TECHNISCHES GEBIET
Bei der Erfindung wird ausgegangen von einer Kontaktanordnung für
eine nennstromführende Schaltstelle eines strombegrenzenden Hoch- oder Mittelspannungsschalters
nach dem Oberbegriff von Patentanspruch 1. Im Bereich hoher Leistungen und damit
hoher Nennströme werden in der elektrischen Energietechnik heute fast ausnahmslos
rein mechanische Kontaktsysteme zum Bau von Schaltern verwendet, weil damit die
geringsten Nennstromverluste erreicht werden können. Die typischen Eigenzeiten
(Zeit vom Schaltbefehl bis Kontakttrennung bzw. Stromunterbrechung) heutiger Leistungsschalter
liegen im Zeitbereich von einigen 10 ms. Solche Eigenzeiten erlauben es nicht,
diese Schalter für den Bau strombegrenzender Schaltsysteme einzusetzen. Halbleiterschalter,
wie z.B. GTO's (Gate Turn-Off Thyristoren), haben um drei Grössenordnungen kleinere
Eigenzeiten, dafür aber unzulässig hohe Verluste im Nennbetrieb. Durch die Kombination
eines sehr schnellen mechanischen Schalters mit Hochleistungshalbleitern entsteht
ein hybrides Schaltsystem, das prinzipiell zum strombegrenzenden Schalten geeignet
ist.
STAND DER TECHNIK
Die Erfindung nimmt auf einen Stand der Technik von Kontaktanordnungen
bezug wie er in EP 0 275 857 A1 beschrieben ist. Die vorbekannte Kontaktanordnung
ist Teil eines vorzugsweise in der Traktionstechnik verwendeten strombegrenzenden
Schalters und dient der Führung von Nennströmen während des Betriebs des Schalters.
Parallel zur Kontaktanordnung ist ein Hilfskreis mit Schaltthyristoren und Dioden
sowie mit einem Ladekondensator und mit einer Spule geschaltet. Beim Auftreten
eines Kurzschlussstroms werden die Schaltthyristoren eingeschaltet und wird dann
der Ladekondensator über die Spule entladen. Das magnetische Feld des von der Spule
geführte Entladestroms induziert in einer mit einem Brückenkontakt der Kontaktanordnung
verbundenen Scheibe einen gegensinnig fliessenden Kurzschlussstrom. Die hierbei
gebildeten elektrodynamischen Kräfte stossen die Scheibe und damit auch den Brückenkontakt
von der Spule ab und bewirken so ein sehr rasches Öffnen der Kontaktanordnung.
Der beim Öffnen der Kontaktanordnung in den Hilfstromkreis kommutierende Kurzschlussstrom
wird durch Umladen des Ladekondensators unterbrochen.
KURZE DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Der Erfindung, wie sie in den Patentansprüchen angegeben ist, liegt
die Aufgabe zugrunde, eine Kontaktanordnung der eingangs genannten Art zu schaffen,
welche einen besonders sicheren Betrieb des strombegrenzenden Schalters ermöglicht.
Die Kontaktanordnung nach der Erfindung ist axialsymmetrisch aufgebaut.
Unerwünschte Streuinduktivitäten werden so weitgehend vermieden und es wird so
eine äusserst rasche Kommutierung von Kurzschlussströmen in einen einen Halbleiterschalter
enthaltenden Parallelstrompfad erreicht. Zugleich wird der zur Bildung der Kräfte
eines elektrodynamischen Kontaktantriebs notwendige Induktionsstrom im nennstromführenden,
beweglichen Brückenschaltstück generiert, wodurch ein sonst üblicherweise vorgesehenes
scheibenförmiges Teil zur Führung des Induktionsstroms und damit zusätzliche zu
beschleunigende Masse eingespart werden können. Hierdurch wird die zum Erzielen
einer bestimmten Öffnungsgeschwindigkeit der Kontaktanordnung notwendige Antriebsenergie
minimiert. Beim Öffnen entstehen zudem zwei Kontaktspalte, welche jeweils von
einem von zwei in Serie geschalteten Teillichtbögen überbrückt sind. Durch diese
Serienschaltung von Teillichtbögen erhöht sich die an der Kontaktanordnung abfallende
Lichtbogenspannung, womit der Kurzschlussstrom besonders rasch und wirkungsvoll
in den Parallelstrompfad kommutiert werden kann.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNG
Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung und die damit erzielbaren
weiteren Vorteile werden nachfolgend anhand von Zeichnungen näher erläutert. Hierbei
zeigt:
- Fig.1
- eine einphasige Grundschaltung einer ein Mittelspannungsnetz nachbildenden
Prüfvorrichtung mit einem eine Kontaktanordnung nach der Erfindung enthaltenden
strombegrenzenden Schalter,
- Fig.2
- die Kontaktanordnung gemäss Fig.1 im Einschaltzustand, und
- Fig.3
- die Kontaktanordnung gemäss Fig.1 im Ausschaltzustand.
