Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Beschichten eines
Substrats nach Anspruch 1, sowie auf einen beschichteten Gegenstand nach Anspruch
8. Bevorzugtes Anwendungsgebiet ist die Beschichtung von Bauteilen für Flugzeug-
oder Gasturbinen oder für Müllverbrennungsanlagen mit temperaturbeständigen Schutzschichten
gegen Hochtemperaturkorrosion.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bekannte Verfahren
zur Herstellung von temperaturbeständigen Schutzschichten auf der Basis von aluminiumhaltigen
Nickel, Kobalt und/oder Platin-Schichten zu vereinfachen und eine alternative Schutzschicht
gegen Hochtemperaturkorrosion zur Verfügung zu stellen.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche gelöst.
Vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens werden in den abhängigen
Ansprüchen beschrieben.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Beschichten eines Substrats,
bei dem in einem ersten Schritt in einem als solchen bekannten Abscheidungsbad außenstromlos
oder elektrolytisch Nickel, Kobalt und/oder Platin auf einem Substrat abgeschieden
wird. Im Abscheidungsbad sind zusätzlich Partikel suspendiert, die mindestens ein
Metall ausgewählt aus Magnesium, Aluminium, Titan, Zink enthalten, wobei die Partikel
in die Beschichtung eingeschlossen werden. Bevorzugt, aber nicht zwingend, enthalten
die Partikel kein Chrom. Im zweiten Schritt wird durch eine Wärmebehandlung die
eigentliche Schutzschicht gegen Hochtemperaturkorrosion erzeugt.
Beim erfindungsgemäßen Verfahren kann die Reduktion der Metallsalze
elektrolytisch, d. h. durch Anlegen einer äußeren Stromquelle, oder außenstromlos,
d. h. durch die Zugabe von chemischen Reduktionsmitteln, erfolgen.
Bei der elektrolytischen Abscheidung sind keine chemischen Reduktionsmittel
oder deren Reaktions- bzw. Abbauprodukte im Abscheidungsbad anwesend, die in die
entstehende Metallschicht eingebaut werden können und diese verunreinigen. Werden
z. B. phosphorhaltige Verbindungen eingebaut, entstehen während der Wärmebehandlung
Phosphide, die die Schicht spröde und damit empfindlich machen.
Vorteilhaft ist weiterhin die höhere Abscheidungsgeschwindigkeit gegenüber
der außenstromlosen Reduktion.
Bei stark verwinkelten Bauteilen kann durch die Abscheidung mit chemischen
Reduktionsmitteln die Ausbildung einer Schicht mit gleichmäßiger Dicke auch an Kanten
und anderen Flächenübergängen erreicht werden. Die elektrolytische Abscheidung liefert
in solchen Fällen ungleichmäßige Schichtdicken, da das elektrische Feld aufgrund
von Abschattungsprozessen inhomogen ist.
Neben den üblichen Bestandteilen für eine außenstromlose oder elektrolytische
Abscheidung sind in den Abscheidungsbädern des erfindungsgemäßen
Verfahrens Partikel suspendiert, die mindestens ein Metall ausgewählt aus Magnesium,
Aluminium, Titan, Zink enthalten und die in die entstehende Metallschicht eingebaut
werden.
Ein räumlich gleichmäßiger Einbau der Partikel wird durch eine homogene
Verteilung der suspendierten Partikel im Abscheidungsbad erreicht, die durch verschiedene
Maßnahmen wie z. B. rühren, schütteln oder Ultraschallanwendung sichergestellt werden
kann. Durch den räumlich gleichmäßigen Partikeleinbau ist es möglich eine Schicht
mit homogenen Eigenschaften herzustellen. Vorrichtungen und Verfahren, die dazu
verwendet werden können sind z. B. in der GB
1 347 184 A und der GB 2 014 189
B beschrieben.
Im zweiten Verfahrensschritt wird das beschichtete Substrat einer
Wärmebehandlung, bevorzugt bei 600 bis 800°C, unterzogen. Während dieser Behandlung
bildet sich eine Legierung, die die Elemente der außenstromlos oder elektrolytisch
abgeschiedenen Schicht und die Elemente aus den Partikeln enthält. Außerdem diffundieren
Atome aus der abgeschiedenen Schicht und den Partikeln in die Substratoberfläche,
woraus eine bessere Haftung der Schicht am Substrat resultiert.
