Gebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft die Herstellung von Aluminium durch Schmelzflusselektrolyse
nach dem Verfahren von Hall und Héroult und die Anlagen zur großtechnischen Durchführung
des Verfahrens. Sie betrifft insbesondere die Kontrolle der Wärmeflüsse in den Elektrolysezellen
und die Kühleinrichtungen, mit denen sich diese Kontrolle erzielen lässt.
Stand der Technik
Aluminiummetall wird großtechnisch durch Schmelzflusselektrolyse nach
dem gut bekannten Verfahren von Hall und Héroult hergestellt, d. h. durch Elektrolyse
von Tonerde, die in geschmolzenem Kryolith – dem Elektrolyten – gelöst
ist. Der schmelzflüssige Elektrolyt ist in einer Zelle enthalten, welche eine innen
mit Feuerfest- und/oder Isoliermaterial ausgekleidete Stahlwanne und eine am Boden
der Zelle gelegene Kathodenanordnung aufweist. Der Elektrolysestrom, der Werte von
mehr als 300 kA erreichen kann, bewirkt die Reduktionsreaktionen der Tonerde und
ermöglicht es gleichzeitig, den schmelzflüssigen Elektrolyten durch Stromwärme auf
einer Temperatur von etwa 950°C zu halten.
Die Elektrolysezelle wird gewöhnlich so gesteuert, dass sie sich in
thermischem Gleichgewicht befindet, d. h. dass die von der Elektrolysezelle abgeführte
Wärme insgesamt durch die in der Zelle erzeugte, im Wesentlichen vom Elektrolysestrom
gelieferte Wärme kompensiert wird. Der Gleichgewichtspunkt wird in der Regel so
gewählt, dass sowohl vom technischen als auch vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt
aus die günstigsten Betriebsbedingungen erzielt werden. Insbesondere stellt die
Möglichkeit, eine optimale Solltemperatur aufrechtzuerhalten, eine spürbare Kostenersparnis
bei der Aluminiumherstellung dar, da die Stromausbeute sehr hoch bleibt und in modernen
Aluminiumwerken mehr als 90% beträgt.
Die thermischen Gleichgewichtsverhältnisse hängen von den physikalischen
Parametern der Zelle ab, z. B. Dimensionen, Art der verwendeten Werkstoffe, sowie
von den Betriebsbedingungen der Zelle, z. B. elektrischer Widerstand der Zelle,
Badtemperatur, Stärke des Elektrolysestroms. Die Zelle wird häufig so gestaltet
und gefahren, dass sich an den Seitenwänden der Zelle ein Randansatz aus erstarrtem
Elektrolyt bildet, wodurch insbesondere verhindert wird, dass die Auskleidungen
dieser Wände durch die Kryolithschmelze angegriffen werden.
Aufgabenstellung
Bei der industriellen Herstellung von Aluminium durch Schmelzflusselektrolyse
ist man im Hinblick auf einen optimierten Betrieb der Aluminiumhütten ständig mit
der Notwendigkeit konfrontiert, über Industrieanlagen zu verfügen, die nicht nur
die Stabilisierung und Beibehaltung des Arbeitspunktes der Elektrolysezellen ermöglichen,
sondern auch willkürliche Änderungen der Betriebsbedingungen zulassen, die verglichen
mit den Nennbedingungen gewaltig sein können. Mit anderen Worten: es ist oft günstig,
den Arbeitspunkt der Elektrolysezellen einer Aluminiumhütte bei gleichzeitiger Beibehaltung
oder sogar Verbesserung der normalen technischen Zellenleistungen leicht kontrollieren
oder sogar modulieren zu können, ohne dabei jedoch die Produktionskosten zu erhöhen.
Ein solche Situation tritt beispielsweise dann auf, wenn die Leistung eines Elektrolysezellensystems
je nach Energievertrag geändert werden soll.
Zu diesem Zweck suchte die Anmelderin nach Methoden und Mitteln zur
Kontrolle der Wärmeflüsse und zur Stabilisierung der Wärmeverhältnisse in den Elektrolysezellen,
welche Methoden und Mittel bei sehr großer Effizienz und hoher Anpassungsfähigkeit
keinen großen Investitionsaufwand erfordern und keine hinderlichen zusätzlichen
Betriebskosten nach sich ziehen.
