Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Ausrüsten einer Denim-Stoffbahn,
welche – ausgehend von einer Rohware – auf vorgegebene Soll-Werte von
Fertigbreite, Schrägverzug und Schußfadendichte zu bringen ist, mit einer Dehneinrichtung,
z.B. Reckwerk oder Hotflue, welcher sowohl Streckmittel zum Langziehen des Gewebes
als auch Schrägstellmittel zum Aufbringen eines Schrägverzugs zugeordnet sind, und
mit einer im Kontinuebetrieb zugeordneten, bevorzugt nachgeschalteten, Krumpfanlage
mit Stauchmitteln zum Einstellen einer Schußfadendichte. Eine solche Vorrichtung
wird auch als Denim-Ausrüstungsstraße bezeichnet.
Die Denim-Prozeßkette bei der Fabrikation von Denim-Kleidungsstücken,
z.B. sogenannter Jeans, umfaßt ausgehend vom Rohgewebe die sogenannte Denim-Veredlung
– auch Gewebeausrüstung genannt. Hierzu gehören das Trocknen, Längsrecken
und das sogenannte Schrägrecken sowie das Krumpffest-Machen der Stoffbahn. Bei dem
vorgenannten Schrägrecken (englisch: skewing) wird das Gewebe diagonal in Bezug
auf Kette und Schuß (Schrägverzug) gezogen. Hierzu werden in der Praxis spezielle
Schrägreckwerke benutzt.
Denim-Rohware wird normalerweise mit einer Rohbreite, z.B. 162 cm,
hergestellt, die deutlich größer als die Fertigbreite, z.B. 151 cm, ist. Um die
Fertigbreite zu erhalten, wird die Rohware in die Länge gezogen. Die dadurch verkleinerte
Schußfadendichte (Fadenzahl pro Längeneinheit) wird anschließend beim Stauchen der
Bahn in einer Krumpfanlage – insbesondere mit Gummibandkrumpfaggregat als
Kernmaschine – auf den gewünschten Wert gebracht. Ein Meß- und Regelverfahren,
mit dem der Sollwert des zu erzielenden Warenschrumpfes ermittelt und als Regelgröße
dem Gummibandkrumpfaggregat vorgegeben wird, ist aus DE
43 23 715 A1 bekannt. Der Restschrumpf und die Fadendichte pro Zentimeter
stehen für eine gegebene Qualität in direkter Abhängigkeit zueinander, d.h. wenn
man die Fadendichte am Ausgang der Ausrüstungsstraße kennt, ist auch der Restschrumpfwert
gegeben.
Das Langziehen einer Denim-Stoffbahn kann in einem herkömmlichen,
eine Mehrzahl von oberen und unteren Walzen aufweisenden Reckwerk oder beispielsweise
auch in einem Schleifentrockner – kurz Hotflue – erfolgen, wenn letzterer
entsprechende Längsreckmittel besitzt. Eine geeignete Hotflue wird beschrieben in
DE 33 36 328 C2. Sie umfaßt eine
obere Serie und eine untere Serie von Leitwalzen. Die beiden Leitwalzenserien werden
im Bekannten parallel zueinander und horizontal – im Wesentlichen in je einer
Ebene – in einem Gehäuse gelagert. Das Gehäuse besitzt in einer Einlaßwand
einen waagerechten Einlaßschlitz, durch welchen die zu behandelnde Stoffbahn ausgebreitet
einzuführen ist; entsprechend gibt es in einer Auslaßwand einen Auslaßschlitz.
Die (gerade) Verbindungslinie zwischen vom Einlaß- zum Auslaßschlitz
definiert die mittlere Transportrichtung der Stoffbahn in der Hotflue. Tatsächlich
wird die Stoffbahn aber schleifenförmig bzw. mäanderförmig abwechselnd über eine
untere und eine obere Leitwalze transportiert. Innerhalb des Gehäuses werden parallel
zu den Leitwalzen angeordnete Blasdüsenreihen vorgesehen, mit deren Hilfe Behandlungsmittel,
insbesondere erhitzte Luft – im Allgemeinen Umluft – auf die Stoffbahn
bzw. in die aufgespannten Stoffbahnschleifen zu blasen ist.
Die Stoffbahn wird innerhalb der Hotflue – mit Hilfe von dem
Trockner vor- und nachgestellten Bahnspannungsmitteln – unter einer vorgegebenen
Stoftbahnlängsspannung gehalten. Diese Längsspannung soll mindestens so groß sein,
daß auch bei einem Wareninhalt von dreißig oder mehr Stoffbahn-Metern ein im Wesentlichen
faltenfreier Warenlauf innerhalb der Hotflue gewährleistet wird.
