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Dokumentenidentifikation DE10309000A1 09.09.2004
Titel Verfahren für eine programmgesteuerte variable Stimmung für Musikinstrumente
Anmelder Mohrlok, Werner, 78647 Trossingen, DE
Erfinder Mohrlok, Werner, 78647 Trossingen, DE
DE-Anmeldedatum 01.03.2003
DE-Aktenzeichen 10309000
Offenlegungstag 09.09.2004
Veröffentlichungstag im Patentblatt 09.09.2004
IPC-Hauptklasse G10G 1/04
IPC-Nebenklasse G10H 1/00   
Zusammenfassung Eine programmgesteuerte variable Stimmung für Musikinstrumente analysiert Note-an und Note-aus Signale von auf einem Instrument gespielten oder in einer Datei abgespeicherten Musik und errechnet die Stimmungsdaten aus der Summe drei verschiedener Komponenten, nämlich der Komponente 1 = einer sich langsam verändernden Basisstimmung für alle 12 Noten der Oktave, der Komponente 2 = vordefinierten Akkordstrukturen spezifisch zugeordnete Stimmungswerte sowie der Komponente 3 = Korrekturwerte, welche Konfliktfälle ausgleichen. Die Summe der Stimmungsdaten wird je in Echtzeit ausgegeben.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung stellt ein Verfahren für eine programmgesteuerter variable Stimmung dar. Programmgesteuerte variable Stimmungen dienen dazu, die Stimmung von Musikinstrumenten, insbesondere elektronischer Tasteninstrumente zu insgesamt reiner gestimmten Terz- und Quintintervallen zu steuern, als dies mit fest vorgegebenen Stimmungsmodellen möglich ist. Als rein gestimmte Intervalle versteht man in diesem Zusammenhang vor allem die reine Quinte mit einem Frequenzverhältnis von 3 : 2, entsprechend 702 Cents, und die große Terz mit einem Frequenzverhältnis von 5 : 4, entsprechend 386 Cents. Feste Stimmungsmodelle weisen für die genannten Intervalle Fehler auf. Bei der gleichstufigen Stimmung weist die Quinte 700 Cents, also 2 Cents Differenz zum Idealwert und die große Terz 400 Cents, also 16 Cents Differenz zum Idealwert auf.

Programmgesteuerte variable Stimmungen müssen sich mit mehreren Forderungen auseinandersetzen, welche miteinander in Konflikt stehen. Diese Forderungen sind: Erstens die Korrekturen zu besserer oder optimaler Reinheit möglichst in Echtzeit vorzunehmen. Zweitens die Umstimmwerte so gering zu halten, dass die Umstimmungen liegenbleibender Noten, auch in wechselnden Funktionen innerhalb des harmonischen Geschehens, unterhalb der Hörgrenze bleiben. Drittens zu vermeiden, dass die Stimmungshöhe einzelner Noten oder der Gesamtheit aller Noten zu weit vom ursprünglich gewählten Niveau abdriftet.

Der vorliegenden Erfindung kommen laut Stand der Technik am nächsten PCT/DE86/00521, und D 38 78 895-8.08. Außerdem zeigt PCT WO 95/22140 ein Verfahren programmgesteuerter Stimmung auf.

PCT/DE86/00521 stellt ein Verfahren dar, bei dem aufgrund der über einen bestimmten Zeitraum gemeldeter Nate-an – Signalen analysiert wird, ob die Menge dieser Noten sich einer bestimmten diatonischen Tonleiter (beispielsweise der C-Dur-Tonleiter) zuordnen lässt. Sofern dies der Fall ist, werden die spezifischen Noten der betreffenden Tonart nach vorbestimmter Terzen- und Quintenreinheit eingestimmt. Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass innerhalb der betreffenden Tonart immer eine der Quinten sehr unrein gestimmt ist. In C-Dur mit quinten- und terzenrein gestimmten Intervallen F-A-C-E-G-H-D ist dies die Quinte D-A , welche dadurch zu einem unreinen Frequenzverhältnis von 40/27 gleich 680 Cents gestimmt wird. Die Differenz zur angestrebten optimalen Reinheit beträgt 22 Cents, das sogenannte "Syntonische Komma". Damit wird das angestrebte Ideal reiner Stimmung nur eingeschränkt erreicht. Dieses Verfahren stimmt außerdem nicht in Echtzeit ein und benötigt bei dem Verlassen einer Tonart eine bestimmte Zeit, bis eine neu justiertes Stimmungsmodell bereit steht.

