Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Rauchgasentschwefelung in Verbrennungskraftwerken, wobei Brennstoff mit einem zugesetzten Additiv unter Zuführung von Verbrennungsluft verbrannt wird. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Betrieb einer Verbrennungsanlage eines Kohlekraftwerks mit Schmelzkammerfeuerung. Die Erfindung schlägt vor, bei derartigen Verfahren als Brennstoff-Additiv eine Verbrennungsasche einzusetzen, die wenigstens 30 Gew.-% Kalk (CaO) enthält. Dadurch werden Abfallstoffe, wie z. B. Papierschlammasche oder Asche aus der Verbrennung von Teppichboden-Abfällen, einer sinnvollen und ressourcenschonenden Verwendung zugeführt.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Rauchgasentschwefelung in
Verbrennungskraftwerken, wobei Brennstoff mit einem zugesetzten Additiv unter Zuführung
von Verbrennungsluft verbrannt wird.
Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Betrieb einer Verbrennungsanlage
eines Kohlekraftwerks mit Schmelzkammerfeuerung, wobei Kohle unter Zuführung von
Verbrennungsluft in einer Brennkammer verbrannt wird.
Aus Gründen des Umweltschutzes ist es bei Verbrennungskraftwerken
heutzutage üblich, Maßnahmen zur Rauchgasentschwefelung zu treffen. Bei dem sogenannten
Additiv-Verfahren, das auch als Direktentschwefelung bezeichnet wird, wird zusätzlich
zum Brennstoff trockener Kalk oder Kalksteinmehl in den Feuerungsraum des Kessels
des Verbrennungskraftwerkes geblasen. Die Zugabe des Additivs kann entweder bereits
vor der Einbringung in den Feuerungsraum durch Beimengung zum Brennstoff oder durch
gemeinsames Eindüsen mit der Verbrennungsluft in den Feuerungsraum erfolgen. Möglich
ist auch die Einbringung des Additivs in den bereits entstandenen Rauchgasstrom
nach der Verbrennung des Brennstoffes. In Wirbelschichtfeuerungen von Kohlekraftwerken
wird gemahlene Feinkohle mit Kalkstein auf ein im Feuerungsraum befindliches Rost
aufgegeben. Das Gemisch wird durch die Verbrennungsluft, die von unten das Rost
durchströmt, verwirbelt und dabei verbrannt. Bei der Verbrennung wird der Kalkstein
kalziniert. Es entsteht Kalk (CaO). Beim Entschwefelungsvorgang reagiert ein Großteil
des in dem bei der Verbrennung entstehenden Rauchgas vorhandenen Schwefeldioxids
mit dem Kalk, wird gebunden und in Gips (CaSO4) umgewandelt.
Beim Altpapier-Recycling entsteht Papierschlamm, der zu etwa 40 bis
50 % aus organischen und zu 50 bis 60 % aus anorganischen Verbindungen besteht.
Der anorganische Bestandteil enthält vor allem Kalziumkarbonat und Aluminiumoxid.
Bei der Veräscherung von Papierschlamm bei hohen Temperaturen von über 800°C
werden die organischen Verbindung vollständig verbrannt und liefern dabei einen
positiven Beitrag zu der Wärmebilanz bei der Herstellung von Papierschlammasche.
Des weiteren wird das im Papierschlamm vorhandene Kalziumkarbonat in Kalk (CaO)
umgesetzt.
Jährlich fallen beim Altpapier-Recycling allein in Deutschland mehrere
10.000 Tonnen Papierschlamm an. Es ist üblich, die als Reststoff nach der Veräscherung
übrig bleibende Papierschlammasche keiner weiteren Verwendung zuzuführen und stattdessen
durch Verbringung auf Abfalldeponien zu entsorgen.
