TECHNISCHES GEBIET
Bei der Erfindung wird ausgegangen von einem störlichtbogengeschützten
elektrischen Bauteil nach dem Oberbegriff von Patentanspruch 1. Dieses Bauteil
weist einen als Säule ausgeführten Isolator auf, an dessen Kopf ein auf ein erstes
elektrisches Potential, insbesondere Hochspannungspotential, führbares erstes
Stromleitersystem befestigt ist. Am Isolatorfuss ist ein auf ein zweites elektrisches
Potential, insbesondere Erdpotential, führbares zweites Stromleitersystem befestigt.
Erstes und das zweites Stromleitersystem weisen jeweils eine Lichtbogenelektrode
auf, welche ihrerseits jeweils einen von zwei in Richtung der Säulenachse voneinander
sowie in radialer Richtung vom Isolator beabstandete kreisringförmig ausgebildete
Elektrodenabschnitte enthalten. Ein bei einer unerwünschten Entladung zwischen
beiden Stromleitersystemen gebildeter Störlichtbogen wird auf die kreisringförmig
ausgebildeten Elektrodenabschnitte kommutiert. Unter der Wirkung des Magnetfeldes
des in den kreisringförmigen Elektrodenabschnitten fliessenden Stroms wird der
nun überwiegend axial ausgerichtete Störlichtbogen in Rotation versetzt und dann
beispielsweise im Stromnulldurchgang gelöscht.
STAND DER TECHNIK
Mit dem Oberbegriff nimmt die Erfindung auf einen Stand der Technik
von störlichtbogengeschützten elektrischen Bauteile Bezug, wie er in US 5,903,427
A beschrieben ist. Ein in dieser Patentveröffentlichung beschriebenes störlichtbogengeschütztes
elektrisches Bauteil enthält zwei durch einen säulenförmigen Freiluftisolator voneinander
elektrisch isoliert gehaltene und auf unterschiedlichen elektrischen Potentialen
befindliche Stromleitersysteme. Jedes dieser Systeme enthält jeweils einen als
offene, ringförmige Schleife ausgeführten und im Bereich des Isolatorkopfes bzw.
des Isolatorfusses mit Abstand um den Isolator geführten Leiterabschnitt. Tritt
während des Betriebs des Bauteils in einer Hochspannungsanlage - etwa bedingt durch
einen Blitzschlag oder durch einen Schaltvorgang - ein unerwünschter Störlichtbogen
am Bauteil auf, so wird der Störlichtbogen in einen die Leiterabschnitte als Lichtbogenelektroden
enthaltenden Stompfad geführt. Der Störlichtbogen ist nun überwiegend axial ausgerichtet
und fusst auf den beiden in Umfangsrichtung geführten, ringförmigen Lichtbogenelektroden.
Aufgrund von elektromagnetischen Kräften rotiert der Störlichtbogen auf den Lichtbogenelektroden
fussend solange um den Isolator des Bauteils bis er zum Beispiel im Nulldurchgang
des Störlichtbogenstroms gelöscht ist. Das Bauteil ist so vor der erodierenden
und korrodierenden Wirkung des Störlichtbogens geschützt.
Ein als Überspannungsableiter ausgeführtes weiteres störlichtbogengeschütztes
elektrisches Bauteil ist in US 6,018,453 A angegeben. Auch bei diesem Bauteil
werden unerwünschte Störlichtbögen auf zwei in Richtung einer Achse des Bauteils
voneinander beabstandete Lichtbogenelektroden kommutiert, zur Rotation um die
Achse gezwungen und so zum Beispiel im Stromnulldurchgang gelöscht. Im Unterschied
zum vorgenannten Stand der Technik sind bei diesem Bauteil jedoch die beiden Lichtbogenelektroden
jeweils als Platte ausgebildet und sind in die Platten jeweils eine Vielzahl von
überwiegend radial geführten Schlitzen eingeformt.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Die Erfindung, wie sie in den Patentansprüchen definiert ist, löst
die Aufgabe, ein störlichtbogengeschütztes elektrisches Bauteil der eingangs genannten
Art anzugeben, bei dem die erodierende und korrodierende Wirkung unerwünschter
Störlichtbögen besonders wirksam besonders unterdrückt ist.
