Szembrot, Albert Richard, Rochester, New York 14650-2201, US; Christ, Charles Stewart, Rochester, New York 14650-2201, US; Davis, Daniel Charles, Rochester, New York 14650-2201, US
Vertreter
WAGNER & GEYER Partnerschaft Patent- und Rechtsanwälte, 80538 München
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Behandeln wässriger
Flüssigkeiten, etwa fotografischer Entwicklungslösungen, im Hinblick auf die Beherrschung
eines möglichen Biowachstums. Damit stellt die Erfindung ein Verfahren zum Sterilisieren
solcher Lösungen bereit. Außerdem bezieht sich die Erfindung auf eine Wärmeübertragungsvorrichtung
zum Einsatz in dem genannten Verfahren. Die Erfindung ist mit Nutzen in der Fotografie,
der chemischen Nahrungsmittelverarbeitung und im Gesundheitswesen einsetzbar.
In verschiedenen Branchen, einschließlich der fotografischen Entwicklung,
kann in wässrigen Lösungen unter bestimmten Bedingungen ein Biowachstum auftreten.
Das Biowachstum, d.h. das Wachstum von Bakterien und/oder Pilzen, kann in der Nahrungsmittel-,
der chemischen, fotografischen Industrie und im Gesundheitswesen aus vielen Gründen
für die Gesundheit, Sicherheit und Qualität zum Problem werden. Um das Problem des
Biowachstums zu verringern oder auszuschließen, hat man unter anderem die Flüssigkeiten
durch Ableitung in die Umwelt entsorgt und anschließend die Maschinen und Entwicklungstanks
und Geräte durch Zugabe chemischer Biozide, Strahlenbehandlung von Flüssigkeiten
und unterschiedliche Filtriertechniken gereinigt. Wegen des Biowachstums wurden
in der fotografischen Industrie bisher die Einsatzdauer fotografischer Entwicklungslösungen
unnötig verkürzt, Entwicklungsgeräte zu häufig gereinigt und jeweils frische Lösungen
eingesetzt, was zusätzliche Arbeit und Chemiekosten verursachte.
Jedes der bekannten Verfahren zur Reduzierung des Biowachstums bringt
Nachteile mit sich. Der Einsatz chemischer Biozide etwa führt zu unsicheren Ergebnissen
und erfordert die Handhabung teurer und oftmals gefährlicher Chemikalien. Die häufige
Ableitung von Flüssigkeiten in die Umwelt ist mit offensichtlichen Problemen verbunden
und unterliegt in vielen Ländern immer strengeren Vorschriften. Eine ultraviolette
Bestrahlung und Behandlung farbiger Lösungen ist nicht effizient, die Zugabe von
Schwermetallen wie Silber und Kupfer zur Beherrschung des Biowachstums steht oftmals
den behördlichen Vorschriften über die Entsorgung verbrauchter Flüssigkeiten entgegen,
die Zugabe von Silber zu fotografischen Entwicklungslösungen führt zur Bildung von
Silberkomplexen, die das Mikrobenwachstum nicht mehr verhindern. Filter verstopfen
häufig rasch und müssen dann oft ausgetauscht oder gereinigt werden und können sich
sogar zu mikrobiellen Brutstätten entwickeln.
Der Einsatz von Wärme zur Steuerung des Biowachstums ist insbesondere
in der Nahrungsmittelindustrie bekannt. Unter den für die Wärmeerzeugung eingesetzten
Verfahren (einschließlich des Kochens und Drucksterilisierens) wird beim Pasteurisieren
die Flüssigkeit während relativ kurzer Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt. Bei der
Mengenpasteurisierung wird normalerweise eine Flüssigkeit 30 Minuten lang auf etwa
65°C erhitzt. Bei der Schnellpasteurisierung wird die Flüssigkeit während einer
sehr viel kürzeren Zeit (z.B. 15 Sekunden) auf eine höhere Temperatur (über 70°C)
erhitzt.
