Die Erfindung betrifft einen mikrofluidischen Schalter zum Anhalten
eines Flüssigkeitsstroms während eines Zeitintervalls in einem ersten Kanal. Der
Flüssigkeitsstrom soll dabei am Ende des ersten Kanals von einem Anhaltemittel für
das definierte Zeitintervall angehalten werden. Nach dem Ablauf des Zeitintervalls
soll der Flüssigkeitsstrom fortgesetzt werden. Der erste Kanal des mikrofluidischen
Schalters, wie auch andere Kanäle, kann dabei eine Aufweitung wie zum Beispiel ein
Hohlraum und/oder eine Kammer sein. Es kann sich bei einem solchen Kanal um eine
Nut in einer Oberfläche handeln, die vorzugsweise mit einem Deckel verschlossen
ist. Ebenso ist es möglich, dass der Kanal als Röhrchen ausgebildet ist. Ein Kanal
im Sinne der Erfindung kann im Grunde jede Struktur sein, welche geeignet ist eine
Flüssigkeit oder ein Gas bei einem Transport in eine bestimmte Richtung zu leiten.
Ein mikrofluidischer Schalter der eingangs genannten Art kann beispielsweise
in mikrofluidischen Anordnungen eingesetzt werden, wie unter anderem aus den Druckschriften
WO 99/46045 und US 6,296,126 B1 bekannt ist.
Für verschiedene nasschemische, biochemische und diagnostische Analysen
ist es notwendig, dass eine Probenflüssigkeit während eines definierten Zeitintervalls
mit Reagenzien zum Beispiel in einer Reaktionskammer einer mikrofluidischen Anordnung
vermischt wird, wobei während dieses Zeitintervalls dann die Probenflüssigkeit mit
den Reagenzien zu einem Produkt umgesetzt wird. Dieses Produkt wird anschließend
der Reaktionskammer entnommen, um analysiert zu werden. Die Anhaltemittel bei bekannten
mikrofluidischen Anordnungen sind in der Regel als mechanische Ventile ausgeführt,
welche von außen angesteuert werden müssen. Derartige Ventile werden benutzt,
um einzelne Reaktionskammern oder auch Analysekammern fluidisch voneinander zu trennen.
Über eine externe Zeitsteuerung, beispielsweise über einen Computer, lassen sich
die entsprechenden Inkubationszeiten, d. h. die Zeitintervalle des Verweilens der
Proben beziehungsweise Produkte in den Reaktionskammern und/oder Analysekammern
einstellen.
Diese mikrofluidischen Schalter mit Mikroventilen haben die Eigenschaft,
dass sie mechanisch bewegliche Teile aufweisen, die beispielsweise elektrisch entsprechend
angesteuert werden. Dieses führt zu einem hohen Geräteaufwand. Zusätzlich ist auch
eine Integration derartiger Mikroventile in die mikrofluidischen Schalter aufwendig,
insbesondere dann wenn der mikrofluidische Schalter in Kunststoff realisiert ist.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen mikrofluidischen Schalter
vorzuschlagen, welche es erlaubt, den Flüssigkeitsstrom am Ende eines ersten Kanals
für ein vorbestimmtes Zeitintervall anzuhalten, ohne dass dazu elektrisch ansteuerbare
Mikroventile notwendig sind, um den Flüssigkeitsstrom wieder in Gang zu setzen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem mikrofluidischen
Schalter mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Weiterentwicklungen dieses erfindungsgemäßen
mikrofluidischen Schalters werden anhand der Unteransprüche definiert. Ein erfindungsgemäßer
mikrofluidischer Schalter weist zum Anhalten eines Flüssigkeitsstroms während eines
Zeitintervalls neben dem zumindest einen ersten Kanal auch zumindest einen zweiten
Kanal auf. Der erste Kanal und der zweite Kanal haben dabei einen gemeinsamen Endbereich
und der erste Kanal weist im Endbereich das Mittel zum Anhalten (Anhaltemittel)
eines in dem ersten Kanal fließenden Flüssigkeitsstrom auf. Dieses Anhaltemittel
ist dabei mittels eines in dem zweiten Kanal fließenden Flüssigkeitsstromes
zum Fortsetzen des Flüssigkeitsstroms in dem ersten Kanal steuerbar. Der in dem
zweiten Kanal fließende Flüssigkeitsstrom veranlasst also das Anhaltemittel
dazu, die Blockade des in dem ersten Kanal fließenden Flüssigkeitsstroms zu
überwinden. Der mikrofluidische Schalter wird somit - in Analogie zu einem elektrischen
Schalter - geschlossen und leitend.
Die Anhaltemittel bei einer erfindungsgemäßen mikrofluidischen
Anordnung sind vorteilhaft Kapillarstopps, wie sie beispielsweise aus der Druckschrift
von Hosokawa et. al. "Hydrophobic Microcapillary vent for pneumatic manipulation
of liquid in µTAS" Proc. "Micro Total Analysis Systems '98", pp. 307 - 310, Banff,
Canada bekannt sind. Kapillarstopps können zum Beispiel durch sich sprunghaft ändernde
geometrische Eigenschaften oder Eigenschaften der Oberflächen der Wandungen des
ersten Kanal zum Endbereich erzeugt werden.
