Technisches Gebiet
Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Brennkraftmaschinen
insbesondere auf ein Verfahren zum Betreiben von Brennkraftmaschinen gemäss dem
Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Grossmotoren müssen in der Regel nicht so hohe Anforderungen hinsichtlich
des transienten Verhaltens erfüllen, wie dies bei den kleineren Motoren für den
Antrieb von Fahrzeugen üblich ist. Trotzdem gilt auch für Grossmotoren, dass mehr
oder weniger grosse Variationen von Last oder Drehzahl vorkommen. Ein gutes dynamische
Verhalten, das in Form eines guten Beschleunigungsverhalten für kleinere Motoren
einen Wettbewerbsvorteil darstellt, wird auch für grössere und grosse Motoren, wie
sie für Flussschiffe und schnelle Fährschiffe eingesetzt werden, immer wichtiger,
da auch hier immer höhere Anforderungen beispielsweise an die Manövrierfähigkeit
gestellt werden. Eine höhere Umweltsensibilität und neue gesetzliche Vorschriften
führen weiter dazu, dass heute im transienten Betrieb Russemissionen immer weniger
toleriert werden. Die Bedeutung des dynamischen Verhaltens von Brennkraftmaschinen
hat daher in der jüngeren Vergangenheit erheblich zugenommen.
Stand der Technik
Um das dynamische Verhalten von Brennkraftmaschinen zu verbessern,
werden heute in der Regel Hilfsmassnahmen vorgesehen, die jeweils zum Einsatz kommen,
wenn von der Brennkraftmaschine schnell eine höhere oder tiefere Leistung gefordert,
also wenn z.B. von einem Fahrzeugmotor eine Beschleunigung verlangt oder ein Bremsmanöver
eingeleitet wird. Als Hilfsmassnahmen kann eine angepasste Regelung der Brennstoffzufuhr
in die Zylinder z.B. in Abstimmung mit der Temperatur, der Drehzahl oder ähnlichen
Grössen vorgesehen sein. Zusätzlich oder an stelle der Brennstoffregelung kann als
Hilfsmassnahme eine Lufteinblasung direkt in die Zylinder vorgesehen sein. Bei aufgeladenen
Brennkraftmaschinen kann als Hilfsmassnahme eine Lufteinblasung in einen Verdichter
des zugeordneten Turboladers oder auch eine Lufteindüsung in bzw. vor dessen Turbine
vorgesehen sein. Bei einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie kann die Geometrie
angepasst werden, bei einem Turbolader mit einem Elektroantrieb kann der Elektroantrieb
zugeschaltet werden, es können turbinenseitig ein Waste Gate und/oder verdichterseitig
eine Bypassleitung zum Einsatz kommen.
Die Hilfsmassnahmen und die Brennkraftmaschine müssen aufeinander
abgestimmt arbeiten. Hierzu werden heute in der Regel, vor allem bei Grossbrennkraftmaschinen,
Regelsysteme verwendet, die nur mit einem Satz oder einigen wenigen Sätzen von Parametern
programmiert sind, welche auf Referenz- oder Worst-Case-Bedingungen abgestimmt sind.
Dies führt dazu, dass entweder das Potential der Hilfsmassnahmen für eine optimale
Brennkraftmaschinebeschleunigung nicht immer genutzt wird, oder dass bei ungünstigen
Bedingungen zuviel Brennstoff verbrannt wird, was zu Russbildung oder hoher thermischer
Belastung führen kann.
Darstellung der Erfindung
Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum Betreiben
einer Brennkraftmaschine der eingangs genannten Art zu schaffen, welches das dynamische
Verhalten der Brennkraftmaschine, vor allem im transienten Betrieb, verbessert und
so für eine bessere Beschleunigung und/oder eine geringere Russbildung sorgt.