Es wurde bereits vorgeschlagen, die Zellen mit spezifischen Mitteln
auszurüsten, um die von den Elektrolysezellen produzierte Wärme kontrolliert abzuführen
und zu dissipieren. Insbesondere wird in den sowjetischen Erfinderscheinen SU 605
865 und SU 663 760 vorgeschlagen, die Zellen mit einem von außen gesteuerten Kühlsystem
auszustatten, welches dichte Hohlräume auf den Seiten und unterhalb der Zelle sowie
verstellbare Wärmeschilde und mit Stellklappen versehene Rohrleitungen aufweist.
Dabei wird mit einem Lüfter oder Kompressor Luft in die Leitungen getrieben. Diese
Vorrichtungen erfordern einen aufwendigen und voluminösen Unterbau.
Ferner wurde in der Patentanmeldung EP
0 047 227 vorgeschlagen, die Wärmeisolierung der Zelle zu verstärken und
sie mit Wärmerohren zu versehen, die mit Wärmetauschern ausgestattet sind. Die Wärmerohre
durchqueren Wanne und Wärmeisolierung und sind in den Kohlenstoffteilen, zum Beispiel
den Randplatten befestigt. Diese Lösung ist in ihrer Ausführung relativ kompliziert
und teuer und überdies mit relativ großen Veränderungen an der Zelle verbunden.
Um insbesondere die Bildung eines Randansatzes aus erstarrtem Elektrolyt
zu begünstigen, ist es weiters aus dem amerikanischen Patent US
4 087 345 bekannt, eine Wanne mit Aussteifungen und einem Verstärkungsrahmen
zu verwenden, um die Kühlung der Zellenwände durch natürliche Luftströmung zu fördern.
Bei einer solchen Vorrichtung müssen die Einrichtungen fest mit der Wanne verbunden
sein. Außerdem sind statische Vorrichtungen für eine präzise Kontrolle der Wärmeflüsse
nicht gut geeignet.
Um die Bildung des Randansatzes aus erstarrtem Elektrolyt zu kontrollieren
und einen Teil der an den Seiten der Zelle abgegangenen Wärme wiederzugewinnen,
wird im amerikanischen Patent US 4 608 135
vorgeschlagen, eine Zelle zu verwenden, die Kanäle zwischen den Randplatten und
der Innenisolierung der Zelle sowie Lufteintrittsöffnungen an den Seiten der Zelle
aufweist. Die Kanäle sind zum einen mit den Öffnungen und zum anderen mit dem Innenraum
der an der Zelle befestigten Lufterfassungsvorrichtung verbunden. Die Lufterfassungsvorrichtung
saugt die an den Seiten der Zelle entnommene Umgebungsluft über die Öffnungen an
und befördert sie in die Kanäle entlang der Randplatten, wodurch diese gekühlt werden.
Die Luftmenge wird über mit Klappen versehene Öffnungen kontrolliert, die auf den
Seiten der Lufterfassungsvorrichtung liegen und als Abzweigleitungen (engt. bypass)
dienen. Diese Vorrichtung erfordert große Änderungen an der Zelle und gestattet
es nicht, die Kontrolle unabhängig von der Kühlung vorzunehmen, da für die regelmäßigen
Eingriffe im Bereich der Zelle die Abdeckhauben der Lufterfassungsvorrichtung geöffnet
werden müssen, was die Wirkung der Klappen beeinträchtigt.
Da die Anmelderin das Fehlen zufriedenstellender bekannter Lösungen
feststellte, machte sie es sich zur Aufgabe, effiziente und adaptierbare Mittel
zur Abführung und Dissipation der von der Elektrolysezelle produzierten Wärme zu
finden, die sich leicht montieren lassen und keine großen Änderungen an der Zelle
und insbesondere an der Wanne und auch keinen großen Unterbau erfordern. Im Hinblick
auf einen Einsatz sowohl in existierenden Werken als auch in neuen Werken suchte
die Anmelderin insbesondere nach Mitteln, die es ermöglichen, die Leistung der Zellen
zu ändern, die sich leicht an unterschiedliche Zellentypen oder an unterschiedliche
Funktionsarten eines gleichen Zellentyps anpassen und die für Industrieanlagen mit
mehreren in Serie geschalteten Zellen geeignet sind.
Gegenstände der Erfindung
Erster Gegenstand der Erfindung ist eine Elektrolysezelle für die
Herstellung von Aluminium durch das Elektrolyseverfahren von Hall und Héroult, welche
Zelle Luftkühlmittel mit lokalisierten und verteilten Luftstrahlen aufweist.