Eine bekannte Technologie ist die thermoelektrische Kühlung [CRC Handbook
of Thermoelectrics (Handbuch der Thermoelektrik), Rowe (Ed.), CRC Press, Inc., 1995,
S. 597–676]. Bei dieser Technik wird ein Strom durch eines oder mehrere Paare
von N- und P-Halbleitern geleitet, die sowohl heiße als auch kalte Seiten aufweisen,
welche mit der zu behandelnden Flüssigkeit in Berührung gebracht werden. Auf der
kalten Seite fließt ein Gleichstrom vom N- zum P-Halbleiter, und die Wärme wird
von der Umgebung (in diesem Fall von der behandelten Flüssigkeit) aufgenommen. Die
aufgenommene Wärme wird durch Elektronentransport durch die Halbleitermaterialien
zur anderen Seite des Übergangs übertragen und, wenn die Elektronen ein niedrigeres
Energieniveau im P-Material annehmen, freigesetzt. Man bezeichnet dieses Phänomen
als Peltier-Effekt und die auf diese Weise eingesetzten Vorrichtungen als Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtungen.
Normalerweise werden mehrere Halbleiterpaare zu ein- oder mehrstufigen thermoelektrischen
Modulen zusammengebaut.
Beim Einsatz derartiger Module als Wärmeübertragungsvorrichtungen
wird normalerweise eine Flüssigkeit erhitzt, während eine andere gekühlt wird (siehe
z.B. US-A-3 506 543 und
US-A-5 027 145). Alternativ können
diese Wärmeübertragungsvorrichtungen auch Wärme für die Verdampfung einer Flüssigkeit
und die Kondensation einer anderen Flüssigkeit liefern, wie dies zum Beispiel in
US-A-4 316 774 beschrieben ist.
Bei dem genannten Patent wird eine Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtung
in Verbindung mit fotografischen Filmentwicklungsgeräten verwendet, die sowohl ein
Entwicklerbad als auch eine Wässerungsbad aufweisen. Durch die Wärmeübertragungsvorrichtung
wird der Entwickler gekühlt und das Wasser erhitzt.
Es besteht ein Bedarf an einer verbesserten Einrichtung zum Verhindern
des Biowachstums in verschiedenen wässrigen Flüssigkeiten, insbesondere fotografischen
Entwicklerlösungen, wo zur Steigerung der Effizienz dieselbe Flüssigkeit zu beiden
Seiten der Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtung behandelt wird.
Die Probleme der derzeit bekannten Verfahren zum Verhindern des Biowachstums
werden überwunden durch den Einsatz einer thermoelektrischen Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtung
mit einer kalten Seite und einer heißen Seite, die in direkter Strömungsverbindung
stehen, so dass dieselbe Flüssigkeit sowohl auf der kalten als auch auf der heißen
Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung behandelt wird.
Diese Wärmeübertragungsvorrichtung ist in einem Verfahren zum Behandeln
einer Flüssigkeit mit den folgenden Schritten einsetzbar:
A) Inberührungbringen einer Flüssigkeit mit der heißen Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung
für eine Verweilzeit, die für eine Schnellpasteurisierung der Flüssigkeit ausreicht,
ohne dass das Volumen der Flüssigkeit abnimmt, und
B) direktes Inberührungbringen nur der pasteurisierten Flüssigkeit mit der kalten
Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung, um die schnellpasteurisierte Flüssigkeit
rasch abzukühlen.
Die Erfindung stellt ferner ein Verfahren zum Behandeln einer fotografischen
Entwicklerlösung in einer thermoelektrischen Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtung
bereit, die eine kalte und eine heiße Seite aufweist, welche in direkter Strömungsverbindung
zueinander stehen, so dass dieselbe Flüssigkeit sowohl auf der kalten als auch auf
der heißen Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung behandelt wird, wobei das Verfahren
die folgenden Schritte umfasst:
A) Inberührungbringen einer fotografischen Entwicklerlösung mit der heißen Seite
der Wärmeübertragungsvorrichtung für eine Verweilzeit, die für eine Schnellpasteurisierung
der fotografischen Entwicklerlösung ausreicht, ohne dass das Volumen der schnellpasteurisierten
fotografischen Entwicklerlösung abnimmt, und
B) direktes Inberührungbringen nur der schnellpasteurisierten fotografischen
Entwicklerlösung mit der kalten Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung, um die schnellpasteurisierte
fotografischen Entwicklerlösung rasch abzukühlen.
Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung und dem erfindungsgemäßen Verfahren
kann die behandelte Flüssigkeit auf einer Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung
(der heißen Seite) durch Schnellpasteurisierung sterilisiert und anschließend mittels
der kalten Seite derselben Vorrichtung rasch auf eine geeignete Temperatur abgekühlt
werden. Hierzu wird dieselbe Flüssigkeit gleichzeitig sowohl mit der heißen als
auch mit der kalten Seite der thermoelektrischen Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtung
in Berührung gebracht. Die heiße und die kalte Seite sind hierzu in geeigneter Weise
so miteinander verbunden, dass eine "direkte" Strömungsverbindung ohne zwischengeschaltete
Tanks, Abteile oder Behandlungen gegeben ist. Anders ausgedrückt, geht die behandelte
Flüssigkeit direkt von der heißen Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung zu ihrer
kalten Seite über.
Durch die Schnellpasteurisierung auf der heißen Seite der Vorrichtung
werden in der Flüssigkeit vorhandene Mikroorganismen und Pilze abgetötet. Beim Einsatz
der Erfindung in der fotografischen Entwicklung kann die behandelte Flüssigkeit
innerhalb weniger Behandlungssekunden ohne wesentliche Temperaturveränderung wieder
in den Entwicklungstank zurückgeleitet werden. Bei diesem Verfahren geht praktisch
keine Flüssigkeit verloren, weil bei der Schnellpasteurisierung in dem erfindungsgemäßen
geschlossenen System nur eine geringe Verdampfung eintritt. Wichtig ist dabei, dass
die erfindungsgemäße Wärmeübertragungsvorrichtung und das erfindungsgemäße Verfahren
eine Pastindeurisierung ohne Unterbrechung des Entwicklungsprozesses bzw. anderer
chemischer Prozesse ermöglichen, für die die behandelten Flüssigkeiten eingesetzt
werden. Dieser Vorteil ist für den Benutzer gewöhnlich einsehbar, weil die Flüssigkeit
mit annähernd derselben Temperatur aus dem Entwicklungstank (bzw. dem anderen Flüssigkeitsbehälter)
austritt und wieder in ihn eintritt, wobei die Vorrichtung und die Flüssigkeitsanschlüsse
so gestaltet werden können, dass sie nicht sichtbar sind, was die Sicherheit zusätzlich
verbessert.
Unter "heißer Seite" und "kalter Seite" der erfindungsgemäßen Vorrichtung
verstehen wir, dass die heiße Seite der Vorrichtung eine Wärmequelle zum Aufheizen
der behandelten Flüssigkeit ist. Dadurch wird die Flüssigkeit auf der heißen Seite
zu einem Kühlkörper. Umgekehrt wird unter kalter Seite der Vorrichtung die Seite
verstanden, die Wärme aus der behandelten Flüssigkeit aufnimmt und damit die Flüssigkeit
kühlt. Damit wirkt die Flüssigkeit auf der kalten Seite als Wärmequelle.
Die Erfindung wird im folgenden anhand eines in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert.
In den Zeichnungen zeigen:
1 eine schematische Querschnittsansicht
einer erfindungsgemäßen thermoelektrischen Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtung
mit zwei thermoelektrischen Wärmeübertragungs-Einheiten;
2 eine perspektivische Darstellung einer
erfindungsgemäßen thermoelektrischen Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtung;
3 eine schematische Querschnittsansicht
der in 2 dargestellten Vorrichtung; und
4–6
verschiedene Strömungskanal-Ausbildungen für erfindungsgemäße thermoelektrische
Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtungen.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird die Schnellpasteurisierung
zum raschen Erhitzen einer Flüssigkeit eingesetzt, um ein eventuell vorhandenes
Biowachstum abzutöten. Dabei werden potentielle nachteilige Auswirkungen auf die
Flüssigkeit minimiert, weil die Flüssigkeit nur für sehr kurze Zeiten auf hohe Temperaturen
erhitzt wird. Da die Flüssigkeit in einer kleinen, gut isolierten Vorrichtung erhitzt
und abgekühlt wird, ist die Effizienz dieses Verfahrens sehr viel größer, als wenn
die Flüssigkeit in großer Menge in einem großen Behälter (z.B.
einem Entwicklungstank oder einer Wanne) erhitzt und abgekühlt würde. Und da die
Flüssigkeit in einer geschlossenen Umgebung behandelt wird, tritt auch keine echte
Verdampfung der Flüssigkeit ein.