Diese Aufgabe löst ein Verfahren gemäss den Merkmalen des Patentanspruches
1. Dabei ist für eine Brennkraftmaschine mit mindestens einer Brennkammer im Falle
einer Lastaufnahme eine Hilfsmassnahme zur Beschleunigung der Brennkraftmaschine
vorgesehen und mindestens ein Brennkraftmaschinen-Ist-Wert wird auf einen zugehörigen
Brennkraftmaschinen-Soll-Wert ausgeregelt. Dadurch, dass die Ausregelung in Abhängigkeit
der Hilfsmassnahme erfolgt, können die Vorteile der Hilfsmassnahme besser und vor
allem zeitlich schneller genutzt werden, was eine bessere Beschleunigung erlaubt
und bei entsprechender Wahl von Brennkraftmaschinen-Ist-Wert, Brennkraftmaschinen-Soll-Wert
und Hilfsmassnahme Russbildung bzw. unvollständige Verbrennung des Brennstoffes
verhindert.
Am einfachsten wird als Brennkraftmaschinen-Soll-Wert und/oder als
Brennkraftmaschinen-Schwell-Wert für die Ausregelung des Brennkraftmaschinen-Ist-Wertes
eine von der Hilfsmassnahme abhängige Funktion oder eine von der Hilfsmassnahme
abhängige Tabellenzuordnung gewählt. Ein Beispiel für so einen solchen Schwellwert
ist die Russbegrenzung, die je nach dem ob die Hilfsmassnehme eingeschaltet ist
oder nicht einen anderen Wert besitzt.
Sehr vorteilhaft ist es, wenn wenigstens ein Hilfsmassnahmen-Ist-Wert
während des Betriebes mit der Hilfsmassnahme aktuell erfasst wird und die Ausregelung
wenigstens eines Brennkraftmaschine-Ist-Wertes abhängig von diesem aktuell erfassten
Hilfsmassnahmen-Ist-Werte erfolgt. Je nach gewünschtem Ergebnis kann es sehr sinnvoll
sein, mehrere Hilfsmassnahmen-Ist-Werte zu erfassen, in einer Funktion oder Tabellenzuordnung
zusammenzufassen und den Brennkraftmaschinen-Ist-Wert abhängig von dieser auf mehreren
Hilfsmassnahmen-Ist-Werten basierenden Funktion oder Tabellenzuordnung auszuregeln.
Auch können mehrere Brennkraftmaschinen-Ist-Werte auf mehrere einzelne Hilfsmassnahmen-Ist-Werte
oder auf Funktionen und Tabellenzuordnungen aus mehreren Hilfsmassnahmen-Ist-Werten
ausgeregelt werden.
Sehr vorteilhaft ist es, wenigstens einen der mindestens einen Hilfsmassnahmen-Ist-Werte
mit einem Hilfsmassnahmen-Schwellwert zu vergleichen und bei Erreichen oder Überschreiten
bzw. Unterschreiten des Hilfsmassnahmen-Schwellwertes die Hilfsmassnahme zurückzufahren
oder abzuschalten. Dies insbesondere dann, wenn es sich um Hilfsmassnahmen-Schwellwerte
handelt, die bei längerem oder übermässigem Überschreiten bzw. Unterschreiten zu
einem Schaden an der Brennkraftmaschine oder an der Vorrichtung zur Durchführung
der Hilfsmassnahme führen. In diesem Zusammenhang kann es auch vorteilhaft sein,
wenigstens einer der mindestens einen Brennkraftmaschinen-Ist-Werte mit einem Brennkraftmaschinen-Schwellwert
zu vergleichen und bei Erreichen oder Überschreiten bzw. Unterschreiten des Brennkraftmaschinen-Schwellwertes
die Hilfsmassnahme und oder die Brennkraftmaschine zurückzufahren oder abzuschalten.
Als Sollwerte sowohl für die Brennkraftmaschine als auch für die Hilfsmassnahme
können Funktionen oder Tabellenzuordnungen von Schwellwerten verwendet werden, so
dass der jeweilige Ist-Wert auf den jeweiligen Schwellwert ausgeregelt wird, wobei
der Schwellwert so ausgelegt ist, dass nur bei seinem Überschreiten bzw. Unterschreiten
die Hilfsmassnahme und oder die Brennkraftmaschine zurückgefahren bzw. abgeschaltet
wird.
