Die vorliegende Erfindung betrifft Tragseile mit einer Vielzahl von
Kardeelen, die bei ihrem Einsatz die Kraft durch Haftreibung übertragen, wie zum
Beispiel Seile für Aufzüge.
Derzeit bestehen derartige Seile entweder aus einer Vielzahl von äusseren
Kardeelen mit einer Seele aus Stahl oder aus einer Vielzahl von äusseren Kardeelen
und einer Seele die nicht metallisch oder teilweise metallisch ist.
Die Seele hat für eine genaue Geometrie der Anordnung der sie umgebenden
äußeren Kardeele zu sorgen, die von ihr gestützt werden und insbesondere für ein
ausreichend großes Betriebsspiel zwischen ihnen zu sorgen, damit diese keinen zu
engen Kontakt miteinander eingehen, wodurch Reibungen und Abnutzungen der aneinander
reibenden Drähte hervorgerufen werden können mit dem Risiko des Blockierens, des
Ausfransens, der Kontaktkorrosion und des Bruchs.
Im Fall von vollständig aus Metall bestehenden Seilen ermöglicht die
aus Stahl bestehende Seele eine genaue Einhaltung der Geometrie, da die Segle kaum
in Radialrichtung verformbar ist. Die längenbezogene Masse derartiger Seile ist
jedoch erheblich. Da außerdem die äußeren Kardeele ebenfalls aus Stahl bestehen
(und damit in Radialrichtung kaum verformbar sind), werden erhebliche Drücke von
diesen äußeren Kardeelen auf die Seele ausgeübt, insbesondere dann, wenn das Seil
über Rollen oder Trommeln läuft. Dies kann zu Abnutzung und Ausfransen zwischen
den äußeren Kardeelen und der Seele führen. Auch der hohe Kontaktdruck der äußeren
Kardeele auf die Rollen oder Trommeln kann zu ihrer Beschädigung führen.
Aus diesem Grund werden häufig für derartige Anwendungen, insbesondere
wenn es sich dabei um Seile für Aufzüge handelt, Seile verwendet, deren äußere Kardeele
aus Stahl bestehen, die jedoch eine Seele aus harten Naturfasern aufweisen, zum
Beispiel aus Sisal.
Diese Kabel weisen eine längenbezogene Masse auf die kleiner ist als
diejenige der vollständig aus Stahl bestehenden Seile, sowie zusätzlich die folgenden
Vorteile:
– die Seele aus Naturfasern enthält einen Vorrat an Schmiermittel, mit
dem sie getränkt ist und der während des Zusammenpressens der Seele durch die äußeren
Kardeele nach und nach austritt,
– die von den äußeren Kardeelen auf die Seele ausgeübte Reibung ist gering,
wodurch ein derartiges Seil eine hohe Biegsamkeit aufweist.
Für Aufzüge oder Fahrstühle werden die Tragseile üblicherweise derart
eingesetzt, dass sie eine Antriebsrolle mehrfach umschlingen in Form von Seillagen
oder parallel verlaufenden Trumen. Um die maximale Belastung gleichmäßig auf alle
Trume zu verteilen ist es erforderlich, dass die Gesamtheit der Trume ein homogenes
Verhalten während des Betriebes aufweist, insbesondere im Hinblick auf ihre Durchmesser
und im engen Zusammenhang damit auf ihre permanente oder verbleibende Längung. Damit
alle Trume die gleiche Zugkraft ausüben ist es unbedingt erforderlich, dass ihre
Durchmesser nicht nur gleich groß sind sondern auch konstant bleiben. Ist dies nämlich
nicht der Fall, so werden einige Trume mit einer Zugbelastung beaufschlagt, während
andere entspannt sind, wodurch wiederum Schwingungen und differentielle Spielveränderungen
(örtliche Spielverringerungen bei der Verschiebung eines Trumes relativ zu einem
anderen) auftreten können, mit der Folge, dass eine Abnutzung des Seiles sowie eine
Ausbildung von Nuten in der Antriebsrolle hervorgerufen wird.
In dieser Hinsicht weisen Seile mit einer Seele aus Sisal den Nachteil
eines ungleichmäßigen Durchmessers der Seele auf sowie einer ungleichmäßigen Kompressibilität
bei Beaufschlagung mit einer Zugkraft und bei den dazugehörigen abwechselnd auftretenden
Zyklen von Belastung – Flexion, wodurch Variationen der Längung mit den dazu
gehörigen oben erwähnten Nachteilen bewirkt werden.