Die erfindungsgemäße Wärmeübertragungsvorrichtung bietet darüber hinaus
mehrere weitere Vorteile. Sie kann so konstruiert werden, dass die Bedienungspersonen
gegen zur Behandlung der Flüssigkeiten eingesetzte Extremtemperaturen abgeschirmt
sind, und sie ist klein im Vergleich zu herkömmlichen Wärmetauschern. Sie lässt
sich in einfacher Weise in unterschiedliche Behandlungssysteme, zum Beispiel für
Nahrungsmittel, Chemikalien, fotografische oder hygienische Prozesse, integrieren.
Zwar können in der Praxis wässrige Flüssigkeiten aus den unterschiedlichsten
Industrien behandelt werden, die Erfindung ist aber mit besonderem Vorteil in der
fotografischen Industrie einsetzbar, wo fotografische (oder fotochemische) Entwicklungslösungen
an Ort und Stelle in den verschiedenen Entwicklungstanks behandelt werden, um das
Biowachstum zu beherrschen. Zu diesen Entwicklungslösungen gehören unter anderem
Farbentwicklerlösungen, Bleichlösungen, Bleich/Fixier-Lösungen, Fixierlösungen,
Vorbleichlösungen, Stabilisierlösungen, Spül- und sonstige Lösungen, wie dies für
den Fachmann in der fotografischen Entwicklung naheliegend ist. Bei den behandelten
Flüssigkeiten kann es sich um Lösungen in Betriebskonzentration, um Konzentrate,
Nachfülllösungen, Regenerierlösungen oder zum Auffüllen verwendetes Auffüllwasser
handeln.
Im ersten Verfahrensschritt wird die behandelte Flüssigkeit während
einer zum Schnellpasteurisieren ausreichenden Verweilzeit mit der heißen Seite der
Wärmeübertragungsvorrichtung in Berührung gebracht. Diese Verweilzeit ist je nach
dem chemischen Prozess, in dem die behandelte Flüssigkeit eingesetzt wird, der Konstruktion
und den Abmessungen der Vorrichtungen, den gewünschten Betriebstemperaturen und
den Eigenschaften der Flüssigkeit unterschiedlich. Im allgemeinen bleiben die meisten
Flüssigkeiten mit der heißen Seite mindestens 5 Sekunden, vorzugsweise mindestens
15 Sekunden in Berührung. Bei den meisten fotografischen Entwicklerlösungen werden
die Flüssigkeiten mindestens 10 Sekunden, vorzugsweise mindestens 20 Sekunden, in
Berührung gehalten. Die maximale Verweilzeit ist abhängig von der jeweiligen zu
behandelnden Flüssigkeit.
Die Verweilzeit für die Berührung mit der kalten Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung
kann entsprechend der erforderlichen Abkühlung der behandelten Flüssigkeit auf die
gewünschte Temperatur gewählt werden. Dabei kann sie gleich der Verweilzeit auf
der heißen Seite sein oder von dieser abweichen.
Die Verweilzeit kann durch Verwendung unterschiedlicher Strömungskanäle
oder Strömungsmuster (s. zum Beispiel die nachstehend noch zu besprechenden
4–6) oder
durch Veränderung der Strömungsgeschwindigkeit oder der Turbulenz mittels geeigneter
Pumpeinrichtungen oder Einrichtungen zum Bewegen der Flüssigkeit oder durch Hindernisse
in den Strömungskanälen variiert werden.
Das Pasteurisieren ist in verschiedenen Branchen, einschließlich der
Nahrungsmittelindustrie, wo es zum Abtöten des Biowachstums in Milch eingesetzt
wird, bekannt und wurde zum Beispiel in Principles and Practice of Disinfection,
Preservation, and Sterilization (Prinzipien und Praxis der Desinfizierung, Konservierung
und Sterilisierung) (2. Ausgabe), Russell, Hugo and Ayliffe (Eds.), Blackwell Scientific
Publications, 1992, S. 494–495, und in der McGraw-Hill Enzyklopädie der Wissenschaft
und Technologie, (7. Ausgabe), 1992, S. 172 im einzelnen beschrieben. Es besteht
aus dem raschen Erhitzen und raschen Abkühlen einer Flüssigkeit. Sein Einsatz in
der vorliegenden Erfindung ist gegenüber den herkömmlichen Verfahren insofern modifiziert,
als die Flüssigkeit nicht in der Masse behandelt wird, sondern in einem Flüssigkeitsstrom,
der aus dem Prozess herausgeleitet wird und nach der Behandlung wieder in den Prozess
zurückgeführt werden kann.