Für einen optimalen Einsatz der Hilfsmassnahme ist es vorteilhaft,
einen oder mehrere der mindestens einen Hilfsmassnahmen-Ist-Werte auf einen Hilfsmassnahmen-Soll-Wert
auszuregeln.
Da sich die Hilfsmassnahmen-Ist-Werte und die Brennkraftmaschinen-Ist-Werte
gegenseitig in komplexer Weise beeinflussen, kann es sinnvoll sein, ein oder mehrere
der mindestens einen Hilfsmassnahmen-Schwellwerte und/oder ein oder mehrere der
Hilfsmassnahmen-Soll-Werte als Funktion von Brennkraftmaschinen-Werten im Sinne
einer ausführbaren Rechenoperation oder einer wählbaren Tabellenzuordnung zu benutzen.
Als Hilfsmassnahmen in einem solchen Verfahren kann ein Einblasen
eines verbrennungsfördernden Gases, wie beispielsweise Luft, respektive ein Einblasen
eines Verbrennungsgemisches in einen Receiver vor der mindestens einen Brennkammer
und/oder ein Einblasen eines verbrennungsfördernden Gases resp. eines Verbrennungsgemisch
direkt in die mindestens eine Brennkammer und/oder Variable Ventilsteuerzeiten und/oder
bei Vorhandensein eines Turboladers eine Eindüsung von Luft bzw. eines Verbrennungsgemisches
in den Verdichter und/oder eine Lufteindüsung in bzw. vor einer Turbine des Turboladers,
und/oder die Nutzung eines Waste Gates parallel zur Turbine und/oder die Nutzung
einer Bypassleitung von einem Verdichter des Turboladers zu seiner Turbine und/oder
bei Vorhandensein eines Turboladers mit variabler Turbinengeometrie eine entsprechende
Änderung der Turbinengeometrie und/oder bei Vorhandensein eines Turboladers mit
elektrischen Maschine ein Einsatz der elektrischen Maschine vorgesehen sein. Dementsprechend
können als Hilfsmassnahmen-Ist-Werte beispielsweise folgende Grössen erfasst werden:
Druck und Temperatur des eingeblasenen, verbrennungsfördernden Gases (Luft, Sauerstoff),
das Verhältnis von Verbrennungsluft zu Brennstoffgemisch; beim Einblasen von Luft
oder Gas aus einem Vorratsbehälter der Füllstand des Vorratsbehälters; bei Vorhandensein
eines Turboladers dessen Drehzahl, Lagertemperatur, das Verdichterdruckverhältnis,
im Turbolader gemessene Vibrationen, Lagerschwingungen und viele andere, dem Fachmann
bekannte Grössen.
Als Brennkraftmaschinen-Ist-Wert(e) können beispielsweise folgende
Grössen dienen: die Drehzahl der Brennkraftmaschine, die einer oder mehreren Brennkammer(n)
zugeführte Brennstoffmenge, das Verbrennungsluftverhältnis, die Temperatur des Abgases,
der Zylinderdruck, der Receiverdruck, der Öldruck, die Lagertemperatur, usw.. Besonders
vorteilhaft ist es, wenn mehrere Brennkammern vorhanden sind, die Brennstoffmenge
für jede Brennkammer als eigenständigen Brennkraftmaschinen-Ist-Wert zu erfassen
und separat auszuregeln.
Als Hilfsmassnahmen-Schwellwerte können beispielsweise der Füllstand
eines Vorratsbehälters für Druckluft bzw. Gas dienen oder bei Vorhandensein eines
Turboladers, die maximal zulässige Turboladerdrehzahl, die Temperatur vor der Turbine.
Als Brennkraftmaschinen-Schwellwerte können zum Beispiel der maximal zulässige Zylinderdruck,
der Receiverdruck oder das Verbrennungsluftverhältnis dienen.
