Die vorliegende Erfindung betrifft neue Verwendungsmöglichkeiten von
oligo- und polymeren galloylierten Proanthocyanidinen.
Die Haut ist flächenmäßig das größte Organ des Menschen. Wichtigste
Aufgabe der humanen Haut ist neben der Aufrechterhaltung einer konstanten Körpertemperatur
und dem Schutz vor Austrocknung, vor allem die Barrierefunktion gegenüber der Außenwelt
(d.h. gegenüber physikalischen, chemischen und mikrobiellen Reiznoxen), ohne die
ein reibungsloser Ablauf der Vitalfunktionen gar nicht möglich wäre. Diese Barrierefunktion
wird von der Epidermis bewirkt. Durch Verhornung und der Ausbildung von Lipidlagen
reift die Epidermis zur Hornschicht heran, die als äußerste Schicht an der Grenzfläche
die eigentliche Schutzschicht gegenüber der Außenwelt darstellt. Auch die Schleimhaut
als eine epitheliale Sonderform erfüllt ähnliche Aufgaben, wobei aber durch die
im Vergleich zur Haut gering ausgeprägte und kaum stratifizierte Epidermis bei der
Schleimhaut zusätzlich zu der Schutz- und Austrocknungsfunktion der selektive Stoffaustausch
zwischen serosaler und luminaler Seite im Vordergrund steht.
Die zelluläre Organisation im Rahmen der Hautreifung stellt ein äußerst
komplexes Geschehen dar, wobei auf der einen Seite zelluläre Bestandteile (überwiegend
Keratinozyten) in eine extrazelluläre Matrix aus Lipiden eingebettet sind. Die Lipid-Vorläufermoleküle
(precursors) werden ebenfalls von den Keratinozyten gebildet. Zusätzlich verändern
sich aber die Keratinozyten während ihres Lebenszykluses sehr stark. Diese Hautzellen
werden initial in einem undifferenzierten Zustand aus der Basalzellschicht heraus
gebildet und stellen hierbei eine proliferierende Zellmasse dar. Da durch das Stratum
basale kontinuierlich Keratinozyten gebildet werden, rücken die Zellen im Laufe
der Zeit von unten her Richtung Grenzfläche. Hierbei kommt es zu charkteristischen
Änderungen im zellulären Erscheinungsbild: Die Zellen flachen sich deutlich ab,
elongieren und vergrössern sich, während gleichzeitig die Mitochondrienzahl zunimmt.
In weiteren Entwicklunszyklen reduziert sich die Golgi-Entwicklung und die Kerngrösse,
aber gleichzeitig nimmt das Tonofilament-Netzwerk zu und wird dichter. Desweiteren
unterliegen auch die biochemischen Prozesse in den Keratinozyten im Laufe ihrer
Entwicklung einem entscheidenden Wandel. Insbesondere die Produktion niedermolekularer
Keratine nimmt im Laufe der Entwicklung ab, während hochmolekulare, differenzierungsspezifische
Keratine (K1 und K10) deutlich zunehmen. Diese Differenzierung hin zu stark keratinisierten
Zellen geht auch mit einer vermehrten Bildung von Lipid-Vorläufermolekülen (u.a.
Phospho- und Sphingolipide) für die Lipiddoppelschichten der Hornschicht einher.
Diese Lipide werden später ausgeschleusst und enzymatisch in neutrale Lipide umgebaut.
Die sich so ständig differenzierenden Zellen sind ab einer bestimmten Keratinisierungsdichte
nicht mehr lebensfähig und sterben apoptotisch ab, wobei aber die verhornten, toten
Zellen (Korneozyten) neben der Lipidmatrix, in die sie eingebettet sind, entscheidend
für die eigentliche (physikalische) Barrierefunktion der Haut sind.
Somit ergeben sich zwei unterschiedliche Regulationsprozesse: Zum
einen die Proliferation der Keratinozyten zur ständigen Erneuerung der zellulären
Hautbestandteile und nachfolgend die Differenzierung der Keratinozyten hin zu den
verhornten, abgestorbenen Zellen und damit einhergehend zum Aufbau der epidermalen
Barriere. Eine Schädigung (endogener oder exogener Genese) der Epidermis und der
Hornschicht führt nicht nur zu drastischen Einschränkungen der Barriereeigenschaften,
sondern auch zu einem stumpfen, rauhen und müden Erscheinungsbild der Haut.
Der Zweck der pflegenden Kosmetik besteht in erster Linie darin, die
natürliche Funktion der Haut als Barriere gegen äußeren Einflüssen zu stärken und
den Verlust von körpereigenen Stoffen (z.B. Wasser, Fette, Elektrolyte) zu mindern
bzw. das normale Maß dieses Verlustes wiederherzustellen. Dies bewirkt auf der einen
Seite eine erhöhte Resistenz oder Abwehrfähigkeit gegen äußere Einflüsse (z.B. gegen
Chemikalien, mechanischen Stress, erhöhte UV-Belastung oder mikrobiellen Befall)
zum anderen werden aber auch von außen auf die Haut treffende Stoffe in geringerem
Ausmaß absorbiert. Nicht zu vernachlässigen ist auch der Aspekt, dass eine Haut,
die täglich durch Waschen einen gewissen Verlust an Lipiden und Feuchtigkeit erfährt,
Ausdünnungen innerhalb der extrazellulären Matrix erfäht. Eine veränderte Regeneration
der Keratinyozyten kann die Folge sein. Hautpflegeprodukte sollen demgemäß dabei
helfen, entweder den durch häufiges Waschen bedingten Feuchtigkeits- und Fettverlust
auszugleichen und/oder die Hautalterung zu vermindern, was z.B. durch eine Steigerung
der Keratinozytenproliferation und somit der Regeneration der Haut erreicht werden
kann. Hautpflegeprodukte und deren Wirkstoffe dienen des weiteren dazu, die Pflege
der Haut und deren Versorgung mit Feuchtigkeit und Nährstoffen sicherzustellen,
vor allem aber die Förderung einer schnelleren und besseren Regeneration der epidermalen
Barriere nach eingetretener Schädigung einzuleiten und zu erhalten.
Proanthocyanidine stellen polyphenolische Biopolymere dar, die relativ
häufig in Pflanzen vorkommen, d.h. diese sind Naturstoffe. Handelt es sich bei den
Grundbausteinen um Catechin oder Epicatechin, so werden die entsprechenden Oligo-
und Polymere auch als Procyanidine bezeichnet.
Die Verwendung von Proanthocyanidinen aus Pflanzenextrakten unterschiedlicher
Zusammensetzung, häufig jedoch in einer Mischung mit anderen Gerbstoffen, wurde
bereits im Stand der Technik beschrieben. Die beschriebenen Verwendungen beziehen
sich häufig auf medizinisch/pharmakologische Anwendungsgebiete,
wie z.B. Virustherapie, Wundheilung oder anti-mutagene Wirkungen. Dabei können diese
Extrakte neben Proanthocyanidinen eine große Anzahl weiterer und teilweise noch
nicht ausreichend charakterisierter Gerb- und Wirkstoffe enthalten.
So beschreiben Dauer et al. (Dauer et al., Planta Medica 64 (1998),
S. 324-327) die Verwendung von Extrakten aus Hamamelis virginiana als anti-mutagenes
Agens (Messung mittels Ames-Test). Die maximal anti-mutagene Wirkung des Extraktes
wird hier bei einer Fraktion beobachtet, die Catechin- und Gallocatechin-Oligomere
enthält, die einen durchschnittlichen Polymerisationsgrad von 9,2 aufwiesen.
Die EP 0 812 592 A1
beschreibt die Verwendung von Pflanzenextrakten, die u.a. Proanthocyanidin-Oligomere
enthalten, zur Behandlung von Katarakten, d.h. oxidativen Schädigungen des Auges.
Die verwendeten Wirkstoffe werden dabei als wässrige Extrakte aus Trauben, Traubenschalen
oder -kernen gewonnen und anschließend mittels Flüssigchromatographie aufgetrennt.
Des weiteren beschreibt die WO 96/30033 an Proanthocyanidinen angereicherte
Pflanzenextrakte, die zur Inhibition von mikrobieller Adhäsion an Zelloberflächen
und damit als anti-mikrobielles Agens verwendet werden.
