Diese Anmeldung beruht darauf, dass gefunden wurde, dass hochschmelzende
isotrope Peche in solvatisierte isotrope Peche umgewandelt werden können, wodurch
der effektive Schmelzpunkt des Peches herabgesetzt wird. Die nach dem beschriebenen
Verfahren hergestellten solvatisierten Peche können zu Fasern versponnen werden,
die nur eine geringe oder keine Stabilisierungsbehandlung erfordern.
Verfahren zum Verspinnen von traditionellen nicht-solvatisierten isotropen
Pechen sind allgemein bekannt. Derzeit ist die Firma Kureha Chemical Industry Co.
der führende Hersteller mit einer Kapazität von 900 Tonnen/Jahr (914 tons/year).
Zu weiteren Herstellern gehören Ashland Oil Co. und Kawasaki Steel Company.
Isotrope Kohlenstofffasern (Kohlefasern bzw. Carbonfasern) werden
üblicherweise als Verstärkung für Betonbauten verwendet. Diesbezüglich müssen Kohlenstofffasern
mit Stahl und Glasfasern konkurrieren. Es ist daher erwünscht, Kohlenstofffasern
zu den niedrigst-möglichen Kosten zur Verfügung zu stellen. In dem Verfahren zur
Herstellung von Kohlenstofffasern ist eine der am langsamsten ablaufenden und kostspieligsten
Stufen die Stabilisierung (in der Regel durch Oxidation) der Faser unmittelbar nach
dem Spinnen vor der Carbonisierung der Faser. Die Stabilisierungsstufe ist erforderlich,
um das Schmelzen der Faser während des Carbonisierungsverfahrens auszuschließen,
das bei Temperaturen von höher als 350°C und häufig von höher als 1000°C
abläuft. Um die Dauer und die Kosten dieser Stufe zu verringern, werden vorzugsweise
Fasern aus hochschmelzenden Pechen hergestellt. Vor der vorliegenden Erfindung waren
jedoch solche Peche, die oberhalb der Spinntemperatur schmolzen, nicht verwendbar.
Eines der Ziele der vorliegenden Erfindung besteht deshalb darin,
ein Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern bereitzustellen, die keine Oxidation
vor der Stabilisierung erfordern. Außerdem betrifft die vorliegende Erfindung ein
solvatisiertes isotropes Pech, das eine Fließ- bzw. Fluidtemperatur aufweist, die
um mindestens 40 °C niedriger ist als der Schmelzpunkt des gleichen Peches im
nicht solvatisierten Zustand. Außerdem betrifft die vorliegende Erfindung ein solvatisiertes
Pech, das zu einer Faser versponnen, von flüchtigen Bestandteilen befreit und oxidativ
stabilisiert werden kann bei einer Temperatur, die gleich der Spinntemperatur oder
höher als diese ist.
Definitionen
Für die Zwecke der vorliegenden Beschreibung und Patentansprüche gelten
die folgenden Ausdrücke und Definitionen:
Der hier verwendete Ausdruck "Pech" steht für Substanzen, welche die
Eigenschaften von Pechen haben, die als Nebenprodukte bei verschiedenen industriellen
Herstellungsverfahren, erhalten werden, wie z. B. natürlicher Asphalt, Petrolpeche
und Schweröl, das als Nebenprodukt in der Naphtha-Crackungs-Industrie erhalten wird,
und Peche mit einem hohen Kohlenstoff-Gehalt, die aus Kohle erhalten werden.
Unter dem Ausdruck "Petrol-Pech oder Bitumen" ist das kohlenstoffhaltige
Rückstandsmaterial zu verstehen, das bei der katalytischen und thermischen Crackung
von Erdöldestillaten oder -rückständen erhalten wird.
Unter dem Ausdruck "Petrolkoks" ist der feste unschmelzbare Rückstand
zu verstehen, der bei der thermischen Hochtemperatur-Behandlung von Petrolpech (Bitumen)
erhalten wird.
Unter dem Ausdruck "isotropes Pech" ist ein Pech zu verstehen, das
Moleküle aufweist, die nicht zu einem optisch geordneten Flüssigkristall ausgerichtet
sind.
Unter dem Ausdruck "anisotropes Pech" oder "Mesophasen-Pech" ist ein
Pech zu verstehen, das Moleküle umfasst, die aromatische Strukturen aufweisen, die
durch Wechselwirkung miteinander assoziiert sind unter Bildung von optisch geordneten
Flüssigkristallen, die je nach Temperatur flüssig oder fest sind.
Unter "Mesogenen" sind Moleküle zu verstehen, die beim Schmelzen oder
Fusionieren Mesophasen-Pech bilden und ein breites Gemisch von großen aromatischen
Molekülen umfassen, die beim Erhitzen umgelagert werden zur Bildung von Flüssigkristallen.
Unter "Pseudomesogenen" sind Materialien zu verstehen, die potentiell
Mesophasen-Vorläufer darstellen, die jedoch normalerweise beim Erhitzen keine optisch
geordneten Flüssigkristalle bilden, sondern beim Erhitzen direkt einen festen Koks
bilden, sodass weder ein Schmelzen noch ein Fusionieren sichtbar wird. Der für ein
solvatisiertes Pech verwendete Ausdruck "Fludtemperatur bzw. Fließtemperatur" ist
die Temperatur, bei der beim Abkühlen des solvatisierten Peches mit einer Geschwindigkeit
von 1°C/min, ausgehend von einer Temperatur oberhalb seines Schmelzpunktes,
eine Viskosität von 6000 Poise erhalten wird. Wenn der Schmelzpunkt eines solvatisierten
Peches leicht bestimmt werden könnte, wäre er stets niedriger als die Fludtemperatur.
Der Ausdruck "solvatisiertes Pech" steht für ein Pech, das 5 bis 40
Gew.-% Lösungsmittel in dem Pech enthält, das eine Fludtemperatur aufweist, die
um mindestens 40°C niedriger ist als der Schmelzpunkt der Pech-Komponente,
wenn diese nicht mit einem Lösungsmittel assoziiert ist.
Der Ausdruck "Fasern" steht für Fasern mit einer Länge, die ausreicht,
um nützliche Artikel bzw. Gegenstände daraus herzustellen.