Wird die zugeführte Brennstoffmenge als Brennkraftmaschinen-Ist-Wert
verwendet, so ist es von Vorteil, als Sollwert eine Funktion des Receiverdruckes
und der gewählten Hilfsmassnahme zu verwenden, da so eine optimale Verbrennung des
Brennstoffes in der oder den Brennkammern ermöglicht wird. Sehr gut ausregeln lässt
sich die Brennstoffmenge, wenn der Brennstoff den einzelnen Brennkammern mit Hilfe
eines Common-Rail-Systems zugeführt wird.
Bei Verfahren, wie dem hier beschriebenen, bei denen den Brennkammern
einer Brennkraftmaschine neben dem Brennstoffgemisch zumindest zeitweise Sauerstoff,
Luft oder ein anderes verbrennungsförderndes Gas zugeführt wird, ist es sehr vorteilhaft,
die Zufuhr dieses Gases mittels eines Hochdruckleitungssytems analog den bekannten
Common-Rail-Systemen zu gewährleisten. In einem solchen Hochdruckleitungssystem
lässt sich nämlich die zugeführte Gasmenge sehr einfach und effizient regeln.
Werden sowohl die Brennstoffmenge als auch die Menge des eingeblasenen,
verbrennungsfördernden Gases geregelt, so ist es besonders vorteilhaft die Brennstoffmenge
und die Gasmenge aufeinander abzustimmen, und zwar so, dass es ohne Russbildung
zur möglichst vollständigen Verbrennung der zugeführten Brennstoffmenge kommt. Man
erzielt so einen optimierten Kompromiss zwischen optimaler Beschleunigung und Vermeidung
von Russemissionen
Werden sowohl die zugeführte Brennstoffmenge als auch die Zufuhr des
verbrennungsfördernden Gases geregelt, so ist eine Regelung mit Hilfe eines gemeinsamen
Reglers im Allgemeinen die einfachste und kostengünstigste Lösung. Als verbrennungsförderndes
Gas können, wie gesagt, Luft, Sauerstoff, ein Luft- bzw. Sauerstoff-Gasgemisch oder
andere bekannte verbrennungsfördernde Gase verwendet werden. Die Rezirkulierung
von Abgasen, kann ebenfalls über eine solche Regelung mit einbezogen werden.
Das Verfahren ist besonders effizient, wenn bei stationärem Betrieb
die Ausregelung des mindestens einen Brennkraftmaschinen-Ist-Wertes mit Hilfe einer
ersten Reglereinheit auf einen rein von der Brennkraftmaschine abhängigen Brennkraftmaschinen-Soll-Wert
erfolgt und bei Lastaufnahme, mit dem Einsetzen der Hilfsmassnahmen die Ausregelung
mit Hilfe einer zweiten Reglereinheit in Abhängigkeit von der Brennkraftmaschine
und der Hilfsmassnahme erfolgt, wobei der Wechsel von der ersten Reglereinheit auf
die zweite Reglereinheit manuell oder mit Hilfe des ersten Reglers oder mittels
einer Hilfsmassnahmensteuerung oder mittels einer übergeordneten Regeleinheit erfolgt.
Weitere bevorzugte Ausführungsformen sind Gegenstand weiterer Patentansprüche.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Im folgenden wird der Erfindungsgegenstand anhand von bevorzugten
Ausführungsbeispielen, welche in den beiliegenden Zeichnungen dargestellt sind,
näher erläutert. Es zeigen rein schematisch:
- Figur 1
- zeigt graphisch das Verfahren unter Verwendung zweier Reglereinheiten für die
zwei Betriebszustände;
- Figur 2
- die Änderung einer Schwellwertfunktion bei Änderung des Betriebszustandes; und
- Figur 3
- ein Einspritzsystem für eine Brennkraftmaschine mit mehreren Brennkammern, wobei
sowohl der Brennstoff als auch ein verbrennungsförderndes Gas den Brennkammern mit
Hilfe eines Common Rail Systems zugeführt werden.