Ein weiterer mineralstoffreicher Abfallstoff, der in großen Mengen
anfällt, ist Asche aus der Verbrennung von Teppichboden-Abfällen. Teppichböden bestehen
üblichennreise aus einer oberen Schicht aus natürlichen oder synthetischen Fasern
oder Gewebe, welche mit einer auf dem Fußboden aufliegenden Unterschicht fest verbunden
ist. Häufig ist die Unterschicht aus einem Latexpolymer-Material hergestellt, in
welchem größere Mengen von Füllstoffen enthalten sind. Die Füllstoffe dienen dazu,
das Eigengewicht der Unterschicht zu erhöhen, damit der Teppichboden besser verlegbar
ist. Es werden als Füllstoffe hauptsächlich Kalksteinmehl, aber auch Ton oder Quarz
verwendet. Diese anorganischen Inhaltsstoffe führen dazu, daß bei der Verbrennung
von Teppichboden-Abfällen sehr mineralstoffreiche Asche anfällt, die insbesondere
Kalk (CaO) enthält.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabenstellung zugrunde, umweltverträgliche
Verwendungsmöglichkeiten von Papierschlammasche, der Asche aus der Verbrennung von
Teppichboden-Abfällen und vergleichbaren Abfallstoffen, die einen hohen Anteil technisch
verwertbarer Mineralstoffe aufweisen, bereitzustellen.
Diese Aufgabenstellung wird ausgehend von einem Verfahren zur Rauchgasentschwefelung
in Verbrennungskraftwerken der eingangs genannten Art dadurch gelöst, daß es sich
bei dem Additiv um eine Verbrennungsasche handelt, die wenigstens 30 Gew.-% Kalk
(CaO) enthält. Geeignete Verbrennungsaschen sind insbesondere die als Reststoff
beim Altpapier-Recycling anfallende Papierschlammasche sowie die Asche aus der Verbrennung
von Teppichboden-Abfällen.
Aufgrund des hohen Kalkgehaltes können diese Verbrennungsaschen als
Ersatz für Kalksteinmehl bei dem oben beschriebenen Additiv-Verfahren für die Rauchgasentschwefelung
direkt eingesetzt werden. Die Erfindung zeigt somit eine sinnvolle Verwendung für
diese Materialien in Verbrennungskraftwerken auf. Eine kostenintensive und die Umwelt
belastende Entsorgung der Verbrennungsaschen wird vermieden und es werden gleichzeitig
natürliche Ressourcen geschont, da die Ausbeutung von natürlichen Kalksteinvorkommen
für die Rauchgasentschwefelung gemäß der Erfindung weitgehend überflüssig wird.
Besonders vorteilhaft ist, daß in den Verbrennungsaschen der Kalk
bereits in kalzinierter Form vorliegt und direkt mit dem im Rauchgas vorhandenen
Schwefeldioxid reagieren kann. Gegenüber der herkömmlichen Verwendung von Kalksteinmehl
für die Rauchgasentschwefelung ergibt sich daraus eine Energieersparnis, da die
für die Kalzinierung beim Verbrennungsvorgang aufzuwendende Energiemenge durch die
erfindungsgemäße Verwendung von Verbrennungsasche als Zusatz zum Brennstoff nicht
mehr aufgebracht werden muß. Ein größerer Teil der Verbrennungswärme steht für die
Dampferzeugung zur Verfügung, so daß letztlich der Wirkungsgrad des Kraftwerks gesteigert
wird. Vorteilhafterweise wird durch den Verzicht auf Kalksteinmehl außerdem die
Menge des von dem Kraftwerk emittierten Kohlendioxids spürbar reduziert,
da der Kalk in der Verbrennungsasche bereits in kalzinierter Form vorliegt.
Als weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Verwendung von Papierschlamm-
oder Teppichboden-Asche ist zu erwähnen, daß das bei der Rauchgasentschwefelung
anfallende Kalziumsulfat sowie der überschüssige Kalk zusammen mit der übrigen Flugasche
von den Filteranlagen (Elektrofilter oder Tuchfilter) des Verbrennungskraftwerks
aufgefangen werden und einer weiteren Verwertung zugeführt werden können. Das aufgefangene
Gemisch ist – anders als beispielsweise die übliche Steinkohleflugasche –
aufgrund seiner Inhaltsstoffe reaktionsfähig und kann, etwa als Bindemittel, in
der Baustoffindustrie eingesetzt werden.
Der erfindungsgemäße Einsatz der genannten Verbrennungsaschen für
die Rauchgasentschwefelung ist ferner vorteilhaft, da diese Materialien üblicherweise
weniger als 1 Gew.-% SO3 enthalten. Ein hoher Sulfatgehalt des Additivs
wäre im Hinblick auf die Effizienz der Entschwefelung kontraproduktiv.