Der Ausdruck "orientierte Molekülstruktur" steht für die Ausrichtung
der Mesophasen-Domänen in den daraus hergestellten Kohlenstoff-enthaltenden Artefakten,
wobei die Ausrichtung der Achse des Artefakts entspricht und dem Artefakt Struktureigenschaften
verglichen werden.
Der Ausdruck "Lösungsmittelgehalt" steht, wenn er sich auf solvatisiertes
Pech bezieht, für den Wert, der bestimmt wird durch den Gewichtsverlust bei der
Vakuumabtrennung des Lösungsmittels. Bei dieser Bestimmung wird eine Probe, die
frei von mitgerissenem oder eingeschlossenem Lösungsmittel ist, genau ausgewogen,
zerkleinert und in einem Vakuumofen bei einem Druck von weniger als 5 mm und bei
einer Temperatur von 150°C 1 h lang erhitzt. Der Prozentsatz des Lösungsmittel-Gehaltes
ist der Gewichtsverlust oder die Gewichtsdifferenz multipliziert mit der Zahl 100
und geteilt durch das ursprüngliche Probengewicht.
Unter einer "Oxidation/Stabilisierung" ist das Verfahren zu verstehen,
bei dem ein Pech-Artefakt unschmelzbar oder nicht fusionierbar gemacht wird durch
Umsetzung des Artefakts mit Sauerstoff oder einem Oxidationsmittel.
Die "Erweichungs- und Schmelzpunkte" werden bestimmt durch Erhitzen
einer Probe mit einer Geschwindigkeit von etwa 5°C/min auf einem Heiztisch-Mikroskop
in einer inerten Atmosphäre. Der Erweichungspunkt eines getrockneten Peches ist
das erste Rundwerden von angulären Merkmalen der Pech-Teilchen. Der Schmelzpunkt
eines getrockneten Peches ist die Temperatur, bei der das erste Fließen des erweichten
Peches festzustellen ist.
Kurze Beschreibung der Erfindung
Diese Erfindung betrifft ein solvatisiertes isotropes Pech und ein
Verfahren zur Herstellung eines solvatisierten isotropen Peches. Außerdem betrifft
diese Erfindung billige Kohlenstoff-Artefakte, die einzigartige Stabilisierungseigenschaften
und hohe Schmelztemperaturen aufweisen. Außerdem betrifft die vorliegende Erfindung
Kohlenstofffasern (Kohlefasern bzw. Carbonfasern), in denen irgendwelche vorhandenen
Mesophasen-Domänen entlang der Faserachse nicht hoch verstreckt oder gedehnt sind.
Ein typisches Verfahren zur Herstellung eines solvatisierten isotropen
Peches umfasst das Mischen der Komponenten miteinander zur Bildung einer löslichen
Lösungsmittelphase und einer unlöslichen Pechphase. Vorzugsweise wird das Mischverfahren
bei einer Temperatur und einem Druck durchgeführt, die ausreichen, um alle Phasen
im flüssigen Zustand zu halten, wonach man das System sich absetzen lässt. Während
des Absetzens des Systems tritt eine Phasentrennung auf. Nach der Phasentrennung
wird das solvatisierte isotrope Pech durch Entfernung der flüssigen Lösungsmittelphase
unter Bedingungen, die das solvatisierte isotrope Pech nicht zerstören, gewonnen.
Das erfindungsgemäße solvatisierte isotrope Pech weist eine optische
Anisotropie (Mesophase), bezogen auf das Volumen, von weniger als 40% auf. Es ist
jedoch klar, dass beim Trocknen des Peches zur Entfernung des Lösungsmittels zusätzliche
Mesophase entstehen kann. Außerdem weist das erfindungsgemäße solvatisierte isotrope
Pech eine Fluidtemperatur (Fließtemperatur) auf, die um mindestens 40°C niedriger
ist als der Schmelzpunkt des gleichen Peches ohne Lösungsmittel. Darüber hinaus
enthält das erfindungsgemäße solvatisierte isotrope Pech mindestens 50 Gew.-% von
in Toluol unlöslichen Substanzen. Schließlich ist das erfindungsgemäße solvatisierte
isotrope Pech, je nach Zusammensetzung des Ausgangs-Peches, entweder (1) automatisch
selbst-stabilisierend bei der Entfernung des Lösungsmittels oder (2) kann bei Temperaturen
oberhalb seiner Fluidtemperatur innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeitspannen stabilisiert
werden.
Die vorliegende Erfindung betrifft außerdem ein Verfahren zur Herstellung
von Kohlenstoff-Artefakten aus einem solvatisierten isotropen Pech. Dieses Verfahren
umfasst die Stufen der Herstellung eines solvatisierten isotropen Peches und außerdem
die Stufe der Bildung eines Kohlenstoff-Artefakts. Derzeit ist der gebräuchlichste
Kohlenstoff-Artefakt eine Kohlenstofffaser (Kohlefaser bzw. Carbonfaser). Das Verfahren
zur Herstellung von Kohlenstoff-Artefakten kann gegebenenfalls eine Lösungsmittelaustausch-Stufe
umfassen, in der das zur Herstellung des solvatisierten isotropen Peches verwendete
Lösungsmittel durch ein Lösungsmittel ersetzt wird, das besser geeignet ist für
die Herstellung von Kohlenstoff-Artefakten. Die Stufe der Herstellung eines Artefakts
aus dem solvatisierten Pech kann umfassen das Verspinnen des Peches zu Fasern bei
einer Temperatur unterhalb des Schmelzpunktes des solvatisierten Peches in dem nicht
solvatisierten Zustand.
Schließlich betrifft die vorliegende Erfindung Kohlenstoff-Artefakte,
die einzigartige Selbststabilisierungs- oder verbesserte Stabilisierungseigenschaften
aufweisen. Die am meisten bevorzugten erfindungsgemäßen Kohlenstoff-Artefakte sind
solche Artefakte, die nach dem Verlust des Lösungsmittels nach der Formgebung auf
Carbonisierungstemperaturen erhitzt werden können, ohne zu schmelzen. Die vorliegende
Erfindung betrifft somit Kohlenstoff-Artefakte, die vor der Carbonisierung keine
Stufe zum chemischen Unschmelzbarmachen erfordern.