Die in den Zeichnungen verwendeten Bezugszeichen und deren Bedeutung
sind in der Bezugszeichenliste zusammengefasst aufgelistet. Grundsätzlich sind in
den Figuren gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen. Die beschriebenen
Ausführungsformen stehen beispielhaft für den Erfindungsgegenstand und haben keine
beschränkende Wirkung.
Wege zur Ausführung der Erfindung
Die Figur 1 zeigt eine Prinzipskizze für das vorgeschlagene Verfahren
am Beispiel einer Brennkraftmaschine 7 für einen Schiffsantrieb. Die Brennkraftmaschine
7 läuft beispielsweise unter Teillast bei Nenndrehzahl (z. B. Generatorantrieb)
oder reduzierter Drehzahl (z. B. Schiffsantrieb). Von der Brennkraftmaschine 7 wird
die Drehzahl als Brennkraftmaschinen-Ist-Wert ai aktuell erfasst, Pfeil
ai, und mit einem Brennkraftmaschinen-Soll-Wert as verglichen
(Box 2). Solange die Differenz zwischen dem Brennkraftmaschinen-Soll-Wert as
für die Drehzahl und dem erfassten Istwert ai der Drehzahl geringer ist
als ein Schwellwert von hier beispielsweise 20% des Sollwertes as, erfolgt
die Regelung des Betriebes der Brennkraftmaschine 7 über mit Hilfe eines ersten
Regelregimes, symbolisiert durch eine erste Regeleinheit 4. Die erste Regeleinheit
4 erhält hierfür aktuell erfasste Betriebsdaten, Pfeil bi, von der Brennkraftmaschine
7 und sendet Regelsignale, Pfeil b, zur Regelung der verschiedenen Parameter der
Brennkraftmaschine 7 an diese zurück.
Wird zwischen dem aktuell vorgegebenen Brennkraftmaschinen-Soll-Wert
as und dem aktuell erfassten Brennkraftmaschinen-Ist-Wert ai
eine Differenz festgestellt, die grösser als der Schwellwert ist, in diesem Beispiel
20% des Sollwertes as, so wird eine Hilfsmassnahme 6 zugeschaltet, Pfeil
"st". Damit die Brennkraftmaschine 7 diese Hilfsmassnahme 6 optimal nutzen kann,
ist ein Eingriff in das Regelsystem der Brennkraftmaschine 7 notwendig. Erfindungsgemäss
erfolgt daher mit dem Zuschalten der Hilfsmassnahme 6 ein Umschalten auf ein spezielles
Regelregime, symbolisiert durch eine zweite Regeleinheit 5. Die Regeleinheit 5 erhält
bestimmte Betriebsdaten der Brennkraftmaschine 7, symbolisiert durch Pfeil ci,
und sendet zur Regelung der Brennkraftmaschine 7 Regelsignale c an die Brennkraftmaschine
7 zurück. Die Betriebsdaten ci, die während des Betriebes mit der Hilfsmassnahme
6 an die Regeleinheit 5 geschickt werden, können dabei die gleichen Daten sein,
die während des Betriebes ohne Hilfsmassnahme 6 an die Regeleinheit 4 (Pfeil bi)
geschickt werden, es können aber auch andere oder teilweise andere Daten sein. Zu
einer Differenz, die den Schwellwert überschreitet, kann es beispielsweise aufgrund
von Betriebsstörungen der Brennkraftmaschine 7 kommen oder aber, wenn von einem
Verbraucher 1 zusätzliche Leistung verlangt wird, und ein neuer Sollwert in Form
einer neu zu erreichenden Drehzahl, Pfeil ans, vorgegeben
wird. Statt in einem übergeordneten Regler 8 wie in Fig. 1 dargestellt, kann ein
Umschalten auf den Betrieb mit Hilfsmassnahme 6 und der zweiten Reglereinheit 5
auch mit Hilfe der ersten Reglereinheit 4, mit Hilfe einer Hilfsmassnahmenregelung
oder auch manuell erfolgen (jeweils nicht graphisch dargestellt).
