Die Erfindung betrifft ein Planheitsregelsystem für eine Walzstraße
mit mehreren Walzgerüsten.
Derartige Systeme finden in Walzstraßen Anwendung. Hier dienen sie
der Steuerung von Stellgrößen, beispielsweise der Biegekraft oder dem Walzenschwenken,
um in dem die Walzstraße verlassenden Band die Planheit und Bandform auf einen vorgegebenen
Sollwert zu walzen. Das sogenannte Fertigband darf Planheitsfehler wie zum Beispiel
Rand- und Mittenwellen, Säbelprofile und Quarterbuckles nicht aufweisen bzw. nur
in einem bestimmten Maß aufweisen.
Mit zunehmender Automatisierung der Walzstraßen steigen die Anforderungen
an die Güte des Bandes. Die Grenzen, innerhalb derer Planheitsfehler toleriert werden,
verringern sich zunehmend. Beim Walzen in Tandemstraßen treten zudem Profilwülste
und Bandlaufprobleme zwischen den Walzgerüsten auf. Die Erfahrung zeigt, dass viele
Planheitsdefekte während des Walzens durch hohe Bandzüge ausgebügelt bzw. versteckt
werden. Andere Defekte wie zum Beispiel Profilfehler aufgrund von ungleichmäßiger
Kühlung und ungleichmäßigem Verschleiß sind – wenn überhaupt – schwierig
zu beseitigen.
Aus der Praxis ist es bekannt, die Planheit bei Kaltwalztandemstraßen
derart zu regeln, dass eine einige Meter nach dem letzten Gerüst installierte Planheitsmessrolle
die Planheit des Bandes misst. In einem Planheitsregelverfahren werden diese Ist-Werte
der Planheit einem Regler zugeführt, der Stellsignale für die Stellglieder des letzten
Gerüsts generiert, so dass durch deren Aktivierung bzw. Einstellung eine möglichst
minimale Abweichung zwischen der Ist- und der Soll-Verteilung erreicht wird.
Es hat sich gezeigt, dass dieses aus der Praxis bekannte Planheitsregelverfahren
den hohen Anforderungen, die an die Bandplanheit des Fertigbandes gestellt werden,
nicht gerecht werden kann.
Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein
Planheitsregelsystem zu schaffen, das eine minimale Abweichung zwischen einer Ist-
und einer Soll-Verteilung der Bandplanheit im Fertigband ermöglicht und die Nachteile
des Standes der Technik vermeidet.
Diese Aufgabe wird durch den Gegenstand des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen angegeben.
Die Erfindung geht von dem Grundgedanken aus, mit einem Planheitsregler
Steuersignale an Stellgrößen mindestens zweier Walzgerüste zu senden. Damit wird
erreicht, dass die gewünschte Planheit nicht allein durch die Einstellung der Stellgrößen
des letzten Gerüsts erreicht werden muß. Erfindungsgemäß werden nun auch die vorgelagerten
Walzgerüste zur Erzeugung der gewünschten Bandplanheit verwendet. Dadurch werden
die Einflussmöglichkeiten in den ersten Gerüsten sinnvoll ausgenutzt. Auch bei möglichen
Stellgrößenbeschränkungen im letzten Gerüst kann durch Verwendung der Einflussmöglichkeiten
der ersten Gerüste immer noch eine minimale Abweichung zwischen der Ist- und der
Soll-Verteilung des Bandquerschnitts erreicht werden. Der Einsatz eines koordinierenden
Regler kann für die Einhaltung gegebenenfalls betreiberseitig vorgegebener Profil-
und/oder Planheitssollverteilungen zwischen den Gerüsten sorgen, die beispielsweise
zur Sicherstellung eines optimalen Bandlaufs notwendig sind.
Außerdem erlaubt es die Erfindung, Störgrößen, wie zum Beispiel einlaufende
Profiländerungen oder Walzkraftänderungen, während des Walzens zu kompensieren.
Indem bereits die vorderen Walzgerüste in die Planheitsregelung einbezogen werden,
wird verhindert, dass in den vorderen Gerüsten Defekte, wie zum Beispiel Profilfehler,
Wulste oder Säbel, erzeugt werden, die herkömmlich gar nicht oder nur schwierig
im letzten Gerüst zu beseitigen waren. Die Erfindung ermöglicht es zudem, die Stelleingriffe
in allen Gerüsten zu koordinieren und deren gegenseitige Beeinflussung zu berücksichtigen.