WEG ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
In allen Figuren beziehen sich gleiche Bezugszeichen auf gleichwirkende
Teile. Die in Fig.1 dargestellte Schaltung ist eine einphasige Grundschaltung einer
ein Mittelspannungsnetz nachbildenden Prüfvorrichtung mit einem strombegrenzenden
Schalter S. Die Prüfvorrichtung enthält einen eine Netzspannung uN von
typischerweise einigen 10 kV, beispielsweise 20 kV, nachbildenden Generator G,
welcher über den strombegrenzenden Schalter eine durch einen ohmschen Widerstand
RL und eine Induktivität LL nachgebildete Last speist. Eine
zwischen Generator G und Schalter S angeordnete und auf den Schalter S wirkende
Kurzschlusserkennungseinheit KSE weist ein Mess- und Auswerteteil zur sehr raschen
Erkennung von Kurzschlussströmen iN auf Die Kurzschlussströme liegen
typischerweise bei einigen 10 kA, beispielsweise 20 kA. Der Schalter S weist im
Strompfad vom Generator zur Last liegend eine sehr rasch, d.h. typischerweise
innerhalb 100 bis 500 µs, beispielsweise 250 µs, öffnende lichtbogenfeste nennstromführende
Schaltstelle S1 auf, sowie einen in Serie dazu geschalteten Trennschalter
SS.
Parallel zur Schaltstelle S1 sind zwei Kommutierungspfade
K1 und K2 geschaltet. Der Kommutierungspfad K1
enthält eine elektrisch ansteuerbare Schaltvorrichtung T sowie in Serie zur Schaltvorrichtung
T eine rasch öffnende Trennschaltstelle ST
(Öffnungszeit typischerweise
einige 100 µs) mit mechanisch voneinander trennbaren Kontakten. Die Schaltvorrichtung
T ist mit Vorteil ein abschaltbarer Halbleiterschalter T1, beispielsweise
ein Thyristor, wie insbesondere ein GTO. Die Schaltvorrichtung T kann zu Zwecken
einer hohen Stromtragfähigkeit anstelle eines Halbleiterschalters T1
auch mehrere parallel geschaltete Halbleiterschalter enthalten. Um bei einem Wechselstrom
sowohl bei negativer als auch bei positiver Polarität ein rasches Ansprechen der
Schaltvorrichtung T zu erzielen, weist die Schaltvorrichtung einen oder mehrere
weitere Halbleiterschalter T2 auf, welche antiparallel zu dem einen oder
den mehreren weiteren Halbleiterschaltern T1 geschaltet sind.
Der Kommutierungspfad K2 ist parallel zur Schaltstelle
S1 und zum Kommutierungspfad K1 geschaltet und weist einen
Strombegrenzer RB und eine in Serie zum Strombegrenzer geschaltete Schaltvorrichtung
TP auf. Der Strombegrenzer RB spricht auf einen Kommutierungsstrom
verzögert an und ist mit Vorteil als PTC-Widerstand ausgebildet. Die Schaltvorrichtung
TP enthält mindestens einen, vorteilhafterweise jedoch zumindest zwei
zueinander antiparallel geschaltete, Halbleiterschalter, welche nicht notwendigerweise
abschaltbar ausgebildet sein müssen, jedoch einen von ihnen geführten Wechselstrom
im Stromnulldurchgang löschen können, wie insbesondere Thyristoren oder Triacs.
Durch Anordnung weiterer solcher Halbleiterschalter in Serie kann die dielektrische
Belastbarkeit der Schaltvorrichtung TP vergrössert werden.
