Eine programmgesteuerte variable Stimmung für Musikinstrumente analysiert Note-an und Note-aus Signale von auf einem Instrument gespielten oder in einer Datei abgespeicherten Musik und errechnet die Stimmungsdaten aus der Summe drei verschiedener Komponenten, nämlich der Komponente 1 = einer sich langsam verändernden Basisstimmung für alle 12 Noten der Oktave, der Komponente 2 = vordefinierten Akkordstrukturen spezifisch zugeordnete Stimmungswerte sowie der Komponente 3 = Korrekturwerte, welche Konfliktfälle ausgleichen. Die Summe der Stimmungsdaten wird je in Echtzeit ausgegeben.
Beschreibung[de]
Die vorliegende Erfindung stellt ein Verfahren für eine programmgesteuerter
variable Stimmung dar. Programmgesteuerte variable Stimmungen dienen dazu, die Stimmung
von Musikinstrumenten, insbesondere elektronischer Tasteninstrumente zu insgesamt
reiner gestimmten Terz- und Quintintervallen zu steuern, als dies mit fest vorgegebenen
Stimmungsmodellen möglich ist. Als rein gestimmte Intervalle versteht man in diesem
Zusammenhang vor allem die reine Quinte mit einem Frequenzverhältnis von 3 : 2,
entsprechend 702 Cents, und die große Terz mit einem Frequenzverhältnis von 5 :
4, entsprechend 386 Cents. Feste Stimmungsmodelle weisen für die genannten Intervalle
Fehler auf. Bei der gleichstufigen Stimmung weist die Quinte 700 Cents, also 2 Cents
Differenz zum Idealwert und die große Terz 400 Cents, also 16 Cents Differenz zum
Idealwert auf.
Programmgesteuerte variable Stimmungen müssen sich mit mehreren Forderungen
auseinandersetzen, welche miteinander in Konflikt stehen. Diese Forderungen sind:
Erstens die Korrekturen zu besserer oder optimaler Reinheit möglichst in Echtzeit
vorzunehmen. Zweitens die Umstimmwerte so gering zu halten, dass die Umstimmungen
liegenbleibender Noten, auch in wechselnden Funktionen innerhalb des harmonischen
Geschehens, unterhalb der Hörgrenze bleiben. Drittens zu vermeiden, dass die Stimmungshöhe
einzelner Noten oder der Gesamtheit aller Noten zu weit vom ursprünglich gewählten
Niveau abdriftet.
Der vorliegenden Erfindung kommen laut Stand der Technik am nächsten
PCT/DE86/00521, und D 38 78 895-8.08. Außerdem zeigt PCT WO 95/22140 ein Verfahren
programmgesteuerter Stimmung auf.
PCT/DE86/00521 stellt ein Verfahren dar, bei dem aufgrund der über
einen bestimmten Zeitraum gemeldeter Nate-an – Signalen analysiert wird, ob
die Menge dieser Noten sich einer bestimmten diatonischen Tonleiter (beispielsweise
der C-Dur-Tonleiter) zuordnen lässt. Sofern dies der Fall ist, werden die spezifischen
Noten der betreffenden Tonart nach vorbestimmter Terzen- und Quintenreinheit eingestimmt.
Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass innerhalb der betreffenden Tonart immer
eine der Quinten sehr unrein gestimmt ist. In C-Dur mit quinten- und terzenrein
gestimmten Intervallen F-A-C-E-G-H-D ist dies die Quinte D-A , welche dadurch zu
einem unreinen Frequenzverhältnis von 40/27 gleich 680 Cents gestimmt wird. Die
Differenz zur angestrebten optimalen Reinheit beträgt 22 Cents, das sogenannte "Syntonische
Komma". Damit wird das angestrebte Ideal reiner Stimmung nur eingeschränkt erreicht.
Dieses Verfahren stimmt außerdem nicht in Echtzeit ein und benötigt bei dem Verlassen
einer Tonart eine bestimmte Zeit, bis eine neu justiertes Stimmungsmodell bereit
steht.