Die für die Durchführung der Erfindung erforderlichen Temperaturen
variieren auch in Abhängigkeit von der Verweilzeit; im allgemeinen wird die Temperatur
der behandelten Flüssigkeit jedoch durch die Berührung mit der heißen Seite der
Wärmeübertragungsvorrichtung auf mindestens 65°C, vorzugsweise auf mindestens
70°C, erhöht. Die maximalen und optimalen Temperaturen sind in einfacher Weise
durch routinemäßige Versuche unter Berücksichtigung der Strömungskanalmuster, der
Verweilzeit auf der heißen Seite der Vorrichtung, des Flüssigkeitsvolumens und anderer
Faktoren bestimmbar. Eine nützliche Wahl von Bedingungen würde zum Beispiel darin
bestehen, bei der Behandlung einer Flüssigkeit ihre Temperatur für eine Zeit von
etwa 15 Sekunden bis etwa 2 Minuten auf etwa 70°C bis etwa 80°C zu erhöhen.
Nach der Schnellpasteurisierung der Flüssigkeit wird diese direkt
mit einer kalten Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung in Berührung gebracht und
sofort und schnell abgekühlt. Die Abkühlzeit ist abhängig vom Flüssigkeitsvolumen,
der Temperatur, auf die die Flüssigkeit aufgeheizt wurde, der gewünschten Abkühltemperatur
und dem Flüssigkeits-Strömungsmuster. Erreicht wird dies dadurch, dass die heiße
und die kalte Seite in "direkter Strömungsverbindung" stehen, was bedeutet, dass
die Flüssigkeit nicht durch Abteile oder Tanks geleitet oder auf andere Weise zwischen
dem Schnellpasteurisieren und Abkühlen gesammelt oder behandelt wird. Im allgemeinen
wird die Flüssigkeit durch Leitungen, die den Flüssigkeits-Strömungskanal auf der
einen Seite mit dem Flüssigkeits-Strömungskanal auf der anderen Seite direkt verbinden,
direkt von der heißen Seite zur kalten Seite geleitet. Die Bewegung der Flüssigkeit
durch die Vorrichtung kann mittels geeigneter Pumpen, durch Schwerkraft oder in
anderer Weise erfolgen.
Als Wärmeübertragungsvorrichtungen werden für die praktische Durchführung
der Erfindung sogenannte Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtungen
eingesetzt, wie sie in verschiedenen Veröffentlichungen, unter anderem dem vorstehend
erwähnten CRC Handbook of Thermoelectics, Rowe (Ed.), beschrieben werden. Verschiedene
Internet-Veröffentlichungen über diese Vorrichtungen finden sich unter http://www.ferrotec-america.com/reference1.html,
http://www.ferrotec-america.com/reference2.html, und http://www.ferrotec-america.com/reference3.html.
Die Vorrichtungen bestehen aus einem oder mehreren Sätzen von N- und P-Halbleitermaterialien,
in denen durch Strom eine Temperaturdifferenz erzeugt wird. Die Halbleitermaterial-Sätze
werden gelegentlich auch als thermoelektrische "Module" bezeichnet, wobei eine Wärmeübertragungsvorrichtung
eine Vielzahl (zwei oder mehr) derartiger Module aufweisen kann. Die Anzahl der
Module ist abhängig von der Wärmepumpleistung der Module und der benötigten Gesamt-Temperaturdifferenz.
Ein im Handel erhältliches Wärmeübertragungsmodul ist das Modell CP 1.4-71-06L der
Melcor Materials Electronic Products Corporation (Trenton, N.J.). Bei einer Ausführungsform
der Erfindung werden acht derartige Module zum Aufbau von vier zweistufigen (gestapelten)
Elementen verwendet, die zwischen zwei Wärmetauscher eingefügt werden.