Ein erfindungsgemäßer mikrofluidischer Schalter kann einen gemeinsamen
Anfangsbereich für den ersten Kanal und den zweiten Kanal aufweisen. Dieser gemeinsame
Anfangsbereich kann in der Transportrichtung der ersten Flüssigkeit vor oder hinter
einer Kammer oder einem Hohlraum angeordnet sein. Dem gemeinsamen Anfangsbereich
kann dann ein Einlasskanal vorgeschaltet sein. Es ist somit möglich, den ersten
Kanal und den zweiten Kanal mit der gleichen über den Einlasskanal eingebrachten
Flüssigkeit zu speisen. Es ist aber ebenso möglich das der erste und der zweite
Kanal über den gemeinsamen Endbereich hinaus keine Verbindung aufweisen.
Gemäß der Erfindung kann der erste Kanal kürzer als der zweite
Kanal sein. Ebenso ist es möglich, dass der erste Kanal eine größere Kapillarkraft
aufweist als der zweite Kanal. Als Maß für die Kapillarkraft kann die sich
auf folgende Weise berechnete Druckdifferenz genommen werden:
ΔP = -2γ cos &thetas; (1/w + 1/h - 1/W -1/H),
wobei γ und &thetas; die Oberflächenspannung der Flüssigkeit beziehungsweise
den Randwinkel zwischen der Flüssigkeit und der Kanalwandung und W und H geometrische
Größen des Kanals vor und w und h geometrische Größen des Kanal hinter
der Stelle des Kanals bezeichnen.
Der erste Kanal kann ein kleineres Volumen aufweisen als der zweite Kanal. Außerdem
kann der zweite Kanal Mittel zur Verzögerung (Verzögerungsmittel) eines Flüssigkeitsstroms
aufweisen. Die vorgenannten Maßnahmen können dazu dienen, den Flüssigkeitsstrom
in dem zweiten Kanal so zu verzögern, dass die in dem zweiten Kanal fließende
Flüssigkeit erst zu einem späteren Zeitpunkt den gemeinsamen Endbereich erreicht
als die in dem ersten Kanal fließende Flüssigkeit. Darüber kann das Zeitintervall
eingestellt werden, für welches die in dem ersten Kanal fließende Flüssigkeit
von dem Anhaltemittel aufgehalten wird.
Bei den in dem zweiten Kanal eingebrachten Verzögerungsmitteln kann
es sich um Drosseln handeln.
Dem gemeinsamen Endbereich des ersten und des zweiten Kanal kann ein
Auslasskanal nachgeschaltet sein. Dieser Auslasskanal kann sich dabei in zumindest
zwei Zweige aufteilen. Über diese beiden Zweige ist es dann möglich, die in dem
zweiten Kanal fließende Flüssigkeit hinter dem gemeinsamen Endbereich im Wesentlichen
wieder von der aus dem ersten Kanal in den gemeinsamen Endbereich einfließenden
Flüssigkeit zu trennen. Vorzugsweise ist dann der gemeinsame Endbereich so ausgestaltet,
dass sich die Flüssigkeiten des ersten Kanal und des zweiten Kanal bei einem leitenden
Schalter laminar aneinanderlegen.
Gemäß der Erfindung können der erste Kanal, der zweite Kanal,
der Einlasskanal und/oder der Auslasskanal Abschnitte mit einer oder mehreren Kammern
und/oder Hohlräumen aufweisen und so als Kanalsystem ausgebildet sein. Bei diesen
Hohlräumen beziehungsweise Kammern kann es sich beispielsweise um Reaktionskammern
handeln, wozu dann in den Hohlräumen beziehungsweise Kammern vorteilhaft Reagenzien
angeordnet sind.
Gemäß der Erfindung können der erste und/oder zweite Kanal und/oder
Einlass- und/oder Auslasskanal mäanderförmige Abschnitte aufweisen.
Neben dem Transport der Flüssigkeiten in den Kanälen durch Kapillarkräfte
können die Flüssigkeiten auch durch Druckunterschiede (Überdruck oder Unterdruck
am jeweiligen Kanalende) an dem Anfang und Ende eines Kanals transportiert werden,
die durch Druckerzeugungsmittel hervorgerufen werden. Damit die Funktion der Anhaltemittel
erhalten bleibt, müssen die Druckerzeugungsmittel so ausgelegt oder zumindest eingestellt
sein, dass der von den Druckerzeugungsmitteln erzeugte Druck allein nicht ausreicht,
um die Flüssigkeit aus dem ersten Kanal über die Anhaltemittel zu transportieren.
Außerdem kommen als Kräfte, welche den Transport der Flüssigkeiten in den
Kanälen des Schalter ermöglichen, elektroosmotische, elektrophoretische oder elektrostatische
Kräfte in Frage.
Der erfindungsgemäße Schalter kann Teil eines Trägers, insbesondere
eines Probenträgers sein.
Erfindungsgemäße mikrofluidische Anordnungen sind anhand der
Zeichnung näher erläutert. Darin zeigt
- Fig. 1 a bis 8d
- ein erstes bis siebtes Ausführungsbeispiel für einen erfindungsgemäßen
mikrofluidischen Schalter,
- Fig. 9a bis 9c
- eine Einzelheit eines erfindungsgemäßen Schalters,
- Fig. 10a bis 10d
- eine Einzelheit eines alternativen erfindungsgemäßen Schalters und
- Fig. 11
- eine Einzelheit eines weiteren alternativen erfindungsgemäßen Schalters.
Die in den Fig. 1a bis 8d dargestellten Ausführungsbeispiele von erfindungsgemäßen
mikrofluidischen Schaltern weisen alle zumindest einen ersten Kanal 3 und zumindest
einen zweiten Kanal 4 auf, welche einen gemeinsamen Endbereich 6 haben. An diesen
gemeinsamen Endbereich 6 schließt sich ein Auslasskanal 7 an.