Bei dem erfindungsgemäßen Planheitsregelsystem für eine Walzstraße
mit mehreren Walzgerüsten ist eine Planheitsmessung am Auslauf eines Walzgerüsts
und ein Planheitsregler vorgesehen, der auf Grundlage der Messergebnisse der Planheitsmessung
Steuersignale an Stellgrößen mindestens zweier Walzgerüste sendet.
Die Planheitsmessung erfolgt vorzugsweise mit Planheitsmessrollen,
kann jedoch auch durch andere Messverfahren, beispielsweise optische Messverfahren,
erfolgen.
Der Planheitsregler sendet vorzugsweise Steuersignale an die Stellvorrichtungen
für das Walzenschwenken, das Walzenbiegen, das Walzenverschränken oder das Walzenverschieben.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des Planheitsregelsystems ist
ein Planheitsermittler vorgesehen, der die Planheit des Bandes zwischen zwei Gerüsten
ermitteln und dessen Ergebnisse vom Planheitsregler zusätzlich zu den Ergebnissen
der Planheitsmessung herangezogen werden, um die Steuersignale an die Stellgrößen
mindestens zweier Walzgerüste zu senden. Vorzugsweise ist dieser Planheitsermittler
ein Prädiktor. Dieser kann als Modell, das in geeigneter Weise adaptiert wird, ausgebildet
sein.
Alternativ oder ergänzend ist der erfindungsgemäß vorgesehene Planheitsermittler
eine weitere Planheitsmessung. In einer Walzstraße (beispielsweise Tandemstraße)
kann beispielsweise nach dem ersten Gerüst eine Planheitsmessung vorgesehen sein
und zugleich ein Prädiktor, der auch die Ergebnisse dieser ersten Planheitsmessung
berücksichtigt. Eine weitere Planheitsmessung ist in diesem Ausführungsbeispiel
am Ende des letzten Walzgerüsts vorgesehen.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist ein koordinierender, modellbasierter
Regler vorgesehen, der Stellsignale an die Stellgrößen mindestens
zweier Walzgerüste sendet. Der koordinierende, modellbasierte Regler berücksichtigt
die Messinformationen der Planheitsmessung und die vom Prädiktor geschätzten Prozesszustände,
um Stelleingriffe vorzunehmen. Der koordinierende Regler ist beispielsweise als
modellprädiktiver Regler, wie er beispielsweise in Camacho E.F., Bordons C.: Model
Predictive Control, Springer Verlag, 2002 oder Maciejowski J.M.: Predictive Control
with Constraints, Prentice Hall, 2002 beschrieben wird und auf die für die Auslegung
des Regler vollinhaltlich bezuggenommen wird, ausgeführt. Die Auslegung eines solchen
Reglers ist dem Fachmann beispielsweise ebenfalls aus Sáez D., Cipriano A., Ordys
A.W.: Optimaisation of Industrial processes at Supervisory Level, Springer Verlag,
2002, bekannt, auf die ebenfalls vollinhaltlich Bezug genommen wird.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist einer Stellgröße ein lokaler
Regler zugeordnet. Beispielsweise kann einem oder jedem Walzgerüst eine Walzkraftkompensation
zugeordnet sein, die Profil- bzw. Planheitsänderungen aufgrund von Walzkraftabweichungen
vorsteuernd beseitigt. Ein IMC (internal model control)-Planheitsregler kann am
letzten Gerüst bzw. an den beiden letzten Gerüsten vorgesehen sein. Der IMC-Planheitsregler
weist vorzugsweise eine Totzeit-Kompensation auf.
Vorzugsweise koordiniert der koordinierende, modellbasierte Regler
die Stelleingriffe aller lokalen Regler. Der koordinierende, modellbasierte Regler
kann in den Regelprozess der lokalen Regler eingreifen. Er kann die Regeleingriffe
der lokalen Regler verändern. Er kann die vorzunehmenden Stelleingriffe auf mehrere
lokale Regler verteilen oder lokale Regler ganz abschalten.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist ein IMC-Planheitsregler immer
dann an einem Walzgerüst vorgesehen, wenn diesem Walzgerüst eine Planheitsmessung
unmittelbar nachgeschaltet ist. Beispielsweise kann in einer Tandemstraße zwischen
dem ersten und dem zweiten Gerüst eine zweite Planheitsmessung vorgesehen sein.
In diesem Ausführungsbeispiel kann am ersten Gerüst ein IMC-Planheitsregler mit
Totzeit-Kompensation vorgesehen.
