Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Überwachen des Zustands
von Rohren, Rohrsystemen, Pipelines oder gleichen Gas oder flüssige Medien führenden
Einrichtungen, ein Verfahren zum Verlegen einer Kabel-Verbundanordnung für eine
Zustandsüberwachungsvorrrichtung sowie eine Einrichtung zum Verlegen der Kabel -Verbundanordnung.
Aus der DE 195 09 129 C2
ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Kontrolle und Überwachung des Zustands
von Rohren, Behältern, Pipelines oder dergleichen durch Feststellen der Umgebungstemperaturverteilung
bekannt.
Die dort vorgeschlagene Lösung greift auf langgestreckte, faseroptischen
Temperatursensoren zur verteilten Temperaturmessung zurück, wobei diese faseroptischen
Sensoren über Abschnitte längs und/oder umfangsmäßig und/oder dem Bodenbereich nahe
bei den zu überwachenden Rohren, jedoch außerhalb des von diesen umschlossenen Medienraums
angeordnet sind.
Bei festgestellter örtlicher Anomalie in der Temperaturverteilung
kann auf eine Leckage des zu überwachenden Rohrs, Behälters oder dergleichen geschlossen
werden.
Das an sich bekannte faseroptische Sensorkabel kann innerhalb eines
Rohrgrabens oder einer Rohrbrücke längs des Rohrs an der Außenoberfläche angeordnet
werden oder es besteht die Möglichkeit, das Kabel beabstandet parallel zum Rohr
verlaufend zu fixieren. Mit dem bekannten Verfahren und der zugehörigen Vorrichtung
kann auch ein Rohrsystem überwacht werden, welches zum Transport gasförmiger, unter
Druck stehender Medien dient, wenn beim Austreten des unter Druck befindlichen Gases
aufgrund der plötzlichen Expansion in der Nähe des Gasaustritts eine lokale Temperaturänderung
eintritt, ansonsten aber die Medientemperatur nahezu auf dem Temperaturniveau der
Umgebung liegt.
Das Anordnen des faseroptischen Sensorkabels außerhalb der eigentlichen
Rohre, Behälter oder Pipelines erfordert jedoch insbesondere beim Nachrüsten nicht
unerhebliche Tiefbauarbeiten und daher zusätzliche, teilweise nicht vertretbare
Kosten.
Weiterhin wurde bereits vorgeschlagen, einen langgestreckten Temperatursensor
in Form eines faseroptischen Kabels mittels eines Rohrmolchs in das Innere einer
Abwasserleitung einzuführen und zu verlegen. Ziel ist es, bei einer derartigen Anordnung
im Rohrinnern festzustellen, ob durch Risse oder sonstige Undichtigkeiten im Abwasserkanal
Grundwasser von außen eindringt, um gezielt Sanierungen vorzunehmen. Hierbei wird
auf die unterschiedliche Temperatur von Grundwasser einerseits und abzuführendem
Abwasser andererseits abgestellt. Grundsätzlich befindet sich jedoch das faseroptische
Sensorkabel in einem druckfreien Raum, um definierte Bedingungen zur Temperatursensorik
gestützt auf das DTS-Meßverfahren (Distributed Optical Fiber Temperature Sensing)
zu schaffen.
Bezüglich der DTS-Meßtechnik sei auf das deutsche Gebrauchsmuster
G 93 18 404 U1 verwiesen.
Demnach wird auswerteseitig auf rückgestreutes Raman-Streulicht eines
Lichtwellenleiters Bezug genommen. Eingestrahltes Laserlicht breitet sich innerhalb
des Lichtwellenleiters, d. h. der Faseroptik aus und es erfolgt eine Streuung an
den Molekülen des Lichtwellenleiters, wobei die Intensität des rückgestreuten Lichts
in Abhängigkeit von der Laufzeit in vorgegebenem Maße abfällt.
Aufgrund der bekannten Ausbreitungsgeschwindigkeit des emittierten
Lichts im Lichtwellenleiter kann aus dem ermittelten zeitlichen Verlauf der Intensität
des Rückstreulichts der vom Licht jeweils zurückgelegte Weg bestimmt werden.