Ein gemeinsamer Endbereich 6 und die sich daran anschließenden
Kanäle 3, 4, 7 und ist in den Fig. 9a bis 9c beispielhaft vergrößert und ausschnittsweise
dargestellt. Anhand dieser Figuren soll zunächst das der Erfindung zugrundeliegende
Prinzip erläutert werden.
Wie bereits ausgeführt münden in den Endbereich 6 sowohl der erste
Kanal 3 und der zweite Kanal 4, während der Auslasskanal 7 in dem Endbereich 6 beginnt.
In dem Endbereich 6 ist an den ersten Kanal 3 anschließend ein Kapillarstopp
20 vorgesehen. Der Kapillarstopp 20 ist dabei durch eine sprunghafte Änderung der
geometrischen Eigenschaften hergestellt. Ein derartiger Kapillarstopp 20 bildet
ein Hindernis für eine aus dem ersten Kanalsystem 3 einströmende Flüssigkeit. Diese
tritt zwar an den Kapillarstopp 20 heran, um jedoch über den Kapillarstopp 20 in
den übrigen Endbereich 6 eintreten zu können, muss die Flüssigkeit einen Druckunterschied
Δp überwinden. Dieser Druckunterschied Δp kann über die folgende mathematische
Formel beschrieben werden.
Δp = -2γcos⊖(1/w + 1/h - 1/W - 1/H),
wobei
- w
- die Breite des den Kapillarstopp 20 bildenden Kanals,
- h
- die Höhe des den Kapillarstopp 20 bildenden Kanals,
- W
- die Breite des übrigen Endbereichs 6 im Anschluss an den Kapillarstopp 20 und
- H
- die Höhe des übrigen Endbereichs 6 im Anschluss an den Kapillarstopp 20 ist.
Über ⊖ und γ gehen Materialfaktoren, nämlich der Randwinkel
und die Oberflächenspannung, in die Berechnung ein. (siehe auch Hoskoma et. al.
aaO). In Abhängigkeit von dem Benetzungsverhalten der Flüssigkeit können dabei die
sich sprunghaft ändernden geometrischen Eigenschaften durch eine Änderung von einem
großen auf einen kleinen Querschnitt erfolgen oder umgekehrt.
Der an dem Kapillarstopp 20 zu überwindende Druckunterschied Δp
kann aufgrund der Transportkräfte, welche die Strömung der Flüssigkeit in dem ersten
Kanal 3 bewirken, nicht zur Verfügung gestellt werden. Der Kapillarstopp 20 stellt
daher aufgrund des Druckunterschieds Δp, welchen es zu überwinden gilt, ein
Hindernis für eine in dem ersten Kanal 3 einströmende Flüssigkeit dar. Der Kapillarstopp
20 kann dadurch überwunden werden, dass der Kapillarstopp 20 von dem übrigen gemeinsamen
Endbereich 6 aus mit einer Flüssigkeit benetzt wird. Durch diese Flüssigkeit wird
die Oberflächenspannung der an dem Kapillarstopp anstehenden Flüssigkeit herabgesetzt
und die in dem Kapillarstopp 20 aufgestaute Flüssigkeit kann austreten. Bei der
vorliegenden Erfindung wird eine zweite Flüssigkeit gewählt, welche von außen
an den Kapillarstopp 20 in den übrigen gemeinsamen Endbereich herangeführt wird.
Diese Flüssigkeit tritt in Kontakt mit der in dem Kapillarstopp aufgestauten Flüssigkeit,
wodurch die Strömung der ersten Flüssigkeit wieder einsetzt. Bei den in den Figuren
1a bis 8d dargestellten Ausführungsbeispielen wird also die Wirkung des Kapillarstopps
20 mittels einer über den zweiten Kanal 4 herangeführte Flüssigkeit aufgehoben.
Der zweite Kanal 4 hat, wie in Fig. 9c dargestellt, eine gleiche Tiefe
wie der gemeinsame Endbereich 6 und der sich daran anschließende Auslasskanal
7. Dadurch wird eine Unterbrechung des Flüssigkeitstransports aus dem zweiten Kanal
4 in den gemeinsamen Endbereich 6 verhindert. Hat der zweite Kanal 4 vor seinem
Ende eine Höhe, die kleiner ist als die Höhe des gemeinsamen Endbereichs 6, kann
die Höhe des Endbereichs 6 am Ende des zweiten Kanals 4 durch konstruktive Maßnahmen
erreicht werden. Dazu gehören zum Beispiel Rampen, Treppen oder Kerben, welche den
Boden des zweiten Kanals 4 auf das Niveau des Bodens des Endbereichs 6 bringen.
Derartige Kerben sind zum Beispiel in der Patentschrift US 6,296,126 B1 beschrieben.
Dadurch kann die Unterbrechung der Strömung im zweiten Kanal 4 beim Übergang in
den gemeinsamen Endbereich 6 verhindert werden.
Der gemeinsame Endbereich 6 weist dagegen zu dem ersten Kanal hin
einen Absatz auf (Fig. 9b, 9c). Der gemeinsame Endbereich hat dadurch eine größere
Tiefe als der erste Kanal 3. Durch diese sprunghafte Änderung der Geometrie wird
der Kapillarstopp gebildet.
Die in den Fig. 10a bis 10d dargestellte Einzelheit eines alternativen
erfindungsgemäßen Schalters weist im Unterschied zu dem in Fig. 9a bis 9c
dargestellten Schalters einen Kapillarstopp 20 auf, welcher sich als gegenüber ersten
Kanal 3 verjüngter Kanal an den ersten Kanal 3 anschließt. Das Ende des verjüngten
Kanals am Übergang zum gemeinsamen Endbereich 6 ist ein Kapillarstopp. Ein weiterer
Unterschied besteht in einer sackartigen Einkerbung im Übergangsbereich zwischen
dem zweiten Kanal 4 und dem Endbereich 6. Im übrigen entspricht der Schalter dem
in den Fig. 9a bis 9c dargestellten Schalter.