In ähnlicher Weise offenbart die WO 92/06695 die Verwendung von Proanthocyanidin-Zusammensetzungen
als anti-virales agens zur Behandlung von durch Influenza- und Herpesviren verursachten
Infektionen.
Schließlich beschreibt die WO 87/00051 die Verwendung von Extrakten
aus Hamamelis zur Behandlung von Gingivitis (einer Zahnfleischerkrankung).
Die JP 100 59 846 A
beschreibt ein Arzneimittel gegen Katarakt, welches Proanthocyanidine enthält. Des
weiteren beschreibt die JP 200 106 4172
A ein Mittel zur Behandlung von Defekten, welche durch Mutationen des APC-Genes
hervorgerufen werden, welche Polyphenole, insbesondere Proanthocyanidine enthält.
Ein weiteres Anwendungsgebiet eines verschiedene Formen von Proanthocyanidinen enthaltendes
Medikament wird von der JP 200 004 4472
A beschrieben. Das dort beschriebene Medikament soll zur Behandlung von
Diabetes eingesetzt werden, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Letztendlich
beschreibt die JP 200 1131 027 A
ein Haarwasser und -shampoo, welches Proanthocyanidin Di-Pentamere, als oligomer
Formen, enthält.
Die JP 631 626 85 A
stellt ein Extraktionsverfahren von Proanthocyanidinen aus pflanzlichen Rohstoffen
dar. In der JP 630 203 21 A wird
ein Epoxyharz beschrieben, welches aus einer polyfunktionalen Epoxykomponente besteht
sowie einem Proanthocyanidin,.
Trotz der im Stand der Technik offenbarten zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten
für unfraktionierte bzw. fraktionierte Extrakte, die z.B. aus Hamamelis, Chrysanthemum
oder auch aus Trauben bzw. deren Schalen, gewonnen werden können, enthalten diese
Extrakte häufig eine große Anzahl anderer Substanzen bzw. pflanzlicher Sekundärstoffe.
Dies macht es häufig schwierig, einen definierten Wirkstoff zu bestimmen und diesen
gezielt einzusetzen. Des weiteren wird durch die Anwesenheit von Zusatzstoffen im
Extrakt bzw. der Präparation der Anteil an pharmakologisch wirksamer Substanz verringert
und somit die pharmakologische Effizienz herabgesetzt.
Folglich besteht im Stand der Technik ein Bedürfnis, strukturell definierte
Proanthocyanidine in hoher Reinheit bereitzustellen, so dassdass eine hohe Konzentration
der gewünschten Proanthocyanidine vorliegt bzw. der Gehalt an Verunreinigungen und/oder
Nebenprodukten möglichst gering ist.
Ausgehend von diesem Stand der Technik besteht die Aufgabe der vorliegenden
Erfindung in der Nutzbarmachung von substituierten Proanthocyanidinen.
Demgemäß betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung von oligo-
und polymeren Proanthocyanidinen zur Behandlung von Haut- und Schleimhautdefekten
sowie Entzündungen, zur regenerativen Haut- und Schleimhautpflege, sowie zur Beschleunigung
der Haut- und Schleimhautregeneration, wobei die Proanthocyanidine aus der Grundeinheit
Flavan-3-ol aufgebaut ist, welche an der C3-Position mindestens zum Teil mit Gallussäure
verestert ist, und wobei die Grundeinheiten über (C4, C6)- oder (C4, C8)-Bindungen
verknüpft sind.dass Die Erfindung geht daher von oligo- und polymeren Proanthocyanidinen
aus, die
a) aus der Grundeinheit Flavan-3-ol aufgebaut sind, welche
b) an der C3-Position mindestens zum Teil mit Gallussäure verestert sind, und
wobei
c) die Grundeinheiten über (C4, C6)- oder (C4, C8)-Bindungen verknüpft sind,
und
d) im wesentlichen frei von anderen Zusatzstoffen ist.
Erfindungsgemäß ist auch die Verwendung derartiger substituierter
Proanthocyanidine als Bestandteil von kosmetischen Produkten, zur Beschleunigung
der Proliferation von Keratinozyten, zur Beschleunigung der Proliferation von Zellen
in Zellkultur und zur Beschleunigung der in vivo Proliferation von Zellen vorgesehen.
In der unten gezeigten Strukturformel (1) werden
beispielhaft vier Grundeinheiten (Flavan-3-ol) gezeigt, die über eine (4, 8)-Bindung
verknüpft sind und, mit Ausnahme der (unteren) terminalen Grundeinheit, an der C3
OH-Gruppe mit Gallussäure verestert sind. Die Veresterung der C3 OH-Gruppe der erfindungsgemäßen
Proanthocyanidine mit Gallussäure liegt mindestens zum Teil vor, d.h. in einer vorteilhaften
Ausführungsform sind mindestens 50% der vorhandenen C3 OH-Gruppen der Grundeinheit
mit Gallussäure verestert (galloyliert), in einer bevorzugten Auführungsform
sind mindestens 80% der C3 OH-Gruppen der Grundeinheiten galloyliert, wobei besonders
bevorzugt ein Galloylierungsgrad von mindestens 90% der vorhandenen C3 OH-Gruppen
ist (die Prozentsätze sind jeweils bezogen auf 100% der vorhandenen C3 OH-Gruppen).
Die ebenfalls im Rahmen der vorliegenden Erfindung offenbarte mögliche (4, 6)-Verknüpfung
der Grundeinheiten ist in der Formeldarstellung nicht gezeigt, stellt aber im Rahmen
der vorliegenden Erfindung eine weitere bevorzugte Ausführungsform dar. Die für
n vorteilhaften bzw. bevorzugten Zahlenwerte sind für die (4, 6)-verknüpften und
die (4, 8)-verknüpften Proanthocyanidine identisch, wobei vorteilhafte Werte für
n zwischen 1 und 80 liegen. Bevorzugt sind Werte zwischen 2 und 40, besonders bevorzugt
sind Werte zwischen 3 und 27. Die erfindungsgemäßen Proanthocynidine können ausschließlich
als mindestens zum Teil galloylierte Verbindungen in (4, 6)-Verknüpfung auftreten,
als mindestens zum Teil galloylierte Verbindungen in (4, 8)-Verknüpfung, sowie als
Mischung dieser beiden letztgenannten Möglichkeiten in jedem möglichen Mischungsverhältnis,
wobei der Galloylierungsgrad (d.h. der Prozentsatz der mit Gallussäure veresterten
C3 OH-Gruppen bei den (4, 6)- bzw. (4, 8)-verknüpften Molekülspezies unterschiedlich
sein kann. Die erfindungsgemäßen oligo- und polymeren Proanthocyanidine sind des
weiteren im wesentlichen frei von anderen Zusatzstoffen. Diese Zusatzstoffe stellen
insbesondere Gerbstoffe dar, die nicht zu den erfindungsgemäß beanspruchten Proanthocyanidinen
zählen, wie z.B. hydrolysierbare Tannine, aber auch andere sekundäre Pflanzenstoffe,
die als Verunreinigungen in Extrakten aus Pflanzen bzw. Teilen von Pflanzen auftreten
können. Der Begriff "im wesentlichen frei von" ist dahingehend zu verstehen, dass
der Reinheitsgrad der erfindungsgemäßen Proanthocyanidine, d.h. der mindestens zum
Teil galloylierten oligo- und polymeren Proanthocyanidine, bei über 85% liegt (d.h.
es liegen 15% Verunreinigungen bezogen auf die Gesamtmenge an erfindungsgemäßen
Proanthocyanidinen vor). Bevorzugt ist ein Reinheitsgrad von mehr als 90%, besonders
bevorzugt ist ein Reinheitsgrad von mehr als 95%.
Die verwendeten oligo- und polymeren Proanthocyanidine haben ein mittleres
Molekulargewicht im Bereich von 250 bis 40000 Da. Das mittlere Molekulargewicht
des Proanthocyanidins bezieht sich auf das Massenmittel aller umfassten Molekülspezies,
d.h. sämtlicher zumindest teilweise an der C3 OH-Gruppe galloylierter, über (4,
6)- oder (4, 8)-Bindungen verknüpfter Grundeinheiten oder Mischungen derselben.
Die Erfindung verwendet ein oligo- und polymeres Proanthocyanidin,
bei dem mindestens 50% der C3-Positionen der Grundeinheiten mit Gallussäure verestert
sind. Der Prozentsatz bezieht sich hier wiederum auf die Gesamtzahl der vorhandenen
C3 OH-Gruppen des Proanthocyanidins.