Außerdem treten noch zunehmende Schwierigkeiten bei der Beschaffung
von Sisalfasern auf, die von einer Pflanze stammen, deren Anbau immer weiter zurück
geht.
Es wurde bereits versucht, Sisal durch aus Kunststoff bestehende Fasern
zu ersetzen, jedoch wurde dabei festgestellt, dass einerseits derartige Fasern weniger
wirksam sind als Sisal hinsichtlich ihrer Funktion als Vorratsammler für ein Schmiermittel
und andererseits erhebliche geringere Reibwerte der Seele an den äußeren Kardeelen
auftreten. Dieses führt dazu, dass die daraus gefertigten Seile einen geringeren
Widerstand gegen Ermüdung aufweisen auf grund des Abriebs während des Betriebes
der Seele durch die Kardeele mit zusätzlich hervorgerufener Abnutzung der Seele
und damit Verringerung des Durchmessers des Seiles und auftretender permanenter
Längung.
Aus der Veröffentlichung US 3 729 921
ist ein Seil bekannt geworden, das eine Vielzahl von äußeren Kardeelen aufweist,
die jeweils aus um eine Seele aus einem synthetischem Material geschlagenen Metalldrähten
bestehen und die um eine zentrale Seele verseilt sind, die selbst aus Kardeelen
aufgebaut ist, die um einen mittigen Kern verseilt sind.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein neuartiges Tragseil vorzuschlagen,
das insbesondere für den Einsatz in Aufzügen oder ähnlichen Hebeanlagen geeignet
ist und das im Hinblick auf eine Überwindung der oben aufgezählten Nachteile eine
geringere permanente Längung aufweist sowie eine quasi-ideale Verteilung der Kontaktdrücke,
vor allem beim Umschlingen von Rollen oder Trommeln.
Zu diesem Zweck betrifft die Erfindung ein Seil mit einer Vielzahl
von äußeren Kardeelen, die metallische Drähte aufweisen, welche um einen Kern aus
einem synthetischem Material verdrillt sind, wobei die Kardeele um eine zentrale
Seele verseilt sind, die selbst aus Kardeelen besteht, die um einen zentralen Kern
verseilt sind; es ist dadurch gekennzeichnet, dass die äußeren Kardeele mit der
gleichen Steigung wie die Kardeele der Seele verseilt sind sowie parallel zu diesen
verlaufen und dass die Seele vollständig aus Metall besteht.
Das erfindungsgemäße Seil weist eine sehr hohe geometrische Stabilität
auf infolge der nur geringfügig komprimierbaren metallischen Seele und der daraus
resultierenden permanenten Längung während des Einsatzes. Die längenbezogene Masse
ist gleich oder zumindest fast gleich derjenigen eines äquivalenten Seiles mit äußeren
Kardeelen aus Metall und einer Seele aus Naturfasern und damit kleiner als diejenige
eines rein metallischen Seiles mit dem gleichen Durchmesser.
Außerdem gewährleistet das synthetische Material des Kerns der äußeren
Kardeele dass diese sich während des Umschlingens der Rollen oder Trommeln verformen
indem sie die Gestalt der Nut annehmen in der sie verlaufen. Dies führt zu einer
quasi idealen Verteilung der Kontaktdrücke und damit zu einer erheblichen Verringerung
der Drücke zwischen den äußeren Kardeelen und der Seele, was wiederum das Risiko
von Ausfransungen verringert, da die Kardeele der Seele und die äußeren Kardeele
mit einer analogen Steigung gewickelt sind. Eine große Verringerung des Drucks wird
ebenfalls erzielt zwischen den äußeren Kardeelen und den Umschlingungsteilen, verbunden
mit einer Verringerung des Risikos einer Beschädigung dieser Teile. Damit wird der
Widerstand gegen Ermüdung des erfindungsgemäßen Seiles erheblich verbessert verglichen
mit demjenigen eines Seiles mit einer Textilseele.
Schließlich kann auf Grund der Tatsache, dass die metallische Seele
eine stabile Abmessung aufweist und demzufolge die aus den verschiedenen Metallschichten
bestehenden äußeren Kardeele die Herstellungstoleranz des Durchmessers des Seiles
erheblich verkleinert werden, das heißt auf -0, +3% des Nenndurchmessers gegenüber
-0, +5 oder 6% für ein Seil mit Textilseele.