D 38 78 895-8.08 stellt ein Verfahren für eine tonartunabhängige variable Stimmung dar. Dieses Verfahren stimmt die Noten, welche an sind, in Echtzeit ein, auf Grund der Analyse von Akkord- und Intervallstrukturen. Dabei sind die den Akkorden und Intervallen zugeordneten Stimmungsdaten so gewählt, dass eine möglichst geringe Abweichung vom vorgewählten Stimmungsniveau einer gleichstufig temperierten Stimmung gegeben ist. Dieses Verfahren stimmt in Echtzeit ein, korrigierte Stimmungsdaten werden für die Noten bereit gehalten, welche zur zuletzt erkannten Akkordstruktur gehören und solange, bis eine neue Akkordstruktur erkannt wird.

PCT WO 95/22140 stellt eine variable Stimmung dar, bei dem der Benutzer manuell einen Startpunkt als harmonischen Mittelpunkt für ein Stimmungsmodell setzen muss, wobei dadurch zu eben diesem Startpunkt alle 12 Noten der Oktave in bestimmter Quinten- oder Terzenreinheit eingestimmt werden. Dieser 12-tönige Pulk wird entsprechend der musikalischen Modulationen und Rückungen verändert. Dieses Verfahren benötigt teilweise manuelle Eingaben, außerdem führt es zu starken Umstimmungen, wenn zwei oder mehr Noten in aufeinanderfolgenden komplexeren Akkorden gegenläufig umgestimmt werden müssen. Darüber hinaus driftet das Stimmungsniveau relativ schnell vom vorgewählten Niveau ab.

Im Zusammenhang mit dieser Erfindung sind auch die vielen historisch überlieferten ungleichstufigen feste Stimmungsmodelle erwähnenswert. Typisch für alle ist, dass die Quintenkette von C bis E enger als gleichstufig temperiert gestimmt ist, damit mindestens die Terzintervalle F-A, C-E und G-H näher beim Idealwert 386 Cents liegen, als bei gleichstufiger Stimmung. Notgedrungen werden dadurch die Terzen entfernter Tonarten wie Ab-Dur oder E-Dur deutlich schlechter gestimmt. Eines dieser Stimmungsmodelle ist bekannt aus DE 2558716.

Die Notwendigkeit, die Umstimmwerte gleichnamiger Noten klein zu haben, ist bei allen bekannt gewordenen und auch denkbaren Verfahren zu einer programmgesteuerten terzen- und quintenreinen Stimmung vor allem dadurch begrenzt, dass bei bestimmten Akkordfolgen zwei oder mehr Noten in gegenläufiger Richtung umgestimmt werden müssen. Ein typisches Beispiel bildet die Akkordfolge D-F-A-C zu G-H-D-F in C – Dur, wobei man das "D" für optimale Terzen- und Quintenreinheit vom ersten zum zweiten Akkord entweder um 22 Cents, dem schon oben erwähnten "Syntonischen Komma" umstimmen muss, oder, sofern man die notwendige Umstimmung auf die in beiden Akkorden vertretenen Noten "D" und "F" gleichmäßig verteilt, beide Noten gegenläufig um 11 Cents umstimmen muss. Eine Umstimmung um 11 Cents ist jedoch deutlich zu hören, die Grenze der Hörbarkeit liegt bei glatten Klängen und bei Frequenzen höher als 500 Hz, bei 3 – 4 Cents. Deswegen sollte man Umstimmungen durch Ausgleichsmaßnahmen möglichst auf ca. 4 Cents begrenzen, was in solchen Fällen notgedrungen für den Folgeakkord eine starke Abweichung von der angestrebten Reinheit mit sich bringt. Das bedeutet, dass bei programmgesteuerten variablen Stimmungen nach den bisher bekannt gewordenen Verfahren man entweder teilweise starke Umstimmungen in Kauf nehmen muss oder harte Wechsel zwischen reinen, gleich ruhig gestimmten und unreinen, gleich stark schwebenden Akkorden. Beides ist ästhetisch unbefriedigend.