Bedingt durch die Wechselwirkungen des Laserlichts mit optischen Phononen,
d. h. Schwingungsquanten einer elastischen Deformationswelle in einem Festkörper,
entsteht die erwähnte Raman-Rückstreuung. Die Intensität des Raman-Rückstreulichts
ist direkt von der Temperatur am jeweiligen Ort der Entstehung des Streulichts abhängig.
In dem Fall, wenn das Laserlicht in den Lichtwellenleiter eingekoppelt und die Intensität
des Raman-Streulichts laufzeitabhängig ausgewertet wird, kann eine ortsabhängige
Temperaturverteilung ermittelt werden.
Die weiterhin bekannt gewordenen Verfahren zur Feststellung von Temperaturanomalien
gemäß EP 0 555 846 A2 oder
JP 4-168 335 F gehen von längs einer
Pipeline oder einer wasserführenden Leitung angeordneten faseroptischen Kabeln aus,
wobei grundsätzlich auf einen Temperaturunterschied zwischen Medium und einer Untergrund-
bzw. Umgebungstemperatur abgestellt wird.
Darüber hinaus befinden sich bei allen bekannt gewordenen technischen
Lösungen die faseroptischen Sensorkabel im druckfreien Raum, um eine erwartete negative
Beeinflussung des Raman-Rückstreuverhaltens zu vermeiden.
Mit Fortfall des bisherigen Monopols der Deutschen Post AG bzw. der
Telekom agieren neue Netzbetreiber am Markt. Der Aufbau kabelgebundener Nachrichtenübertragungsanlagen
hoher Leistungsfähigkeit erfordert jedoch das Erstellen von entsprechenden Leitungsnetzen.
Es hat sich gezeigt, daß ein Großteil der Errichtungskosten auf die passiven Kabelanlagen
entfallen bzw. auf die notwendigen auf zubauenden Trassen und die Kabelverlegung.
Da andererseits sowohl im innerstädtischen, aber auch im Überlandbereich
gerade in dicht besiedelten Gebieten eine Vielzahl von Rohrleitungen vorhanden ist,
wurde die Möglichkeit genutzt, Telekommunikationskabel beispielsweise in unter Druck
stehenden Brauch- oder Trinkwasserleitungen einzuziehen. Aufwendige
Grabungsarbeiten können entfallen. Eine wechselseitige Beeinflussung von Kabel und
Rohrleitung ist dadurch ausgeschlossen, daß auf Monomode-Lichtwellenleiter (LWL)
zurückgegriffen wird.
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, derartige LWL-Kabel auch in
Hochdruck-Gastransportrohren oder -rohrsystemen bzw. Gasleitungen und Gasrohrnetzen
anzuordnen, um den Aufbau kabelgebundener breitbandiger Nachrichtenübertragungsnetze
mit geringeren Kosten zu fördern.
Aus dem Vorgenannten ist es Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung
zum Überwachen des Zustands von Rohren, Rohrsystemen, Pipelines oder dergleichen
Gas oder flüssige Medien führenden Einrichtungen anzugeben, wobei die Medien unter
hohem Druck stehen. Weiterhin soll die Vorrichtung durch multivalente Nutzungsmöglichkeiten
für den Betreiber der Rohrsysteme kostenseitig attraktiv werden, wobei mindestens
teilweise auf bekannte und erprobte Techniken zurückzugreifen ist. Darüber hinaus
soll ein Verfahren zum Verlegen einer speziellen Kabel-Verbundanordnung für die
Zustandsüberwachungsvorrichtung angegeben und eine zugehörige Verlegeeinrichtung
geschaffen werden, so daß eine notwendige Unterbrechung der Medienversorgung auf
ein minimales Maß beschränkt werden kann und gleichzeitig allen Sicherheitsaspekten
beim Betreiben Rechnung getragen wird.
Die Lösung der Aufgabe der Erfindung erfolgt vorrichtungsseitig mit
einem Gegenstand nach den Merkmalen des Patentanspruchs 1, bezüglich des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Abfolge, wie sie im Anspruch 6 umfaßt ist, und bezüglich der
Verlegeeinrichtung mit einem Gegenstand in seiner Definition nach den Merkmalen
des Anspruchs 8 , wobei die Unteransprüche jeweils mindestens zweckmäßige Ausgestaltungen
und Weiterbildungen umfassen.