D 38 78 895-8.08 stellt ein
Verfahren für eine tonartunabhängige variable Stimmung dar. Dieses Verfahren stimmt
die Noten, welche an sind, in Echtzeit ein, auf Grund der Analyse von Akkord- und
Intervallstrukturen. Dabei sind die den Akkorden und Intervallen zugeordneten Stimmungsdaten
so gewählt, dass eine möglichst geringe Abweichung vom vorgewählten Stimmungsniveau
einer gleichstufig temperierten Stimmung gegeben ist. Dieses Verfahren stimmt in
Echtzeit ein, korrigierte Stimmungsdaten werden für die Noten bereit gehalten, welche
zur zuletzt erkannten Akkordstruktur gehören und solange, bis eine neue Akkordstruktur
erkannt wird.
PCT WO 95/22140 stellt eine variable Stimmung dar, bei dem der Benutzer
manuell einen Startpunkt als harmonischen Mittelpunkt für ein Stimmungsmodell setzen
muss, wobei dadurch zu eben diesem Startpunkt alle 12 Noten der Oktave in bestimmter
Quinten- oder Terzenreinheit eingestimmt werden. Dieser 12-tönige Pulk wird entsprechend
der musikalischen Modulationen und Rückungen verändert. Dieses Verfahren benötigt
teilweise manuelle Eingaben, außerdem führt es zu starken Umstimmungen, wenn zwei
oder mehr Noten in aufeinanderfolgenden komplexeren Akkorden gegenläufig umgestimmt
werden müssen. Darüber hinaus driftet das Stimmungsniveau relativ schnell vom vorgewählten
Niveau ab.
Im Zusammenhang mit dieser Erfindung sind auch die vielen historisch
überlieferten ungleichstufigen feste Stimmungsmodelle erwähnenswert. Typisch für
alle ist, dass die Quintenkette von C bis E enger als gleichstufig temperiert gestimmt
ist, damit mindestens die Terzintervalle F-A, C-E und G-H näher beim Idealwert 386
Cents liegen, als bei gleichstufiger Stimmung. Notgedrungen werden dadurch die Terzen
entfernter Tonarten wie Ab-Dur oder E-Dur deutlich schlechter gestimmt. Eines dieser
Stimmungsmodelle ist bekannt aus DE 2558716.
Die Notwendigkeit, die Umstimmwerte gleichnamiger Noten klein zu haben,
ist bei allen bekannt gewordenen und auch denkbaren Verfahren zu einer programmgesteuerten
terzen- und quintenreinen Stimmung vor allem dadurch begrenzt, dass bei bestimmten
Akkordfolgen zwei oder mehr Noten in gegenläufiger Richtung umgestimmt werden müssen.
Ein typisches Beispiel bildet die Akkordfolge D-F-A-C zu G-H-D-F in C – Dur,
wobei man das "D" für optimale Terzen- und Quintenreinheit vom ersten zum zweiten
Akkord entweder um 22 Cents, dem schon oben erwähnten "Syntonischen Komma" umstimmen
muss, oder, sofern man die notwendige Umstimmung auf die in beiden Akkorden vertretenen
Noten "D" und "F" gleichmäßig verteilt, beide Noten gegenläufig
um 11 Cents umstimmen muss. Eine Umstimmung um 11 Cents ist jedoch deutlich zu hören,
die Grenze der Hörbarkeit liegt bei glatten Klängen und bei Frequenzen höher als
500 Hz, bei 3 – 4 Cents. Deswegen sollte man Umstimmungen durch Ausgleichsmaßnahmen
möglichst auf ca. 4 Cents begrenzen, was in solchen Fällen notgedrungen für den
Folgeakkord eine starke Abweichung von der angestrebten Reinheit mit sich bringt.
Das bedeutet, dass bei programmgesteuerten variablen Stimmungen nach den bisher
bekannt gewordenen Verfahren man entweder teilweise starke Umstimmungen in Kauf
nehmen muss oder harte Wechsel zwischen reinen, gleich ruhig gestimmten und unreinen,
gleich stark schwebenden Akkorden. Beides ist ästhetisch unbefriedigend.
Die vorliegende Erfindung hat zum Ziel, eine selbsttätig ablaufende
programmgesteuerte variable Stimmung zu bieten, bei der die Intervalle und Akkorde
zwar nicht mit optimalem, aber doch sehr hohem Reinheitsgrad dargeboten werden und
insbesondere bei tonaler Musik die Umstimmungskonflikte minimiert werden. Außerdem
hat sich die vorliegende Erfindung zum Ziel gesetzt, den Charakter der variablen
Stimmung jeweils dem Charakter der dargebotenen Musik anzupassen, je nachdem, ob
diese einen deutlich oder weniger deutlich hervortretenden harmonischen Mittelpunkt
aufweist.