Alternativ betrifft die vorliegende Erfindung Kohlenstoff-Artefakte,
die bei Temperaturen oberhalb der Fluidtemperatur des solvatisierten Peches stabilisiert
werden können über die Stufen der Artefakt-Herstellung, der Lösungsmittel-Entfernung
und der Artefakt-Stabilisierung. Außerdem ist die Zeit, die zur Stabilisierung der
erfindungsgemäßen Kohlenstoff-Artefakte erforderlich ist, verkürzt im Vergleich
zu bekannten Kohlenstoff-Artefakten. Außerdem besteht die Neigung, dass sich beim
Lösungsmittelverlust nach der Artefakt-Bildung eine eventuelle Mesophase entwickelt,
die in den erfindungsgemäßen Kohlenstoff-Artefakten vorliegt. Da diese Mesophase
sich erst nach der Artefakt-Bildung entwickelt, wird sie durch die Scherkräfte,
die bei der Artefakt-Bildung auftreten, nicht stark gedehnt.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
1 zeigt ein Diagramm, in dem die oxidative
Stabilisierung eines konventionellen Peches mit derjenigen eines solvatisierten
Peches verglichen wird.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung1. Herstellung von solvatisiertem isotropem Pech
Die Herstellung eines solvatisierten isotropen Peches beginnt mit
der Auswahl eines geeigneten Ausgangs-Peches. Peche, die für die erfindungsgemäße
Verwendung geeignet sind, weisen eine Zusammensetzung in Gew.-% von etwa 88 bis
96% Kohlenstoff, bis zu etwa 12% Wasserstoff und nicht mehr als 6% Schwefel, Sauerstoff,
Stickstoff oder andere Komponenten auf. Vorzugsweise ist die Mehrzahl der Pech-Moleküle
aromatisch. Außerdem sollte das Pech eine niedrige Konzentration von in Flußmittel
unlöslichen Materialien aufweisen. Vorzugsweise enthält das Pech weniger als 20%
in Flußmittel unlösliche Materialien. Erforderlichenfalls kann das Pech vor oder
nach dem Solvatisieren filtriert werden, um einen geeigneten Gehalt an unlöslichen
Materialien zu erzielen. Alternativ kann das Pech mit einem organischen Flußmittel,
wie z. B. Toluol, Chloroform oder Tetrahydrofuran, versetzt werden, woran sich die
physikalische Abtrennung der in dem Flußmittel unlöslichen Materialien anschließt.
Diese in Flußmittel unlöslichen Materialien umfassen in der Regel Pech-Verunreinigungen,
wie z. B. Asche und anorganische Verbindungen. In einigen Fällen können auch sehr
hochschmelzende organische Verbindungen als in dem Flußmittel unlösliche Materialien
entfernt werden. Im allgemeinen ist ein Pech geeignet, das weniger als 30 Gew.-%
an in Chinolin unlöslichen Materialien (QI) enthält; bevorzugte Peche enthalten
jedoch 0 bis 10% QI. In der Regel weisen diese Peche Schmelzpunkte in dem Bereich
von etwa 100 bis etwa 300°C auf.
Ein weiterer Parameter für geeignete Peche ist der Grad der Unlöslichkeit
in Lösungsmitteln wie Toluol. Im allgemeinen muss das Ausgangspech mindestens 5
Gew.-% von in Toluol unlöslichen Materialien enthalten, um ein solvatisiertes isotropes
Pechprodukt zu ergeben. Vorzugsweise enthält das Ausgangspech mindestens 20 Gew.-%
von in Toluol unlöslichen Materialien. Im Gegensatz zu den in einem Flußmittel unlöslichen
Materialien sind die in Toluol unlöslichen Materialien üblicherweise organische
Verbindungen, die ein stärkeres Lösungsmittel erfordern, um solubilisiert zu werden.
Zu Pechen, welche die oben genannten Anforderungen erfüllen, gehören synthetische,
Kohle-, Petrol- und Ethylen-Teer-Peche. Zu handelsüblichen Pechen gehören Ashland
A240-Pech, wärmebehandelte Ashland A240- und Ashland Aerocarb-Peche.
Die Auswahl eines geeigneten Solvatisierungs-Lösungsmittels ist ebenfalls
erfindungsgemäß wichtig. Geeignete Lösungsmittel weisen in der Regel Löslichkeitsparameter
in dem Bereich von 8,0 bis 11,0 auf. Der Ausdruck "Löslichkeitsparameter" ist wie
folgt definiert:
worin bedeuten:
Hv = Verdampfungswärme
R = molarer Gasgehalt
T = Temperatur in °K
V = Molvolumen.
Bezüglich einer Diskussion des Löslichkeitsparameters vgl. "Solubility
of Non-Electrolytes", 1948, J. Hildebrand und R. Scott, auf dessen Inhalt hier Bezug
genommen wird. Zu Lösungsmitteln, die erfindungsgemäß als geeignet gefunden wurden,
gehören Benzol, Toluol, Xylole, Tetralin. Außerdem können erfindungsgemäß andere
(weitere) im Wesentlichen aromatische Lösungsmittel verwendet werden, wie z. B.
Neteroaromaten (z. B. Chinolin und Pyridin) und aromatische Verbindungen mit 1 bis
3 Ringen und ihre teilweise hydrierten oder alkylierten Derivate. Erfindungsgemäß
verwendbar sind außerdem im Wesentlichen aromatische Gemische von
aromatischen und paraffinischen Lösungsmitteln, wie z. B. Heptan. Im allgemeinen
ergeben geeignete Lösungsmittel ein Viertel bis zum Zweifachen der Menge an schweren
in Pech unlöslichen Materialien der Menge der schweren in Pech unlöslichen Materialien,
die durch Toluol gebildet werden. Für die Zwecke der vorliegenden Anmeldung wird
die Löslichkeit bestimmt durch Kombinieren von 1 g Pech mit 25 ml Lösungsmittel
bei Umgebungsbedingungen.
