| Dokumentenidentifikation |
DE10258686B3 27.05.2004 |
| Titel |
Wurfscheibe sowie Verfahren zur Herstellung von Wurfscheiben |
| Anmelder |
Lireko, Ruurlo, NL; Bret B.V., Maastricht, NL; Scheerers GmbH & Co. KG Verwaltung und Beteiligung, 41751 Viersen, DE |
| Erfinder |
Biggelaar, Johannes Antonius Hubertus van den, Maastricht, NL; Klein-Brinke, Dirk Hendrik, Ruurlo, NL; Scheerers, Norbert, 41372 Niederkrüchten, DE |
| Vertreter |
Schneider, U., Dipl.-Ing., Pat.-Anw., 59423 Unna |
| DE-Anmeldedatum |
13.12.2002 |
| DE-Aktenzeichen |
10258686 |
| Veröffentlichungstag der Patenterteilung |
27.05.2004 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
27.05.2004 |
| IPC-Hauptklasse |
F41J 9/16
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| IPC-Nebenklasse |
F41J 1/01
C04B 33/13
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| Zusammenfassung |
Die Erfindung betrifft eine Wurfscheibe, bestehend aus einer Mischung aus zumindest einem Bindermaterial aus Tonmineralien und einem Füllermaterial, wobei die Wurfscheibe im Bindermaterial montmorillonitische Tonmaterialien sowie als Füllermaterial mindestens eine feinkörnige, nicht-plastische Komponente enthält und im wesentlichen umweltunschädliche und/oder abbaubare Komponenten aufweist. Weiterhin wird ein Verfahren zur Herstellung von Wurfscheiben beschrieben, insbesondere von Wurfscheiben gemäß Anspruch 1, bei dem die Form der Wurfscheibe aus einem Gemisch von Bindermaterial aus montmorillonitischen Tonmaterialien und einem Füllermaterial in einem plastischen Formgebungsverfahren geformt und nach dem Formen die Wurfscheibe einem Trocknungsvorgang bei einer derart erhöhten Temperatur unterworfen wird, daß eine Wasserreabsorption der montmorillonitischen Tonmaterialien irreversibel unterbunden wird.
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| Beschreibung[de] |
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Die Erfindung betrifft eine Wurfscheibe gemäß Oberbegriff des Anspruches
1 sowie ein Verfahren zur Herstellung von Wurfscheiben gemäß Oberbegriff des Anspruches
12.
Wurfscheiben werden in grundsätzlich bekannter Weise verwendet, um
etwa beim Tontaubenschießen als Ziel die Reaktionsfähigkeit und die Treffsicherheit
des Schützen zu schulen und zu testen. Derartige Wurfscheiben sind weitgehend genormt
und werden mit katapultähnlichen Geräten am Schießstand in sehr kurzer Zeit auf
hohe Geschwindigkeiten beschleunigt und so in die Umgebung des Schützen geschleudert.
Der Schütze hat dabei als Aufgabe, mit üblicherweise schrotartiger Munition die
Wurfscheibe während ihres Fluges zu treffen und zu zerstören. Hierbei soll die Wurfscheibe
bei einem Treffer in eine Anzahl kleinerer Teile oder Partikel zerplatzen, um so
den Treffer sicher anzeigen zu können. Die Fragmente der Wurfscheibe fallen dabei
üblicherweise zu Boden und verbleiben an dem Ort des Niederfallens.
Die Problematik bei den bisher verfügbaren Wurfscheiben besteht darin,
daß diese nach ihrer Zerstörung (idealerweise Zersplitterung) weiträumig in der
Landschaft um den Schießstand herum verstreut sind. Das Einsammeln und Entsorgen
der zersplitterten Wurfscheiben ist schwierig und unwirtschaftlich. Zusätzlich erfolgt
das Schießen mit Wurfscheiben häufig auf Schießständen, die in Wasserschutzgebieten
liegen und die daher noch höhere Umweltauflagen als sonstige Umgebungen aufweisen.
Abgesehen davon wird aber auch eine unkontrollierte Anwendung in herkömmlichem,
oftmals privatem Gelände praktiziert. Von den heute handelsüblichen Wurfscheiben,
deren Werkstoffe umweltbelastende Substanzen und Schwermetalle enthalten, geht dabei
ein erhöhtes Risiko für Bodenbelastungen aus.