Die Erfindung verwendet ferner ein oligo- und polymeres Proanthocyanidin,
bei dem, mit Ausnahme der C3-Position einer oder beider terminaler Grundeinheiten,
sämtliche C3-Positionen mit Gallussäure verestert sind. Als terminale Grundeinheiten
sind hier die das Polymer "abschließenden" Grundeinheiten zu verstehen. Somit ist
bei dem in 1 gezeigten schematischen Molekül z.B. die untere (also
abschließende) terminale Grundeinheit nicht mit Gallussäure verestert, während im
Gegensatz dazu die obere terminale Grundeinheit galloyliert ist.
Es wird ferner ein oligo- und polymeres Proanthocyanidin verwendet,
bei dem sämtliche C3-Positionen der Grundeinheiten mit Gallussäure verestert sind.
In einer weiteren Ausführungsform betrifft die Erfindung die Verwendung
eines oligo- und polymeren Proanthocyanidins zur Behandlung von Haut- und Schleimhautdefekten
sowie Entzündungen, zur regenerativen Haut- und Schleimhautpflege, sowie zur Beschleunigung
der Haut- und Schleimhautregeneration. Das Proanthocyanidin kann dabei systemisch
(z.B. oral) oder topisch (lokal) verabreicht werden. Als medizinische Indikationen
bezüglich der Verwendung sind hier die posttraumatische Versorgung von Schürf-,
Schnitt- und Verbrennungswunden zu nennen. Das Proanthocyanidin eignen sich dabei
sowohl zur topischen / lokalen Anwendung auf den betroffenen Hautarealen, als insbesondere
auch zur protektiven oder regenerativen Behandlung von Schleimhäuten.
Die vorliegende Erfindung betrifft in einer bevorzugten Ausführungsform
auch die Verwendung eines oligo- und polymeren Proanthocyanidins als Bestandteil
von kosmetischen Produkten. Proanthocyanidine sind in der Literatur (s.o.) als Bestandteile
von sogenannten Gerbstoffpflanzen bekannt. Bisher in der Kosmetik verwendete Extrakte
stellen meist rohe Gemische aus Procyanidinen und anderen Gerbstofftypen (z.B. hydrolysierbaren
Tanninen) dar. Der Vorteil des zumindest teilweise galloylierten Procyanidins im
Sinne dieser Erfindung ist die Möglichkeit der gezielten kosmetischen Anwendung
der hier offenbarten Substanzen, die in konzentrierter und chemisch definierter
Form dermal (topisch) appliziert werden können. Die hier offenbarte Galloylierung
an der C3 OH-Gruppe der Grundeinheit verbessert darüber hinaus die Löslichkeit der
Verbindungen und deren Einarbeitung in topisch anwendbare Grundlagen und stabilisiert
die Oligomere hinsichtlich oxidativen Degradationserscheinungen. Es wurde durch
in vitro und in vivo Versuche gezeigt, dass die Substanzen aus dieser Erfindung
die Regeneration und Proliferation von Haut anregen können und somit als kosmetische
Wirkstoffe, sowie auch als die Proliferation fördernde Agenzien einsetzbar sind
(s.u., Beispiele). Dementsprechend konnte experimentell nachgewiesen werden, dass
die Proliferationsrate der mit den erfindungsgemäßen Proanthocyanidinen behandelten
Zellen (humane Keratinozyten) um das 2- bis 3.5-fache gesteigert wurde (s. Beispiel
1), sowie, dass auf zellulärer Ebene die Energiebereitstellung durch die Mitochondrien
stimuliert wurde.
Dementsprechend betrifft die Erfindung in einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform auch die Verwendung eines oligo- und polymeren Proanthocyanidins
zur Stimulation der Proliferation von Keratinozyten, wobei die Stimulation von humanen
primären Keratinozyten bevorzugt ist.
Die vorliegende Erfindung betrifft auch die Verwendung des erfindungsgemäßen
oligo- und polymeren Proanthocyanidins zur Beschleunigung der Proliferation von
Zellen in Zellkultur, sowie die Verwendung des oligo- und polymeren Proanthocyanidins
zur Beschleunigung der in vivo Proliferation von Zellen. Wie aus den Ausführungsbeispielen
1 und 2 (s.u.) ersichtlich, steigert das Proanthocyanidin die Proliferation von
humanen Keratinozyten signifikant.
Primäre Keratinozytenkulturen werden immer häufiger im Rahmen von
Hauttransplantationen eingesetzt. Bei großflächigen Verletzungen oder Verbrennungen,
bei denen nicht genug intaktes Hautmaterial des Patienten zur Transplantation auf
die verletzten Stellen zur Verfügung steht, werden häufig Hautstücke entnommen,
anschließend aus diesen in vitro und ex vivo Keratinozytenkulturen angelegt, die
dann auf inerten Trägermaterialien bis zur massiven Konfluenz kultiviert werden
und schließlich auf die verletzten Hautareale des Patienten transplantiert werden
(siehe in diesem Zusammenhang auch: Horch R, Bannasch H, Stark GB, "Transplantation
of cultured autologous keratinocytes in fibrin sealant biomatrix to resurface chronic
wounds", Transplant. Proc., 33 (2001), 642; Lee KH, "Tissue-engineered human living
skin substitutes: development and clinical application." Yonsei Med. J. 41(6) (2000),
774, Übersichtsartikel; Tanczos E, Horch RE, Bannasch H, Andree C, Walgenbach KJ,
Voigt M, Stark GB, "Keratinocyte transplantation and tissue engineering. New approaches
in treatment of chronic wounds." Zentralbl. Chir. 1999;124 (1999), Suppl 1:81-6,
Übersichtsartikel).
Da im Rahmen der vorliegenden Erfindung durch Zusatz des oligo- und
polymeren Procyanidins zu den Kulturmedien die Proliferation der Hautzellen beschleunigt
werden kann, bedeutet dies, dass die Transplantation zu einem früheren Zeitpunkt
erfolgen kann. Letztgenanntes ist mit erheblichen Vorteilen für den Patienten verbunden,
da dessen Wunden früher versorgt werden können, was das Infektionsrisiko (z.B. Sepsis)
vermindert und die Gesamtprognose verbessert.
In einer weiteren Ausführungsform können die oligo- und polymeren
Proanthocyanidins als Medikament oder zur Herstellung eines Medikamentes zur Behandlung
von Haut- und Schleimhautdefekten, sowie zur Stimulation der Proliferation von Zellen
verwendet werden. Die möglichen Darreichungsformen umfassen hier orale Darreichungsformen
wie z.B. Kapseln und Tabletten, als auch parenterale Darreichungsformen, sowie
insbesondere topische bzw. lokale Anwendungsformen in Form von Lutschtabletten,
Spülungen, Suppositorien, Stili, Salben und Cremes.
Die verwendeten oligo- und polymeren Proanthocyanidine können auf
folgendem Weg hergestellt und isoliert werden:
i) Extraktion von Pflanzenmaterial enthaltend Proanthocyanidine mit einem Gemisch
umfassend Aceton,
ii) weitere Behandlung des Extraktes aus Schritt i) mit wenigstens einem organischen
Lösungsmittel und Verwerfen der organischen Phase,
iii) Auftragen der verbliebenen wässrigen Phase aus Schritt ii) auf wenigstens
eine Säule,
iv) Waschen der beladenen Säule aus Schritt iii) mit einem geeigneten Lösungsmittel,
v) Elution der Säule aus Schritt iv) mit einem Aceton/Wasser Gemisch oder Methanol
oder zunächst mit Methanol und anschließend mit einem Aceton/Wasser Gemisch oder
zuerst mit einem Aceton/Wasser Gemisch und anschließend mit Methanol.
Dabei findet die Extraktion von Pflanzenmaterial, das die galloylierten
oligo- und polymeren Proanthocyanidine enthält, in Schritt i) statt. In einer bevorzugten
Ausführungsform wird zerkleinerte Rinde von Hamamelis virginiana verwendet und bei
Raumtemperatur unter Verwendung eines geeigneten und dem Fachmann bekannten Lichtschutzes
mittels eines Gemisches umfassend Aceton extrahiert, wobei ein Aceton/Wasser-Gemisch
(bevorzugtes Verhältnis Aceton/Wasser = 7:3 (v/v)) bevorzugt ist. Eine bevorzugte
Ausführungsform des Verfahrens zur Extraktion der galloylierten Proanthocyanidine
ist in 8 gezeigt. Eine bevorzugte erschöpfende Extraktionsmethode
zur Gewinnung des galloylierten Proanthocyanidins der vorliegenden Erfindung, die
zu guten Ausbeuten führt stellt, die Perkolation dar. Es sind jedoch auch andere
dem Fachmann bekannte Extraktionsverfahren des Standes der Technik im Rahmen der
vorliegenden Erfindung anwendbar.