Bei einem Planheitsregelverfahren werden eine Planheitsmessung am
Auslauf des Walzgerüsts durchgeführt und in einer Planheitsregelung auf Grundlage
der Messergebnisse der Planheitsmessung Steuersignale für Stellgrößen mindestens
zweier Walzgerüste generiert und an die Stellgrößen gesendet.
In einer bevorzugten Ausführungsform ermittelt ein Planheitsermittler
die Bandplanheit zwischen zwei Walzgerüsten, so dass die Planheitsregelung auf Grundlage
der Ergebnisse der Planheitsmessung und des Planheitsermittlers Steuersignale für
Stellgrößen mindestens zweier Walzgerüste generieren kann.
Bevorzugt wird der ermittelte Planheitsfehler, insbesondere der bei
der Planheitsmessung ermittelte Planheitsfehler, in orthogonale Komponenten zerlegt.
Dies erfolgt insbesondere mit Hilfe von Chebyshew-Polynomen, Gram -Polynomen oder
anderen orthogonalen Polynomen. Derartige Zerlegungen in orthogonale Polynome sind
beispielsweise beschrieben in W.H.
Press, S.A. Teukolsky, W.T. Vetterling, B.P. Flannery: Numerical Recipies
in C, Cambridge University Press, 1992 und A. Ralston, P. Rabinowitz: A first course
in numerical analysis, International series in pure applied mathematics, McGraw-Hill,
1978.
Die Zerlegung in orthogonale Komponenten erlaubt eine einfache rechnertechnische
Handhabung der Messgrößen.
In einer bevorzugten Ausführungsform des Planheitsregelverfahrens
erfolgt eine Kompensation einer einlaufenden Profilstörung im ersten Gerüst der
Walzstraße. Insbesondere erfolgt eine Kompensation mit einer einlaufenden, längenbezogenen
Bandquerprofilsteuerung im ersten Gerüst.
Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer Ausführungsbeispiele darstellender
Zeichnung näher erörtert. Darin zeigt:
1: eine Walzstraße mit einem erfindungsgmäßen
Planheitsregelsystem in einer stark vereinfachten, schematischen Darstellung;
2: das Signalflußbild des Planheitsregelsystems
nach 1;
3: eine Tandemstraße mit einem erfindungsgemäßen
Planheitsregelsystem mit einer stark vereinfachten, schematischen Darstellung und
4 das Signalflußbild des Planheitsregelsystems
nach 3.
Die in 1 dargestellte Walzstraße weist
vier Walzgerüste 1,2,3,4 auf. Am Einlauf des
Walzgerüsts 1 ist eine Warmbandprofilmessung 5 vorgesehen. Am
Auslauf des letzten Walzgerüsts 4 ist eine Planheitsmessung 6
vorgesehen. Alternativ zur Warmbandprofilmessung 5 kann auf gespeicherte
Profilverlaufswerte zurückgegriffen werden, wie sie beispielsweise nach einer Beize
gemessen und aufgezeichnet werden.
Die Warmbandprofilmessung 5 und die Planheitsprofilmessung
6 weisen vorzugsweise ein Röntgenmeßgerät, bzw. Planheitsmeßrollen (nicht
detailliert dargestellt) auf.
Das in 1 dargestellte Planheitsregelsystem
weist einen Profil- und Planheitsprädiktor 7 und einen koordinierenden,
modelbasierten Planheitsregler 8 auf.
In der Warmbandprofilmessung 5 und der Planheitsmessung
6 wird das Warmbandprofil, bzw. die Planheit des gewalzten Bandes gemessen.
Die Meßergebnisse werden in der Warmbandprofilmessung 5 und der Planheitsmessung
6 in orthogonale Komponenten zerlegt. Die als orthogonale Polynome vorliegenden
Meßergebnisse QPW ,&OHgr;m werden dem Pofil- und Planheitsprädiktor
7 und dem Regler 8 zugeführt.
Dem Profil- und Planheitsprädiktor 7 und dem Regler
8 werden Zustandssignale s1, s2,sS und
s4 der Walzgerüste 1,2,3,4 zugeführt.
Steuersignale u1u2,u3 und u4 werden
vom Regler 8 an die Walzgerüste 1,2,3 und
4 übermittelt.
Aus den Meßergebnissen QPW, s1, s2,
s3 und s4 sowie der Differenz zwischen der gemessenen Planheit
&OHgr;m und der vom Prädiktor geschätzten Planheit &OHgr;S
ermittelt der Prädiktor unter Berücksichtigung aller wesentlichen, am Walzprozeß
beteiligten Parameter und Größen einen Schätzwert &OHgr;S für die Bandplanheit.
