung im Übergangsbereich 6 verdoppelt sich daher die Geschwindigkeit
der Strömung. Hierbei wird der Druck und die Temperatur des Dampfes v weiter verringert
und es sammelt sich noch mehr Kondensat c am Mantel 14 an. Das Kondensat c bleibt
aufgrund der durch den Übergangsbereich 6 gebildeten Barriere im Eintrittsbereich
4 und der nicht auskondensierte Dampf v, der Restdampf, strömt mit einer geringen
Feuchte, d.h. mit einem geringen Anteil von Flüssigkeit behaftet in den Austrittsbereich
8.
Infolge der Vergrößerung der Querschnittsfläche der Kammer 2 auf
den Radius r4 im Austrittsbereich 8 wird die kinetische Energie der Rotationsströmung
wieder überwiegend in Druckenergie umgewandelt. Durch die spezielle oben beschriebene
Anordnung des ersten Auslasses 20 kann die Geschwindigkeit w des Dampfes v nahezu
vollständig wieder in Druckenergie umgewandelt werden. Im Austrittsbereich 8 läuft
demnach der entgegengesetzte Prozeß zum Eintrittsbereich 4 ab: Nachdem im Eintrittsbereich
4 die Druckenergie in kinetische Energie des Dampfes umgewandelt wurde, wird nun
die kinetische Energie wieder in Druckenergie umgewandelt. Dabei steigen im Austrittsbereich
8 die Temperatur und der Druck des Dampfes v wieder an. Da der Dampf v im Eintrittsbereich
4 infolge der Kondensation Kondensationswärme aufnehmen konnte, liegt nun im Austrittsbereich
8 eine wesentlich höhere Temperatur vor, so daß der ursprünglich als Sattdampf
einströmende Dampf v die Einrichtung zum Überhitzen von Dampf v als überhitzter
Dampf v oder Heißdampf verläßt.
Das Kondensat c wird über den zweiten Auslaß 22 aus der Kammer 2
herausgeführt. Um das Kondensat c beispielsweise wieder gegen den im Druckbehälter
herrschenden Druck in diesen hineinzufördern kann der zweite Auslaß 22 zunächst
verschlossen sein, um im Kondensat c einen Druck aufzubauen. Bei verschlossenem
zweiten Auslaß 22 bildet sich in der Kammer 2 eine rotierende Kondensatschicht
26 mit der Dicke Δs aus. Die rotierende Kondensatschicht weist einen Radius
r3 auf. Aufgrund der Zentrifugalkräfte infolge der Rotationsströmung bildet sich
allgemein bei einem Radius r ein statischer Druck aus. Ein zu diesem statischen
Druck zusätzlicher Druckaufbau Δp in der Kondensatschicht 26 wird im wesentlichen
bestimmt von dem Produkt aus der Dichte ρ des Kondensats c, der Zentrifugalbeschleunigung
b und der Dicke Δs der Kondensatschicht 26 gemäß folgender Gleichung:
Δp = ρ * b * Δs = ρ * w2 / (r) * Δs
w ist hierbei die Rotationsgeschwindigkeit und r ist der Radius des rotierenden
Kondensats c. Bei ausreichendem Druck, d.h. bei ausreichender Dicke Δs der
Kondensatschicht 26, kann das Kondensat c dann aus der Kammer 2 in den Druckbehälter
gefördert werden.
Aufgrund der Rotationsströmung bildet sich in der Kammer in radialer
Richtung, d.h. von der Rotationsachse 9 zum Mantel 14 hin, ein Druckanstieg aus.
Insbesondere liegt in einem Zentralbereich 28 um die Rotationsachse 9 ein Unterdruck
vor, so daß im Übergangsbereich 6 der Dampf v fast vollständig durch einen äußeren
Bereich 30 in den Austrittsbereich 8 übertritt.