Die Zusammensetzung von heute handelsüblichen Wurfscheiben besteht
allgemein aus einem Bindermaterial und einem Füllermaterial. Das Füllermaterial
ist normalerweise ein unplastisches, natürliches Material wie Steinmehl, Kreidemehl,
Kalkstein, Ton, Flugasche, Quarz und Mischungen aus solchen Materialien. Das Bindermaterial
ist in der Regel ein Bitumen wie Steinkohlepech oder Erdölpech mit einem Gehalt
von bis zu 40 Gewichtsanteilen in der Zusammensetzung. Der Nachteil bei derartigen
Bindermaterialien liegt in der Abgabe von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen
(PAK) in die Umwelt nach dem Gebrauch, wobei der Gehalt an PAK bis zu 25.000 ppm
(Summe der 16 EPA-PAK) sein kann. PAK-haltige Wurfscheiben führen darüber hinaus
zu erhöhten Kosten für die Entsorgung an Schießständen und zu Analysekosten bzgl.
des PAK-Gehalts in der Umgebung des Schießstandes.
Andere umweltbelastende Substanzen, die in den Bindermaterialien vorkommen,
sind Schwefel und Schwefelderivate, die zu einem Anteil von 30–40 % in der
Zusammensetzung enthalten sind. Derartige Wurfscheiben sind aus der GB
2 337 003 A bekannt und weisen als Bindemittel rekristallisierten Schwefel
auf in monoklinen oder rhombischen Kristallgittern. Auch diese Bindermaterialien
verhalten sich in der Umwelt schädlich.
Viele der verwendeten Füller wie z.B. Calciumsulfat xH2O enthalten
lösliches Sulfat (siehe hierzu WO95/07245 A1)
Daneben werden Wurfscheiben auch vermehrt Kunstharze, Polymere, Salzmischungen
und chemische Plastifizierer zugesetzt wie z.B. Polyglycol (siehe hierzu
US 4 124 550 und WO96/20388A1).
Durch die auch angewendeten Füllermaterialien wie Flugasche (siehe
US 4 568 087) können sogar PAK und/oder
Schwermetall wie Blei, Kupfer, Zink, Molyden, Quecksilber und Antimon im Bodenwasser
ausgelaugt werden.
Neben obengenannten Bindermaterialien und Füllermaterialien werden
aber auch biologisch abbaubare Stoffe verwendet (siehe hierzu DE
101 06 937 A1). Auch die Hersteller von Wurfscheiben, die mit einer schadstoffarmen
Menge an PAK, von 0 bis 30 ppm arbeiten, können diesen Gehalt nicht immer gewährleisten.
Außerdem ist die Qualität solcher Wurfscheiben oftmals mangelhaft.
Beinahe alle diese Additive als Bindermaterialien und Füllermaterialien
in handelsüblichen Wurfscheiben sind mehr oder weniger umweltbelastend. Das bedeutet,
daß die hieraus resultierende Bodenbelastung durch zerschossene Wurfscheiben zum
Nachteil von Flora und Fauna über die vertretbaren Grenzen hinausgeht. Entscheidend
für die Belastung der Umwelt ist vor allem die Löslichkeit und Bioverträglichkeit
der gelösten Stoffe.
Die Herstellung von Wurfscheiben erfolgt, abhängig von der jeweiligen
Zusammensetzung, in einem kalten oder warmen plastischen Zustand.
Die Formgebung erfolgt dabei häufig in einem Preßverfahren (sog. "moulding").
Bitumen oder Kunststoffbinder in der Masse werden bei höheren Temperaturen geformt
und anschließend gekühlt. Salzbinder oder nicht plastische Füllermaterialien in
der Masse werden oft im kalten Hochdruck-Preß-Verfahren eingesetzt.
Natürlich vorkommende plastische Mineralien wie z.B. Ton werden in
trockenem Zustand (Wassergehalt z.B. kleiner als 10 % Gewichtsprozent) mit Hochdruck
oder in plastischem Zustand bei niedrigem Druck im kalt-plastischen Rundpreßverfahren
geformt (so z.B. bei der Herstellung von Gebrauchskeramik).
Der Einsatz von Ton oder einer Mischung mit ein oder mehr nicht-plastischen
Komponenten als Füllermaterial ist bekannt mit Bindermaterialien verschiedener Art
wie z.B. Ligninsulfonat (Derivat aus Holzharz). Zusammen mit Ligninsulfonat
als Bindermaterial werden auch Füllermaterial wie Quarz eingesetzt. In der
GB 2363722 A wird ein Verfahren beschrieben,
das sich auf die Herstellung in einem Trockenpreßverfahren bezieht. Als Bindermaterial
ist Lignosulfonat mit einem Gehalt von ca. 5%, als Füllermaterial ist eine Mischung
von Ton und Calciumcarbonat angegeben. Als Plastifizierer wird z.B. ein Polyglycol
dazugegeben. Diese Zusammensetzung ist nur für ein Trocken-Pressverfahren geeignet.
