Die vorliegende Erfindung betrifft eine Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke.
Die Lipide spielen, abgesehen von ihrer Funktion als Energiequelle,
bei der Ernährung als Quelle für essentielle Fettsäuren, unterschiedliche Rollen:
– als für die Zellstruktur und die Membranfunktionen notwendige Bestandteile,
– als Vorläufer von Eicosanoidmetaboliten, die in zahlreiche physiologische
Systeme, wie das kardio-vaskuläre System, das Immunsystem, das Atmungssystem und
das Verdauungssystem eingreifen,
– als Regulatoren der Blutfette.
Die physiologische Antwort auf den Verzehr von Speiseölen hängt von
der Zusammensetzung der Fettsäuren in diesen Ölen ab. Die Fettsäuren werden, in
Abhängigkeit von ihrer Struktur, d. h. nach dem Vorhandensein und der Lage von Doppelbindungen
in der Kohlenstoffkette, in verschiedene Familien, n-9, n-6 und n-3, eingeteilt.
Jede Familie weist eine eigene spezifische Aktivität auf, aber es gibt beim Stoffwechsel
zwischen den verschiedenen Familien Wechselwirkungen. Im Falle der Kontrolle der
Blutfette ist es erforderlich, mehrere Kriterien zu berücksichtigen:
– der Nahrungsmittelanteil an gesättigten Fettsäuren sollte aufgrund ihres
Einflusses auf die Erhöhung des Cholesterins und der Gesamtmenge an Lipiden begrenzt
sein,
– ein zu hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Diät
ist einerseits aufgrund der negativen Reaktion der Lipoproteine mit hoher Dichte
(HDL), die vorteilhaft sind, auf das Cholesterin nicht wünschenswert, und andererseits
aufgrund von Risiken, die in der Peroxidation der Fettsäuren liegen, die zu negativen
Effekten auf Zellniveau führt,
– einfach ungesättigte Fettsäuren zeigen nicht die vorher erwähnten Risiken
und haben einen günstigen Einfluß bezüglich der Verringerung des Cholesterins durch
die Lipoproteine mit geringer Dichte (LDL), die schädlich sind,
– die physiologischen Eigenschaften der Fettsäure unterscheiden sich auch
innerhalb einer gleichen Familie anhand ihrer Kohlenstoffkettenlänge. Zum Beispiel
gibt es in der Familie mit den Fettsäuren n-6 eine Fettsäure, die gamma-Linolensäure
(GLA), die eine sehr viel stärker ausgeprägte Aktivität auf die Kontrolle der Blutfette
besitzt als die anderen Familienmitglieder. Das gleiche gilt für die Eicosapentaensäure
(EPA) in der Familie n-3.
EP-A-0 326 198 betrifft ein Öl zur Verwendung für Salat und zum Kochen,
das rein pflanzlichen Ursprungs ist und ernährungsmäßig ausgewogen ist, das eine
minimale Menge an gesättigten Fettsäuren enthält und keine mehrfach ungesättigten
Fettsäuren mit langer Kette enthält. Das Verfahren zur Herstellung des Öls beruht
entweder auf einer Resynthese der Triglyceride, ausgehend von Fettsäuren nach ihrer
Reinigung und ihrer Vermischung in den gewünschten Anteilen mit Glycerin, oder auf
einer Entfernung der gesättigten Fettsäuren in einer Kolonne, ausgehend von Sonnenblumenöl
mit einem hohen Gehalt an Ölsäure oder ausgehend von Canola.
EP-A-0 404 058 betrifft das Bereitstellen einer Lipidmischung zur
Ernährung von Säuglingen und Frühgeburten, die in ernährungs-gemäßer Hinsicht der
Muttermilch ähnlich ist, d. h., daß sie schnell assimilierbar, sehr energiereich
und geeignet ist, die notwendigen Membranlipide und das notwendige Cholesterin zur
Verfügung zu stellen. Das Profil der Fettsäuren ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein
von mehrfach ungesättigten (3-fach ungesättigten und mehr) Fettsäuren mit langer
Kette, die aus n-6 Arachidonsäure, gamma-Linolen- und Dihomo-gammalinolensäure und
aus n-3 Octadecatetraensäure, Eicosapentaensäure, Docosahexaensäure mit einem erhöhten
Anteil an gesättigten Fettsäuren in der Größenordnung von 40% bestehen, von denen
ein beträchtlicher Anteil mit mittlerer Kettenlänge, bei einem Verhältnis von 3-fach
und höher ungesättigten n-6/n-3 von 0,1 : 1 bis 3 : 1, vorliegt, und durch die Anwesenheit
von Eilecithin. Die Lipidmischung ist cholesterinreich. Das Verfahren zur Herstellung
der Lipidmischung besteht aus dem Erwärmen des festen Fettes und aus dem Vermischen
mit einem Emulgator und einem Antioxidans in der Hitze, dem Zugeben der flüssigen
Mischung zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren mit langer Kette und den anderen
Ölen.