Weitere Merkmale und Vorteile gehen aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Tragseiles hervor, das insbesondere
für den Einsatz im Zusammenhang mit einem Aufzug geeignet ist oder aber für Anlagen
mit einer Vielzahl von Seilen zur Kraftübertragung mittels Haftreibung.
Es wird nun Bezug genommen auf die beigefügte Zeichnung, in der ein
Querschnitt dieses Seiles dargestellt ist.
Das mit 1 bezeichnete Seil weist mehrere äußere Kardeele
2 auf, wobei in diesem Ausführungsbeispiel acht Kardeele dargestellt sind,
die eine Seele 3 umgeben. Die Seele 3 wiederum weist einen zentralen
Kern 4 auf ( der in vorteilhafter Weise selbst aus einem Kardeel besteht
), sowie vier primäre Kardeele 5 und vier sekundäre Kardeele
6. Alle Kardeele der Seele bestehen aus Stahl und sind als Längsschlag
ausgeführt.
Die äußeren Kardeele 2 sind als Kreuzschlag ausgeführt unter
paralleler Anordnung mit der gleichen Steigung wie die Kardeele der Seele, die selbst
wiederum dergestalt angeordnet sind, dass alle inneren Kontaktstellen zwischen den
Schichten und zwischen den verschiedenen benachbarten Kardeelen linear sind, wodurch
eine Verringerung der Kontaktdrücke erzielt wird und demzufolge auch eine Verringerung
des Risikos von Ausfransungen.
Die äußeren Kardeele 2 bestehen aus einer äußeren Schicht
21 aus Stahldrähten, die um einen zentralen Träger 22 verseilt
sind, der aus einem synthetischen Material besteht mit guten mechanischen Eigenschaften,
wie beispielsweise Polyäthylen, Polypropylen, Polyamid oder ähnliche Stoffe, die
in vorteilhafter Weise thermoplastische Eigenschaften aufweisen.
Die zentrale Halterung kann zusätzlich aromatische Fasern, Kohlenstofffasern
oder Glasfasern oder andere Fasern mit hoher mechanischer Festigkeit enthalten,
die von einer Hülle aus Polyäthylen, Polypropylen, Polyamid oder analogen Stoffen
umgeben sind.
In vorteilhafter Weise werden die äußeren Kardeele 2 dadurch
hergestellt, dass die Drähte 21 der Außenschicht auf einem Bund aus dem
synthetischen Material angeordnet werden, das durch Wärmeinwirkung dergestalt erweicht
worden ist, dass die Drähte in die Oberfläche des synthetischen Materials eindringen
und dass zugleich letzteres sich zwischen den Drähten ausbreitet und dabei alle
Zwischenräume ausfüllt.
Obwohl in dem in der Figur dargestellten Ausführungsbeispiel nur eine
Lage an Drähten 21 dargestellt ist, sei betont, dass mehrere Lagen an Drähten zum
Aufbau der äußeren Kardeele 2 verwendet werden können, zum Beispiel zwei
Lagen, die wie oben ausgeführt worden ist, derart miteinander vereint werden, dass
auch dabei das synthetische Material die Zwischenräume ausfüllt.
Die Herstellung der äußeren Kardeele kann insbesondere in ähnlicher
Weise gemäss einem Verfahren erfolgen, wie es im einzelnen im Zusammenhang mit der
Herstellung von Seilen mit einer nicht metallischen Seele in der Veröffentlichung
FR-A-1 601 293 beschrieben ist, auf die an dieser Stelle ausdrücklich verwiesen
wird.
Es sei betont, dass gemäss diesem Verfahren der Bund aus synthetischem
Material, der die zentrale Halterung 22 bildet, vor der
Anordnung der ihn umgebenden Drähte zumindest teilweise mit dem Innenprofil der
Drahtlage zu versehen ist, die er nach der Verseilung aufnimmt, um so die Geometrie
des Kardeels zu gewährleisten durch automatische Voranordnung der Drähte auf dem
Bund.
Wie bereits weiter oben ausgeführt werden die äußeren Kardeele
2 mit der gleichen Steigung verseilt wie die Kardeele 5,
6 der Seele und damit parallel zu ihnen. Diese bevorzugte Anordnung weist
noch den Vorteil auf, dass die Herstellung des Seiles mit einem einzigen Verseilungsschritt
erfolgen kann, bei dem alle Kardeele, das heißt die Kardeele der Seele und die äußeren
Kardeele, gleichzeitig in einem einzigen Verseilungsschritt gefertigt werden.
