Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Dekontamination
von Böden und Schlämmen sowie vergleichbaren Feststoffgemischen, die durch organische
Stoffe oder organische Stoffe und Schwermetalle kontaminiert sind.
Solche Böden und Schlämme, die mit organischen Bestandteilen und Schwermetallen
kontaminiert sind, sind etwa
- – durch Altlasten oder Unfälle kontaminierte Böden
- – Schlämme aus industriellen Prozessen
- – Schlämme aus Sandfängen und Ölabscheidern
- – Filteraschen
Der Stand der Technik besteht in der Behandlung mit Bakterien, die
aber das Problem der Schwermetalle nicht lösen und bei lehmigen Böden sowieso versagen,
in der Behandlung durch Abrösten, was nicht nur enorme Energie verbraucht, sondern
das Schwermetallproblem ebenfalls nicht löst, und das Behandeln mit tensidischen
Lösungen, bei denen die organischen Stoffe als Mizellen im Wasser gelöst werden,
was aber bei Anwesenheit von Erdalkali nicht machbar ist, weil die oberflächenaktiven
Funktionen blockiert werden.
Mit der vorliegenden Erfindung soll die Aufgabe gelöst werden, Feststoftgemische
der genannten Art, insbesondere wenn sie einer herkömmlichen Behandlung nicht zugänglich
sind, dadurch zu reinigen, dass in einem Waschverfahren Trennmittel zugegeben werden,
die die organischen Stoffe über Pi-Bindungen und/oder mesomere Wechselwirkung molekular
lösen und Schwermetalle als Chelate mobilisieren.
Der mit der vorliegenden Erfindung vorgeschlagene Lösungsweg wird
in den Merkmalen der Patentansprüche wiedergegeben. Ein besonderer Vorteil ist ein
mehrstufiger Waschprozess mit physikalisch-chemisch aufeinander abgestimmten Trennmitteln,
bei denen eine Aufspaltung in bindige und rollige Materialien vorgeschaltet ist
bzw eine Trennung in eine kohlenwasserstoffarme Wasserphase und eine angereicherte
Organikphase vorgeschaltet wird. Diese Trennmittel werden abhängig von Art und Umfang
der Verunreinigungen so ausgewählt, dass jeweils die wirkenden Bindungskräfte zwischen
den Phasen "Fest/Flüssig" ("Oberflächenfilme") oder zwischen den Phasen "Flüssig/Flüssig"
("Emulsion") aufgelöst oder gelockert werden. Abhängig von den wirksamen Bindungskräften
zwischen den verschiedenen Phasen und Komponenten des zu reinigenden Gemisches werden
die Trennmittel so ausgewählt, dass ihre funktionellen Gruppen und die dadurch ausgeübten
Wechselwirkungskräfte auf die jeweiligen Bindungskräfte abgestimmt sind. Solche
physikalischchemischen Wechselwirkungskräfte können z.B. sein
- – polare oder unpolare Bindungen
- – Hydrathüllen
- – mesomere Bindungen an ungesättigten Elektronenpaaren
- – Chelatkomplexe bei der Bindung von Schwermetallen
Erfindungsgemäß werden durch die von den Trennmitteln ausgeübten Wechselwirkungskräfte
die Bindungen soweit aufgebrochen, dass die Verunreinigungen in den Trennmitteln
tatsächlich gelöst werden, wodurch auch die gelartige Struktur aufgebrochen wird
und das Gemisch in dem oder den Trennmitteln gelöst vorliegt. Beispiele für Trennmittel
im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens sind in Wasser gelöste Terpene, langkettige
Äther und verwandte organische Trennmittel mit einer oder mehreren nicht ionischen
funktionellen Gruppen sowie geeignete Mischungen aus den genannten Komponenten.
Die Praxis bietet eine große Auswahl von Trennmitteln, die hinsichtlich
der Umweltbelastung und der biologischen Abbaubarkeit abhängig von der gestellten
Reinigungsaufgabe ausgewählt werden können.
1. Aufbereitung und Reinigung kontaminierter Böden
Kontaminierte Böden aus Altlasten oder Unfällen sind häufig gleichzeitig
mit organischen Verunreinigungen und Schwermetallen belastet.
Zur Dekontamination solcher Böden werden üblicherweise eingesetzt:
- – Waschverfahren mit hohem Wassereinsatz, die anschließend die Reinigung
großer Abwassermengen erfordern.
- – Biologische Verfahren, die sehr spezifisch auf die Art der Verunreinigungen
ausgerichtet werden müssen. Diese biologischen Verfahren sind jedoch empfindlich
gegenüber Schwermetallen oder organischen Verunreinigungen, die die Biologie schädigen,
z.B. Phenole.
Waschverfahren mit Wasser, dem zur besseren Reinigungswirkung meist
Tenside zugesetzt werden, stoßen grundsätzlich an Grenzen, wenn im Boden höhere
Anteile von Erdalkalilonen vorhanden sind. Diese bilden mit den tensidischen Zusätzen
Seifen, die für den Reinigungsprozess verloren gehen. Dadurch wird Waschmedium in
einem Umfang gebraucht, dass das Verfahren zum einen wirtschaftlich untragbar macht,
zum anderen die Kalkseifen sich nicht mobilisieren lassen. Ein schwieriges Problem
für herkömmliche Waschverfahren ergibt sich auch bei dem Vorliegen von Tonen und
Mergel. Die Feststoffe sind hier so fein verteilt und haften so stark zusammen,
dass die vorhandenen Brocken und Klumpen durch das Waschmedium mechanisch nicht
aufgebrochen werden können.