Das Lignosulfonat soll sich bei einem hohen Druck mit dem Calciumcarbonat verbinden
und so ein stabiles Produkt bilden.
In der US 5649707 wird ein
Verfahren beschrieben, das sich auf die Herstellung von Wurfscheiben in einem plastischen
Formgebungsverfahren bezieht. Die Masse enthält mindestens 50% Ton und 5–50%.
Calciumcarbonat. Es wird angegeben, daß sich mit Lignosulfonat (Sulfitablauge) die
Plastizität verbessere.
Für ein gute Zersplitterung einer angeschossen Wurfscheibe sollte
deren Material eine bestimmte Fragilität aufweisen, die z.B. einer kristallinen
Struktur wie beim Glas ähnlich ist. Die Fragilität wird durch eine gewisse Spannung
im Material erreicht. Dabei ist es wichtig, daß mit nur einer einzelnen Schrotkugel
das Zersplittern der Wurfscheibe eingeleitet wird. Bitumen, das in konventionellen
Wurfscheiben zum Einsatz kommt, verhält sich in kaltem Zustand wie ein fragiles
Material, ist aber zu fest, um bei Treffern zu einer guten Zersplitterung zu führen.
Der Einsatz von nicht plastischen Füllern wie z.B. Kalkstein ist ein guter Initiator
für die internen Bruchstellen an derartigen Wurfscheiben.
Weiterhin sind aus der DE 40
33 730 A1 keramische Massen bekannt, die Doppelschichthydroxidverbindungen
aufweisen.
Wasserdampf und Temperatur sind aber wichtige Parameter, die die Fragilität
von Bitumen beeinflussen. Kälte führt zu einer unerwünscht starken Fragilität, während
Wärme zu einem plastischen, nicht fragilen Material führt. Daraus resultiert, daß
bei zu fragilem Material bereits die Bruchrate in der Wurfmaschine sehr hoch ist.
Bei mangelnder Fragilität z.B. aufgrund höherer Temperaturen kommt es häufig zu
einem Durchschuß statt zur Zersplitterung.
Die Verwendung von ungebranntem Ton in sog. kristalliner Schichtformung
für Wurfscheiben reicht für die Herstellung eines benötigten fragilen Materials
nicht aus, weil im Kristallgitter ein bestimmter Gehalt an reversiblem Kristallwasser
zwangsläufig vorhanden ist. Die Lagerfähigkeit derart hergestellter Wurfscheiben
wird damit sehr eingeschränkt. Beim üblichen Brennen von Ton bei hohen Temperaturen
über z.B. 900 Grad Celsius werden allerdings die Kristallgitter zerstört und formen
ein neues Gitter, wodurch die Fragilität stark reduziert ist.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Wurfscheibe
der gattungsgemäßen Art derart weiterzubilden, daß die Wurfscheibe nicht-toxisch
ist und in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben keine Bodenbelastung hervorrufen
kann und gleichwohl eine gute Bruchfreudigkeit (Fragilität) und ein sicheres Flugverhalten
bei einer weitgehenden klimatischen Unabhängigkeit der physikalischen Eigenschaften
im Hinblick auf die Lagerfähigkeit der Wurfscheiben aufweist.
Die Lösung der erfindungsgemäßen Aufgabe ergibt sich hinsichtlich
der Wurfscheibe aus den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruches 1 und hinsichtlich
des Herstellungsverfahrens aus den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruches 12 jeweils
in Zusammenwirken mit den Merkmalen des zugehörigen Oberbegriffes. Weitere vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
Die Erfindung geht aus von einer gattungsgemäßen Wurfscheibe, die
aus einer Mischung aus zumindest einem Bindermaterial aus Tonmineralien und einem
Füllermaterial besteht. Eine derartige gattungsgemäße Wurfscheibe wird dadurch weiter
entwickelt, daß die Wurfscheibe im Bindermaterial montmorillonitische Tonmineralien
sowie als Füllermaterial mindestens eine feinkörnige, nicht-plastische Komponente
enthält und im wesentlichen umweltunschädliche und/oder abbaubare Komponenten aufweist.