Zweiter Gegenstand der Erfindung ist ein Werk zur Herstellung von
Aluminium durch das Elektrolyseverfahren von Hall und Héroult, welches Werk dadurch
gekennzeichnet ist, dass es erfindungsgemäße Zellen aufweist.
Beschreibung der Erfindung
Die erfindungsgemäße Elektrolysezelle für die Herstellung von Aluminium
durch das Elektrolyseverfahren von Hall und Héroult umfasst eine Stahlwanne, Innenauskleidungselemente
und eine Kathodenanordnung und ist dadurch gekennzeichnet, dass sie Luftkühlmittel
mit lokalisierten Luftstrahlen aufweist, die um die Wanne herum verteilt sind.
Erfindungsgemäß wird somit die Luft geblasen, d. h. es handelt sich
um ein offenes System, bei dem der Luftstrom verloren geht. Der auf die Oberfläche
bewegte Luftstrom verdünnt sich danach in der Umgebungsluft, so dass zur Kühlung
des Luftstroms, der sich beim Kontakt mit den Wänden erwärmt hat, keine Spezialmittel
zugeben werden brauchen.
Die so auf der Wanne auf einer relativ kleinen Fläche auftreffende
Luft in Form von lokalisierten Luftstrahlen, d. h. die Luftbewegung in Form von
weitgehend gerichteten und örtlich begrenzten Luftströmen sorgt für eine wirksame
Kühlung der Zellenwand an bestimmten Stellen. Dabei sind die Luftstrahlen um die
Wanne herum verteilt, damit die prioritären Kühlzonen auf der Wannenfläche festgelegt
werden, wobei diese Zonen vorteilhaft nach dem Wärmeprofil der Zelle bestimmt werden,
um insbesondere die globale Wirksamkeit der Kühlung zu erhöhen.
Die Luftkühlmittel sind insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass
sie Mittel zur Abgabe von Luft aufweisen, um die Wanne zu kühlen, d. h. um die von
der Zelle produzierte Wärme im Bereich der Wanne abzuführen und zu dissipieren,
wobei diese Mittel lokalisierte Luftstrahlen bilden, und dass sie Mittel aufweisen,
um die Luftstrahlen gemäß einer bestimmten Verteilung um die Wanne herum zu verteilen.
Die Erfindung ermöglicht somit die Kontrolle bzw. die Modulierung
der Elektrolysezellenleistung durch Zuweisung oder Zufügung effizienter und adaptierbarer
Kühleinrichtungen, die eventuell die Form einer festen oder variablen zusätzlichen
Kühlleistung zur Nominalleistung annehmen kann. Die Erfindung bietet somit die Möglichkeit,
die Leistung jeder Zelle individuell zu ändern.
Der Luftdurchsatz der erfindungsgemäßen Luftkühlmittel kann variabel
sein, um eine feinere Kontrolle der Kühlung, eventuell sogar eine Regelung der Kühlung
zu ermöglichen. Es ist ebenfalls von Vorteil, dass die erfindungsgemäßen Mittel
in die Regelungssysteme, mit denen moderne Elektrolysezellen ausgestattet sind,
integriert werden können. Sie können dann über das Regelungssystem der Zelle kontrolliert
oder sogar gesteuert werden, so dass sich der Wärmefluss effizienter und eventuell
automatisiert regulieren lässt.
Die Zelle kann zusätzliche Luftkühlmittel aufweisen, wie zum Beispiel
statische Luftkühlmittel.
Die Luftkühlmittel sind eventuell lösbar, d. h. sie können leicht
in die Zelle eingebracht oder aus der Zelle herausgenommen werden, in bestimmten
Fällen selbst dann, wenn die Zelle in Betrieb ist. So können die Mittel zum Beispiel
bei der Reparatur einer Zelle ganz oder zum Teil herausgenommen werden, was den
Zugang zur Wanne und den Wartungseingriff erleichtert.
Bei bestimmten Anwendungen kann es vorteilhaft sein, die erfindungsgemäßen
Luftkühlmittel in Form einer ganz oder teilweise autonomen Kühlvorrichtung
zu montieren. Eine solche Montage kann dann zu einer globaleren Gestaltung und einer
leichteren Bedienung führen. Der gesamte Luftdurchsatz kann dabei verstellbar sein.