Der Grundgedanke der Erfindung liegt nun darin, ein spezielles Verbund-Lichtwellenleiterkabel
im Innern eines Rohrsystems, das unter hohem Druck stehende Medien führt, anzuordnen,
wobei das Verbundkabel sowohl der Überwachung des Temperaturverlaufs und damit der
Leckagekontrolle als auch der Nachrichtenübertragung innerhalb eines Telekommunikationsnetzes
dient. Überraschenderweise hat sich gezeigt, daß die im Rohrinnern wirkenden Drücke
die Laufzeit- und Intensitätsauswertung des rückgestreuten Lichts zur Erfassung
örtlicher Temperaturanomalien längs des Sensorkabels nicht negativ beeinflussen.
Gleiches gilt für die punktuell einwirkenden hohen Druck- und Preßkräfte im Bereich
der Kabelein- und -ausführstutzen.
Das Verbundkabel selbst weist eine ausgezeichnete Langzeitstabilität
und Medienbeständigkeit auf, wobei trotz vorgesehener notwendiger Umhüllungen die
Selektivität und die Temperatur sowie Ortsauflösung nicht nennenswert eingeschränkt
wird.
Das erfindungsgemäße Verbundkabel umfaßt mindestens ein faseroptisches,
mit Laserlicht beaufschlagtes Multimode-Lichtwellenleiter-Sensorkabel sowie mindestens
ein Monomode-Lichtwellenleiterkabel zur Nachrichtenübertragung. Die Kabel sind zur
Bildung des Verbunds ummantelt und mit einem im Verbund befindlichen Stauch- und
Zugelement versehen.
Die Überwachungsvorrichtung, welche darüber hinaus zur Nachrichtenübertragung
oder Telekommunikation unter Nutzung des Verbundkabels dient, nutzt an sich bekannte
Mittel zur Laufzeit- und Intensitätsauswertung des rückgestreuten Laserlichts, um
örtliche Temperaturanomalien längs des Sensorkabels und damit des Rohrsystems zu
bestimmen. Die Kabel-Verbundanordnung wird über druckdichte Ein- und Ausführstutzen
überwiegend im Innern der Rohre oder des Rohrsystems verlegt.
Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung weist die Kabel-Verbundanordnung
mindestens eine Bündelader mit Multimodefasern sowie mehrere Bündeladern mit einer
Vielzahl von Monomodefasern auf, wobei diese Bündel um das zentral angeordnete Stauch-
und Zugelement angeordnet sind. Eine Seelenumwicklung und ein Mantel umgeben die
Bündelanordnung, wobei der Mantel vorzugsweise aus einem kunststoffbeschichteten
Metallband besteht. Besonders bevorzugt wird als Kunststoffbeschichtung Polyethylen
und als Metallmaterial Aluminium eingesetzt. Das Stauch- und Zugelement besteht
bevorzugt aus einem glasfaserverstärktem Kunststoff hoher Festigkeit.
Die speziellen Ein- und Ausführstutzen besitzen je einen sich in zur
Rohrlängsrrichtung jeweils senkrecht erstreckenden Aufschweißstutzen, wobei am Aufschweißstutzen
ein seitlicher Abgang zur Verbundkabelführung angeordnet oder integral mit diesem
ausgebildet ist. Der Aufschweißstutzen ist auf den Durchmesser einer Verlegeeinrichtung
ausgerichtet. Regelmäßig ist der Durchmesser des Aufschweißstutzens jedoch kleiner
als der Durchmesser des Medientransportrohrs. Der Querschnitt oder der Durchmesser
des seitlichen Abgangs ist am Kabeldurchmesser sowie den erforderlichen Dichtmitteln
orientiert.
Als Dichtmittel kommt eine Freß- oder Quetschdichtung zur Anwendung,
welche auf Verbundkabel und Abgangsinnenwandung durch Einspannung resultierende,
axial gerichtete Kräfte erzeugt.
Die radialen und/oder axialen Anpreßkräfte des Dichtelements auf das
Kabel führen in Verbindung mit der gewählten Verbundkonstruktion nicht zu einer
mechanischen oder optischen Beeinträchtigung, so daß insbesondere die Dämpfungs-
und Dispersionswerte des Sensorkabels keiner Verschlechterung unterliegen.