Die Verwendung von Methanol als Extraktionsmittel sollte im Rahmen
der vorliegenden Erfindung in den ersten Extraktionsschritten vermieden oder die
Methanol-Exposition der Lösung sollte möglichst kurz gehalten werden, da es hierdurch
zur Methanolyse der zu isolierenden Gallussäureester des Proanthocyanidins kommen
kann (Bruneton, J, "Pharmocognosy, Phytochemistry, Medicinal Plants.", (1995) Lavoisier,
London, New York, 313-334.
Nach Entfernung des Acetons bei maximal 40°C wird in Schritt ii)
die wässrige Phase mit wenigstens einem organischen Lösungsmittel extrahiert, in
einer bevorzugten Ausführungsform wird Petrolether verwendet, anschliessend wird
mit Ethylacetat extrahiert. Die organischen Phasen werden verworfen. Das Proanthocyanidin
befindet sich nun in der wässrigen Phase, wobei die Ausbeute der wässrigen Phase
nach Trocknung in der Regel bei bis zu 8%, bezogen auf das eingesetzte getrocknete
Gesamt-Pflanzenmaterial, liegt.
Nachfolgend wird das Rohgemisch auf eine Säule aufgetragen (Schritt
iii), wobei als bevorzugtes Material Sephadex LH20 von Pharmacia oder ein gleichwertiges
Material verwendet wird. Alternativ kann auch ein entsprechendes Batch-Verfahren
zur Anwendung kommen. Es wird dabei immer zunächst bis zur Farblosigkeit des Durchflusses
mit 96%-igem Ethanol gewaschen (Schritt iv), wobei der Durchfluss anschließend verworfen
wird. Nachfolgend wird ausschließlich mit einem Aceton-Wasser-Gemisch eluiert (Schritt
v), gegebenenfalls ausschließlich mit Methanol. Alternativ erfolgt eine Elutionssequenz,
wobei zuerst eine Elution mit Methanol und anschließend mit einem Aceton/Wasser-Gemisch
erfolgt oder umgekehrt. Typische Ausbeuten eines Methanol-Eluates (ausschl. Methanol)
sind > 30% bezogen auf die Menge an eingesetztem Rohprodukt, die eines Aceton/Wasser-Eluates
(ausschl. Aceton/Wasser) liegt bei > 10%. Allgemein gilt, dass durch Methanol-Elution
Proanthocyanidin-Fraktionen mit kleinerem Molekulargewicht erhalten werden und durch
Aceton-Wasser-Elution höhermolekulare Proanthocyanidine eluiert werden. Durch Kombinationen
der beiden Elutionsmethoden (erst Methanol, danach Aceton oder umgekehrt) können
unterschiedliche galloylierte oligo- oder poylmere Proanthocyanidine erhalten werden,
die sich in der mittleren Molekülgrösse (DP) unterscheiden.
Um Fraktionen mit enger begrenzten Molekulargewichtsbereichen zu erhalten,
kann gegebenenfalls eine weitere säulenchromatographische Fraktionierung an Sephadex
LH20-Säulen oder gleichwertigen Materialien, vorzugsweise unter Verwendung eines
Ethanol-Wasser-Aceton-Gemisches, erfolgen.
Die vorliegende Erfindung soll weiterhin anhand der folgenden Beispiele
und Abbildungen erläutert werden, wobei besonders deren vorteilhafte Anwendbarkeit
sowohl im Bereich der Hautregeneration und Zellkultur, als auch auf dem Gebiet der
Kosmetik, aufgezeigt werden.
Erläuterung der Abbildungen
1 zeigt Strukturmerkmale der galloylierten oligo-
und polymeren Proanthocyanidine, wobei hier eine (4, 8)-Verknüpfung der Grundeinheiten
vorliegt.
2 zeigt den Einfluss von oligomeren,
galloylierten Proanthocyanidinen unterschiedlicher Molekulargewichte in Dosierungen
von 1 und 10 &mgr;g/ml auf die Zellproliferation von humanen Keratinozyten nach
neuntägiger Inkubationsdauer. Die Ergebnisse wurden mittels BrdU-Einbau in die zelluläre
DNA und anschließender ELISA-Auswertung bestimmt. Die angegebenen
Werte stellen die Mittelwerte +/– die Standardabweichung aus n = 10 dar mit
*p < 0.1 und **p < 0.05 gegenüber der unbehandelten Kontrolle.
3 zeigt den Einfluss der galloylierten
Proanthoycyanidine auf die Zellproliferation von NHK über eine 10tägige Fütterungsperiode.
Die Ergebnisse wurden mittels BrdU-Einbau in die zelluläre DNA und anschliessender
ELISA-Auswerung bestimmt. Die angegebenen Werte stellen die Mittelwerte +/–
die Standardabweichung aus n = 10 dar mit *p > 0.1 und **p > 0.05 gegenüber der
unbehandelten Kontrolle.
4 beschreibt den Einfluss eines galloylierten
Proanthocyanidins auf die mitochondriale Aktivität humaner Keratinozyten in Dosen
von 1 und 10 &mgr;g/ml nach neuntägiger Inkubationsdauer. Auswertung mittels MTT-Test;
die angegebenen Werte stellen die Mittelwerte aus n = 10 dar mit *p < 0.1 gegenüber
der unbehandelten Kontrolle.
5 zeigt den Einfluss verschiedener hochmolekularer
galloylierter Proanthocyanidine (Substanzen B und C) auf die Zelldifferenzierung
humaner Keratinozyten in Dosierungen von 0,1 bis 50 &mgr;g/ml nach neuntägiger Inkubation.
4B: Quantifizierung der Menge differenzierungsspezifischer
Keratine aus 5A.
6 zeigt delta TEWL nach 3-tägiger kumulativer
Irritation von Hautarealen; GPC = galloylierte Proanthocyanidine.
7 zeigt den klinischen Score nach 3 Tagen
kumulativer Irritation GPC: galloylierte Proanthocyanidine.
8 zeigt eine Colorimetrie nach 3-tägiger
kumulativer Irritation von Hautarealen.
9 zeigt schematisch ein bevorzugtes Aufreinigungsverfahren
zum Erhalt der galloylierten Proanthocyanidine.
Beispiel 1Galloylierte Proanthocyanidine stimulieren die
Proliferation humaner Keratinozyten in vitro
Als Testsubstanzen wurden galloylierte Proanthocyanidine mit durchschnittlichen
Molekulargewichten von 1000 Da (Substanz B) und 5000 Da (Substanz C) verwendet.
Es wurde eine Untersuchung des Einflusses der beiden Proanthocyanidinfraktionen
auf humane Keratinozyten (natural human keratinozytes, NHK) durchgeführt. Hierzu
wurden Primärkulturen aus Keratinozyten von Spendern angelegt und diese Kulturen
in-vitro mit den o.g. zu untersuchenden Substanzen B und C, gelöst in physiologischem
Medium, versetzt. Als Negativkontrollen dienten gleichartig behandelte Kulturen,
denen nur reines Medium zugesetzt wurde.
Für alle in vitro Untersuchungen wurde das System der „submerged"
Keratinozytenkultur gewählt. Keratinozyten wurden entweder von kommerziellen Anbietern
bezogen (Cell Systems, St. Katharinen, Deutschland) oder aus Humanhaut aus operativen
Resektionen gewonnen.In letzterem Falle wurden die Hautstücke direkt nach Entnahme
mit einer Lösung, die 0,2% Fungizone, 5,9 &mgr;g/ml Gentamycin und 7,5% Natriumhydrogenphosphat
in DMEM-Medium (Gibco, Karlsruhe, Deutschland) dekontaminiert. Das Gewebe wurde
mechanisch aufgeschlossen und Dermis und Epidermis durch Dispasebehandlung getrennt.
Die Epidermis wurde trypsinisiert (15 min, 34°C Trypsin 0,05%, NaEDTA 0,53mM).