Der eingangs genannte Schrägverzug der Schußfäden, das ist eine von
90° deutlich abweichende Schrägstellung der Schußfäden relativ zu den Kettfäden
des Gewebes, wird bei Einsatz eines herkömmlichen Reckwerks beispielsweise durch
Schrägstellen eines Teils der Reckwerkwalzen erreicht. Meist werden die oberen Reckwerkwalzen
einseitig (an einem Längsende) vertikal angehoben oder die unteren Walzen einseitig
vertikal abgesenkt.
Als Schrägstellmittel zum Erzeugen eines Schrägverzugs ist auch schon
vorgeschlagen worden (nicht vorveröffentlichte deutsche Patentanmeldungen 102 34
799.9 vom 31. Juli 2002), für Denimware eine Hotflue vorzusehen, der Mittel zum
Ausüben eines Längszugs – also Streckmittel – vor- und nachgeschaltet
sind und in deren Gehäuse wenigstens eine Gruppe mindestens einer Leitwalzenserie
in einer Richtung schräggekippt werden kann. Kern der zugehörigen Erkenntnis ist
es, daß allein durch Schrägstellen wenigstens eines Teils der Leitwalzen der Hotflue
ein gesondertes Schrägstellgerät ganz einzusparen ist. Durch das Schrägstellen der
Leitwalzen wird der übrige normal erwartete Arbeitserfolg der Hotflue nicht beeinträchtigt.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, in einer Anlage eine Dehneinrichtung,
wie Reckwerk oder eine Hotflue mit angeschlossenem Breitstreckfeld (zum Einstellen
der Warenbreite), und ein Grummibandkrumpfaggregat (als Kernmaschine für einen einstellbaren
Längsschrumpf) zusammenzufassen und die Anlage so zu steuern, daß die für den Warenausfall
entscheidenden Parameter Restschrumpf, Schrägverzug und Breite reproduzierbar konstant
bleiben. Mit anderen Worten soll in der kombinierten Anlage erreicht werden, daß
beim Ausrüsten von Denim-Gewebe vorgegebene Soll-Werte von Stoftbahnbreite, Schrägverzug
und Schußfadendichte in einem Zuge kontinuierlich zu erhalten sind.
Die erfindungsgemäße Lösung wird für die eingangs genannte Vorrichtung
im Kennzeichen des Anspruchs 1 angegeben. Einige Verbesserungen und
weitere Ausgestaltungen der Erfindung werden in den Unteransprüchen beschrieben.
Die Vorrichtung zum Ausrüsten von Denim-Gewebe ausgehend von einer
Rohware umfaßt vorzugsweise als Dehneinrichtung ein Reckwerk oder eine Hotflue,
wobei der Dehneinrichtung sowohl Streckmittel zum Langziehen des Gewebes als auch
Schrägstellmittel zum Aufbringen eines Schrägverzugs zugeordnet sind, und eine im
Kontinuebetrieb arbeitende Krumpfanlage mit Stauchmitteln zum Einstellen einer (insbesondere
einer vorgegebenen) Fadendichte. Erfindungsgemäß enthält die Vorrichtung ein einziges
Meßgerät zum Erfassen der Ist-Werte von Warenbreite, Schrägverzug und Schußfadendichte,
welches in je einem Regelkreis in Steuerverbindung mit den Streck- und Schrägstellmitteln
der Dehneinrichtung einerseits und den Stauchmitteln der Krumpfanlage andererseits
zum Einregeln der jeweiligen Soll-Werte steht.
Vorzugsweise soll das Meßgerät der Dehneinrichtung (also insbesondere
dem Reckwerk bzw. dem Breitstreckfeld der Hotflue) oder der Krumpfanlage unmittelbar
nachgeschaltet werden. „Unmittelbar nachgeschaltet" bedeutet hierbei, daß
der Stoffbahnvorrat zwischen der zu steuernden Vorrichtung (Reckwerk bzw. Hotflue
oder Krumpfanlage) und dem Meßgerät minimal sein soll, um die Menge der bis zum
Schalten des Regelkreises eventuell unvollkommen behandelten Ware klein zu halten.
Der in diesem Sinne geringste Stoffbahnverlust ist allerdings zu erwarten, wenn
das Meßgerät auch der ersten Stoffbahnausrüstungsstufe – im allgemeinen also
dem Reckwerk oder der Hotflue – vorgeschaltet wird. Zwischen der zu steuernden
Vorrichtung und dem Meßgerät können Hilfsmittel, z.B. Bahnspannungsregler, angeordnet
werden.
