Technisches Gebiet
Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Leistungselektronik.
Sie geht aus von einer Stromrichterschaltungsanordnung nach dem Oberbegriff des
ersten Anspruchs.
Stand der Technik
Solche Schaltungsanordnungen werden beispielsweise im Artikel "Efficient
Snubbers for Voltage-Source GTO Inverters" von W. McMurray, IEEE Transactions
on Power Electronics, Vol. PE-2, No. 3, July 1987 beschrieben. Es handelt sich
dabei um Stromrichterschaltungsanordnungen mit mindestens zwei in Serie geschalteten
GTOs, welche an eine Gleichspannungsquelle angeschlossen sind und mit dem gemeinsamen
Knotenpunkt der Serieschaltung einen Lastanschluss bilden. Parallel zu den GTOs
sind ausserdem sogenannte Antiparalleldioden vorgesehen, welche nach der Kommutierung
den Stromfluss übernehmen. Um die GTOs beim Schalten vor allzu hohen Strom- und
Spannungsflanken zu schützen, muss eine Beschaltung oder englisch "Snubber" vorgesehen
werden. Diese umfasst nach dem Stand der Technik, wie er im erwähnten Artikel dargestellt
ist, ein vergleichsweise aufwendiges Netzwerk von Induktivitäten, Kondensatoren,
Widerständen und Dioden, welches parallel und in Serie zu den GTOs und Antiparalleldioden
angeordnet ist. Weitere Beschaltungsvarianten offenbart der Artikel "An Overview
of Low-Loss Snubber Technology for Transistor Converters" von A. Ferraro, IEEE
1982, Seiten 466-467.
In den Europäischen Patentanmeldungen EP-A1-0 489 945 und der WO-93/09600
wird die sogenannte "harte Ansteuerung" eines GTO beschrieben, und es werden Schaltungsanordnungen
für entsprechende Ansteuereinheiten angegeben. Im Hinblick auf diese beiden Europäischen
Patentanmeldungen versteht man unter dem Begriff "harte Ansteuerung" die Ansteuerung
des GTO mit einem Gatestrom, der so gestaltet ist, dass die Abschaltverstärkung
IA/IGpeak deutlich kleiner ist als 3 und dass ein Anodenspannungsanstieg von mindestens
1 kV/µs resultiert. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist diese harte Ansteuerung
von Bedeutung und der Inhalt der oben genannten Europäischen Patentanmeldungen
soll deshalb an dieser Stelle ausdrücklich aufgenommen werden.
Die nach dem obigen Stand der Technik gebauten GTO-Phasenbausteine
- darunter versteht man denjenigen Teil eines Stromrichters, der für eine Phase
eines Wechselspannungssystem benötigt wird - weisen aber immer noch einen vergleichsweise
hohen Grad an Komplexität auf. Gründe hierfür sind:
- das hohe Mass an Schutzbeschaltungen, die zum Begrenzen der Strom- und Spannungssteilheit
beim Ein- und Ausschalten der GT0s und Dioden notwendig sind;
- die Wechselwirkung zwischen den Beschaltungsmassnahmen (Kondensatoren zur dV/dt-Begrenzung
bilden Schwingkreise mit den Drosseln zur dI/dt-Begrenzung);
- das Einwirken von Störungen aus dem versorgenden Zwischenkreis auf die jeweilige
Phase mittels Verschiebungsströmen in den dV/dt-Kondensatoren, die zu störenden
Ladungsträgerinjektionen in die Snuberdioden führen kann;
- die Verknüpfung der Eigenschaften vieler Einzelbauelemente zu einem komplexen
Gesamtgebilde (Phasenbaustein, Umrichter), in dem Eigenschaften eines Einzelelementes
(GTO, Ansteuerung des GTO, Diode, Snubber, Parasitäten des Zwischenkreises) im
allgemeinen nicht ohne Gefährdung anderer Elemente geändert werden.
GTO-Phasenbausteine sind deshalb gross, kostspielig und entwicklungsintensiv.
Nur in wenigen Fällen ist es gelungen, dem Wunsch des Kunden nach Modularität
und einfachem Service wirksam und mit vertretbarem Mehraufwand nachzukommen.
In der nicht vorveröffentlichten Deutschen Patentanmeldung P 195 23
095.7 ist es gelungen, dass Beschaltungsnetzwerk zu verkleinern. Zum Einsatz kommen
dort insbesondere GTOs, wie sie im US Patent No. 5,345,096 beschrieben werden.