Die Mengenverhältnisse der abgeschiedenen Metalle und der Partikel
werden bevorzugt so gewählt, dass stabile Phasen entstehen. Stimmen diese Verhältnisse
nicht, bildet sich ein heterogenes zwei-phasiges Gemisch aus einer Legierungs- und
einer Reinphase. Dieses Gemisch zeigt eine etwas weniger gute Beständigkeit gegen
heiße Gase, da es durch interkristalline Korrosion angegriffen wird.
Werden aluminiumhaltige Partikel verwendet, enthält die wärmebehandelte
Schutzschicht Platin, Nickel- und/oder Kobaltaluminide, die unter Hochtemperaturbedingungen
in Gegenwart von Sauerstoff an der Oberfläche festhaftende und korrosionsbeständige
Aluminiumoxidschichten ausbilden. Die Anwesenheit von Edelmetallen wie Platin in
der Diffusionsschicht bewirkt die Ausbildung einer fehlerarmen Oxidschicht. Aluminium
kann ganz oder teilweise auch durch Magnesium, Titan oder Zink ersetzt werden. Diese
Metalle weisen die vorteilhafte Eigenschaft aus, bei hohen Temperaturen in Gegenwart
von Sauerstoff festhaftende Oxidschichten auszubilden.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist schnell, einfach und mit geringem
anlagentechnischen Aufwand durchzuführen, weil alle notwendigen Elemente, die zur
Ausbildung der Schutzschicht benötigt werden, in einem Arbeitsschritt auf das Substrat
aufgebracht werden können.
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Schutzschicht
fällt so glatt aus, dass die Oberfläche nur wenig oder gar nicht nachgearbeitet
werden muss. Eine glatte, aerodynamische günstige Oberfläche ist für Turbinenbauteile
von großer Bedeutung, um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden Partikel verwendet, die aus einem einzigen elementaren Metall bestehen.
Elementar im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens bedeutet, dass
die verwendeten Partikel auch eine dünne Oxidschicht aufweisen können, die aufgrund
des unedlen Charakters von Magnesium, Aluminium, Titan und Zink unter normalen Umweltbedingungen
von alleine entsteht, jedoch keine zusätzlich aufgebrachte Oxidschicht und keine
weiteren Bestandteile.
Diese Partikel sind nach bekannten Vorschriften einfach und kostengünstig
herzustellen.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden Partikel eingesetzt, die eine Oxidschicht aufweisen, die dicker ist als die
unter normalen Umweltbedingungen ausgebildete Oxidschicht.
Eine Oxidschicht mit der angegebenen Dicke bewirkt eine stark verbesserte
chemische Stabilität der Partikel in sauren und in basischen Abscheidungsbädern
insbesondere im pH-Bereich zwischen 4 und 9. Die verwendeten Abscheidungsbäder können
dadurch länger genutzt werden, bevor sie ausgetauscht werden müssen.
Außerdem schränkt die Verwendung dieser chemisch stabileren Partikel
die Auswahl des verwendeten Abscheidungsbads nicht ein, da das Abscheidungsbad gewählt
werden kann, das die Metallschichten mit den besten Eigenschaften liefert und nicht
das Abscheidungsbad gewählt werden muss, in dem die verwendeten Partikel stabil
sind.
Magnesium, Aluminium, Titan und Zink sind unedle Metalle, die unter
sauren Bedingungen nicht stabil sind, sondern sich als Metallionen lösen. Aluminium
und Zink lösen sich aufgrund ihres amphoteren Charakters auch unter basischen Bedingungen
als Aluminat bzw. Zinkat. Die Auflösung der Partikel im Abscheidungsbad bewirkt,
dass sich im Bad allmählich störende Fremdsubstanzen anreichern. Die auf ein optimales
Abscheidungsergebnis hin eingestellten Bäder werden schleichend vergiftet. In der
Folge nimmt der Wirkungsgrad der Abscheidung ab. Außerdem bilden sich immer porösere
Schichten, da die zunehmende Wasserstoffentwicklung die Ausbildung einer glatten,
einheitlichen Schicht hoher Dichte behindert.
Bevorzugt ist die Oxidschicht mindestens doppelt so dick wie die Oxidschicht,
die Magnesium-, Aluminium-, Titanund Zink-Partikel unter normalen Umweltbedingungen
von alleine ausbilden.
Versuche habe gezeigt, dass Magnesium-, Aluminium- und Zink-Partikel
mit einer Oxidschicht von mindestens 0,3 &mgr;m Dicke eine besonders gute chemische
Stabilität aufweisen.