In dem erfindungsgemäßen Verfahren werden Peche und Lösungsmittel
wie vorstehend beschrieben miteinander kombiniert zur Herstellung eines solvatisierten
isotropen Peches. Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein isotropes Pech mit
einem Lösungsmittel für eine Zeitspanne von etwa einer Stunde bei einer Temperatur,
die ausreicht, um alle Phasen in der Mischung in Flüssigkeiten umzuwandeln, und
bei einem Druck, der ausreicht, um ein Sieden auszuschließen, gemischt.
Nach dem Mischen lässt man das Pech/Lösungsmittel-System sich absetzen
und abkühlen. Während dieser Stufe tritt eine Phasentrennung auf unter Bildung einer
flüssigen Lösungsmittelphase und einer solvatisierten Pechphase. In Abhängigkeit
von der verwendeten Vorrichtung ist das Absetzen in der Regel innerhalb von etwa
5 bis etwa 30 min beendet. Erforderlichenfalls können mechanische Verfahren, wie
z. B. das Zentrifugieren, angewendet werden, um die Phasentrennung zu beschleunigen.
Nach der Phasentrennung wird das solvatisierte Pech entweder als Flüssigkeit gewonnen
(abgetrennt) oder man kann die Mischung abkühlen und das Pech als ausgefallenen
Feststoff gewinnen (abtrennen). In jedem Fall sind konventionelle Abtrennungsverfahren,
wie z. B. das Dekantieren der flüssigen Phase oder das Filtrieren zur Entfernung
des festen solvatisierten Peches, geeignet. Alternativ kann man das solvatisierte
Pech und die Lösungsmittelphase im flüssigen Zustand kontinuierlich gewinnen (abtrennen).
Erforderlichenfalls kann das abgetrennte solvatisierte Pech, während es im flüssigen
Zustand vorliegt, filtriert werden, um Verunreinigungen zu entfernen.
Alternativ kann ein solvatisiertes Pech erhalten werden durch Bildung
der gleichen Kombination aus isotropem Ausgangspech und Lösungsmittel bei einer
niedrigeren Temperatur, sodass die Lösungsmittelphase flüssig ist und die solvatisierte
Pechphase ein Feststoff ist. Wenn dieses Verfahren angewendet wird, kann das feste
solvatisierte Pech auf konventionelle Weise, beispielsweise durch Filtrieren, abgetrennt
werden.
Die Eigenschaften des nicht-flüchtigen Anteils eines solvatisierten
Peches können bestimmt werden durch Trocknen des solvatisierten Peches für etwa
60 min bei einer Temperatur von etwa 150°C, um das Lösungsmittel zu entfernen.
Nach dem Trocknen des Peches können die Erweichungs- und Schmelzpunkte bestimmt
werden durch Erhitzen auf einem Heiztisch-Mikroskop in einer inerten Atmosphäre
mit einer Geschwindigkeit von etwa 5°C/min. Nach der Lösungsmittel-Entfernung
weisen die erfindungsgemäßen Peche normalerweise einen Erweichungspunkt von mindestens
280°C auf. Stärker getrocknete Peche werden bei Temperaturen von über 500°C
weich; diese Peche schmelzen jedoch nicht, wenn sie in einer inerten Atmosphäre
mit einer Geschwindigkeit von 5°C/min erhitzt werden. Diese Peche werden als
sich selbst stabilisierend angesehen, da sie beim kontinuierlichen Erhitzen direkt
zu Kohlenstoff-Artefakten carbonisieren.
II. Solvatisierte isotrope Peche
Die erfindungsgemäßen solvatisierten isotropen Peche weisen mehrere
signifikante Vorteile gegenüber den nicht-solvatisierten isotropen Pechen auf. Im
allgemeinen enthält das solvatisierte Pech etwa 5 bis etwa 40 Gew.-% Lösungsmittel.
Außerdem weist das solvatisierte Pech einen Gehalt an in Toluol unlöslichen Materialien
von mindestens 50 Gew.-% auf und kann, bezogen auf das Volumen, eine optischen Anisotropie
von bis zu 40% aufweisen. Nach der Entfernung des Lösungsmittels aus dem Pech kann
der Anisotropie-Gehalt steigen. Das erfindungsgemäße solvatisierte isotrope Pech
weist eine Fluidtemperatur auf, die um mindestens 40°C niedriger ist und in
einigen Fällen um mehr als 100°C niedriger ist als der Schmelzpunkt des gleichen
Peches in einem nicht-solvatisierten Zustand, d. h. des trockenen Peches.
III. Verfahren zur Herstellung von Kohlenstoff-Artefakten
Die vorliegende Erfindung betrifft außerdem ein Verfahren zur Herstellung
von Kohlenstoff-Artefakten aus solvatisierten isotropen Pechen. Die vorliegende
Erfindung betrifft insbesondere ein Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern
aus einem solvatisierten isotropen Pech. Das Verfahren zur Herstellung von Kohlenstoff-Artefakten
aus solvatisierten isotropen Pechen beginnt mit einem solvatisierten isotropen Pech.
Je nach dem Artefakt, das hergestellt werden soll, und je nach dem
Lösungsmittel, das zum Solvatisieren des Peches verwendet werden soll, kann das
Herstellungsverfahren den Ersatz des Solvatisierungslösungsmittels durch ein Lösungsmittel,
das mit dem Herstellungsverfahren kompatibel ist, erfordern. Diese Stufe, die bekannt
ist unter der Bezeichnung Lösungsmittelaustausch, kann auf mehreren Wegen durchgeführt
werden. Eine Methode erfordert das Trocknen des solvatisierten Peches, um das Lösungsmittel
abzutreiben und das anschließende erneute Solvatisieren des Peches mit einem geeigneten
Lösungsmittel. Eine alternative Methode erfordert die Zugabe eines Lösungsmittels
mit einem höheren Siedepunkt als das anfängliche Solvatisierungslösungsmittel zu
dem solvatisierten Pech. Anschließend wird diese Mischung zum Sieden erhitzt,
um das niedriger siedende Lösungsmittel zu entfernen, wobei ein solvatisiertes Pech
zurückbleibt, welches das höher siedende Lösungsmittel enthält. Unabhängig von der
angewendeten Methode weisen typische Herstellungslösungsmittel einen Löslichkeitsparameter
von etwa 8 bis etwa 12 und möglicherweise sogar höher auf. Die Herstellungslösungsmittel
können, ohne dass diese Aufzählung erschöpfend ist, ein oder mehrere der folgenden
Lösungsmittel umfassen: Toluol, Benzol, Xylol, Tetralin, Tetrahydrofuran, Chloroform,
Heptan, Pyridin, Chinolin, halogenierte Benzole, Chlorofluorobenzole und aromatische
Lösungsmittel mit 2 bis 4 Ringen und ihre teilweise alkylierten und hydrierten Derivate.