Eine derartige Wurfscheibe ist in bevorzugter Weise in einem gewöhnlichen keramischen
Herstellungs- und Formgebungsvorgang zu produzieren und besteht aus einem feinteilchenhaltigen
mineralischen Füllermaterial und feinteilchenförmigem Ton als Bindermaterial, der
einen bestimmten Gehalt an montmorillonitischen Tonmineralien (hierunter sind alle
sog. Quellminerale aus der Reihe der Smectiten zu verstehen) in die Zusammensetzung
einbringt. Die gesamte Zusammensetzung ist schadstofffrei und hat hervorragende
Eigenschaften in Bezug auf die Verarbeitung und die Brucheigenschaften sowie die
Festigkeit beim Gebrauch und die umweltfreundliche Abbaubarkeit nach dem Gebrauch.
Die Besonderheit der montmorillonitischen Tonmineralien ist ihr Aufbau,
der aus mehreren Schichten besteht, und die daraus resultierende sog. innerkristalline
Quellung, die je nach Wasserangebot eindimensional, senkrecht zu den Schichtebenen
erfolgt. Beim Trocknen dieses Materials entspricht der Quellung eine ebenso starke
Schwindung. Montmorillonit kann bis zum zehnfachen seines eigenen Gewichts an Wasser
aufnehmen. Die Größe der montmorillonitischen Tonmineralien beträgt etwa 2000 A
im Durchmesser, während die Dicke der Schichten eines Kristalls bei ungefähr 10
A liegt, wobei mehrere Schichten zu einem Kristall gehören. Montmorillonit
kommt meist als Spurmineral in Ton vor, ist aber auch als Hauptmineral in Ton zu
finden, z.B. ist Montmorillonit das Hauptmineral der Bentonite. In feuchtem und
trockenem Zustand ist Montmorillonit ein hervorragender Binder mit einer hohen Bindefähigkeit
für unplastische Rohstoffe und ein sehr guter Plastifizierer für Massen.
Hierbei kann in vorteilhafter Ausgestaltung die Wurfscheibe als montmorillonitische
Tonmineralien Quellminerale aus der Reihe der Smectiten, vorzugsweise Montmorillonit,
Bentonit, Beidelit, Nontronit, Hektorit, Saponit, Saukonit und/oder Tonmineralien
mit vergleichbaren Gitterstrukturen aufweisen. Derartige montmorillonitische Tonmineralien
weisen im wesentlichen gleiche oder ähnliche der hier hauptsächlich geforderten
Eigenschaften auf und können je nach regionalem Vorkommen für die Verarbeitung herangezogen
werden, um längere Transportwege der Ausgangsmaterialien zu vermeiden.
Von Vorteil ist es, wenn der Gehalt der Wurfscheibe an montmorillonitische
Tonmineralien bezogen auf die Masse mindestens 3 Gewichtsprozent beträgt, vorzugsweise
zwischen 5 und 10 Gewichtsprozent. Hierbei wird in diesem angegebenen Anteilsbereich
ein sinnvoller Kompromiß zwischen der Plastizität und der Formstabilität der Wurfscheiben
bei der Verarbeitung hergestellt, um z.B. mit einem Gehalt von 5 Gewichtsprozent,
eine Masse von nicht plastischem Kalkstein zu plastifizieren. Gleichzeitig reicht
die geforderte Bindefähigkeit aus, um eine formstabile Wurfscheibe auch in feuchtem
Zustand herzustellen.
Vorteilhafte Auswirkungen auf die Eigenschaften der Wurfscheiben hat
es, wenn die montmorillonitischen Tonmineralien feinteilchenförmig im Gemisch der
Materialien der Wurfscheibe verteilt sind. Hierdurch lassen sich gleichmäßig über
den ganzen Querschnitt der Wurfscheibe verlaufende Eigenschaften des Gemisches erreichen,
die eine homogene Materialzusammensetzung erlaubt.
Bevorzugt ist die nicht-plastische Komponente der Wurfscheibe aus
feinteilchenförmigen natürlichen und/oder synthetischen Materialien gebildet. Hierbei
kann je nach den Vorkommen am Ort der Verarbeitung der Wurfscheiben unterschiedliches
Material zum Einsatz kommen, ohne daß die Eigenschaften der Wurfscheibe sich grundsätzlich
von den Eigenschaften mit anderen nicht-plastischen Komponenten verarbeiteter Wurfscheiben
unterscheiden.
