Die Erfindung betrifft eine Absperrvorrichtung für einen Abgasweg
in einer Abgasanlage einer Feuerstätte, wobei die Abgasanlage eine normalerweise
in Brennbetriebsphasen der Feuerstätte aktive Gebläseeinrichtung zur Erzeugung eines
Überdrucks im Abgasweg aufweist und die Absperrvorrichtung ein Absperrelement umfasst,
das zwischen einer den Abgasweg sperrenden Schließstellung und einer den Abgasweg
zumindest teilweise freigebenden Öffnungsstellung verstellbar gelagert – und
durch Beaufschlagung mit dem Überdruck aus der Schließstellung heraus in Richtung
Öffnungsstellung gegen eine Schließkraft verstellbar ist.
Im Hinblick auf optimalen Wirkungsgrad von Feuerstätten besteht die
Tendenz, die Abgastemperaturen am Ausgang von Feuerstätten mehr und mehr zu senken.
Dies hat zur Folge, dass der thermische Auftrieb in Kaminen häufig nicht mehr ausreicht,
um eine zuverlässige Abführung der Abgase von den Feuerstätten auch unter ungünstigen
Wetterbedingungen zu gewährleisten. Um dennoch bei niedrigen Abgastemperaturen einen
zuverlässigen Ausstoß der Abgase in die Atmosphäre und die Zufuhr von Verbrennungsluft
zu gewährleisten, ist man dazu übergegangen, den Feuerstätten bzw. Abgasanlagen
Gebläse zuzuordnen, die in der Nähe der jeweiligen Feuerstätte meist unmittelbar
am Ausgang innerhalb oder außerhalb der Feuerstätte installiert sind. Durch diese
Gebläse wird in den die Abgase führenden Rohrleitungswegen ein Überdruck erzeugt.
Im Vergleich mit konventionellen Abgasanlagen mit natürlichem Kaminzug
können Abgasanlagen für Überdruckbetrieb normalerweise mit kleineren Abgasrohrquerschnitten
bzw. Kaminrohrquerschnitten dimensioniert werden. Dieser Gesichtspunkt wird häufig
bei Schornsteinsanierungen aufgegriffen. An einem Kamin einer solchen Abgasanlage
für Überdruckbetrieb können mehrere Feuerstätten, beispielsweise Gasfeuerstätten,
angeschlossen sein, wie dies z.B. in der DE
196 03 615 A1 beschrieben ist. Die Feuerstätten sind über jeweilige Abgasanschlussleitungen
mit einem gemeinsamen Kamin verbunden. Jede der Abgasanschlussleitungen ist mit
einer Absperrvorrichtung versehen, die zwischen der der jeweiligen Feuerstätte zugeordneten
Gebläseeinrichtung und dem Kamin positioniert ist. Im Beispielsfall der
DE 196 03 615 A1 weist jede der
Absperrvorrichtungen eine mittels Elektromotor zwischen ihrer Schließstellung und
Öffnungsstellung verstellbare Abgas-Absperrklappe in dem Abgasweg zwischen Feuerstätte
und Kamin auf. Während der Stillstandsphasen der Feuerstätte und der Gebläseeinrichtung
ist die Abgasklappe in die Schließstellung gebracht, in der sie den Abgasweg zur
Atmosphäre hin dichtend abschließt. Damit wird einerseits erreicht, dass über den
Abgasweg kein Raumluftabzug aus dem Aufstellraum der betreffenden Feuerstätte und
somit auch keine daraus resultierende beschleunigte Raumauskühlung stattfindet.
Andererseits verhindert die Abgasklappe in ihrer Schließstellung eine Abgasströmung
vom Kamin in Richtung Feuerstätte.
Es sind über die elektromotorisch angetriebenen Abgas-Absperrvorrichtungen
hinaus weitere Bauformen und Funktionsprinzipien von Abgas-Absperrvorrichtungen
bekannt. In der DE 37 15 855 C2
ist z.B. eine bimetallgesteuerte Absperrklappe für eine Abgasleitung einer Feuerstätte
offenbart. Bimetallelemente sind der Temperatur des Abgasstroms ausgesetzt und wirken
als temperaturabhängige Stellelemente für Klappenelemente der Absperrklappe, so
dass die Absperrklappe mit zunehmender Temperatur dem Abgasstrom einen zunehmenden
Öffnungsquerschnitt darbietet. Die bimetallgesteuerte Absperrklappe nach der
DE 37 15 855 C2 ist für ein atmosphärisches
Schornsteinsystem mit natürlichem Schornsteinzugausgelegt. Sie dichtet in ihrer
Schließstellung den betreffenden Abgasweg nicht vollständig ab.
