Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Auslösen von Zündern über
eine Leitung großer Länge.
Bohrungen, die der Exploration und dem Aufschluß von Öl- und
Gasfeldern dienen, erstrecken sich über Längen, die insbesondere horizontal bereits
weit über 10000 m hinausreichen. Das Bohrloch wird meist an mehreren, vorgegebenen
Stellen perforiert, um den Zutritt beispielsweise des Öls zum Bohrloch zu ermöglichen.
Andere Sprengungen lockern das Gestein in der Umgebung des Bohrlochs, um den Zufluß
des Öls zum Bohrloch zu erleichtern. Zu diesen Zwecken werden an den vorgesehenen
Stellen geeignete Sprengladungen positioniert, die mit Sprengzündern in einer vorgegebenen
Reihenfolge gezündet werden. Dabei werden auch mehrere, hintereinanderliegende Zünder
über eine gemeinsame Leitung gezündet. Ein solcher Zündkreis ist beispielsweise
aus der EP 0 588 685 B1 bekannt. Die Zünder werden jeweils einzeln angesteuert und
dann ausgelöst. Das Zündsignal besteht aus einer Informationskomponente zur Adressierung
und Entsicherung der einzelnen Zünder und einer Energiekomponente, die die Zündung
auslöst.
Aus dem Patent US-A 3,417,259 ist es bekannt, Hilfe eines Kontrollsystems
eine Vielzahl von Sprengladungen nacheinander über eine Leitung zu zünden, an der
keine weiteren Verbraucher angeschlossen sind. Um die dazu erforderliche Energie
bereitstellen zu können, wird über eine erste Energiequelle ein Kondensator aufgeladen.
Die Ladespannung liegt aber knapp unter der Spannung, die zum Auslösen der Zünder
zum Zünden der Sprengladungen erforderlich ist, so dass kein Zünder ausgelöst wird.
Erst das Zuschalten einer zweiten Energiequelle liefert eine so hohe Spannung, dass
der Widerstand eines der ersten Sprengladung vorgeschalteten Schwellwertschalters
überwunden und die erste Sprengladung gezündet werden kann. Die zweite Energiequelle
kann klein sein, da auf Grund der bereits von der ersten Energiequelle bereitgestellten
Energie nur noch die zum Erreichen der Zündspannung erforderliche Differenz bereitgestellt
werden muss.
Aus dem Patent US-A 3,564,278 ist eine vergleichbare Schaltung zum
Auslösen von Zündern bekannt.
In der DE-OS 23 56 875 wird eine Schaltungsanordnung zum Erzeugen
zeitlich aufeinander folgender Stromstöße vorgestellt, die unter anderem für
die aufeinander folgende Zündung von Sprengsätzen eingesetzt werden können, wobei
mehrere, jeweils einen Stromstoß einer Reihe von Stromstößen erzeugenden
Stromstoßeinheiten hintereinander geschaltet sind. Es werden zwei Signale
unterschiedlicher Verzögerungszeit erzeugt, wovon das mit der kürzeren Zeit zum
Aufladen von Energiespeichem und das mit der längeren Zeit ausschließlich
zum Verbinden der als Energiequelle für den Stromstoß dienenden Energiespeicher
mit dem Zünder dient.
Bekannte elektronische Zünder benötigen eine Entsicherungssequenz,
die aus Polaritätswechseln der Nennspannung besteht, die am Ausgang der Zünderauslöseeinrichtung
anliegt. Neben der Anzahl der Wechsel wird die Zeit zwischen den Wechseln der Entsicherungssequenz
ausgewertet Nur bei korrekter Anzahl von Polaritätswechseln in einer definierten
Zeit und einer definierten Flankensteilheit der Polaritätswechsel wird dieser Code
vom elektronischen Zünder akzeptiert.
Bei großen Leitungslängen stößt die Informationsübertragung
an ihre Grenzen. Der Spannungspegel kann so niedrig und die Signale der übermittelten
Daten können so verzerrt sein, daß der Zünder die Signale nicht erkennt und
keine Zündung ausgelöst wird. Die Verzerrung der Signale wird vorrangig durch die
mangelnde Flankensteilheit zwischen den Polaritätswechseln der Nennspannung hervorgerufen.