Da weder Kabeldeformationen vorliegen, noch negative
Veränderungen der faseroptischen Eigenschaften beim Anordnen des Verbundkabels im
Medienraum die Folge sind, kann mit einer üblichen Anzahl von Repeatern eine Nachrichtenübertragung
mit hoher Datenrate erfolgen und es ist mit dem einmal eingezogenen Verbundkabel
auf Dauer eine Zustands- und Leckagekontrolle bzw. -überwachung möglich.
Gemäß dem verfahrensseitigen Grundgedanken der Erfindung werden für
das Verlegen einer Kabel-Verbundanordnung zunächst Rohrabschnitte freigelegt und
Aufschweißstutzen befestigt. Im Anschluß hieran erfolgt ein Absenken des Betriebsdrucks
im Rohrinneren und ein Anbohren des Rohrs über die Aufschweißstutzen.
Nach dem Sperren des Rohrs auf der Verbundkabel-Einzugslänge wird
ein Ausblasen und im wesentlichen Drucklosmachen des abgesperrten Rohrs vorgenommen.
Die Verlegeeinrichtung wird über die Öffnung eines Aufschweißstutzens
eingeführt und es wird eine Verbindung der Verlegeeinrichtung mit dem Verbundkabel,
welches über den seitlichen Abgang zugeführt wird, hergestellt oder es wird an der
Verlegeeinrichtung ein Zugseil befestigt.
Die Aufschweißstutzen werden nunmehr vorläufig abgedichtet und es
wird der Betriebsdruck im Rohr zur Steuerung der Einzugsgeschwindigkeit bzw. der
Bewegungsgeschwindigkeit der Verlegeeinrichtung erhöht. Die Verlegeeinrichtung wird
vom strömenden Medium mitgenommen.
Das Ausführen des Kabels und die Entnahme der Verlegeeinrichtung erfolgt
dann am nächsten in Strömungsrichtung befindlichen Aufschweißstutzen bzw, dem dort
vorhandenen seitlichen Abgang.
Nach dem Kabeleinzug wird dann ein endgültiges Abdichten der Aufschweißstutzen
durch Verschweißen mit einem Deckel einerseits und der seitlichen Abgänge zur Kabeldurchführung
mit Hilfe spezieller Dichtmittel andererseits vorgenommen.
Für das vorläufige Abdichten der Aufschweißstutzen wird auf einen
Blindflansch, welcher leicht montier- und demontierbar ist, zurückgegriffen. Die
Dichtmittel für die Kabeldurchführung an den seitlichen Abgängen umfassen ein elastisches
Dichtungsmaterial, metallische Preßringe und hochfeste Arretierschrauben. Der Dichteffekt
selbst wird durch Druckeinwirkung der Arretierschrauben auf Stütz- und Druckringe
und somit mittelbar auf die Dichtung bzw. das Dichtmaterial vorgenommen. Die Dichtungen
werden gleichzeitig sowohl gegen die Innenwand der seitlichen Abgänge als auch die
Kabelmanteloberfläche angepreßt. Vorzugsweise kommt als Dichtungsmaterial EPDM (Ethylenpropylen-Dien-Kautschuk)
zum Einsatz, wobei sich dieses Material durch besondere chemische Beständigkeit
und hohe thermische sowie mechanische Belastbarkeit auszeichnet.
Bedingt durch die Anordnung der Aufschweißstutzen im wesentlichen
senkrecht zur Rohrlängsrichtung und im unterschiedlichen Durchmesser von Stutzen
und Rohrsystem, aber auch Durchmesseränderungen im Rohrsystem selbst macht sich
der Einsatz einer besonderen Verlegeeinrichtung erforderlich.
Erfindungsgemäß wird ein spezieller Rohrmolch geschaffen, welcher
nach Art einer flexiblen, schirmförmigen Tasche ausgebildet ist, welche im Innern
sich in Längsrichtung erstreckend angeordnete Federelemente aufweist. Die Federelemente
erzeugen radial nach außen gerichtete Vorspannkräfte, so daß mindestens die Außenseite
der Tasche an der Rohrinnenwandung abdichtend anliegt. An der Tasche sind Zugmittel
zum Befestigen des Verbundkabels oder eines Zugseils vorhanden.