Die erfindungsgemäßen Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtungen und Verfahren
werden aus den verschiedenen Zeichnungen besser verständlich.
In 1 wird eine zu behandelnde Flüssigkeit
durch den Flüssigkeits-Strömungskanal 10 auf der heißen Seite der Vorrichtung
20 gepumpt (Pfeil 1), der mit der heißen Seite 30 im
Berührung steht, die ihrerseits mit den Peltier-Wärmeübertragungsvorrichtungen
40 und 45 in wärmeleitendem Kontakt steht. Wenn die angelegte
Spannung eine derartige Polarität aufweist, dass Wärme zur heißen Seite
30 übertragen wird, wird die Flüssigkeit im Flüssigkeits-Strömungskanal
10 auf der heißen Seite einer Schnellpasteurisierung unterzogen. Die Flüssigkeit
wird dann sofort in den Flüssigkeits-Strömungskanal 50 auf der kalten Seite
geleitet (Pfeil 2), der mit der kalten Seite 60 der Wärmeübertragungsmodule
40 und 45 in wärmeleitendem Kontakt steht, so dass die Flüssigkeit
schnell abgekühlt wird. Anschließend kann die abgekühlte Flüssigkeit aus der Vorrichtung
20 herausgeführt werden (Pfeil 3).
Die Zahl der möglichen Strömungsmuster in den Flüssigkeits-Strömungskanälen
ist zwar groß, im allgemeinen werden die Kanäle aber derart ausgebildet, dass der
Strömungsweg für eine geeignete Wärmeübertragungsgeschwindigkeit und Verweilzeit
der Flüssigkeit sorgt. Die Flüssigkeits-Strömungskanäle beiderseits der Wärmeübertragungsvorrichtung
können gleich oder auch unterschiedlich sein, um auf der jeweiligen Seite die gewünschte
Verweilzeit zu erreichen. Außerdem können die Flüssigkeits-Strömungskanäle innen
in beliebiger Weise so aufgebaut sein, dass in den behandelten Flüssigkeiten Turbulenzen
entstehen. Zum Beispiel kann eine Turbulenz durch Oberflächenrippen, Vorsprünge,
Prallbleche oder Hindernisse im Strömungskanal erzeugt werden.
Eine weitere Ausführungsform der Erfindung ist in 2
und 3 dargestellt, wo die zu behandelnde
Flüssigkeit (zum Beispiel eine fotografische Entwicklerlösung) in den (gestrichelt
angedeuteten) Strömungskanal 105 des Wärmetauschers 110 der Vorrichtung
120 geleitet wird (Pfeil 1), der mit der heißen Seite
130 (Wärmeleiter) der Peltier-Wärmeübertragungs-Einheit 140 in
Berührung steht. Die Flüssigkeit wird einer Schnellpasteurisierung unterzogen und
sofort durch die Leitung 141 in den Strömungskanal 145 des Wärmetauschers
150 geleitet (Pfeil 2), der mit der kalten Seite 160
der Peltier-Wärmeübertragungs-Einheit 140 in wärmeleitendem Kontakt steht,
so dass die Flüssigkeit rasch abgekühlt wird. Anschließend kann die abgekühlte Flüssigkeit
aus der Vorrichtung herausgeführt werden (Pfeil 3).
Die in 1–3
dargestellten, in die Vorrichtung hinein und aus ihr heraus führenden Strömungsanordnungen
sollen die Erfindung nur veranschaulichen. Für den Fachmann sind ohne weiteres auch
verschiedene andere Strömungsanordnungen naheliegend. Zum Beispiel könnte die Flüssigkeit,
statt an der Oberseite der Vorrichtung in diese hinein und aus ihr heraus geführt
zu werden, wie dies in 2 und 3
dargestellt ist, auch im Boden der Vorrichtung eingeführt und an der Oberseite der
Vorrichtung abgeleitet oder umgekehrt an der Oberseite eingeführt und am Boden der
Vorrichtung abgeleitet werden.
