Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung von Koksofenrohgas
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Das bei der Verkokung von Steinkohle entstehende braungelbe Gemisch
aus Gasen und Dämpfen, das sogenannte Koksofenrohgas, beinhaltet einen nicht unerheblichen
Feststoffanteil, der während der Füllvorgänge deutlich ansteigt. Das Koksofenrohgas
wird zunächst in einer direkten Rohgaskühlung mit sogenanntem Vorlagenberieselungswasser
in der Vorlage gekühlt. Dabei wird das Koksofenrohgas auf eine Temperatur von ca.
80°C gekühlt und gleichzeitig ein Teil des mitgeführten Feststoffanteils aus dem
Koksofenrohgas ausgewaschen und in der flüssigen Phase gemeinsam mit Teer und Kondensat
abgeschieden.
Der restliche Feststoffanteil, der in Form von Aerosolen an feinste
Teer- und Wassertropfen gebunden ist, gelangt mit dem Koksofenrohgas in die sogenannten
Vorkühler. Dort wird das Koksofenrohgas in einer indirekten Kühlung von ca. 80°C
auf ca. 20°C gekühlt. Bei dieser Abkühlung sublimiert ein Großteil des in
dem Koksofenrohgas enthaltenen Naphthalins. Gleichzeitig werden teerige, feststoffhaltige
Inhaltsstoffe des Koksofenrohgases auf den Kühlrohren der Vorkühler abgeschieden.
In Verbindung mit dem sublimierten Naphthalin besteht die Gefahr, dass es zu Verstopfungen
des Vorkühlers kommt. Durch eine permanente Berieselung mit einer Teer-Wasser-Emulsion
(ca. 30 % Teer und ca. 70 % Wasser) im oberen und mittleren Teil der Vorkühler sollen
die Feststoff- und Naphthalinablagerungen auf den Kühlrohren abgelöst werden. Da
diese Teer-Wasser-Emulsion bereits nahezu mit Naphthalin gesättigt ist und außerdem
Feststoffe beinhaltet, führt diese permanente Vorkühlerberieselung zu keiner wesentlichen
Verfiigbarkeitserhöhung bei der Koksofenrohgaskühlung. Aus diesem Grunde ist es
üblich, dass die Vorkühler im ständigen Rhythmus, teilweise täglich, mittels Dampf
gereinigt werden müssen. Da die Vorkühler während des Reinigungsvorganges nicht
zur Rohgaskühlung zur Verfügung stehen, müssen zusätzliche Vorkühlerkapazitäten
ständig betriebsbereit sein.
Um die geforderten Grenzwerte für den Schwefelwasserstoff- und den
Ammoniakgehalt im gereinigten Koksofengas nach der Gaswäsche zu erreichen, ist die
konstante Einhaltung von niedrigen Vorkühleraustrittstemperaturen erforderlich.
Es muss eine zuverlässige Vorkühlung des Koksofenrohgases kontinuierlich gewährleistet
sein.
Aus der EP 0 221 061 ist es bekannt, dass das Koksofenrohgas nach
Kühlung in der Vorlage zunächst durch einen Elektrofilter und anschließend
in die Vorkühler geführt wird. Durch das Elektrofilter werden zwar ein Großteil
der Feststoffe in dem Koksofenrohgas abgeschieden, die Gefahr von Naphthalinablagerungen
auf den Kühlrohren der Vorkühler wird jedoch nicht beseitigt. Auch bei dieser Verfahrensweise
muss eine Berieselung mit einem Teer-Wasser-Gemisch zur Ablösung der Ablagerungen
vorgenommen werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Verstopfung der Vorkühler
durch Feststoff- und Naphthalinablagerungen zu vermeiden und somit eine hohe Verfügbarkeit
der Vorkühler zu gewährleisten.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
Weiterbildungen erfolgen gemäß den Merkmalen der Unteransprüche.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird in dem Elektrofilter
durch elektrostatische Abscheidung der aerosolförmig vorliegenden Bestandteile des
Koksofenrohgases der Feststoffgehalt des Koksofenrohgases bei einer Temperatur von
ca. 80°C um 99,9 % reduziert. Bei der Temperatur von ca. 80°C verbleibt das in dem
Koksofenrohgas vorhandene Naphthalin in der Gasphase und passiert somit das Elektrofilter.