Wenn einmal das solvatisierte Pech ein für das Herstellungsverfahren
geeignetes Lösungsmittel enthält, kann es zu einem Kohlenstoff-Artefakt geformt
werden unter Anwendung von allgemein bekannten Verfahren. Das derzeit gebräuchlichste
Kohlenstoff-Artefakt ist die Kohlenstofffaser (Kohlefaser, Carbonfaser).
Bei dem Verfahren zum Spinnen von Kohlenstofffasern aus solvatisiertem
Pech geht ein Teil des Lösungsmittels aus der Produktfaser verloren. Nach dem Spinnen
wird ein eventuell verbliebenes Lösungsmittel durch Trocknen der Fasern leicht entfernt.
Durch den Lösungsmittelverlust entsteht eine Kohlenstofffaser, die einen Erweichungspunkt
von mindestens 280°C aufweist. Außerdem weist die resultierende Faser einen
Schmelzpunkt auf, der höher ist als die Spinntemperatur der Faser. Schließlich machen
die resultierenden Fasern je nach dem anfänglich verwendeten Pech eine zusätzliche
Behandlung vor der Carbonisierung nicht erforderlich.
Getrocknete Fasern, die Erweichungstemperaturen von höher als 350°C
Starttemperatur aufweisen, können ohne vorherige Stabilisierung carbonisiert werden.
Vorzugsweise weisen die Fasern Erweichungspunkte von höher als 500°C auf. Die
Carbonisierung wird dadurch erzielt, dass man die Fasern bei einer Temperatur geringfügig
unterhalb des Erweichungspunktes der Fasern erhitzt. Wenn die Carbonisierung der
Faser fortschreitet, steigt die Erweichungstemperatur der Faser, wodurch eine entsprechende
Erhöhung der Temperatur der Carbonisierungsreaktion möglich ist. Die Fasern werden
jedoch während der Carbonisierungsreaktion niemals auf eine Temperatur oberhalb
ihres Erweichungspunktes erhitzt. Für Fasern mit Erweichungspunkten von mehr als
500°C kann das Erhitzen mit einer Geschwindigkeit von 20 °C/min oder höher
durchgeführt werden, ohne dass die Faser weich wird. Im allgemeinen ist die Carbonisierung
beim Erhitzen auf 600°C beendet. Man kann jedoch die Fasern auch bei noch höheren
Temperaturen behandeln.
Für Peche mit Erweichungspunkten zwischen etwa 280 und 500°C kann
die oxidative Stabilisierung vorzugsweise vor der Carbonisierung durchgeführt werden.
Außerdem kann es unter bestimmten Umständen erwünscht sein, Peche mit Erweichungspunkten
von über 500°C oxidativ zu stabilisieren.
Ein Vorteil der vorliegenden Erfindung besteht darin, dass es möglich
ist, das Pech und/oder die aus dem Pech hergestellten Kohlenstoff-Artefakte bei
verhältnismäßig hohen Temperaturen und verhältnismäßig niedrigen Sauerstoff-Konzentrationen
oxidativ zu stabilisieren. Insbesondere kann eine Stabilisierung bei Temperaturen
erzielt werden, die höher sind als die Artefakt-Bildungstemperatur, und in Atmosphären,
die weniger als 5% Sauerstoff enthalten. Die Vorteile der vorliegenden Erfindung
gegenüber den bekannten Verfahren zur oxidativen Stabilisierung werden durch das
Beispiel 2 und die 1 gezeigt. In der 1
ist die oxidative Stabilisierung eines konventionellen Peches mit derjenigen eines
solvatisierten Peches verglichen. Wie durch die 1 dargestellt,
erfordert das solvatisierte Pech keine Abkühlung vor der oxidativen Stabilisierung
und die Stabilisierung läuft im allgemeinen bei höheren Temperaturen innerhalb einer
kürzeren Zeitspanne ab. Die vorliegende Erfindung ergibt somit signifikante Sicherheitsvorteile
gegenüber dem Stand der Technik durch Eliminierung des Entflammbarkeitsrisikos,
das mit der oxidativen Stabilisierung verbunden ist.
IV. Kohlenstofffasern, die aus solvatisiertem Pech hergestellt
sind
Die erfindungsgemäßen Pechfasern im gerade gesponnenen Zustand schmelzen
stets oberhalb der Spinntemperatur des solvatisierten Peches. Nach der Entfernung
des Lösungsmittels sind die erfindungsgemäßen Fasern in der Regel nicht schmelzbar.
Infolgedessen ist es bei den erfindungsgemäßen Verfahren häufig nicht erforderlich,
vor der Carbonisierung eine chemische Stabilisierung durchzuführen. In den Fällen,
in denen eine Stabilisierung erforderlich ist, kann sie jedoch innerhalb signifikant
kürzerer Zeitspannen in einer Atmosphäre, die nur etwa 2 bis 5% Sauerstoff enthält,
durchgeführt werden.
Nach der Carbonisierung der gesponnenen Fasern können die erfindungsgemäßen
Kohlenstofffasern variieren von kontinuierlich isotrop bis kontinuierlich anisotrop.
Die Mehrzahl der in diesen Fasern gegebenenfalls vorhandenen anisotropen Bereiche
weist jedoch nicht die stark ausgedehnten Domänen auf, die in der Regel charakteristisch
für Mesophasen-Pech-Kohlenstofffasern sind. Diese Fasern weisen eine Zugfestigkeit
auf, die derjenigen der traditionellen isotropen Pechfasern entspricht. In Abhängigkeit
von dem Umfang, in dem diese Faser anisotrope Bereiche enthalten, weisen sie verbesserte
thermische und elektrische Eigenschaften auf, verglichen mit vollständig isotropen
Fasern.