Zu diesem Zweck wird vorgesehen, die programmgesteuerte variable Stimmung
als Summe von drei verschiedenen Komponenten zu errechnen.
Die Komponente 1 dieser variablen Stimmung stellt die Basisstimmung
dar, die zwar bei Beginn des Programmablaufes bevorzugt der gleichstufigen Stimmung
entspricht, sich aber durch eine Analyse der innerhalb eines bestimmten Zeitraumes
auftretenden Note-an und Note-aus Signalen zu einer ungleichstufigen Stimmung verändert
und zwar zu einer solchen, welche für sich alleine betrachtet ungefähr einem traditionellen
ungleichstufigen Stimmungsmodell entspricht. Nur, dass dieses Stimmungsmodell nicht
unbedingt zur Note C als harmonischen Mittelpunkt ausgerichtet ist, sondern zu der
Note, welche im Augenblick im Mitelpunkt des harmonischen Geschehens steht. Eine
für das hier vorgestellte Verfahren bevorzugte Ausbildungen dieser Basistemperatur
zeigt 1. Die auf die Note C ausgerichtete Variante
zeigt 1.1, die auf die Note G ausgerichtete zeigt.
1.2, die auf die Note Ab ausgerichtete zeigt
1.3.
Die Komponente 2 dieser variablen Stimmung sind Stimmungsdaten, welche
der jeweils im Augenblick existierenden Intervall- und Akkordstruktur zugeordnet
sind und die solange gelten, bis eine neue Akkordstruktur erkannt ist. Diese Komponente
entspricht dem Stand der Technik. Beide der vorgenannten Komponenten würden bei
einer Ausbildung von 100 % je für sich alleine betrachtet eine optimierte Stimmung
ausgeben, wobei Kompomente ohne hörbare Umstimmungen arbeitet, dafür dem
harmonischen Geschehen nur allmählich und nur unter Berücksichtigung der zuletzt
erkannten Intervall- und Akkordstrukturen folgt. Komponente 2 reagiert
dagegen unmittelbar auf die augenblicklich existierenden Intervall- und Akkordstrukturen,
birgt dafür aber höheres Konfliktpotential in Bezug auf Umstimmungen in sich. Durch
die Mischung der beiden Komponenten werden die jeweiligen spezifischen Nachteile
dieser beiden Komponenten minimiert.
Die Komponente 3 der programmgesteuerten Stimmung stellen pragmatische
Ausgleichsmaßnahmen dar, welche bei auftretenden Umstimmungskonflikten, das heißt
Umstimmungen, welche einen vordefinierten Wert von ca. 4 Cents überschreiten oder
bei zu bei starkem Abdriften vom vorgewählten Stimmungsniveau die aus der Addition
von Komponente 1 und Komponente 2 errechneten Stimmungsdaten zusätzlich korrigieren.
Alle ausgegebenen Stimmungsdaten verstehen sich als Abweichung zur vorgegebenen
gleichstufigen Temperatur, vorzugsweise in Cents ausgegeben.
Zur Ausbildung der Komponente 1 gleich Basisstimmung werden die in
Komponente 2 nacheinanderfolgend erkannten und entsprechend eingestimmten Intervall-
und Akkordstrukturen sowie deren Stimmungsdaten über einen bestimmten Zeitraum hinweg
ausgewertet. Dazu wird die Eigenschaft genutzt, dass in den von Komponente 2 erkannten
Akkordstrukturen die höchsten positiven Werte typisch sind für die Position des
Grundtones oder der Quinte eines Dur-Akkordes oder der Terz eines Mollakkordes.
Die Summe der positiven Werte der Stimmungsdaten einer bestimmten Menge aufeinanderfolgender
Akkorde gibt somit einen Hinweis darauf, wo sich das harmonische Zentrum dieser
Menge befindet. Wenn beispielsweise nur Akkorde der Tonart C-Dur oder a-Moll gespielt
werden, bildet sich der höchste Wert in der Summe, im Folgenden Maxwert genannt,
beim Ton C oder G aus. Das erlaubt, nach dem Auftreten eines oder mehrerer erkannter
Akkord- und Intervallstrukturen die Komponente 1 gleich Basisstimmung aufzurufen
und zwar innerhalb der 12 verschiedenen Möglichkeiten (entsprechend der 12 verschiedenen
Noten der Oktave), diejenige, welche auf den in der Summe dieser Strukturen erkannten
harmonischen Mittelpunkt ausgerichtet ist. Diese Basisstimmung wird jedoch vorzugsweise
nicht im Sprung aufgerufen, sondern gleitend aufgebaut und verändert. Das geht so
vor sich, dass die Stimmungsdaten vorzugsweise der letzten 8 erkannten Akkorde aus
Komponente 2 in einen Stapelspeicher übernommen werden. Zum besseren Verständnis
ist in
2 ein Musikbeispiel dargestellt, darunter
die Stimmungsdaten von Komponente 2.