Nach der bevorzugten Ausführungsart der Erfindung umfassen die Luftkühlmittel
Luftverteilungsmittel, um den Luftstrom um die Wanne herum zu verteilen, ein Luftfördermittel
zum Fördern der Luft in die Luftverteilungsmittel und Mittel zur lokalisierten Abgabe
von Luft, um die Luft lokalisiert in Form von Strahlen zu bewegen, wobei die Mittel
zur lokalisierten Abgabe von Luft an bestimmten Stellen der Wanne angeordnet sind.
Die Luftverteilungsmittel umfassen vorzugsweise Leitungssysteme wie Rohrleitungen.
Die Mittel zur lokalisierten Abgabe von Luft können Stutzen, Luftauswerfer, Luftstrahlpumpen,
Düsen oder Rohre sein. Sie sind vorteilhaft längs der Leitungssysteme verteilt.
Der Luftdurchsatz des Luftfördermittels kann verstellbar sein. Der Luftdurchsatz
eines oder mehrerer der Mittel zur lokalisierten Abgabe von Luft kann ebenfalls
individuell verstellbar sein.
Das Werk zur Herstellung von Aluminium durch das Elektrolyseverfahren
von Hall und Héroult gemäß dem zweiten Gegenstand der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass es Zellen gemäß dem ersten Gegenstand der Erfindung aufweist. Dabei können
die Zellen individuell mit den erfindungsgemäßen Luftkühlmitteln ausgestattet sein.
Die Zellen können individuell mit der erfindungsgemäßen Kühlvorrichtung
ausgestattet sein, die eventuell zentral kontrolliert werden kann.
In den Elektrolysewerken sind die Elektrolysezellen in der Regel gruppiert
oder in Reihen angeordnet. In diesen Fällen können die Zellen vorteilhaft mit den
erfindungsgemäßen Luftkühlmitteln ausgestattet werden, die jeweils ganz oder zum
Teil von zwei oder mehreren Zellen genutzt werden, d. h. dass zwei oder mehrere
Zellen eines der Luftkühlmittel gemeinsam nutzen. Insbesondere ist es in bestimmten
Fällen vorteilhaft, wenn ein Luftfördermittel von zwei oder mehreren Zellen genutzt
werden kann.
Beschreibung der Figuren
1 ist eine schematisierte Querschnittsdarstellung
einer Elektrolysezelle mit zu einer Kühlvorrichtung zusammenmontierten Luftkühlmitteln
nach einer bevorzugten Ausführungsart der Erfindung.
2 ist eine schematisierte Seitenansicht
einer Elektrolysezelle nach der erfindungsgemäßen Ausführungsart der 1.
3 ist eine schematisierte Aufsicht auf
eine Elektrolysezelle nach der erfindungsgemäßen Ausführungsart der 1.
4 zeigt nicht einschränkend Varianten
der Erfindung, bei denen die Leitungssysteme die Elektrolysezelle ganz (b) oder
zum Teil (a) umschließen.
Die 5 und 6
zeigen nicht einschränkend Varianten der Erfindung, bei denen ein gleiches Luftfördermittel
von mehr als einer Zelle genutzt wird.
Ausführliche Beschreibung der Erfindung
Die erfindungsgemäße Elektrolysezelle (1) für die Herstellung
von Aluminium durch das Elektrolyseverfahren von Hall und Héroult umfasst eine Wanne
(2) aus Stahl, Innenauskleidungselemente (3) und eine Kathodenanordnung
(4) sowie Luftkühlmittel mit lokalisierten Luftstrahlen, die um die Wanne
(2) herum verteilt sind.
Bei den Innenauskleidungselementen (3) handelt es sich gewöhnlich
um Blöcke aus feuerfestem Material, die Wärmeisolierungen sein können. Die Kathodenanordnung
(4) weist Stromschienen (9) auf, an denen die elektrischen Leiter
für die Stromzuführung befestigt sind. Die Auskleidungselemente und die Kathodenanordnung
bilden einen Tiegel innerhalb der Zelle, der bei der Beschickung der Zelle den schmelzflüssigen
Elektrolyten (7) und die Flüssigmetallschicht (6) aufnimmt. Die
Anoden (11) ragen teilweise in den schmelzflüssigen Elektrolyten (7)
hinein. Der schmelzflüssige Elektrolyt enthält gelöstes Aluminiumoxid und auf der
flüssigen Elektrolytschicht liegt normalerweise eine Aluminiumoxidschicht (8).