Die folgenden Beispiele sollen die vorliegende Erfindung erläutern.
Alle darin angegebenen Teile und Prozentsätze sind, wenn nichts anderes angegeben
ist, auf das Gewicht bezogen. Die Erfindung ist jedoch nicht durch die Theorie beschränkt,
die innerhalb der Beispiele angegeben wird; vielmehr muss der wirkliche Schutzbereich
der Erfindung auf der Basis der nachfolgenden Patentansprüche bestimmt werden.
Beispiel 1
Eine Probe von isotropem A240-Pech (im Handel erhältlich von der Firma
Ashland Chemical, Inc., Columbus, Ohio, Gehalt an in Toluol unlöslichen Materialien
8 Gew.-%) wurde in einem gerührten Autoklaven mit Toluol gemischt in einem Verhältnis
von 1 g Pech auf 8 cm3 Lösungsmittel. Der Autoklav wurde mit Stickstoff
gespült, kurz evakuiert und versiegelt. Über einen Zeitraum von 80 min wurde die
Mischung erhitzt, bis eine Temperatur von 233°C erreicht war. Die Mischung wurde
weitere 10 min lang bei der Temperatur von 233°C gehalten und gerührt. Für weitere
15 min wurde die Mischung ohne Rühren bei 233°C gehalten und dann abkühlen gelassen.
Der in dem geschlossenen Autoklaven während des Erhitzens entwickelte maximale Druck
betrug 1308 kPa (175 psig).
Aus dem Boden des Autoklaven wurde festes Pech gewonnen (abgetrennt)
und die Pechausbeute wurde zu 6,4 Gew.-% errechnet. Das Pech wurde durch optische
Mikroskopie analysiert und es wurden gefunden, dass es 5% Mesophase in Form von
kleinen Kugeln enthielt.
Eine Probe des festen Peches wurde durch 30-minütiges Erhitzen unter
Vakuum auf 360°C getrocknet. Durch diese Stufe wurden 28,2% flüchtige Bestandteile
aus dem Pech entfernt. Das getrocknete Pech wurde beim Erhitzen auf 650°C mit
einer Geschwindigkeit von 5°C/min in einer Stickstoffatmosphäre auf einem Mikroskop-Heiztisch
nicht weich und es schmolz auch nicht.
Beispiel 2
Es wurde ein solvatisiertes Pech hergestellt durch Kombinieren von
Aerocarb 80 (30 Gew.-% in Toluol unlösliche Materialien) mit Toluol in einem Verhältnis
von 1 g Pech auf 8 ml Toluol. Diese Mischung wurde 1 h lang bei 230°C gerührt,
15 min lang sich absetzen gelassen und dann abkühlen gelassen. Dann wurde eine Schicht
aus dichtem festem solvatisiertem Pech aus dem Boden des Behälters in einer Ausbeute
von 54% gewonnen (abgetrennt). Das solvatisierte Pech war im Wesentlichen isotrop
mit nur 5 bis 10 Vol.-% Anisotropie in Form von feinen Kugeln und einigen wenigen
größeren Kugeln.
Eine Probe des solvatisierten Peches wurde 1 h lang bei 150°C
unter Vakuum getrocknet zur Entfernung des Lösungsmittels. Nach dem Trocknen hatte
das Pech 22,1% seines Gewichtes verloren. Das Pech wurde unter Vakuum auf 360°C
weiter erhitzt zur Entfernung von zusätzlichen 4,9% flüchtigen Bestandteilen. Dieser
zusätzliche Verlust scheint auf die Entfernung von eventuell verbliebenem Lösungsmittel
und den Verlust an einigen leichten Ölen zurückzuführen zu sein. Eine Analyse dieser
Probe ergab insgesamt 52 Vol.-% Anisotropie. Dies zeigt, dass ein solvatisiertes
isotropes Pech bei Lösungsmittel-Verlust eine zusätzliche Anisotropie erzeugt.
Die Fluid-Temperatur des solvatisierten isotropen Peches wurde bestimmt
durch Messung des Rührwiderstandes in einem kleinen Autoklaven. Ein Teil des mit
Pech solvatisierten Toluols wurden auf eine Temperatur oberhalb seiner Fluid-Temperatur,
in diesem Fall 235°C, erhitzt und dann langsam mit etwa 1°C/min abgekühlt.
Bei Anwendung dieses Verfahrens erreichte das mit Toluol solvatisierte Pech bei
191°C eine Viskosität von 6000 Poise. Die Fluid-Temperatur des solvatisierten
Peches war um 42°C niedriger als der Schmelzpunkt des Aerocarb-Ausgangspeches.
Anschließend wurden die Schmelz- und Erweichungspunkte des solvatisierten
Peches nach der Lösungsmittelentfernung unter Verwendung eines Heiztisch-Mikroskops
bestimmt. Wie oben definiert, trat bei der ersten Abrundung der angulären Merkmale
der Pech-Teilchen eine Erweichung auf. Das Schmelzen trat auf, wenn ein erstes erkennbares
Fließen des weich gewordenen Peches zu sehen war. Unter Anwendung dieser Verfahren
und Definitionen wurde das getrocknete solvatisierte Pech bei 323°C weich und
es schmolz bei 328°C. Der Schmelzpunkt des getrockneten solvatisierten Peches
warum 95°C höher als derjenige des Aerocarb 80-Ausgangspeches. Insbesondere
betrug die Differenz der Schmelzpunkte zwischen dem getrockneten solvatisierten
Pech und der Fluid-Temperatur des solvatisierten Peches bei diesem Versuch mindestens
137°C.
Eine Probe des getrockneten solvatisierten Peches und eine Probe des
Aerocarb 80-Peches wurden oxidiert, um die verbesserten Stabilisierungs-Eigenschaften
des getrockneten solvatisierten Peches zu zeigen. Proben beider Peche wurden zu
10 bis 200 &mgr;m großen Teilchen zerkleinert und 30 min lang oxidiert bei einer
Temperatur, die um etwa 20°C niedriger war als ihre Erweichungspunkte. Das oxidierende
Gas war 2% Sauerstoff in Stickstoff. Auf diese Weise wurde das Aerocarb 80-Ausgangspech
bei 205°C oxidiert, während das getrocknete solvatisierte Pech bei 300°C
oxidiert wurde. Nach der Oxidation wurden die Erweichungs- und Schmelzpunkte jedes
Peches bestimmt durch Erhitzen mit einer Geschwindigkeit von 5°C/min unter Stickstoff.