Das Taschenmaterial selbst besteht aus einem nachgiebigen Textilgewebe,
Leder, Kunstleder oder einer Kunststofffolie.
Die offene Taschenseite wird nach dem Einbringen der Einrichtung über
die Aufschweißstutzen in das Rohrinnere vom strömenden Medium beaufschlagt und wölbt
sich dabei auf. Hierdurch stellt sich die gewünschte Abdichtung zur Rohrinnenwandung
ein. Unter Überwindung der Reibungskräfte kann sich dann die Einrichtung vom Druck
des strömenden Mediums abhängig auch bei Durchmesseränderungen des Rohrs im Rohrinneren
in Längsrichtung fortbewegen. Die schirmförmige Tasche folgt durch die Federelemente
Durchmesseränderungen. Beschädigungen durch Querschweißnähte oder dergleichen sind
durch die nachgiebige Konstruktion in Verbindung mit einer entsprechenden Materialauswahl
des Schirms bzw. der Tasche vermeidbar.
Die erfindungsgemäße Verlegeeinrichtung kann problemlos erwartete
Unebenheiten beim Durchlaufen der Rohrstränge ausgleichen und wird durch derartige
Querschnittsänderungen in ihrer Fortbewegung nicht maßgeblich beeinflußt. Darüber
hinaus kann die Verlegeeinrichtung auch über einen senkrecht angeordneten Aufschweißstutzen
in das Rohrinnere verbracht werden. Die flexible schirmförmige Tasche kann durch
den einen kleineren Durchmesser bezogen auf den Rohrdurchmesser aufweisenden Aufschweißstutzen
ohne Beschädigungen hindurchbewegt und mit dem Zugseil oder der Kabelanordnung verbunden
werden.
In einer Ausgestaltung besteht die Möglichkeit, im Aufschweißstutzen
eine Führungsrolle so zu befestigen, daß das einzuziehende Hilfsseil bzw. die Kabel-Verbundanordnung
nicht mit Schweißnähten oder Kanten in Berührung kommt und hierdurch beschädigt
wird.
Es hat sich gezeigt, daß mit Hilfe der Verlegeeinrichtung und der
vorgestellten speziellen Vorlegetechnologie zügig und ohne nennenswerte längere
Beeinflussung der Medienversorgung auch größere Abschnitte schieberfreier Gasrohrstrecken
mit Verbundkabeln nachgerüstet werden können. Zur Verkürzung der Sperrzeiten kann
auf Hilfs- oder Zugseile verzichtet werden, wobei hier ein unmittelbares Einziehen
des mechanisch in sich sehr stabilen Verbundkabels erfolgt.
Die in der Verbundanordnung befindlichen faseroptischen Temperatursensorkabel
unterliegen trotz der Hochdruckumgebung keiner signifikanten Beeinträchtung der
Eigenschaften, die für die hochaufgelöste Temperaturmessung wesentlich sind.
Trotz der durch die Einzugstechnik und medienbedingte Ausführung der
Verbundanordnung mit Ummantelung und dergleichen können Änderungen in der Temperaturverteilung
signifikant erfaßt werden. Damit ist die faseroptische Temperaturmeßtechnik auch
zur Ortung von Leckagen in Pipelines geeignet, welche Hochdruck-Medien führen. Die
Kabel-Verbundanordnung, welche sowohl die Versorgungsunternehmen von Überwachungsaufgaben
entlastet als auch zum Aufbau von Nachrichtennetzen genutzt werden kann, ermöglicht
wesentliche Kostenvorteile und führt zu neuen Einsatzgebieten und Applikationen.
Die Erfindung soll nachstehend anhand eines Ausführungsbeispiels sowie
unter Zuhilfenahme von Figuren näher erläutert werden.
Hierbei zeigen:
1 den Querschnitt der Verbundkabelanordnung;
2 eine Schnittdarstellung des Ein- und
Ausführstutzens;
3 den Ausgangszustand der Temperaturverteilung
entlang einer Hochdruck-Gaspipeline;
4 eine Detaildarstellung eines Abschnitts
der Pipeline mit Temperaturverlauf nach 3;
5 einen Temperaturverlauf mit leckagebedingter
Temperaturänderung; und
6 den prinzipiellen Aufbau der Verlegeeinrichtung.