Wenn die gemäß der Erfindung als Additiv eingesetzte Verbrennungsasche
sehr feinkörnig vorliegt, kann das Problem bestehen, daß das Additiv von den Verbrennungsgasen
mitgerissen wird und ungenutzt direkt in die Filter der Verbrennungsanlage des Kraftwerks
gelangt. Dies kann sinnvoll dadurch verhindert werden, daß die dem Brennstoff zugesetzte
Verbrennungsasche mit natürlichem Kalksteingrieß vermischt wird, der eine Körnung
von 0,2 bis 1,0 Millimeter aufweist. Das Verhältnis von Verbrennungsasche zu Kalksteingrieß
wird zweckmäßigerweise so gewählt, daß der zuvor beschriebene direkte Transport
der zugesetzten Verbrennungsasche in die Filter gerade verhindert wird. In der Praxis
hat es sich als ausreichend erwiesen, wenn das dem Brennstoff zugesetzte Additiv
aus bis zu 40 Gew.-% natürlichem Kalksteingrieß besteht. Bewährt hat sich eine Mischung
aus ca. 30 Gew.-% natürlichem Kalksteingrieß mit ca. 70 Gew.-% Papierschlamm- oder
Teppichboden-Asche.
Bei Kohlekraftwerken mit Schmelzkammerfeuerung liegt die Verbrennungstemperatur
in der Brennkammer oberhalb der Schmelztemperatur der bei der Verbrennung entstehenden
Asche. Die Schmelztemperatur der Asche hängt im wesentlichen von der Zusammensetzung
der verbrannten Kohle ab und kann dementsprechend stark schwanken. Der überwiegende
Teil der flüssigen Asche vereinigt sich zu einem Schmelzfluß am Boden der Brennkammer
und wird über Auslaßöffnungen darunter befindlichen, sogenannten Naßentschlackern
zugeführt. Es ist wichtig, im Bereich der Auslaßöftnungen Verkrustungen durch die
abgeführte Schlacke zu vermeiden, damit sich diese nicht im Laufe der Zeit zusetzen.
Außerdem ist zu beachten, daß für einen unter energetischen Gesichtspunkten effektiven
Schmelzkammerbetrieb die Brennkammertemperatur und die Schmelztemperatur der Asche
aufeinander abgestimmt sein müssen. Aus diesem Grund ist es üblich, bei Kohlekraftwerken
mit Schmelzkammerfeuerung die Schmelztemperatur durch Zusatz von Kalksteinmehl zur
Kohle zu regulieren (sog. Kohlekalkung).
Ausgehend von einem Verfahren zum Betrieb einer Verbrennungsanlage
eines Kohlekraftwerks mit Schmelzkammerfeuerung der eingangs erwähnten Art, wird
die der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende Aufgabenstellung, nämlich umweltverträgliche
Verwendungsmöglichkeiten von Papierschlammasche, der Asche aus der Verbrennung von
Teppichboden-Abfällen und vergleichbaren Abfallstoffen, die einen hohen Anteil technisch
verwertbarer Mineralstoffe aufweisen, bereitzustellen, außerdem dadurch gelöst,
daß die Schmelztemperatur der bei der Kohleverbrennung entstehenden Asche reguliert
wird, indem mit der Kohle eine Verbrennungsasche in die Brennkammer eingebracht
wird, die wenigstens 30 Gew.-% Kalk (CaO) enthält.
Gemäß der Erfindung kann vorteilhaft das üblichennreise zur Kohlekalkung
eingesetzte Kalksteinmehl durch eine Verbrennungsasche, wie beispielsweise Papierschlamm-
oder Teppichbodenasche, ersetzt werden. Die vorgeschlagene sinnvolle und ressourcenschonende
Verwendung dieser Materialien beruht wiederum auf deren hohem Gehalt an Kalk. Aber
auch die übrigen mineralischen Inhaltsstoffe der Verbrennungsaschen wirken sich
positiv beim Einsatz in Verbrennungskraftwerkes aus, da dadurch eine weitere Schmelzpunkterniedrigung
der beim Verbrennungsvorgang entstehenden Schlacke erzielt wird.
Besonders vorteilhaft ist ferner, daß die Papierschlamm- bzw. die
Teppichbodenasche bis zu 10 Gew.-% Magnesiumoxid enthält. Bereits geringe Mengen
von Magnesiumoxid reduzieren die Kristallisationstendenz der Schlacke, was vorteilhaft
hinsichtlich der Vermeidung von Verkrustungen an den Auslaßöffnungen der Brennkammer
ist.