Das stabilisierte Aerocarb wurde bei 250°C weich und schmolz bei 254°C,
d. h. es wurde eine Verbesserung von 22°C gegenüber dem nicht-stabilisierten
Pech erzielt. Im Gegensatz dazu schmolz das stabilisierte solvatisierte Pech nicht
und nur 20 % der Probe zeigten ein Anzeichen für das Weichwerden beim Erhitzen auf 650°C.
Das stabilisierte solvatisierte Pech wies signifikant verbesserte thermische Eigenschaften
gegenüber dem stabilisierten Ausgangspech auf. Ein Vergleich zwischen den Charakteristika
des solvatisierten Peches und denjenigen des nicht-solvatisierten Peches ist in
der folgenden Tabelle angegeben.
Tabelle 1Beispiel 3
Dieses Beispiel zeigt die Vorteile von Kohlenstofffasern, die aus
dem solvatisierten isotropen Pech des Beispiels 3 gesponnen worden sind, gegenüber
Fasern, die aus dem Aerocarb-Ausgangspech gesponnen worden sind. Vor dem Spinnen
der Fasern aus dem solvatisierten Pech des Beispiels 3 wurde das solvatisierte Pech
mit Tetralin resolvatisiert. Die Resolvatisierungsstufe umfasste das Trocknen des
solvatisierten Peches, um das Toluol zu entfernen, sowie das anschließende Kombinieren
des Peches mit Tetralin in einem Verhältnis von Pech zu Lösungsmittel von 7 : 2.
Das mit Tetralin solvatisierte Pech wurde 30 min lang bei 230°C äquilibriert.
Das resolvatisierte Pech wies eine Fluid-Temperatur von 161°C auf.
Das solvatisierte Pech und das Aerocarb-Ausgangspech wurden in der
Schmelze zu Fasern gesponnen. Das solvatisierte Pech bildete bei 187°C 50 bis
60 &mgr;m-Fasern. Die aus dem solvatisierten Pech gesponnenen Fasern enthielten
restliches Lösungsmittel. Diese Fasern wurden unter Stickstoff innerhalb von 2 min
auf 290°C erhitzt und dann weiter erhitzt mit einer Geschwindigkeit von 5°C/min,
um die Erweichungs- und Schmelzpunkte der gesponnenen Fasern zu bestimmen. Ein Erweichen,
das sich durch eine Abrundung von scharten Rändern und eine Krümmung der Fasern
anzeigte, wurde bei 302°C festgestellt. Das Schmelzen, das sich durch eine Abrundung
und ein Aufwölben der Faserenden sowie ein Schmelzen unter Bildung von Faser-Verbindungen
anzeigt, trat bei 353°C auf. Es sei darauf hingewiesen, dass die Fasern im gesponnenen
Zustand im allgemeinen früher weich werden und später schmelzen als sorgfältig getrocknete
Fasern.
Im Gegensatz zur vorliegenden Erfindung machte das Aerocarb-Ausgangspech
ein Erhitzen auf 298°C vor dem Spinnen zu 40 bis 60 &mgr;m-Fasern erforderlich.
Diese gesponnenen Fasern wurden innerhalb von 2 min auf 200°C erhitzt und dann
weiter erhitzt mit einer Geschwindigkeit von 5°C/min. Diese Fasern wurden bei
227°C weich und schmolzen bei 234°C.
Zusätzlich wurden beide Gruppen von Faser stabilisiert. Die solvatisierten
Pechfasern wurden stabilisiert, indem man sie 60 min lang bei 270°C 2% Sauerstoff
in Stickstoff aussetzte (bei einer um 83°C höheren Temperatur als die Spinntemperatur).
Die Fasern wurden dann durch Erhitzen unter Stickstoff mit einer Geschwindigkeit
von 20°C/min auf 650°C erhitzt. Die Fasern wurden nicht weich und schmolzen
nicht. Die Aerocarb-Ausgangspech-Fasern wurden dem gleichen Sauerstoff enthaltenden
Gas 60 min lang bei 195°C ausgesetzt. Bemerkung: eine niedrigere Temperatur
ist erforderlich wegen des Schmelzpunktes dieser Fasern. Bei der Erhöhung der Temperatur
mit einer Geschwindigkeit von 20°C/min unter Stickstoff wurden diese Fasern
bei 248°C weich und schmolzen bei 258°C.
Wie in der Tabelle 2 angegeben, zeigen diese Ergebnisse eindeutig
die verbesserte Leichtigkeit der Stabilisierung und die niedrigeren Spinntemperaturen,
die mit solvatisierten Pechen erzielbar sind.
Tabelle 2
Weitere Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung sind für den
Fachmann auf diesem Gebiet aufgrund der Angaben in dieser Beschreibung oder aufgrund
der praktischen Durchführung der hier beschriebenen Erfindung ohne weiteres ersichtlich.
Anspruch[de]
Verfahren zum Herstellen von solvatisiertem, isotropem Pech, umfassend:
a) Mischen eines isotropen Pechs und eines Lösungsmittels, um ein Gemisch zu bilden;
b) Trennen des Gemisches in eine flüssige Lösungsmittelphase und eine solvatisierte
Pechphase;
c) Gewinnen der solvatisierten Pechphase.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei Schritt a) das Aufrechterhalten einer
ausreichenden Temperatur und eines ausreichenden Drucks einschließt, so dass alle
in dem Gemisch vorhandenen Phasen im flüssigen Zustand vorliegen.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei im Anschluss an Schritt b) das solvatisierte
Pech filtriert wird, während es im flüssigen Zustand vorliegt, um jegliche unlösliche
Verunreinigungen zu entfernen.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Lösungsmittel ausgewählt ist aus
der Gruppe von Lösungsmitteln mit Löslichkeitsparametern im Bereich von ungefähr
8,0 bis ungefähr 11,0.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Lösungsmittel ein oder mehrere
Lösungsmittel, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Toluol, Benzol, Xylol, Tetralin,
Tetrahydrofuran, Chloroform, Heptan, Pyridin, Chinolin, halogenierten Benzolen,
Chlorfluorbenzolen und aromatischen Lösungsmitteln mit zwei und drei Ringen und
ihren teilweise alkylierten und hydrierten Derivaten, umfasst.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei Schritt c) das Abtrennen des solvatisierten
Pechs von der flüssigen Lösungsmittelphase durch Filtration umfasst.