Dieser Schätzwert &OHgr;S wird dem Regler 8 als weitere Eingangsgröße
zugeführt.
Der Regler 8 weist eine koordinierende Regelungsebene auf.
Ferner weist der Regler in einer untergeordneten Ebene eine Profilvorsteuerung und
eine Walzkraftkompensation auf, sowie einen Internal Model Control (IMC)-Planheitsregler
am letzten Gerüst. Auf Grundlage der vorliegenden Meßinformationen und der vom Prädiktor
geschätzten Prozeßzustände koordiniert die Regelungsebene die lokalen Regler. Erreicht
beispielsweise eine der Stellgrößen ihre Stellgrößenbegrenzung, so verteilt die
koordinierende Regelungsebene die Stelleingriffe auf die Stellgrößen der anderen
Walzgerüste. Der koordinierende Regler sorgt für die Einhaltung gegebenenfalls betreiberseitig
vorgegebener Profil- und/oder Planheitssollverteilungen zwischen den Gerüsten, die
beispielsweise zur Sicherstellung eines optimalen Bandlaufs notwendig sind.
Das Signalflußbild gemäß 2 zeigt den
Haupt-Planheitsregler 20, der als IMC-Regler ausgelegt ist. Unter Berücksichtigung
der Ausgangsgröße des Walzkraftkompensators 24 am vierten Gerüst erzeugt
der Haupt-Planheitsregler 20 die Stellgrößenänderung &Dgr;u4
am vierten Walzgerüst (G4). Walzkraftkompensatoren 21,22
und 23 sind ferner an den Walzgerüsten 1,2,3
vorgesehen (G1, G2, G3). Die Walzenkraftkompensatoren
21,22,23 und 24 berücksichtigen die Walzkraftabweichung
&Dgr;Fw1, &Dgr;Fw2, &Dgr;Fw3, &Dgr;Fw4
und erzeugen hierdurch die Stellgrößenänderungen &Dgr;u1, &Dgr;u2
und &Dgr;u3 in den Walzgerüsten 1,2,3. Für
die Stellgrößenänderung am ersten Gerüst wird ferner das Ausgangssignal einer Einlaufprofil-Vorsteuerung
25 berücksichtigt, die das gemessen Einlaufprofil PE berücksichtigt.
An den Walzgerüsten 1,2,3,4 sind Prädiktoren
26,27,28 und 29 vorgesehen. Eingangsgrößen der
Prädiktoren sind jeweils die Walzkraftabweichung an dem jeweiligen Gerüst und die
Stellgrößenänderung an dem jeweiligen Gerüst. Ferner berücksichtigt der erste Prädiktor
26 das gemessene Einlaufprofil PE. Die nachfolgenden Prädiktoren
berücksichtigen jeweils die Schätzung der Zustände des jeweils vorgeordneten Prädiktors.
Das Schätzergebnis des letzten Prädiktors 29 wird bei der Rückführung der
gemessenen Planheit Y zum Hauptplanheitsregler 20 berücksichtigt Die Ausgangssignale
der Walzkraftkompensatoren 21,22,23 und 24 sowie
der Einlaufprofil-Vorsteuerung 25 und des Haupt-Planheitsreglers
20 werden durch Anpassungsfaktoren, bzw. Steuerfunktionen 31,32,33,34,35
und 36 der nicht dargestellten Koordinationsebene angepaßt.
3 zeigt unter Verwendung gleicher Bezugszeichen
für gleiche Bauelemente ein Tandemwalzgerüst. Bei diesem Tandemwalzgerüst ist zwischen
dem ersten Walzgerüst 1 und dem zweiten Walzgerüst 2 eine weitere
Planheitsmessung 42 vorgesehen. Die Meßergebnisse dieser Planheitsmessung
42 werden einem Profil- und Planheitsprädiktor 40 sowie einem
Regler 41 zugeführt. Der Regler 41 weist neben dem IMC-Planheitsregler
für das letzte Walzgerüst 4 ferner einen weiteren IMC-Planheitsregler für
das erste Walzgerüst 1 auf. Dies ist im Signalflußbild gemäß
4 ebenfalls dargestellt. Dort ist ein zweiter Haupt-Planheitsregler
37 vorgesehen, dessen Ausgangsgröße die Stellgrößenänderung &Dgr;u1
des ersten Gerüst mit beeinflußt. Auch diese Ausgangsgröße ist mit einem Anpassungsfaktor,
bzw. einer Steuerfunktion 38 der Koordinationsebene versehen.