Die nachstehende Tabelle zeigt auf, wie Komponente 1 errechnet wird.
Im oberen Teil, mit „Stapelspeicher" gekennzeichnet werden
in den 12 Spalten unterhalb der Kopfzeile „Centwerte von Komponente 2" die
Stimmungsdaten von Komponente 2 aus 2 übernommen, so
wie sie jeder der Akkordstrukturen a – g zugeordnet sind. In den jeweiligen
Zeilen rechts davon wird die Summe der Centwerte nach jeder neu hinzutretenden Akkordstruktur
angezeigt. Der in der jeweiligen Zeile höchste positive Wert bildet den augenblicklichen
Maxwert. In Zeile a ist dies der Wert 6 und der Note G zugeordnet. In den folgenden
Zeilen bleibt der Maxwert bei G und erhöht sich allmählich auf 16, 22 und 32. Die
absolute Höhe des Maxwertes zeigt an, wie stark der harmonische Mittelpunkt ausgebildet
ist. Davon hängt die Gewichtung dieses harmonischen Mittelpunktes ab, welches im
unteren Teil der Tabelle, unterhalb „Errechnen von Komponente 1" dargestellt
ist. Nach Akkord a ist der Maxwert mit 6 Cents noch niedrig. Da dieser Maxwert noch
kleiner als 13 Cents ist, wird die Komponente 1 nur mit 10 % gewichtet und ausgegeben,
vorzugsweise auf 1 Cent gerundet. In der letzten Zeile der Tabelle ist zum besseren
Verständnis aufgezeigt, welches die dem Wert von 100 % entsprechenden Stimmungsdaten
der auf den Ton G ausgerichteten Basisstimmung wären. Nach Akkord b beträgt der
Maxwert über 12, aber weniger als 24 Cents, wodurch Komponente 1 mit 20 % gewichtet
und ausgegeben wird, nach Akkord f beträgt der Maxwert über 23 Cents, wodurch Komponente
1 mit 30 % gewichtet und ausgegeben wird. Da vorzugsweise nur die letzten 8 Akkorde
gespeichert werden, werden ab dem 9. erkannten Akkord die Werte des 1. erkannten
Akkordes gelöscht, nach dem 10. erkannten Akkord die Werte des 2. erkannten Akkordes
und so weiter. Nach jedem neu erkannten Akkord wird aus der Summe der Centwerte
der Maxwert neu ermittelt und auf Grund dessen die Basisstimmung gegebenenfalls
korrigiert, das heißt: Entweder wieder auf die bisherige Note oder eine neue Note
als harmonischen Mittelpunkt ausgerichtet und entsprechend ihres Maxwertes gewichtet.
Der Tabelle ist außerdem zu entnehmen, dass die Gewichtung von Komponente 2 von
der Gewichtung von Komponente 1 abhängt. Es gilt vorzugsweise: Gewichtung von Komponente
1 + Gewichtung von Komponente 2 = 100 %.