Das im Zuge der Elektrolyse erzeugte Aluminiummetall (6)
sammelt sich am Boden der Zelle an, so dass zwischen dem flüssigen Metall (6)
und dem Kryolithbad (7) eine relativ scharfe Grenzfläche entsteht. Die
Lage dieser Grenzfläche Bad-Metall ändert sich im Laufe der Zeit: sie steigt auf,
je mehr Schmelze sich am Boden der Zelle ansammelt, und sinkt ab, wenn die Schmelze
aus der Zelle abgezogen wird.
Der Betrieb der Zelle erfolgt generell über die Kontrolle mehrerer
Parameter, wie zum Beispiel die Oxidkonzentration des Elektrolyten, die Temperatur
im Elektrolysebad, die Gesamthöhe des Bades oder die Position der Anoden. In der
Regel wird versucht, an den Seitenwänden (12) des Tiegels, die mit dem
schmelzflüssigen Elektrolyten (7) und der Flüssigmetallschicht (6)
in Kontakt stehen, einen Randansatz (5) aus erstarrtem Kryolith zu bilden.
Diese Wände bestehen oft aus Randplatten aus Kohlenstoffmaterial oder Material auf
Basis von Kohlenstoffverbindungen, wie zum Beispiel Feuerfestmaterial auf Basis
von SiC, und Tiegelglasurpasten. Um die Effizienz der erfindungsgemäßen Kühlvorrichtung
zu erhöhen, können die Seitenwände vorgeformte, vorzugsweise homogene Blöcke oder
Seiten aus einem Werkstoff mit hoher Wärmeleitfähigkeit aufweisen, welche Wärmeleitfähigkeit
wenigstens höher ist als die der Tiegelglasurpaste und besonders bevorzugt wenigstens
der der normalerweise verwendeten Randplatten entspricht, zum Beispiel einem Werkstoff
auf SiC-Basis.
Vorzugsweise besitzt die Zelle zusätzlich eine Abgaserfassungsvorrichtung
zur Erfassung und Wiederverwertung der vom Elektrolyten während der Elektrolyse
abgegebenen Abgase. Die Abgaserfassungsvorrichtung weist auf der gesamten Zelle
eine Abdeckung (10) auf mit in der Regel sich öffnenden Hauben und Zugängen.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsart der Erfindung umfassen die
Luftkühlmittel Luftleitungsmittel (28), wie zum Beispiel Luftleitungen
(21–24), ein Luftfördermittel (25) zum Fördern
von Luft in die Luftleitungsmittel sowie Mittel zur lokalisierten Abgabe von Luft
(27), um die Luft in Form von lokalisierten Strahlen abzugeben. Diese Mittel
bilden vorzugsweise eine Kühlvorrichtung (20).
Die Luftleitungsmittel (28) können durch verschiedene Maßnahmen
in Position gehalten werden. Insbesondere können sie an den Struktur- oder Verstärkungselementen,
zum Beispiel den Aussteifungen der Zelle befestigt sein, die zu diesem Zweck entsprechend
modifiziert oder adaptiert werden können. Die Luftleitungsmittel (28) können
auch an der Wanne angebaut sein oder diese anliegend berühren oder auch am oberen
Wannenrand befestigt sein.
Der Luftdurchsatz der Vorrichtung (20) kann vorteilhaft einstellbar
sein, beispielsweise mit Hilfe von Ventilen oder durch eine Veränderung der Förderleistung
des Luftfördermittels (25). Auch der Luftdurchsatz eines oder mehrerer
der Mittel zur lokalisierten Luftabgabe kann – eventuell individuell –
eingestellt werden, gegebenenfalls mit der Möglichkeit, den Luftstrom bestimmter
Mittel ganz abzustellen. In bestimmten Fällen kann die Luft umgewälzt werden.
Die Luftkühlmittel bzw. die Kühlvorrichtung nach der Erfindung sind
eventuell ganz oder zum Teil abnehmbar. Insbesondere die Rohrleitungen können leicht
ausgebaut und transportiert werden, hauptsächlich aufgrund ihrer Ausführung als
Rohrabschnitte und geeigneter Verbindungsmittel.