Die Reaktion wurde durch Zugabe von TNS (Cell Systems, St. Katharinen, Deutschland)
gestoppt. Die Kerationzyten wurden abzentrifugiert (463 × g, 5 min), in PBS
resuspendiert, erneut zentrifugiert und in KGM2-Medium ausgesät. Die Kultur erfolgte
bei 37° unter einer 5% CO2 Atmosphäre.
Bei etwa 60 bis 70% Konfluenzraten wurden nach Trypsinisierung Sekundärkulturen
angelegt. Alle Kulturen waren im wesentlichen frei von Kontminationen, insbesondere
die Abwesenheit von Fibroblasten und Melanocyten wurde routinemässig geprüft. Die
Sekundärkulturdauer betrug 9 bis 14 Tage.
Die Zugabe der Proanthocyanidine zu den Keratinozyten erfolgte nach
Lösen in KGM-2/DMSO. Als Positivkontrollen zur Detektion von Differenzierungsvorgängen
diente hoch konzentriertes Calcium-Medium mit 1,5 mM Ca2+. Als Kontrollen
dienten die unbehandelten Kulturen.
Die Charakterisierung der Keratinozytenphysiologie erfolgte über die
Ermittlung der Wachstumsraten der Zellen nach Trypsinisierung. Die mitochondrialen
Aktivitäten wurden mittels der MTT-Methode nach Mosmann ermittelt (Mosmann, M, "Rapid
colorimetric assay for cellular growth and survival: applications to proliferation
and cytotoxicity assays.", J. Imm. Methods 65 (1983), 55-163). Die Lactat dehydrogenase-Titer
wurden mittels eines LDH-Assay-Kits (Sigma, Steinheim, Deutschland) bestimmt (Amador
E, Dorfman LE, Wacker WEC, "Serum lactic dehydrogenase. An analytical assessment
of current assays.", Clin. Chem. 9 (1963), 391-395). Die Zellproliferationsbestimmung
erfolgte unter Verwendung eines BrdU-Kits (Boehringer, Mannheim, Deutschland) nach
den Angaben von Porstmann T., Ternyck T., Avrameas S, "Quantitation of 5-bromo-2-deoxyuridine
into DNA an enzyme immunoassay for the assesment of the lymphoid cell proliferative
response.", J. Immunol. Methods 82 (1985), 169-179. Die differenzierungsspezifischen
Keratine K1 und K10 wurden folgendermaßen bestimmt: die Zellen
wurden gewaschen und die Keratine mittels Harnstoff 8 M, &bgr;-Mercaptoethanol 0.2
M und Tris 1.5 mM solubilisiert. 50 &mgr;L des Solubilisates wurden in 96-well Mikrotiterplatten
transferiert und über 18 h bei 4°C inkubiert. Danach wurde 1 Stunde mit Blockmedium
(Milchpulver 7% in PBS mit 0,05%Tween 20) behandelt, anschliessend erfolgte Zugabe
von 100 &mgr;L eines monoklonalen Maus-anti-human-Keratin-Antikörpers (Dako, Hamburg,
1:400 in Blockmedium). Danach erfolgt 3-maliges Waschen mit 150 &mgr;L PBS enthaltend
0,05% Detergens. Anschliessend erfolgte der Zusatz von POD-gebundenem Ziege-anti-Maus-IgG-Antikörper
(Sigma, Steinheim, Deutschland). Nach 3-maligem Waschen erfolgte die Zugabe von
100 &mgr;L Substratlösung (Phenylendiamin, Wasserstoffperoxid), die Reaktionsdauer
betrug 10 min bei Raumtemperatur, die Reaktion wurde anschließend durch Zugabe von
100 &mgr;l Schwefelsäure beendet. Die Auswertung erfolgte durch Bestimmung der UV-Absorption
bei 492 nm, die Kalibration wurde mit Standardkeratinen durchgeführt.
Alle Kulturen, die mit den Proanthocyanidin-Fraktionen behandelt worden
waren zeigten deutliche und rasche Bildung von konfluenten Monolayern nach 9 Tagen
Inkubationsdauer. Die unbehandelten Kontrollgruppen zeigten innerhalb dieser neuntägigen
Versuchdauer lediglich etwa 40% Konfluenz. Erwartungsgemäß spiegelte sich dieses
Ergebnis auch in der Zellproliferationsrate wieder, die mittels BrdU-Einbau (Brom-desoxy-Uridin)
quantifiziert wurde (siehe 1).
Aus den in 1 gezeigten Daten wird deutlich, dass
die verwendeten Proanthocyanidine, hier die Substanzen B und C, die Zellproliferationsrate
gegenüber der unbehandelten Kontrolle um das Zwei- bis Dreieinhalbfache erhöhen
und somit vorteilhaft im Rahmen einer Zellkultur zur Erhöhung der Proliferationsrate
und damit einem schnelleren Erreichen der Konfluenz verwendet werden können. Folglich
wurden die Proliferationsquoten bei Zusatz der galloylierten Proanthocyanidine gegenüber
der unbehandelten Kontrolle um über das dreifache gesteigert. Das heißt aber auch,
dass diese Substanzen, werden sie zu den Nährmedien bzw. direkt zu den Kulturen,
zugesetzt, generell als Wachstumsenhancer für Zellen, Zellkulturen und Gewebe verwendet
werden können. Dies hat zur Folge, dass die Zellkulturen bzw. Gewebe schneller wachsen
und somit deren Herstellung effizienter und preiswerter wird. Ein weiterer Vorteil
der Verwendung der Proanthocyanidine besteht auch in der schnelleren und effizienteren
Möglichkeit, transplantierende Zellen bzw. Gewebe für z.B. Hauttransplantationspatienten
bereitzustellen.
Beispiel 2Hochmolekulare, galloylierte Proanthocyanidine müssen für
eine Proliferations-Stimulierung humanen Hautzellen kontinuierlich zugeführt werden
Untersucht man die Zellproliferation humaner Keratinozyten über die
Zeit hinweg in Anwesenheit bzw. in Abwesenheit der zumindest teilweise galloylierten
Proanthocyanidine, so zeigt sich, dass schon nach sechstägiger Inkubation signifikante
Unterschiede zwischen behandelter und unbehandelter Gruppe auftreten und die behandelten
Zellen weiterhin ein signifikant stärkeres Wachstum zeigen ( 2).
Dies bedeutet aber auch, dass die Proanthoycyanidine nicht als punktueller Stimulus
nach Einmalgabe die Zellproliferation anregen, sondern den Zellen ständig zugeführt
werden müssen.
Beispiel 3 Hochmolekulare, galloylierte Proanthocyanidine
stimulieren die Energiebereitstellung der Zelle
Die mittels der hochmolekularen, galloylierten Procyanidinen erzielten
Proliferationsquoten gehen auf subzellulärerer Ebene mit einer deutlich gesteigerten
mitochondrialen Aktivität, also mit vermehrter Energieproduktion, einher. Dies konnte
durch Bestimmung der mitochondrialen Aktivität behandelter und unbehandelter Zellen
nach neuntägiger Inkubation mittels des MTT-Test belegt werden ( 3).
Beispiel 4 Hochmolekulare, galloylierte Proanthocyanidine
haben keinen Einfluss auf Differenzierungsvorgänge humaner Hautzellen
Zur Untersuchung, inwieweit die hochmolekularen, galloylierten Procyanidine
auch Differenzierungsprozesse beeinflussen, wurden vergleichende Untersuchungen
zu differenzierungsspezifischen Keratinen K1 und K10 mittels ELISA-Technik durchgeführt
(Muzarelli et al. (1999) EXS 87, 251-264).
Hierbei wurden NHK wiederum entweder mit verschiedenen Procyanidinen
oder reinem Medium behandelt, die Zellen nach neuntägiger Inkubation aufgeschlossen,
die Keratine solubilisiert und mit spezifischen Antikörpern quantifiziert (
4). Hierbei zeigt sich deutlich, dass eine Beeinflussung
der Keratinbildung und damit auch der Differenzierung nicht durch die Proanthocyanidine
ausgelöst wird. Somit kann die Wirkung der galloylierten Proanthyocyanidine auf
eine Steigerung der Proliferation und des Energiestoffwechsels zurückgeführt werden,
während unerwünschte Differenzierungsvorgänge nicht induziert werden.
Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Unterschiede, die über die
Menge an differenzierungsspezifischen Keratinen (ELISA) ermittelt
wurden, zwischen den einzelnen Gruppen nicht signifikant sind und somit keine Beeinflussung
der zellulären Differenzierungsvorgänge durch die Proanthocyanidine stattfindet.
Beispiel 5 Hochmolekulare, galloylierte Proanthocyanidine
zeigen in vitro keine nachweisbaren Toxizitäten im Dosisbereich von 1 bis 100ug/ml
Ein wichtiger Anforderungspunkt für pflegende Kosmetika ist immer
auch die Verträglichkeit. Zur Untersuchung der Frage, inwieweit zelluläre Toxizitäten
zu beobachten sind, wurden Keratinozyten mit hochmolekularen, galloylierten Proanthocyanidinen
in einem Dosisbereich von 1 bis 100 &mgr;g/ml inkubiert und nekrotische Prozesse
über die Messung der extrazellulären Lactatdehydrogenase bestimmt. Das verwendete
Konzentrationsintervall geht im oberen Dosisbereich weit über die Dosen hinaus,
die bei einer topischen Anwendung tatsächlich in Kontakt mit den Zellen kommen.
Nekrotische Prozesse konnten in keinem Dosisintervall festgestellt werden. Sämtliche
Gruppen erweisen sich als nicht signifikant unterschiedlich im Vergleich zu den
unbehandelten Kontrollgruppen. Auch mikroskopisch konnten keine Zelldeformationen
oder andere Hinweise auf Zellschädigungen beobachtet werden.
In vitro kultivierte Keratinozyten werden allgemein als international
akzeptiertes Testsystem zur Evaluation cytotoxischer und hautschädigender Wirkungen
verwendet (Sandt S, Roguet R, Cohen C, Esdaile D, Ponec M, Corsins E, Barker C,
Fusenig, N, Liebsch M, Benford D, Fartasch M, "The use of keratinozytes and human
skin models for predicting skin irritation.", European Centre for the validation
of alternative methods ECVAM, ATLA 27 (1999), 723-743).
Beispiel 6 Hochmolekulare, galloylierte Proanthocyanidine
bewirken in vivo eine erhöhte Regeneration geschädigter Epidermis
Die bei weitem häufigste Ursache für eine Schädigung der Hautbarriere
ist der wiederholte Kontakt mit in relativ geringem Maße irritativ wirkenden Substanzen,
wie zum Beispiel Detergenzien in Wasser.
In der Literatur existiert bereits eine Vielzahl von in vivo Modellen
für den Wirksamkeitsnachweis von Hautschutzpräparaten. Sogenannte kumulative Modelle
vollziehen die eigentliche Expositionssituation mit Detergenzien am Besten nach.
Die Bewertung der Hautsituation erfolgt vorwiegend durch eine klinische
Bewertung der Irritation (clinical scoring), eine Quantifizierung des Erythems (Colorimetrie)
und durch Messungen der Barrierestörungen über den transepidermalen Wasserverlust
(TEWL). In einem validierten kumulativ-irritativem Modell (Schnetz E, Diepgen TL,
Elsner P, Frosch PJ, Klotz AJ, Kresken J, Kuss 0, Merk H, Schwanitz HJ, Wigger-Alberti
W, Fartsch M, Contact Dermatitis 42 (2000), 336-343; Fartasch M, Schnetz E, Ennen
J, Lanzendörfer G, Diepgen TL, Zeitschr. f. Hautkrankheiten, H + G, 74 (1999), 1-6;
Fartasch M, Schnetz E, Diepgen TL, J. Invest. Dermatol., Symposium Proceedings,
Vol. 3, No. 2 (1998), 121-127) wurden die Untersuchungen am volaren Unterarm über
3 Tage durchgeführt. Dieses Modell bietet die Möglichkeit, die Effektivität von
Hautpflegeprodukten sowie von deren Wirkstoffen in kurzer Zeit reproduzierbar zu
erkennen.
Dieser kumulativ-irritative Test wurde verwendet, um die Effektivität
der galloylierten Proanthocyanidine als Wirkstoffe in kosmetischen Zubereitungen
zu testen. Die Testung erfolget bei einer Konzentration der galloylierten Proanthycyanidine
von 1 % in einer kosmetischen Grundlage (Eucerin cum aqua, gemäss den Anforderungen
des Europäischen Arzneibuches) an geschädigter Haut (0,5% Sodiumlaurylsulfat, SDS,
SLS). Vergleichswerte waren eine Negativkontrolle durch Behandlung der Haut mit
aqua purificata, sowie eine Positivkontrolle durch Irritation der Haut mit 0,5 %
SLS. Als Kontrolle für die Anwendbarkeit des Testverfahrens wurden die Messwerte
der unbehandelten Haut erfasst.
Testablauf
1.Tag: Zweimalige Applikation von 50&mgr;l einer 0.5% wäßrigen Natriumlaurylsulfatlösung
(Sodiumlaurylsulphate, SLS) am volaren rechten und linken Unterarm in 11 mm Finnchambers®
auf Filterpapierscheiben mit jeweils 30min Okklusion und 3h± 30 min Pause
zwischen den Applikationen. Jeweils 10 min vorher wurde an den Testorten das Testprodukt
aufgetragen (0,05g/ 2cm2). Am 2.Tag und 3.Tag wurde dieses Schema wiederholt.
Die Testareale wurden zwischen den Probanden im Uhrzeigersinn permutiert.
Die Bewertung des Hautzustandes (TEWL, Colorimetrie und clinical Score)
wurde vor dem ersten Ausbringen der Testsubstanzen am 1. Tag und ca. 3 bis 4 Stunden
nach der letzten Irritation am Tag 3 durchgeführt.
Bewertungsmethoden
Klinisches Scoring
0,5 = sehr schwaches Erythem – etwas glänzende Oberfläche –
keine Schuppung - kein Ödem – keine Fissuren;1 = Erythem schwach, diffus oder follikulär – leicht rauhe
Oberflache – minimale Schuppung – leichtes Ödem- feine Fissuren;2 = mittleres Erythem – mittelstarke Rauhigkeit, Schuppung
und Ödem, mit breiten Fissuren;3 = deutliches Erythem, grobe Schuppung, ausgeprägtes Ödem, ausgeprägte
Fissuren mit Hämorrhagie und Exsudation.
Die Messung des TEWL erfolgte durch ein durch Tewameter vom Typ TM
210 (Courage und Khazaka, Köln) unter standardisierten Bedingungen im klimatisierten
Raum. Doppelbestimmung. Zuvor lag eine 20-minütige Ruhepause der Probanden.
Die Colorimetrie wurde mit einem Colorimeter der Fa. Minolta, entsprechend
den europäischen Guidelines (siehe Fullerton A, Fischer T, Lauti A, Wilhelm KP,
Takiwaki H, Serup J, Contact Dermatitis 35 (1996), 1-10) durchgeführt.
Als Probanden standen 7 freiwillige, hautgesunde Individuen (2 männlich,
5 weiblich, Alter 22 bis 38 Jahre, Durchschnitt 29,8 Jahre) zur Verfügung. Bei keinem
der Probanden lag eine bekannte Typ-IV Allergie vor. Es bestand keine atopische
Hautdiathese und keine Ekzemvorerkrankungen.
Auswertungsverfahren
Die Ergebnisse der TEWL- Messungen und der Colorimetrie werden in
5 als Boxplots dargestellt. Die Boxplots zeigen den
Median, das 25% Percentil, das 75% Percentil und Werte, die außerhalb der Percentile
liegen. Die untere Begrenzung der Box ist der 25% Percentil, die obere Begrenzung
der 75% Percentil, die Linie im Inneren der Box ist der Median. Von den Begrenzungen
der Box werden Linien zu dem höchsten und dem niedrigsten beobachteten Werten gezogen,
die noch keine "Ausreißer" oder Extremwerte darstellen. Werte die zwischen dem 1.5
bis 3 fachen der Boxlänge über oder unter der Begrenzung der Box liegen werden als
"Ausreißer" bezeichnet (o) und nicht berücksichtigt. Liegen Werte mehr als das 3-fache
außerhalb der Box, so gelten sie als Extremwerte und bleiben ebenfalls unberücksichtigt.