In 4, 5
und 6 sind verschiedene Strömungsmuster dargestellt,
die entweder an einer oder an beiden Seiten der Wärmeübertragungseinheit vorgesehen
sein können. In 4 wird die Flüssigkeit durch einen
Einlass 200 eingeleitet, fließt über Oberflächenrippen 210,
220, 230, 240 und 250, die zur Erzeugung von
Turbulenzen in der Flüssigkeit in einem "Zickzack"-Muster angeordnet sind, und verlässt
das Gerät durch den Auslass 260. In 5 wird
die Flüssigkeit durch den Einlass 270 eingeführt, fließt durch den Kanal
280 und verlässt das Gerät durch den Auslass 290. In
6 wird die Flüssigkeit durch mehrere Einlässe
300, 310 und 320 eingeleitet, fließt durch die Kanäle
330, 340 und 350 und verlässt das Gerät durch die Auslässe
360, 370 und 380.
Die folgenden Beispiele sollen die praktische Durchführung der Erfindung
darstellen, sind jedoch in keiner Weise einschränkend zu verstehen.
Beispiel 1:
Etwa 700 ml Wasser wurden durch eine Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Wärmeübertragungsvorrichtung ähnlich 2 mit 4 zweistufigen
thermoelektrischen Einheiten (d.h. 8 einzelnen Wärmeübertragungs-Einheiten
Modell CP 1.4-71-06L) umgewälzt. Dabei wiesen die Flüssigkeitskanäle auf der heißen
und der kalten Seite der Vorrichtung jeweils ein Volumen von etwa 34 ml auf. Das
Wasser wurde mit 20 ml/min. umgewälzt, woraus sich eine Verweilzeit bei der höchsten
Temperatur von etwa 1,7 min. ableitete. Erwartet wurde eine vollständige Pasteurisierung
innerhalb etwa 15 Sekunden bei 71°C. Bei dieser besonderen Wärmeübertragungsvorrichtung
war die heiße Seite nach außen isoliert, die kalte Seite jedoch nicht. Die thermoelektrischen
Einheiten wurden mit 18 Volt (Gleichstrom) und 4,5 A betrieben.
Aus der folgenden TABELLE I sind die auf beiden Seiten der Vorrichtung
gemessenen Temperaturen sowie die Wasseraustrittstemperaturen, jeweils im Gleichgewichtszustand
gemessen, ersichtlich.
TABELLE I
Dieses Beispiel zeigt, dass eine wässrige Lösung in einer geschlossenen
Schleife wirksam schnellpasteurisiert werden kann, wobei die Temperatur der das
Gerät verlassenden Flüssigkeit innerhalb eines für die fotografische Entwicklung
geeigneten Bereichs gehalten werden kann. Die Wärmetauschleistung derartiger Vorrichtungen
kann durch Verwendung unterschiedlicher Kanalausbildungen modifiziert und optimiert
werden, die die Verweilzeiten oder Temperaturdifferenzen auf der heißen oder der
kalten Seite oder auch auf beiden Seiten der Wärmeübertragungsvorrichtung verändern.
Beispiel 2:
Bei einer anderen Ausführungsform der Erfindung wurden die heiße und
die kalte Temperatur durch Ein- und Ausschalten des Stromes mit 24 V (Gleichstrom)
ohne besondere Steuerung des Stroms eingestellt und aufrechterhalten. Für diesen
Versuch wurde dieselbe Vorrichtung eingesetzt wie für das Beispiel 1 und auch dieselbe
Strömungsgeschwindigkeit des Wassers von 20 ml/min. gewählt. Die Abkühlung auf der
kalten Seite wurde mittels eines kleinen Gebläses unterstützt. Die Geräte- und Lösungstemperaturen
im Gleichgewichtszustand sind aus der nachstehenden Tabelle II ersichtlich.
TABELLE II
Dieses Beispiel zeigt ein Verfahren zur Steuerung der Flüssigkeits-Temperaturen
durch Ein- und Abschalten des Stroms zur Erzeugung der gewünschten Temperaturunterschiede.
Beispiel 3:
Dieses Beispiel demonstriert die Durchführung der Erfindung anhand
einer fotografischen Entwicklerlösung, d.h. einer gealterten fotografischen Stabilisierlösung
(entsprechend der im Handel erhältlichen Lösung KODAK FLEXICOLOR Stabilizer LF).