Beim Bauteil nach der Erfindung ist mindestens eine der beiden Lichtbogenelektroden
nach Art eines Bechers ausgebildet und weist einen an einem Stromanschluss des
Bauteils befestigten Becherboden auf sowie eine sich an den Becherboden anschliessende
und vorwiegend in Richtung der Achse des Isolators erstreckte Becherwand, in die
mindestens zwei vom Becherboden auf den Becherrand erstreckte und vorwiegend in
Umfangsrichtung geführte Materialausnehmungen eingeformt sind. Durch die becherförmige
Ausbildung der Lichtbogenelektrode wird das Auswandern eines bei Betrieb des erfindungsgemässen
elektrischen Bauteils in einer Hochspannunganlage gebildeten Störlichtbogens vom
Entstehungsort am Bauteil nach aussen auf den Rand des Bechers begünstigt. Da der
Lichtbogenstrom in der Becherwand in mehreren überwiegend in Umfangsrichtung geführten
und nach Art einer Spule teilweise axial übereinander angeordneten und durch die
Materialausnehmungen begrenzten Teilstromleitern fliesst, baut sich am Fusspunkt
des Störlichtbogens ein starkes, überwiegend radial gerichtetes Magnetfeld auf.
Auf den überwiegend in axialer Richtung geführten Störlichtbogen wirkt nun eine
senkrecht zum Magnetfeld und senkrecht zur Lichtbogenachse gerichtete elektrodynamische
Kraft, welche den Lichtbogen zur erwünschten raschen Rotation um die Achse des
Bauteils veranlasst. Der Störlichtbogen kann so praktisch unabhängig von seiner
Intensität und Lage sehr rasch von den lichtbogenerosions- und lichtbogenkorrosionsgefährdeten
Bereichen des erfindungsgemässen Bauteils weggeführt und gelöscht werden.
Die Ausbildung der Lichtbogenelektrode als Becher ist für die Stabilisierung
des Störlichtbogens ganz wesentlich, da der Lichtbogenfusspunkt am Becherrand in
axialer und radialer Richtung fixiert ist und sich nurmehr in Umfangsrichtung in
gewünschter Weise bewegen kann. Um den Materialabbrand der Lichtbogenelektrode
möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich, den Becherrand aus abbrandfestem
Material zu bilden.
Eine besonders wirksame Ausbildung der Becherwand als Spule und damit
eine besonders rasche Rotation des Störlichtbogens wird erreicht, wenn mindestens
eine der beiden Materialausnehmungen als Schlitz ausgeführt ist und zwei Abschnitte
unterschiedlicher Breite aufweist. Hierbei ist ein am Becherboden ansetzender Abschnitt
grosser Schlitzbreite in Umfangsrichtung geführt, wohingegen ein an diesen Abschnitt
anschliessender zweiter Abschnitt kleiner Schlitzbreite vorwiegend in Umfangsrichtung
und in axialer Richtung geführt ist.
Ausreichend guter Schutz vor Störlichtbögen ist im allgemeinen dann
gegeben, wenn die Becherwand um einen Winkel grösser 10° kleiner 90° gegenüber
dem Becherboden geneigt angeordnet ist. Mit einem Neigungswinkel von 30° bis 60°,
vorzugsweise ca. 45°, ist der Schutz optimiert.
Für einen ausreichend guten Lichtbogenschutz des erfindungsgemässen
Bauteils ist es wesentlich, dass die in Richtung der Säulenachse erstreckte Höhe
der Lichtbogenelektrode mindestens das 0,1- und höchstens das 0,5-fache ihres
Durchmessers beträgt. Eine solche Formgebung kann durch Giessen oder durch Verformen,
beispielsweise Crimpen, einer vorgeformte Materialausnehmungen enthaltenden, kreisrunden
Platte mit einer Wandstärke zwischen 2 und 25 mm erreicht werden.
Im allgemeinen ist beim erfindungsgemässen Bauteil der Isolator hohl
ausgeführt und ist ein axial durch den Isolator geführtes Aktivteil vorgesehen.
Besonders bevorzugte Bauteile sind eine Freiluftdurchführung und ein Überspannungsableiter,
insbesondere mit einem Aktivteil auf der Basis Metalloxid.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
Die Erfindung wird nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen erläutert.
Es zeigt:
- Fig. 1
- eine Seitenansicht eines als Überspannungsableiter ausgeführten Bauteils nach
der Erfindung mit zwei Lichtbogenelektroden und mit zwei geschnitten dargestellten
Abdeckhauben,
- Fig. 2
- eine Seitenansicht einer der beiden Lichtbogenelektroden des Überspannungsableiters
gemäss Fig.1, und
- Fig.3
- eine Aufsicht auf die Lichtbogenelektrode gemäss Fig.2.
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
In den Figuren sind gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen gekennzeichnet.