Die vorliegende Erfindung hat zum Ziel, eine selbsttätig ablaufende programmgesteuerte variable Stimmung zu bieten, bei der die Intervalle und Akkorde zwar nicht mit optimalem, aber doch sehr hohem Reinheitsgrad dargeboten werden und insbesondere bei tonaler Musik die Umstimmungskonflikte minimiert werden. Außerdem hat sich die vorliegende Erfindung zum Ziel gesetzt, den Charakter der variablen Stimmung jeweils dem Charakter der dargebotenen Musik anzupassen, je nachdem, ob diese einen deutlich oder weniger deutlich hervortretenden harmonischen Mittelpunkt aufweist.

Zu diesem Zweck wird vorgesehen, die programmgesteuerte variable Stimmung als Summe von drei verschiedenen Komponenten zu errechnen.

Die Komponente 1 dieser variablen Stimmung stellt die Basisstimmung dar, die zwar bei Beginn des Programmablaufes bevorzugt der gleichstufigen Stimmung entspricht, sich aber durch eine Analyse der innerhalb eines bestimmten Zeitraumes auftretenden Note-an und Note-aus Signalen zu einer ungleichstufigen Stimmung verändert und zwar zu einer solchen, welche für sich alleine betrachtet ungefähr einem traditionellen ungleichstufigen Stimmungsmodell entspricht. Nur, dass dieses Stimmungsmodell nicht unbedingt zur Note C als harmonischen Mittelpunkt ausgerichtet ist, sondern zu der Note, welche im Augenblick im Mitelpunkt des harmonischen Geschehens steht. Eine für das hier vorgestellte Verfahren bevorzugte Ausbildungen dieser Basistemperatur zeigt 1. Die auf die Note C ausgerichtete Variante zeigt 1.1, die auf die Note G ausgerichtete zeigt. 1.2, die auf die Note Ab ausgerichtete zeigt 1.3.

Die Komponente 2 dieser variablen Stimmung sind Stimmungsdaten, welche der jeweils im Augenblick existierenden Intervall- und Akkordstruktur zugeordnet sind und die solange gelten, bis eine neue Akkordstruktur erkannt ist. Diese Komponente entspricht dem Stand der Technik. Beide der vorgenannten Komponenten würden bei einer Ausbildung von 100 % je für sich alleine betrachtet eine optimierte Stimmung ausgeben, wobei Kompomente ohne hörbare Umstimmungen arbeitet, dafür dem harmonischen Geschehen nur allmählich und nur unter Berücksichtigung der zuletzt erkannten Intervall- und Akkordstrukturen folgt. Komponente 2 reagiert dagegen unmittelbar auf die augenblicklich existierenden Intervall- und Akkordstrukturen, birgt dafür aber höheres Konfliktpotential in Bezug auf Umstimmungen in sich. Durch die Mischung der beiden Komponenten werden die jeweiligen spezifischen Nachteile dieser beiden Komponenten minimiert.

Die Komponente 3 der programmgesteuerten Stimmung stellen pragmatische Ausgleichsmaßnahmen dar, welche bei auftretenden Umstimmungskonflikten, das heißt Umstimmungen, welche einen vordefinierten Wert von ca. 4 Cents überschreiten oder bei zu bei starkem Abdriften vom vorgewählten Stimmungsniveau die aus der Addition von Komponente 1 und Komponente 2 errechneten Stimmungsdaten zusätzlich korrigieren. Alle ausgegebenen Stimmungsdaten verstehen sich als Abweichung zur vorgegebenen gleichstufigen Temperatur, vorzugsweise in Cents ausgegeben.

Zur Ausbildung der Komponente 1 gleich Basisstimmung werden die in Komponente 2 nacheinanderfolgend erkannten und entsprechend eingestimmten Intervall- und Akkordstrukturen sowie deren Stimmungsdaten über einen bestimmten Zeitraum hinweg ausgewertet. Dazu wird die Eigenschaft genutzt, dass in den von Komponente 2 erkannten Akkordstrukturen die höchsten positiven Werte typisch sind für die Position des Grundtones oder der Quinte eines Dur-Akkordes oder der Terz eines Mollakkordes. Die Summe der positiven Werte der Stimmungsdaten einer bestimmten Menge aufeinanderfolgender Akkorde gibt somit einen Hinweis darauf, wo sich das harmonische Zentrum dieser Menge befindet. Wenn beispielsweise nur Akkorde der Tonart C-Dur oder a-Moll gespielt werden, bildet sich der höchste Wert in der Summe, im Folgenden Maxwert genannt, beim Ton C oder G aus. Das erlaubt, nach dem Auftreten eines oder mehrerer erkannter Akkord- und Intervallstrukturen die Komponente 1 gleich Basisstimmung aufzurufen und zwar innerhalb der 12 verschiedenen Möglichkeiten (entsprechend der 12 verschiedenen Noten der Oktave), diejenige, welche auf den in der Summe dieser Strukturen erkannten harmonischen Mittelpunkt ausgerichtet ist. Diese Basisstimmung wird jedoch vorzugsweise nicht im Sprung aufgerufen, sondern gleitend aufgebaut und verändert. Das geht so vor sich, dass die Stimmungsdaten vorzugsweise der letzten 8 erkannten Akkorde aus Komponente 2 in einen Stapelspeicher übernommen werden. Zum besseren Verständnis ist in