Die in die Luftleitungsmittel geförderte Luft wird an bestimmten Stellen
mit Mitteln zur lokalisierten Luftabgabe (27), die vorteilhaft längs der
Luftleitungsmittel verteilt sind, auf die Wände der Wanne geblasen. Die Mittel zur
lokalisierten Luftabgabe brauchen nicht gleichmäßig auf der Wannenfläche verteilt
zu sein; es kann mitunter ratsam sein, sie in bestimmten spezifischen Bereichen
zu konzentrieren.
Durch die Mittel zur lokalisierten Luftabgabe (27) kann der
Luftstrom zu präzisen Stellen der Wanne geleitet werden, beispielsweise in Höhe
der flüssigen Elektrolytschicht (7). Dabei ist es vorteilhaft, wenn eines
oder mehrere dieser Mittel (27) verstellbar sind. Die Mittel zur lokalisierten
Luftabgabe (27) stoßen die Luft mit einer Geschwindigkeit aus, der sog.
Ausströmgeschwindigkeit, die bevorzugt zwischen 10 und 100 m/s und besonders bevorzugt
zwischen 20 und 70 m/s liegt.
Die Zahl, die Position und die Dimensionen der Mittel zur lokalisierten
Luftabgabe (27), die Leistung des Luftfördermittels (25) sowie
die Ausgestaltung und die Dimensionen der Luftleitungsmittel (21 bis
24) werden so gewählt, dass der Luftdurchsatz für eine effiziente Kühlung
ausreicht und eine bestimmte Kühlleistung im Bereich ausgewählter Stellen gewährleistet
wird, insbesondere unter Berücksichtigung der Aeraulik der Anlage.
Das Luftfördermittel (25) kann ein Lüfter sein, der Umgebungsluft
ausstößt, oder ein Druckluftgebläse, z. B. eine Gebläsepumpe, oder ein druckentlastetes
Druckluftsystem oder ein Überdruckluftsystem.
Wegen der elektrischen Sicherheit ist es zuweilen ratsam, das Luftfördermittel
(25) vom Rest der Vorrichtung mit Hilfe eines elektrischen Isolationsmittels
(26), das ein Rohrabschnitt aus elektrischem Isolationsmaterial sein kann,
elektrisch zu isolieren.
Die Rohrleitungen (21–24) können aus metallischen,
vorzugsweise nicht magnetischen Werkstoffen (wie nicht magnetischer, nicht rostender
Stahl oder Aluminium) oder aus Isolierstoffen (wie Glasfaser) bestehen oder auch
aus einer Kombination daraus (zum Beispiel ein Metallrohr mit einem Mantelrohr).
Die Kühlvorrichtung (20) kann eventuell über das Hauptregelungssystem
der Zelle gesteuert werden, um eine effizientere zentrale Gesamtregelung zu gewährleisten.
Die Zelle kann auch mit zusätzlichen Mitteln zur Kühlung versehen
werden, insbesondere mit statischen Mitteln wie Kühlrippen oder dergleichen. Um
die globale Effizienz der Mittel (oder der Vorrichtung) zu erhöhen, ist es vorteilhaft,
in bestimmten Fällen und/oder an bestimmten Stellen der Zelle die Wirkung der Kühlvorrichtung
mit der Wirkung der zusätzlichen Mittel zu kombinieren.
Nach einer beispielsweise in den 1 bis
3 dargestellten Variante der Erfindung bilden
die Luftleitungsmittel Zweige, d. h. sie sind so aufgebaut, dass sich eine Hauptleitung
(21) in horizontale Zweige unter der Zelle (22), vertikale Zweige
auf den Seiten und dem Oberteil der Zelle (23) und horizontale Zweige auf
den Seiten und dem Oberteil der Zelle (24) verzweigt. Diese Ausgestaltung
gewährleistet ein zufriedenstellendes Luftgleichgewicht im Leitungssystem und erleichtert
die Montage der Kühlvorrichtung. Dabei können insbesondere die vertikalen Zweige
zwischen den Kathodenschienen (9) angeordnet sein.
Nach einer beispielsweise in 4 dargestellten
Variante der Erfindung umgeben oder umschließen die Luftleitungsmittel (28)
die Wanne (2) der Elektrolysezelle ganz oder zum Teil.