In Fig. 10a ist dargestellt wie ein Flüssigkeitsstrom über den ersten
Kanal 3 in den Kapillarstopp 20 eingedrungen ist und dort an der Grenze des Kapillarstopps
20 zu dem übrigen Endbereich 6 aufgrund der Oberflächenspannung, wie bereits beschrieben,
zum Stehen kommt. Über den in den Endbereich 6 beispielsweise rechtwinklig oder
geneigt zum ersten Kanal 3 einmündende zweite Kanal 4 wird ein Flüssigkeitsstrom
aufgrund von Transportkräften zum Beispiel Kapillarkräften zu dem Endbereich 6 transportiert.
Sobald diese in dem zweiten Kanal 4 transportierte Flüssigkeit den aufgeweiteten
Bereich des Endbereichs 6 erreicht hat, fließt die Flüssigkeit aufgrund der
Kapillarkräfte in den Endbereich 6, in welchen der Kapillarstopp 20 einmündet (Fig.
10b). Sobald die Flüssigkeit die Austrittsöffnung des Kapillarstopps 20 erreicht
hat (Fig. 10c), wird die Austrittsöffnung von außen benetzt und die Wirkung
des Kapillarstopps 20 wird aufgehoben. Die Flüssigkeitsfront der aus dem zweiten
Kanal 4 austretenden Flüssigkeit berührt dabei den Flüssigkeitsmeniskus im Mündungsbereich
des Kapillarstopps 20. Die Flüssigkeit aus dem zweiten Kanal 4 und dem Kapillarstopp
20 treten in Kontakt und die Oberflächenspannung, welche am Ausgang des Kapillarstopps
20 hätte überwunden werden müssen, ist dadurch herabgesetzt. Daher kann dann die
über den ersten Kanal 3 herangeführte Flüssigkeit, wie auch die über den zweiten
Kanal 4 herangeführte Flüssigkeit, den Endbereich 6 vollständig befüllen und von
dort aus über den Auslasskanal 7 weitergeführt werden.
Das durch den Kapillarstopp 20 gebildete Anhaltemittel ist also über
den in dem zweiten Kanal 4 herangeführten Flüssigkeitsstrom derart steuerbar, dass
der durch das Anhaltemittel (Kapillarstopp 20) unterbrochene Flüssigkeitsstrom im
ersten Kanal 3 fortgesetzt werden kann. Durch konstruktive Maßnahmen kann
bei einem erfindungsgemäßen mikrofluidischen Schalter erreicht werden, dass
zunächst der Flüssigkeitsstrom den ersten Kanal 3 vollständig befüllt hat, bevor
der Flüssigkeitsstrom in dem zweiten Kanal 4 zeitverzögert die Unterbrechung des
Flüssigkeitsstroms im ersten Kanal 3 aufhebt.
Die in der Fig. 11 dargestellte Einzelheit eines weiteren alternativen
erfindungsgemäßen Schalters weist im Unterschied zu den in den Fig. 9a bis
9c beziehungsweise in den Fig. 10a bis 10d dargestellten Schaltern einen Kapillarstopp
20 auf, welcher durch einen Wechsel der Oberflächeneigenschaften der Wandungen im
Bereich des gemeinsamen Endbereichs 6 gegenüber dem angrenzenden ersten Kanal 3
ausgebildet ist. Während die Oberfläche der Wandung des ersten Kanals 3 hydrophile
Eigenschaften hat, ist die Oberfläche der Wandung im gemeinsamen Endbereich mit
hydrophoben Eigenschaften ausgestattet. Durch den sprunghaften Wechsel der Oberflächeneigenschaften
beim Übergang von dem ersten Kanal 3 zum gemeinsamen Endbereich 6 wird der Kapillarstopp
20 ausgebildet, an welchem eine über den ersten Kanal 3 herangeführte Flüssigkeitsfront
anhält, da die Transportkräfte nicht ausreichen, um den Kapillarstopp 20 zu überwinden.
Das so durch den Kapillarstopp 20 gebildete Unterbrechungsmittel kann dann auf die
bekannte Art und Weise über eine in dem zweiten Kanal 4 herangeführte
Flüssigkeit so angesteuert werden, dass der Flüssigkeitstransport
der Flüssigkeit im ersten Kanal 3 fortgesetzt wird.
Anhand der nun folgenden Darstellung werden die verschiedenen erfindungsgemäßen
mikrofluidischen Schalter näher beschrieben, wobei auf die Unterschiede zwischen
den verschiedenen Ausführungsformen näher eingegangen wird. Die einzelnen Kanäle
2, 3, 4, 7 der Schalter weisen überwiegend Hohlräume auf und sind so als Kanalsysteme
ausgebildet und im Folgenden auch als solche bezeichnet.