2 ein Musikbeispiel dargestellt, darunter die Stimmungsdaten von Komponente 2.

Die nachstehende Tabelle zeigt auf, wie Komponente 1 errechnet wird. Im oberen Teil, mit „Stapelspeicher" gekennzeichnet werden in den 12 Spalten unterhalb der Kopfzeile „Centwerte von Komponente 2" die Stimmungsdaten von Komponente 2 aus 2 übernommen, so wie sie jeder der Akkordstrukturen a – g zugeordnet sind. In den jeweiligen Zeilen rechts davon wird die Summe der Centwerte nach jeder neu hinzutretenden Akkordstruktur angezeigt. Der in der jeweiligen Zeile höchste positive Wert bildet den augenblicklichen Maxwert. In Zeile a ist dies der Wert 6 und der Note G zugeordnet. In den folgenden Zeilen bleibt der Maxwert bei G und erhöht sich allmählich auf 16, 22 und 32. Die absolute Höhe des Maxwertes zeigt an, wie stark der harmonische Mittelpunkt ausgebildet ist. Davon hängt die Gewichtung dieses harmonischen Mittelpunktes ab, welches im unteren Teil der Tabelle, unterhalb „Errechnen von Komponente 1" dargestellt ist. Nach Akkord a ist der Maxwert mit 6 Cents noch niedrig. Da dieser Maxwert noch kleiner als 13 Cents ist, wird die Komponente 1 nur mit 10 % gewichtet und ausgegeben, vorzugsweise auf 1 Cent gerundet. In der letzten Zeile der Tabelle ist zum besseren Verständnis aufgezeigt, welches die dem Wert von 100 % entsprechenden Stimmungsdaten der auf den Ton G ausgerichteten Basisstimmung wären. Nach Akkord b beträgt der Maxwert über 12, aber weniger als 24 Cents, wodurch Komponente 1 mit 20 % gewichtet und ausgegeben wird, nach Akkord f beträgt der Maxwert über 23 Cents, wodurch Komponente 1 mit 30 % gewichtet und ausgegeben wird. Da vorzugsweise nur die letzten 8 Akkorde gespeichert werden, werden ab dem 9. erkannten Akkord die Werte des 1. erkannten Akkordes gelöscht, nach dem 10. erkannten Akkord die Werte des 2. erkannten Akkordes und so weiter. Nach jedem neu erkannten Akkord wird aus der Summe der Centwerte der Maxwert neu ermittelt und auf Grund dessen die Basisstimmung gegebenenfalls korrigiert, das heißt: Entweder wieder auf die bisherige Note oder eine neue Note als harmonischen Mittelpunkt ausgerichtet und entsprechend ihres Maxwertes gewichtet. Der Tabelle ist außerdem zu entnehmen, dass die Gewichtung von Komponente 2 von der Gewichtung von Komponente 1 abhängt. Es gilt vorzugsweise: Gewichtung von Komponente 1 + Gewichtung von Komponente 2 = 100 %.