Die Ergebnisse des Clinical Score werden in einem Balkendiagramm dargestellt
(s. 6). Die Balken zeigen den Mittelwert. Die Fehlerbalken
den Standardfehler des Mittelwertes
Ergebnisse
TEWL:
Die Ergebnisse aus den TEWL- Messungen stimmten gut mit den Ergebnissen des Klinischen
Scores und der Colorimetrie überein. In allen Fällen führte eine Irritation mit
SLS – mit oder ohne Pflegeprodukte – zu einer Erhöhung der TEWL Werte
gegenüber der unbehandelten Kontrolle und Wasser. Das untersuchte kosmetische Präparat,
enthaltend 1 % an erfindungsgemäßen galloylierten Proanthocyanidinen, führte jedoch
zu unterschiedlich starken delta TEWL-Erhöhungen.
Die delta TEWL-Werte für die reine Grundlage enthaltend die Proanthocyanidinzubereitung
waren signifikant niedriger als die Werte nach reiner Irritation mit SLS. Bei Verwendung
von reiner Grundlage (ohne Proanthocyanidine) konnte keine signifikante Erniedrigung
im Vergleich zu reiner Irritation nachgewiesen werden.
Die prozentuale Verminderung des delta TEWL (Mittelwert) bei Applikation
von Hautschutz (delta TEWL bei reiner Irritation = 100%) war wie folgt:
Die Ergebnisse der TEWL-Messungen sind in 5
wiedergegeben.
Klinischer Score
Eine Irritation der Haut mit 0,5%igem SLS bewirkt eine Erhöhung der
Werte der klinischen Scorings. Dies kann auch durch die untersuchten Zuammensetzungen
mit Proanthocyanidinen nicht vollständig verhindert werden. Die
verschiedenen Produkte zeigen jedoch eine unterschiedlich starke Wirkung gegenüber
einer Irritation mit SLS. Bei der Applikation von reiner Grundlage mit den erfindungsgemäßen
galloylierten Proanthocyanidinen war das induzierte Erythem deutlich geringer ausgeprägt
als bei der Applikation von reiner Grundlage. Der Unterschied zwischen den Produkten
war signifikant. Die graphische Darstellung der Ergebnisse ist in 6
wiedergegeben.
Colorimetrie
Auch die Quantifizierung des Erythems zeigt die gleichen Ergebnisse
wie die klinische Bewertung der Haut. Eine Irritation mit SLS führt zu einem Anstieg
der Werte, der durch das kosmetische Testprodukt, enthaltend die erfindungsgemäßen
galloylierten Proanthocyanidine gelöst in Grundlage, nicht vollständig verhindert
werden kann.
Bei der Verwendung des Testproduktes (mit galloylierten Proanthoyanidinen)
zeigte sich jedoch, dass der Großteil der Werte deutlich niedriger liegen als bei
reiner Irritation oder auch der Verwendung von reiner Grundlage. Die graphische
Darstellung der Ergebnisse ist in 7 wiedergegeben.
Es wurden reine Grundlage (Eucerin cum aqua) und Grundlage mit Zusatz
von 1 % an erfindungsgemäßen galloylierten Proanthocyanidinen als Wirkstoff in einem
dreitägigen kumulativen Test auf eine regenerative Wirkung an hautgesunden Versuchspersonen
(Personenzahl n = 7) nach Irritaion mit 0,5% SLS geprüft.
Somit ist offenbar, dass der Zusatz von 1% der galloylierten Proanthocyanidine
zur Grundlage vorteilhaft ist, und zwar nicht nur bezüglich der Verminderung von
potentiell auftretenden Irritationen, sondern auch bezüglich der durch die so induzierte
schnellere und effizientere Regeneration der epidermalen Barriere (bestimmt durch
den TEWL) nach eingetretenen Schädigungen bewirkte schnellere Verbesserung des (Haut-)Zustandes.
Beispiel 7Herstellung der Proanthocyanidine und anschließende
Analyse der erhaltenen VerbidnungenIsolierung
Die Extraktion von Pflanzenmaterial, das die galloylierten oligo-
und polymeren Proanthocyanidinen enthält, wurde bei Raumtemperatur unter Lichtschutz
mittels einer Aceton/Wasser-Mischung (im Verhältnis von 7:3). Eine erschöpfende
Extraktionsmethode, die zu guten Ausbeuten führt stellt die Perkolation dar, jedoch
sind hier auch andere technische Verfahren denkbar.
Die Verwendung von Methanol als Extraktionsmittel wird zunächst vermieden,
da es hierdurch zur Methanolyse der Gallussäureestern kommen kann (Bruneton, 1995).
Nach Entfernung des Acetons bei einer Temperatur von maximal 40°C
wird die wässrige Phase mit mindestens einem organischen Lösungsmittel extrahiert
hier wird Petrolether verwendet, anschliessend wird mit Ethylacetat extrahiert.
Die organischen Phase werden verworfen. Die Proanthocyanidine befinden sich nun
in der wässrigen Phase (die Ausbeute der wässrigen Phase nach Trocknung liegt bei
ca. 8%, bezogen auf das getrocknete Ausgangs-Pflanzenmaterial.
Nachfolgend wird das Rohgemisch auf eine mit Sephadex LH20 (Pharmacia)
befüllte Säule aufgetragen. Anschließend wird die Säule mit 96%-igem Ethanol gewaschen,
bis der Durchfluß klar erscheint (mindestens Waschen mit drei Säulenvolumina). Der
Durchfluß (Wschlösung) wird anschließend verworfen. Nachfolgend wird entweder mit
Methanol oder mit einem Aceton-Wasser-Gemisch ( Verhältnis 7:3) eluiert. Die typische
Produktausbeuten eines Methanol-Eluates liegen bei ca. 30%, bezogen auf die Menge
an eingesetztem Rohprodukt, und die eines Aceton/Wasser-Eluates liegen bei etwa
10%. Durch Methanol-Elution werden Procyanidin-Fraktionen mit kleinerem Molekulargewicht
erhalten, durch Aceton-Wasser-Elution werden hochmolekulare Procyanidine eluiert.
Durch Kombinationen der beiden Eluitionsmethoden (erst Methanol, danach Aceton 70%)
können unterschiedliche Produkte erhalten werden, die galloylierte oligo- oder poylmere
Proanthocyanidine darstellen, sich aber in der mittleren Molekülgrösse (DP) unterscheiden.
Um enger definierte Fraktionen mit engeren Molekulargewichtsbereichen
zu erhalten, erfolgt nun eine weitere säulenchromatographische Fraktionierung an
Sephadex LH20 unter Verwendung eines Ethanol-Wasser-Aceton (7:7:6)-Gemisches.
Analyse der erhaltenen verwendeten Proanthocyanidine
sDie Saure Hydrolyse des Produktes mit ethanolischer Salzsäure resultiert
im Auftreten der Anthocyane Cyanidin und Delphinidin zu gleichen Teilen. Somit bestehen
die verwendeten Proanthocyanidinen aus Einheiten, die im Ring B sowohl di- als auch
trihydroxyliert sind. Die Identifizierung von Gallusäure durch Hydrolyse
der oligo- und polymeren Proanthyocyanidinen mit 2N ethanolischer Salzsäure für
60 min am Rückfluss und anschließender dünnschichtchromatographischer Identifizierung
freier Gallusäure erfolgte im Vergleich mit authentischer Referenzsubstanz. In allen
untersuchten Proben wurden deutliche Mengen an freier Gallussäure detektiert. Die
Identifizierung der Kettenendeinheiten und Kettenverlängerungseinheiten erfolgte
nach säurekatalysierter, thiolytischer Spaltung mit Benzylmercaptan als Nucleophil
(2 g Probe in 15 ml Ethanol 96%, 1350 &mgr;l Benzylmercaptan, 660 &mgr;l Eisessig,
Stickstoffbegasung, 95°C, 5 Tage in verschlossener Ampulle) und anschliessender
HPLC-Auftrennung und Quantifizierung der Spaltprodukte. Nach zweitägiger Reaktionsdauer
waren lediglich 3-O-Galloylepigallocatechin-4-benzylthioether sowie 3-O-Galloyl-epicatechin-4-benzylthioether
zu detektieren. Die Mengen an Epigallocatechin-4-benzylthioether und Epicatechin-4-benzylthioether
waren < 1 %. Es ergab sich die folgende prozentuale Verteilung der bei vollständiger
Thiolyse gebildeten Thioether zweier ausgewählter Fraktionen nach fünftägiger Reaktionsdauer
(Berechnung aus Flächenintegralen HPLC; Angaben in %):
Analytische Daten der Subfraktion Wm2
Einzelbausteine des Polymers (Thiolyse, HPLC):
3-O-Galloyl-epigallocatechin, 3-O-Galloyl-epicatechin als Hauptkomponenten der Kettenglieder,
geringe Mengen freies Catechin und Epicatechin als terminale Endgruppen
Interflavanverknüpfung (partielle Thyolyse, HPLC): 4⟹6 und 4⟹8-Verknüfung
Durchschnittlicher Polymerisationsgrad (GPC): 12^
Produkt-Gehalt (UV) > 90%, hohe Reinheit
Das durch Anthocyanspaltung ermittelte Vorkommen von Di- und Trihydroxylierung
in den B-Ringen im Verhältnis von etwa 1 : 1 konnte somit bestätigt werden. Die
Zusammensetzung der einzelnen Fraktionen war mit Schwankungsbreiten von etwa 10%
sehr ähnlich.
