Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Reinigung
von Getreide, insbesondere zur Schadstoffreduzierung in oberflächennahen Schalen
bzw. Schichten von Getreidekörnern, wie zum Beispiel von Weizen.
Getreide, zum Beispiel Weizen oder Roggen kann nass und/oder trocken
gereinigt werden, um Schmutz, lose Schalen oder Schadstoffe von der Kornoberfläche
zu entfernen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die weitgehend trockene Reinigung
durchgesetzt. So beschreibt die CH-A-640750
ein Verfahren, bei dem Weizen einer trockenen Reinigung inklusive Scheuerung und
Aspiration unterzogen wird. Anschliessend wird der Weizen genetzt und in Abstehzellen
einige Stunden gelagert. Nach dem Abstehen erfolgt direkt vor der ersten Mahlpassage
ein Schälen des Weizens. Der Schälung kann dabei noch eine Konditionierung vorangehen.
Dies in Abhängigkeit vom Schälgrad und/oder der Mürbung der Körner nach dem Netzen
und Abstehen.
Bekannt ist es auch, Weizenkörner soweit zu polieren, dass sie von
der Fruchtwand gelöst sind und der Mehlkörper frei liegt (EP-B-218012).
Hierbei werden die Fruchtwände in mehreren Polierschritten schrittweise entfernt,
wobei den Körnern in mindestens einem schritt Feuchtigkeit zugeführt wird. Die befeuchteten
Körner können zudem erwärmt werden, zwecks Gelatinisierung der Oberfläche der Weizenkörner.
Nach der Erwärmung, die auch gleichzeitig mit der Befeuchtung erfolgen kann werden
die Körner getrocknet und gekühlt. Gemäss der EP-B-529843
wird genetzter und polierter Weizen erneut gereinigt. Diese Reinigung ist eine Nassreinigung,
um noch anhaftende Kleieteilchen vor allem auch aus der furche zu entfernen.
Ebenso bekannt sind Getreideschleifmaschinen mit vertikal angeordnetem
Rotor gemäss EP-B-742048, bei denen
das zu schleifende Korngut zudem mit Luft durchströmt und mit Wasser genetzt werden
kann.
Beim sogenannten PeriTec-Verfahren sollen ebenfalls die äusseren Zellschichten,
eingeschlossen die Aleuronschicht, abgeschliffen werden. Weizen wird analog zu konventionellen
Verfahren gereinigt und genetzt, auf Scheuermaschinen kann jedoch verzichtet werden.
Vor dem Schleifen wird nochmals kontrolliert genetzt. Dadurch sollen die äusseren
von den inneren Schichten gelöst werden, die dann bis unter die Testa abgerieben
werden. In einer ersten Stufe wird die Kleie abrasiv in einer vertikalen Schleifmaschine
entfernt und in einer zweiten Stufe durch Reibpolieren. Dadurch sollen die Abstehzeiten
nach einem Aufnetzen vor der Vermahlung drastisch reduziert werden können. Die Eindringzeit
des Wassers zur Mürbung soll nur ca. 30 Minuten betragen. Gleichzeitig werden auch
Schadstoffbelastungen reduziert.
Bei einem Verfahren zur Behandlung von trockenen und sauberen Weizenkörnern
gemäss EP-B-373274 soll die freiliegende
Kleiehülle entfernt werden, wobei vor der Konditionierung zur Mahlvorbereitung die
Körner so befeuchtet werden, dass die äusseren Schalenschichten ohne verquellen
konditioniert werden, und dass nachfolgend (innerhalb von 1 bis 5 Minuten die Körner
mehreren Reibvorgängen zur Entfernung der äusseren Schalen und Schleifvorgängen
zur Entfernung und Abtrennung der inneren Schalenschichten unterzogen werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Reinigung
von Getreide zu entwickeln, mit dem die Reinigung von Getreide, insbesondere Weizen
weiter vereinfacht werden kann.
Die Lösung der Aufgabe erfolgt mit den Merkmalen des Anspruchs 1.
In erfindungsgemässer Weise erfolgt dies dadurch, dass gereinigter, genetzter und
abgestandener Weizen nachfolgend oberflächlich genetzt und anschliessend direkt
geschält wird.
Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen offenbart.
Insbesondere kann auf das Schälen noch ein Schleifen und ggf. ein Polieren der Kornoberflächen
folgen.
Um bei der nachfolgenden Vermahlung Verunreinigungen des Mahlgutes
weitgehend zu vermeiden, soll in der Mühle weitgehend auf horizontale, insbesondere
mechanische Förderelemente verzichtet wird.
Das erfindungsgemässe Schälverfahren ist für Weichweizen wie für Durum
anwendbar, es wird ein geringerer Schadstoffgehalt der zu vermahlenden Körner erreicht.