In einer weiteren Ausgestaltung kann die nicht-plastische Komponente
der Wurfscheibe im wesentlichen aus natürlichen Mineralien, vorzugsweise Kreidemehl,
oder aus Mischungen von feinteilchenförmigen Mineralien, feingemahlenem Naturstein
und/oder calcinierten Mineralien besteht. Hierbei liegen die mit der Erfindung erzielten
Vorteile darin, daß man in Übereinstimmung mit den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben
als Füllermaterial wahlweise Mischungen von feinteilchenförmigen Mineralien, feingemahlenem
Naturstein oder calcinierten Mineralien verwenden kann. Je nach den örtlichen Vorkommen
und Möglichkeiten können auch entsorgungsfähige Stoffe genutzt werden.
Hinsichtlich der Formungs- und Verarbeitungseigenschaften der Wurfscheiben
ist es von Vorteil, wenn die nicht-plastische Komponente eine Körnung von kleiner
als 50 Mikrometer aufweist. Hiermit läßt sich eine hohe Homogenität auch dieses
Materials der Wurfscheibe erreichen.
Weiterhin ist es denkbar, daß dem Material der Wurfscheibe Abmagerungsmittel
zugefügt sind, um die Trockenschwindung der Wurfscheibe nach der Formung zu reduzieren.
Derartige Zusätze kommen insbesondere dann zum Einsatz, wenn die montmorillonitischen
Tonmineralien als akzessorische, d.h. bei der Gewinnung schon vorhandene Beimengung
in Ton vorliegt. Solcher Ton erreicht aufgrund der Eigenschaften der montmorillonitischen
Tonmineralien in der Regel eine höhere Formbarkeit und Bindefähigkeit gegenüber
normalem Ton. Ein gewisser Nachteil ist hierbei aber die höhere Trockenschwindung
dieser Materialien im Trocknungsprozeß. Aus diesem Grunde ist der Trocknungsprozeß
bei der Verarbeitung problematisch und es kann zu großen Trockenspannungen im Material
kommen, die wiederum zu höheren Bruchraten oder bestimmten anderen Fehlern in der
Struktur der verarbeiteten Wurfscheiben führen können. Daher sind in diesem Fall
Abmagerungsmittel erforderlich, um die Trockenschwindung zu reduzieren. Diese Möglichkeit
des Einsatzes derartiger Abmagerungsmittel ist aber dadurch begrenzt, daß die Bindefähigkeit
und die Formbarkeit der Masse der Wurfscheiben stark reduziert werden.
Für die Verwendung der Wurfscheiben in den Katapulteinrichtungen ist
es von Vorteil, wenn die Wurfscheibe einem Seitendruck von mindestens 4 bar standhält,
vorzugsweise einem Seitendruck zwischen 6,5 und 8 bar. Hierdurch ist die Festigkeit
der Wurfscheiben bei der hohen Beschleunigung in derartigen Katapulteinrichtungen
gewährleistet, da durch die kurzzeitige starke Beschleunigung ansonsten die Ausschußrate
schon zerstört geschleuderter Wurfscheiben zu hoch würde.
Von Vorteil für die Herstellung der Wurfscheiben ist es, daß das Material
der Wurfscheibe durch die Verwendung der montmorillonitischen Tonmineralien nach
der Formgebung nach dem Herausnehmen aus der Form formstabil ist. Dies bedeutet,
daß beim Entfernen der Wurfscheibe aus der Form keine Formveränderungen mehr stattfinden.
Die Erfindung gemäß Anspruch 12 betrifft ferner ein Verfahren zur
Herstellung von Wurfscheiben, insbesondere von Wurfscheiben gemäß Anspruch 1, bei
dem die Form der Wurfscheibe aus einem Gemisch von Bindermaterial aus montmorillonitischen
Tonmineralien und einem Füllermaterial in einem Formgebungsverfahren geformt und
nach dem Formen die Wurfscheibe einem Trocknungsvorgang bei einer
derart erhöhten Temperatur unterworfen wird, daß eine Wasserreabsorption der montmorillonitischen
Tonmineralien irreversibel unterbunden wird. Dieses Trocknungsverfahren wird dazu
durchgeführt, daß der Nachteil der eingesetzten montmorillonitischen Tonmineralien
(Quellwasseraufnahme und Zerstörung der Matrix) beseitigt werden kann, so daß alle
für den vorliegenden Einsatzzweck vorteilhaften physikalischen Eigenschaften und
nach der Trocknung auf lange Zeit erhalten bleiben.