Der in Fig.1 dargestellte Überspannungsableiter weist einen nach Art einer Säule
ausgeführten und beispielsweise von einem Polymer, etwa auf der Basis Epoxy oder
Silikon, oder einer Keramik, etwa einem Porzellan, gebildeten Freiluftisolator 1
auf. Der Isolator ist hohl ausgebildet und weist ein längs einer Achse 2 (Säulenachse)
angeordnetes, aus der Figur nicht ersichtliches Aktivteil auf mit mindestens einem
nichtlinearen Widerstandselement, vorzugsweise auf der Basis von Metalloxid, wie
insbesondere Zinkoxid.
Am Isolatorkopf ist ein auf ein erstes elektrisches Potential, beispielsweise
Hochspannungspotential, führbares erstes Stromleitersystem vorgesehen. Das erste
Stromleitersystem ist elektrisch leitend mit dem Kopfende des Aktivteils verbunden
und weist einen mit einer Hochspannungsleitung verbindbaren Stromanschluss 3 und
eine nach Art eines Bechers ausgebildete Lichtbogenelektode 4 auf, welche nach
unten zum Isolatorfuss hin geöffnet konzentrisch zur Achse 2 ausgerichtet ist.
Die Lichtbogenelektrode 4 ist konzentrisch umgeben von einer nach oben abgeschlossenen
Abdeckhaube 5. Am Isolatorfuss ist ein auf ein zweites elektrisches Potential,
beispielsweise Erdpotential, führbares zweites Stromleitersystem vorgesehen. Das
zweite Stromleitersystem ist elektrisch leitend mit dem Fussende des Aktivteils
verbunden und weist einen mit einem Erdleiter verbindbaren Stromanschluss 6 und
eine nach Art eines Bechers ausgebildete Lichtbogenelektode 7 auf, welche nach
oben zum Isolatorkopf hin geöffnet konzentrisch zur Achse 2 ausgerichtet ist. Die
Lichtbogenelektrode 7 ist konzentrisch umgeben von einer nach oben abgeschlossenen
Abdeckhaube 8. Die beiden Lichtbogenelektroden 4 und 7 bestehen aus elektrisch
gutleitendem Material, insbesondere aus Kupfer oder einer Kupferlegierung. Der
nach unten weisende Rand 9 der Lichtbogenelektrode 4 bzw. der nach oben weisende
Rand 10 der Lichtbogenelektrode 7 sind jeweils aus abbrandfestem Material, beispielsweise
einer hochschmelzenden Kupfer-Zink-, Kupfer-Wolfram- oder Kupfer-Chrom-Legierung,
gefertigt.
Der Überspannungsableiter ist gehalten durch einen am Stromanschluss
6 befestigten Isolator 11. Der beiden Lichtbogenelektroden 4 und 7 sind zueinander
spiegelsymmetrisch angeordnet.
Der Aufbau der Lichtbogenelektrode 4 ist aus den Figuren 2 und 3 ersichtlich.
Diesen Figuren kann entnommen werden, dass die Lichtbogenelektrode 7 einen Becherboden
12 aufweist sowie eine sich an den Becherboden anschliessende und vorwiegend in
Richtung der Achse 2 der Säule erstreckte Becherwand 13, in die fünf vom Becherboden
12 auf den Becherrand 10 ersteckte und vorwiegend in Umfangsrichtung geführte und
als Schlitze 14 ausgeführte Materialausnehmungen eingeformt sind. Zentrisch zur
Achse 2 ist im Becherboden 12 eine Öffnung 15 vorgesehen, durch die ein Abschnitt
des lediglich in Fig.1 dargestellten Stromanschlusses 6 geführt ist.
Jeder der fünf Schlitze 14 weist zwei Abschnitte 16, 17 unterschiedlicher
Breite auf, von denen ein am Becherboden 12 ansetzender Abschnitt 16 eine grosse
Schlitzbreite aufweist und in Umfangsrichtung geführt ist. Hingegen weist ein an
den Abschnitt 16 anschliessender Abschnitt 17 eine geringe Schlitzbreite auf und
ist vorwiegend in Umfangsrichtung und in axialer Richtung auf den Becherrand 10
geführt. Zwei benachbarte Schlitze 14 sind durch eine vom Material der Becherwand
gebildete Stromleiterbahn 18 voneinander getrennt. Diese Stromleiterbahn 18 ist
zwischen den Schlitzabschnitten 16 der beiden benachbarten Schlitze 14 vorwiegend
axial geführt und anschliessend zwischen dem Schlitzabschnitt 17 des einen Schlitzes
14 und dem Schlitzabschnitt 16 des anderen Schlitzes 14 bis zum Becherrand 10 vorwiegend
in Umfangsrichtung.