Das synthetische Material für die zentrale Halterung 22 der
äußeren Kardeele 2 ermöglicht eine sehr gute Verteilung der Kontaktdrücke
dieser Kardeele auf die Umschlingungsteile, wie zum Beispiel Rollen oder Trommeln,
da das Material es den äußeren Kardeelen ermöglicht, sich elastisch entlang ihres
Querschnitts zu verformen und sich damit in bestmöglicher Weise an das Profil der
Nuten oder Stützflächen der Umschlingungsteile anzupassen.
Aus den gleichen Gründen ist die Verteilung der Kontaktdrücke der
äußeren Kardeele auf die Kardeele der Seele erheblich verbessert verglichen mit
Seilen, die äußere Kardeele aufweisen, die vollständig aus Metall bestehen sowie
eine Seele aufweisen, die ebenfalls vollständig aus Metall besteht oder eine gemischte
Zusammensetzung aufweist. Damit wird eine sehr geringe Abnutzung der metallischen
Seele erzielt.
Neben den vorstehend aufgeführten Vorteilen, die sich auf die Einsatzbedingungen
des Seiles beziehen, ermöglicht es die Erfindung ferner, dank des Einsatzes einer
metallischen Seele, die Toleranz des Nenndurchmessers zu verkleinern, die halbiert
werden kann, verglichen mit Seilen, die eine Textilseele aufweisen und für die vorgesehene
Anwendung bestimmt sind.
Außerdem ermöglicht der Aufbau des Seiles nach der Erfindung infolge
der Begrenzung seiner diametralen Abflachung während des Einsatzes eine erhebliche
Verkleinerung der permanenten Längung während des Betriebes. Durchgeführte Versuche
haben ergeben, dass die permanente Längung drei bis sechs mal kleiner ist als diejenige
von herkömmlichen Seilen mit einer aus Sisalfasern bestehenden Seele.
Als Beispiel werden in der folgenden Tabelle Vergleichswerte für durchgeführte
Versuche angegeben, einmal für ein herkömmliches Seil mit Textilseele und einmal
für ein Seil nach der Erfindung.
Die Daten wurden erhalten vor, während und nach einem herkömmlichen
Ermüdungsversuch mittels einer Rolle mit einem Durchmesser von 300 mm unter Verwendung
von Seilen mit einem Nenndurchmesser von 13 mm:
Die Erfindung ist nicht auf das beschriebene Ausführungsbeispiel des
Seiles beschränkt, das nur der Erläuterung dient. Insbesondere kann sowohl die Zusammensetzung
der Seele unterschiedlich von der oben beschriebenen Zusammensetzung sein als auch
die Anzahl, die Ausbildung und die Relativanordnung der Kardeele der metallischen
Seele ohne die durch die Verwendung der erfindungsgemäßen äußeren Kardeele erreichten
Vorteile zu gefährden.
Die Anzahl der äußeren Kardeele kann auch modifiziert werden.
Anspruch[de]
Seil, bestehend aus einer Vielzahl von äußeren Kardeelen (2),
die Metalldrähte (21) aufweisen, welche um einen Kern (22) aus
einem synthetischem Material verdrillt sind und um eine zentrale Seele (3)
verseilt sind, die selbst Kardeele (5, 6) aufweist, die um einen
zentralen Kern (4) verseilt sind, dadurch gekennzeichnet, dass die
äußeren Kardeele (2) mit der gleichen Steigung verseilt sind wie die Kardeele
(5, 6) der Seele und parallel zu diesen verlaufen
und dass die Seele (3) vollständig aus Metall besteht.
Seil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das synthetische
Material des Kerns (22) der äußeren Kardeele (2) ein thermoplastisches
Material ist.
Seil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern (22)
der äußeren Kardeele (2) aromatische Fasern, Kohlenstofffasern oder Glasfasern
enthält.
Seil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern (22)
der äußeren Kardeele (2) synthetische Fasern mit hoher mechanischer Festigkeit
enthält, die von einer Hülle aus thermoplastischem Material umgeben sind.
Seil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Material des
Kerns (22) der äußeren Kardeele (2) Polyäthylen, Propylen oder
Polyamid ist.
Seil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der zentrale Kern
(4) selbst aus einem Kardeel besteht.