Ziel der Erfindung ist es, ein Milchprodukt zu schaffen, das eine
Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke als partiellen Ersatz der Fette dieses
Nahrungsmittels enthält und in dem diese Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke
auf einer Kombination von Ölen beruht, die erstellt sind, um die strukturellen Qualitäten
und die physiologische Leistung optimal zu gewährleisten, und zwar mit einem optimalen
Gleichgewicht der aktiven Substanzen, um unausgeglichene Stoffwechsellasten zu vermeiden.
Das erfindungsgemäße Milchprodukt ist dadurch gekennzeichnet, daß
die Fettsäuren der Triglyceride, in Gewicht, höchstens 10% gesättigte Fettsäuren,
50% bis 70% einfach ungesättigte Fettsäuren und 30 bis 40% mehrfach ungesättigte
Fettsäuren umfassen, daß die Fettsäuren der Familie n-6 25 bis 35% ausmachen, daß
das Gewichtsverhältnis der Fettsäuren der Familie n-6 zu denen der Familie n-3 4,5
: 1 bis 8,5 : 1 beträgt und daß die mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine wirksame
Menge an Säuren der Familien n-3 und n-6 mit einem Ungesättigtheitsgrad
von 3 und mehr umfassen.
Die erfindungsgemäße Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke
berücksichtigt nicht nur die Aktivitäten der essentiellen Fettsäuren, sondern auch
die Wechselwirkung von jeder essentiellen Fettsäure der Familie n-6, zum Beispiel
Linolensäure, mit seiner homologen Fettsäure der Familie n-3, zum Beispiel alpha-Linolensäure,
und ein eventuelles Enzymdefizit, das es aufgrund eines enzymatischen Unvermögens,
diese Säuren zu entsättigen, nicht ermöglicht, diese Fettsäuren in höhere, gesättigte
Derivate als C20 zu transformieren.
Die Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke enthält ein Öl,
das reich an Ölsäure ist, welche die Struktur- und Transporteigenschaften der bioaktiv
essentiellen Fettsäuren aufweist, und die im Hinblick auf ihre Bioaktivität neutral
ist. Der erhöhte Anteil an Ölsäure verleiht der Lipidmischung eine gute Stabilität
bezüglich der Oxidation und der Photooxidation, was die Bildung von aktiven Sauerstoffradikalen
verhindert.
Die ausgewählten Öle, die dieser Anforderung entsprechen, sind vorzugsweise
Olivenöl, Aprikosenöl, Öl von Sonnenblumen- und Saflorhybriden mit einem hohen Gehalt
an Ölsäure, zum Beispiel > als 60 Gew.-%. Man kann auch pflanzliche Oleinöle erwähnen,
zum Beispiel Palmöl, die durch Trockenfraktionierung mit einem Lösemittel oder mit
Tensiden aus Pflanzenöl und -fetten erhalten werden.
Das betreffende Öl bildet 50 Gew.-% der Lipidmischung für Nahrungsmittelzwecke.
Die Lipidsammensetzung für Nahrungsmittelzwecke enthält Öle, die die
essentiellen Fettsäuren der Familien n-6 und n-3 in einem Verhältnis bereitstellt,
das die viel größere Reaktivität der Säuren der Familie n-3 berücksichtigt.