Während die Regelsignale b die von der ersten Regeleinheit 4 an die
Brennkraftmaschine 7 geschickt werden, nur von Parametern der Brennkraftmaschine
7 abhängen, hängen die Regelsignale c, die von der zweiten Regeleinheit 5, dem speziellen
Regelregime, an die Brennkraftmaschine 7 geschickt werden, von der Brennkraftmaschine
7 und von der Hilfsmassnahme 6 ab. Mit anderen Worten: Die Brennkraftmaschinen-Soll-Werte
und Brennkraftmaschinen-Schwellwerte, die in Form von Funktionen und Tabellenzuordnungen
in der Regeleinheit 4 abgelegt sind, sind nur von Parametern der Brennkraftmaschine
7 abhängig; die Brennkraftmaschinen-Soll-Werte und Brennkraftmaschinen-Schwellwerte,
die in der Regeleinheit 5 abgelegt sind, sind dagegen Funktionen und Tabellenzuordnungen
in Abhängigkeit von Parametern der Brennkraftmaschine 7 und der Hilfsmassnahme 6.
Sobald die Hilfsmassnahme 6 zugeschalten wird, erfolgt also auch die Ausregelung
der Brennkraftmaschinen-Ist-Werte auf Soll- bzw. Schwellwerte, die von der Hilfsmassnahme
abhängig sind.
Ein Beispiel für die Änderung einer Schwellwertfunktion bei einem
Wechsel vom Betrieb ohne Hilfsmassnahme 6 zum Betrieb mit Hilfsmassnahme 6 zeigt
Figur 2. Als Beispiel ist der Schwellwert für die Brennstoffmenge xreg
angegeben, der maximal bei einem bestimmten Receiverdruck prec einer
Brennkammer zugeführt werden darf. Kurve I zeigt diese Schwellwertfunktion für den
Betrieb ohne Hilfsmassnahme 6, Kurve II diese Schwellwertfunktion im Betrieb mit
Hilfsmassnahme 6. In diesem Beispiel wird als Hilfsmassnahme 6 zusätzlich Luft in
die Brennkammern eingeblasen. Wie aus dem Diagramm klar hervorgeht kann bei zugeschalteter
Hilfsmassnahme 6 im Bereich geringer Receiverdrücke den Brennkammern der Brennkraftmaschine
7 eine grössere Brennstoffmenge zugeführt werden als während des Betriebes ohne
Hilfsmassnahme 6. Dies ist möglich, weil aufgrund der zusätzlich in die Brennkammern
eingeblasenen Luft mehr Sauerstoff zur Verfügung steht, und somit eine grössere
Menge Brennstoff verbrannt werden kann. Im Bereich höherer Receiverdrücke laufen
die Kurven I und II dann auf einen gemeinsamen Grenzwert zu.
Bisher wurde bei Bedingungen, wie den eben geschilderten, die Möglichkeit
bei einem Lastsprung mit Zuschaltung einer Hilfsmassnahme 6 grössere Brennstoffmengen
zu verbrennen und damit eine bessere Beschleunigung zu erreichen, nicht genutzt,
weil auch beim Zuschalten der Hilfsmassnahme 6 die Ausregelung der Brennkraftmaschine
7 mit der Schwellwertfunktion der Brennkraftmaschine 7 gemäss Kurve I erfolgt ist.
Bei dem vorgeschlagenen Verfahren aber erfolgt erfindungsgemäss mit dem Zuschalten
der Hilfsmassnahme 6 ein Umschalten auf die von der Brennkraftmaschine 7 und der
Hilfsmassnahme 6 abhängige Kurve II der besagten Schwellwertfunktion. Es kann somit
mehr Brennstoff eingespritzt und verbrannt und somit eine bessere Beschleunigung
erreicht werden. Wird das erfindungsgemässe Verfahren beispielsweise mit dem hier
gezeigten Schwellwert betrieben, so veranlasst die Regeleinheit 5 den Brennstoffsteller
unmittelbar nach Einschalten der Hilfsmassnahme oder mit einer gewünschten Verzögerung
dem Motor zusätzlichen Brennstoff zuzuführen. Die zusätzliche Menge und allenfalls
die Verzögerung können fest vorgegeben sein oder sie können in Abhängigkeit der
Teillastparameter auf "Vorrat" berechnet werden, um dann, wenn die Hilfsmassnahme
eingeschaltet wird, ohne Zeitverzug bekannt zu sein.