Die Ursache für diese Störungen liegt in den kapazitiven und induktiven Verhalten
der langen Leitung sowie der den Zündern vorgeschalteten Verbrauchern wie beispielsweise
dem Vorschubantrieb des Bohrkopfs in horizontaler Richtung, dessen Schutzrelais,
den Hilfswerkzeugen und der Positioniereinrichtung. Diese Verbraucher werden über
dieselbe Leitung mit Energie versorgt, über die die Zünder ausgelöst werden. Bei
Abschaltung der Versorgungsspannung und Aufschaltung der Signal- und Zündspannung
zur Datenübermittlung beziehungsweise Auslösung der Zünder werden die sich entladenden
Kapazitäten der Verbraucher durch diese Spannung aufgeladen. Die Folge ist ein Spannungsabfall
und dadurch bedingt eine Signalschwächung.
Es ist deshalb die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine störungsfreie
Auslösung von Zündern, insbesondere Sprengzündem, über eine Leitung großer
Länge sicherzustellen.
Die Lösung der Aufgabe erfolgt mit Hilfe der Merkmale des ersten Anspruchs.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung werden in den Unteransprüchen beansprucht.
Erfindungsgemäß werden die Auswirkungen der kapazitiven Widerstände
auf die Signale der Zünderauslöseeinrichtung dadurch vermindert, daß vor der
Auslösung der Zünder auf die Leitung zu den Zündern eine Gleichspannung aufgeschaltet
wird, mit der die Kapazitäten der Verbraucher auf ein solches Niveau aufgeladen
werden, daß bei der nachfolgenden Generierung der Signale zur Auslösung der
Zünder die Kapazitäten der Verbraucher keine Wirkung mehr zeigen. Die Kapazitäten
der Verbraucher entladen sich nach ihrer Aufladung zwar wieder, aber die zuvor erfolgte
Aufladung auf ein hohes Niveau stellt sicher, daß zumindest bis zum Zeitpunkt
der Auslösung des letzten Zünders keine durch Ladungsverluste bedingte Aufladung
der Kapazitäten erfolgt. Dadurch sinkt die zur Generierung der Signale erforderliche
Nennspannung nicht unter ihr erforderliches Niveau.
Um die Aufladung der Kapazitäten auf ein entsprechend hohes Niveau
sicherzustellen, ist es von Vorteil, wenn die aufgeschaltete Gleichspannung höher
ist als die Nennspannung zur Generierung der Signale. Beträgt beispielsweise die
Nennspannung 24 Volt, so kann zum Aufladen der Kapazitäten eine Spannung von 28
Volt Gleichspannung vorgesehen sein. Um eine Aufladung der Kapazitäten auf das gewünschte
Niveau sicherzustellen, kann eine entsprechende Zeit vorgesehen sein, in der die
erhöhte Spannung aufgeschaltet wird. Beim vorgesehenen Beispiel wäre eine Aufschaltdauer
von etwa 5 Sekunden vorteilhaft.
Zu beachten ist, daß die erhöhte Spannung unterhalb einer kritischen
Spannung liegt die die Auslösung eines Zünder verursachen kann. Die Zünder sind
in der Regel so ausgelegt, daß sie eine im bestimmten Umfang über die Nennspannung,
die zur Generierung der Signale zur Auslösung eines Zünders vorgesehen ist, resistent
sind, ohne daß sie auslösen. Entsprechend der Erfindung wird allerdings der
vorgesehene Toleranzbereich nicht ausgeschöpft, um jegliches Risiko zu vermeiden,
andererseits wird die Höhe der Spannung so gewählt, daß innerhalb sehr kurzer
Zeit die beabsichtigte Aufladung der Kapazitäten der Verbraucher möglich wird.
Da die kapazitiven Widerstände je nach Länge der Leitung und der in
das Bohrloch verbrachten und an ihr angeschlossenen zusätzlichen Verbraucher unterschiedlich
ist, ist es vorteilhaft, wenn vor einer Aufladung der Kapazitäten der Verbraucher
der kapazitive Widerstand ermittelt und in Abhängigkeit seiner Größe die zur
Aufladung der Kapazitäten mindestens erforderliche Gleichspannung bestimmt wird.