Durch die Erfindung wird erreicht, daß die Soll-Werte von Stoffbahnbreite,
Schrägverzug und Schußfadendichte in einem Zuge unter Verwendung eines entsprechend
ausgebildeten Reckwerks oder einer entsprechend ausgebildeten Hotflue und einer
Krumpfanlage sowie von einem einzigen Meßgerät bei kontinuierlichem Weitertransport
des in der Anlage in üblicher Weise ausgerüsteten Denim-Gewebes zu erreichen ist.
In einem ersten Schritt werden die Stoffbahnbreite (auf Kosten der
Schußfadendichte) und der Schrägverzug der Schußfäden auf einen vorgegebenen Soll-Wert
eingestellt. In dem kontinuierlich nachfolgenden zweiten Schritt wird in der Krumpfanlage
die zuvor (beim Längsrecken) verkleinerte Schußfadendichte ebenfalls auf einen vorgegebenen
Soll-Wert gebracht. Beide Schritte werden erfindungsgemäß mit Hilfe ein und desselben
Meßgeräts gesteuert.
Im Rahmen der Erfindung wird als Meßgerät bevorzugt ein optischer
Detektor mit Digitalkamera, welche die Fadendichte, den Schrägverzug und die Warenbreite
erfassen kann, eingesetzt. Der Detektor soll bei seiner Meß- und Regelarbeit quer
zur Transportrichtung der Stoffbahn traversierend geführt werden, um zu erreichen,
daß er zugleich die Stoffbahnbreite, das Maß des Schrägverzugs und die Schußfadendichte
registrieren und in den zugehörigen Regelkreis eingeben kann.
Wenn das Meßgerät der Dehneinrichtung nach- aber der Krumpfanlage
vorgeschaltet ist, sollen von ihm, z.B. von der Digitalkamera mit optischem Detektor,
folgende Regelimpulse (zum Einstellen der jeweiligen Sollwerte) ausgehen
- a) rückwärts auf einen Mechanismus, der gegebenenfalls entweder die obere oder
die untere Walzenreihe des Reckwerks oder der Hotflue schrägstellt,
- b) rückwärts auf den Druckgeber eines z.B. pneumatisch betätigten Pendels oder
den Sollwertsteller einer Bahnkraftregelanlage der Dehneinrichtung, welche im Zusammenspiel
mit einer angetriebenen Zugwalze die Warenspannung beim Durchlaufen durch die Dehneinrichtung
vergrößern oder verkleinern, so daß die Breite dadurch geändert werden kann, und
- c) vorwärts auf den Stellmotor der Anpreßwalze des Gummibandkrumpfaggregates,
damit durch Verändern der Gummibandanpressung der vorgegebene Warenschrumpf erzielt
wird.
Wenn das Meßgerät vor der Dehneinrichtung und vor der Krumpfanlage
an der Stoffbahn positioniert wird, sind alle drei Parameter vorwärts zu regeln.
Es liegt ebenfalls im Rahmen der Erfindung, das Meßgerät am Ende der Ausrüstungsstraße
also im Anschluß an die Krumpfanlage, sogar unmittelbar vor dem Aufwickeln, Tafeln
oder dergleichen, anzubringen, so daß die drei vorbeschriebenen Parameter alle rückwärts
geregelt werden.
Anhand der schematischen Darstellung eines Ausführungsbeispiels mit
einer Hotflue als Dehneinrichtung werden Einzelheiten der Erfindung erläutert. Es
zeigen
1 eine erfindungsgemäße Gesamtanlage
im vertikalen Längsschnitt; und
2 einen Schnitt längs der Linie II-II
von 1.
Nach 1 wird eine Denim-Stoffbahn
1 ab Rolle 2 in Transportrichtung 3 durch ein erstes
Spannmittel 4 in eine insgesamt mit 5 bezeichnete Hotflue mit
Gehäuse 6 geleitet. Das Gehäuse 6 besitzt einen im Wesentlichen
horizontalen Einlaßschlitz 7 mit Umlenkwalze 8 sowie im Innern
zwei Serien 9 von Leitwalzen 11. Um die Leitwalzen 11
wird die Stoffbahn 1 in mäanderförmigen Schleifen aufwärts und abwärts
geführt und schließlich über eine Umlenkwalze 12 durch einen Auslaßschlitz
13 des Gehäuses 6 zu einem zweiten Spannmittel 14 geleitet.