Im Weiteren wird auf die Fig. 1a bis 1b Bezug genommen. Das in den
Fig. 1a bis 1 b dargestellte erste Ausführungsbeispiel 1 weist ein Einlasskanalsystem
2 auf. Dieses Einlasskanalsystem 2 mündet in einen Anfangsbereich 5, in welchem
das ersten Kanalsystem 3 und das zweite Kanalsystem 4 beginnen. Das erste Kanalsystem
3 weist im Anschluss an den Anfangsbereich 5 einen ersten Abschnitt 3a in Form eines
Kanals auf. An diesen ersten Abschnitt 3a schließt sich ein zweiter Abschnitt
3b an. Dieser zweite Abschnitt 3b ist als Hohlraum ausgeführt und wobei in diesen
Hohlraum Chemikalien zum Beispiel Reagenzien eingebracht sein können. Der zweite
Abschnitt 3b kann somit eine Reaktionskammer in der mikrofluidischen Anordnung gemäß
dem ersten Ausführungsbeispiel 1 bilden. Der zweite Abschnitt 3b des ersten Ausführungsbeispiels
1 ist über einen dritten Abschnitt 3c, der ebenfalls wie der erste Abschnitt als
Kanal ausgebildet ist, mit dem Endbereich 6 und dort insbesondere mit dem Kapillarstopp
20 verbunden.
Im Anschluss an den Anfangsbereich 5 weist das zweite Kanalsystem
4 einen ersten Abschnitt 4a auf, der als Kanal ausgebildet ist. An diesen ersten
Abschnitt schließt sich ein zweiter Abschnitt 4b an, welcher als Hohlraum
ausgebildet ist und an welchen sich dann ein dritter Abschnitt 4c anschließt,
welcher in den Endbereich 6 mündet.
Anhand der Fig. 1b bis 1d ist das Funktionieren des erfindungsgemäßen
Schalters gemäß dem ersten Ausführungsbeispiel 1 dargestellt. Der erfindungsgemäße
mikrofluidische Schalter wird dabei über das Einlasskanalsystem 2 befüllt. Die in
das Einlasskanalsystem 2 eintretende Flüssigkeit wird dazu aufgrund der Kapillarkräfte
in dem Einlasskanalsystem 2 zum Anfangsbereich 5 transportiert. Von dort aus teilt
sich der Flüssigkeitsstrom, wobei sich das Kanalsystem 3 schneller mit Flüssigkeit
befüllt als das Kanalsystem 4. Es befüllt sich im ersten Kanalsystem 3 mit einem
Teil der Flüssigkeit nacheinander der erste Abschnitt 3a, der als Reaktionskammer
ausgebildete zweite Abschnitt 3b und der dritte Abschnitt 3c. Von dem dritten Abschnitt
3c des ersten Kanalsystems 3 aus wird dann auch der Kapillarstopp 20 befüllt, bis
der Flüssigkeitsmeniskus am Ende des Kapillarstopps 20 zum Stehen kommt.
Der andere Teil der Flüssigkeit wird in das zweite Kanalsystem 4 transportiert
(Fig. 1 b, Fig. 1c). Zunächst wird dabei der erste Abschnitt 4a und dann der den
zweiten Abschnitt 4b bildende Hohlraum befüllt. Anschließend tritt die Flüssigkeit
aufgrund der wirkenden Kapillarkräfte in den dritten Abschnitt 4c des zweiten Kanalsystems
4 ein und gelangt zeitlich verzögert in den Endbereich 6. In diesem Endbereich 6
wird dann auf die beschriebene Art und Weise der Kapillarstopp 20 aufgehoben. Während
der bis zum Aufheben des Kapillarstopps 20 durch die aus dem zweiten Kanalsystem
4 austretenden Flüssigkeit vergangenen Zeit haben die in der Reaktionskammer des
zweiten Abschnitts 3b des ersten Kanalsystems eingebrachten Reagenzien mit der in
diesen zweiten Abschnitt 3b eingeströmten Flüssigkeit reagiert. Durch das Aufheben
des Kapillarstopps 20 kann nun die Flüssigkeit aufgrund der wirkenden Kapillarkräfte
aus der Reaktionskammer heraustransportiert werden und über den Auslasskanal 7 aus
der mirkrofluidischen Anordnung entnommen werden.
Nachfolgend wird weiter auf die Fig. 2a bis 2d Bezug genommen anhand
derer das zweite Ausführungsbeispiel 11 erläutert wird. Wie das erste Ausführungsbeispiel
1 weist auch das zweite Ausführungsbeispiel 11 ein Einlasskanalsystem 2 auf. Das
Einlasskanalsystem 2 besteht dabei aus einem ersten Abschnitt 2a, welcher als Kanal
ausgeführt ist. An diesen ersten Abschnitt 2a schließt sich ein zweiter Abschnitt
2b an. Dieser zweite Abschnitt 2b wird durch einen Hohlraum gebildet. Über einen
dritten Abschnitt 2c des Einlasskanalsystems ist der zweite Abschnitt 2b mit einem
Anfangsbereich 5 verbunden, in dem das erste Kanalsystem 3 und das zweite Kanalsystem
4 beginnen. Sowohl das erste Kanalsystem 3 als auch das zweite Kanalsystem 4 werden
bei dem zweiten Ausführungsbeispiel 11 durch einfache Kanäle gebildet. Durch entsprechende
Ausgestaltung der Kanäle des ersten Kanalsystems 3 und des zweiten Kanalsystems
4 wird erreicht, dass ein Flüssigkeitstransport in dem ersten Kanalsystem 3 wesentlich
schneller erfolgt als in dem zweiten Kanalsystem 4. Die beiden Kanalsysteme 3, 4
münden in einem gemeinsamen Endbereich, wobei sich die in den beiden Kanalsystemen
3, 4 transportierten Flüssigkeiten ersten hinter dem in dem Endbereich 6 angeordneten
Kapillarstopp 20 vereinigen können.