TABELLEStapelspeicherErrechnen von Komponente 1
Durch das hier beschriebene Verfahren zur Ausbildung von Komponente
1 gleich Basisstimmung bildet sich deren Stimmungsdaten gleitend aus. Außerdem wird
dadurch bewirkt, dass, sofern sich der harmonische Mittelpunkt zu im Quintenzirkel
benachbarten Noten verschiebt (beispielsweise von F zu C, zu G, zu D etc.), sich
die Stimmungsdaten von Komponente 1 für jede spezifische Note nur in kleinen Schritten
verändert. Die programmgesteuerte variable Stimmung hat dadurch folgende Charakteristik:
Bei tonal gebundener Musik und Modulationen zu verwandten Tonarten bleibt der Maxwert
relativ hoch, entsprechend der Anteil von Komponente 1 an der Summe der Stimmungsdaten
hoch, so dass für jede spezifische Note in unterschiedlich aufeinanderfolgenden
Akkordstrukturen von vornherein nur geringe Umstimmungswerte ausgegeben werden. Die
Akkorde der vorherrschenden Tonart oder dazu eng verwandte, werden nicht mit absoluter,
jedoch mit sehr hoher Reinheit dargeboten, tonartfremde dagegen mit reduzierter
Reinheit. Es ergibt sich dadurch eine sogenannte Tonartcharakteristik, welche die
im Augenblick vorherrschende Tonart begünstigt. Wenn dagegen infolge der Wiedergabe
von tonal wenig oder nicht gebundener Musik der Maxwert niedrig wird, davon abhängig
auch der Prozentsatz von Komponente 1 relativ niedrig wird und der von Komponente
2 relativ hoch, unterliegen die Tonhöhen tendenziell stärkeren Veränderungen. Infolgedessen
müssen eventuelle Ausgleichsmaßnahmen durch die im folgenden noch beschriebene Komponente
3 öfters erfolgen. Dadurch treten gegebenenfalls stärkere Schwankungen im Reinheitsgrad
auf, was bei harmonisch indifferenter Musik eher akzeptiert wird. Das Stimmungsgeschehen
passt sich somit dem Charakter der dargebotenen Musik an.
Im Zusammenhang mit der Analyse von Akkorden und Harmoniefolgen ist
es außerdem notwendig, dass die variable programmgesteuerte Stimmung bei der Identifizierung
von Akkorden prüft, wie lange eine bestimmte Tonhöhe für jede Note existiert. Während
eines mehr oder weniger unregelmäßigen Anschlages von Tasten auf einem Tasteninstrument
treten ja oft Einzelnoten oder flüchtige Tonkombinationen als Vorbote zu einem vollständigen
Akkord auf. Wollte man jede dieser Einzelnoten oder flüchtigen Tonkombinationen
als endgültige Struktur werten, würde man sowohl bei der Programmlogik, als auch
bei notwendigen Ausgleichsmaßnahmen in die Irre gehen. Hier berücksichtigt die variable
Stimmung , dass die Tonverarbeitung durch das menschliche Ohr die Höhe eines Note
oder mehrerer Noten erst nach ca. 1/30 Sekunden identifiziert hat. Es ist deswegen
vorgesehen, zwar grundsätzlich jede Kombination von Noten von der Programmlogik
her sofort so einzustimmen, als bedeute diese einen selbständigen Akkord, notwendige
Ausgleichsmaßnahmen für die als maximal zulässig definierten Umstimmungen zur jeweils
nächsten Kombination von Noten jedoch davon abhängig zu machen, ob die Tonhöhe der
vorherigen Kombination von Noten schon länger als ca. 1/30 Sekunde besteht. Das
bedeutet: Hat eine bestimmte Note über eine längere Zeit als ca. 1/30 Sekunde eine
bestimmte Frequenzhöhe, so wird bei einem eventuell nachfolgenden Umstimmen dieser
Note die Frequenzverschiebung auf vorzugsweise 4 Cents begrenzt, im anderen Falle
sind auch stärkere Frequenzverschiebungen erlaubt (siehe 8).
Außerdem werden nur Akkordstrukturen, welche länger als vorzugsweise 1/30 Sekunde
existieren zur Errechnung der Ausbildung de Maxwertes berücksichtigt.
Bei Musik, die von Sequenzerprogrammen dargeboten wird, kann durch
eine vorab erfolgende Analyse nach dem Erstellen der Sequenz so vorgegangen werden,
dass nicht nur gleichzeitig auftretende, sondern auch nacheinander auftretende Noten
auf ihren harmonischen Zusammenhang hin überprüft werden. Soweit sich von einem
bestimmten Punkt des musikalischen Ablaufes an über mehrere Noten hinweg eine vordefinierte
harmonische Struktur ergibt, können die Stimmungsdaten für alle Noten dieser harmonische
Struktur schon ab der ersten Note ausgegeben werden und bis zur letzten betreffenden
Note unverändert bleiben (siehe 10). Die Stimmungsdaten
können gespeichert und beim Abspielen der Sequenz an passender Stelle ausgegeben
werden. Alternativ kann bei einer Sequenz auch während des Abspielens eine vorauseilende
Analyse über mehrere Takte erfolgen, so dass eine geringere Menge von Stimmungsdaten
gespeichert werden muss.