Gemäß Figur 2 weist die Kammer 2 als Übergangsbereich 6 eine Art
Einschnürung auf. Die Querschnittsverengung der Kammer 2 im Übergangsbereich 6
wird also dadurch erreicht, daß die Kammer 2 nach innen gewölbt ist. Vom Übergangsbereich
6 aus weitet sich die Kammer 2 sowohl zum Eintrittsbereich 4 als auch zum Austrittsbereich
8 stetig auf, d.h. zwischen den einzelnen Bereichen treten keine abrupten Übergänge
auf, um eine möglichst reibungs- und wirbelfreie Strömung zu ermöglichen. Um einen
hohen Anteil der kinetischen Energie wieder in Druckenergie umzuwandeln, ist der
Radius r4 des Austrittsbereiches 8 größer als der Radius r1 des Eintrittsbereiches
4. Der zweite Auslaß 22 ist gemäß Figur 2 ovalförmig ausgebildet.
Die Einschnürung der Kammer 2 zur Querschnittsverengung und damit
zur Erhöhung der Rotationsgeschwindigkeit ist besonders vorteilhaft. Abweichend
hiervon ist es aber auch möglich, die Einschnürung nur als eine Barriere für das
Kondensat c aufzufassen, damit das abzentrifugierte Kondensat c nicht in den Austrittsbereich
8 übertreten kann. Diesem Zweck dient auch eine Art Kondensatrinne oder Kondensatmulde
im Eintrittsbereich 4.
Die Querschnittsänderung der Kammer 2 in Richtung der axialen Strömung
zur Veränderung der Rotationsgeschwindigkeit zur Umwandlung der kinetischen Energie
in Druckenergie und umgekehrt ist ebenfalls besonders vorteilhaft. Die Umwandlung
der kinetischen Energie in Druckenergie im Austrittsbereiches 8 kann anstatt durch
eine Vergrößerung der Querschnittsfläche aber auch durch die geeignete tangentiale
Anordnung des ersten Auslasses 20 in Richtung der Rotationsströmung erreicht werden.
Entsprechend Figur 3 ist die Kammer 2 der Einrichtung zum Überhitzen
von Dampf an den Dampfaustrittsstutzen 32 eines Reaktordruckbehälters 34 eines
Siedewasserreaktors angeschlossen. Der Reaktordruckbehälter 34 ist teilweise mit
einer Kühlflüssigkeit l, beispielsweise Wasser, gefüllt. In diesem von der Kühlflüssigkeit
l gebildeten Flüssigkeitsbereich 36 ist der Reaktorkern 38 mit den nicht näher
dargestellten Brennelementen angeordnet. Infolge der Spaltprozesse im Reaktorkern
erhitzt sich die Kühlflüssigkeit l und es entsteht Dampf v, der sich im Dampfbereich
40 oberhalb des Flüssigkeitsbereiches 36 ansammelt. Der Dampf v tritt durch den
Dampfaustrittsstutzen 32 in die Kammer 2 durch den Einlaß 16 ein. In der Kammer
2 scheidet sich ein Teil des Dampfes v als Kondensat c aus und verläßt die Kammer
2 über den zweiten Auslaß 22. Der nicht auskondensierte Restdampf verläßt die
Kammer 2 als Heißdampf über den ersten Auslaß 20 und treibt eine Turbine 42 an.
Die Turbine 42 ist über eine Welle 44 mit einem Generator 46 zur Erzeugung von
elektrischer Energie verbunden.
Der Dampf v verläßt die Turbine 42 und wird infolge von Wärmetauschprozessen
durch den Kühlwasserkreislauf 48 abgekühlt, so daß der Dampf v vollständig kondensiert
und dem Reaktordruckbehälter 34 als Kühlflüssigkeit l über den Eintrittsstutzen
48 wieder zugeführt werden kann. Das in der Kammer 2 auskondensierte Kondensat
c wird dem Reaktordruckbehälter 34 ebenfalls als Kühlflüssigkeit l zugeführt. Um
allerdings ein Rückströmen der Kühlflüssigkeit l aus dem Reaktordruckbehälter
34 in die Kammer 2 zu verhindern, ist im zweiten Auslaß 22 eine Rückschlagarmatur,
insbesondere eine Rückschlagklappe 50, angeordnet.