Die Wirkungsweise dieses Überspannungsableiters ist nun wie folgt:
Tritt bei Betrieb des Überspannungsableiters in einer Hochspannungsanlage zwischen
den Stromanschlüssen 3 und 6 am Aktivteil und/oder am Isolator 1 ein unerwünschter
Störlichtbogen auf, so werden dessen Fusspunkte (vgl. Fig.3, in der einer der beiden
Fusspunkte mit dem Bezugszeichen 19 versehen zusammen mit dem Speisestrom I des
Störlichtbogens dargestellt ist) unter der Wirkung seines eigenen magnetischen
Feldes jeweils an eine der beiden Lichtbogenelektroden 4 und 7 geführt und dort
auf dem Becherboden 12 vorwiegend radial nach aussen geführt. Über eine oder mehrere
der in der Becherwand 13 angeordneten Stromleiterbahnen 18 wird der Fusspunkt 19
des Störlichtbogens schliesslich auf den Becherrand 10 geführt. Am Übergang vom
Becherboden 12 in die Becherwand 13 fliesst der den Störlichtbogen speisende Strom
I (Fig.3) in einem gekrümmt ausgebildeten Abschnitt der Stromleiterbahn 18. Durch
diese Krümmung wird das auf den Fusspunkt des Störlichtbogens wirkende Magnetfeld
das Speisestroms I verstärkt und dadurch auch eine den Störlichtbogen nach aussen
zum Becherrand 10 hin führende elektrodynamische Kraft. In den überwiegend im Umfangsrichtung
geführten äusseren Abschnitten der Strombahnen 18 ist das Magnetfeld des Speisestroms
I am Ort des Lichtbogenfusspunktes radial nach aussen gerichtet und wirkt so auf
den Störlichtbogen eine in Umfangsrichtung gerichtete elektrodynamische Kraft,
welche dessen Rotation bis zu dessen Erlöschen im Stromnulldurchgang veranlasst.
Durch die beiden aus einem isolierenden Material, wie vorzugsweise
einem Polymer auf der Basis Silikon, Epoxy, Polycarbonat oder Polyamid, dem mit
Vorteil Füllstoffe, wie insbesondere flammhemmende Magerstoffe, zugesetzt sind,
werden die Lichtbogenelektrode 4, 7 vor Berührung, beispielsweise durch Tiere oder
durch herabfallendes Gut, geschützt. Zugleich wird auch die Umgebung vor der Einwirkung
von aufgeheiztem Material geschützt, welches unter der Wirkung des Störlichtbogens
gegebenenfalls vom Bauteil weggeschleudert wird und ein nicht unerhebliches Brandrisiko
darstellt. Derart geschützte Bauteile können daher problemlos in Trockengebieten
mit brandgefährdeter Vegetation, wie vertrocknetes Gras oder Buschwerk, eingesetzt
werden.
Es hat sich gezeigt, dass sich der Störlichtbogen mit besonders grosser
Sicherheit vom Isolator weg nach aussen geführt werden kann, wenn die Becherwand
13 um einen Winkel von 30° bis 60°, vorzugsweise ca. 45°, gegenüber dem Becherboden
geneigt angeordnet ist und wenn die in Richtung der Säulenachse 2 erstreckte Höhe
der Lichtbogenelektrode 4 bzw. 7 mindestens das 0,1- und höchstens das 0,5-fache
ihres Durchmessers beträgt.
Die in den Lichtbogenelektroden 4 und 7 vorgesehenen Materialausnehmungen
müssen nicht notwendigerweise als Schlitze 14, sondern können auch als Nuten ausgeführt
sein. Bei bestimmten Bauteilen kann es ferner ausreichen, wenn lediglich eine der
beiden Lichtbogenelektrode 4 oder 7 Becherform aufweist.
BEZUGSZEICHENLISTE
- 1
- Isolator
- 2
- Achse
- 3, 6
- Stromanschlüsse
- 4, 7
- Lichtbogenelektroden
- 5, 8
- Abdeckhauben
- 9, 10
- Becherränder
- 11
- Isolator
- 12
- Becherboden
- 13
- Becherwand
- 14
- Schlitze
- 15
- Öffnung
- 16, 17
- Schlitzabschnitte
- 18
- Stromleiterbahnen
- 19
- Fusspunkt eines Störlichtbogens
- I
- Speisestrom des Störlichtbogens