Es muss aber pro Zweig immer noch ein Spannungsanstieg begrenzender Schutzkondensator
vorgesehen werden. Gerade aber die Kondensatoren sind vergleichsweise teuer und
nehmen auch viel Platz in Anspruch. Wünschenswert wäre deshalb eine Schaltungsanordnung,
bei welcher ganz auf ein Beschaltungsnetzwerk verzichtet werden kann.
Darstellung der Erfindung
Die Aufgabe der Erfindung ist es, eine Stromrichterschaltungsanordnung
anzugeben, welche modular, kostengünstig und klein aufgebaut werden kann. Parasitäre
Effekte der beschriebenen Art sollen durch die Schaltung weitgehend von vorn herein
ausgeschlossen sein, so dass Entwicklungsrisiko und -kosten auf ein Mass zurückgehen,
wie es derzeit bereits von IGBT-Umrichtern der unteren Spannungs- und Leistungsklassen
her bekannt ist. Insbesondere sollen die Leistungshalbleiterschalter ohne Schutzbeschaltungsnetzwerk
betrieben werden können.
Diese Aufgabe wird bei einer Stromrichterschaltungsanordnung der eingangs
genannten Art durch die Merkmale des ersten Anspruchs gelöst. Kern der Erfindung
ist es also, dass
- die abschaltbaren Thyristoren hart angesteuert werden. Insbesondere soll das
Verhältnis des Anodenstroms IA zu einem maximalen Gatestrom IGpeak,
IA/IGpeak, kleiner oder gleich 1 sein, und der Gatestrom
soll derart schnell ansteigen, dass der Maximalwert IGpeak innerhalb
einer Anstiegszeit tr kleiner gleich 2µs, vorzugsweise kleiner gleich 1µs, erreicht
wird;
- eine Gesamtinduktivität LG des Ansteuerkreises jedes GTOs muss so klein gewählt
werden, dass LG≤ VGR/(IGpeak/tr) gilt, wobei
VGR der Rückwärtsblockierspannung des Gates entspricht;
- eine Freilaufschaltung zwischen der Gleichspannungsquelle und der Serieschaltung
der abschaltbaren Thyristoren vorgesehen ist; und dass
- die zu den Thyristoren antiparallel liegenden Dioden ein Rückstromverhalten
mit einer Spannungszeitflanke dV/dt von 2 kV/µs bis 10 kV/µs aufweisen.
Diese Kombination von Massnahmen ermöglicht die Angabe einer Schaltung,
die ohne die bisher notwendigen Snubberkondensatoren arbeiten kann. Dadurch werden
Komponenten eingespart. Dies ermöglicht eine Kostenreduktion, und erfordert ein
geringeres Bauvolumen. Ausserdem werden die Verluste des Umrichters durch den Wegfall
gespeicherter Energien reduziert. Die Verluste bei Teillast sind mit der erfindungsgemässen
Schaltung ungefähr proportional zum Laststrom, und die parasitären Einwirkungsmöglichkeiten
werden aufgebrochen. Dadurch sind geringere Entwicklungskosten, ein kleineres Risiko
und hoher Standardisierungsgrad möglich.
Die Freilaufschaltung umfasst einen Kondensator, eine Induktivität,
eine Diode und einen Widerstand, wobei der Kondensator parallel zur Serieschaltung
der abschaltbaren Thyristoren liegt.
Es werden verschiedene Ausführungsbeispiele für die Freilaufschaltung
angegeben. Im einfachsten Fall ist pro Zweig eine Freilaufschaltung vorgesehen.
Teile oder sogar die ganze Freilaufschaltung können auch für eine Mehrzahl von
Zweigen verwendet werden. Dadurch ergeben sich Schaltungen, welche durch einen
äusserst kompakten Aufbau gekennzeichnet sind.
Weitere Ausführungsbeispiele ergeben sich aus den entsprechenden abhängigen
Ansprüchen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen im
Zusammenhang mit den Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- Ein Ersatzschaltbild einer erfindungsgemässen Stromrichterschaltungsanordnung;
- Fig. 2
- Strom- und Spannungsverlauf des Rückstromverhaltens der Antiparalleldioden;
- Fig. 3
- Eine zweite Ausführungsform der Erfindung;
- Fig. 4
- Eine dritte Ausführungsform der Erfindung;
- Fig. 5
- Eine Variante der Ausführungsform nach Figur 1.