Normaler Ton besitzt eine Trockenbiegefestigkeit von ca. 2 bis 6
N/mm
2, abhängig von der Körnung und der Art der
Mineralzusammensetzung. Im Ton kann die Trockenbiegefestigkeit stark mit Hilfe des
Gehaltes an mineralischem Montmorillonit oder dgl. montmorillonitischen Tonmineralien
verändert werden. Durch den hohen Gehalt an Feinstmineral ist Montmorillonit ein
guter Plastifizierer und ein gutes Bindemittel. Der Einsatz von montmorillonitischen
Tonmineralien ist wesentlich für die Eigenschaften der derart hergestellten Wurfscheibe,
weil damit zum einen eine plastische Formgebung unter normalem oder höherem Druck
von nicht plastischen Materialen oder Mineralien in einem normalen keramischen Verfahren
möglich ist und zum anderen so die Formstabilität und Trockenbiegefestigkeit der
Wurfscheibe gezielt beeinflußt werden kann.
Von Vorteil ist es hierbei, wenn die erhöhte Temperatur bei dem Trocknungsvorgang
das in den montmorillonitischen Tonmineralien enthaltene Kristallwasser austreibt.
Insbesondere, wenn die erhöhte Temperatur bei dem Trocknungsvorgang mindestens 400
Grad Celsius, besonders vorteilhaft zwischen 400 und 750 Grad Celsius beträgt, hat
sich herausgestellt, daß die Reduzierung der Trockenbiegefestigkeit, die durch eine
unvermeidliche Wasseraufnahme nach der Herstellung der Wurfscheibe verursacht wird,
irreversibel vermieden werden kann, wobei gleichzeitig eine Erhaltung oder sogar
Erhöhung der Fragilität der Wurfscheibe im Hinblick auf die Zerstörung bei einem
Treffer durch verschossene Munition erreicht werden kann. Damit sind derart hergestellte
Wurfscheiben auch über einen langen Zeitraum und unter normalen Lagerungsbedingungen
lagerbar, ohne daß es durch schleichende Feuchtigkeitsaufnahme zu einer Verringerung
der Trockenbiegefestigkeit kommt und die Wurfscheiben dadurch in ihren Eigenschaften
verschlechtert werden oder deren Benutzung sogar unmöglich gemacht wird.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß die erhöhte Temperatur und
die Expositionszeit der Wurfscheibe bei dem Trocknungsvorgang derart eingestellt
werden kann, daß die Wurfscheibe nach dem Trocknungsvorgang keine Rückstände von
Schadstoffen wie Öl oder Ölresten, die beim Formungsvorgang der Wurfscheibe als
Schmiermittel eingesetzt werden, aufweist. Hierdurch kann aus dem Herstellprozeß
verschlepptes Öl oder dgl. sicher aus der fertigen Wurfscheibe entfernt werden,
das ansonsten wiederum eine geringe, aber sonst unvermeidbare Umweltbelastung nach
dem Zerschießen der Wurfscheiben darstellen würde.
Eine vorteilhafte Eigenschaft des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht
darin, daß die montmorillonitischen Tonmineralien bei der Formgebung als Bindermaterial
und Plastifizierer wirken, wobei nach einem anschließenden Trocknungsprozeß die
Wirkung der montmorillonitischen Tonmineralien als Bindermaterial der Wurfscheibe
erhalten bleibt. Diese doppelte Wirkung der montmorillonitischen Tonmineralien trägt
deutlich zu den guten Herstelleigenschaften sowie den Gebrauchseigenschaften der
Wurfscheiben bei.
Besonders vorteilhaft ist es, daß die Wahl der erhöhten Temperatur
bei der Trocknung die Bruchfreudigkeit der Wurfscheibe nach der Trocknung beeinflußt.
Hierdurch kann durch die gewählte Temperatur bei der Trocknung die Bruchfreudigkeit
der Wurfscheibe gezielt eingestellt werden, da die Temperatur die Eigenspannungen
der Wurfscheiben nach dem Trocknen direkt beeiflussen.
Weiterhin kann zu der gezielten Beeinflussung des Bruchverhaltens
der Wurfscheiben beitragen, daß Kreidemehl oder andere nicht plastische Materialen
eine Struktur mit hervorragender Bruchfreudigkeit der Wurfscheibe ergeben. Hierbei
ist die Bruchfreudigkeit der Wurfscheibe abhängig vom Gehalt und der Art der nicht
plastischen Komponenten, und der typischen Trockenbiegefestigkeit der Zusammensetzung.