Die programmgesteuerte variable Stimmung erlaubt es auch, beim Auftreten
der kleinen Septime in Dur-Sept- oder Nonenakkorden (beispielsweise den Notenkombinationen
F-A-C-Eb, F-A-Eb, F-A-C-Eb-G) die betreffende Note (hier das Eb) als Naturseptime
einzustimmen. Allerdings weicht die Naturseptime mit ihrem Frequenzverhältnis von
7 : 4 entsprechend 969 Cents so stark vom temperierten Wert 1000 Cents ab, dass
für die betreffenden Noten keine sinnvollen Ausgleichsmaßnahmen durch Komponente
3 möglich sind, diese Noten also immer starken Stimmungsänderungen unterliegen.
Für den Fall, dass der Benutzer des Programms selbst eine ihm passende
Variante der variablen Stimmung anwählen will, kann vorgesehen werden, dass dem
Benutzer durch entsprechende Hilfsmittel, beispielsweise auf der Oberfläche eines
Musikinstrumentes oder auf der Oberfläche eines Computerprogramms die Anwahl verschiedener
Programmvarianten mit den Anteilen von Komponente 1, Komponente 1 und Komponente
3 ermöglicht wird.
Des weiteren wird vorgeschlagen, dem Benutzer des Stimmungsprogramms
darüber hinaus die Möglichkeit zu geben, die als Resultat der Addition der 3 Komponenten
ausgegebenen Stimmungsdaten durch einen Multiplikator auf beliebige Prozentwerte
zwischen voller Ausgabe (100 %) und gleichstufiger Stimmung (0%) anzusteuern. Beispielsweise
auf 70% oder 50 % (siehe 10).
Die beigefügten Zeichnungen und Tabellen dienen zur Verdeutlichung
der Erfindung.
1 zeigt 3 Beispiele für die Komponente
1 = Basisstimmung, wobei das Stimmungsmodell 1.1 auf die Note C, das Stimmungsmodell
1.2 auf die Note G und das Stimmungsmodell 1.3 auf die Note Ab als harmonischen
Mittelpunkt ausgerichtet ist. Die waagrechte Linie zeigt das Niveau der gleichstufigen
Stimmung an, die Zahlen neben den Notennamen zeigen die Stimmungsdaten als Abweichung
zur gleichstufigen Stimmung in Cents.
2 zeigt mit Teilfigur 2.1 ein Musikbeispiel
anhand dessen die Arbeitsweise des Programms im Folgenden erläutert wird. Teilfigur
2.2 zeigt die Ausbildung der Stimmungsdaten von Komponente 2 zu den unter a bis
g gezeigten Akkordkonfigurationen.
3 zeigt dasselbe Musikbeispiel samt der
Ausbildung von Komponente 1 und zwar zu Beginn bei Teilfig. 3.1 noch als gleichstufige
Temperatur, bei Teilfig. 3.2 in der Ausbildung nach Akkord a, bei Teilfig. 3.3 wie
nach Akkord b ausgebildet und bei Teilfig. 3.4, wie nach Akkord f ausgebildet. Die
Stimmungsdaten von Teilfig. 3.1 bis 3.4 stellen bestimmte Prozentwerte aus der Basisstimmung
von Teilfig. 1.2 dar.
4 zeigt den Ablauf des Stimmungsprogramms
für das in 2 und 3 dargestellten
musikalischen Beispiel samt den ausgegebenen Stimmungsdaten.
Beim ersten Akkord auf Position a ist die Komponente 1 noch mit 0
% gewichtet, entsprechend die Stimmungsdaten von Komponente 2 mit 100 % gewichtet
und in voller Höhe ausgegeben, Ausgleichsmaßnahmen durch Komponente 3 werden nicht
benötigt, deren Werte sind also 0. Beim nächsten Akkord auf Position b ist Komponente
1 mit 10 % gewichtet, ihre Werte laut Tabelle 1 ausgegeben, entsprechend die Stimmungsdaten
von Komponente 2 mit 90 % gewichtet ausgegeben. Da sich beim Note E eine Verschiebung
um 5 Cents gegenüber Akkord a ergeben würde, korrigiert Komponente 3 diesen Wert
um –1, auf unauffällige 4 Cents.
Beim nächsten Akkord auf Position c ist Komponente 1 bereits mit 20
% gewichtet, Komponente 2 also mit 80 %. Diese Gewichtung bleibt den Akkorden auf
Position d und e unverändert, Ausgleichsmaßnahmen von Komponente 3 sind auch nicht
notwendig.
