Bastardzucker und Verfahren zur Herstellung desselben
Anmelder
CSM Suiker B.V., Amsterdam, NL
Erfinder
Heineman, Hubertus Willem Borritius, 1404 AE Bussum, NL; Van Heeschvelde, Paul Maria Theophiel, 4841 VA Prinsenbeek, NL; Molenaar, Bernard, 3941 ZS Doorn, NL
Vertreter
Boeters & Lieck, 80538 München
DE-Aktenzeichen
69725412
Vertragsstaaten
AT, BE, DE, DK, ES, FI, FR, GB, IE, IT, LU, NL, PT, SE
Die Erfindung betrifft ein "Bastardzucker"-[weicher brauner Zucker]-Erzeugnis,
das ein gutes Fließverhalten und hervorragende Lagerungsbeständigkeit hat.
Wie allgemein bekannt ist, wird Bastardzucker sowohl in traditionellen
als auch industriellen Bäckereien hauptsächlich in Teig für Süßwarenerzeugnisse
verwendet. Vorteile, die dieser Verwendung von Bastardzucker zugeschrieben werden
können, sind:
1) das Backerzeugnis hat lebhaftere und fließendere Backeigenschaften, d. h.
es ist leichter in der Textur. Dies wird auch auf die spezifische Korngrößeverteilung
des Bastardzuckers mit einer durchschnittlichen Teilchengröße MA von 0,4 mm und
einem CV von etwa 60% (CV = Variationskoeffizient = (&agr;/MA) × 100);(ICUMSA
GS2-37) zurückgeführt;
2) die Färbungsfähigkeit des Backerzeugnisses im Ofen ist höher, d. h. eine
frische, goldgelbe Farbe wird aufgrund der Menge an Invertzucker (Glucose : Fructose
= 1 : 1) erzeugt, die in Bastardzucker in einer Menge von wenigstens 0,5 Gew.-%
und normalerweise in einem Bereich von 0,7 –2,5 Gew.-% vorhanden ist.
Das traditionelle Erzeugnis, Bastardzucker, kann z. B. wie folgt hergestellt
werden:
Etwa 60 g von gekörntem Zucker (Sucrose) wird unter normalen Bedingungen
in Wasser gelöst. Anschließend wird eine kleine Menge Säure, wie z. B. Zitronensäure,
zugefügt, worauf unter Kochen der Sucroselösung eine kleine Menge der Sucrose durch
Hydrolyse in Invertzucker umgewandelt wird (Spalten der Sucrose in Glucose und Fructose
im Molverhältnis von 1 : 1). Diese erhaltene Menge an Invertzucker beträgt wenigstens
0,5 Gew.-% und beläuft sich normalerweise auf 0,7–2,5 Gew.-%. Anschließend
wird die Lösung auskristallisiert, wobei ein Bastardzuckererzeugnis mit einem Feuchtigkeitsgehalt
von nicht mehr als 10 Gew.-%, gewöhnlich 0,5–3 Gew.-% , erhalten wird. Aufgrund
dieses Feuchtigkeitsgehalts hat traditioneller Bastardzucker eine sandig und klebrige
und manchmal sogar sirupartige Beschaffenheit, wodurch dieser Bastardzucker als
Folge davon – trotz scharfer Trocknungsbedingungen – anfällig für Verklumpung
ist und außerdem nicht freifließend ist. Aufgrund dieser nachteiligen Eigenschaften
ist traditioneller Bastardzucker nicht geeignet für das Verpacken in Verpackungsarten
größeren Maßstabs als dem gegenwärtigen 25 kg Plastiksack.
DE-A-2020982 betrifft Trägermaterialien für die direkte Pressung von
Tabletten, wobei die Trägermaterialien in der Tablette in einer Menge von wenigstens
10 Gew.-% vorhanden sind. Als Trägermaterial kann ein mit Invertzucker überzogenes
Zuckergranulat verwendet werden.