Beim Auftreten des Kurzschlussstromes löst die Erkennungseinheit KSE
am strombegrenzenden Schalter S innerhalb von etwa 100 µs einen Abschaltvorgang
aus. Dabei werden sofort die in den beiden Kommutierungspfaden K1 und
K2
liegenden Schaltvorrichtungen T und TP leitfähig gemacht.
Zugleich wird die Nennstromkontaktanordnung S1 geöffnet. Bedingt durch
zwei hierbei gebildete und in Serie geschaltete Lichtbögen kommutiert der noch
ansteigende Kurzschlussstrom innerhalb von etwa 250 µs in den Kommutierungspfad
K1. Dieser bleibt solange leitfähig bis über der Nennstromkontaktanordnung
S1 eine Spannungsfestigkeit erreicht wird, die etwas grösser ist als
diejenige von T. Der abzuschaltende Kurzschlussstrom kommutiert dann in den Kommutierungspfad
K2. Dabei entsteht sowohl eine transiente Überspannung auf Grund der
Streuinduktivitäten als auch ein ohmscher Spannungsabfall am Strombegrenzer RB.
Der Strombegrenzer RB
begrenzt mit einer Verzögerung von einigen 100 µs.
Diese Zeitverzögerung reicht aus, um die Nennstromkontaktanordnung S1
und die Trennkontaktanordnung ST
praktisch leistungslos zu öffnen. Nach
dem Öffnen der Trennkontaktanordnung ST
fällt im Kommutierungspfad K1
praktisch die gesamte am Schalter S anstehende Spannung Us über dieser
Trennkontaktanordnung ab. Da der Strombegrenzer RB
verzögert anspricht,
beginnt die Begrenzung des nun im Kommutierungspfad K2
fliessenden Kurzschlussstroms
erst nach dem Öffnen von S1 und ST. Der begrenzte Kurzschlusstrom
kann beim folgenden Stromnulldurchgang, beispielsweise nach 5 bis 6 ms, durch die
Schaltvorrichtung TP mit sehr geringer Überspannung abgeschaltet werden.
Danach wird durch Öffnen des Trennschalters Ss eine galvanische Trennstrecke
hergestellt.
Der Aufbau und die Wirkungsweise der Kontaktanordnung der schnellen
Schaltstelle S1 kann aus den Figuren 2 und 3 entnommen werden:
Die Kontaktanordnung ist axialsymmetrisch ausgeführt und weist zwei feststehende
Schaltstücke und ein bewegliches Brückenschaltstück auf. Die beiden feststehenden
Schaltstücke sind als koaxial angeordnete Zylinder 1, 2 ausgebildet und begrenzen
einen Ringraum 3. Das Brückenschaltstück ist als Kontaktring 4 aus einem elektrisch
gut leitenden Material, wie vorzugsweise Aluminium oder einer Aluminium-Basislegierung,
ausgeführt und ist im Einschaltzustand an freien Enden der Zylinder 1, 2 in den
Ringraum 3 geführt. Es schliesst dann die beiden als feststehende Schaltstücke
wirkenden Zylinder 1, 2 kurz. In einem Abschnitt des Ringraums 3, welcher an einen
den Kontaktring 4 aufnehmenden Abschnitt des Ringraums anschliesst, ist koaxial
eine zylinderförmige Spule 5 angeordnet, welche mit dem Kontaktring 4 einen elektrodynamischen
Antrieb bildet. Die Spule 5 ist mit Hilfe eines mechanisch und dielektrisch hochwertigen
Isoliermaterials im Ringraum 3 festgesetzt und weist zwei Anschlüsse auf, von denen
der eine direkt mit einem Anschluss eines Kondensators 6 und der andere über einen
Schaltthyristor 7 mit dem anderen Anschluss des Kondensators 6 verbunden ist. Parallel
zur Reihenschaltung von Kondensator 6 und Schaltthyristor 7 und damit auch zu den
beiden Anschlüssen der Spule 5 ist eine Freilaufdiode 8 geschaltet.