Das bedeutet, dass die im Elektrofilter anfallende Flüssigphase aus einem besonders
naphthalinarmen Teer besteht. Erfindungsgemäß wird diese naphthalinarme Flüssigphase
zur Spülung der Kühlerrohre in den Vorkühlem verwendet. Die Flüssigphase enthält
wenig Wasser, da das Elektrofilter isotherm betrieben wird.
Der Wasseranteil der Flüssigphase kann gemäß einer Weiterbildung
der Erfindung in einem Teerscheider abgeschieden werden.
Die Flüssigphase enthält die in dem Elektrofilter abgeschiedenen Feststoffe.
Da der Großteil der Feststoffe des Koksofenrohgases bei der direkten Rohgaskühlung
in der Vorlage abgeschieden wird, ist die Flüssigphase trotz des Feststoffgehaltes
für die Spülung in den Vorkühlern geeignet.
Gemäß einer Weiterbildung kann die Flüssigphase in einer Teerzentrifuge
von den Feststoffen befreit werden. Bei dieser Verfahrensweise ist sichergestellt,
dass keine Feststoffe durch die Flüssigphase in die Vorkühler gelangen.
Wie bereits dargestellt, sublimiert das Naphthalin des Koksofenrohgases
bei der Abkühlung von ca. 80°C auf ca. 20°C und lagert sich auf den Kühlrohren der
Vorkühler ab. Es gelingt nun, ein Verstopfen der Vorkühler dadurch zu verhindern,
dass diese kontinuierlich mit dem zuvor aus dem Ablauf des Elektrofilters gewonnenen
naphthalinarmen Teer gespült werden.
Damit das Koksofengas in dem Elektrofilter nicht abgekühlt wird und
es somit zu unerwünschten Kondensationen kommt, wird gemäß einer Weiterbildung
der Erfindung das Elektrofilter derart isoliert, dass das Filter isotherm arbeitet.
Das Spülen mit dem naphthalinarmen Teer kann grundsätzlich mit allen
dafür geeigneten Düsen, vorzugsweise im oberen Bereich des Vorkühlers, durchgeführt
werden. Da der Teer naphthalin- und feststoffarm ist, ist die Aufgabe des Teers
in den Vorkühler an nur einer Stelle für den Spülerfolg ausreichend.
Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung sollte das
Spülen in drei Ebenen, oben, in der Mitte und im unteren Drittel der Vorkühler erfolgen.
Dadurch.ist auf jeden Fall sichergestellt, dass Ablagerungen an den Kühlerrohren
nicht entstehen.
Bevorzugt ist das Spülen in den Vorkühlern mit einer an sich bekannten
Prallringdüse (DE-PS 197 48 693). Die Prallringdüsen sorgen für eine optimale Verteilung
des feststoff- und naphthalinfreien Teeres auf den Rohren der Vorkühler. Die am
Fuß der Vorkühler ablaufenden teerigen und wässrigen Kondensate werden wie
üblich wieder zur Rohgasvorlage gefördert, wo sie gemeinsam mit der bei der direkten
Rohgaskühlung anfallenden flüssigen Phase verarbeitet werden.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann ein kontinuierlicher
Vorkühlerbetrieb aufrechterhalten werden, da Ablagerungen an den Kühlerrohren nicht
entstehen und die Reinigungsvorgänge nicht mehr erforderlich sind. Es werden außerdem
die bei den sonst erforderlichen Reinigungsprozessen (Reinigung mit Dampf) auftretenden
Emissionen vermieden. Durch die Spülung mit dem naphthalinarmen Teer wird die Verfügbarkeit
der Vorkühlung deutlich erhöht. Die Investitionskosten reduzieren sich, da weniger
Vorkühler vorgesehen werden müssen. Da die Reinigungsvorgänge wegfallen können,
reduzieren sich ebenfalls die Personalkosten.