US-A-2145893 offenbart Sucrosezucker in gekörnter oder im wesentlichen
gekörnter Form, in welchem die Körnchen mit einer umhüllenden Schicht von Invertzucker
oder sogenanntem Invertsirup überzogen sind, vorzugsweise in einem Verhältnis von
ungefähr 5 bis 20 Gew.-% zu dem Sucrosezucker.
In FR-A-2143244 wird ein Verfahren offenbart, gemäß dem ein Zuckergranulat
mit 5–10% eines emulgierbaren Fetts überzogen wird.
EP-A-0052413 betrifft ein kristallisiertes Zuckererzeugnis, enthaltend
einen hohen Invertzuckerzusatz, hergestellt durch Beimengen des hohen Invertzuckerzusatzes
zu einer Trockenzuckergrundlage, um eine Vormischung zu bilden, das Konzentrieren
eines Zuckersirups, enthaltend wenigstens 85 Gew.% Sucrose, zu einem Feststoffgehalt
von 95% bis etwa 98% durch Erhitzen auf eine Temperatur von etwa 123°C bis etwa
148°C (etwa 255°F bis etwa 300°F), das Mischen der Vormischung mit dem
konzentrierten Zuckersirup, um eine Mischung zu bilden, das Unterwerfen die Mischung
einer Stoßschlagung innerhalb einer Kristallisationszone, bis sich ein Trockenzuckererzeugnis
bildet, und Gewinnen des Zuckererzeugnisses aus der Kristallisationszone.
US-A-3652298 beschreibt einen freifließenden Puderzucker, hergestellt
durch das Zusammenmahlen in trockenem festen Zustand von einer weißen pulverisierten
Zuckerkomponente und von einem Additiv in Form von einer wasserunlöslichen Zellulose.
Die Aufgabe der Erfindung ist deshalb, eine Lösung für das obige Problem
zu entwickeln, d. h. ein Bastardzuckererzeugnis zu entwickeln, das sowohl die erwähnten
günstigen Eigenschaften hat, als auch freifließend ist und in Verpackungsformen
großen Maßstabs gelagert werden kann.
Die Aufgabe gemäß der Erfindung wird überraschenderweise mit einem
Bastardzuckererzeugnis erreicht, wobei das Erzeugnis eine durchschnittliche Teilchengröße
in dem Bereich von 0,2–0,6 mm, einen Ivertzuckergehalt von 0,5–2,5 Gew.-%,
einen Feuchtigkeitsgehalt von nicht mehr als 0,25 Gew.-% und einen &agr;'/&agr;ref-Wert
(vgl. SOTAX FLOWTEST FT-300) von wenigstens 0,9 hat, erhältlich durch ein Verfahren,
wobei gekörnter Zucker als Ausgangsmaterial gemahlen wird, das gemahlene gekörnte
Zuckermaterial gesiebt wird, um den Staubanteil von dem gemahlenen gekörnten Zuckermaterials
zu entfernen und das erhaltene gemahlene gekörnte Zuckermaterial anschließend mit
Invertzucker in kristalliner Form gemischt wird. Solch ein Erzeugnis ist freifließend
und "silierbar", d. h. es kann in Verpackungsformen großen Maßstabs gelagert und
transportiert werden, wie z. B. großen Säcken, Mehrzwecksilos und Schüttgutlastwagen.
Insbesondere hat das Bastardzuckererzeugnis gemäß der Erfindung eine
durchschnittliche Teilchengröße in dem Bereich von 0,3–0,5 mm, insbesondere
eine Teilchengröße von 0,4 mm mit einem CV (Variationskoeffizient)
von 40–80%, insbesondere etwa 60%.
Der Invertzuckergehalt des Bastardzuckererzeugnisses gemäß der Erfindung
ist vorteilhafterweise 0,7–2,5 Gew.-%, insbesondere 1,5–2,0 Gew.-%.