Der Zylinder 1 weist axial geführte, fingerförmige Kontaktelemente
10 auf, welche an ihren von der Spule 5 abgewandten freien Enden unter Bildung
einer konusförmigen Aufweitung des Ringraumes 3 nach aussen gebogen sind. Der Zylinder
2 weist axial geführte, fingerförmige Kontaktelemente 20 auf. Diese Kontaktelemente
sind an ihren von der Spule 5 abgewandten freien Enden unter Bildung einer konusförmigen
Aufweitung des Ringraumes 3 nach innen gebogen. An den Kontaktelementen 10 und
20 sind in den Ringraum 3 weisende Kontaktflächen aus abbrandfestem Material angeformt,
welche in dem in Fig.2 dargestellten Einschaltzustand mit ebenfalls aus abbrandfestem
Material bestehenden Kontaktflächen des Kontaktringes 4 zusammenwirken. Der an
die Schaltstelle S1 geführte Kurzschlussstrom iN fliesst
dann von den Kontaktelementen 10 über den Kontaktring 4 in radialer Richtung zu
den Kontaktelementen 20. Der Kontaktring 4 wirkt daher als bewegliches Brückenschaltstück.
Die beim Auftreten des Kurzschlussstroms am strombegrenzenden Schalter
S den Ausschaltvorgang auslösende Erkennungseinheit KSE bewirkt das Einschalten
des Schaltthyristors 7. Der Kondensator 6 wird nun über die Spule 5 entladen. Das
magnetische Feld des Spulenstroms iP induziert im Kontaktring 4 einen
um ca. 180° phasenverschoben Sekundärstrom iS. Auf den Kontaktring wirkt
nun eine den beiden Strömen proportionale, axial nach oben gerichtete Lorentzkraft
F, welche die Haftkräfte zwischen den Kontaktflächen der Kontaktelemente 10, 20
und dem Kontaktring 4 überwindet und zugleich die erforderliche Beschleunigung
des Kontaktringes 4 aufbringt. Da der Kontaktring 4 die Funktion von Brückenschaltstück
und Sekundärspule des elektrodynamischen Antriebs in sich vereint, ist die zu
beschleunigende Masse äusserst gering und beträgt bei den zuvor genannten Leistungsdaten
des Schalters S typischerweise 0,05 kg. Es kann dann selbst mit einem klein dimensionierten
Kondensator 6 schon in weniger als 1 ms nach der Ausgabe des Abschaltbefehls durch
die Erkennungseinheit eine ausreichend hohe Spannungsfestigkeit über dem die offene
Schaltatrecke der Schaltstelle S1
darstellenden Ringraum 3 erreicht werden
(Ausschaltposition gemäss Fig.3).
Die beim Auftreten der Lorentzkraft ausgelöste Bewegung des Kontaktrings
4 wird durch eine nicht dargestellte Führung ausschliesslich in axialer Richtung
ermöglicht. Beim Einschalten begünstigen die konusförmigen Aufweitungen des Ringraumes
3 das Einführen des Kontaktringes 4 in den Ringraum 3.
Weitere günstige Eigenschaften der Schaltstelle nach der Erfindung
sind darin zu sehen, dass durch den koaxialen Aufbau die Streuinduktivität minimiert
und damit eine besonders schnelle Kommutierung des Kurzschlussstromes in die parallel
geschalteten Kommutierungspfade gewährleistet ist. Zudem treten bei der Trennung
des Kontaktrings 4 von den Kontaktelementen 10 und 20 zwei in Serie geschaltete
Lichtbögen auf Dadurch wird die Kommutierungsspannung erhöht und der Kurzschlussstrom
besonders rasch in die beiden Parallelpfade K1 und K2 kommutiert.
Bezugszeichenliste
- K1, K2
- Kommutierungspfade
- KES
- Kurzschlusserkennungseinheit
- LL
- Induktivität
- RL
- ohmschen Widerstand
- RB
- Strombegrenzer
- S
- strombegrenzender Schalter
- S1
- Nennstromkontaktanordnung
- SS
- Trennschalter
- ST
- Trennkontaktanordnung
- T1, T2
- Halbleiterschalter
- T, TP, TS
- Schaltvorrichtungen
- iN
- Kurzschlussstrom
- uN
- Netzspannung
- iP
- Primärstrom
- iS
- Sekundärstrom
- uS
- am Schalter S anstehende Spannung
- 1, 2
- Zylinder
- 3
- Ringraum
- 4
- Kontaktring
- 5
- Spule
- 6
- Kondensator
- 7
- Schaltthyristor
- 8
- Freilaufdiode
- 10, 20
- Kontaktelemente