Der TiO2-Gehalt der gemäß der Erfindung verwendeten Verbrennungsaschen
von bis zu 2 Gew.-% TiO2 ist vorteilhaft, da durch TiO2 der
vollständige Ausbrand der Kohle verbessert wird, so daß der Kohledurchsatz erhöht
und damit die Leistung des Kraftwerks gesteigert werden kann.
Es ist zweckmäßig, gemäß der Erfindung bis zu 5 Gew.-% Papierschlamm-
oder Teppichboden-Asche bezogen auf die Kohlemenge als Additiv zuzusetzen. Es zeigt
sich, daß sich durch die Zugabe von ca. 1 % Verbrennungsasche der Schmelzpunkt der
Schlacke um jeweils ca. 50°C reduzieren lässt. Durch das Additiv werden allerdings
die Qualität der beim Verbrennungsvorgang entstehenden Flugasche sowie auch die
Qualität der Schlacke, die als Granulat beispielsweise im Straßenbau eingesetzt
wird, negativ beeinflußt. Von daher ist dem Anteil des Additivs eine Obergrenze
gesetzt.
Als Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der folgenden Tabelle
die chemische Zusammensetzung einer Papierschlammasche angegeben, welche sowohl
für die Rauchgasentschwefelung als auch für die Regulierung der Schmelztemperatur
gemäß der Erfindung eingesetzt werden kann.
In der folgenden Tabelle ist die beispielhafte Zusammensetzung einer
für die erfindungsgemäßen Verwendungen einsetzbaren Teppichboden-Asche angegeben.
Anspruch[de]
Verfahren zur Rauchgasentschwefelung in Verbrennungskraftwerken, wobei
Brennstoff mit einem zugesetzten Additiv unter Zuführung von Verbrennungsluft verbrannt
wird, dadurch gekennzeichnet , daß es sich bei dem Additiv um eine Verbrennungsasche
handelt, die wenigstens 30 Gew.-% Kalk (CaO) enthält.
Verfahren nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei
der Verbrennungsasche um als Reststoff beim Altpapier-Recycling anfallende Papierschlammasche
handelt.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei
der Verbrennungsasche um Asche aus der Verbrennung von Teppichboden-Abfällen handelt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß das Additiv weniger als 1 Gew.-% SO3 enthält.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß die Verbrennungsasche vor der Einbringung in den Feuerungsraum mit natürlichem
Kalksteingrieß vermischt wird.
Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Additiv
aus bis zu 40 Gew.-% natürlichem Kalksteingrieß besteht.
Verwendung von Papierschlammasche als Brennstoff-Additiv für die Rauchgasentschwefelung
in Verbrennungskraftwerken.
Verwendung von Asche aus der Verbrennung von Teppichboden-Abfällen
als Brennstoff-Additiv für die Rauchgasentschwefelung in Verbrennungskraftwerken.
Verfahren zum Betrieb einer Verbrennungsanlage eines Kohlekraftwerks
mit Schmelzkammerfeuerung, wobei Kohle unter Zuführung von Verbrennungsluft in einer
Brennkammer verbrannt wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelztemperatur der
bei der Kohleverbrennung entstehenden Asche dadurch reguliert wird, daß mit der
Kohle eine Verbrennungsasche in die Brennkammer eingebracht wird, die wenigstens
30 Gew.-% Kalk (CaO) enthält.
Verfahren nach Anspruch 9 , dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei
der zugesetzten Verbrennungsasche um als Reststoff beim Altpapier-Recycling anfallende
Papierschlammasche handelt.
Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei
der zugesetzten Verbrennungsasche um Asche aus der Verbrennung von Teppichboden-Abfällen
handelt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet,
daß die zugesetzte Verbrennungsasche bis zu 10 Gew.-% MgO enthält.
Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet,
daß die zugesetzte Verbrennungsasche bis zu 2 Gew.-% TiO2 enthält.
Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet,
daß bis zu 5 Gew.-% Verbrennungsasche bezogen auf die Kohlemenge zugesetzt werden.
Verwendung von Papierschlammasche als Brennstoff-Additiv für die Regulierung
der Schmelztemperatur der bei der Kohleverbrennung in Schmelzkammerfeuerungsanlagen
anfallenden Asche.
Verwendung von Asche aus der Verbrennung von Teppichboden-Abfällen
als Brennstoff-Additiv für die Regulierung der Schmelztemperatur der bei der Kohleverbrennung
in Schmelzkammerfeuerungsanlagen anfallenden Asche.