Die Lösung wurde durch eine Wärmeübertragungsvorrichtung ähnlich jener
gemäß 2 mit 4 zweistufigen Einheiten umgewälzt, wie
dies auch im Zusammenhang mit Beispiel 1 beschrieben wurde. Die Vorrichtung wurde
mit 24 V (Gleichstrom) betrieben. Bei diesem Beispiel wurde ein besonderer Aufnahmetank
verwendet, womit ein fotografischer Entwicklungstank simuliert werden sollte. Die
Temperatur der Lösung in diesem Aufnahmetank wurde mit Hilfe eines herkömmlichen
Tauch-Umlauferhitzers auf etwa 38°C geregelt. Mittels einer peristaltischen
Pumpe wurde die fotografische Entwicklerlösung vom Aufnahmetank zur heißen Seite
der Wärmeübertragungsvorrichtung und in den Aufnahmetank zurück gepumpt. Die Strömungsrate
betrug etwa 5 ml/min.
Die Temperaturen der Vorrichtung und der Entwicklerlösung wurden im
Gleichgewichtszustand gemessen und sind aus nachstehender Tabelle 3 ersichtlich:
TABELLE III
Anspruch[de]
Thermoelektrische Peltier Wärmeübertragungsvorrichtung (20)
mit einer kalten Seite (60) und einer heißen Seite (30), dadurch gekennzeichnet,
dass beide Seiten in direkter Strömungsverbindung stehen derart, dass dieselbe Flüssigkeit
sowohl auf der kalten, wie auch auf der heißen Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung
behandelbar ist.
Wärmeübertragungsvorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch
mindestens zwei thermoelektrische Module (40, 45).
Wärmeübertragungsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet
durch einen entweder mit der heißen oder der kalten Seite in thermischer Verbindung
stehenden Strömungskanal (10, 50), der derart ausgebildet ist,
dass er in der in der Wärmeübertragungsvorrichtung behandelten Flüssigkeit Wirbelungen
erzeugt.
Wärmeübertragungsvorrichtung nach Anspruch 1, 2 oder 3, gekennzeichnet
durch mehrfache Einlässe (300, 310, 320) zu der heißen
und der kalten Seite.
Verfahren zum Behandeln einer fotografischen Entwicklerlösung in der
thermoelektrischen Peltier Wärmeübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, gekennzeichnet durch die Schritte:
A) Inberührungbringen einer fotografischen Entwicklerlösung mit der heißen Seite
(30) der Wärmeübertragungsvorrichtung (20) für eine Verweilzeit,
die ausreicht für eine Schnellpasteurisierung der fotografischen Entwicklerlösung,
ohne dass das Volumen der schnellpasteurisierten fotografischen Entwicklerlösung
abnimmt, und
B) direktes Inberührungbringen der schnellpasteurisierten fotografischen Entwicklerlösung
ausschließlich mit der kalten Seite (60), um die schnellpasteurisierte
fotografische Entwicklerlösung rasch abzukühlen.
Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die fotografische
Entwicklerlösung eine fotografische Farbentwickler-, Bleich-, Bleichfixier-, Vorbleich-,
Stabilisierungs- oder Endwässerungslösung ist.
Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die fotografische
Entwicklerlösung mit der heißen Seite (30) mindestens 10 Sekunden lang
in Berührung steht.
Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die fotografische
Entwicklerlösung mit der Wärme abgebenden Quelle mindestens 20 Sekunden lang in
Berührung steht.
Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
dass die fotografische Entwicklerlösung sowohl auf der heißen, wie auch auf der
kalten Seite durch Strömungskanäle (10, 50) fließt und dass die
jeweiligen Strömungskanäle unterschiedlich ausgebildet sind und unterschiedliche
Flüssigkeitsverweilzeiten ermöglichen.
Verfahren zum Behandeln einer Flüssigkeit in der thermoelektrischen
Peltier Wärmeübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis
4, gekennzeichnet durch die Schritte:
A) Inberührungbringen einer Flüssigkeit mit der heißen Seite (30) der Wärmeübertragungsvorrichtung
(20) für eine Verweilzeit, die ausreicht für eine Schnellpasteurisierung
der Flüssigkeit, ohne dass deren Volumen abnimmt, und B) direktes Inberührungbringen der schnellpasteurisierten Flüssigkeit
ausschließlich mit der kalten Seite der Wärmeübertragungsvorrichtung (20),
um die schnellpasteurisierte Flüssigkeit rasch abzukühlen.