Verfahren zum Herstellen von Kohlenstoffartefakten aus solvatisiertem,
isotropem Pech, umfassend:
a) Mischen eines isotropen Pechs und eines Lösungsmittels, um ein Gemisch zu bilden;
b) Trennen des Gemisches in eine flüssige Lösungsmittelphase und eine solvatisierte
Pechphase;
c) Gewinnen der solvatisierten Pechphase;
d) Bilden von Pechartefakten aus dem solvatisierten Pech; e) Carbonisieren der Pechartefakte bei einer Temperatur, die geringer
ist als der Erweichungspunkt des Pechartefakts.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei das Lösungsmittel von Schritt a) ausgewählt
ist aus der Gruppe von Lösungsmitteln mit Löslichkeitsparametern im Bereich von
ungefähr 8,0 bis ungefähr 11,0.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei das Lösungsmittel von Schritt a) ein
oder mehrere Lösungsmittel, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Toluol, Benzol,
Xylol, Tetralin, Tetrahydrofuran, Chloroform, Heptan, Pyridin, Chinolin, halogenierten
Benzolen, Chlorfluorbenzolen und aromatischen Lösungsmitteln mit zwei und drei Ringen
und ihren teilweise alkylierten und hydrierten Derivaten, umfasst.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei im Anschluss an Schritt c) das solvatisierte
Pech getrocknet wird, um das Lösungsmittel zu entfernen, gefolgt von einem Resolvatisieren
des Pechs mit einem Lösungsmittel, das sich zum Bilden von Pechartefakten eignet.
Verfahren nach Anspruch 10, wobei das zum Bilden von Kohlenstoffartefakten
geeignete Lösungsmittel ein oder mehrere Lösungsmittel, ausgewählt aus der Gruppe,
bestehend aus Toluol, Benzol, Xylol, Tetralin, Tetrahydrofuran, Chloroform, Heptan,
Pyridin, Chinolin, halogenierten Benzolen, Chlorfluorbenzolen und aromatischen Lösungsmitteln
mit zwei bis vier Ringen und ihren teilweise alkylierten und hydrierten Derivaten,
umfasst.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei Schritt d) das Verspinnen des Pechs
zu Fasern bei einer Temperatur umfasst, die niedriger ist als der Schmelzpunkt des
solvatisierten Pechs in dem nichtsolvatisierten Zustand.
Verfahren nach Anspruch 7, welches den weiteren Schritt des Stabilisierens
der Artefakte durch Erwärmen der Artefakte in Gegenwart eines Oxidationsmittels
aufweist.
Verfahren nach Anspruch 13, wobei der Stabilisierungsschritt unter
einer Atmosphäre stattfindet, die weniger als 5% Sauerstoff enthält.
Verfahren nach Anspruch 13, wobei der Stabilisierungsschritt bei einer
Temperatur stattfindet, die höher ist als die Temperatur der Artefaktbildung.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei Schritt a) das Aufrechterhalten einer
ausreichenden Temperatur und eines ausreichenden Druckes umfasst, so dass alle in
dem Gemisch vorhandenen Phasen im flüssigen Zustand vorliegen.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei im Anschluss an Schritt d) das solvatisierte
Pech filtriert wird, während es im flüssigen Zustand vorliegt, um jegliche unlösliche
Verunreinigungen zu entfernen.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei Schritt c) das Abtrennen des solvatisierten
Pechs von der flüssigen Lösungsmittelphase durch Filtration umfasst.
Verfahren nach Anspruch 7, welches im Anschluss an Schritt d) und
vor Schritt e) den weiteren Schritt des Trocknens des Pechartefakts aufweist.
Verfahren nach Anspruch 7, welches den weiteren Schritt des Carbonisierens
der Artefakte aufweist.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei im Anschluss an Schritt c) ein Lösungsmittel
mit einem höheren Siedepunkt als dem Siedepunkt des Lösungsmittels von Schritt a)
mit dem solvatisierten Pech vereinigt wird, gefolgt von einem Erwärmen der Kombination
auf eine Temperatur, die größer ist als der Siedepunkt des Lösungsmittels von Schritt
a), um das Lösungsmittel von Schritt a) auszutreiben.
Verfahren nach Anspruch 7, wobei das Kohlenstoffartefakt eine Kohlenstofffaser
ist.
Solvatisiertes, isotropes Pech, welches umfasst:
a) ungefähr 5% bis ungefähr 40% Lösungsmittel, bezogen auf das Gewicht;
b) wenigstens 50 Gew.-% in Toluol unlösliche Substanzen; und
c) eine Fluidtemperatur aufweist, die wenigstens 40°C niedriger ist als die
des nichtsolvatisierten Pechs.
Solvatisiertes, isotropes Pech nach Anspruch 23, wobei das Pech weniger
als 40% optische Anisotropie, bezogen auf das Volumen, aufweist.
Solvatisiertes, isotropes Pech nach Anspruch 23, wobei das Pech nach
dem Verlust des Lösungsmittels nicht schmelzbar ist.
Pechfaser, die aus dem solvatisierten, isotropen Pech nach Anspruch
23 hergestellt ist, wobei die Pechfaser nach dem Entfernen des Lösungsmittels aus
der Faser nicht schmelzbar ist.
Pechfaser, die aus einem solvatisierten, isotropen Pech hergestellt
ist, das ungefähr 5% bis ungefähr 40% Lösungsmittel, bezogen auf das Gewicht, enthält,
wobei die Pechfaser nach dem Entfernen des Lösungsmittels oxidiert, wenn sie einer
Atmosphäre ausgesetzt wird, die zwischen ungefähr 2% bis 5% Sauerstoff enthält,
und auf eine Temperatur erwärmt wird, die größer ist als die Bildungstemperatur
der Faser.