Außerdem ist der Feuchtigkeitsgehalt oder Wassergehalt des Bastardzuckererzeugnisses
gemäß der Erfindung von besonderer Wichtigkeit und beläuft sich, wenn möglich, auf
nicht mehr als 0,2 Gew.-%, und am besten auf nicht mehr als 0,1 Gew.-%.
Das Bastardzuckererzeugnis gemäß der Erfindung, wie oben definiert,
kann beispielsweise wie folgt erhalten werden:
Käuflich erhältlicher gekörnter Zucker, der vorteilhafterweise eine
durchschnittliche Teilchengröße von 0,6–0,9 mm und einen Feuchtigkeitsgehalt
von nicht mehr als 0,05 Gew.-% hat, wird mit Hilfe einer Walz- oder Mahlvorrichtung
gemahlen, worauf das erhaltene Erzeugnis durch ein Sieb mit einer Maschengröße von
200 Mikron gesiebt wird. Das Erzeugnis, welches das Sieb durchläuft, wird entfernt.
Das Erzeugnis, welches auf dem Sieb zurückcrehalten wird, wird anschließend in einem
Mixer mit der oben erwähnten gewünschten Menge und käuflich erhältlichem Invertzucker,
der vorteilhafterweise eine durchschnittliche Teilchengröße von etwa 0.4 mm und
einen Feuchtigkeitsgehalt von nicht mehr als 0,05 Gew.-% hat, homogen gemischt,
damit das Bastardzuckererzeugnis gemäß der Erfindung erhalten wird.
Wie oben angegeben, vereinigt das gemäß der Erfindung erhaltene Bastardzuckererzeugnis
die bekannten günstigen Backeigenschaften von traditionellem Bastardzucker mit den
oben erwähnten hervorragenden Fließeigenschaften, die das Verpacken in großem Maßstab
und Silierung (Lagerung in Silos) ermöglichen. Es wurde außerdem beobachtet, dass
das neue Bastardzuckererzeugnis dem endgültigen Erzeugnis (Kuchen, Feingebäck) eine
Geschmacksverbesserung gibt.
Der Vollständigkeit halber wird darauf hingewiesen, dass im Zusammenhang
mit der Erfindung das Erzeugnis "Bastardzucker" in dem Sinne verstanden werden sollte,
dass gelber und brauner Bastardzucker sowie weißer Bastardzucker gemeint sind. Insbesondere
sind gelber und brauner Bastardzucker das Gleiche wie weißer Bastardzucker, dem
eine relevante Menge von Karamel zugefügt worden ist.
Die hervorragenden Fließeigenschaften der Erzeugnisse gemäß der Erfindung
können mit den folgenden Tests verständlich gemacht werden.
TEST 1 - TRICHTERTEST
(a) Traditioneller Bastardzucker und (b) Bastardzucker gemäß der Erfindung
werden in einen Trichter mit einem oberen Durchmesser von 10 cm und einem Röhrendurchmesser
von 0,7 cm gegeben. Die Eigenschaften der beiden Erzeugnisse werden in Tabelle A
unten gezeigt.
TABELLE A
250 g beider Arten von Bastardzucker wurden in die jeweiligen Trichter
gegeben. Der traditionelle Bastardzucker war deutlich nicht-fließend und verklemmte
sich im Trichter, während der Bastardzucker gemäß der Erfindung problemlos schnell
durchfluß.
TEST 2 - SOTAX FLOWTEST FT-300
Im SOTAX FLOWTEST FT-300 (SOTAX A. G., Schweiz) werden die Fließeigenschaften
eines Erzeugnisses unter sechs Standardbedingungen getestet. Dieser Test liefert
in den sechs Tests einen Durchschnittswert für den Fließwinkel, &agr;', der mit
einem Referenzfließwinkel, &agr;ref (das Referenzerzeugnis ist trockener
Quarzsand mit einer Teilchengröße von 0,7–1,2 mm und einem &agr;ref
von 82°), verglichen wird. Der resultierende Fließwinkelquotient &agr;'/aref
ist ein Maß für die Fließeigenschaften des getesteten Erzeugnisses, wobei das Maß
von weniger als 0,3 (sehr schlechte Fließeigenschaften) bis mehr als 0,9 (sehr gute
Fließeigenschaften) reichen kann.