Ebenfalls für ein konventionelles Abgasabführsystem mit natürlichem,
auf thermischen Auftrieb basierendem Schornsteinzug konzipiert ist eine Absperrvorrichtung
mit einem Klappenstellelement aus einem Material mit Memory-Effekt, wie es in der
DE 31 41 216 C2 erläutert ist. Das
aus einer Titan-Nickel-Legierung bestehende Verstellelement zeigt bei einer Phasenänderungstemperatur
eine praktisch verzögerungsfrei ablaufende Formänderung, die ggf. mit einer bestimmten
Hysterese reversibel ist, wenn die Temperatur wieder absinkt. Dieser Effekt wird
ausgenutzt, um eine betreffende Abgasklappe zwischen Schließstellung und Öffnungsstellung
hin- und herzuschalten.
Für den Einsatz in Abgasanlagen für Überdruckbetrieb sind Absperrvorrichtungen
bekannt, welche durch eine Rückstellkraft zur Schließstellung hin belastete und
in der Schließstellung den Abgasweg abdichtende Sperrelemente umfassen. Als Beispiel
sei die sogenannte Schwerkraft-Abgasklappe genannt, welche durch Schwerkraft zur
Schließstellung hin belastet ist. Im Überdruckbetrieb wird die Abgasklappe feuerstättenseitig
vom Überdruck beaufschlagt, so dass sie unter Überwindung der Schwerkraft in die
Öffnungsstellung übergeht.
Sobald die den Überdruck erzeugende Gebläseeinrichtung in den Stillstand
übergeht und die Druckdifferenz an der Abgasklappe weitestgehend abgebaut ist, sorgt
die rückstellende Schwerkraft dafür, dass die Abgasklappe wieder in den Schließzustand
zurückfällt, um den Abgasweg dichtend abzuschließen. Derartige Schwerkraft-Abgasklappen
haben sich in Abgasanlagen für Überdruckbetrieb gut bewährt. Nachteilig an solchen
zur Schließstellung hin belasteten Absperrklappen ist jedoch, dass die zur Überwindung
der Rückstellkraft erforderliche Energie stets von der Gebläseeinrichtung aufgebracht
werden muss. Dies hat negativen Einfluss auf die Energiebilanz des Systems und erfordert
entsprechend stark dimensionierte Gebläse.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, für eine Abgasanlage für
Überdruckbetrieb eine Absperrvorrichtung der eingangs genannten Art mit einem Absperrelement
bereitzustellen, welches durch Beaufschlagen mit Überdruck von der Schließstellung
in die Öffnungsstellung überführbar ist, wobei jedoch der Energieaufwand des Gebläses
für die Überdruckerzeugung weitgehend minimiert ist.
Zur Lösung der Aufgabe wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, dass die
Absperrvorrichtung eine reversibel temperaturabhängig wirksame Hilfsstelleinrichtung
für das Absperrelement aufweist, wobei die Hilfsstelleinrichtung wenigstens ein
temperaturempfindliches Hilfsstellelement im Abgasweg oder nahe am Abgasweg aufweist,
das dazu eingerichtet ist, bei einer Erhöhung seiner Temperatur in einem bestimmten
Temperaturbereich eine der Schließkraft kontinuierlich oder sprunghaft ansteigend
entgegengesetzte Kraft auf das Absperrelement auszuüben.