Dadurch ist sichergestellt, daß keine den kritischen Wert der Spannung zur
Auslösung eines Zünders überschritten wird. Die aufzuschaltende Gleichspannung kann
damit individuell auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmt werden.
Die Leitung zu den Zündern mit ihren zusätzlich angeschlossenen Verbrauchern
stellt aufgrund der Induktivitäten und Kapazitäten einen Schwingkreis mit einer
Tiefpaßfilter-Wirkung dar. Die Tiefpaßfilter-Wirkung wird insbesondere
durch die Kapazitäten beeinflußt. Durch Bestimmung des kapazitiven Widerstands
läßt sich die kritische Frequenz ermitteln, ab der die Tiefpaßfilter-Wirkung
eintritt. Daraufhin wird eine geeignete Signalfrequenz gewählt, um die Tiefpaßfilter-Wirkung
wirksam auszuschließen. Es wird erfindungsgemäß eine so weit herabgesetzte
Frequenz gewählt, daß in jeder Periode die Spannung wieder bis auf die Endspannung
ansteigt. Weiterhin muß diese Spannung über eine vorgebbare Zeit bis zum nächsten
Polaritätswechsel auf ihrem Nenn-Niveau anliegen, damit die charakteristische Signalprägung
beibehalten wird und die Polaritätswechsel von den Signalempfängern des Zünders
auch erkannt werden.
Anhand folgender Darstellung wird die Erfindung näher erläutert.
Es zeigen:
- Figur 1
- ein Ersatzschaltbild einer Bohrlochbestückung mit Sprengzündern und zusätzlichen
Verbrauchern,
- Figur 2
- den herkömmlichen Verlauf der Signal- und Zündspannung bei der Ankunft an einem
Zünder und
- Figur 3
- den Verlauf der Signal- und Zündspannung entsprechend der Erfindung.
In Figur 1 ist mit 1 das Ersatzschaltbild einer Bohrlochbestückung
mit Sprengzündern und zusätzlichen Verbrauchern dargestellt. Von der Zünderauslöseeinrichtung
2 führt eine Leitung 3 mit zwei Leitungssträngen 3a und 3b zu den Zündern 4a, 4b
und 4c. Ihnen zugeordnet sind die jeweils zu zündenden Ladungen 5a, 5b und 5c. Die
zusätzlichen Verbraucher sind als ohmsche Widerstände 6, induktive Widerstände 7
sowie kapazitive Widerstände 8 symbolisiert. Es sind beispielsweise der Vorschubantrieb
des Bohrkopfes, dessen Schutzrelais, die Hilfswerkzeuge sowie die Positioniereinrichtung.
Zur Versorgung insbesondere des Vorschubantriebs des Bohrkopfs ist eine höhere Spannung
erforderlich als zur Generierung der zum Auslösen der Zünder erforderlichen Signale.
Die Spannungsquelle zur Versorgung dieser zusätzlichen Verbraucher ist mit 9 bezeichnet.
Mit 10 bezeichnet ist ein Schutzschalter, mit dem die Zünder 4a bis 4c während der
Versorgung der übrigen Verbraucher über die Spannungsquelle 9 von den Leitungssträngen
3a und 3b getrennt werden. Mit 11 ist eine Steureinrichtung bezeichnet, mit der,
wie durch eine Leitung 12 angedeutet, der Schutzschalter 10 betätigt werden kann.
Um die Spannungsquelle 9 von den Verbrauchern trennen, ist ein weiterer Schalter
13 vorgesehen, der, wie durch die Leitung 14 angedeutet, von der Steuereinrichtung
11 betätigt werden kann.