Schadstoffbelastete Kleie kann einer gezielten Verarbeitung und Verwertung zugeführt
werden. Alternativ zum Schälen ist ein intensives Schleifen oder ein Scheuern der
Kornoberfläche möglich. Durch diese Vorgehensweise wird die Mehlqualität beeinflusst
und die Vermahlung verändert.
Eine weitere Aufgabe besteht darin, eine Einrichtung zur Reinigung
von Getreide, insbesondere Weizen zu schaffen. Diese Aufgabe ist mit den Merkmalen
des Anspruchs 7 gelöst.
Die Erfindung wird nachfolgend in einem Ausführungsbeispiel an Hand
einer Zeichnung näher beschrieben. In der Zeichnung zeigen die
1: ein Verfahrensdiagramm
2: eine Schälmaschine.
Gereinigter sowie genetzter und abgestandener Weizen gelangt aus nicht
dargestellten Abstehzellzellen in einen Dosierer 21 und von da über einen
Magneten 23 in ein Netz- bzw. Konditionieraggregat 22, wo die
erforderliche Feuchte (Schalenkonditionierung) eingestellt wird (ca. 2%-Wasserzugabe
im Beispiel). Das Netzaggregat weist eine Netzschnecke auf, alternativ sind aber
auch zwei Schnecken möglich. Der genetzte Weizen wird über einen Magneten
23 geführt und gelangt in die Schälmaschine 20, wo der Weizen
mit einem Schälgrad von ca. 4% geschält wird. Während des Schälens wird der Weizen
von einem Luftstrom durchströmt.
Der geschälte Weizen gelangt über einen weiteren Magneten
24' in eine vertikale Schleifmaschine 25, zum Beispiel eine Steinschleifmaschine
und von da über einen Magneten 24'' in eine Poliermaschine 26.
Der so gereinigte und vorbereitete Weizen wird in einem Depot
27 zwischengelagert und über einen Dosierer 28 der Vermahlung,
beginnend mit dem ersten Schrot zugeführt.
Der Durchfall der Schälmaschine 20 und das in der Aspiration
anfallende Leichtprodukt wird abgetrennt, separat vermahlen, zu Pellets verpresst
und zum Beispiel einer Verwendung als Brennstoff zugeführt. Auch der beim schleifen
und polieren anfallende Durchfall wird in dieser Weise verarbeitet.
Der Stator 1 der Schälmaschine 20 weist ein Gehäuse
2 auf, das einen darin gelagerten Rotor 3 umgibt und auf einem
Rahmengestell montiert und nach unten durch eine anschliessende Auslauftrimelle
4 offen ist. Durch diese Auslauftrimellen wird der Durchfall aus Schälmehl
und Schalenteilen abgeführt.
Von einem Produkteinlauf 5 gelangen die Weizenkörner über
eine Speiseschnecke 10 in die Bearbeitungszone 6. Während des
Schälens werden die Weizenkörner gegen eine einstellbare Staueinrichtung
7 geführt, um einen spezifischen Bearbeitungsdruck in der Bearbeitungszone
6 zu bilden. Die geschälten Weizenkörner verlassen die Bearbeitungszone
6 durch eine einstellbare Auslauföffnung 8 und über einen Auslauf
9 die Schälmaschine 20.
Die Bearbeitungszone 6 wird statorseitig von zwei Siebkörben
gebildet, so dass sie den Rotor 3 in axialer Richtung vollständig umhüllen.
Der Rotor 3 ist aus einer Hartgusswalze mit einer Hohlwelle gebildet. Die
Walze beinhaltet Schlitze, die auf dem Umfang der Walze gleichmässig voneinander
beabstandet angeordnet sind und die sich über die ganze Länge der Bearbeitungszone
6 erstrecken.
Die Siebkörbe bestehen aus einzelnen Siebblechen.
Die Hohlwelle weist eine Vielzahl von Öffnungen für den Austritt von
Luft auf. Die Luft gelangt weiter durch die Schlitze in der Walze in die Bearbeitungszone
6 und hilft, Schalenteile etc. von den Weizenkörnern zu separieren. Die
Luft wird mittels eines Ventilators in die Hohlwelle gepresst.
1
- Stator
2
- Gehäuse
3
- Rotor
4
- Auslauftrimelle
5
- Produkteinlauf
6
- Bearbeitungszone
7
- Staueinrichtung
8
- Auslauföffnung
9
- Auslauf
10
- Speiseschnecke
20
- Schälmaschine
21
- Dosierer
22
- Netzaggregat
23
- Magnet
24
- Magnet
25
- Schleifmaschine
26
- Poliermaschine
27
- Depot
28
- Dosierer