TABELLE
Stapelspeicher
Errechnen von Komponente 1

Durch das hier beschriebene Verfahren zur Ausbildung von Komponente 1 gleich Basisstimmung bildet sich deren Stimmungsdaten gleitend aus. Außerdem wird dadurch bewirkt, dass, sofern sich der harmonische Mittelpunkt zu im Quintenzirkel benachbarten Noten verschiebt (beispielsweise von F zu C, zu G, zu D etc.), sich die Stimmungsdaten von Komponente 1 für jede spezifische Note nur in kleinen Schritten verändert. Die programmgesteuerte variable Stimmung hat dadurch folgende Charakteristik: Bei tonal gebundener Musik und Modulationen zu verwandten Tonarten bleibt der Maxwert relativ hoch, entsprechend der Anteil von Komponente 1 an der Summe der Stimmungsdaten hoch, so dass für jede spezifische Note in unterschiedlich aufeinanderfolgenden Akkordstrukturen von vornherein nur geringe Umstimmungswerte ausgegeben werden. Die Akkorde der vorherrschenden Tonart oder dazu eng verwandte, werden nicht mit absoluter, jedoch mit sehr hoher Reinheit dargeboten, tonartfremde dagegen mit reduzierter Reinheit. Es ergibt sich dadurch eine sogenannte Tonartcharakteristik, welche die im Augenblick vorherrschende Tonart begünstigt. Wenn dagegen infolge der Wiedergabe von tonal wenig oder nicht gebundener Musik der Maxwert niedrig wird, davon abhängig auch der Prozentsatz von Komponente 1 relativ niedrig wird und der von Komponente 2 relativ hoch, unterliegen die Tonhöhen tendenziell stärkeren Veränderungen. Infolgedessen müssen eventuelle Ausgleichsmaßnahmen durch die im folgenden noch beschriebene Komponente 3 öfters erfolgen. Dadurch treten gegebenenfalls stärkere Schwankungen im Reinheitsgrad auf, was bei harmonisch indifferenter Musik eher akzeptiert wird. Das Stimmungsgeschehen passt sich somit dem Charakter der dargebotenen Musik an.

Im Zusammenhang mit der Analyse von Akkorden und Harmoniefolgen ist es außerdem notwendig, dass die variable programmgesteuerte Stimmung bei der Identifizierung von Akkorden prüft, wie lange eine bestimmte Tonhöhe für jede Note existiert. Während eines mehr oder weniger unregelmäßigen Anschlages von Tasten auf einem Tasteninstrument treten ja oft Einzelnoten oder flüchtige Tonkombinationen als Vorbote zu einem vollständigen Akkord auf. Wollte man jede dieser Einzelnoten oder flüchtigen Tonkombinationen als endgültige Struktur werten, würde man sowohl bei der Programmlogik, als auch bei notwendigen Ausgleichsmaßnahmen in die Irre gehen. Hier berücksichtigt die variable Stimmung , dass die Tonverarbeitung durch das menschliche Ohr die Höhe eines Note oder mehrerer Noten erst nach ca. 1/30 Sekunden identifiziert hat. Es ist deswegen vorgesehen, zwar grundsätzlich jede Kombination von Noten von der Programmlogik her sofort so einzustimmen, als bedeute diese einen selbständigen Akkord, notwendige Ausgleichsmaßnahmen für die als maximal zulässig definierten Umstimmungen zur jeweils nächsten Kombination von Noten jedoch davon abhängig zu machen, ob die Tonhöhe der vorherigen Kombination von Noten schon länger als ca. 1/30 Sekunde besteht. Das bedeutet: Hat eine bestimmte Note über eine längere Zeit als ca. 1/30 Sekunde eine bestimmte Frequenzhöhe, so wird bei einem eventuell nachfolgenden Umstimmen dieser Note die Frequenzverschiebung auf vorzugsweise 4 Cents begrenzt, im anderen Falle sind auch stärkere Frequenzverschiebungen erlaubt (siehe 8). Außerdem werden nur Akkordstrukturen, welche länger als vorzugsweise 1/30 Sekunde existieren zur Errechnung der Ausbildung de Maxwertes berücksichtigt.

Bei Musik, die von Sequenzerprogrammen dargeboten wird, kann durch eine vorab erfolgende Analyse nach dem Erstellen der Sequenz so vorgegangen werden, dass nicht nur gleichzeitig auftretende, sondern auch nacheinander auftretende Noten auf ihren harmonischen Zusammenhang hin überprüft werden. Soweit sich von einem bestimmten Punkt des musikalischen Ablaufes an über mehrere Noten hinweg eine vordefinierte harmonische Struktur ergibt, können die Stimmungsdaten für alle Noten dieser harmonische Struktur schon ab der ersten Note ausgegeben werden und bis zur letzten betreffenden Note unverändert bleiben (siehe 10). Die Stimmungsdaten können gespeichert und beim Abspielen der Sequenz an passender Stelle ausgegeben werden. Alternativ kann bei einer Sequenz auch während des Abspielens eine vorauseilende Analyse über mehrere Takte erfolgen, so dass eine geringere Menge von Stimmungsdaten gespeichert werden muss.