Wenn die Spannungsquelle 9 von der Leitung 3 getrennt ist, wird der
Schutzschalter 10 geschlossen und die Spannungsquelle 15 auf die Leitungsstränge
3a, 3b aufgeschaltet, ohne daß zunächst Signale zur Auslösung der Zünder für
4a bis 4c generiert werden. Dann werden dem vorliegenden Ausführungsbeispiel entsprechend
über eine mit 16 bezeichnete Prüfeinrichtung, die über die Leitungen 17 und 18 an
die Leitungsstränge 3a bzw. 3b angeschlossen ist, der kapazitive Widerstand sowie
der Spannungsabfall in der Leitung 3 ermittelt. Diese Werte werden über die Leitung
19 der Zündauslöseeinrichtung 2 übermittelt. Zur Aufladung der Kapazitäten 8 der
Verbraucher wird dann über eine vorgebbare Zeit von der Spannungsquelle 15 eine
höhere Spannung aufgeschaltet, als zur Generierung der Signale zur Auslösung der
Zünder vorgesehen ist.
Mit der Prüfeinrichtung 16 kann auch vorgesehen werden, die kapazitiv
bedingte Tiefpaßfilter-Wirkung der Leitung 3 und der angeschlossenen zusätzlichen
Verbraucher aufgrund des kapazitiven Widerstandes zu ermitteln und an die Zünderauslöseeinrichtung
2 zu melden, damit von dieser eine auf den kapazitiven Widerstand der Leitung und
der Verbraucher abgestimmte Frequenz der Potentialwechsel der Spannung zur Generierung
der Signale zur Auslösung der Zünder eingestellt wird.
In Figur 2 ist der herkömmliche Verlauf eines Signals bei der Ankunft
an einem Zünder in einem Spannungs-Zeitdiagramm (U, t) dargestellt. Zur Generierung
der Zündsignale wird von der Zünderauslöseeinrichtung 2 auf die Leitung 3 eine Gleichspannung
der Spannungsquelle 15 in der Höhe Un+ aufgeschaltet. Es ist die zur
Generierung der Signale erforderliche Nennspannung. Zum Zeitpunkt t0
beginnt die Signalfolge, gekennzeichnete durch einen Polaritätswechsel der Nennspannung
zwischen den Polaritäten Un+ und Un- mit der Frequenz f. Die
Dauer einer halben Periode ist mit t1 bezeichnet.
Im Idealfall müßte eine Rechteckschwingung der Nennspannung
zwischen den beiden Polaritäten Un+ und Un- eintreten. Insbesondere
aufgrund der kapazitiven und induktiven Widerstände erfolgt aber eine Verzerrung
des Signalverlaufs. Innerhalb der Polaritätswechsel fallen und steigen die Flanken
der Signalspannung stark verzögert und erreichen die jeweilige Nennspannung nicht
mehr. Durch den Abfall auf eine niedrigere Spannung Uo beziehungsweise
Uu sowie die Verzerrung der Signalflanken ist die Elektronik des Zünders
nicht mehr in der Lage, das Signal zu erkennen.
Entsprechend der Erfindung erfolgt vor der Generierung der Signale
eine Aufladung der Kapazitäten der Verbraucher. Dadurch muß die Signalspannung
nicht mehr zusätzlich die Kapazitäten aufladen. Wie aus der Figur 3 ersichtlich,
wird bei jedem Polaritätswechsel die jeweilige Nennspannung Un+ beziehungsweise
Un- erreicht.
Weiterhin ist die Frequenz fe im Hinblick auf die Tiefpaßfilter-Wirkung
gegenüber der ursprünglichen Frequenz f nach Figur 2 erniedrigt. Das Intervall t1
nach Figur 2 wird um eine Zeit t2 verlängert. Innerhalb dieser Zeit steigt
die Spannung jeweils auf die Nennspannung an und wird über eine vorgebbare Zeit
t3 in dieser Höhe gehalten, bevor der nächste Polaritätswechsel einsetzt.
Dadurch, daß bei jedem Polaritätswechsel die Nennspannung auch
tatsächlich in ihrer vollen Höhe erreicht wird und über eine bestimmte, vorgebbare
Zeit t3 in dieser Höhe gehalten wird, ist es der Elektronik des Zünders
möglich, die Signale einwandfrei zu empfangen und zu identifizieren. Die Erfindung
ermöglicht somit eine sichere und störungsfreie Signalübermittlung zwischen der
Zünderauslöseeinrichtung und den Zündern und stellt damit sicher, daß auch
jeder Zünder zu der vorgesehenen Zeit ausgelöst wird.