Ausser der Brennstoffmenge können auch andere Parameter begrenzende
Schwellwerte eingesetzt sein. Begrenzend können z.B. der maximal zulässige Zylinderdruck,
der Receiverdruck, die Temperatur vor der Turbine eines als Hilfsmassnahme 6 vorgesehenen
Turboladers oder das Verbrennungsluftverhältnis sein. Diese Schwellwerte können
fest vorgegeben sein, sie können als Kennlinien abgelegt sein oder sie können mittels
Modellen berechnet werden.
Wie dies in Fig. 1 gezeigt ist, kann oder muss parallel zur Regelung
der Brennstoffzufuhr die Hilfsmassnahme 6 geregelt werden. Hierbei kann, bei Vorhandensein
eines Turboladers als Vorrichtung zur Durchführung der Hilfsmassnahme 6, beispielsweise
die Turboladerdrehzahl als Hilfsmassnahmen-Ist-Wert hi erfasst werden.
In der Regeleinheit 5 ist dann ein Schwellwert der Turboladerdrehzahl als begrenzende
Grösse für den Einsatz der Hilfsmassnahme hinterlegt, bei deren Überschreiten die
Hilfsmassnahme abgeschaltet oder zurückgefahren wird. Da auch bestimmte Parameter
der Hilfsmassnahme 6 auch eine gewisse Abhängigkeit von Parametern der Brennkraftmaschine
7 zeigen, können die in der Regeleinheit 5 hinterlegten Funktionen und Tabellenzuordnungen
für Hilfsmassnahmen-Ist-Werte u/o Hilfsmassnahmen-Schwellwerte ihrerseits abhängig
von fixen oder aktuell erfassten Parametern der Brennkraftmaschine 7 sein. Die Regelung
der Hilfsmassnahme 6 kann sehr wichtig sein, denn die Einblasung von Luft in den
Verdichter eines Turboladers muss z.B. bei einer gewissen Drehzahl eingestellt werden,
um nicht unzulässige Schaufelschwingungen respektive Schaufelbelastungen zu verursachen.
Ein anderer Grund die Hilfsmassnahme 6 zu reduzieren oder gar auszuschalten, kann
aber beispielsweise auch der maximal zulässige Zylinderdruck sein. Um nicht unnötig
viel Luft zu verbrauchen, ist es sinnvoll, nicht nur die Brennstoffmenge sondern
auch die Luftmenge zu regulieren. Je nach gewünschter Perfektion der Regelung sind
beim Regeln der Luftmenge auch der Luftdruck und die Lufttemperatur der Hilfsluft
zu berücksichtigen. Weitere mögliche Schwellwerte, Sollwerte sowie mögliche Hilfsmassnahmen
6 sind bereits weiter oben genannt worden. Wird als wichtigste Regelgrösse das Verbrennungsluftverhältnis
(zugänglich über Hilfsgrössen) auf einen konstanten Wert von etwa 1,5 ausgeregelt
so lässt sich Russbildung vermeiden.
Selbstverständlich wird die Hilfsmassnahme 6 in dem in Fig. 1 gezeigten
Beispiel auch bei Erreichen der geforderten Leistung, d.h. also wenn die Differenz
zwischen dem Brennkraftmaschinen-Ist-Wert ai (in unserem Beispiel aus
Fig. 1 die Drehzahl) und dem Brennkraftmaschinen-Soll-Wert as geringer
ist als - in diesem Beispiel - 20% des Sollwertes as, abgestellt und
die Regelung wieder auf die Regeleinheit 4 umgestellt.