Die programmgesteuerte variable Stimmung erlaubt es auch, beim Auftreten der kleinen Septime in Dur-Sept- oder Nonenakkorden (beispielsweise den Notenkombinationen F-A-C-Eb, F-A-Eb, F-A-C-Eb-G) die betreffende Note (hier das Eb) als Naturseptime einzustimmen. Allerdings weicht die Naturseptime mit ihrem Frequenzverhältnis von 7 : 4 entsprechend 969 Cents so stark vom temperierten Wert 1000 Cents ab, dass für die betreffenden Noten keine sinnvollen Ausgleichsmaßnahmen durch Komponente 3 möglich sind, diese Noten also immer starken Stimmungsänderungen unterliegen.

Für den Fall, dass der Benutzer des Programms selbst eine ihm passende Variante der variablen Stimmung anwählen will, kann vorgesehen werden, dass dem Benutzer durch entsprechende Hilfsmittel, beispielsweise auf der Oberfläche eines Musikinstrumentes oder auf der Oberfläche eines Computerprogramms die Anwahl verschiedener Programmvarianten mit den Anteilen von Komponente 1, Komponente 1 und Komponente 3 ermöglicht wird.

Des weiteren wird vorgeschlagen, dem Benutzer des Stimmungsprogramms darüber hinaus die Möglichkeit zu geben, die als Resultat der Addition der 3 Komponenten ausgegebenen Stimmungsdaten durch einen Multiplikator auf beliebige Prozentwerte zwischen voller Ausgabe (100 %) und gleichstufiger Stimmung (0%) anzusteuern. Beispielsweise auf 70% oder 50 % (siehe 10).

Die beigefügten Zeichnungen und Tabellen dienen zur Verdeutlichung der Erfindung.

1 zeigt 3 Beispiele für die Komponente 1 = Basisstimmung, wobei das Stimmungsmodell 1.1 auf die Note C, das Stimmungsmodell 1.2 auf die Note G und das Stimmungsmodell 1.3 auf die Note Ab als harmonischen Mittelpunkt ausgerichtet ist. Die waagrechte Linie zeigt das Niveau der gleichstufigen Stimmung an, die Zahlen neben den Notennamen zeigen die Stimmungsdaten als Abweichung zur gleichstufigen Stimmung in Cents.

2 zeigt mit Teilfigur 2.1 ein Musikbeispiel anhand dessen die Arbeitsweise des Programms im Folgenden erläutert wird. Teilfigur 2.2 zeigt die Ausbildung der Stimmungsdaten von Komponente 2 zu den unter a bis g gezeigten Akkordkonfigurationen.

3 zeigt dasselbe Musikbeispiel samt der Ausbildung von Komponente 1 und zwar zu Beginn bei Teilfig. 3.1 noch als gleichstufige Temperatur, bei Teilfig. 3.2 in der Ausbildung nach Akkord a, bei Teilfig. 3.3 wie nach Akkord b ausgebildet und bei Teilfig. 3.4, wie nach Akkord f ausgebildet. Die Stimmungsdaten von Teilfig. 3.1 bis 3.4 stellen bestimmte Prozentwerte aus der Basisstimmung von Teilfig. 1.2 dar.

4 zeigt den Ablauf des Stimmungsprogramms für das in 2 und 3 dargestellten musikalischen Beispiel samt den ausgegebenen Stimmungsdaten.

Beim ersten Akkord auf Position a ist die Komponente 1 noch mit 0 % gewichtet, entsprechend die Stimmungsdaten von Komponente 2 mit 100 % gewichtet und in voller Höhe ausgegeben, Ausgleichsmaßnahmen durch Komponente 3 werden nicht benötigt, deren Werte sind also 0. Beim nächsten Akkord auf Position b ist Komponente 1 mit 10 % gewichtet, ihre Werte laut Tabelle 1 ausgegeben, entsprechend die Stimmungsdaten von Komponente 2 mit 90 % gewichtet ausgegeben. Da sich beim Note E eine Verschiebung um 5 Cents gegenüber Akkord a ergeben würde, korrigiert Komponente 3 diesen Wert um –1, auf unauffällige 4 Cents.