Die Öle, die reich an Fettsäuren der Familie n-6 sind, werden unter
denen ausgewählt, die reich an Linolensäure sind, die vorzugsweise mehr als 60 Gew.-%
dieser Säure im Verhältnis zur Gesamtzahl der Fettsäuren enthalten, zum Beispiel
Sonnenblumenöl, Traubenkernöl, Passionsblumenöl, Tomatenöl oder Safloröl. Unter
den Ölen der Familie n-6 umfaßt die Zusammensetzung solche geeignete Öle, die eine
wirksame Menge einer Säure mit einem Ungesättigtheitsgrad von wenigstens 3 aufweisen,
zum Beispiel die gamma-Linolensäure, deren Aufgabe es ist, die ungenügende Wirkung
der Desaturasen zu beseitigen. Man kann Nachtkerzenöl, Borretsch-öl und vorzugsweise
Johannisbeerkernöl nennen.
Als Öle, die Fettsäuren der Familie n-3 bereitstellen, kann man solche
nennen, die vorzugsweise mehr als 20 Gew.-% alpha-Linolensäure im Verhältnis zu
den gesamten Fettsäuren enthalten, zum Beispiel Rapsöl, Chiaöl, Leinöl, Kiwiöl,
Luzerneöl oder Moschusrosenöl. Man kann auch solche nennen, die die Säuren EPA und
DHA liefern, zum Beispiel Seetieröl.
Die mittlere Zusammensetzung der Fettsäuren der Haupttriglyceride
in der fertigen Zusammensetzung ist die folgende:
Auf der Basis ihrer jeweiligen Zusammensetzungen an Fettsäuren, sind
die Ölmischungen weiter unten bevorzugt:
Die Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke kann auch zu einem
kleineren Anteil andere Öle enthalten, mit dem Ziel, beispielsweise ihre Konservierungseigenschaften
zu verbessern, zum Beispiel Weizenkeimöl, das reich an Vitamin E als Antioxidans
ist.
Sie kann u. a. fettlösliche oder fettlösliche gemachte Antioxidantien
enthalten, zum Beispiel eine Mischung aus Ascorbinsäure und/oder Zitronensäure,
Lecithin, Tocopherol und Vitamin B.
Die Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke wird in Milchprodukten,
zum Beispiel Joghurten, als partieller Ersatz des Milchfetts verwendet.
Die Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke wird in Milchprodukten,
zum Beispiel Joghurten, als partieller Ersatz des Milchfetts verwendet.
In solch einem Nahrungsmittel kann die Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke
50 Gew.-% ausmachen.
Die Beispiele weiter unten veranschaulichen die Erfindung. In diesen
sind die Prozentsätze und Teile, falls nicht anders vermerkt, in Gew.-% angegeben.
Beispiel 1Lipidzusammensetzung für ein Nahrungsmittel
Man mischt unter Rühren und unter Stickstoff die raffinierten Öle
in den weiter unten angegebenen Anteilen und in der Reihenfolge der jeweiligen abnehmenden
Mengen. Die Einarbeitung der Antioxidantien findet vor dem Vermischen mit Sonnenblumenhybridöl
als Mutterlösung statt.
Öl%Sonnenblumenhybridöl, das 77,4% Ölsäure in Gewicht an Fettsäuren
enthält (HOSFO)50Rapsöl 24Sonnenblumenöl (SFO) 20Johannisbeerkernöl 3Fischöl 3
Um diese Mischung herzustellen, gibt man in einen Behälter aus nicht
oxidierbarem Stahl, der mit einem System einer Doppelummantelung für eine Fluidzirkulation
zur Thermostatisierung und mit einem Rührer mit veränderlicher Geschwindigkeit ausgestattet
ist, das Johannisbeerenkernöl und das Fischöl zu dem Sonnenblumenhybridöl, dem Rapsöl
und dem Sonnenblumenstandardöl, wobei man Temperaturen höher als 30°C vermeidet.
Das Sonnenblumenhybridöl dient als Mutterlösung für ein Antioxidans,
zum Beispiel Vitamin E (Tocopherol und seine Ester), einen natürlichen Extrakt,
der ein Antioxidans (zum Beispiel aus Gewürzen) enthält, in Anteilen, die bis zu
1000 ppm (part per million) gehen, bezogen auf die Ölmischung. Man konditioniert
die Mischung in einem geschlossenen Kreislauf in Behältern mit plastifizierenden
Oberflächen, vorzugsweise mit einer Kapazität von 25 kg und unter einer Stickstoffatmosphäre,
um oxidative Schädigungen zu vermeiden, die mit der Ungesättigtheit der Lösung verbunden
sind.