Solange der Druck der Kühlflüssigkeit l im Reaktordruckbehälter 34
den Druck des Kondensats c in der Kondensatschicht 26 in der Kammer 2 übersteigt,
ist die Rückschlagklappe 50 geschlossen. Bei geschlossener Rückschlagklappe 50
wächst die Dicke Δs der Kondensatschicht 26, wodurch der Druck in dieser
Kondensatschicht 26 gemäß obiger Gleichung erhöht wird. Übersteigt dieser Druck
den im Reaktordruckbehälter 34 herrschenden Druck, so öffnet die Rückschlagklappe
50 automatisch, und das Kondensat c kann als Kühlflüssigkeit l in den Reaktordruckbehälter
34 strömen. Dabei verringert sich die Dicke Δs der Kondensatschicht 26 und
der dort herrschende Druck, der Innendruck, nimmt wieder ab, bis er unter den im
Reaktordruckbehälter 34 herrschenden Druck, den Außendruck, fällt. Sobald dies
eintritt schließt die Rückschlagklappe 50 wieder automatisch und der Prozeß des
Druckaufbaus in der Kondensatschicht 26 beginnt von neuem. Druckaufbau und Abströmen
des Kondensats c aus der Kammer 2 gegen einen äußeren Druck werden daher automatisch,
d.h. ohne jegliche äußere Einflüsse, geregelt. Durch geeignete Wahl der Randbedingungen
kann erreicht werden, daß sich dieser Vorgang nicht ständig zyklisch wiederholt,
sondern daß sich ein stationärer Zustand ausbildet, bei dem der aus der Kammer
2 abgeführte Kondensatmassenstrom immer ebenso groß ist wie der in der Kammer 2
abgeschiedene Massenstrom.
Abweichend von Figur 3 kann die Kammer 2 auch vollständig innerhalb
des Reaktordruckbehälters 34 angeordnet und der erste Auslaß 20 über eine Dampfleitung
mit der Turbine 42 verbunden werden. Damit entfällt eine spezielle Rückführleitung
für das abgeschiedene Kondensat sowie die Auslegung der Kammer 2 für den vollen
Betriebs- bzw. Störfalldruck.
Durch den Einsatz einer Einrichtung zum Überhitzen von Dampf v in
einem Wasser-Dampf-Kreislauf einer Kernkraftanlage wird der Dampf v von dem Wasser-Dampf-Gemisch
getrennt und die Turbine wird mit Heißdampf angetrieben. Diese Einrichtung zum
Überhitzen von Dampf v bietet zum einen die Möglichkeit, die aufwendigen Einrichtungen
zur Dampf-Wasser-Separation, beispielsweise die Dampftrockner bei den Siedewasserreaktoren
zu ersetzen. Zum anderen bietet eine solche Einrichtung die Möglichkeit, die Turbine
42 anstatt mit Sattdampf mit Heißdampf zu betreiben und somit die Schwierigkeiten
zu vermeiden, die durch den Aufprall von Wassertropfen auf die Turbinenschaufeln
hervorgerufen werden.