Wenn der SOTAX FLOWTEST FT-300 mit beiden in Tabelle A angegebenen
Erzeugnissen durchgeführt wurde, wurde festgestellt, dass
– der &agr;'/&agr;ref-Wert für das Bastardzuckererzeugnis gemäß
der Erfindung gleich 1,01 war, was bedeutet, dass die Fließeigenschaften des Erzeugnisses
gemäß der Erfindung genauso gut wie die von getrocknetem Quarzsand mit einer Teilchengröße
von 0,7–1,2 mm sind, und
– der &agr;'/&agr;ref-Wert des traditionellen Bastardzuckererzeugnisses
weniger als 0,3 war, was bedeutet, dass das traditionelle Erzeugnis sehr schlechte
Fließeigenschaften hat.
Anspruch[de]
Bastardzuckererzeugnis, dadurch gekennzeichnet, dass das Erzeugnis
eine durchschnittliche Teilchengröße in dem Bereich von 0,2–0,6 mm, einen
Invertzuckergehalt von 0,5–2,5 Gew.-%, einen Feuchtigkeitsgehalt von nicht
mehr als 0,25 Gew.-% und einen mit SOTAX FLOWTEST FT-300 bestimmten &agr;'/&agr;ref-Wert
von wenigstens 0,9 hat, erhältlich durch ein Verfahren, in dem gekörnter Zucker
als Ausgangsmaterial gemahlen wird, das gemahlene gekörnte Zuckermaterial gesiebt
wird, um den Staubanteil des gemahlenen gekörnten Zuckermaterials zu entfernen und
das erhaltene gemahlene gekörnte Zuckermaterial anschließend mit kristallinem Invertzucker
gemischt wird.
Bastardzuckererzeugnis nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
das Erzeugnis eine durchschnittliche Teilchengröße in dem Bereich von 0,3–0,5
mm hat.
Bastardzuckererzeugnis gemäß Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass
das Erzeugnis eine durchschnittliche Teilchengröße in dem Bereich von 0,4 mm mit
einem CV von 40–80% hat.
Bastardzuckererzeugnis nach einem oder mehreren der Ansprüche 1–3,
dadurch gekennzeichnet, dass das Erzeugnis einen Invertzuckergehalt von 0,7–2,5
Gew.-% hat.
Bastardzuckererzeugnis gemäß Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass
das Erzeugnis einen Invertzuckergehalt von 1,5–2,0 Gew.-% hat.
Bastardzuckererzeugnis nach einem oder mehreren der Ansprüche 1–5,
dadurch gekennzeichnet, dass das Erzeugnis einen Feuchtigkeitsgehalt von nicht mehr
als 0,2 Gew.-% hat.
Bastardzuckererzeugnis gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass
das Erzeugnis einen Feuchtigkeitsgehalt von nicht mehr als 0,1 Gew.-% hat.
Bastardzuckererzeugnis nach einem oder mehreren der Ansprüche 1–7,
dadurch gekennzeichnet, dass bei dem Verfahren gekörnter Zucker mit einer durchschnittlichen
Korngröße von 0,6–0,9 mm und einem Feuchtigkeitsgehalt von nicht mehr als
0,05 Gew.-% als Ausgangsmaterial verwendet wird.
Bastardzuckererzeugnis nach einem oder mehreren der Ansprüche 1–8,
dadurch gekennzeichnet, dass bei dem Verfahren Invertzucker mit einer durchschnittlichen
Korngröße von etwa 0,4 mm und einem Feuchtigkeitsgehalt von nicht mehr als 0,05
Gew.-% als Ausgangsmaterial verwendet wird.