Für die Herstellung der Wurfscheiben erweist es sich als deutlicher
Vorteil, daß als plastisches Formgebungsverfahren für die Wurfscheibe Rotationspreßverfahren
mit zueinander relativ drehbaren Formteilen angewendet werden können, die aus der
Herstellung von Gebrauchskeramik umfangreich bekannt und sicher beherrschbar sind.
Durch die erreichte Formbarkeit der beschriebenen Materialien für die Wurfscheiben
ist ein sog. Stanzpreßverfahren einsetzbar, das in nahezu allen Fertigungsstätten
für konventionelle Gebrauchskeramik zum Einsatz kommt, wodurch die Herstellung der
Wurfscheiben mit ohnehin in Fertigungsstätten für konventionelle Gebrauchskeramik
vorhandenen Einrichtungen, insbesondere Formmaschinen und Trocknungseinrichtungen,
durchgeführt werden kann, ohne eine Änderung der vertrauten Arbeitsprozesse vornehmen
zu müssen.
Hierbei wird eine Mischung aus Ton und eventuell Abmagerungssubstanzen
in einer plastischen Formgebung so lang geformt, bis eine Wurfscheibenform vorliegt.
Dieses Produkt ist aufgrund der Drehbewegung der beiden Formteile zueinander in
aller Regel symmetrisch. Die plastische Formgebung ist hierbei ein Prozeß, bei dem
das Material sich bei normaler Feuchtigkeit unter relativ geringem Druck auf die
Masse formen läßt. Wichtig ist dabei, daß der Körnungsaufbau bei der Massenzusammensetzung
der Wurfscheiben für eine derartige Formgebung geeignet sein muß.
Eine andere Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor,
daß als plastisches Formgebungsverfahren für die Wurfscheibe ein Trockenpreßverfahren
mit einer Formgebung unter Druck durch zueinander statische Formteile und reduziertem
Wassergehalt angewendet wird. Bei diesem sog. Trockenpreßverfahren, bei dem auch
bei niedrigem Wassergehalt unter normalem Druck keine Formbarkeit vorhanden ist,
wird bei höherem Druck trotz niedrigem Wassergehalt die Formbarkeit erreicht. Die
zu verarbeitende Masse der Wurfscheiben enthält dabei nur wenig Wasser, was aber
ausreicht, um unter Druck eine plastische Masse zu werden. Der Vorteil dieses Verfahren
besteht darin, daß die Wurfscheiben dann auch asymmetrisch sein können und oftmals
sofort formstabil sind. Die hierfür verwendete Form besteht auch hier aus zwei Teilen,
beide werden allerdings linear zueinander bewegt und aufeinander gepreßt.
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| Anspruch[de] |
- Wurfscheibe, bestehend aus einer Mischung aus zumindest einem Bindermaterial
aus Tonmineralien und einem Füllermaterial, dadurch gekennzeichnet, daß die
Wurfscheibe im Bindermaterial montmorillonitische Tonmineralien sowie als Füllermaterial
mindestens eine feinkörnige, nicht-plastische Komponente enthält und im wesentlichen
umweltunschädliche und/oder abbaubare Komponenten aufweist.
- Wurfscheibe gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wurfscheibe
als montmorillonitische Tonmineralien Quellminerale aus der Reihe der Smectiten,
vorzugsweise Montmorillonit, Bentonit, Beidelit, Nontronit, Hektorit, Saponit, Saukonit
und/oder Tonmineralien mit vergleichbaren Gitterstrukturen aufweist.
- Wurfscheibe gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Gehalt der Wurfscheibe an montmorillonitische Tonmineralien bezogen auf
die Masse mindestens 3 Gewichtsprozent beträgt, vorzugsweise zwischen 5 und 10 Gewichtsprozent.
- Wurfscheibe gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die montmorillonitischen Tonmineralien feinteilchenförmig im Gemisch der Materialien
der Wurfscheibe verteilt sind.
- Wurfscheibe gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die montmorillonitischen Tonmineralien die Bruchfreudigkeit der Wurfscheibe
bestimmen.
- Wurfscheibe gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die nicht-plastische Komponente der Wurfscheibe aus feinteilchenförmigen natürlichen
und/oder synthetischen Materialien gebildet ist.