Die Tabelle 1 weiter unten zeigt die Zusammensetzung der Mischung.
TABELLE 1Beispiele 2-22
Die Ölmischung wird wie in Beispiel 1 hergestellt. Die Tabellen 2
bis 22 zeigen die Zusammensetzung der Mischungen.
Man stellt ein Vollmilchpulver mit 28% Fett her, indem man als Fettphase
eine Mischung aus 50% wasserfreiem Milchfett und 50% Lipidzusammensetzung von Beispiel
1 verwendet. Nach UHT-Pasteurisierung von Magermilch und dann Konzentration durch
Eindampfen auf 40% Trockenmasse setzt man die Fettphase zu, die getrennt durch UHT
pasteurisiert wurde, homogenisiert die Mischung, spritzt Stickstoff ein und trocknet
sie dann durch Sprühtrocknung bei maßvollen Bedingungen.
Anspruch[de]
Milchprodukt, das eine Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke
als Ersatz für 50% des Milchfetts enthält und bei dem die Lipidzusammensetzung für
Nahrungsmittelzwecke dadurch gekennzeichnet ist, daß die Fettsäuren der Triglyceride,
in Gewicht, höchstens 10% gesättigte Fettsäuren, 50% bis 70% einfach ungesättigte
Fettsäuren und 30 bis 40% mehrfach ungesättigte Fettsäuren umfassen, daß die Fettsäuren
der Familie n-6 25 bis 35% ausmachen, daß das Gewichtsverhältnis der Fettsäuren
der Familie n-6 zu denen der Familie n-3 4,5 : 1 bis 8,5 : 1 beträgt und daß die
mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine wirksame Menge an Säuren der Familien n-3
und n-6 mit einem Ungesättigtheitsgrad von 3 und mehr umfassen.
Milchprodukt nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Lipidzusammensetzung
für Nahrungsmittelzwecke, in Gewicht, 45 bis 68% Olivenöl, Aprikosenöl, Öl von Sonnenblumen-
und Saflorhybriden mit einem hohen Gehalt an Ölsäure oder Oleine von Pflanzenölen
enthält.
Milchprodukt nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Lipidzusammensetzung
für Nahrungsmittelzwecke, in Gewicht, 8 bis 28% Sonnenblumenöl, Traubenkernöl, Passionsblumenöl,
Tomatenöl oder Safloröl und 1 bis 10% eines Öls enthält, das geeignet ist, eine
wirksame Menge einer Säure mit einem Ungesät tigtheitsgrad von wenigstens 3 bereitzustellen,
das ausgewählt ist aus Nachtkerzenöl, Borretschöl und Johannisbeerenkernöl.
Milchprodukt nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Lipidzusammensetzung
für Nahrungsmittelzwecke, in Gewicht, 2 bis 30% Rapsöl, Chiaöl, Leinöl, Kiwiöl,
Luzerneöl, Moschusrosenöl und 1 bis 8% eines Seetieröls enthält.
Milchprodukt nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die mittlere
Zusammensetzung der Fettsäuren der Haupttriglyceride in der Lipidzusammensetzung
für Nahrungsmittelzwecke die folgende ist:
Verfahren zur Herstellung eines Milchprodukts nach einem der Ansprüche
1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Herstellung der Lipidzusammensetzung
für Nahrungsmittelzwecke in das an einfach ungesättigten Fettsäuren reiche Öl ein
Antioxidans einführt, die verschiedenen Öle unter Vermeidung von Temperaturen von
mehr als 30°C mischt und die Mischung unter einer Inertatmosphäre konditioniert.
Vollmilch, dadurch gekennzeichnet, daß sie 28 Gew.-% Fett enthält und
daß ihr Fett aus einer Mischung besteht, die 50 Gew.-% wasserfreies Milchfett und
50 Gew.-% einer Lipidzusammensetzung für Nahrungsmittelzwecke enthält, die aus den
folgenden raffinierten Ölen in den angegebenen Gewichtsverhältnissen besteht:
Öl %Öl von Sonnenblumenhybriden, das 77,4% Ölsäure vom Gewicht der
Fettsäuren enthält (HOSFO) 50Rapsöl 24Sonnenblumenöl (SFO) 20Johannisbeerenkernöl 3Fischöl 3