Die Verbundkabelanordnung nach 1 umfaßt ein zentral
angeordnetes, metallfreies Stauch- und Zugelement 1 aus glasfaserverstärktem
Kunststoff.
Durch dieses zentrale Stauch- und Zugelement 1 erlangt die
Verbundanordnung eine für den Kabeleinzug notwendige Steifigkeit.
Die eigentliche Kabelseele umfaßt beim gezeigten Beispiel vier Bündeladern
2 mit einer vorgegebenen Anzahl Monomodefasern. Eine weitere Bündelader
3 weist beispielsweise vier Multimodefasern auf, welche zur Temperatursensorik
auf der Basis der Erfassung rückgestreuten Laserlichts Verwendung finden.
Die Seelenhohlräume sind mit einer Dichtmasse, vorzugsweise Petrolatmasse
ausgefüllt, um eine gewünschte Längswasserdichtigkeit und eine hohe Druckbeständigkeit
des Kabels zu erzielen.
Die Seelenbewicklung besteht aus einem beidseitig kunststoffbeschichteten
Aluminiumband 4, welches mit einer PE-Ummatelung umgeben ist, so daß ein
dauerhafter Schutz gegen Einwirkung von Feststoffpartikeln in Gasströmen bzw. Feuchte-
und Gaspermeation gegeben ist. Für die erforderliche mechanische Schutzwirkung weist
der äußere Polyethylenmantel 5 eine hohe Dichte auf.
Das gemäß Ausführungsbeispiel vorgestellte Kabel besitzt einen Durchmesser
von im wesentlichen 14 mm bei einem Gewicht von etwa 165 kg/km. Die höchstzulässige
Zugbelastung liegt im Bereich von 2500 N bei einem Mindestbiegeradius unter Zugbelastung
von 280 mm.
Der zulässige Temperaturbereich im Betrieb liegt zwischen –25°C
bis +60°C.
Unter Bezugnahme auf die 2 soll der Aufbau
der verwendeten Ein- und Ausführstutzen näher erläutert werden. Ein Stutzen
6 wird zunächst mit der Außenwandung des medienführenden Rohrs
7 durch Schweißen verbunden. Der Stutzen 6 besitzt einen abnehmbaren
Dichtflansch 8 an seiner oberen Öffnung.
Unter einem vorgegebenen Winkel ist seitlich am Stutzen
6 ein Abgang 9 in Form eines Rohrs mit einem einschraubbaren Rohrstopfen
10 angeordnet. Der Rohrstopfen 10 umfaßt eine übliche Dichtung
11, so daß der Abgang 9 vollständig verschließbar ist, wenn das
Rohr 7 durch den Stutzen 6 angebohrt wird.
Der Durchmesser des Stutzens 6 ist so gewählt, daß ein Anbohren
des Rohrs 7 mit einem Durchmesser von beispielsweise der Nennweite DN 200
möglich ist.
Nach Abnehmen des Dichtflansches 8 kann im drucklosen Zustand
eine spezielle Verlegeeinrichtung in das Innere des Rohrs 7 verbracht werden,
wobei die Verlegeeinrichtung mit dem über den Abgang 9 zugeführten Kabel
oder einem Hilfsseil verbunden wird.
Nach dem erfolgten Verlegen des Verbundkabels besteht aus Gründen
der Erhöhung der Betriebssicherheit die Möglichkeit, den Stutzen 6 mit
einem Rohrdeckel stoffschlüssig durch Verschweißen zu verschließen.
Die eigentliche Kabeldurchführung bzw. Kabelabdichtung ist zeichnerisch
nicht dargestellt. Eine Konstruktion eines Dichtpakets aus Dichtungsmaterial, Stahlringen
und hochfesten Stiftschrauben wird in den Abgang 9 eingesetzt und das Kabel
durchgeführt. Die eigentliche Abdichtung erfolgt dann mechanisch durch Druckeinwirkung
der Stiftschrauben auf die Stütz- und Druckringe und somit auf die Dichtung. Die
Dichtfunktion wird hier durch das gleichzeitige Anpressen der Dichtungen gegen die
Innenwand des Abgangs 9 und die Kabelmanteloberfläche erzielt und dauerhaft
aufrechterhalten.