Das zweite Ausführungsbeispiel 11 eines mikrofluidischen Schalters
wird über den ersten Abschnitt 2a des Einlasskanalsystems befüllt. Die eintretende
Flüssigkeit wird aufgrund der wirkenden Kapillarkräfte in den zweiten Abschnitt
2b des Einlasskanalsystems befördert. Die Flüssigkeit wird über den dritten Abschnitt
2c des Einlasskanalsystems 2 zum gemeinsamen Anfangspunkt 5 des ersten Kanalsystems
3 und des zweiten Kanalsystems 4 transportiert. Ein erster Teil der Flüssigkeit
wird von dem Anfangspunkt 5 in das erste Kanalsystem 3 transportiert und dringt
von dort aus aufgrund der wirkenden Kapillarkräfte in den Kapillarstopp 20 ein.
Am Ende des Kapillarstopps 20 zum übrigen Endpunkt 6 hin bleibt die Flüssigkeit
stehen. Ein zweiter Teil der Flüssigkeit der am Anfangspunkt 5 angelangten Flüssigkeit
wird durch den Kanal des zweiten Kanalsystems 4 zum Endbereich 6 transportiert (Fig.
2b, 2c). Sobald die in dem zweiten Kanalsystem 4 transportierte Flüssigkeit den
Endbereich 6 erreicht hat, wird der Kapillarstopp 20 auf die beschriebene Art und
Weise aufgehoben. Die Flüssigkeit kann dann über das erste Kanalsystem 3, das zweite
Kanalsystem 4 und das Auslasskanalsystem 7 abgeführt werden. Hierbei wird der Transport
der Flüssigkeit mittels der wirkenden Kapillarkräfte erreicht.
Das dritte Ausführungsbeispiel 12 eines erfindungsgemäßen mikrofluidischen
Schalters wird nun anhand der Fig. 3a bis 3c erläutert. Das in den Fig. 3a bis 3c
dargestellte dritte Ausführungsbeispiel 12 unterscheidet sich von dem in den Fig.
1 a bis 1e dargestellten ersten Ausführungsbeispiel im Wesentlichen dadurch, dass
das zweite Kanalsystem 4 nicht in verschiedene Abschnitte unterteilt ist. Vielmehr
erstreckt sich das zweite Kanalsystem 4 als ein Kanal vom Anfangsbereich 5 zum Endbereich
6. Der Querschnitt dieses Kanals ist dabei deutlich geringer ausgeführt als der
Querschnitt des ersten Kanalsystems 3 in den Abschnitten 3a und 3c. Dieses hat den
Vorteil, dass das Volumen der für die Ansteuerung des Unterbrechungsmittels (Kapillarstopp
20) notwendigen in dem zweiten Kanalsystem 4 transportierten Flüssigkeit deutlich
geringer ist. Die über das Einlasskanalsystem 2 einströmende Flüssigkeit wird also
fast vollständig in das erste Kanalsystem 3 und somit auch in die Reaktionskammer,
die durch den zweiten Abschnitt 3b gebildet wird, transportiert. Dieser in das erste
Kanalsystem 3 transportierte weitaus größere Anteil der in die mikrofluidische
Anordnung 12 einströmende Flüssigkeitsmenge kann somit in das Produkt umgesetzt
werden ohne dass dieses Produkt anschließend im Endbereich 6 durch die über
das zweite Kanalsystem 4 einströmende Flüssigkeitsmenge verdünnt wird.
Im Folgenden wird auf die Fig. 4a Bezug genommen. In dieser Figur
ist eine erfindungsgemäße mikrofluidische Anordnung 13a dargestellt. Die mikrofluidische
Anordnung 13a entspricht einer Kombination von drei mikrofluidischen Schaltern gemäß
dem dritten Ausführungsbeispiel 12, wobei die mikrofluidischen Schalter gemäß
dem dritten Ausführungsbeispiel 12 parallel zueinander angeordnet sind und über
einen gemeinsamen Zuleitungskanal 8 mit Flüssigkeit versorgt werden. Von diesem
gemeinsamen Zuleitungskanal 8 zweigen die Einlasskanalsysteme 2 der drei parallel
geschalteten mikrofluidischen Schalter gemäß dem dritten Ausführungsbeispiel
12 ab. Die gesamte mikrofluidische Anordnung 13a wird somit durch die Schalter gemäß
dem dritten Ausführungsbeispiel 12 und der Zuleitungskanäle 8 gebildet. Im übrigen
funktioniert jeder der Schalter des Ausführungsbeispiels 13a wie ein einzelner mikrofluidischer
Schalter gemäß dem dritten Ausführungsbeispiel 12.
Die in der Fig. 4b dargestellte mikrofluidische Anordnung 13b weist
drei mikrofluidische Schalter gemäß dem dritten Ausführungsbeispiel 12 auf.
Die mikrofluidischen Schalter sind dabei seriell hintereinander geschaltet, d. h.
in der Transportrichtung der Flüssigkeiten schließt sich an das Auslasskanalsystem
7 eines ersten Schalters das Einlasskanalsystem 2 eines zweiten Schalters an und
an den Auslasskanal 7 des zweiten Schalters schließt sich der Einlasskanal
2 eines dritten Schalters an. Die einzelnen Schalter entsprechen dabei den Schaltern
gemäß dem dritten Ausführungsbeispiel 12, wie er in den Fig. 3a bis 3c dargestellt
ist. Lediglich der dritte Schalter der mikrofluidischen Anordnung gemäß Fig.