- Wurfscheibe gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die nicht-plastische
Komponente der Wurfscheibe im wesentlichen aus natürlichen Mineralien, vorzugsweise
Kreidemehl, oder aus Mischungen von feinteilchenförmigen Mineralien, feingemahlenem
Naturstein und/oder calcinierten Mineralien besteht.
- Wurfscheibe gemäß einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet,
daß die nicht-plastische Komponente eine Körnung von kleiner als 50 Mikrometer aufweist.
- Wurfscheibe gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß dem Material der Wurfscheibe Abmagerungsmittel zugefügt sind, um die Trockenschwindung
der Wurfscheibe nach der Formung zu reduzieren.
- Wurfscheibe gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Wurfscheibe einem Seitendruck von mindestens 4 bar standhält, vorzugsweise
einem Seitendruck zwischen 6,5 und 8 bar.
- Wurfscheibe gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß durch die montmorillonitischen Tonmineralien das Material der Wurfscheibe nach
der Formgebung nach dem Herausnehmen aus der Form formstabil ist.
- Verfahren zur Herstellung von Wurfscheiben, insbesondere von Wurfscheiben
gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Form der Wurfscheibe aus einem
Gemisch von Bindermaterial aus montmorillonitischen Tonmineralien und einem Füllermaterial
in einem plastischen Formgebungsverfahren geformt und nach dem Formen die Wurfscheibe
einem Trocknungsvorgang bei einer derart erhöhten Temperatur unterworfen wird, daß
eine Wasserreabsorption der montmorillonitischen Tonmineralien irreversibel unterbunden
wird.
- Verfahren gemäß Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die erhöhte
Temperatur bei dem Trocknungsvorgang das in den montmorillonitischen Tonmineralien
enthaltene Kristallwasser austreibt.
- Verfahren gemäß Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die erhöhte
Temperatur bei dem Trocknungsvorgang mindestens 400 Grad Celsius beträgt.
- Verfahren gemäß Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß die erhöhte
Temperatur bei dem Trocknungsvorgang zwischen 400 und 750 Grad Celsius
beträgt.
- Verfahren gemäß einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet,
daß die erhöhte Temperatur und die Expositionszeit der Wurfscheibe bei dem Trocknungsvorgang
derart eingestellt werden, daß die Wurfscheibe nach dem Trocknungsvorgang keine
Rückstände von Schadstoffen wie Öl oder Ölresten, die beim Formungsvorgang der Wurfscheibe
als Schmiermittel eingesetzt werden, aufweist.
- Verfahren gemäß einem der Ansprüche 12 bis 16, dadurch gekennzeichnet,
daß die montmorillonitischen Tonmineralien bei der Formgebung als Bindermaterial
und Plastifizierer wirken, wobei nach einem anschließenden Trocknungsprozeß die
Wirkung der montmorillonitischen Tonmineralien als Bindermaterial der Wurfscheibe
erhalten bleibt.
- Verfahren gemäß einem der Ansprüche 12 bis 17, dadurch gekennzeichnet,
daß die Trocknung bei der erhöhten Temperatur eine Veränderung der Trockenbiegefestigkeit
der Wurfscheibe nach der Trocknung durch Aufnahme von Feuchtigkeit, insbesondere
von Luftfeuchtigkeit verhindert.
- Verfahren gemäß einem der Ansprüche 12 bis 18, dadurch gekennzeichnet,
daß die Wahl der erhöhten Temperatur bei der Trocknung die Bruchfreudigkeit der
Wurfscheibe nach der Trocknung beeinflußt.
- Verfahren gemäß einem der Ansprüche 12 bis 19, dadurch gekennzeichnet,
daß als plastische Formgebungsverfahren für die Wurfscheibe Rotationspreßverfahren
mit zueinander relativ drehbaren Formteilen angewendet werden.
- Verfahren gemäß einem der Ansprüche 12 bis 19, dadurch gekennzeichnet,
daß als plastische Formgebungsverfahren für die Wurfscheibe Trockenpreßverfahren
mit einer Formgebung unter Druck durch zueinander statische Formteile und reduziertem
Wassergehalt angewendet werden.
- Verfahren gemäß einem der Ansprüche 12 bis 21, dadurch gekennzeichnet,
daß die Verarbeitung der Wurfscheiben mit herkömmlichen Einrichtungen zur Herstellung
von herkömmlichen Keramikartikeln, insbesondere Formmaschinen und Trocknungseinrichtungen
durchgeführt wird.
Es folgt kein Blatt Zeichnungen
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