Nach in 5 und 6
dargestellten Varianten der Erfindung ist ein einziges Luftfördermittel (25)
für mehr als eine Zelle vorgesehen, genauer gesagt für zwei oder mehrere Zellen
eines Werkes. Dabei verteilt das Luftfördermittel (25) den Luftstrom über
ein Leitungssystem (29), welches eine gemeinsame Hauptleitung (30)
und eine Verbindungsstelle (31) für jede Zelle aufweist. Die Verbindungsstellen
sind eventuell mit Ventilen versehen, um jede Zelle einzeln abzusperren, und mit
Entlüftungen, um die Verteilung der Luftströme wieder auszugleichen.
Diese Ventile und Entlüftungen sind insbesondere bei Arbeiten an einer besonderen
Zelle bzw. an bestimmten Zellen des Zellensystems günstig, da sie es ermöglichen,
die betreffende Zelle bzw. die betreffenden Zellen abzusperren und gleichzeitig
ausreichende Luftmengen für die anderen an das Leitungssystem angeschlossenen Zellen
aufrechtzuerhalten.
In einem Werk werden die Luftkühlmittel vorteilhaft mit einem gemeinsamen
Regelungssystem für mehrere Zellen kontrolliert oder gesteuert. Dabei kann typischerweise
jede Zelle, die eigene Luftkühlmittel besitzt, bzw. jede Gruppe von Zellen mit Luftkühlmitteln,
von denen Teile gemeinsam genutzt werden (insbesondere das Fördermittel), mit einer
sog. Hauptregelung gesteuert werden, und sämtliche Zellen bzw. Gruppen von Zellen
einer besonderen Elektrolysehalle des Werkes können global mit einer sog. Zusatzregelung
gesteuert werden.
Beispiel
An 300 kA-Elektrolysezellen wurden mit einer erfindungsgemäßen Kühlvorrichtung
mit folgenden spezifischen Merkmalen Versuche durchgeführt.
Mit Bezug auf 1 bis 3
verläuft eine Hauptleitung (21) in Längsrichtung unter der Wanne (2)
bis etwa zur Mitte der Zelle und teilt sich dort in drei quer zueinander angeordnete
Zweige (22a, 22b, 22c) geringeren Querschnitts als die
Hauptleitung. Dabei verläuft ein Längszweig (22a) unter der Wanne bis zu
deren anderen Ende, bildet dort einen vertikalen Zweig (23a), der am Zellenoberteil
entlang bis ungefähr in Höhe der Randplatte nach oben läuft und sich dann in zwei
horizontale Abzweige (24a, 24a') teilt, die bis zu den Seitenrändern
der Zelle reichen. Die beiden anderen Zweige (22b, 22c), die Querzweige,
erstrecken sich bis zu den Seiten der Wanne, bilden dort vertikale Zweige (23b,
23c), die längs der Wanne bis ungefähr in Höhe der Randplatte nach oben
laufen und sich dann auf jeder Seite der Zelle in zwei horizontale Abzweige (24b,
24b', 24c, 24c') teilen, die bis zum Oberteil der Zelle
reichen. Dabei ist ein vertikaler Zweig (23c), entsprechend dem Zweig (23a),
direkt mit der Hauptleitung verbunden und teilt sich ebenfalls in zwei horizontale
Abzweige (24c, 24c').
An den Abzweigen entlang wurden Düsen (27) gleichmäßig angeordnet,
je nach Versuch 5 bis 8 Düsen an jedem Zellenoberteil und 15 bis 20 Düsen an jeder
Zellenwand. Die Düsen wurden approximativ auf den in den meisten Versuchen theoretischen
Bad-Metall-Spiegel gerichtet. In einigen Versuchen wurden bestimmte Düsen auf Strukturverstärkungselemente
der Wanne gerichtet, die somit als Kühlrippen dienten. Die Rohrleitungen und die
Düsen waren aus Stahl, zum Teil aus nicht rostendem Stahl.
Das Luftfördermittel (25) war in einigen Versuchen ein mechanischer
Lüfter und in anderen Versuchen eine Luftstrahlpumpe. Die Kühlvorrichtungen waren
mit Mitteln zur Änderung des Luftdurchsatzes versehen.
Die Versuche zeigten, dass bei Luftausströmgeschwindigkeiten am Austritt
der Düsen von etwa 10 m/s bis etwa 100 m/s die Kühlvorrichtung effizient bleibt.
Bei Geschwindigkeiten unter 10 m/s nahm die Wirksamkeit der Vorrichtung stark ab,
ihre Wirkung wurde schließlich unbedeutend. Geschwindigkeiten über 100 m/s führten
zu sehr großen Druckverlusten, die Fördermittel erfordert hätten, deren Leistung
und/oder Kosten ein Hindernis darstellen. Die besten Ergebnisse wurden mit Ausströmgeschwindigkeiten
zwischen 20 und 70 m/s erzielt.