Die in den Zeichnungen verwendeten Bezugszeichen und deren Bedeutung
sind in der Bezugszeichenliste zusammengefasst aufgelistet. Grundsätzlich sind
in den Figuren gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen.
Wege zur Ausführung der Erfindung
Figur 1 zeigt einen Zweig einer erfindungsgemässen Stromrichterschaltungsanordnung
1. Mit GTO 1 und GTO2 sind zwei Abschaltthyristoren bezeichnet, die in Serie geschaltet
sind. Der mittlere gemeinsame Knotenpunkt bildet einen Phasen oder Lastanschluss,
an welche z.B. die Phasenanschlüsse eines Asynchronmotors angeschlossen werden
können. Zwischen den Abschaltthyristoren und einer Gleichspannungsquelle, welche
insbesondere durch einen Gleichspannungszwischenkreis Uzk eines Umrichters gebildet
wird, ist eine Freilaufschaltung 2 angeordnet.
Die GTOs der erfindungsgemässen Schaltung werden hart angesteuert.
Es konnte gezeigt werden, dass es durch die harte Ansteuerung möglich wird, die
durch die thermischen Möglichkeiten der GTOs (Wärmeerzeugung und -abfuhr) markierten
Abschaltwerte für die meisten Anwendungen im Betrieb ohne Beschaltungs-, d.h. Spannungsanstieg
begrenzende Kondensatoren, zu erreichen.
Im Gegensatz zur Erfindung sind bei Stand der Technik immer noch Schutzkondensatoren
parallel zu den GTOs notwendig.
Im Gegensatz zur eingangs erwähnten EP-A1-0 489 945, wo noch kein
beschaltungsfreier Betrieb möglich ist, soll das Verhältnis des Anodenstroms IA
zu einem maximalen Gatestrom IGpeak, IA/IGpeak,
kleiner oder gleich 1 sein, und der Gatestrom soll derart schnell ansteigen, dass
der Maximalwert IGpeak innerhalb einer Anstiegszeit tr kleiner gleich
2µs, vorzugsweise kleiner gleich 1µs, erreicht wird.
Zu diesem Zwecke muss auch eine Gesamtinduktivität LG des Ansteuerkreises
jedes GTOs so klein gewählt werden, dass LG≤ VGR/(IGpeak/tr)
gilt, wobei VGR der Rückwärtsblockierspannung des Gates entspricht. Für Hochstrom-GTOs
erreicht man dieses Ziel z.B. mit einem Aufbau, wie er in der eingangs genannten
US 5,345,096 gelehrt wird.
Insgesamt erreicht man durch diese Art der Ansteuerung, dass der Kathodenstrom
beim Abschalten den Wert Null erreicht, bevor die Anodenspannung ansteigt.
Antiparallel zu den GTOs sind Antiparalleldioden D1, D2 vorgesehen.
Diese können im Falle eines rückwärtsleitenden GTOs auch im GTO integriert werden.
Diese Dioden erfordern eine Begrenzung des dI/dt, die in bekannter Weise durch
die Induktivität L erreicht wird. Die Dioden müssen neu ohne Snubberkondensator
oder Beschaltung gegen diese induktive Last abkommutieren (Rückstromverhalten,
"Reverse Recovery"). Die Dioden zeigen ein Rückstromverhalten, wie se in Figur
2 oben dargestellt ist. Bei Übernahme der Spannung fliesst der Strom zunächst einmal
für eine bestimmte Zeit in umgekehrter Richtung weiter. Erst dann steigt die Spannung
mit einer bestimmten Flankensteilheit dV/dt an. Für die Erfindung werden deshalb
speziell getrimmte Dioden (z.B. durch Lifetime-design mittels Protonen- oder Heliumbestrahlung)
eingesetzt, die vorzugsweise so eingestellt werden, dass ihr dV/dt beim Abkommutieren
unter Vollast im Bereich von 2 kV/µs ... 10 kV/µs liegt (siehe Figur 2).
Der snubberfreie Betrieb der GT0s und Antiparalleldioden führt speziell
beim Design auf kleine Schaltverluste zu hohen dV/dt und entsprechend schnellen
Abkommutierungsvorgängen mit hohen dl/dt. Es ist deshalb ein extrem niederinduktiver
Aufbau notwendig (Gesamtkreis-Streuinduktivität < 100 ... 200nH). Zwischenkreis
und Freilaufwiderstände lassen im allgemeinen einen solch niederinduktiven Aufbau
nicht zu. Nach der Erfindung ist deshalb eine Schaltung notwendig, die die Einführung
eines niederinduktiven Überlaufs gestattet. Der Überlaufkondensator C wird dabei
in seiner Grösse so bemessen, dass er die transienten Überspannungen wirksam begrenzt,
den Freilauf der Induktivität aber im wesentlichen nicht beeinflusst. So resultiert
ein Kondensator mit C = 1 µF bis 3µF für die meisten Anwendungen im Bereich von
3kA Abschaltstrom.