Anhand von Figur 4 sollen nun die physikalischen Prozesse eines solchen
Verfahrens zum Überhitzen von Dampf erklärt werden. In Figur 4 ist ein Ausschnitt
aus einem Mollier-Enthalpie (h) -Entropie (s) -Diagramm skizziert. Auf der Ordinate
ist die Enthalpie h in kJ/kg und auf der Abszisse die spezifische Entropie s in
kJ/(Kg*K) angegeben. Die durchgezogenen Linien in diesem Diagramm sind Isobaren,
die gestrichelten Linien sind Isothermen und die strichpunktierten Linien sind
Kurven entlang denen der Dampfgehalt x konstant ist. Dampfgehalt x = 1 bedeutet,
daß sich im Dampf keine auskondensierten Flüssigkeitstropfen befinden. Ein Dampfgehalt
x von 0,6 bedeutet hingegen, daß ein Flüssigkeits-Dampf-Gemisch vorliegt, wobei
der Massenanteil des Dampfes 60% und der der Flüssigkeit 40% beträgt. Entlang der
Kurve mit x = 1 liegt Sattdampf vor. Unterhalb dieser Kurve, d.h. mit einem Dampfgehalt
x < 1, liegt Naßdampf und oberhalb der Sattdampflinie mit x = 1 liegt überhitzter
Dampf vor. Die Pfeile zwischen den Punkten 1-4 geben die einzelnen physikalischen
Zustandsänderungen an, die im folgenden näher erläutert werden:
In einem Reaktordruckbehälter 34 eines Siedewasserreaktors beträgt der Druck des
Dampfes v typischerweise 70 bar und die Temperatur etwa 286 °C. Dieser Punkt ist
im Mollier-h-s-Diagramm mit der Ziffer 1 gekennzeichnet. Beim Einströmen in die
Kammer 2 verringert sich der Druck und die Temperatur des Dampfes v und gleichzeitig
erhöht sich seine Geschwindigkeit. Vernachlässigt man zunächst die dabei auftretende
Phasenseparation und Reibungseffekte, so läßt sich dieser Vorgang als eine adiabatische
Expansion auffassen. Im Mollier-Diagramm entspricht dies einer senkrechten Linie
nach unten. Für solch eine adiabatische Expansion läßt sich eine Beziehung zwischen
der spezifischen Enthalpie h und der Geschwindigkeit w der Strömung herstellen.
Diese Beziehung ist als Skala im Mollier-Diagramm mit eingeblendet. Auf der linken
Seite dieser Skala ist die Enthalpieänderung Δh in kJ/kg linear und auf
der rechten Seite die Geschwindigkeit w in m/s aufgetragen. Unterstellt man beim
Einströmen in die Kammer 2 ein kritisches Druckverhältnis, d.h. der Druck des Dampfes
v reduziert sich von ursprünglich 70 bar auf etwa 40 bar, dann erhält man zunächst
eine Rotationsgeschwindigkeit von etwa 450 m/s. Bei einer Reduzierung des Radius
der Rotationsströmung von r5 = 1,5 Meter, auf r2' = 0,7 Meter im Übergangsbereich,
erhält man dann eine Rotationsgeschwindigkeit von etwa 965 m/s. Legt man zudem
eine axiale Strömungsgeschwindigkeit von etwa 300 m/s zugrunde, dann resultiert
daraus eine mittlere Strömungsgeschwindigkeit w des Dampfes v von etwa 1000 m/s.
Da der Dampf v im Reaktordruckbehälter 34 zuvor nahezu keine Geschwindigkeit w
aufwies, entspricht die Enthalpieänderung Δh entlang der Adiabate von Punkt
1 zu Punkt 2 den 1000 m/s. Aus dem Mollier-Diagramm ist dann abzulesen, daß sich
der Dampf auf einen Druck von ca. 3,5 bar entspannen und einen Dampfgehalt von
x = 0,78 erreichen würde.
Die bisher vernachlässigte Phasenseparation wird nun in dem Schritt
von Punkt 2 nach Punkt 3 berücksichtigt. Während der Phasenseparation bleibt der
Druck des Dampf-Wasser-Gemisches konstant, d.h. die Phasenseparation verläuft im
Mollier-Diagramm entlang einer Isobaren. Während der Phasenseparation erhöht sich
der Dampfgehalt x kontinuierlich, d.h. das Dampf-Wasser-Gemisch wird zunehmend
flüssigkeitsärmer, bzw. dampfreicher. Durch die sehr hohe Rotationsgeschwindigkeit
der Strömung werden die auskondensierten Flüssigkeitstropfen äußerst wirkungsvoll
abzentrifugiert, so daß im verbleibenden Restdampf eine Restfeuchte von beispielsweise
2% zu erreichen ist. Dies entspricht einem Dampfgehalt von x = 0,98. Der Schnittpunkt
der Isobare mit 3,5 bar und der Kurve mit konstantem Dampfgehalt x = 0,98 definiert
somit den Punkt 3. Der Dampf v, der in den Austrittsbereich 8 übertritt, wird daher
bei obigen Voraussetzungen durch den Punkt 3 im Mollier-Diagramm definiert.