4b ist im Bereich des zweiten Kanalsystems 4 anders ausgebildet. Das zweite Kanalsystem
4 weist drei in Transportrichtung der Flüssigkeit hintereinanderliegende Abschnitte
auf. Der erste Abschnitt 4a und der dritte Abschnitt 4c sind dabei als einfache
Kanäle ausgebildet, während der mittlere und zweite Abschnitt 4b mäanderförmig ausgebildet
ist. Durch das Mäandrieren des zweiten Abschnitts 4b wird das zweite Kanalsystem
des dritten Schalters gegenüber den zweiten Kanalsystemen des ersten und zweiten
Schalters verlängert. Dadurch ist das Zeitintervall, welches beim dritten Schalter
vergeht, bis die Flüssigkeit aus dem zweiten Kanalsystem 4 den gemeinsamen Endbereich
6 erreicht, größer als bei dem ersten und bei dem zweiten Schalter der mikrofluidischen
Anordnung 13b. Im übrigen funktionieren die einzelnen Schalter der mikrofluidischen
Anordnung 13b wie die einzelnen Schalter gemäß dem dritten Ausführungsbeispiel
12.
Das vierte Ausführungsbeispiel 14 eines erfindungsgemäßen mikrofluidischen
Schalters ist anhand der Fig. 5a bis 5h dargestellt. Dabei zeigen die Fig. 5f, 5g
und 5h Einzelheiten der Fig. 5a, 5c beziehungsweise 5e.
Im Unterschied zu den bisher beschriebenen Ausführungsbeispielen ist
bei dem vierten Ausführungsbeispiel 14 das zweite Kanalsystem 4 in einem spitzen
Winkel zu dem ersten Kanalsystem 3 auf den gemeinsamen Endbereich 6 geführt. Ein
weiterer Unterschied liegt darin, dass das Auslasskanalsystem 7 sich beabstandet
vom gemeinsamen Endbereich in einen ersten Zweig 7a und einen zweiten Zweig 7b aufteilt.
Dabei hat der erste Zweig 7a eine Querschnittsfläche, die im Wesentlichen der Querschnittsfläche
des ersten Kanalsystems 3 entspricht. Der zweite Zweig hat dagegen eine Querschnittsfläche,
welche im Wesentlichen der Querschnittsfläche des zweiten Kanalsystems 4 entspricht.
Der diesem vierten Ausführungsbeispiel eine erfindungsgemäße
mikrofluidischen Anordnung zugrundeliegende Gedanke ist, dass die über das erste
Kanalsystem 3 beziehungsweise das zweite Kanalsystem 4 herangeführten Flüssigkeiten
sich unmittelbar an den gemeinsamen Endbereich 6 anschließenden Bereich des
Auslasskanalsystems 7 ohne sich nennenswert zu vermischen "aneinanderlegen" und
dann laminar zu dem Verzweigungspunkt des ersten Zweigs 7a und des zweiten Zweigs
7b strömen, wo dann die über das erste Kanalsystem 3 herangeführte Flüssigkeit in
den ersten Zweig 7a und die über das zweite Kanalsystem 4 hereinströmende Flüssigkeit
über den zweiten Zweig 7b abgeführt wird. Die Eigenschaft laminarer Strömungen von
verschiedenen Flüssigkeiten ist beispielsweise bereits in der Druckschrift DE 195
36 858 C2 beschrieben.
Strömt nun ein Produkt aus einer Reaktionskammer in das erste Kanalsystem
3 und von dort aus in den Kapillarstopp 20 ein, bleibt dieses Produkt aufgrund des
Kapillarstopps 20 im gemeinsamen Endbereich 6 stehen. Zeitverzögert zu dem Einströmen
des Produktes in das erste Kapillarsystem 3 beziehungsweise dem Kapillarstopp 20
fließt dann (Fig. 5c) eine zweite Flüssigkeit über das zweite Kanalsystem
4 heran, um dann in den gemeinsamen Endbereich 6 einzutreten (Fig. 5d). Dabei benetzt
die aus dem zweiten Kanalsystem 4 einströmende Flüssigkeit die Austrittsöffnung
des Kapillarstopps 20 und hebt die Funktion des Kapillarstopps 20 auf. Das Produkt,
welches in dem Kapillarstopp 20 und dem ersten Kanalsystems 3 aufgestaut ist, wird
nun aufgrund der wirkenden Kapillarkräfte in den Endbereich beziehungsweise in das
Auslasskanalsystem 7 transportiert. Gleichzeitig erfolgt auch ein weiterer Transport
der Flüssigkeit aus dem zweiten Kanalsystem 4. Die beiden Flüssigkeiten, welche
annähernd parallel in den gemeinsamen Endbereich einströmen legen sich aufgrund
fehlender Turbulenzen laminar aneinander und werden über das Auslasskanalsystem
7 nebeneinanderliegend transportiert, bis an dem Verzweigungspunkt das Produkt im
Wesentlichen über den ersten Zweig 7a und die aus dem zweiten Kanalsystem 4 eingeströmte
Flüssigkeit im Wesentlichen in dem zweiten Zweig 7b abgeführt wird.
Bei dem vierten Ausführungsbeispiel 14 ist eine bevorzugte Ausführung,
wenn das Volumen des zweiten Kanalsystems 4 dem Volumen des Kanals 7b angeglichen
ist, um so die Flüssigkeit, welche über das zweite Kanalsystem 4 einströmt im Auslasskanalsystem
7 vollständig von dem Produkt zu entfernen.