Epicatechin-4-benzylthioether und Epigallocatechin-4-benzylthioether
entstanden nur in untergeordnetem Maße. Aufgrund der langen Reaktionszeit (5 Tage,
95°C) ist davon auszugehen, dass diese aus den entsprechenden, an Position 3
galloylierten Verbindungen, entstehen. Nachdem diese beiden Verbindungen in den
ersten beiden Tagen der Reaktion nicht detektierbar waren und auch freie Gallussäure
im Thiolyseansatz detektiert wurde, kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen
werden, dass die polymeren Proanthocyanidine an den Kettenverlängerungseinheiten
an Position 3 vollständig galloyliert sind.
Die Kettenenden setzten sich zum größten Teil aus Catechin (95%) zusammen,
Gallocatechin kommt nur zu etwa 5% vor.
Die Bestimmung der durchschnittlichen Molekulargewichte erfolgte mittels
zweier unterschiedlicher Methoden:
a) Durch Gelpermeationschromatographie der peracetylierten Verbindungen an Styrol-Divinylbenzol-Copolymeren
b) Durch vollständige Thiolyse (3 mg Probe in 300 &mgr;l Ethanol, 30 &mgr;l
Benzylmercaptan, 15 &mgr; Eisessig, Stickstoffbegasung, 95°C) und Molekulargewichtsbestimmung
über das Verhältnis der Endgruppen zu den Kettenglieder
Ergebnisse:
Fraktion C2 (Elution an LH20-Säule mit 70% Aceton, Erhalt von Subfraktion 2): Durchschnittlicher
Polymerisationsgrad 20,0
Fraktion M2 (Elution an LH20 mit Methanol, Subfraktion 2): Durchschnittlicher Polymerisationsgrad
12,9
Die o.g. Ergebnisse wurden zusätzlich durch MALDI-TOF Massenspektroskopie
bestätigt. Die Bestimmung der Interflavan-Verknüfung erfolgte
durch partiellen thiolytischen Abbau der Oligo- und Polymere unter schonenden Bedingungen
(6 g Probe in 45 Ethanol 96%, 4050 &mgr;l Benzylmercaptan, 1980 &mgr;l Eisessig,
Stickstoffbegasung, 95°C, 48 Stunden in verschlossener Ampulle) und HPLC-Analytik
des resultierenden Spaltgemisches. Identifizierung der Spaltprodukte durch Vergleich
und Co-Chromatographie mit authentischen Referenzsubstanzen.
Durch das Auftreten der dimeren Procyanidinen B2 (4,8-verknüfte Catechine)
und B3 (4,6-verknüfte Catechine) ergibt sich eine Interflavan-Verknüfung über die
Positionen 4⟹8 als auch 4⟹6. Diese Verknüfungstypen wurden auch über
die 1H-NMR-Spektren der polymeren Proanthocyanidinen detektiert (Dubletts bei 6,49,
6,51, 6,85 ppm, entsprechend dem H-6 und H-8 der „oberen" Moleküleinheit,
sowie Signale bei 5,35 und 5,42 ppm, entsprechend der Resonanz H-2 der „unteren"
Einheit).
Beispiel 8Stabilität der galloylierten Proanthocyanidine
Ein Vorteil der galloylierten oligo- und polymeren Proanthocyanidine
der vorliegenden Erfindung besteht in ihrer ausgeprägten Stabilität, die im Vergleich
zu den unveresterten (nicht-galloylierten) Verbindungen deutlich erhöht ist. Gravierende
Instabilitäten der unveresterten Verbindungen wurden von Rohr (Rohr G, 1999, Dissertation
ETH Zürich, Diss. ETH No. 13020) beschrieben. Castillo et al. zeigen, dass die freie
3-OH-Gruppen des Flavan-3-ol-Polymerskeletts wichtige Funktionen im Rahmen der Radikalfängereigenschaft
der unveresterten Procyanidine übernehmen (Castillo, J. et al., J. Agric. Food Chem.
48 (2000), 1738-45). Dies bedeutet, dass Oxidations-, Radikal- oder Strahlungsstress
durch diese Procyanidine abgemildert werden kann, dies aber auf Grund der spezifischen
Substanzeigenschaften zur Oxidation bzw. zur radikalischen Zerstörung des Procyanidins
führen muss.
Diese schnellen Substanzdegradationen werden bei den galloylierten
oligo- und polymeren Procyanidinen nicht beobachtet. Als stabilitätsrelevante analytische
Parameter können insbesondere die Farbintensität, das mittlere Molekulargewicht
sowie die UV-Adsorption der Verbindung herangezogen werden. Typische Degradationserscheinungen
gehen mit einer Oxidation zu den entsprechenden o-Chinonen (also zu oxidierten Flavanolen)
einher. Dies kann anhand der entsprechenden UV-Adsorptionen detektiert werden. Als
Folgereaktion entstehen hochmolekulare, amorphe Pigmente von roter bis braunschwarzer
Farbe, die sogenannten Phlobaphene. Entsprechende Reaktionen sind durch Veränderung
der VIS-Adsorptionsspektren deutlich erkennbar (deutlicher Adsorptionsshift und
Adsorptionszunahme zu 500 bis 610 nm).
Zum Nachweis der hohen Stabilität der zumindest teilweise galloylierten
Proanthocyanidine wurde eine frisch gewonnen Probe gegenüber einem 2 Jahre bei Raumtemperatur
(20-25°C) gelagertem Muster untersucht. Es ergaben sich UV-spektroskopisch keine
relevanten Unterschiede.
Zur Untersuchung der Kurzzeitstabilität der Probe unter Stressbedingungen
wurden UV-Spektren einer 1% Lösung bei pH 7, sowie im saueren Bereich (HCl 0,05
N), im alkklischen Milieu (NaOH 0,05 N) sowie unter oxidativen Bedingungen (3% H2O2)
über 16 Stunden aufgenommen. Keine Veränderungen zeigten sich im neutralen und sauren
Milieu sowie unter oxidativen Einflüssen. Deutliche Zersetzung wurde im alkalischen
Bereich detektiert.
Somit zeigt sich eine ausgeprägte Stabilität der galloylierten oligo-
und polymeren Proanthocyanidine, sowohl im sauren als auch im neutralen pH-Bereich.
Anspruch[de]
Verwendung von oligo- und polymeren Proanthocyanidinen zur Behandlung
von Haut- und Schleimhautdefekten sowie Entzündungen, zur regenerativen Haut- und
Schleimhautpflege, sowie zur Beschleunigung der Haut- und Schleimhautregeneration,
wobei die Proanthocyanidine aus der Grundeinheit Flavan-3-ol aufgebaut ist, welche
an der C3-Position mindestens zum Teil mit Gallussäure verestert ist, und wobei
die Grundeinheiten über (C4, C6)- oder (C4, C8)-Bindungen verknüpft
sind.
Verwendung von Proanthocyanidinen nach Anspruch 1 als Bestandteil von
kosmetischen Produkten.
Verwendung von Proanthocyanidinen nach Anspruch 1 zur Beschleunigung
der Proliferation von Keratinozyten.
Verwendung von Proanthocyanidinen nach Anspruch 1 zur Beschleunigung
der Proliferation von Zellen in Zellkultur.
Verwendung von Proanthocyanidinen nach Anspruch 1 zur Beschleunigung
der in vivo Proliferation von Zellen.