Durch den kontinuierlichen Vorkühlerbetrieb ist die Einhaltung von
konstanten niedrigen Koksofenrohgastemperaturen am Vorkühleraustritt gewährleistet.
Es verbessert sich die Koksofengasqualität, da die Schwefelwasserstoff-, Ammoniak-
und Benzolauswaschung bei konstant niedriger Temperatur effektiver vorgenommen werden
kann. Bei der Benzolgewinnung treten keine Korrosionen durch die Vermeidung von
Schwefelwasserstoff- und ammoniakhaltigen Kondensaten mehr auf. Die Rückführung
der Teer-Wasser-Emulsion, die gemäß dem Stand der Technik zur Vorkühlerspülung
verwendet wird, entfällt.
Die vorgenannten, sowie die beanspruchten und im Ausführungsbeispiel
beschriebenen, erfindungsgemäß zu verwendenden Verfahrensschritte unterliegen
hinsichtlich ihrer Verfahrensbedingungen keinen besonderen Ausnahmebedingungen,
so dass die in dem jeweiligen Anwendungsgebiet bekannten Auswahlkriterien im Rahmen
der Ansprüche uneingeschränkt Anwendung finden können.
Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile des Gegenstandes der Erfindung
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der zugehörigen Zeichnung, in der
beispielhaft eine bevorzugte Ausführungsform eines Verfahrens zur Kühlung von Koksofenrohgas
dargestellt ist. In der Zeichnung zeigt
- Figur 1
- ein Verfahrensschema des Verfahrens zur Spülung der Vorkühler mit dem naphthalinarmen
Teer.
In der Figur 1 ist die Behandlung des Koksofenrohgases schematisch
dargestellt. Das aus den Koksöfen 1 kommende Koksofenrohgas wird in einer Vorlage
2 mit Hilfe von Berieselungswasser 16 direkt auf ca. 80°C gekühlt und in einen Elektrofilter
3 geleitet. Von dem thermisch isolierten Elektrofilter 3 wird das Koksofenrohgas
in Vorkühler 4 geführt. Von den Vorkühlem 4 wird das Koksofenrohgas in eine Koksofengasreinigung
5 gefördert, bevor es zu einem Verbraucher 6 gelangt.
Der Flüssigablauf des Elektrofilters 3 wird über eine Leitung 10 in
einen Teerscheider 7 geführt. Das Kohlewasser wird über eine Leitung 14 einer nicht
dargestellten Kohlewasserbehandlung zugeführt. Der in dem Teerscheider 7 entwässerte
naphthalinarme Teer wird über eine Leitung 11 einer Teerzentrifuge 8 zugeführt.
In der Teerzentrifuge 8 werden die Feststoffe abgeschieden. Die Feststoffe werden
über eine Leitung 13 der Einsatzkohle zugegeben. Der naphthalinarme Teer wird aus
der Teerzentrifuge 8 über eine Leitung 12 in den Vorkühler 4 geleitet. Dort wird
der naphthalinarme Teer zur Spülung der Kühlrohre der Vorkühler 4 verwendet. Die
in den Vorkühlem 4 anfallenden teerigen und wässrigen Kondensate werden wie üblich
über eine Leitung 15 zu der Vorlage 2 gefördert.
Bezugszeichenliste
- 1
- Koksofen
- 2
- Vorlage
- 3
- Elektrofilter
- 4
- Vorkühler
- 5
- Koksofengasreinigung
- 6
- Verbraucher
- 7
- Teerscheider
- 8
- Teerzentrifuge
- 10
- Leitung
- 11
- Leitung
- 12
- Leitung
- 13
- Leitung
- 14
- Leitung
- 15
- Leitung
- 16
- Berieselungswasser