Das erfindungsgemäße Verfahren sieht in solchen Fällen eine geeignete
mechanische Vorbehandlung vor, die das zu reinigende Gemisch den
Trennmitteln zugänglich macht. Ton- und mergelhaltige Böden werden zunächst in einem
mechanischen Brecher vorzerkleinert, in einem anschließenden Hochdruck-Waschprozess
mit Trennmitteln weiter behandelt, wobei die aneinander haftenden Feststoffe feinteilig
vom Trennmittel umgeben und dabei gelöst werden. Zur Abtrennung der Schwermetalle
werden dem Trennmittel chelatbildende Additive beigegeben, so das auch die Schwermetalle
in der flüssigen Phase gelöst werden.
Feststoffe mit rolligem Material werden anschließend gespült, filtriert
und ggf getrocknet. Schlecht filtrierbare Feinstoffe werden zunächst in einem Dekanter
abgetrennt und anschließend weiter gewaschen und getrocknet. Besonders günstig hat
sich hier eine Dekantierzentrifuge erwiesen.
Nach dieser mechanischen Vorbehandlung befinden sich sowohl die organischen
Verunreinigungen, als auch die Schwermetalle in der Flüssigphase, die aus einem
oder mehreren Trennmitteln gebildet wird. Die Abtrennung vom Trennmittel erfolgt
abhängig von der physikalisch-chemischen Natur der Verunreinigungen. Flüchtige organische
Verunreinigungen können durch Erwärmen und "Strippen" entfernt werden. Weniger flüchtige
Verunreinigungen werden entweder durch die Membranfiltration oder Destillation abgetrennt.
Als Trennmittel wurden in praktischen Versuchen mit Erfolg eingesetzt: Limonen sowie
langkettige substituierte Äther.
Häufig kann durch Wahl des Komplexbildners vorherbestimmt werden,
in welchem Trennmittel sich die Schwermetalle anreichern sollen. Die Abtrennung
der Schwermetallkomplexe aus dieser Phase wird durch einen abschließenden Extraktionsschritt
erreicht.
Abhängig vom Reinheitsgrad, in dem das Trennmittel nach der Destillation
anfällt, kann anschließend noch bei Bedarf eine Membranfiltration, eine Destillation
mit partieller Kondensation oder eine Rektifikation durchgeführt werden.
2. Aufbereitung und Reinigung von Schlämmen
Als Schlämme im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens werden "Öl/Wasser/Sand-Gemische"
oder "ölhaltige Suspensionen" bezeichnet.
Beispiele sind etwa
- – Schleif-/oder Polierschlämme aus der mechanischen Bearbeitung und Obertlächenbehandlung
von Metallen
- – Bohrschlämme oder -spülungen
- – Schlämme aus Sandfängen und Ölabscheidern
Kennzeichen dieser Art von Schlämmen ist eine hochviskose, gelatineartige
Konsistenz mit "Thixotropie-Verhalten".
Solche Schlämme sind mit mechanischen Verfahren wie Filtration oder
Zentrifugation nicht zu trennen. Üblich ist deshalb eine schwerkraftmäßige Trennung
in großen Absetzbecken. Die damit erreichte Trennleistung ist jedoch sehr gering.
Ein Problem dabei ist vor allen Dingen, dass die verbleibenden Rückstände aufgrund
des Öl-Schwermetall-Anteils zukünftig nicht mehr deponiefähig sind und deshalb aufwändig
durch Verbrennen u.ä. entsorgt werden müssen.
Das erfindungsgemäße Verfahren bietet nun eine effektive technische
Lösung, die genannten Schlämme aufzutrennen. Die Lösung liegt in der Zugabe eines
oder mehren geeigneter Trennmittel, die die Öl/Wasser-Emulsion spalten und das Öl
lösen. Durch Aufbrechen der Oberflächenkräfte zwischen Feststoff und flüssiger Phase
wird durch Einwirkung des Trennmittels der Schlamm in drei deutlich voneinander
getrennte Phasen aufgetrennt:
Der Feststoffanteil "Sand" als Bodensatz, darüber die wässrige Phase und oben das
Trennmittel mit den gelösten Ölanteilen. Geeignete Lösemittel hierfür sind etwa
Terpene, langkettige Äther oder zyklische Alkohole und Ketone.
Im Schlamm enthaltene Schwermetalle können erfindungsgemäß durch Zugabe
von Chelatbildnern, die dem Trennmittel hinzugefügt werden und dort löslich sind,
abgetrennt werden.
Die weitere Auftrennung des Gemisches bereitet keine Schwierigkeiten.
Der Feststoff wird von der wässrigen Phase durch Zentrifugieren oder Filtrieren
mechanisch getrennt. Die überstehende Öl/Trennmittel-Phase wird destillativ aufgetrennt.
Die Schwermetall-Chelatkomplexe aus dem Trennmittel werden anschließend durch Extraktion
mit einem geeigneten Extraktionsmittel abgezogen. Das gewählte Trennmittel steht
danach erneut für einen weiteren Trenngang zur Verfügung. Erfindungsgemäß liegt
einer der wesentlichen Vorteile dieses Trenngangs darin, da das Trennmittel am Ende
des Prozesses in unveränderter Form immer wieder zur Verfügung steht, so dass mit
relativ geringen Mengen gearbeitet werden kann.
Die Reinigung der Schlämme stellt im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens
einen Sonderfall dar, da das Trennmittel nicht mit einem anderen Trennmittel, sondern
direkt mit der Ölphase wechselwirkt, und zwar in der Form, dass die die Emulsion
stabilisierenden Kräfte aufgehoben werden.