Es können bekannte Verfahren zur Herstellung der Oxidschicht eingesetzt
werden. Das einfachste Verfahren ist die Reaktion der Metallpartikel mit
heißem Wasser. Um die Dicke und Dichte der Oxidschicht zu verbessern, können inhibierende
oder komplexierende Zusätze verwendet werden. Beispiele sind Carbonate, Silikate
und Phosphate. Auch Oxidationsmittel wie z. B. Persulfatverbindungen oder Chromate
können die Dicke und die Dichte der Oxidschicht erhöhen. Aluminium-Partikel werden
bevorzugt nach dem Alrok-Verfahren, bei dem Natriumcarbonat und Kaliumdichromat
zum Einsatz kommen, oder dem Erftwerk-Verfahren, bei dem Natriumcarbonat, -chromat
und -silikat verwendet werden, mit einer Oxidschicht versehen.
Die Schichtdicke der Oxidhaut sollte dünn genug sein, damit das Partikel
einen ausreichenden Anteil an elementarem Metall enthält, so dass die nachfolgende
Legierungsbildung mit Nickel, Kobalt oder Platin nicht behindert wird.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden Magnesium-, Aluminium-, Titanund/oder Zink-Partikel eingesetzt, die mit Nickel,
Kobalt und/oder Platin legiert sind.
Diese Partikel haben den Vorteil, dass sie in sauren und basischen
Abscheidungsbädern mit einem pH-Wert zwischen 3 und 10 relativ stabil sind. Wie
vorstehend erläutert, kann dadurch unter einer größeren Anzahl an Abscheidungsbädern
gewählt werden.
Außerdem können so weitere Bestandteile für die nachfolgende Legierungsbildung
im Temper-Prozess in die Schicht eingebracht werden. Dadurch wird eine noch größere
Wahlfreiheit bei der Auswahl des Abscheidungsbades ermöglicht, da die Bedingungen
nur für die Abscheidung eines Metalls optimiert werden müssen.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
sind im Abscheidungsbad zusätzlich Silicium-Partikel suspendiert, die in die Beschichtung
eingeschlossen werden.
Die wärmebehandelte, Silicium-modifizierte Schicht ist dehnbarer als
Schichten ohne Silicium und zeigt daher eine geringere Tendenz zur Rissbildung.
Silicium kann auch dadurch in die Beschichtung eingebracht werden,
dass mit Silicium legierte Magnesium-, Aluminium-, Titan- und/oder Zink-Partikel
eingesetzt werden.
Außer von den eingesetzten Mengen ist das Verhältnis, in dem die Partikel
in die Schicht eingebaut werden, von weiteren Parametern wie z. B. der Absetzgeschwindigkeit
im Abscheidungsbad abhängig. Bei Partikeln, die Legierungen enthalten, ist dieses
Mengenverhältnis von vornhinein festgelegt. Dadurch wird das bei der Verwendung
von Partikeln aus unterschiedlichem Material auftretende Problem der unterschiedlichen
Einbaurate in die Schicht umgangen.
Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird die Schicht bis zu einer Dicke von 10 bis 100 &mgr;m, bevorzugt
30 bis 70 &mgr;m, abgeschieden.
Versuche haben gezeigt, dass mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte
Schichten insbesondere mit einer Dicke von 10 bis 100 &mgr;m hervorragende Korrosionsbeständigkeit
aufweisen.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden Partikel mit einem Durchmesser von 1 bis 50 &mgr;m, bevorzugt 5 bis 20 &mgr;m,
verwendet.
Partikel dieser Größe können im Abscheidungsbad in homogener Verteilung
suspendiert werden. Dadurch ist eine Voraussetzung für einen räumlich gleichmäßigen
Einbau der Partikel in die abgeschiedene Schicht erfüllt.
Partikel, die kleiner als 1 &mgr;m sind, neigen in Suspension zur
Aggregation, d. h. sie bilden Cluster aus. Größere Partikel als 50 &mgr;m führen
selbst dann, wenn sie homogen suspendiert werden können – was mit zunehmender
Größe immer schwieriger wird – zu einer ungleichmäßigen räumlichen Verteilung
des Partikelmaterials in der Schicht, da sie im Vergleich zur 10 bis 100 &mgr;m
dicken Schicht groß sind.
Grundsätzlich können Magnesium-, Aluminium- und Titanhaltige Partikel
aufgrund ihrer geringeren Dichte größer als Zink-haltige Partikel gewählt werde.