Beim nächsten Akkord auf Position c ist Komponente 1 bereits mit 20 % gewichtet, Komponente 2 also mit 80 %. Diese Gewichtung bleibt den Akkorden auf Position d und e unverändert, Ausgleichsmaßnahmen von Komponente 3 sind auch nicht notwendig.

Beim Akkord auf Position f sind dagegen Ausgleichsmaßnahmen von Komponente 3 erforderlich. Diese werden mit zwei unterschiedlichen Maßnahmen vorgenommen, zum einen werden die Noten D und F individuell korrigiert, außerdem wird das Stimmungsniveau dieses Akkordes abgesenkt, damit die Umstimmungsschritte von D und F zum vorhergehenden Akkord ungefähr gleich hoch sind.

Beim Akkord auf Position g ist Komponente 1 bereits mit 30 % gewichtet, entsprechend wird der Anteil von Komponente 2 auf 70 % reduziert. Komponente 3 hält das Stimmungsniveau dieses Akkordes nochmals auf –2 Cents, so dass die Umstimmungsschritte zu vorher im unhörbaren Bereich verbleiben.

5 zeigt zusammengefasst nochmals die Stimmungsdaten der kritischen Akkordfolge von Akkord e zu Akkord f wobei sichtbar wird, dass hier ein wesentlich sanfteres Umstimmen erfolgt, als wenn nur Komponente 2, wie bei 2 dargestellt, wirksam wäre. Dazu trägt bei, dass der Akkord bei Position e in seinen Stimmungsdaten bereits vermittelte, also von absoluter Reinheit leicht abweichende Werte aufweist. Dadurch weist der Akkord e leichte Schwebungen auf, so dass der ebenfalls nicht ganz ideal gestimmte Akkord f in der Folge keinen harten Klanggegensatz ausbildet.

6 zeigt Akkordfolgen, welche tendenziell die Stimmung tiefer treiben würden. Hier bremst Komponente 3 (im Detail nicht dargestellt) das Abdriften, indem es die zulässigen Umstimmschritte gleichnamiger Noten erhöht, je weiter sich das Stimmungsgeschehen vom Ausgangspunkt entfernt. In diesem Beispiel ist zwecks vereinfachter Darstellung der Anteil von Komponente 1 an den Stimmungsdaten nicht berücksichtigt.

7 zeigt ebenfalls Akkordfolgen, welche tendenziell die Stimmung tiefer treiben würden. Hier begrenzt Komponente 3 (im Detail nicht dargestellt) das Abdriften zusätzlich durch eine Verflachung der Stimmungsdaten, also eine Annäherung an die gleichstufige Stimmung. In diesem Beispiel ist zwecks vereinfachter Darstellung der Anteil von Komponente 1 an den Stimmungsdaten nicht berücksichtigt.

8 zeigt einen arpeggiert angeschlagenes Intervall C-E. Da von der neutralen Position des alleinigen C zum zweistimmigen C-E das C gemäß den Werten von Komponente 2 einen Umstimmungsschritt von 7 Cents aufweisen würde, wird das C-E in der Grundstimmung durch Einwirkung von Komponente 3 um 3 Cents abgesenkt, damit das Umstimmen nicht hörbar wird. Das zeigt 8.1. Dies gilt jedoch nur für den Fall, dass das C länger als ungefähr 30 ms erklingt, bevor das E hinzutritt. Ist diese Zeit kürzer, so hat das Ohr die Tonhöhe der ersten Note noch nicht verarbeitet, in diesem Fall wird der höhere Umstimmschritt vom Stimmungsprogramm zugelassen. Den letzteren Fall zeigt 8.2.

9 stellt eine Notenfolge dar, wie sie in einer Sequenz, also einer elektronisch gespeicherten Musikdatei, vorkommen könnte. Hier wird dargestellt, wie das Stimmungsprogramm durch eine vorauslaufende Analyse dieser Notenfolge zu einem einzigen, während dieser Notenfolge unveränderbar bleibenden Stimmungsmodell zusammenfassen kann.

10 stellt dar, wie die Stimmungsdaten des in der rechten Spalte von 4 dargestellten Stimmungsmodells durch einen Eingriff des Bedieners mittels eines Multiplikator von 0,5 auf ungefähr 50 % reduziert werden kann. Solche in den Ausgabewerten reduzierten Stimmungsmodelle können vorteilhaft sein beim Zusammenspiel mit gleichstufig gestimmten Instrumenten.