Bevorzugt wird als Dichtungsmaterial auf Ethylen-propylen-Dien-Kautschuk
zurückgegriffen, welcher sich durch besondere chemische Beständigkeit und hohe Temperaturwechselbelastbarkeit
auszeichnet. Durch die gewählte Dichtkonstrukion erfolgt wie erwähnt ein gleichmäßiges
Anpressen bezogen auf die Außenoberfläche des Verbundkabels, ohne
daß unerwünschte Deformationen auftreten oder die faseroptischen Eigenschaften nachteiligt
verändert werden.
Die in der 6 gezeigte Verlegeeinrichtung
nach Art eines flexiblen Molchs 12 besitzt eine Schirmform mit einer Taschenöffnung
13.
Im Innern des Molchs 12 sind mehrere sich in Längsrichtung
erstreckende, am Kopfende 14 verbundene Federelemente 15 angeordnet.
Die Federelemente erzeugen nach außen gerichtete Vorspannkräfte, so daß mindestens
Teile der Außenseite des flexiblen Molchs 12 an der Innenwandung des Rohrs
anliegen.
Im Bereich der Taschenöffnung 13 sind Zugmittel
16 zum Befestigen des Verbundkabels oder eines Zugseils vorhanden.
Das Taschenmaterial bzw. die flexible Umhüllung des Molchs besteht
aus Leder, Kunstleder, einem Textilgewebe oder Kunststofffolie.
Dann, wenn die Taschenöffnung 13 vom strömenden Medium beaufschlagt
wird und sich aufwölbt, entsteht in Verbindung mit den Federelementen
15 eine Abdichtung gegenüber der Rohrinnenwandung und es wird unter Überwindung
der Reibungskräfte die Einrichtung vom strömenden Medium im Rohrinnern in Längsrichtung
fortbewegt. Die Elastizität des Molchs ermöglicht es, Durchmesseränderungen oder
Änderungen des Richtungsverlaufs des Rohrs zu folgen.
Im Gegensatz zu bekannten Rohrmolchen kann der flexible Molch
12 gemäß Ausführungsbeispiel durch einen durchmesserengen Stutzen, d. h.
den Aufschweißstutzen 6 in ein Rohr mit einem größeren Durchmesser verbracht
werden und sich dort unter Wirkung der Federelemente 15 entspannen.
Nachdem der in der 2 gezeigte Dichtflansch
8 vom Stutzen 6 entfernt wurde, wird der flexible Molch
12 eingebracht und das Verbundkabel bzw. ein Hilfsseil unter Nutzung der
Zugmittel 16 befestigt. Ergänzend besteht die Möglichkeit, am Stutzen
6 eine Führungsrolle zu befestigen, um Beschädigungen des einzuziehenden
Kabels oder Seils an Schweißnähten oder scharfkantigen Abschnitten des Rohrs zu
vermeiden.
Zum eigentlichen Kabeleinziehen wird ein kleinstmöglicher sperrbarer
Rohrabschnitt auf einen reduzierten Betriebsdruck abgesenkt, wobei auf Einzugslänge
eine Sperrung dieses Abschnitts durch Blasensetzgeräte mit an sich bekannten Doppelblasen
vorgenommen wird. Über einen Ausbläser wird der abgesperrte Abschnitt drucklos gemacht.
Der eingeführte flexible Molch wird nun durch Erhöhung des Gasdrucks im Bereich
hinter der Taschenöffnung erhöht, so daß sich der flexible Molch im Innern des Rohrs
unter Überwindung der Reibungskräfte zur Rohrinnenwandung fortbewegt.
Am Zielort kann zur Vermeidung von Beschädigungen der dort befindlichen
Absperrblase eine Auffangvorrichtung für den flexiblen Molch vorgesehen sein. Der
Molch wird im Bereich des Ausführstutzens vom Zugseil oder vom Verbundkabel abgekoppelt.
Im Fall des Einsatzes eines Zugseils wird mit Hilfe einer Kabelziehwinde das Verbundkabel
nach eingestellter Zugkraftbegrenzung bzw. Zugkraftüberwachung in das Rohrinnere
verbracht und anschließend abgedichtet.