Bei deaktivierter Feuerstätte und ausgeschalteter Gebläseeinrichtung
befindet sich das Absperrelement im Schließzustand, so dass es den Abgasweg abdichtend
zur Atmosphäre hin verschließt. Wird dann die Gebläseeinrichtung eingeschaltet,
so erzeugt sie im Abgasweg einen Überdruck, der das Absperrelement feuerstättenseitig
beaufschlagt und schließlich bei Überwindung der Schließkraft in eine Öffnungsstellung
überführt. In dem Abgasweg kommt es dann zu einer Gasströmung von der Feuerstätte
in Richtung nach außen, so dass nach Aktivierung der Feuerstätte anstehende Abgase
über den Abgasweg nach außen zur Atmosphäre hin abgeführt werden können. Insoweit
funktioniert die Absperrvorrichtung nach der Erfindung ähnlich wie eine konventionelle
Abgasklappenvorrichtung mit Rückstellkraft, etwa eine Schwerkraft-Abgasklappe. Im
Betrieb einer Abgasanlage mit einer erfindungsgemäßen Absperrvorrichtung kommt jedoch
noch folgender Effekt hinzu. Sobald die von der Feuerstätte kommenden Abgase das
temperaturempfindliche Hilfsstellelement auf eine hinreichend hohe Temperatur erwärmt
haben, geht das Hilfsstellelement von einem mit der Schließstellung des Absperrelements
korrespondierenden Einstellzustand in einen Einstellzustand zur Ausübung einer der
Schließkraft des Absperrelementes entgegenwirkenden Kraft über, wobei es dem gegebenenfalls
bereits vorweg durch Gasdruckbeaufschlagung in die Öffnungsstellung überführten
Absperrelement folgt, um es in der Öffnungsstellung zu stützen. Vorzugsweise ist
die so von dem Hilfsstellelement aufgebrachte Stützkraft etwas kleiner als die rückstellende
Schließkraft des Absperrelementes, so dass bei Wegfall des Überdrucks im Abgasweg
die Resultierende aus Schließkraft und Stützkraft das Absperrelement in die Schließstellung
überführt, ungeachtet dessen, ob das Hilfsstellelement noch auf erhöhter Temperatur
oder bereits wieder auf niedrigerer Temperatur ist. Abgasrückströmung in dem Abgasweg
kann so zuverlässig unterbunden werden. Dieser Aspekt hat insbesondere bei Abgasanlagen
Bedeutung, bei denen der Kamin mit mehreren Feuerstätten belegt ist.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung umfasst die
Hilfsstelleinrichtung wenigstens ein Bimetallelement als temperaturempfindliches
Hilfsstellelement.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist das temperaturempfindliche
Hilfsstellelement zumindest teilweise aus einem Material mit Memory-Effekt bzw.
Formgedächtnis-Effekt gebildet.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist das Absperrelement
eine schwenkbar gelagerte Absperrklappe im Abgasweg. Eine solche Absperrklappe kann
einflügelig sein oder mehrere Klappenelemente aufweisen.
Es kann im Rahmen der Erfindung vorgesehen sein, dass das Hilfsstellelement
mittels eines Heizdrahtes oder dgl. beheizbar ist, um es in den mit einer Öffnungsstellung
des Absperrelementes korrespondierenden Einstellzustand zu überführen.
Die Erfindung wird nachstehend unter Bezugnahme auf die Figuren näher
erläutert.
Die 1a – 1c
zeigen schematisch ein Ausführungsbeispiel einer Absperrvorrichtung nach der Erfindung
in verschiedenen Betriebszuständen, wobei die Absperrvorrichtung in einem ausschnittsweise
und im Längsschnitt dargestellten Abgasrohr einer Abgasanlage für Überdruckbetrieb
angeordnet ist. Die Absperrvorrichtung weist eine Abgasklappe 3 auf, die
in 1a in ihrer den Abgasweg 9 in dem Abgasrohr
5 dicht sperrenden Schließstellung gezeigt ist. Es handelt sich im Beispielsfall
um eine Schwerkraftklappe, die unter der Wirkung der Schwerkraft in die Schließstellung
fällt, sobald Gegenkräfte ausfallen.
Das Abgasrohr 5 ist einerseits an einer (nicht gezeigten)
Gasfeuerstätte – und andererseits an einem (nicht gezeigten) Kaminrohr angeschlossen.
Die Seite des Feuerstättenanschlusses liegt in den 1a
– 1c unten, und die Seite des Kaminrohranschlusses
liegt in den 1a – 1c
oben. Ein Bimetallelement 7 ist als temperaturempfindliches Hilfsstellelement
im Abgasweg 9 vorgesehen. Ein Ende 11 des schleifenförmig gebogenen
Bimetallelementes 7 ist ortsfest an dem Abgasrohr 5 fixiert, wohingegen
das andere Ende 13 des Bimetallelementes 7 in 1a
frei an der Unterseite der Abgasklappe 3 liegt. Die Situation gemäß
1a liegt z.B. in einer Betriebspause der Feuerstätte
und des feuerstättenseitig vorgesehenen (nicht gezeigten) Gebläses zur Überdruckerzeugung
vor.
In 1b ist die Abgasklappe 3
um ihre orthogonal zur Abgasrohrachse verlaufende Schwenkachse 17 herum
nach oben in eine den Abgasweg 9 freigebende Öffnungsstellung verschwenkt,
wobei das Bimetallelement 7 seinen Zustand im Vergleich mit der
1a kaum geändert hat. Eine solche Situation kann in
der Startphase der Feuerstätte und des feuerstättenseitig angeordneten Gebläses
vorliegen. Das Gebläse hat bereits einen Überdruck im Abgasweg
9 aufgebaut, welcher die Abgasklappe 3 an deren Unterseite beaufschlagt
und in die Öffnungsstellung überführt hat, so dass eine mit den Pfeilen X angedeutete
Strömung im Abgasweg erzwungen wird. In der Startphase gemäß 1b
hat das Bimetallelement 7 noch keine merkliche Temperaturänderung erfahren.