Temperaturmessungen mit Hilfe von Thermoelementen und Pyrometern zeigten,
dass durch die Kühlvorrichtung die mittlere Temperatur in Höhe der Seitenwände um
50 bis 100°C herabgesetzt werden konnte. Die Regelung der Kühlung gelang auf
einfache Weise durch Änderung des Luftdurchsatzes.
Die Anmelderin stellte somit überraschenderweise fest, dass sich mit
der erfindungsgemäßen Luftkühlung zufriedenstellende Kühlraten erzielen lassen,
und zwar ohne Einsatz von Fördermitteln und Gebläsen oder Rohrleitungen, die übertrieben
groß oder disproportioniert sind und/oder zu hohe oder sogar hinderliche Investitionen
und/oder Betriebskosten erfordern.
Weiterhin zeigten diese Versuche, dass sich die auf den Wänden der
Zelle auftreffende und dabei erwärmende Luft relativ schnell in der Umgebungsluft
verdünnt und die Temperatur der Umgebungsluft nicht signifikant erhöht. Mit anderen
Worten: die Versuche zeigten keine Umgebungstemperaturwerte auf, die von den Werten,
die üblicherweise in der Nähe der Zellen älterer Technik beobachtet werden, in signifikanter
Weise abweichen, selbst wenn die Umgebungstemperatur im Sommer extreme Werte erreicht.
Des Weiteren wurde überraschenderweise festgestellt, dass der Geräuschpegel
der Vorrichtung besonders niedrig ist.
Vorteile der Erfindung
Erfindungsgemäß ermöglichen die Luftkühlmittel die Abführung und Dissipation
der in der Elektrolysezelle produzierten Wärmeenergie durch eine optimale Kontrolle
bestimmter Wärmeflüsse, welche Kontrolle an unterschiedliche Klimabedingungen und/oder
Betriebsbedingungen der Zelle, die von den Nenn- oder Standardbedingungen in signifikanter
Weise abweichen können, angepasst werden kann. Die Luftkühlmittel ermöglichen zudem
eine präzise Kontrolle der Bildung des Randansatzes aus erstarrtem Kryolith.
Die erfindungsgemäßen Luftkühlmittel, bzw. die Kühlvorrichtung, lassen
sich ohne weiteres an alle Zellenarten und an unterschiedliche Umgebungen anpassen.
Sie lassen sich leicht auf existierende Zellen montieren, insbesondere
bei deren Überholung, beim Einbau einer Wärmeregelung und/oder bei Änderung der
Nennstromstärke. Die Erfindung erleichtert ganz besonders die Veränderung der Zellenleistung,
wobei zum Beispiel technische, wirtschaftliche und/oder vertragliche Zwänge berücksichtigt
werden können. Insbesondere ermöglicht die Erfindung eine Erhöhung der Nennstromstärke
existierender Zellen, ohne dass dies eine vorzeitige Abnutzung der Zellen zur Folge
hat.
In einem erfindungsgemäßen Elektrolysewerk lässt sich dadurch, dass
die Luftkühlmittel bzw. die Kühlvorrichtung sowie deren Betriebsbedingungen von
einer Zelle auf die andere angepasst werden können, der Betrieb mehrerer Zellen
auf einmal oder sogar eines kompletten Zellensystems optimieren, so dass vor allem
der Arbeitspunkt der Zellen gleichgeschaltet werden kann. Insbesondere ermöglicht
die Erfindung eine individualisierte Wärmekontrolle der Zellen eines Werkes, was
sich bei Werken mit hoher Produktivität oftmals als notwendig erweist. Dies ist
zum Beispiel bei den Übergangsphasen der Fall, die dann auftreten, wenn bestimmte
Zellen einer gleichen Serie neue Ausmauerungen oder Ausmauerungen haben, die vom
Rest der Serie abweichen.
Die Erfindung ermöglicht auch die Modernisierung existierender Werke
ohne Eingriffe in den Bereich des Unterbaus, die für solche Maßnahmen hinderlich
wären.
Durch die Erfindung kann außerdem die Standzeit einer Altzelle verlängert
werden, deren Wanne anormal heiße Punkte aufweist.