Soll die Zufuhr der Brennstoffmenge in die Brennkammern und die mittels
der Hilfsmassnahme 6 zugeführte Luftmenge geregelt werden, so ist es besonders vorteilhaft,
den Brennkammern nicht nur den Brennstoff mittels eines Common Rail Systems sondern
auch die Luft oder allenfalls ein anderes verbrennungsförderndes Gas, wie Sauerstoff
oder ein Luft-Abgasgemisch oder ähnliches, mittels eines Hochdruckleitungssystems
zuzuführen, das analog dem Common Rail System für den Brennstoff konzipiert ist.
Ein Beispiel hierfür ist in Fig. 3 gezeigt. Vier Zylinder 10 einer Brennkraftmaschine,
die nicht näher dargestellt ist, weisen je eine Brennkammer 12 auf. Jede Brennkammer
12 wird in bekannter weise seitlich durch Zylinderwände 14, gegen eine Stirnseite
durch einen verschiebbaren Kolben 16 und gegen die andere Stirnseite mit einem Zylinderkopfdeckel
18 begrenzt. Im Zylinderkopfdeckel 18 ist jeweils ein Ansaugventil 20 zum Ansaugen
von Verbrennungsluft, ein Auslassventil 22 zum Ausströmenlassen der Abgase und eine
Einspritzdüse 24 zum Einspritzen von Brennstoff angeordnet. Die Einspritzdüsen 24
sind wie üblich mit einem Common Rail system 26 für den Brennstoff verbunden. Statt
einem bekannten, einfachen Hilfsluftventil im Zylinderkopfdeckel 18 sind in dem
in Fig. 3 gezeigten erfindungsgemässen Beispiel aber Einspritzventile 28 für die
Hilfsluft - oder ein anderes verbrennungsförderndes Gas - vorgesehen, die mit einem
Hochdruckleitungssystem 30 verbunden sind, das analog zu dem Common Rail System
26 für den Brennstoff konzipiert ist. Die Regelung der Brennstoffmenge und der Hilfsluftmenge
bei einer solchen Ausgestaltung der Brennstoff- und Hilfsluftzufuhr ist am einfachsten
über einen gemeinsamen Regler zu bewerkstelligen.
Mit dem vorgeschlagenen erfindungsgemässen Verfahren wird, wie an
den Beispielen gezeigt, nicht nur das transiente Verhalten der Brennkraftmaschine
7 verbessert, auch Russbildung kann vermieden werden. Auch die bisher bei grossen
Brennkraftmaschinen in der Regel ausser Acht gelassene Tatsache, dass die Regelung
im Verhältnis zur Drehzahl sehr rasch erfolgen muss, da die Betriebsbedingungen
von einem Verbrennungszyklus eines Zylinders zum nachfolgenden Zyklus bei der Beschleunigung
oder Verzögerung der Brennkraftmaschine stark ändern kann, kann durch das Abrufen
von vorbereiteten Funktionen oder Tabellenzuordnungen in einer zweiten Regeleinheit
5 berücksichtigt werden. Die zahlreichen Parameter von Brennkraftmaschine, Aufladesystem
und Hilfsmassnahmen stehen zueinander in einem komplizierten gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis,
das durch das erfindungsgemässen Verfahren berücksichtigt wird. Generell kann also
gesagt werden, dass mit dem erfindungsgemässen Verfahren das Potential einer Hilfsmassnahme
6 besser ausgeschöpft werden kann, indem bei der Regelung zusätzliche Informationen
genutzt werden.
Bezugszeichenliste
- 1
- Verbraucher
- 2
- Box
- 4
- erste Reglereinheit
- 5
- zweite Regeleinheit
- 6
- Hilfsmassnahme
- 7
- Brennkraftmaschine
- 8
- übergeordneter Regler
- 10
- Zylinder
- 12
- Brennkammer
- 14
- Zylinderwand
- 16
- Kolben
- 18
- Zylinderkopfdeckel
- 20
- Einlassventil
- 22
- Auslassventil
- 24
- Einspritzdüse
- 26
- Common Rail System
- 28
- Einspritzventil
- 30
- Hochdruckleitungssystem