Anspruch[de]
  1. Ein Verfahren für eine programmgesteuerte variable Stimmung für Musikinstrumente, gekennzeichnet durch: Die programmgesteuerte variable Stimmung wird als Resultat einer Analyse von Note-an und Note-aus Signalen einer auf einem Instrument gespielten oder in einer Datei abgespeicherten Musik errechnet und resultiert aus der Addition dreier verschiedener Komponenten, nämlich der Komponente 1 = Stimmungsdaten aus einer sich verändernden Basisstimmung für alle 12 Noten der Oktave, der Komponente 2 = vordefinierten Akkordstrukturen spezifisch zugeordnete Stimmungsdaten, sowie der Komponente 3 = Stimmungsdaten als Korrekturwerte, damit gleichnamige Noten in verschiedenen aufeinanderfolgenden Akkordstrukturen vordefinierter Grenzwerte der Umstimmungen nicht überschreiten, wobei die Stimmungsdaten dieser 3 Komponenten nicht unmittelbar sondern nur mittelbar voneinander abhängig sind und die Stimmungsdaten dieser 3 Komponenten addiert und vorzugsweise in Echtzeit als relative Abweichungen zu einer gleichstufig temperierten Stimmung ausgegeben werden.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Stimmungsdaten von Komponente 2 und 3 in Echtzeit, diejenigen von Komponente 1 dagegen erst bei jeder neuen Note-an Meldung ausgegeben werden.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, wobei die Stimmungsdaten von Komponente 2 und 3 aufgrund der Information errechnet werden, welche Noten im Augenblick "an" sind, die Stimmungsdaten der Komponente 1 dagegen auf Grund der Informationen von Note-an- und Note-aus Signalen, welche über einen bestimmten Zeitraum hinweg auftreten.
  4. Verfahren nach Anspruch 3, wobei die Stimmungsdaten der Komponente 1 aufgrund der Analyse der in den Note-an und Note-aus Signalen erkennbaren harmonischen Strukturen erstellt werden.
  5. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, wobei sich die prozentualen Anteile der Komponente 2 und der Komponente 1 programmgesteuert ungleich verändern.
  6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei sich die prozentualen Anteile der Komponente 2 und der Komponente 1 programmgesteuert gegenläufig verändern.
  7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, wobei das Programm kontrolliert, ob die addierten Stimmungsdaten von Komponente 1 und Komponente 2 für jeden Note, welcher den Status "an" hat vorbestimmte Grenzwerte der Umstimmung zu einer vorher ausgegebenen Tonhöhe überschreitet, und falls ja, mittels Komponente 3 die Umstimmung auf die vorbestimmten Grenzwerte beschränkt.
  8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, wobei das Programm kontrolliert, wie weit die addierten Stimmungsdaten von Komponente 1 und Komponente 2 von denen der gleichstufigen Stimmung abweichen, und das Überschreiten vorbestimmter Grenzwerte gegebenenfalls mittels Komponente 3 beschränkt.
  9. Verfahren nach Anspruch 1 bis 8, wobei für jede Note, wenn sie nacheinander in zwei verschiedenen Tonhöhen eingestimmt wird, analysiert wird, ob die Zeitdauer des Erklingens in der ersten Tonhöhe so lange war, dass der Hörer die Tonhöhe akustisch registrieren konnte, wobei nur im Fall einer Bejahung die zweite Tonhöhe auf eine vorbestimmte maximale Abweichung von der ersten beschränkt wird.
  10. Verfahren nach Anspruch 1 bis 9, wobei dann, wenn das betreffende Musikstück in einem Sequenzerprogramm abgespeichert ist, die Stimmungsdaten der programmgesteuerten Stimmung schon vor dem Abspielen errechnet, gespeichert und im passenden Augenblick ausgegeben werden.
  11. Verfahren nach Anspruch 1 bis 9, wobei dann, wenn das betreffende Musikstück in einem Sequenzerprogramm abgespeichert ist, dessen Stimmungsdaten während des Abspielens der Sequenz vorauseilend errechnet und im passenden Augenblick ausgegeben werden.
  12. Verfahren nach Anspruch 1–11, wobei der Benutzer über eine entsprechend gestaltete Oberfläche verschiedene Varianten der programmgesteuerten variablen Stimmung aufrufen kann.
Es folgen 4 Blatt Zeichnungen






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