Deshalb ist zwischen der Gleichspannungsquelle Uzk und den Schaltern
eine niederinduktive schnelle Freilaufschaltung 2 vorgesehen. Im einfachsten Fall
(Figur 1) umfasst diese Schaltung einen Kondensator C, welcher parallel zu den
GTOs angeordnet ist und eine von einer Induktivität überbrückte Serienschaltung
eines Widerstands R und einer Diode D, wobei der Widerstand R bzw. der Kondensator
C einerseits mit der Kathode der Diode und andererseits mit dem Plusanschluss bzw.
Minusanschluss der Gleichspannungsquelle verbunden ist.
In Figur 1 ist lediglich ein Zweig eines Stromrichters dargestellt.
Im Allgemeinen sind mehrere Zweige oder Phasenbausteine vorgesehen und jedem Phasenbaustein
wird eine Freilaufschaltung zugeordnet. Besonders bevorzugte Ausführungsformen
lassen es zu, diese Elemente darüber hinaus für mehrere Phasenbausteine gemeinsam
zu nutzen:
In Figur 3 wird der Freilaufwiderstand R und der Überlaufkondensator
C von mehreren Phasenbausteinen gemeinsam genutzt. Es ist aber für jeden Zweig
eine Induktivität vorgesehen. Diese Ausführungsform weist folgende Vorteile auf:
- Geringere Anzahl Bauelemente
- Konzentration der Wärmeleistung in einem Widerstand, d.h. geringer Kühlaufwand
speziell bei Wasserkühlung, erhöhte Zuverlässigkeit bezüglich Wasserführung und
Widerstandsdesign (robuster).
- kompakte Modulbauweise.
Bei der Ausführungsform nach Figur 4 werden die Induktivität L, der
Widerstand R, der Überlaufkondensator C und die Diode D gemeinsam genutzt. Die
Vorteile dieser Schaltung sind:
- extrem geringer Aufwand
- kompaktes Design
- minimales Gewicht und Bauvolumen (nur eine Induktivität, minimale Verschienungen).
Bei dieser Schaltung sollte vor dem Schalten einer Phase aber der
Schaltvorgang eines Vorgängers soweit abgeschlossen sein, dass nur noch ein geringer
Strom im Freilaufwiderstand R fliesst.
Die Freilaufschaltungen können aber auch, wie in Figur 5 für einen
Zweig beispielhaft gezeigt wird, zwischen dem Minuspol des Gleichspannungszwischenkreises
und den Abschaltthyristoren angeordnet sein. Die Diode D muss dann mit umgekehrter
Polarität eingesetzt werden. Der Rest der Schaltung ist spiegelsymmetrisch.
Insgesamt ergibt sich durch die erfindungsgemässen Massnahmen die
Möglichkeit, einen Stromrichter zu bauen, der ohne Schutzbeschaltung der Abschaltthyristoren
und Antiparalleldioden auskommt.
Der Stromrichter kann auch die Form eines Dreipunktwechselrichters
aufweisen. In diesem Fall sind pro Zweig mindestens vier Schalter vorgesehen, und
es kann durch entsprechende Verschaltung der Schalter und des Gleichspannungszwischenkreises
nicht nur die positive und die negative Zwischenkreisspannung sondern auch Null
Volt an den Lastanschluss, der wiederum durch den mittleren gemeinsamen Knoten
der Serieschaltung der Schalter gebildet wird, geschaltet werden. Die Funktion
und der Aufbau eines Dreipunktwechselrichters sind aus vielen Fundstellen der Literatur
bekannt und brauchen hier nicht weiter erklärt werden.
Bezugszeichenliste
- 1
- Stromrichterschaltungsanordnung
- 2
- Freilaufschaltung
- GTO1, GTO2
- Abschaltthyristoren
- D1, D2
- Antiparalleldioden
- D
- Freilaufdiode
- L
- Induktivität
- R
- Freilaufwiderstand
- C
- Kondensator
- Uzk
- Gleichspannungsquelle