Beim Akkord auf Position f sind dagegen Ausgleichsmaßnahmen von Komponente
3 erforderlich. Diese werden mit zwei unterschiedlichen Maßnahmen vorgenommen, zum
einen werden die Noten D und F individuell korrigiert, außerdem wird das Stimmungsniveau
dieses Akkordes abgesenkt, damit die Umstimmungsschritte von D und F zum vorhergehenden
Akkord ungefähr gleich hoch sind.
Beim Akkord auf Position g ist Komponente 1 bereits mit 30 % gewichtet,
entsprechend wird der Anteil von Komponente 2 auf 70 % reduziert. Komponente 3 hält
das Stimmungsniveau dieses Akkordes nochmals auf –2 Cents, so dass die Umstimmungsschritte
zu vorher im unhörbaren Bereich verbleiben.
5 zeigt zusammengefasst nochmals die
Stimmungsdaten der kritischen Akkordfolge von Akkord e zu Akkord f wobei sichtbar
wird, dass hier ein wesentlich sanfteres Umstimmen erfolgt, als wenn nur Komponente
2, wie bei 2 dargestellt, wirksam wäre. Dazu trägt
bei, dass der Akkord bei Position e in seinen Stimmungsdaten bereits vermittelte,
also von absoluter Reinheit leicht abweichende Werte aufweist. Dadurch weist der
Akkord e leichte Schwebungen auf, so dass der ebenfalls nicht ganz ideal gestimmte
Akkord f in der Folge keinen harten Klanggegensatz ausbildet.
6 zeigt Akkordfolgen, welche tendenziell
die Stimmung tiefer treiben würden. Hier bremst Komponente 3 (im Detail nicht dargestellt)
das Abdriften, indem es die zulässigen Umstimmschritte gleichnamiger Noten erhöht,
je weiter sich das Stimmungsgeschehen vom Ausgangspunkt entfernt. In diesem Beispiel
ist zwecks vereinfachter Darstellung der Anteil von Komponente 1 an den Stimmungsdaten
nicht berücksichtigt.
7 zeigt ebenfalls Akkordfolgen, welche
tendenziell die Stimmung tiefer treiben würden. Hier begrenzt Komponente 3 (im Detail
nicht dargestellt) das Abdriften zusätzlich durch eine Verflachung der Stimmungsdaten,
also eine Annäherung an die gleichstufige Stimmung. In diesem Beispiel ist zwecks
vereinfachter Darstellung der Anteil von Komponente 1 an den Stimmungsdaten nicht
berücksichtigt.
8 zeigt einen arpeggiert angeschlagenes
Intervall C-E. Da von der neutralen Position des alleinigen C zum zweistimmigen
C-E das C gemäß den Werten von Komponente 2 einen Umstimmungsschritt von 7 Cents
aufweisen würde, wird das C-E in der Grundstimmung durch Einwirkung von Komponente
3 um 3 Cents abgesenkt, damit das Umstimmen nicht hörbar wird. Das zeigt
8.1. Dies gilt jedoch nur für den Fall, dass das C
länger als ungefähr 30 ms erklingt, bevor das E hinzutritt. Ist diese Zeit kürzer,
so hat das Ohr die Tonhöhe der ersten Note noch nicht verarbeitet, in diesem Fall
wird der höhere Umstimmschritt vom Stimmungsprogramm zugelassen. Den letzteren Fall
zeigt 8.2.
9 stellt eine Notenfolge dar, wie sie
in einer Sequenz, also einer elektronisch gespeicherten Musikdatei, vorkommen könnte.
Hier wird dargestellt, wie das Stimmungsprogramm durch eine vorauslaufende Analyse
dieser Notenfolge zu einem einzigen, während dieser Notenfolge unveränderbar bleibenden
Stimmungsmodell zusammenfassen kann.
10 stellt dar, wie die Stimmungsdaten
des in der rechten Spalte von 4 dargestellten Stimmungsmodells
durch einen Eingriff des Bedieners mittels eines Multiplikator von 0,5 auf ungefähr
50 % reduziert werden kann. Solche in den Ausgabewerten reduzierten Stimmungsmodelle
können vorteilhaft sein beim Zusammenspiel mit gleichstufig gestimmten Instrumenten.