Innerhalb des Gehäuses 6 werden in die – zwischen je zwei Leitwalzen
11 einer Walzenserie 9 aufgespannten – Stoffbahnschleifen
16 gerichtete Blasdüsen 17 vorgesehen. Der auf die Stoffbahn
1 innerhalb der Hotflue 5 definiert aufzubringende Längszug wird
zwischen den beiden Spannmitteln 4 und 14 – in Richtung
der mittleren Transportrichtung 18 der Stoffbahn 1 – mit
Hilfe eines Längszug-Steuergeräts 19 eingestellt.
Im Ausführungsbeispiel nach 1 und
2 werden die oberen Leitwalzen
11 an einem ihrer Längsenden 21 in Gelenklager 22 gesetzt
und am anderen ihrer Längsenden 23 an einem Balken 24 gelagert,
welcher – wie in 1 und 2
dargestellt – an seinem einen Längsende 25 in einem Kipplager
26 gehalten wird und am anderen (in Bahntransportrichtung 2 nachfolgenden)
Längsende 27 auf einem Schrägstellgerät 28 ruht. Letzterem wird
ein Schrägstell-Steuergerät 29 zugeordnet. In Transportrichtung
3 kommt zuerst das Kipplager 26 und das Längsende 27
mit dem Schrägstellgerät.
In Transportrichtung 3 schließt sich an das Spannmittel
14 nach 1 erfindungsgemäß ein Meßgerät
30 unmittelbar an. In der Transportrichtung 3 folgt eine Krumpfanlage
31 mit Krumpf-Steuergerät 32 und Stauchmittel 33. Am
Schluß kann das ausgerüstete Gewebe über einen Spannungsregler 34 auf eine
Rolle 35 aufgewickelt werden.
In dem Meßgerät 30, welches vorzugsweise als optischer Detektor
mit Digitalkamera auszubilden ist, werden die Warenbreite, der Schrägverzug und
die Schußfadendichte ermittelt. Der Geräteaufwand bleibt relativ gering, wenn man
das Meßgerät 30 quer zur Transportrichtung 2 der Stoffbahn
1, z.B. an einer quer zu der Transportrichtung 3 angeordneten
Schiene, traversieren läßt. Bei entsprechend definiert gesteuert hin- und herfahrendem
Meßkopf ist es auf relativ einfache Weise möglich, die in der Hotflue
5 (vom ersten Spannmittel 4 bis zum zweiten Spannmittel
14) erreichten Ist-Werte von Stoffbahnbreite, Schrägverzug und Schußfadendichte
fast kontinuierlich zu messen. Die so im Meßgerät 30 ermittelten Werte
werden den Steuergeräten 19 und 29 (Längszug und Schrägverzug)
sowie dem Krumpf-Steuergerät 32 längs der gestrichelten Wirklinien derart
zugeleitet, daß je ein entsprechender Regelkreis zum Einregeln vorgegebener Soll-Werte
entsteht.
Nach 1 wird das Meßgerät 30
der Krumpfanlage 31 vorgeschaltet. Alternativ kann das Meßgerät der Krumpfanlage
nachgeschaltet werden. Als Beispiel wird ein solches Meßgerät 30', das
vorzugsweise ebenso wie das Meßgerät 30 ausgebildet wird, in
1 gestrichelt dargestellt. Die zugehörigen Steuerleitungen
– Verbindungen zu den Steuergeräten 19, 29 und
32 – werden durch gepunktete Wirklinien charakterisiert.
In einer anderen bevorzugten Alternative wird das Meßgerät
30'' sogar der ersten Ausrüstungsstufe, z.B. auch der Hotflue, vorgeschaltet.
Der Verlust an falsch ausgerüsteter Stoffbahnmetrage kann dann sehr niedrig gehalten
werden. Die der Position des Meßgeräts 30'' zugeordneten Wirklinien werden
strichpunktiert dargestellt.
1
- Denim-Stoffbahn
2
- Rolle
3
- Transportrichtung
4
- erstes Spannmittel
5
- Hotflue
6
- Gehäuse (5)
7
- Einlaßschlitz (6)
8
- Umlenkwalze
9
- Leitwalzenserie
11
- Leitwalze
12
- Umlenkwalze
13
- Auslaufschlitz
14
- zweites Spannmittel
16
- Stoffbahnschleife
17
- Blasdüsen
18
- mittlere Transportrichtung
19
- Längszug-Steuergerät
21
- 1. Längsende (10)
22
- Gelenklager (21)
23
- 2. Längsende (10)
24
- Balken
25
- 1. Längsende (24)
26
- Kipplager
27
- 2. Längsende (24)
28
- Schrägstellgerät
29
- Schrägstell-Steuergerät
30, 30'
- Meßgerät
31
- Krumpfanlage
32
- Krumpf-Steuergerät
33
- Stauchmittel
34
- Spannungsregler
35
- Rolle