Im Folgenden wird auf Fig. 6a bis 6d Bezug genommen. In dem in der
Fig. 6a bis 6d dargestellten fünften Ausführungsbeispiel 15 wird die Flüssigkeit,
welche über das zweite Kanalsystem 4 einströmt nicht zuvor von der Ausgangsflüssigkeit
des Produkts abgezweigt, wie dies in dem ersten, dem zweiten und dem dritten Ausführungsbeispiel
der Fall ist. Vielmehr ist beim sechsten Ausführungsbeispiel 15 das zweite Kanalsystem
4 ein separates Kanalsystem, welches unmittelbar im gemeinsamen Endbereich 6 hinter
dem Kapillarstopp 20 mündet. Eine derartige mikrofluidische Anordnung ist beispielsweise
dazu geeignet, über das zweite Kanalsystem 4 einen Stoff für eine weitere biochemische
Reaktion heranzuführen (Reagenzlösung), die nach dem Aufheben des Kapillarstopps
20 zusammen mit dem Produkt, welches über das erste Kanalsystem 3 und dem Kapillarstopp
20 einströmt, zu weiteren Reaktions-, Analysekammern oder ähnlichem geführt werden
kann. Ebenso kann aber auch eine das Produkt nicht beeinflussende inerte Flüssigkeit
in dem zweiten Kanalsystem 4 zum Steuern des Kapillarstopps 20 transportiert werden.
Im Folgenden wird auf die Fig. 7a bis 7d Bezug genommen. Für eine
große Zahl an chemischen und biochemischen Analysen ist es erforderlich, dass
das Produkt mit einer weiteren Flüssigkeit versetzt wird, um weitere Reaktionen
zur Erzeugung eines neuen Produkts hervorzurufen. Ebenso ist es möglich, dass das
Produkt für eine weitere Analyse verdünnt werden muss. Für solche Vorgehensweisen
ist eine mikrofluidische Anordnung gemäß dem sechsten Ausführungsbeispiel
16 geeignet. Bei diesem Ausführungsbeispiel 16 wird nämlich die über das zweite
Kanalsystem 4 einströmende Flüssigkeit zum Schalten zweier weiterer Kanalsysteme
genutzt. In den gemeinsamen Endbereich 6 mündet nämlich neben dem ersten Kanalsystem
3 und dem zweiten Kanalsystem 4 ein drittes Kanalsystem 17, 18. Dieses Kanalsystem
weist einen Hohlraum 17 und einen von dem Hohlraum 17 zu dem gemeinsamen Endbereich
6 führenden Kanal 18 auf. In den Hohlräumen 17 kann von außen über eine nicht
dargestellte Öffnung eine zweite Flüssigkeit eingefüllt werden. Diese Flüssigkeit
wird aufgrund der wirkenden Kapillarkräfte über den Kanal 18 zum gemeinsamen Endbereich
6 transportiert. Die Mündung des Kanals 18 in den gemeinsamen Endbereich ist dabei,
wie auch die Mündung des ersten Kanalsystems 3 in den gemeinsamen Endbereich 6 als
Kapillarstopp 20 ausgeführt.
Wird nun zeitverzögert zu dem Flüssigkeitstransport in dem ersten
Kanalsystem 3 und dem dritten Kanalsystem 17, 18 über das zweite Kanalsystem 4 eine
Flüssigkeit herangeführt, wird neben dem Kapillarstopp 20 am Ende des ersten Kanalsystems
3 auch der Kapillarstopp 20 am Ende dritten Kanalsystems 17, 18 von außen
mit der aus dem zweiten Kanalsystem 4 einströmenden Flüssigkeit benetzt. Die beiden
Kapillarstopps werden aufgehoben und in dem gemeinsamen Endbereich 6 und daran anschließend
in dem Auslasskanalsystem 7 werden die verschiedenen Flüssigkeiten, über dem Auslasskanalsystem
7 in eine weitere Reaktionskammer oder in eine Analysekammer 19 übertragen. Da das
zweite Kanalsystem 4 die gleiche Tiefe hat, wie der gemeinsame Endbereich 6 beziehungsweise
das Auslasskanalsystem 7, kann die von dem zweiten Kanalsystem 4 einströmende Flüssigkeit
ungehindert in den gemeinsamen Endbereich 6 einfließen und so die beiden Kapillarstopps
20 für das erste Kanalsystem 3 und das dritte Kanalsystem 27, 18 benetzen und die
Kapillarstopps aufheben.
Anhand der Fig. 8a bis 8d soll nun ein siebtes Ausführungsbeispiel
27 für einen erfindungsgemäßen Schalter betrieben werden. Dieser erfindungsgemäße
Schalter weist zwei erste Kanalsysteme 3 auf, welche an einen gemeinsamen Endbereich
6 herangeführt werden. Die Mündung der ersten Kanalsysteme 3 ist dabei als Kapillarstopp
20 ausgebildet, so dass eine in den ersten Kanalsystemen 3 transportierte Flüssigkeit
an den Kapillarstopps 20 anhält und nicht in den gemeinsamen Endbereich 6 eindringt.
In den gemeinsamen Endbereich mündet ferner ein zweites Kanalsystem
4. Mittels einer in dem zweiten Kanalsystem 4 transportierten Flüssigkeit, können
die Kapillarstopps 20 mit einer Flüssigkeit benetzt werden, wodurch die Kapillarstopps
20 aufgehoben werden und die in den ersten Kanälen 3 herangeführte Flüssigkeiten
in den gemeinsamen Endbereich 6 eindringen. Mittels eines Auslasskanalsystems 7
werden dann die sich in dem gemeinsamen Endbereich 6 befindenden Flüssigkeiten der
beiden ersten Kanalsysteme und die Flüssigkeit des zweiten Kanalsystems 4 von dem
gemeinsamen Endbereich wegtransportiert.