Im Austrittsbereich 8 vollzieht sich nun der umgekehrte physikalische
Prozeß wie im Eintrittsbereich 4. Die bestehende kinetische Energie der Strömung
wird wieder in Enthalpie h umgewandelt. Da eine Rotationsströmung in erster Linie
als reibungsfrei betrachtet werden kann, und da durch die spezielle oben beschriebene
Ausgestaltung des ersten Auslasses 20 die Geschwindigkeit nahezu wieder auf 0 reduziert
werden kann, entspricht die im Mollier-Diagramm anzutragende Enthalpieänderung
Δh in erster Linie wieder den 1000 m/s der Geschwindigkeit w. Der Prozeß
von Punkt 3 nach Punkt 4 kann wiederum wie schon der Prozeß von Punkt 1 nach Punkt
2 als eine adiabatische Zustandsänderung aufgefaßt werden, da kein Wärmeaustausch
erfolgt. Im Mollier-Diagramm bedeutet dies also wiederum eine senkrechte Linie
von Punkt 3 nach Punkt 4. Wie aus dem Mollier-Diagramm ersichtlich ist, tritt der
Dampf v dabei von dem Naßdampfgebiet (x<1) in das Heißdampfgebiet über. Bei
den obigen Annahmen erreicht der Dampf eine Temperatur von 380 °C bei einem Druck
von etwa 31 bar. Der Dampf ist also um etwa 95 °K wärmer als der im Reaktordruckbehälter
erzeugte Sattdampf. Der Druck hat sich dagegen von 70 bar auf weniger als die
Hälfte, nämlich 31 bar verringert. Bezogen auf diese 31 bar beträgt die Überhitzung
des Dampfes v etwa 144 K. Wie hoch der Anteil des Heißdampfes, der die Kammer
2 verläßt, gemessen an dem Gesamtdampfeintritt in die Kammer 2 ist, läßt sich
nach Kontinuitäts- sowie Energiegleichung aus folgender Gleichung erhalten:
m0h0 = m3(h3 + w32 / (2))
+ (m0 - m3) * (hc + wc2 / (2))
Der Index 0 bezieht sich dabei auf den Zustand des Dampfes v im Reaktordruckbehälter,
der Index 3 bezieht sich auf den Zustand des Dampfes v vor dem Übertritt in den
Austrittsbereich 6 und entspricht dem Zustand des Dampfes im Punkt 3 des Mollier-Diagramms.
Der Index c bezeichnet die entsprechenden Größen für das Kondensat c im Eintrittsbereich
4 und bezeichnet die jeweilige Masse.
Aufgrund der Zentrifugalkräfte infolge der Rotationsströmung steht
das Kondensat c bei einem Radius r3 = 1,6 m etwa unter einem Druck von 43 bar.
Da sich das Kondensat c bis zu diesem Sättigungsdruck aufheizt, beträgt seine spezifische
Enthalpie hc = 1110 kJ/kg. Infolge von Reibungseffekten zwischen Mantel
14 und Kondensat c beträgt die Rotationsgeschwindigkeit des Kondensats c beispielsweise
etwa w = 200 m/s. Die Werte der spezifischen Enthalpie h0 und h3
können aus dem Mollier-Diagramm entnommen werden. Die Geschwindigkeit w3
beträgt wie oben ausgeführt etwa 1000 m/s. Mit diesen Werten ergibt sich für den
Dampf v ein Massenanteil von etwa 79,2% und etwa 20,8% werden als Kondensat abgetrennt,
d.h. ein sehr großer Massenanteil des Sattdampfes verläßt die Einrichtung zum
Überhitzen von Dampf als Dampf v, der dann eine Turbine mit hohem thermischen Wirkungsgrad
antreiben kann.
Die oben aufgeführten Zahlenbeispiele dienen ausschließlich zur Erklärung
der prinzipiellen Wirkungsweise des Verfahrens sowie der Einrichtung zum Überhitzen
von Dampf. In ihnen ist keine Begrenzung, weder der geometrischen Größen der Kammer
noch der thermodynamischen Größen wie Druck, Temperatur oder Geschwindigkeit zu
sehen.