Anspruch[de]
Ein Verfahren für eine programmgesteuerte variable Stimmung für Musikinstrumente,
gekennzeichnet durch: Die programmgesteuerte variable Stimmung wird als Resultat
einer Analyse von Note-an und Note-aus Signalen einer auf einem Instrument gespielten
oder in einer Datei abgespeicherten Musik errechnet und resultiert
aus der Addition dreier verschiedener Komponenten, nämlich der Komponente 1 = Stimmungsdaten
aus einer sich verändernden Basisstimmung für alle 12 Noten der Oktave, der Komponente
2 = vordefinierten Akkordstrukturen spezifisch zugeordnete Stimmungsdaten, sowie
der Komponente 3 = Stimmungsdaten als Korrekturwerte, damit gleichnamige Noten in
verschiedenen aufeinanderfolgenden Akkordstrukturen vordefinierter Grenzwerte der
Umstimmungen nicht überschreiten, wobei die Stimmungsdaten dieser 3 Komponenten
nicht unmittelbar sondern nur mittelbar voneinander abhängig sind und die Stimmungsdaten
dieser 3 Komponenten addiert und vorzugsweise in Echtzeit als relative Abweichungen
zu einer gleichstufig temperierten Stimmung ausgegeben werden.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Stimmungsdaten von Komponente
2 und 3 in Echtzeit, diejenigen von Komponente 1 dagegen erst bei jeder neuen Note-an
Meldung ausgegeben werden.
Verfahren nach Anspruch 1 und 2, wobei die Stimmungsdaten von Komponente
2 und 3 aufgrund der Information errechnet werden, welche Noten im Augenblick "an"
sind, die Stimmungsdaten der Komponente 1 dagegen auf Grund der Informationen von
Note-an- und Note-aus Signalen, welche über einen bestimmten Zeitraum hinweg auftreten.
Verfahren nach Anspruch 3, wobei die Stimmungsdaten der Komponente
1 aufgrund der Analyse der in den Note-an und Note-aus Signalen erkennbaren harmonischen
Strukturen erstellt werden.
Verfahren nach Anspruch 1 und 2, wobei sich die prozentualen Anteile
der Komponente 2 und der Komponente 1 programmgesteuert ungleich verändern.
Verfahren nach Anspruch 5, wobei sich die prozentualen Anteile der
Komponente 2 und der Komponente 1 programmgesteuert gegenläufig verändern.
Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, wobei das Programm kontrolliert, ob
die addierten Stimmungsdaten von Komponente 1 und Komponente 2 für jeden Note, welcher
den Status "an" hat vorbestimmte Grenzwerte der Umstimmung zu einer vorher ausgegebenen
Tonhöhe überschreitet, und falls ja, mittels Komponente 3 die Umstimmung auf die
vorbestimmten Grenzwerte beschränkt.
Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, wobei das Programm kontrolliert, wie
weit die addierten Stimmungsdaten von Komponente 1 und Komponente 2 von denen der
gleichstufigen Stimmung abweichen, und das Überschreiten vorbestimmter Grenzwerte
gegebenenfalls mittels Komponente 3 beschränkt.
Verfahren nach Anspruch 1 bis 8, wobei für jede Note, wenn sie nacheinander
in zwei verschiedenen Tonhöhen eingestimmt wird, analysiert wird, ob die Zeitdauer
des Erklingens in der ersten Tonhöhe so lange war, dass der Hörer die Tonhöhe akustisch
registrieren konnte, wobei nur im Fall einer Bejahung die zweite Tonhöhe auf eine
vorbestimmte maximale Abweichung von der ersten beschränkt wird.
Verfahren nach Anspruch 1 bis 9, wobei dann, wenn das betreffende
Musikstück in einem Sequenzerprogramm abgespeichert ist, die Stimmungsdaten der
programmgesteuerten Stimmung schon vor dem Abspielen errechnet, gespeichert und
im passenden Augenblick ausgegeben werden.
Verfahren nach Anspruch 1 bis 9, wobei dann, wenn das betreffende
Musikstück in einem Sequenzerprogramm abgespeichert ist, dessen Stimmungsdaten während
des Abspielens der Sequenz vorauseilend errechnet und im passenden Augenblick ausgegeben
werden.
Verfahren nach Anspruch 1–11, wobei der Benutzer über eine entsprechend
gestaltete Oberfläche verschiedene Varianten der programmgesteuerten variablen Stimmung
aufrufen kann.