Im weiteren Verlauf des Brennbetriebs der Feuerstätte gelangt zunehmend
mehr erhitztes Abgas zu dem Bimetallelement 7. Das Bimetallelement
7 erfährt dabei eine Temperaturerhöhung z.B. auf 50°C und ggf. höher
und damit einhergehend eine Formänderung, wie es in 1c
angedeutet ist. In der Situation gemäß 1c greift das
Bimetallelement 7 mit seinem freien Ende 13 oberhalb der bei
19 angedeuteten Schließstellungsebene an die Abgasklappe 3 an,
wodurch es eine Stützkraft für die Abgasklappe 3 in der gezeigten Öffnungsstellung
bietet. Das Offenhalten der Abgasklappe 3 ist somit nicht mehr allein dem
Gebläse und ggf. dem thermischen Auftrieb überlassen. Das Gebläse kann daher mit
geringerem Energieeinsatz betrieben werden, um den für die Abgasabführung erforderlichen
Überdruck aufrechtzuerhalten.
Es kann in speziellen Ausführungsformen der Erfindung zweckmäßig sein,
dass die Stützkraft des Hilfsstellelementes 7 bei entsprechender Temperatur
groß genug ist, um das Absperrelement 3 ohne Gebläseunterstützung in der
Öffnungsstellung zu halten. Vorzugsweise sollte die Absperrvorrichtung jedoch so
dimensioniert sein, dass die Stützkraft des Hilfsstellelementes 7 im erwärmten Zustand
allein nicht ausreicht, um das Absperrelement 3 bei Wegfall des Überdrucks
im Abgasweg 9 in der geöffneten Stellung zu halten. Es kann dann nicht
der Fall eintreten, dass nach Abschalten der Feuerstätte und des Gebläses und bei
etwaigem Auftreten eines Druckgefälles vom Kamin in Richtung der betreffenden Feuerstätte
eine Abgasrückströmung durch die Absperrvorrichtung hindurch stattfindet, weil das
noch erhitzte Hilfsstellelement 7 das Absperrelement 3 nur verzögert
in den Schließzustand übergehen lässt.
Im Beispielsfall der 1a –
1c wurde davon ausgegangen, dass das Hilfsstellelement
7 ein Bimetallelement ist. Wie oben bereits dargelegt, könnte das Element
7 auch ein Hilfsstellelement aus einem Material mit Memory-Effekt sein,
welches bei Temperaturen unterhalb einer Umwandlungstemperatur einen Formzustand
entsprechend 1a aufweist und welches bei Temperaturen
oberhalb der Umwandlungstemperatur einen Formzustand entsprechend 1c
einnimmt. Memory-Legierungen sind bekannt. z.B. NiTi, Cu-Zn-Al, Cu-Al-Ni.
Es wurde bei der gezeigten Ausführungsform der Erfindung bisher ferner
davon ausgegangen, dass die Erwärmung des Hilfsstellelements 7 nur durch
Wärmeübertragung vom Abgas auf das Hilfsstellelement 7 erfolgt. Gemäß einer
nicht gezeigten Variante der Erfindung kann das Hilfsstellelement 7 fremdbeheizbar
sein und hierzu etwa einen elektrischen Widerstandsheizdraht aufweisen. Durch Vorheizen
des Hilfsstellelementes 7 während einer Startphase kann somit erreicht
werden, dass das Hilfsstellelement 7 das Absperrelement 3 auch
schon in der Situation gemäß 1b unterstützt, also in
der Situation, in der bereits ein Überdruck aufgebaut ist, jedoch noch nicht genug
Abgaswärme zur Aktivierung des Hilfsstellelementes ansteht.
Es sei darauf hingewiesen, dass der Begriff Überdruckbetrieb im Rahmen
der vorliegenden Anmeldung allgemein auch die Situation erfassen soll, dass feuerstättenseitig
der betreffenden Absperrvorrichtung ein höherer Druck herrscht als kaminseitig der
Absperrvorrichtung. Dies kann z.B. auch dadurch erreicht werden, dass kaminseitig
der Absperreinrichtung eine ansaugende Gebläseeinrichtung für eine entsprechende
Druckdifferenz sorgt.
Durch Nachheizen des Hilfsstellelementes mit der Fremdheizung während
etwaiger Abgas-Abkühlphasen oder Heizbetriebspausen kann gemäß einer Variante der
Erfindung das Absperrelement über betreffende Zeitspannen bedarfsweise in der geöffneten
Stellung gehalten werden, auch wenn der Überdruck bereits weitgehend abgebaut ist.