Das eingebrachte Verbundkabel wird über Kabelenddosen sowie eine Spleißdose
mit Strahlung einer Laserlichtquelle impulsweise beaufschlagt. Das vom Sensorkabel
bzw. Lichtwellenleiter rückgestreute Licht wird ausgekoppelt und über entsprechende
Filter auf einen Detektor einer Meßeinrichtung geführt. Ein in der Einrichtung vorhandenes
optisches Filter läßt Licht der Stokes-Line Is durch, während ein zweites optisches
Filter Licht der Anti-Stokes-Linie Ia passieren läßt. Der Detektor erzeugt dann
aus den ihm zugeführten Intensitäten Is und Ia der Stokes-Linie und der Anti-Stokes-Linie
Signale, welche einer Verhältnisbildung unterzogen werden. Der hierfür eingesetzte
Dividierer ist mit einem Rechner verbunden, der in Abhängigkeit von der Laufzeit
des eingestrahlten Lichts und damit der Relation zur Längenkoordinate des Lichtwellenleiters
Temperaturwerte bestimmt.
Mittels des Rechners können konkreten Punkten oder Orten des Lichtwellenleiters
Temperaturwerte zugeordnet werden. Das Verhältnis der Intensität der Stokes-Linien
zueinander bestimmt dabei den jeweiligen Temperaturwert, während die Längenkoordinaten
des Lichtwellenleiters aus der Laufzeit des rückgestreuten Lichtimpulses ermittelt
werden.
Die 3 zeigt nun den Ausgangszustand der
Temperaturverteilung entlang einer beispielsweisen Hochdruck-Gaspipeline. Hier ist
erkennbar, daß die Temperatur entlang des vermessenen Abschnitts der Pipeline nicht
konstant ist.
Die Analyse der Temperaturdaten gemäß Ausführungsbeispiel ergab, daß
die Temperatur am Ort des Sensorkabels vom Temperatur-Tagesgang beeinflußt wird.
Die vorhandene Inhomogenität der Überdeckung der Hochdruck-Gaspipeline führt zu
den erkennbaren Temperaturunterschieden im Bereich von Meter 7 bis Meter 447 entlang
der Trasse.
Die 4 zeigt eine Detaildarstellung der
Temperaturverteilung der ersten 20 Trassenmeter nach 3.
Bei dem Punkt 2 m ist eine Temperaturerhöhung erkennbar. In diesem Bereich wurde
kurz vor der Durchführung der Messungen nach Ausführungsbeispiel die Schwarzdecke
instand gesetzt. Die damit verbundene Erwärmung des Erdreichs ist zum Zeitpunkt
der Temperaturmessung noch nicht abgeklungen und deutlich nachweisbar.
5 läßt eine leckagebedingte Temperaturänderung
entlang der Hochdruck-Gaspipeline zu verschiedenen Zeitpunkten erkennen.
Beim Beispiel wurde um 8.45 Uhr ein Leck geöffnet. Um ca. 9.40 Uhr
(obere Kurve) konnte noch keine signifikante Temperaturabsenkung festgestellt werden.
Gegem 13.10 Uhr (untere Kurve) erfolgt jedoch eine deutliche Temperaturabsenkung
um 1,1 K. Die Lage des Lecks wurde am Punkt 2 m geortet.
Es wurde demnach die Änderung der Temperaturverteilung während der
Lecksimulation deutlich nachgewiesen, wobei die zeitliche Verzögerung durch die
Wärmeausbreitungsbedingungen und die Wärmekapazität des Verbundkabels bedingt ist.
Die lokale Abkühlung durch Entspannung des unter Hochdruck befindlichen Gases am
Leck und die sich ausbreitende Temperaturänderungsfront kann mit der beschriebenen
Vorrichtung sicher nachgewiesen werden, so daß zukünftig in kostengünstige Weise
die Überwachung von Gastransporteinrichtungen mittels faseroptischer Sensorik, die
Bestandteile des Verbundkabels zur Nachrichtenübertragung sind, durchführbar ist.
Im Vergleich zur konventionellen Technologie der Erdverlegung mit Schutzrohr werden
Kostensenkungen realisierbar, wobei Tiefbauarbeiten im wesentlichen nur für die
Abschnitte zum Kabelein- und -ausführen am Gasrohr anfallen.
1
- zentrales Stauch- und Zugelement
2
- Bündelader mit Monomodefasern
3
- Bündelader mit Multimodefasern